Da fürchten alle, dass es nach der Energiewende zu wenig Strom gäbe, die Netze zusammen brechen könnten und was auch immer schlimmes möglich wäre. Frankreich hat nun mal kurzerhand einfach einen Block des AKW Fessenheim abgeschaltet, weil es derzeit zu wenig Nachfrage nach Grundlaststrom gibt. So einfach geht das! Leider ist dies laut Badischer Zeitung nur eine befristete Maßnahme. Um die Bedürfnisse im Bereich von Spitzenlaststrom zu befriedigen, der meist so um die Mittagszeit besonders groß ist, importiert Frankreich übrigens gern den deutschen Solarstrom, – auch weil der besonders billig zu haben ist!
Kategorie: Erneuerbare Energien
Rösler und Konsorten gegen die Energiewende

Bundeswirtschaftslobbyist und Freidemokrat Rösler ist offenbar nicht mehr zu stoppen. Schon seit Wochen erklärt er immer wieder – ohne jede Fachkompetenz durchblicken zu lassen, dass Bürgerrechte und Naturschutz der Energiewende entgegen stehen. Die FDP scheint sich im Sommerloch so richtig in Rage zu reden.
Die FAZ berichtet: „Wirtschaftsminister Rösler hat sich nun abermals für einen Systemwechsel ausgesprochen. Nordrhein-Westfalens FDP-Chef Christian Lindner fordert gar, das Erneuerbare-Energien-Gesetz abzuschaffen“. In einem Interview mit der F.A.Z. im Juni bezeichnete Rösler das Erneuerbare-Energien-Gesetz als die Wurzel vieler Energiemarktprobleme und forderte mehr Wettbewerb und mehr Marktintegration.
Derweil feiern die Atomkonzerne ihre Gewinne: E.on zeigt sich über sich selbst begeistert und hat einen Nettogewinn von über drei Milliarden Euro für das erste Halbjahr zu verzeichnen. Und auch der etwas kleinere Konzern Vattenfall ist in Partylaune, weil er seinen Aktionären wieder Gewinne vorzeigen kann.
E.on ist raus – HSE/Entega kauft Anteile zurück

Der Atomkonzern E.on ist nicht länger an der in Darmstadt ansässigen HSE beteiligt. Bereits im Juni hat die HSE die bislang von E.on gehaltenen Anteil von 40 Prozent der Aktien zurück gekauft. Zur HSE gehört auch das Ökostromunternehmen Entega.
In einer Pressemitteilung der HEAG Südhessische Energie AG vom 21. Juni heißt es: „Mit dem Vollzug des seit langem geplanten Rückkaufs eines vierzigprozentigen Aktienpakets vom Energiekonzern E.ON hat die HEAG nun einen Beschluss des HEAG-Aufsichtsrats vom Februar 2012 umgesetzt. Sie nutzt damit ein einmaliges Vorkaufsrecht und erhöht ihren Aktienanteil an der HSE auf rund 93 Prozent. Die übrigen Anteile gehören Landkreisen, Städten und Gemeinden in der Region, Mitarbeitern sowie der HEAG Pensionszuschusskasse. “
Damit verdient der Atomkonzern E.on künftig auch nicht mehr am Ökostrom-Vertrieb der HSE-Tochter Entega mit.
„Für die Daseinsvorsorge in Darmstadt bedeutet es einen wichtigen Schritt nach vorne, dass wir die HSE-Anteile zurück unter das Dach der Stadt holen konnten“, sagte Oberbürgermeister Jochen Partsch.
„Die Kaufsumme für das Aktienpaket beträgt 280 Millionen Euro, die die HEAG über Rücklagen und Kreditaufnahmen finanziert. Die Summe teilt sich auf in einen Basiskaufpreis von 234 Millionen Euro sowie nicht vermeidbare Verpflichtungen von 46 Millionen Euro. Abgesichert ist der Kauf über eine Bürgschaft der Wissenschaftsstadt Darmstadt in Höhe von 205 Millionen Euro. Bei der Finanzierung des Rückkaufs profitiert die HEAG auch von den historisch günstigen Zinskonditionen.“
Ob die jetzt zurückgekauften Anteile von E.on aber in vollem Umfang bei der HSE bleiben, wird in Darmstadt derzeit noch sondiert. In der Pressemitteilung heißt es dazu: „Nach der Abwicklung des Rückkaufs prüft die HEAG nun verschiedene Optionen, wie sie mit dem Aktienpaket weiter verfahren möchte. „Wir möchten die HSE-Anteile nicht zwingend behalten“, erläutert HEAG-Vorstand Dr. Markus Hoschek. „Deshalb denken wir darüber nach, die Kommunen zu beteiligen oder gegebenenfalls einen strategischen Partner ins Boot zu holen. Wichtig ist uns dabei aber, dass mögliche Teilhaber im Sinne der Stadt und ihrer Bürger mit ihren Anteilen umgehen.“ Von großer Bedeutung sei vor allem, dass diese Optionen nun in Ruhe geprüft werden können.“
Vor dem Verkauf hatte es in Darmstadt schwere Auseinandersetzungen gegeben. Zum Jahreswechsel 2012 war die ehemalige Grüne Bundestagsabgeordnete Christine Scheel in den Vorstand der HSE gewechselt. Kaum im Amt, widersprach Christine Scheel mehrfach den Absichten, die Anteile von E.on zurückzukaufen. Sie plädierte dafür, den Atomkonzern im Unternehmen zu belassen, um einen finanzkräftigen Partner an der Seite zu haben. Damit kollidierte sie mit bereits länger andauernden Planungen der Stadt Darmstadt. Daher kam es zu einem schweren Konflikt mit dem Parteikollegen und Oberbürgermeister Jochen Partsch. Der Aufsichtsrat des Hauptanteilseigners HEAG – zu dem Partsch gehört – beschloss daher im April 2012, Christine Scheel das Vertrauen zu entziehen. Partsch: „Ziel ist die schnellstmögliche Trennung.“
IG Metall – Betriebsrat von First Solar muss weiterbeschäftigt werden

Laut Mitteilungen der IG Metall muss First-Solar mit Sitz in Frankfurt (Oder) ein fristlos gekündigtes Mitglied des Betriebsrates wieder einstellen. Dies habe das Arbeitsgericht in Frankfurt (Oder) entschieden. IG Metall – Gewerkschaftssekretär Siegfried Wied nannte laut Medienberichten die Gerichtsentscheidung «hervorragend». Dem Betriebsratsmitglied war von der Fimenleitung vorgeworfen worden, den „Betriebsablauf gestört“ zu haben, nachdem bekannt geworden war, dass der US-Konzern sein Werk aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung schließen müsste und damit 1.200 Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren würden. Weitere Infos zur Pleite des Solaranlagen-Herstellers hier.
Wirtschaftminister Rösler als „Kneipenkasper“

Vor zwei Tagen forderte der freidemokratische Wirtschaftsminister Rösler den Abbau von Bürgerbeteiligung, die Außerkraftsetzung von Umweltschutzmaßnahmen und die Reduzierung von Klagemöglichkeiten für Betroffene. Denn all diese Hindernisse stünden der Energiewende und dem Netzausbau im Wege – so Rösler.
Der Grüne Energieexperte Oliver Krischer kommt angesichts solch offenkundiger Dummredereien laut Berliner Zeitung zu dem Ergebnis: „Wir haben derzeit keinen Wirtschaftsminister, sondern einen Kneipenkasper.“ Das darf man getrost noch als freundlich bezeichnen. Denn die Sabbeleien des Kneipenministers sind frei von jedem Wirklichkeitsbezug und zeigen bestenfalls, wie sich ein freidemokratischer Lobbyist im Sommerloch die Demokratie zurechtträumt.
Noch peinlicher aber ist es, dass Rösler mit derartigen undemokratsichen Gerede nicht mal in seinem Haus Rückendeckung erhält. Die Berliner Zeitung schreibt nämlich: „Denn seine Experten sagen exakt das Gegenteil. „Energiewende und Netzausbau sind mit dem Ziel und dem rechtlichen Rahmen, die Natur zu erhalten und zu schützen, vereinbar“, erklärt Wirtschaftsstaatssekretär Stefan Kapferer. Auch auf der Fachebene arbeite niemand an Plänen zur Aussetzung von Naturschutzvorgaben. Im Gegenteil, man halte die gültige EU-Richtlinie für ein effektives Mittel zur „Lösung der Interessenkonflikte zwischen Netzausbau und Naturschutz“.“
Das dumme an den Schwätzereien von Rösler ist, dass er nicht mal die wirtschaftlichen Interessen der Netzbetreiber vertritt oder unterstützt. Auf der ganzen Linie dummes Zeug!
Und so fasst die Berliner Zeitung denn auch zusammen: „Entsprechend führten Röslers Beamte in Brüssel keinerlei Gespräche, um bestehende Naturschutzregelungen zu ändern. Zudem kenne das Ministerium die Erklärung verschiedener Netzbetreiber, wonach der Naturschutz sie nicht einenge und lobt deren Kooperation mit Umweltverbänden.“
Wird Zeit, dass sich was ändert, in Berlin!
