Die Debatte um die Olympia-Bewerbung von Hamburg nimmt Fahrt auf. Nachdem sich in den letzten Wochen und Monaten vor allem die Handelskammer, der Sportbund sowie der SPD-Senat und einige andere für eine Bewerbung formiert haben, regt sich nun auch der Widerstand. Ein Ratschlag über (N)Olympia wird am 14. August stattfinden und auf der Homepage www.nolympia-hamburg.de werden immer mehr Infomaterial und Kommentare veröffentlicht, die eine kritische Auseinandersetzung mit der Bewerbung unterstützen sollen. Zuletzt sind dort die folgenden Texte erschienen:
Schlagwort: Olympia-Bewerbung
Hamburger Sport-Bund: Reihen schließen für Olympia-Bewerbung.

Hamburgs Sport-Bund (HSB) hat einen neuen Chef. Und der soll sich für die Olympia-Bewerbbung der Hansestadt stark machen. „Die Mitgliederversammlung des Verbandes wählte am Sonnabendnachmittag im Emporio-Hochhaus am Dammtorwall den Juristen Dr. Jürgen Mantell, 70, für die nächsten vier Jahre zum neuen Präsidenten von Hamburgs größter Personenvereinigung. Im HSB sind 574.000 Mitglieder in 802 Vereinen und 54 Fachverbänden organisiert. Günter Ploß, 66, der bisherige Amtsinhaber, wurde anschließend einstimmig zum Ehrenpräsidenten ernannt. Ploß, derzeit noch Sprecher der 16 deutschen Landessportbünde, hatte nach neun Jahren an der Spitze des HSB erst am Donnerstagabend auf eine weitere Amtszeit verzichtet. Die großen Vereine und Verbände hatten ihn massiv zum Rückzug gedrängt.“ Das berichtet das Abendblatt.
Während sich die Wirtschaft, Politik und nun auch der Sport immer mehr für eine Olympia-Bewerbung formiert, bleibt es in den einschlägigen Kreisen der Stadt gegen eine solche Bewerbung recht still. Dabei sind Befürchtungen, dass derartige Spiele weitere Mietsteigerungen, Umstrukturierung und Verdrängung mit sich bringen wird, durchaus realisitisch. Ebenso zu befürchten ist, dass wie üblich bei solchen Großveranstaltungen die Gewinne bei privaten Investoren bleiben, die meist hohen Verluste aber von den SteuerzahlerInnen übernommen werden müssen. Da ist es schon erstaunlich, wie ruhig es in Sachen Gegenkampagne derzeit in Hamburg ist.
Reihen schließen
Doch zurück zum Sport-Bund: Nicht nur regionale Themen wie die Intregrations-Leistung der Vereine in den Stadtteilen und die dafür erforderliche finanzielle Unterstützung durch die Stadt Hamburg standen auf der Tagesordnung. Hohe Prominenz war angereist, um bei dieser wichtigen Versammlung des HSB dabei zu sein. „Ehrengast der HSB-Mitgliederversammlung war – neben Hamburgs Sport- und Innensenator Michael Neumann (SPD) und Bürgerschaftsvizepräsident Dr. Wieland Schinnenburg (FDP) – Alfons Hörmann, 53, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).“
Weiter berichtet das Abendblatt, dass es in den letzten Monaten offenbar zahlreiche Streitereien im HSB gegeben haben muss: „In seinem Grußwort mahnte Hörmann, ein geradliniger Mann und Freund klarer Ansagen, den HSB zu größerer Geschlossenheit nach den internen Machtkämpfen der vergangenen Wochen und Monaten um das Amt des Präsidenten: „Wenn es Ihnen nicht gelingt, die Reihen zu schließen, dann wird eine mögliche Olympiabewerbung Hamburgs nur ein Traum bleiben, der schnell platzen könnte.“ Das dann fast einstimmige Votum bei der Wahl Mantells demonstrierte später jenen wieder gewonnenen Zusammenhalt im HSB, den Hörmann angemahnt hatte.“
Querelen hatte es im Frühjahr wohl auch zwischen der Handelskammer und dem HSB gegeben. Die Handelskammer macht bereits seit längerer Zeit massiven Druck auf alle möglichen Beteiligten, damit sich Hamburg für eine Olympia-Bewerbung entscheidet. Zu viel Druck, meinte der HSB.
Während beim HSB die Ordnung noch gesucht wird, lobt der DOSB-Präsident die bisherigen Bemühungen des Senats in Sachen Olympiabewerbung. „Die Stadt sei mit dem nötigen Sportsgeist in den Wettbewerb mit Berlin gegangen. „Hamburg, Bürgermeister Olaf Scholz und Sportsenator Michael Neumann, ist es gelungen, in der Startphase keinen Fehler zu machen“, sagte Hörmann. Das verdiene deshalb seinen Respekt, weil dies nicht jedem gelungen sei.“
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Die Bürgerschaft mit Ausnahme der Linken-Fraktion hat den Senat aufgefordert, eine „ergebisoffene“ Analyse der Vor- und Nachteile einer Olympia-Bewerbung durchzuführen. Vermutlich mit den Bürgerschaftswahlen soll dann ein Referendum stattfinden, in dem die HamburgerInnen zu ihrer Meinung zu einer solchen Bewerbung befragt werden sollen. Dazu muss noch ein Gesetz auf den Weg gebracht werden, dessen Einzelheiten noch nicht geklärt sind. Die CDU-Fraktion, die ein solches Votum schon mal im Herbst durchführen wollte, hatte von einem „unverbindlichen“ Referendum gesprochen. Von SPD und Grünen war zu hören, dass das Ergebnis einer solchen Befragung in jedem Fall verbindlich sein müsse.
OH Lympia Hamburgo: Auswirkungen für Mieter, Haushalte und Umwelt….

Im kleinen Schnelsen hat der SPD-Distrikt einen Antrag in Sachen Bewerbung für Olympische Sommerspiele in Hamburg auf den Weg gebracht. Damit will er „Auswirkungen auf Mieter, öffentliche Haushalte und Umwelt genau untersuchen“ und stellt die Bedingung: „Kleiner Grasbrook muss in öffentlicher Hand bleiben“. Der Antrag steht hier als PDF zum download bereit. hier als PDF zum download bereit.
„Der SPD Distriktvorstand Schnelsen legt der KDV Eimsbüttel zur Weiterleitung an den Landesparteitag und an die SPD-Bürgerschaftsfraktion den nachfolgenden Antrag vor mit der Bitte um Berücksichtigung bei der weiteren Willensbildung und bei der weiteren Abstimmung der Vorgehensweise hinsichtlich Machbarkeitsprüfung, Vergabekriterien des IOK und Stakeholder-Auswirkungen“ heißt es in dem Antrag.
SIEHE auch die Seite (N)Olympia-Hamburg.
In der Begründung setzten sich die Antragsteller auch kritisch mit den bisherigen Bewertungen und Forderungen der Handelskammer auseinander. Die hatte maßgeblich Druck gemacht, um die Hamburger Politik zu einer erneuten Olympia-Bewerbung zu treiben.
niX Olympia in Hamburg – schwerwiegend dagegen
Ach, was war das toll bei Jauch gestern. Selbst Stoiber wettert gegen die gruseligen Bedingungen, die das internationale olympische Komitee oder die FIFA ihren „Gastgeberländern“ aufzwingen, so dass solche Sport-Veranstaltungen in Demokratien eigentlich gar nicht mehr möglich sind. Komisch nur, dass Stoiber noch jüngst für die Olympischen (Winter)Spiele in München (Youtube) plädiert hat. Egal. In Hamburg jedenfalls sollten die Sommerspiele nicht stattfinden, sagt die Hamburger Links-Fraktion – obwohl es hier mit Gefahrengebieten ja gar nicht so schlecht steht. Während eine Super-Koalition von SPD, CDU, FDP und Grünen eine „ergebnis-offene“ Prüfung für eine Olympia-Bewerbung Hamburgs beim Senat in Auftrag gegeben hat, ist die Linke mal wieder total dagegen: Das begründet die Fraktion u.a. mit einer Studie, die jetzt veröffentlicht wurde.
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Während einige in Hamburg schon wieder Jahrhundertchancen wittern (CDU) und ein Referendum vorbereiten, ob Hamburg sich für die Sommerspiele 2024 oder 2028 bewerben soll, stellt die Linke fest: „„Dabei ist noch lange nicht ausgemacht, dass die Hamburgerinnen und Hamburger diesem milliardenteuren Megaprojekt zustimmen“, sagte heute auf einer Pressekonferenz Mehmet Yildiz, sportpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft. „Denn es gibt viele schwerwiegende Gründe gegen Olympische Spiele in Hamburg, wie sie das IOC haben möchte. Da hilft auch alle Jubel-Propaganda nichts.“ Zu diesem Ergebnis kommt auch eine kritische Untersuchung, die die Fraktion in den letzten Wochen erstellt hat.“ Die Studie ist hier bei der Links-Fraktion als PDF online.
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Die Lage bleibt weiterhin ernst, denn – so das Hamburger Abendblatt: „Mit einem Fragenkatalog an Berlin und Hamburg treibt der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) seine Pläne für eine neuerliche Olympia-Bewerbung voran. Dies hat das Präsidium des DOSB am Dienstag in Frankfurt/Main beschlossen. Präsident Alfons Hörmann verwies auf Gespräche mit den Verantwortlichen in beiden Metropolen in den vergangenen Wochen. „Dabei haben beide Städte ihr großes Interesse an einer Olympia-Bewerbung“ unterstrichen.“
Dieser Blog bleibt dabei: Kein Vertun bitte: Olympische WINTERSPIELE für Hamburg!
Olympia Hamburg? Über Chancen, gegen Selbstzufriedenheit und den Ruf einer Weltstadt
Hamburg droht olympisch zu werden. Während die CDU-Spitze von „Jahrhundertchance“ schwärmt, sieht auch Sport- und Innensenator Michael Neumann (SPD) „großartige Chancen für unsere Stadt, nicht nur sportlich, sondern vor allem auch stadtentwicklungspolitisch“. Die Handelskammer dürfte erfreut sein: Die Olympia-Bewerbung der Hansestadt ist als Aufgabe in der großen Politik angekommen. Klar ist: Die Frage einer Olympia-Bewerbung stellt auch die Frage nach der künftigen Entwicklung für Hamburg. Aber wer ist Hamburg?
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Jetzt kommt auch noch: „Große Überraschung: Der dänische Oberbürgermeister Frank Jensen spricht sich für eine Kooperation der beiden Städte bei Olympia aus. Dafür müssten die IOC-Regeln geändert werden.“ (Abendblatt)
In einem anderen Artikel berichtet das Abendblatt zu den Äußerungen von Neumann: „Die Pläne einer möglichen Olympiabewerbung der Stadt für die Sommerspiele 2024 oder 2028 nehmen konkrete Formen an. Nach Abendblatt-Informationen sind in einem ersten Entwurf das Olympiastadion, die Schwimm- und Handballhalle, das Radstadion, das olympische Dorf für 16.000 Bewohner und der Olympiapark mit Public Viewing für bis zu 100.000 Menschen auf dem Kleinen Grasbrook südlich der HafenCity geplant.“
Ebenfalls im Abendblatt ist jetzt ein Interview mit Neumann zu lesen. „Wenn nicht wir, wer dann?“, fragt Neumann. Unter anderem heißt es dort: „Wer wie ich mit heißem Herzen für Olympia plädiert, der sollte dennoch stets kühlen Kopf bewahren. Wir brauchen beides: Emotionen und Verstand. Ich kann sehr gut verstehen, dass – mit Blick auf den Berliner Flughafen, auf Stuttgart 21 oder unser Konzerthaus – die Skepsis groß ist, ob wir ein Mammutunternehmen wie Olympia überhaupt stemmen können. Wenn aber die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt mit ihrer überaus sportbegeisterten Bevölkerung das nicht schafft, wer dann? Wir sollten uns alle wieder mehr zutrauen. Unser Wohlstand rührt auch daher, dass wir uns nie auf dem Erreichten ausgeruht und uns immer wieder neuen Herausforderungen gestellt haben.“
Allein derartige Stellungnahmen lassen schon jetzt Zweifel aufkommen, wie „ergebnisoffen“ denn die vor wenigen Tagen in der Bürgerschaft mit den Stimmen von CDU, SPD, FDP und GRÜNEN beschlossene Studie über eine Olympia-Bewerbung sein wird. Mal abgesehen von dem Umstand, dass im Vorfeld von solchen Großereignissen immer alles „machbar“ und finanzierbar war, bis am Ende die dicke Rechnung aufgemacht wurde.
Interessant ist aber auch, wie sich diese Olympia-Bewerbungs-Debatte in die jüngsten Beiträge von den Ex-Bürgermeistern von Dohnanyi und von Beust über Hamburgs Zukunft einordnet. Mit dem Start der Hamburg-Ausgabe der ZEIT titelt das Blatt: „„Wir sind ein großes Baden-Baden des Nordens“ Leute, es ist ernst! Klaus von Dohnanyi, SPD, und Ole von Beust, CDU, plädieren vereint für einen Aufbruch ihrer Stadt. Tut Hamburg nichts, ist es bald nur noch ein besserer Luftkurort“ und gab den beiden Ex-Bürgermeistern viel Raum, ihre Perspektiven für die Zukunft der Hansestadt zu beschreiben.
Chefredakteur Giovanni di Lorenzo rahmte diese Beiträge im seinem Editorial zum Start der Hamburg-Ausgabe mit Hinweisen darauf ein, dass Hamburg sich nicht in seiner „Zufriedenheit“ zurück lehnen dürfe, und stellt fest: Was „uns Hamburgern zuweilen fehlt, ist Neugier: Was machen andere Städte besser? Woran müssen wir uns messen?“ Für Lorenzo ist es „daher ein Paukenschlag, wenn die früheren Bürgermeister Ole von Beust und Klaus von Dohnanyi in dieser Ausgabe ihre Mitbürger gemeinsam warnen. „Wir beschwören unsere Internationalität und Weltoffenheit, wer aber wirklich international ist, der ist es eben und betont es nicht immer trotzig“, sagt von Beust. Und von Dohnanyi moniert: „In Hamburg bewegt sich viel – aber Hamburg als Gemeinschaft bewegt sich kaum. Man ist mit sich zufrieden.““
Lorenzo spricht von „Uns Hamburgern“ und lässt VON Beust und VON Dohnanyi visionieren. (Passenderweise erfolgt das gleich neben einem Interview mit Jan Delay.)
Die Statements, die in den letzten Tagen und Wochen seitens der aktiven Hamburger Politk-Spitze kommen, reihen sich in diese Zukunftsperspektiven ein. Beispielsweise hier: „“Das ist eine Jahrhundertchance für unsere Stadt“, sagte Fraktionschef Dietrich Wersich. Hamburg könne mit den Spielen seinen Ruf als Weltstadt zurückerlangen. „Barcelona profitiert seit mehr als 20 Jahren, und München, das Dorf am Rande der Alpen, wurde erst durch die Spiele 1972 zu einer Weltstadt“, sagte der Oppositionsführer.“ (Abendblatt)
Oops, wann hat denn Hamburg seinen „Ruf als Weltstadt“ verloren? Wo habe ich das jetzt wieder verpennt, in meiner blöden Zufriedenheit?
