Tschernobyl: Finanzierung der neuen Schutzhülle vorerst finanziert – Unsicherheit bleibt

Auf der letzten internationalen Geberkonferenz für den Bau der neuen Schutzhülle über dem Katastrophenreaktor von Tschernobyl konnte der größte Teil der bislang bestehenden Finanzlücke weitgehend geschlossen werden. 530 der noch fehlenden 615 Millionen Euro sind in London zusammen gekommen. Das berichteten diverse Zeitungen, u.a. hier die FAZ. Nach mehreren Kostensteigerungen und jahrelangen Bauverzögerungen belaufen sich die Gesamtkosten derzeit auf 2,15 Mrd. Euro. Die Inbetriebnahme der neuen Schutzhülle ist für Ende 2017 oder Anfang 2018 vorgesehen.

Diese enorme Summe wird benötigt, damit die in aller Eile nach der Atomkatastrophe im April 1986 errichtete erste Schutzhülle und Teile des Reaktors „überdacht“ und die Umwelt vor der Strahlung besser geschützt werden können. Die alten Bauwerke sind marode und könnten einstürzen.

Enorme Probleme bleiben…

Mit der Inbetriebnahme der neuen Schutzhülle sind die Folgen der Atomkatastrophe aber auch fast 30 Jahre später nicht gelöst. Wie der Rückbau des zerstörten Reaktors und die sichere Lagerung der hochradioaktiven Abfälle von Tschernobyl erfolgen soll, ist bis heute ungelöst. Das gilt nicht nur für den zerstörten Block 4. Auch wie es mit den anderen anderen drei abgeschalteten Reaktoren und den dort befindlichen hochradioaktiven Brennelementen weiter geht, ist vollkommen unklar. Für die damit verbundenen enormen Kosten, die weit über die für den Bau der neuen Schutzhülle hinaus gehen, ist das internationale Gebergremium nicht zuständig. Diese Aufgabe soll die nicht nur wirtschaftlich schwer angeschlagene Ukraine aus eigener Kraft lösen.

Einen aktuellen Report zum 29. Jahrestag der Atomkatastrophe, verfasst von der Atomexpertin Oda Becker, hat Greenpeace hier als PDF veröffentlicht.

Für die Energiewende: Anti-Kohle-Kette und am Tschernobyl-Tag für den Atomausstieg

Schlechte-Luft-Scholz-BUNDDieses Wochenende geht es gegen die Klimakatastrophe, gegen den Super-Gau und noch mehr Atommüll. Im Rheinland findet am Samstag die Anti-Kohle-Kette statt, mit der Konzerne wie RWE und die Politik in NRW und im Bund „ermutigt“ werden sollen, endlich den Ausstieg aus der besonders klima- und umweltschädlichen Braunkohle einzuleiten. Sonntag jährt sich zum 29. Mal die Atomkatastrophe von Tschernobyl. Unter anderem in Brokdorf, Philippsburg und Fessenheim gibt es größere Aktionen als Mahnung an die Opfer und als Forderung für den sofortigen Atomausstieg. Infos dazu gibt es hier:

Zur Situation am AKW Tschernobyl und der neuen Schutzhülle wird hier berichtet: Tschernobyl – Neubau der Schutzhülle verzögert und teurer. Aktuelles dazu ist hier auf der Seite des Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdebel zu finden: Atomkatastrophe Tschernobyl: Schutzhülle für Sarkophag teurer und später – 615 Mio Euro fehlen derzeit

Tschernobyl mahnt: Atomausstieg sofort – Zdebel und Möhring am AKW Brokdorf

„Tschernobyl ist und bleibt eine Mahnung an uns alle, dass wir schnellstens aus der Atomenergie aussteigen müssen. In jedem Reaktor, der noch am Netz ist, kann es zu einer Nuklear-Katastrophe kommen“, erklärt Hubertus Zdebel, Sprecher für Atomausstieg der Fraktion DIE LINKE, zum 29. Jahrestag der Atom-Katastrophe in Tschernobyl am 26. April. Zdebel und Cornelia Möhring, stellvertretende Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE und Abgeordnete aus Schleswig-Holstein, werden gemeinsam an der Protest- und Kulturmeile vor dem AKW Brokdorf teilnehmen.

Zdebel weiter: „Fast 30 Jahre nach der Atomkatastrophe gehen von der Reaktorruine noch immer radioaktive Gefahren aus. Vielen Menschen hat der Super-GAU das Leben gekostet und viele leiden noch heute unter den Folgen der radioaktiven Wolke, die ihre Spuren in weiten Teilen Europas hinterlassen hat. Die Fertigstellung der neuen Schutzhülle für den maroden Sarkophag verzögert sich weiterhin. Jetzt wird ein Termin für Ende 2017 prognostiziert. Dabei sind von den auf insgesamt 2,15 Milliarden Euro gestiegenen Gesamtsanierungskosten laut Bundesregierung derzeit über 600 Millionen nicht gesichert.

Auch mit dem Weiterbetrieb des AKW Brokdorf, das noch bis 2021 Atomstrom erzeugen soll, den heute niemand mehr braucht, wachsen die Atommüllprobleme weiter. Dem Castor-Zwischenlager im benachbarten Brunsbüttel hat das Oberverwaltungsgericht Schleswig im Januar wegen nicht ausreichender und fehlerhafter Sicherheitsnachweise die Genehmigung entzogen. Diese Mängel und Defizite bestehen auch im Castor-Zwischenlager Brokdorf. Schon deshalb muss Brokdorf von der rot-grünen Landesregierung endlich still gelegt werden.“

Am Sonntag werden landesweit zahlreiche Demonstrationen von Umweltverbänden und Anti-Atom-Initiativen stattfinden. Hubertus Zdebel und Cornelia Möhring, stellvertretende Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE und Abgeordnete aus Schleswig-Holstein, werden gemeinsam an der Protest- und Kulturmeile vor dem AKW Brokdorf teilnehmen, wo DIE LINKE auch mit einem Infostand vertreten sein wird.

Atomkatastrophe Tschernobyl: Schutzhülle für Sarkophag teurer und später – 615 Mio Euro fehlen derzeit

Am 26. April 1986 kam es im Block 4 des Atomkraftwerks Tschernobyl zu einem Super-Gau. Bis heute sind die Gefahren, die von dem Unglücksreaktor ausgehen, nicht gebannt. Der sogenannte Sarkophag, der in aller Eile über der Atomruine errichtet wurde, ist marode und muss ersetzt werden. Die Bauarbeiten an einer neuen Schutzhülle haben sich über Jahre verzögert und werden nach derzeitigen Planungen frühestens Ende 2017 abgeschlossen sein. Die Kosten für das gigantische Bauwerk liegen inzwischen bei 2,15 Mrd. Euro und für rund 615 Mio. Euro ist die Finanzierung bis heute nicht geklärt. Die bisherigen 1,4 Mrd. Euro sind bislang von zahlreichen Geberländern und internationalen Einrichtungen, darunter mit rund 109 Mio. Euro Deutschland, aufgebracht worden. Das sind zusammengefasst die Eckdaten aus einem Bericht des Bundesumweltministerium, über den am vergangenen Mittwoch der Umweltausschuss debattierte.

Hubertus Zdebel, Obmann der Fraktion DIE LINKE um Umweltausschuss und Sprecher für Atomausstieg: „Es ist richtig, dass Deutschland und die anderen beteiligten Länder weiterhin bei der Finanzierung der neuen Schutzhülle für Tschernobyl aktiv sind. Doch auch wenn die neue Schutzhülle endlich fertig gestellt ist, sind die Probleme weiterhin enorm. Hochradioaktives Material muss geborgen und gesichert werden und Konzepte entwickelt und umgesetzt werden, nicht nur den Unglücks-Reaktor zu demontieren. Das wird noch viele Milliarden Euro kosten und vermutlich Jahrzehnte dauern. Bislang muss die Ukraine damit allein fertig werden. Es wäre mehr als sinnvoll, wenn die Ukraine auch endlich die anderen Atomkraftwerke im Land stilllegen würde.“

Nach einer Explosion und einem Feuer am 26. April 1986 wurden große Mengen der Radioaktivtät frei, verteilten sich über halb Europa und führten zu schweren Strahlenverseuchungen in der Umgebung des Reaktors, aber auch z.B. in Weißrussland und vielen anderen Ländern. Viele Tausend Menschen kamen bei den Aufträumarbeiten und in den Folgejahren durch Strahlenschäden ums Leben, Kinder erkrankten an Krebs. Bis heute besteht rund um den Unglücksreaktor aufgrund der hohen Strahlung eine Sperrzone.

Tschernobyl – Neubau der Schutzhülle verzögert und teurer

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Reaktor-Ruine Tschernobyl. Foto: Carl-Montgomery-Flickr

Fast 30 Jahre nach der atomaren Katastrophe von Tschernobyl gehen von der Reaktorruine immer noch enorme Risiken aus. Daher wird seit Jahren an einer neuen Schutzhülle gebaut, um für den weiteren sicheren Einschluss der Radioaktivität zu sorgen. Mit maßgeblicher Unterstützung der internationalen Gemeinschaft erfolgt die Finanzierung, allein wäre die Ukraine damit restlos überfordert. Weil jüngst erneut über 600 Millionen Euro fehlten, kam es zu einem Baustopp bei dem Sarkophag. Nun liegen erste Finanzierungszusagen für diese Summe vor. Das Video eines Drohnenflugs über das Gelände der evakuierten Stadt Pripyat hat der britische Filmproduzent Danny Cooke auf Vimeo veröffentlicht.

„Der Gouverneursrat der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) hat 350 Millionen Euro als Zusatzmittel für die abschließenden Bauarbeiten an der neuen Schutzhülle für das Unglücks-AKW Tschernobyl bereitgestellt, wird auf der Webseite der EBWE am Dienstag mitgeteilt.“ Das teilt die „Stimme Russlands“ mit. Hintergründe über die Finanzierung und die Probleme hat der Linke Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel auf seiner Homepage dazu vor kurzem veröffentlicht. Der Deutschlandfunk berichtete über die Bauarbeiten in Tschernobyl hier.

Weiter berichtet der Radiosender auf seiner Homepage: „Weitere 165 Millionen Euro sollen die G7-Gruppe und die EU-Kommission gewähren. Für die abschließenden Bauarbeiten werden insgesamt 615 Millionen Euro benötigt. Außerdem will die G7-Gruppe im kommenden Frühjahr eine Geberkonferenz einberufen, um die noch fehlenden 100 Millionen Euro sammeln zu können. Laut der Mitteilung wird die EBRD im Bedarfsfall einen eventuellen Differenzbetrag decken. Der Bau der neuen Schutzhülle um den havarierten Energieblock 4 war wegen Geldmangels bis November 2017 verschoben worden.

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