Ostermarsch Gronau: Auf die Straße für atomare Abrüstung und Atomausstieg

ZdebelURENCOAug2014Der Münsteraner Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel (DIE LINKE) wird sich am kommenden Karfreitag am Ostermarsch in Gronau beteiligen. Der Sprecher für den Atomausstieg der Fraktion DIE LINKE ruft alle Friedensbewegten in der Region zur Teilnahme auf: „Frieden und Atomenergie gehen nicht zusammen! Die sogenannte friedliche Nutzung der Atomkraft ist ein Mythos: Immer wieder wird die zivile Nutzung von Atomkraft dazu benutzt, die militärische Nutzung der Atomtechnologie voran zu treiben.

Die Uranfabrik in Gronau, die vom Atomausstieg ausgenommen ist, beliefert weiter Atomkraftwerke in der ganzen Welt mit radioaktivem Brennstoff und sorgt so weltweit für Atomgefahren. Die Urananreicherungs-Technik der Gaszentrifugen, die dort zum Einsatz kommt, könnte jederzeit auch atomwaffenfähiges Uran herstellen. Die Urananreicherung der URENCO in Gronau ist somit der Schlüssel zur Atombombe. Daher muss die Atomanreicherungsanlage in Gronau aus umwelt- und friedenspolitischer Sicht stillgelegt werden. Grund genug also, gemeinsam in Gronau für das Ende dieser Atomanlage zu demonstrieren!“

Der Ostermarsch in Gronau startet an Karfreitag, den 25. März 2016 um 12 Uhr vor der Urananreicherungsanlage in Gronau

Für eine Welt ohne Atomkraft und Atomwaffen – Ostermarsch 2016 an Uranfabrik Gronau

Das Popmuseum und eine Uranfabrik: Gronau
Gegen Atomwaffen und AKWs: Ostermarsch.NRW 2016 startet in Gronau

Am kommenden Karfreitag, den 25. März, startet in Nordrhein-Westfalen der Ostermarsch an der Urananreicherungsanlage Gronau. Mit dabei ist der Nuclear-Free-Future-Award-Preisträger Golden Misabiko als Redner. Inzwischen rufen 30 Anti-Atomkraft- und Friedensinitiativen zur Teilnahme auf. Beginn ist 12 Uhr vor dem Haupttor der zum URENCO-Konzern gehörenden Gronauer Uranfabrik (Röntgenstraße 4).

Das Uran, das in Gronau angereichert wird, versorgt weltweit rund jedes zehnte AKW mit dem erforderlichen Brennstoff. Darunter auch Reaktoren der AKWs im belgischen Tihange und Doel. Die Anlage in Gronau ist vom Atomausstieg in Deutschland ausgenommen und verfügt über eine unbefristete Betriebsgenehmigung. Außerdem brisant: Technisch könnten die Zentrifugen der URENCO auch atomwaffenfähiges Uran herstellen.

Mehr Informationen über die Demonstration am kommenden Karfreitag gibt es hier: www.sofa-ms.de

Atommüll Endlager Schweden – Einwendungen empfohlen

19012016-Gesicht zeigen-Konrad stoppen314Schweden plant ein „Atommüll-Endlager“ und hat jetzt ein internationales Öffentlichkeitsbeteiligungs-Verfahren gestartet, in dessen Rahmen auch Einwendungen in Deutschland erhoben werden können. Darüber informieren derzeit das Bundesumweltministerium und einige Landesministerien, z.B. in Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Solche Einwendungen müssen bis zum 15. April an die zuständigen Behörden in Schweden übermittelt werden, können aber in deutscher Sprache formuliert werden. Eine solche Einwendung, deren Verwendung jede/m/r offen steht, hat der Göttinger Professor Rolf Bertram formuliert, die umweltFAIRaendern hiermit dokumentiert.

Der Text ist übernommen von der Homepage Offene Akademie und dort unter dem Titel „Endlager Schweden – Einwendungen empfohlen“ veröffentlicht: Kopieren? Unterzeichnen? Absenden?

Wichtiger Hinweis – BMU teilt mit: Die Übersendung per E-Mail ist der von der zuständigen schwedischen Behörde bevorzugte Weg. Sie können mögliche Einwendungen unter Angabe des Aktenzeichens „NV-07138-15“ an die Adresse registrator@swedishepa.se senden. Diese E-Mail Adresse ist auf der Seite des BMUB http://www.bmub.bund.de/P4200/ unter dem Link „schwedische Behörde“ im Text oder auch oben rechts in einem Kasten veröffentlicht. Die Möglichkeit des Postwegs ist lediglich ein zusätzliches Angebot der schwedischen Behörde.

Der Mensch kann die Wege der Radionuklide nicht steuern, und sie machen auch vor nationalen Grenzen nicht halt, ob in der Luft, im Wasser oder in der Nahrungskette“ (Stephani Cooke, „Atom – Die Geschichte des nuklearen Irrtums“, Kiepenheuer, 2011)

Die schwedische „Svensk Kärnbränslehantering AB“, übersetzt „Brennelemente- und Brennelemnteabfall-AG“, beantragt einen Weiterbetrieb des Zwischenlagers auf der  Simpevarp Halbinsel in Oskarshamn-Bezirk und eine Erweiterung um eine Fabrik zur Konditionierung, sowie ein Endlager in Forsmark. Bis zum 15. April sind Einwendungen grenzüberschreitend auch aus Deutschland möglich. Die im Folgenden vorgeschlagenen Einwendungen sollten ganz, teilweise oder erweitert – als Sammeleinwendung oder –besser – als Einzeleinwendung erfolgen. Die Auflistung ist gemäß der Abfolge in der offiziellen Ankündigung von mir zusammengestellt – s. unter internet: „Schweden startet grenzüberschreitende Umweltverträglichkeits-Prüfung“. Einwendungen sind unter Angabe des Aktenzeichens „NV-“ zu schicken. Dies kann in deutscher Sprache erfolgen. Ein Muster finden Sie hier.

Die postalische Adresse für die Einwendungen ist

Naturvårdsverket
SE-106 48 Stockholm
Schweden

Auf der Seite des Bundesamts für Strahlenschutz BfS findet sich auch die email-Adresse (registrator@swedishepa.se) falls die Einwendungen als Anhang versendet werden.

Zu beanstanden sind (Vorschläge):

1. zu „Beschreibung der Gegend Forsmark“ – S. 4 –

1.1 es ist nicht hinreichend beschrieben, wie ein Austausch des Grundwasserflusses mit den tieferen Grundwässern vermieden wird,
1.2 es liegt keine vollständige Erfassung der in der ROTEN LISTE beschriebenen bestandsgefährdeten Objekte (Lurche, Vögel, Pflanzen etc.) vor,
1.3 es ist nicht erkennbar, wie der „ungewöhnliche Wildnischarakter“ vor den unvermeidbaren radioaktiven Emissionen dauerhaft erhalten werden soll,
1.4 es ist nicht ausreichend dargelegt, wie die „unberührte Natur“ erhalten werden soll.

2. zu „Beschreibung der Gegend Oskarshamm“ – S.6 –

2.1 es fehlt eine nähere Beschreibung der auf der Halbinsel Simpevarp ermittelten „Gebiete von nationalem Interesse“ und gleichermaßen für das Natura-2000-Gebiet Figeholm,
2.2 es fehlen die Kriterien, die bei der Einstufung des erfolgten Bewertungsverfahren zugrunde gelegt wurden,
2.3 es fehlt eine genaue Beschreibung der radiologischen Messungen zur Erfassung und zum Vergleich mit den gesetzlichen Grenzwerten,
2.4 es fehlt eine belastbare Risikoabschätzung für Transporte radioaktiven Materials zur Halbinsel Simpevarp.

3. zu „Clab“ (central interim storage facility, Zwischenlager) – S.7 –

3.1 eine genaue Beschreibung der Transportbehälter für „abgebrannte Brennstäbe“ fehlt,
3.2 es ist nicht erklärt, was unter „verbrauchten Kernkomponenten“ verstanden wird,
3.3 es ist nicht ersichtlich, auf welche Weise „ schwere Unfälle ohne Auswirkungen auf die Umwelt“ vermieden werden sollen,
3.4 die zusätzlichen Risiken durch „Erhöhung der Zwischenlagerungsmenge“ der abgebrannten Brennstäbe und durch die dichtere Packung der Kernkomponenten sind nicht benannt.

4. zu „Auswirkungen und Folgen“ – S.9 –

4.1- Betriebssicherheit und Strahlenschutz
4.1.1 es ist nicht erwiesen, dass bei der kontinuierlichen Freisetzung von Radionukliden keine Gesundheitsbelastung für die Anwohner entsteht,
4.1.2 es ist nicht erkennbar, dass jüngere Erkenntnisse über die Schadwirkung von andauernder Strahlung im Niedrigdosisbereich berücksichtigt wurden,
4.1.3. es ist nicht erkennbar, dass die besondere Schädlichkeit von Tritium und Radiokohlenstoff (C14) berücksichtigt wurde,
4.1.4 es ist nicht erkennbar, dass durch Neutronen verursachte Aktivierungsprodukte im Strahlenschutz berücksichtigt wurden,
4.1.5 die angenommene Reinigung von kontaminierter Abluft durch Partikelfilter ist nicht nachgewiesen,
4.1.6 die Leistungsfähigeit der Wasseraufbereitungsanlage durch Filter und Ionenaustauscher ist nicht nachgewiesen,
4.1.7 es ist nicht erklärt, was unter „marginaler jährlicher Steigerung von Emissionen und Dosen“ verstanden wird.

4.2 – Einleitungen in Gewässer
4.2.1 es ist nicht nachgewiesen, dass das zur Kühlung benötigte Wasser zusammen mit dem Kühlwasser aus dem Kernkraftwerk Oskarshamn schadlos in die Hamnefjärden- Bucht eingeleitet wird,
4.2.2 es ist nicht nachgewiesen, dass potentiell kontaminiertes Grundwasser schadlos in die Herrgloet-Bucht abgegeben werden kann.

5. zu „ Weitere Umweltauswirkungen“ – S. 9 –

5.1 Die Annahme, dass „weder von Clab noch von den Transporten von und zu der Anlage Gebiete von nationalem Interesse oder Schutzgebiete“ nicht beeinflusst werden, wird nicht belegt,
5.2 es ist unverständlich, dass „Clabs Auswirkung auf die Landschaft“ wegen der umliegenden Wälder begrenzt sein soll,
5.3 auch dass durch die lokale Absenkung des Grundwassers keine Auswirkungen auf Naturwert und Grundwasserstände in Brunnen auftreten, bedarf eines Beweises.

6. zu „Clink“ (integrated facility for interim storage and encapsulation, Konditionierungsanlage) –S.10 –

6.1 Anlage und Tätigkeit
6.1.1 Es ist nicht beschrieben, auf welche Weise vor der Neutronenstrahlung während der Handhabung der „Brennelemente …bis sie in der Anlage ankommen“ geschützt werden soll,
6.1.2 es ist nicht beschrieben, auf welche Weise der Schutz vor Strahlung gewährleistet wird ,während „gefüllte Kanister „ und „Transportbehälter..auf dem Seeweg ins Endlager transportiert“ werden.

6.2 Auswirkungen und Folgen – S. 11 –

6.2.1 Betriebssicherheit und Strahlenschutz
6.2.1.1.Die Auffassung, dass „eingekapselte Brennelemente… keine Quelle von Luftradioaktivität“ mehr sein können, ist wissenschaftlich längst widerlegt.
6.2.1.1 Es ist nicht belegt, dass „Clinks Emissionen in Luft und Wasser … keine gesundheitlichen Folgen für die Anwohner oder für die Flora und Fauna in der Umgebung haben“.

6.2.2 Radioaktive Abfälle
Da “radioaktive Abfälle aus Clink“ und „Abfälle aus Clab“ nicht identisch sind, ist eine identische Handhabung nicht gerechtfertigt.

6.2.3 Landnutzung (- S.11-)
Die Folgerungen im letzten Abschnitt sind nicht nachvollziehbar und bedürfen einer Erklärung.

7. zu „Endlager“ – S. 12 –

Die Angaben sind so pauschal, dass eine Bewertung der angekündigten Maßnahmen nicht möglich ist.
Ein Antrag auf Bewilligung ist daher wesentlich zu ergänzen. In der vorliegenden Form ist der Antrag zurückzuweisen.

8. zu „Auswirkungen und Folgen“ – S.13 –

8.1 Betriebssicherheit und Strahlenschutz
8.1.1 Der Begriff „durchgehende Beschädigung“ (S.14) ist nicht definiert. Eine Klarstellung ist unbedingt erforderlich.
8.1.2 Es ist darzulegen, auf welche Weise „..das Personal“ durch die genannte „Strahlungsabschirmung“ gegen „Neutronenstrahlung“ und gegen entstehende Aktivierungsprodukte geschützt werden soll.

8.2 Sicherheit nach der Stilllegung (S.-14-)

Unter diesem Kapitel fehlen
8.2.1 – abgestimmte Kriterien zur Bewertung einer Stilllegung,
8.2.2 – eine genaue Definition „des Systems von passiven Barrieren“,
8.2.3 – eine detaillierte Darlegung des genannten „Zusammenspiels von Ausbreitung, Eindämmung, Verhinderung und Verzögerung radioaktiver Substanzen“
8.2.4 – Berechnungen oder nachvollziehbare Abschätzungen „des Risikos für Menschen“ ,
8.2.5 – Berechnungen oder nachvollziehbare Abschätzungen der Risiken für nachfolgende Generationen,
8.2.6 – Belege für die Behauptung, dass „das Gesamtrisiko deutlich unter dem Risikokriterium“ liegt.

8.3 Nationale Interessen und Schutzgebiete
8.3.1 – Da nach eigenen Erkenntnissen des Antragstellers „Das Risiko von erheblichen Auswirkungen nicht ausgeschlossen werden kann“ (S. 14) sind die geplanten Maßnahmen im Einzelnen darzulegen.
8.3.2 – Es ist auch nicht hinzunehmen, „die Folgen für die Naturwerte (nur) zu begrenzen“. Sie sind zu vermeiden.

8.4 Emissionen in die Luft (S.16)
8.4.1 – Die „Erwartung, dass keine nennenswerten Folgen für die menschliche Gesundheit oder die Umwelt“ auftreten, sind im Einzelnen an Hand von überprüfbaren Untersuchungsergebnissen darzulegen.

9. Zu „In Betracht gezogene Standortalternativen“ – S.16 –

9.1 Clab
9.1.1 – Im Lichte neuerer Erkenntnisse ( Erweiterung und Verschärfung der Kriterien, Verbesserung der Ermittlungsmethoden etc..) ist es unbedingt erforderlich die „ in den 1970er Jahren“ ermittelten Ergebnisse (liegt über 40 Jahre zurück) neu zu überprüfen.
9.1.2 – Bei einer neuen Überprüfung ist darzulegen, dass dabei der neueste Stand von Wissenschaft und Technik berücksichtigt wurde.

9.2 Verkapselungsanlage ( S. 16/17)
9.2.1 – Bei einer „trockenen Behandlung der Brennelemente“ ist darzulegen, auf welche Weise die austretende Neutronenstrahlung und die damit verbundene Bildung von C-14 als Aktivierungsprodukt verhindert werden soll.
9.2.2 – Es ist nicht belegt, dass „Die beiden Alternativen in ökologischer und gesundheitlicher Hinsicht weitgehend gleichwertig“ sind.

9.3 Endlager (S.17)
Die Bewertung der Auswirkungen zu den alternativen Endlagerstandorten ist bezüglich „Umwelt, Wohnumgebung, menschliche Gesundheit und Wasserdurchfluss“ nicht nachvollziehbar.

Terror-Anschläge in Belgien: AKWs Tihange und Doel (teil)evakuiert

AKW Tihange Huy koeltorens von Michielverbeek - CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons
(Teil)Evakuierung als Reaktion auf die Terroranschläge in Brüssel: „Nicht benötigte“ Mitarbeiter des AKW Tihange mit seinen drei Reaktorblöcken wurden nach Hause geschickt. Foto: Huy koeltorens von Michielverbeek – CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons

(Dieser Text wird laufend aktualisiert!) Nach den Terroranschlägen in Brüssel reagieren die belgischen Behörden laut Medienberichten jetzt mit der Teil-Evakuierung von Mitarbeitern in den beiden Atomkraftwerken Tihange (bei Lüttich, unweit der deutschen Grenze) und Doel. Der Betreiber spricht laut einer Meldung der Welt nicht von einer Evakuierung. „Vielmehr sei verzichtbares Personal aus Sicherheitsgründen nach Hause geschickt worden, unterstrich das Unternehmen auf dem Kurzmitteilungsdienst Twitter.“ Andere Medien sprechen von einer Teil-Evakuierung.

Mit Blick auf die Reaktoren in Tihange war zunächst von der belgischen Nachrichtenagentur Belga unter Berufung auf den lokalen Polizeichef, Didier Lambert, berichtet worden, dass Arbeiter und Angestellte in Sicherheit gebracht wurden. Ein Minimaldienst sei jedoch weiter gewährleistet, hieß es. Das Militär ist vor Ort. Alle verfügbaren Polizeikräfte aus Huy seien bei Bedarf einsatzbereit. Die drei Reaktoren des AKW sind aber offenbar nicht abgeschaltet worden. Inzwischen ist diese Maßnahme offenbar auch auf die Mitarbeiter im AKW Doel  mit seinen vier Reaktoren ausgeweitet.

Außerdem, so die FAZ: „Das Zentrum für Nuklearenergie in Mol wird ebenfalls verstärkt überwacht.“

Das Bundesumweltministerium teilt laut einer Meldung von Reuters mit: „Die Anschläge in Brüssel haben nach Angaben des deutschen Umweltministeriums momentan keine Auswirkungen auf die Sicherheit deutscher Atomanlagen. „Für die Einschätzung der Gefährdung in Deutschland sind die Bundessicherheitsbehörden zuständig“, teilte eine Sprecherin des Ministeriums am Dienstag auf Anfrage mit. „Demnach liegen aktuell keine Erkenntnisse vor, die auf eine konkrete Gefährdung der deutschen Atomkraftwerke hinweisen und zusätzliche Sicherungsmaßnahmen erforderlich machen würden.““ Allerdings: Auch in Deutschland gilt seit 2011 eine veränderte Sicherheitsbewertung. Danach gibt es zwar nach Behördenangaben keine konkreten Gefährdungen, aber an allen bundesdeutschen Atomanlagen werden die Sicherungsmaßnahmen erhöht. Entsprechende Genehmigungsverfahren mit Nachrüstumaßnahmen laufen oder sind bereits abgeschlossen. Diese Maßnahmen finden unter dem Begriff „Sonstige Einwirkungen Dritter“ (SEWD) statt. Über die SEWD-Maßnahmen bei den Zwischenlagern mit hochradioaktiven Abfälle berichtet das BMUB hier.

umweltFAIRaendern hatte in den letzten Wochen mehrfach über wachsende Terrorgefahren im Zusammenhang mit den AKWs in Belgien und dem Einsatz von Militär berichtet. Demnach hatten die belgischen Behörden Hinweise, dass die Atomanlagen Ziel terroristischer Angriffe werden könnten und reagierten u.a. mit dem Einsatz von Militär an allen belgischen Atomanlagen.

Schon vor den Terroranschlägen in Paris hatte es in Belgien Hinweise gegeben, dass Terroristen die belgischen Atomanlagen im Visier haben könnten. Erst vor wenigen Tagen erinnerte der Deutschlandfunk an einen im Oktober 2014 bekannt geworden Fall: Ein „belgischer Dschihaddist (hatte) drei Jahre lang für Belgiens ältestes Kernkraftwerk gearbeitet. Und zwar als Techniker im Hochsicherheitsbereich des AKW Doel nahe Antwerpen.“ Obwohl den Behörden bekannt war, dass er sich an Aktionen für den Islamischen Staat beteiligte, hatte er keine Probleme beim Zugang zum Atomreaktor. Mehr dazu hier: Terrorgefahren, Innentäter, „schmutzige Bomben“: Belgische Atommeiler und eine Nukleare Sicherheitskonferenz

Nach den Anschlägen von Paris stellten belgische Behörden nach Festnahmen und Hausdurchsuchungen bei einem Tatverdächtigen ein Video sicher, in dem die Überwachung eines belgischen Atomexperten zu sehen sein sollte (siehe dazu ausführlicher in den o.g. Texten/Links).

Auf dieses Video weist auch die FAZ nun aktuell hin: „Grund für die strengeren Sicherheitsmaßnahmen an den beiden belgischen Atomkraftwerke dürfte auch sein, dass die französischen und belgischen Kriminalbeamten bei ihren Ermittlungen zu den Attentätern vom 13. November auf mögliche Anschlagspläne gegen Nuklearanlagen in Belgien gestoßen sind. Bei einer Hausdurchsuchung in Brüssel waren die Ermittler am 30. November auf ein 10 Stunden umfassendes Video gestoßen, das den Tagesablauf eines hohen Verantwortlichen der belgischen Nuklearindustrie nachzeichnete. Nach Informationen belgischer Medien soll es sich um den Direktor des Zentrums für Nuklearenergie in Mol handeln. In der französischen Presse wurde spekuliert, dass die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) Anschläge auf Nuklearanlagen plane. Dies hat auch in Frankreich, das 58 Reaktoranlagen unterhält, zu großer Besorgnis geführt.“

Seit Monaten sind der Block 3 des AKW Tihange und der Block 2 in Doel besonders in der Diskussion. Trotz tausender Rissbefunde im Herzstück der Anlagen, den Reaktordruckbehältern, hatte die belgische Atomaufsicht ihre Zustimmung zur Wiederinbetriebnahme gegeben. Selbst das Bundesumweltministerium spricht davon, dass die vielen Risse die Sicherheitsgrenzen der Reaktoren deutlich reduzieren. Vor allem in den Grenzregionen zu Deutschland regt sich parteiübergreifend massiver Protest von Bürgermeistern, Kommunen und Städten sowie Anti-Atom-Initiativen, die eine sofortige Stilllegung der Riss-Reaktoren fordern. Tihange ist nur knapp 70 Kilomter von Aachen entfernt.

Fummeln mit Plutonium: Die Schweizer, Paul Scherrer und die „heißen Zellen“

Venue_PSI-SchweizGerade erst haben die Schweizer rund 20 Kilogramm atomwaffenfähiges Plutonium über Deutschland in die USA verschifft. Jahrzehntelang lagerte das Zeug in dem kleinen Örtchen Villigen, zwischen Basel und  Zürich am Jurapark Aargau gelegen. Dort steht eines der wichtigsten Atomzentren der Eidgenossen. Dort fummeln sie an hochradioaktivem Material oder an Plutonium rum. Schon seit den 60er Jahren. Wissen für morgen, behaupten sie über das, was sie dort hinter einem Meter Beton und 70 Zentimeter Bleiglas machen. Inzwischen seit 50 Jahren treiben sie dort Forschung in einem Hotlabor, einem Gebäude mit vielen heißen Zellen. Damit sie das in Zukunft weiter machen dürfen, brauchen sie jetzt eine neue Erlaubnis. Darüber berichtet aktuell der Schweizer Rundfunk.

Paul Scherrer Institut (Wikipedia) heißt diese Forschungseinrichtung, welche sich gern als „multidisziplinäres Forschungsinstitut für Natur- und Ingenieurwissenschaften“ bezeichnet. Früher mal war es das 1960 gegründete Eidgenössische Institut für Reaktorforschung und das Schweizerische Institut für Nuklearphysik (1968).

Paul Scherrer? Wikipedia teilt über ihn mit: „Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete Scherrer mit dem US-Nachrichtendienst OSS zusammen, dem er aufgrund seiner engen Kontakte zum deutschen Kernphysiker Werner Heisenberg entscheidende Informationen zum Stand der Entwicklung der Atombombe in Nazi-Deutschland lieferte. [1] Nach dem Zweiten Weltkrieg war er 1954 an der Gründung des Forschungszentrums CERN bei Genf beteiligt und wirkte in verschiedenen Institutionen und Gremien zur Verbreitung der Kernenergie in der Schweiz: 1946 wurde er Präsident der neu gegründeten Studienkommission für Atomenergie SKA, welche die Durchführung eines schweizerischen Atomwaffenprogramms anstrebte. Ab 1958 war er Präsident der Schweizerischen Kommission für Atomwissenschaften. 1960 wurde er emeritiert. Im selben Jahr wurde er in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. Im Jahr 1969 starb Scherrer. Beigesetzt wurde Paul Scherrer auf dem Friedhof Fluntern.“

  • Dort ist ein interessanter Link auf einen Artikel in der Weltwoche: „Schweizer forschten bei der Entdeckung der Kernspaltung an der Weltspitze mit. Beim Wettlauf um die Atombombe arbeitete der Zürcher Physiker Paul Scherrer eng mit den Amerikanern zusammen. Damit öffnete er der Schweiz den frühen Zugang zur zivilen Nutzung der Kernenergie.“ Dort wird auch seine Tätigkeit in Göttingen (Heisenberg) erwähnt, einem Ort, der für die deutsche Atomforschung von Bedeutung ist. Die Geschichte der Atomenergie zwischen Atombombe und Reaktor ist Thema der „Spurensuche“ auf umweltFAIRaendern.

Geschichte? Ja, aber eben nicht nur und nach dem Willen der Schweizer Atomforscher auch mit Zukunft. Wissen für morgen, sagen die Schweizer selbst.

Mit der eidgenössischen Höflichkeit hat das PSI nun ein „Gesuch“ geschrieben, um auch weiter in den heißen Zellen mit hochradioaktiven Materialien erforschen zu können. Im März 2014 hat das „Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat“ ENSI dazu eine 128 Seiten umfassende Begutachtung vorgelegt: „Gutachten zum Gesuch des Paul Scherrer Instituts um Erneuerung der Betriebsbewilligung für das Hotlabor“ (PDF).

Dort ist zu erfahren: „Der Standort gehört zur politischen Gemeinde Würenlingen“ und: „Der untere Teil des Aaretals, in dem sich das PSI befindet, beginnt in einer etwa 900 m breiten Klus beim Zusammenfluss von Aare, Reuss und Limmat und endet in einer rund 600 m breiten Klus bei Koblenz und Felsenau, wo die Aare in den Rhein mündet. Die Talausrichtung ist Nord-Süd. Die Gesteine der Hügel sind Jurakalke, die im Tertiär aufgefaltet wurden. Der ebene Talgrund des unteren Aaretals wird im Gebiet um das PSI von einer 20 bis 40 m dicken alluvialen Ablagerungsschicht aus Lockergestein (Schotter) gebildet.“ Und: „Das Paul Scherrer Institut liegt abseits der Hauptverkehrswege.“ Und: das PSI ist 24 km vom Flughafen Zürich-Kloten entfernt.

Jenseits solcher Feststellungen geht es auch im schweizerischen Atomprogramm um wesentliche Dinge der Machtpolitik. Mit Blick auf das erwähnte Plutonium schreiben Schweizer Medien: „Was der Bund heimlich verschwinden liess: 20 Kilo Plutonium aus wiederaufbereiteten Brennstäben des ehemaligen Versuchsreaktors «Diorit». Aus der Zeit also, da die Schweiz die Bombe bauen wollte.“

Mehr dazu unter dem oben schon genannten Link „Geheime Plutonium-Transporte: Vier Atombomben unterwegs„.

Zum Thema Heiße Zellen auf umweltFAIRaendern:

 

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