Uranfabrik Gronau: „Sperrmüll statt Atommüll“ – Blockade der Urananreicherungsanlage

Urenco-Wertstoff-Spermuell03Die Uranfabrik in Gronau dürfte in diesem Jahr noch vielfach in die Schlagzeilen geraten. Nicht nur, weil ihr Betrieb vom Atomausstieg ausgenommen ist. Nicht nur, weil die militärisch brisante Urananreicherungstechnik mit ihren Zentrifugen zum Verkauf steht. Aber auch, weil in Gronau immer neuer Atommüll entsteht, den die Betreiber lieber Wertstoff nennen und den sie in diesem Jahr in ein neues Lager packen wollen. Auch dieses Lager ist ohne jede zeitliche Befristung genehmigt. Kein Wunder also, dass heute Anti-Atom-AktivistInnen zur Tat schritten und eine kleine Blockade der Uran-Anlage organisierten. Parole: „Sperrmüll statt Atommüll“! umwelfFAIRaendern dokumentiert die Presseerklärung der AktivistInnen:

Urenco-Wertstoff-Spermuell01Am heutigen Morgen gegen 9.30 Uhr wurde die Schienenzufahrt der Urananreicherungsanlage in Gronau unter dem Motto „Sperrmüll statt Atommüll“ blockiert. Dabei wurde auf das zur Anlage führende Stichgleis verschiedenster Sperrmüll gestellt. Beschriftet waren die ausgedienten Sofas, Schranktüren, Matratzen und Wäschespinnen mit Urenco-Wertstoff-Spermuell02Sprüchen wie „Sperrmüll gegen Atommüll“ oder „Dieser Müll strahlt nicht“. Hintergrund der Aktion ist, dass in diesem Jahr die Urenco ein neues Dauerlager für Uranmüll in Betrieb nehmen will.

Urenco-Wertstoff-Spermuell04„Wir wenden uns mit unserer Aktion gegen die Produktion und Einlagerung weiteren radioaktiven Mülls in Gronau. Im Gegensatz zu Sperrmüll strahlt dieser Müll auch nach Milliarden von Jahren noch und kann nicht einfach entsorgt werden.“, erklärt eine der beteiligten Atomkraftgegner*innen. „Mit der Blockade soll symbolisch verhindert werden, dass das neue Lager in Betrieb genommen werden kann und Atommüll hier Jahrtausende vor sich hinstrahlt. Unsere Sperrmüllkunst ist nichts gegen Urencos Atommüll.“

Die Urananreicherungsanlage in Gronau hat eine unbefristete Betriebsgenehmigung und darf somit unbefristet Atommüll (in Form von abgereichertem Uran) produzieren. Eine neue Lagerhalle wurde im letzten Jahr fertig gestellt – hier soll abgereichertes Uranoxid unbefristet gelagert werden. Andere Lagerungsmöglichkeiten sind keine in Sicht, in Gronau entsteht also ein neues Endloslager. Verbunden ist dies auch mit zahlreichen Urantransporten – das abgereicherte Uranhexafluorid wird erst in eine Konversionsanlage in Pierrelatte in Frankreich gefahren, dort umgewandelt und als Uranoxid zurückgefahren und in Gronau gelagert. „Das ist ein atomarer Wahnsinn. Deshalb gehört die Urananreicherungsanlage sofort stillgelegt.“ sind sich die Atomkraftgegner*innen einig.“

Siehe auch hier bei Indimedia.

Atomtransporte: Radioaktiv durch Rheinland-Pfalz

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Atomtransporte mit Uranerzkonzentrat rollen auch durch Rheinland-Pfalz Richtung Frankreich. Hier ein Atomzug mit Uranerzkonzentrat aus Namibia. Nach der Ankunft per Schiff, geht die Reise von Hamburg über NRW und RP zur Weiterverarbeitung für die Herstellung von Brennelementen für AKWs zunächst nach Frankreich. Foto: Dirk Seifert

Atomausstieg? Nicht, wenn man die Zahlen und Daten der Atomtransporte betrachtet. Denn obwohl in Deutschland acht Atomkraftwerke nach Fukushima abgeschaltet wurden, sind für die Versorgung von Atommeilern in aller Welt die beiden Uranfabriken in Gronau (Anreicherung) und Lingen (Brennelementeherstellung) weiterhin unbefristet im Geschäft. Das verursacht zahlreiche Atomtransporte. Außerdem rollen kreuz und quer Atomtransporte im Transit durch Deutschland, z.B. aus Schweden oder Russland Richtung Frankreich, Belgien oder die Schweiz. Auch das rot-grüne Bundesland Rheinland-Pfalz wird von den atomaren Geisterfahrten nicht verschont. Parlamentarische Anfragen über die geheimen Transporte zeigen: Die Zahl bestimmter Atomtransporte steigt sogar teilweise. „Atomtransporte: Radioaktiv durch Rheinland-Pfalz“ weiterlesen

Atomtransporte: Ostsee-Reederei STENA schränkt Atomtransporte auf der Rostock-Linie ein

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Stena-Line reagiert bei Atomtransporten auf der Ostsee – Foto: Screenshot NDR

Atomtransporte: „Seit Jahresbeginn wird auf den Passagierfähren der Reederei Stena Line zwischen Rostock und dem schwedischen Trelleborg kein Uranhexafluorid mehr transportiert. Der ätzende und radioaktive Rohstoff dient zur Herstellung von Brennstäben für Atomkraftwerke.“ Das meldet der NDR und fügt hinzu: „Auch künftig dürfen schwach radioaktive Güter in Rostock verladen werden – auf Fähren oder Frachter. Die Risiken der Atomenergie bleiben. Der Bremer Hafen zum Beispiel ist für solche Atomtransporte gesperrt.“

Das Uranhexafluorid ist in der Tat einer der gefährlichsten Stoffe auf dem Weg der Uranverarbeitung zu Brennelementen für den Einsatz in Atomkraftwerken. In Deutschland wird das so genannte UF6 vor allem in Gronau von der URENCO bei der Urananreicherung eingesetzt.

Die Beifügung von Fluor macht den radioaktiven Stoff in Verbindung mit Wasserstoff höchst reaktionsfreudig und aggressiv. Die neuen Maßnahmen bei Stena bedeuten offenbar aber, dass radioaktive Stoffe wie z.B. Uran-Dioxid, ebenfalls ein Zwischenprodukt bei der Herstellung von Brennelementen, weiterhin auch auf den Passagierfähren transportiert werden können.

Aus den Medienberichten geht nicht hervor, ob die Maßnahmen der Stena Line auch für die Routen z.B. von und nach Kiel gelten.

Atomwaffen-Technik zum Verkauf: Bundesregierung bestätigt „Markttest“ für Uranfabriken der URENCO

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Bundestagsabgeordneter Hubertus Zdebel vor der Uranfabrik der URENCO in Gronau: „Stilllegen statt verkaufen“.

Einen „Markttest“ lassen die Eigentümer der Uranfabriken der URENCO durchführen. Das bestätigt die Bundesregierung auf Anfrage des Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdebel. Die Uranfabriken der URENCO sind äußerst brisante Atomanlagen, denn mit Hilfe der eingesetzten Zentrifugen könnte ohne Weiteres auch atomwaffenfähiges Uran hergestellt werden. Die Eigentümer Großbritannien und die Niederlande sowie die deutschen Atomkonzerne E.on und RWE wollen die Uranfabriken verkaufen. „Auch ein Börsengang kommt weiter in Frage. Insidern zufolge könnte ein Verkauf bis zu zehn Milliarden Euro einbringen“, berichtet die Süddeutsche Zeitung mit Bezug auf die Anfrage von Zdebel.

Auch der WDR berichtet in seiner Aktuellen Stunde (Mediathek) über den geplanten Verkauf der URENCO, deren deutsche Urananreicherungsanlage in Gronau steht und die vom Atomausstieg ausgeschlossen ist. Die Anlage in Gronau verfügt über eine unbefristete Betriebsgenehmigung.

Fabrikationshalle der Uranfabrik in Gronau. Die Technik ist grundsätzlich auch in der Lage, waffenfähiges Uran herzustellen.
Fabrikationshalle der Uranfabrik in Gronau. Die Technik ist grundsätzlich auch in der Lage, waffenfähiges Uran herzustellen.

WDR-Autorin Alexa Schulz in ihrem Beitrag: „Wer zehn Milliarden Euro auf dem Konto hat – der könnte sich jetzt den kompletten Baukasten samt Zubehör für eine Atombombe kaufen! Klingt irre – ist aber so. Denn die Uranaufbereitungsanlage in Gronau steht zum Verkauf. Daraus machen ihre Eigentümer – u.a. RWE und Eon – keinen Hehl. So könnte die brisante Technik meistbietend verkauft – und der Schlüssel zur Atomwaffentechnik unkontrollierbar weitergegeben werden.“

Der englischsprachige Dienst von Reuters, der immer wieder auch durch Insider-Berichte zum URENCO-Verkauf auffiel, berichtet ebenfalls. Dort heißt es u.a.: „Sources earlier this month told Reuters that a stock market listing is the preferred option for Urenco but said such a step may only materialize after a general election in Britain in May.“ (Siehe auch hier)

Die Süddeutsche schreibt mit Bezug auf Zdebel weiter: „Eine Eingrenzung potenzieller Käufer ist dem Papier zufolge nicht vorgesehen. Weder den Verkauf an Investmentfonds noch den an Interessenten außerhalb von Nato-Staaten schließt die Bundesregierung, die vertragliche Mitspracherechte hat, demnach aus. Lediglich Bieter, die auf Sanktionslisten der Vereinten Nationen oder der EU stehen, könnten „Überlegungen“ zufolge vom Bieterverfahren ausgeschlossen werden.“

Auch Michael Sailer, Chef der Entsorgungs- und Mitglied in der Reaktorsicherheitskommission, beides Beratungsgremien der Bundesregierung, kommt in dem WDR-Beitrag zu Wort. Er warnt, dass der geplante Verkauf enorm risikoreich ist. Vor allem würden die Risiken weiter steigen, wenn neue Eigentümer später den Weiterverkauf betreiben würden.

Berlin-Korrespodent Markus Balser hatte bereits im Oktober über den „Bieterkampf um den Schlüssel zur Atombombe“ in der SZ berichtet: „Denn geben die beteiligten Staaten ihre Kontrollmehrheit ab, werde es immer schwieriger, die Technik vor unerlaubtem Zugriff zu schützen, glaubt Öko-Institut-Chef Sailer. „Ich finde es unverantwortlich, eine Technologie mit solcher Zerstörungskraft dem Markt zu überlassen.“ Besonders große Sorgen bereitet Kritikern der Verkaufspläne ein möglicher Börsengang von Urenco. Denn dann, warnen Experten, könnte sich praktisch jeder – und sei es über Strohfirmen – die Anteile an der Zentrifugenfirma sichern.“

Im aktuellen Artikel der SZ heißt es: „Die Opposition übt harte Kritik am Kurs der Regierung. „Die Fabriken von Urenco sind ein höchstes Sicherheitsrisiko, da in ihnen auf die einfachste Weise auch atomwaffenfähiges Uran hergestellt werden kann“, warnt der Linken-Abgeordnete Hubertus Zdebel. Statt die Technik auf dem Weltmarkt zu verkaufen sei die Stilllegung der Anlagen der einzig richtige Weg.“

 

Zdebel kritisiert Bundesregierung zum URENCO-Verkauf: „Linie der Nicht-Verbreitung von Information“

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Bild klicken, um den Beitrag zu sehen: Der WDR hat in der „Aktuellen Stunde“ am Freitag über den Verkauf der URENCO und die Ergebnisse dieser Kleinen Anfrage von Hubertus Zdebel berichtet.

Zum geplanten Verkauf der auch militärisch brisanten Urananreicherungsanlagen der URENCO hat die Bundesregierung in der Antwort auf eine Kleine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdebel (18/3249, PDF) bestätigt, dass derzeit ein „Markttest“ stattfindet, der prüfen solle, „wie groß das Interesse potentieller Erwerber an einem etwaigen Verkauf von URENCO-Anteilen wäre“. Über die Details dieses Tests hat die Bundesregierung nach eigenen Aussagen  „keine unmittelbaren Kenntnisse“. Angaben zu möglichen Interessenten oder Verkaufsmodellen macht die Bundesregierung keine. Medien hatten berichtet, dass für den Verkauf ein Börsengang als wirtschaftlich beste Variante erfolgen könnte.

Hubertus Zdebel: „Die Bundesregierung setzt konsequent seine Linie der Nicht-Verbreitung von konkreten Informationen zum geplanten Verkauf der URENCO fort. Die Fabriken der URENCO sind ein höchstes Sicherheitsrisiko, da in ihnen auf die einfachste Weise auch atomwaffenfähiges Uran hergestellt werden kann. In Deutschland betreibt die URENCO diese Urananreicherung in Gronau. Jede Form des Verkauf birgt das Risiko, dass diese Technologie in die falschen Hände geraten kann. Statt diese Technik auf dem Weltmarkt zu verkaufen, wäre eine konsequente Stilllegung der Anlagen der einzig richtige Weg.“

„Derzeit keinen Anlass“ sieht die Bundesregierung auch für eine Information oder Beteiligung des Deutschen Bundestags über die brisanten Verkauf, insbesondere über die Maßnahmen, mit denen die Weiterverbreitung dieser Atomwaffen-Technik verhindert werden kann. Der Abgeordnete Zdebel hatte u.a. gefragt, ob „die Bundesregierung vor Einleitung konkreter Verkaufsverhandlungen die Zustimmung des Deutschen Bundestags zu einem Verkauf einholen“ würde.

Die URENCO betreibt in Gronau die deutsche Urananreicherungsanlage. Der Betrieb ist vom Atomausstieg nicht betroffen. Die Anlage verfügt über eine unbefristete Betriebsgenehmigung und soll zusammen mit URENCO-Anlagen in Frankreich, England, den Niederlanden und den USA verkauft werden. Ein Drittel der URENCO gehört den deutschen Atomkonzernen E.on und RWE. Die Urananlagen der URENCO stellen Brennstoff für Atomkraftwerke her, sind aber technisch grundsätzlich auch geeignet, atomwaffenfähiges Uran herzustellen. Der geplante Verkauf unterliegt daher höchsten Sicherheitsanforderungen, um zu verhindern, dass Atomwaffen-Technik in falsche Hände geraten könnte. Die Anlagen der URENCO unterstehen dem zwischen den drei Regierungen in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden völkerrechtlich verbindlichen Vertrag von Almelo. Die Vertrag regelt die internationale Überwachung der Urananlagen, um die Verbreitung von Atomwaffen-Technik zu verhindern.

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