Großes Vattenfall-Kino im AKW Brunsbüttel: Unterirdische Entdeckungsreise in den eigenen Atommüll

Atomüllfass aus dem AKW Brunsbüttel - wie geht es den anderen über 600 Fässern mit leicht- und mittelaktiven Strahlenmüll?
Atomüllfass aus dem AKW Brunsbüttel – wie geht es den anderen über 600 Fässern mit leicht- und mittelaktivem Strahlenmüll?

Eine Entdeckungsreise der besonderen Art steht beim Vattenfall-AKW in Brunsbüttel jetzt auf dem Plan. In sechs unterirdischen Kavernen lagert leicht- und mittelaktiver Atommüll in Fässern. Im Dezember 2011 waren völlig durchgerostete Atommüllfässer entdeckt worden. Insgesamt 631 solcher Fässer lagern offenbar schon seit den 70er Jahren in diesen Kavernen. Die Frage: In welchem Zustand sind diese Fässer und wie kann man sie bergen?

Wegen der hohen Strahlung in diesen Kellerräumen können Menschen diese Kavernen nicht einfach betreten, um sich umzusehen und den Zustand der Fässer zu analysieren. Daher musste Vattenfall zunächst einmal ein Konzept entwickeln, wie ein solche unterirdische Besichtigung überhaupt durchgeführt werden kann. Das hat nun rund ein Jahr gedauert, abgestimmt mit der zuständigen Atomaufsicht in Kiel. Seit letzter Woche sind jetzt Kameras im Einsatz, die laut Vattenfall in den Kavernen die Fässer von allen Seiten beleuchten sollen. Wie genau, ist leider nicht beschrieben. Diese Inspektion wird einige Wochen dauern. Dann wolle man die Ergebnisse gemeinsam mit der Aufsichtsbehörde auswerten und ein Konzept entwickeln, wie die Fässer geborgen werden können. Danach sollen sie neu verpackt werden und dann oberirdisch gelagert werden. Eigentlich sollten diese Fässer längst im vorgesehenen Endlager im Schacht Konrad liegen. Doch das verzögert sich aus Sicherheitsgründen immer weiter. Inzwischen spricht man im Bundesumweltministerium davon, dass eine Inbetriebnahme zwischen 2021 und 2025 erfolgen könnte. Wenn nichts dazwischen kommt…

Vattenfall hat inzwischen angekündigt, dass wohl im Rahmen der Stilllegung und des geplanten Abrisses des AKWs eine neue Lagerhalle für leicht- und mittelradioaktiven Atommüll in Brunsbüttel gebaut werden soll.

Die Atomaufsicht in Kiel berichtet ausführlich auf ihrer Homepage über die rostigen Fässer und die jetzt anlaufende Inspektion. Fragen und Antworten finden sich hier.

Hier noch die Pressemeldung des Energieministeriums in voller Länge:

Fässer mit radioaktiven Abfällen im Kernkraftwerk Brunsbüttel werden auf Korrosionsschäden überprüft

Erscheinungsdatum: 08.01.2014 10:30 Uhr

KIEL. Im Kernkraftwerk Brunsbüttel beginnt heute (8. Januar 2014) die Inspektion von hunderten von stählernen Rollreifenfässern. Ziel ist es festzustellen, inwieweit die Fässer von Korrosion befallen sind. Anfang 2012 hatte der von der schleswig-holsteinischen Reaktorsicherheitsbehörde beauftragte TÜV NORD ein stark korrodiertes Abfallfass im Kernkraftwerk Brunsbüttel entdeckt.

Die schleswig-holsteinische Reaktorsicherheitsbehörde hält es für wahrscheinlich, dass noch weitere Fässer derart stark von Rost befallen sind, dass sie nicht mehr ohne weiteres angehoben und zum Zwecke der Umverpackung entleert werden können. Auf Basis der Inspektionsergebnisse muss deshalb der Betreiber des Kernkraftwerks gegebenenfalls eine wirksame Bergungseinrichtung konstruieren. Mit einer solchen Einrichtung sollen auch stark verrostete Fässer angehoben und deren Inhalt in sichere Behältnisse umverpackt werden.

Die Fässer lagern in 6 Kellerräumen, den sogenannten Kavernen, des Kernkraftwerks. In den 631 Stahlfässern werden radioaktive Abfälle (Filterharze, Verdampferkonzentrate und Mischabfälle) aus dem Leistungsbetrieb des Reaktors aufbewahrt. Die Kavernen befinden sich im Keller des Feststofflagers. Sie sind nur von oben zugänglich und dort durch 110 cm dicke Betonriegel abgeschirmt. Diese Betonriegel reduzieren die Strahlung so weit, dass oberhalb der Kaverne unter Strahlenschutzmaßnahmen gefahrlos gearbeitet werden kann. Die Ortsdosisleistung im Kontrollbereich wird durch festinstallierte Messeinrichtungen überwacht. Aufgrund der Ergebnisse der Strahlenschutzüberwachung steht fest, dass es bisher zu keiner Gesundheitsgefährdung für das Personal oder die Bevölkerung gekommen ist.

Auch im Hinblick auf die Inspektionsarbeiten sind alle erforderlichen organisatorischen und technischen Vorkehrungen getroffen, um den Strahlenschutz für das Personal wie für die Bevölkerung zu gewährleisten. Die Reaktorsicherheitsbehörde hat sich aufgrund umfangreicher radiologischer Analysen und Betrachtungen davon überzeugt, dass die Öffnung der Betonriegel und die Arbeiten an den geöffneten Kavernen im Hinblick auf den Schutz des Bedienungspersonals und der Bevölkerung unbedenklich sind. Die Einhaltung der Strahlenschutz- sowie der Handhabungsvorschriften (wie Betonabschirmungen, Fernbedienung, vorsorglicher Atemschutz) werden von der Reaktorsicherheitsbehörde mit Unterstützung durch Sachverständige des TÜV NORD und der EnergieSysteme Nord überwacht.

Hintergrund:

Nachdem das korrodierte Fass Anfang 2012 entdeckt worden war, hatte die Reaktorsicherheitsbehörde die Betreibergesellschaft schriftlich aufgefordert,

  • die Kavernen wieder mit Betonriegeln abzudecken und alle Arbeiten an den Kavernen vorläufig abzuschließen,
  • Aerosol-Messstellen zu installieren, um die an den Kavernen und am dortigen Abwassersumpf evtl. auftretende Radioaktivität zu überwachen,
  • die Konstruktion und den Zustand der Kavernen unter Beteiligung der Obersten Bauaufsichtsbehörde zu bewerten,
  • ein Konzept zur Handhabung korrosionsgeschädigter Fässer einschließlich der Umrüstung von Greifer und Umsauganlage vorzulegen,
  • das Umsaugen von getrockneten Filterharzen erst nach Umrüstung der Um-sauganlage und Einsatz des neuen Fassgreifers sowie Zustimmung der Atomaufsicht fortzusetzen.

Die Reaktorsicherheitsbehörde hatte von der Betreibergesellschaft außerdem verlangt, vor einer Inspektion der Kavernen den Kran im Feststofflager zu ertüchtigen. Dies ist zwischenzeitlich geschehen. Der Feststofflagerkran wird benötigt, um die Betonriegel der Kavernen anzuheben und so die Kavernen für die Inspektionen und zu einem späteren Zeitpunkt auch für die Bergung der Fässer zu öffnen. Die Ertüchtigungen bestanden in einer Änderung der sogenannten Krantraverse und einer Verbesserung der Lastanschlagpunkte. An diesen Lastanschlagpunkten erfolgt die Verbindung des Krans mit dem Betonriegel. In den vergangenen zwei Jahren hat Vattenfall zudem ein Inspektionsprogramm zur Untersuchung der Kavernen bzw. der darin gelagerten Fässer erarbeitet.

Ausführliche Fragen und Antworten zu dem Thema finden Sie im hier.
Verantwortlich für diesen Pressetext: Nicola Kabel | Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume | Mercatorstr. 3, 24106 Kiel | Telefon 0431 988-7068 | Telefax 0431 988-7137 | E-Mail: pressestelle@melur.landsh.de
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Verflixte Demokratie: Kampfansagen, konstruktive Wege und Enttäuschungen im SPD-Wahlkreis Eimsbüttel

MathiasEderhoff
Urdemokratischer Vorgang: Matthias Ederhof will SPD-Vorstand in Schnelsen werden

Demokratische Revolte bei der SPD in Schnelsen. Unglaubliche Dinge gehen da vor sich. Da fühlt sich einer hintergangen, weil eine Truppe um den rührigen Matthias Ederhof – ohne zu fragen – bei den anstehenden Vorstandswahlen einfach als Gruppe kandidiert. Totaler Wahnsinn und total gegen die Absprachen. Danial Ilkhanipour ist sauer auf Niels Annen. Der halte sich nicht an Abprachen. Was ist denn da los? Bei den vorletzten Bundestagswahlen kam es im Bezirk Eimsbüttel zu einer grandiosen Demokratie-Posse. Die kostete Annen damals den Posten als Direktkandidat. Den bekam auf dubiose Weise der zum Kahrs-Kreis gehörende Ilkhanipour. Putsch, Kungeleien, Intrigen, eine empörte Basis – alles gabs. Das Ergebnis: Erstmals gewann die CDU in Eimsbüttel ein Direktmandat bei einer Bundestagswahl. Die SPD stand im Regen.

Danach soll es laut Abendblatt dann zu einem „Friedensschluss“ gekommen sein. Lager Annen und Lager Ilkhanipour haben demnach – vermutlich total demokratisch – die Machtverhältnisse geklärt. Und daher wirft Ilkhanipour jetzt den „Annen-Leuten vor, sich nicht an Absprachen zu halten, wonach sich beide Seiten bei der Wahl von Posten im Kreis und in den Distrikten berücksichtigen. Dies war Teil des Friedensschlusses vom September 2012. Ganz konkret geht es um den Distriktvorsitz der SPD in Schnelsen. Diesen hat Ilkhanipours Vertrauter Koorosh Armi inne. Der Vorstand ist zu gleichen Teilen aus beiden Lagern besetzt.“

Den Grund für diese Aufregung nennt das Abendblatt auch gleich: Das ganze, was da in Schnelsen abläuft, kostet einige vermutlich einen guten Listenplatz für die Kandidatur zur nächsten Bürgerschaft.

Für Ederhof, der erst seit zwei Jahren in der SPD ist, ist die gemeinsame Vorstands-Bewerbung einiger SPD-GenossInnen aus Schnelsen nichts weiter als ein „urdemokratischer Vorgang“. Ilkanipour aber ist enttäuscht, empfindet das als „Kampfansage“ und soll laut Abendblatt sogar von Betrug reden. Der „konstruktive Weg“ werde verlassen, meint er. Nils Annen, dem er das vorwirft, ist aber wohl im Urlaub. Das Abendblatt weiß aber zu berichten: „Aus seinem Umfeld ist jedoch zu hören, dass es niemandem nützte, den „konstruktiven Weg“ zu verlassen.“ Was soll das nun bedeuten? Seilschaften und Absprachen gegen „urdemokratische Vorgänge? Au Backe.

Ärger gab es auch schon zum Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“. Da hatten doch einige SPD-GenossInnen gewagt, der offiziellen Linie der SPD-Spitze zu widersprechen und sich für die Rekommunalisierung der Energienetze eingesetzt. Dazu hatten sie eine Zeitung veröffentlicht.

Auf der Homepage des Distrikts Nord – ebenfalls im Wahlkreis Eimsbüttel gelegen – wurde dieser „Diskurs“ zustimmend von der stellvertretenden Vorständlerin Carola Ensslen auf deren Homepage veröffentlich. Eine wahre Schlammschlacht folgte. Öffentlich feuerten anonyme SPD-Genossen über die Bild-Zeitung unterhalb der Gürtellinie, intern lagen die Nerven blank. Es fand sich kein einziger Genosse, der diese Diffamierungen zurückwies! Dabei hatten die GenossInnen nur das öffentlich gesagt, was eine große Mehrheit von SPD-WählerInnen an der Wahlurne für den Volksentscheid auch wollten: Die vollständige Rekommunalisierung der Energienetze! Rund zweidrittel der SPD-WählerInnen machten nämlich ihr Kreuz beim JA für den Volksentscheid und sorgten damit für den Erfolg! Und damit für eine der größten Abstimmungs-Niederlagen von „König“ Olaf Scholz.

Aber zurück: Dieser Ederhof. Der hat offenbar ein echtes Demokratie-Problem! In Sachen Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ war er so eigensinnig, dass er sich für die Rekommunalisierung der Netze ausgesprochen hatte. Außerdem gründete er gleich noch mit ein paar FreundInnen die EnergieNetz-Genossenschaft, die einige Millionen Euro zusammen sammelte und sich für eine Bewerbung um die Vattenfall-Stromnetze  aufgestellt hat. Damit nicht genug. Gleich nach Neujahr erklärte eine Handvoll kleinerer und mittlerer UnternehmerInnen ihre Unzufriedenheit mit der Hamburger Handelskammer und kündigte an, sich bei den kommenden Wahlen zum Plenum der Kammer als Kandidaten zu bewerben. Mit dabei wieder dieser Ederhof.

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