Ärzteorganisation fordert „Atomminister“ Robert Habeck auf, Plutonium-Einsatz in Brokdorf zu stoppen

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Noch mehr Risiken: Plutonium-Einsatz im AKW Brokdorf. Foto: Dirk Seifert

Die internationale Ärzteorganisation IPPNW hat den schleswig-holsteinischen Energieminister Robert Habeck (Grüne) heute aufgefordert, den Einsatz von Plutonium im AKW Brokdorf zu stoppen. Dieser Tage sollen weitere solcher so genannter MOX-Brennelemente per LKW-Transport aus dem belgischen Dessel über Niedersachsen und Hamburg zu dem Atommeiler an der Unterelbe rollen.

Siehe auch: Nicht nur neuer Atommüll für Schleswig-Holstein: Jetzt rollt auch noch Plutonium in das AKW Brokdorf und: Nix gelernt und falsch: Hamburger Umweltbehörde erklärt Plutoniumtransporte für harmlos

Die IPPNW schreibt:
„E.On-Experte warnt vor Sicherheitsrisiken / Neue beunruhigende MOX-Probleme

Nach dem Brand auf dem mit radioaktiven Stoffen beladenen Containerschiff „Alantic Cartier“ in Hamburg und dem geplanten Transport von plutoniumhaltigen MOX-Brennelementen durch Hamburg warnt die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW den schleswig-holsteinischen Umweltminister Robert Habeck vor dem weiteren MOX-Einsatz im Atomkraftwerk Brokdorf. Hintergrund ist die Kritik des MOX-Spezialisten Wolfgang Faber, der bei der E.On Kernkraft GmbH als Leiter für den Einsatz von Brennelementen verantwortlich ist. Das eindeutige Votum des Brennelement-Spezialisten wird allerdings vom Vorstandsvorsitzenden der E.On AG, Johannes Teyssen, ignoriert. Auf der E.On-Hauptversammlung am 3. Mai 2013 in Essen sagte Teyssen der ehemaligen IPPNW-Vorsitzenden Angelika Claußen auf Nachfrage wörtlich: „Die Meinung von Herrn Faber ist eine Einzelmeinung. Das ist nicht die Unternehmensmeinung. Wir sehen keine Gefahrenerhöhung durch MOX-Brennelemente.” Nach Auffassung der IPPNW ist jetzt der zuständige Atomminister Robert Habeck gefragt, den MOX-Einsatz in Brokdorf endlich zu unterbinden und verweist hierbei auf aktuelle Sicherheitsprobleme.

Faber hatte am 14. September 2011 auf einem Treffen des US Nuclear Waste Technical Review Board aus finanziellen Gründen, wegen der Dosisbelastung für das Personal und aufgrund erheblicher Schwierigkeiten und Risiken beim Einsatz sowie bei der Entsorgung von der Verwendung von MOX-Brennelementen abgeraten. Der Spezialist weist darauf hin, dass die Wärmeleitfähigkeit geringer und die Kernbrennstofftemperatur, die Reaktivität sowie der Spaltgasdruck höher sind als bei herkömmlichen Uranbrennelementen. Bei einem Leck-Störfall ist laut Faber mit einer stärkeren Beschädigung von Brennstäben zu rechnen („core failure rates … higher in mixed cores“).

Das Thema MOX beschäftigt die Aufsichtsbehörden und Gutachterorganisationen derzeit sehr stark. Es gibt mehrere beunruhigende Befunde, so IPPNW-Atomexperte Henrik Paulitz. So wird in zahlreichen deutschen und europäischen Atomkraftwerken ein Ansteigen des Neutronenflussrauschens beobachtet, ohne dass die Ursache dafür wirklich klar wäre. Fest steht aber offenbar, dass der MOX-Einsatz dabei eine Rolle spielt. In einem Fall führte das sogar schon zu einer Reaktorschnellabschaltung. Neu ist den Atomtechnikern offenbar auch, dass MOX-Brennelemente bei Leck-Störfällen innenseitig oxidieren können, so dass ein Zerbröseln der Hüllrohre droht und die Kühlung somit beeinträchtigt werden könnte. Nicht bedacht hatte man ferner, dass bei einem Aufblähen der MOX-Brennstäbe durch den höheren Spaltgasdruck der Kernbrennstoff absacken und auch deswegen die kühlfähige Geometrie im Kern beeinträchtigt werden kann.

Auch in der Schweiz werden die öffentlich kaum bekannten Probleme und Unsicherheiten im Bereich des Reaktorkerns generell und beim Einsatz von MOX-Brennelementen im Besonderen kritisch diskutiert. In einem Gutachten für die Eidgenössische Kommission für die Sicherheit von Kernanlagen vom 27. September 2006 schreibt der Spezialist Hans-Urs Zwicky zu den Gefahren bei einem Reaktivitätsstörfall (RIA): “Dabei wurde berücksichtigt, dass MOX-Brennstoff inhomogen ist und in den plutoniumreichen Agglomeraten lokal ein sehr hoher Abbrand mit einer entsprechend porösen Mikrostruktur erreicht werden kann. Übersteigt der Spaltgasdruck in den Poren des Brennstoffs einen kritischen Wert, so wird die Brennstoffstruktur instabil und die freigesetzten Spaltgase tragen wesentlich zur Hüllrohrbelastung während des RIA bei.“

Ferner betont Zwicky: „Erste Erfahrungen bei der Kernauslegung für die Betriebszyklen 2005/06 zeigten, dass die Kriterien für Uranbrennstoff auch bei hohem Abbrand ohne Einschränkungen erfüllbar sind. Dagegen können die relativ tiefen Werte für Hochabbrand-MOX zu einem gewissen Flexibilitätsverlust bei der Kernauslegung führen.“

Vor diesem Hintergrund fordert die IPPNW die sofortige Außerbetriebnahme von Atomkraftwerken wie Brokdorf, in denen MOX-Brennelemente eingesetzt werden.“

Kontakt: Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW), Körtestr. 10, 10967 Berlin, www.ippnw.de, Email: ippnw@ippnw.de

Nix gelernt und falsch: Hamburger Umweltbehörde erklärt Plutoniumtransporte für harmlos

MOX-Transport zum AKW Brokdorf (1991), Spezialfahrzeuge sind für den Plutoniumtransport erforderlich. Foto: Dirk Seifert
MOX-Transport zum AKW Brokdorf (1991), Spezialfahrzeuge sind für den Plutoniumtransport erforderlich. Foto: Dirk Seifert

Die SPD-geführte Umweltbehörde hat auch nach dem Kommunikations-Desaster aus dem Feuer im Hamburger Hafen an Bord der „Atlantic Cartier“ nichts dazugelernt. Noch in dieser Woche sollen Plutonium-Transporte durch Hamburg rollen. Auch deren Risiken werden von einem Sprecher der Hamburger Umweltbehörde verharmlost, teilweise sind die Informationen auch einfach falsch!

An Bord des Atomfrachters, der am 1. Mai im Hamburger Hafen in Brand geriet und mit einem Großeinsatz der Feuerwehr gelöscht werden musste, hatte sich auch radioaktives Material befunden, darunter das hochgefährliche Uranhexafluorid. Die Umweltbehörde verschwieg dieses brisante Detail. Erst durch eine Anfrage der Hamburger Grünen wurde dies bekannt. (Siehe auch Hamburger Abendblatt)

Jetzt stehen Atomtransporte mit brisanten Plutonium-Brennelementen für das AKW Brokdorf an. Betrieben wird das AKW Brokdorf von E.on und Vattenfall. Der Transport muss auf seinem Weg durch die Hansestadt Hamburg. Laut NDR handelt es sich für Volker Dumann, Sprecher der Umweltbehörde, „um vergleichsweise harmloses Material. „Es sollen frische Brennelemente transportiert werden, die noch in keinem Atomkraftwerk eingesetzt wurden“, sagte Dumann. Von diesen Brennelementen ginge nur eine minimale Strahlung aus.“

Laut dem TV-Bericht des NDR sagt der Sprecher der Behörde  ab Minute 1.12 (.ausgestrahlt hat das in einer Pressemitteilung mitgeteilt): „Der Sprecher der Hamburger Umweltbehörde Volker Dumann erklärte gegenüber dem NDR zum Thema Plutonium-Transporte durch Hamburg: „Man braucht dazu noch nicht einmal besondere Transportbehälter, weil es eben relativ ungefährliches Material ist.“

Falsch! Das Plutonium in diesen Brennelementen stammt aus dem Reaktoreinsatz im AKW Brokdorf. Dort ist es beim Einsatz von herkömmlichen Uranbrennelementen entstanden. Nach dem Reaktoreinsatz sind diese hochradioaktiven Brennelemente zur Wiederaufarbeitung nach Frankreich oder England transportiert worden. Dort wurden die Brennelemente chemisch aufgelöst und das Plutonium herausgetrennt. Danach wird das Plutonium mit Uran vermischt und zu neuen Brennelementen zusammengebaut. Genau um diese Mischoxid-(Plutonium und Uran)-MOX-Brennelemente handelt es sich jetzt. Es sind also Brennelemente bzw. wesentliche Bestandteile davon, deren Ursprung der Reaktoreinsatz ist!
(Über den Atommüll, der bei dieser Wiederaufarbeitung entstanden ist, wird derzeit auch intensiv diskutiert: Der soll nämlich künftig möglicherweise in das AKW Brunsbüttel rollen. Dazu hier mehr Informationen: Castor und Atommüll in Schleswig-Holstein: Landesregierung will mit dem Kopf durch die Wand!)

Zwar ist richtig, dass die Strahlung der MOX-Brennelemente im Vergleich zu abgebrannten Brennelementen deutlich niedriger ist. Das aber macht sie nicht harmlos. Vor allem lässt der Sprecher der Umweltbehörde das Wesentliche außer acht: Sollte es zu einem Unfall mit MOX-Brennelementen kommen, bei dem das Plutonium frei gesetzt wird, wäre bereits das Einatmen tödlich, mindestens aber eine Garantie für eine Krebserkrankung. Plutonium gehört sowohl radiologisch als auch chemisch zu den schlimmsten Giften, die die Menschheit kennt!

Um dieses Risko zu begrenzen, werden die MOX-Brennelemte in Spezialcontainern verpackt, die höhere Anforderungen als für normale Güter erfüllen. Die Bundesregierung teilt in Anfragen zu diesem Thema regelmäßig mit: „So gehören beispielsweise die für den Transport von MOX-Brennelementen verwendeten Behälter zu den Typ B-Versandstücken, den sogenannten „unfallsicheren Verpackungen“. Diese Behälter müssen den Auswirkungen selbst schwerster Unfälle standhalten können…“. Siehe dazu hier die Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linken im Bundestag (PDF; dort sind auch weitere Sicherheitsanforderungen an diese Behälter genannt).

Allerdings hat diese „Sicherheit“ Grenzen: Die Behälter, in denen das Plutonium transportiert wird, müssen z.B. lediglich für eine halbe Stunde ein Feuer von 800 Grad aushalten. Danach wird das Plutonium an die Umwelt abgegeben. Dass das Risiko für derartige Unfälle besteht, hat eben der Brand auf dem Atomfrachter am 1. Mai gerade vor Augen geführt.

Davon will die Umweltbehörde offenbar nichts wissen. Statt über die Risiken aufzuklären, wiegelt sie ab. Allerdings: Von der zuständigen Aufsichtsbehörde in Schlesiwg-Holstein, dem Energieministerium unter der Leitung des grünen Ministers Robert Habeck, ist bislang zum MOX-Einsatz und den Transporten gar nichts zu hören. In Niedersachsen hat der neue Grüne Umweltminister Stefan Wentzel bereits nach wenigen Wochen seiner Amtszeit eine umfassende Sicherheitsprüfung für den MOX-Einsatz angekündigt.

Aus gutem Grund: Denn Plutonium-Brennelemente haben zusätzliche Risiken beim Einsatz im Atomkraftwerk zur Folge. Weil Plutonium sich im Reaktor anders verhält als Uran, müssen viele zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen erfolgen, die die Auslegungsgrenzen im Reaktor verringern. Selbst der Chef der Brennelemente-Abteilung bei E.on hat bei Vorträgen in den USA auf diese Risiken hingewiesen. Siehe dazu hier: Nicht nur neuer Atommüll für Schleswig-Holstein: Jetzt rollt auch noch Plutonium in das AKW Brokdorf und E.on räumt ein – Plutonium-Brennelemente machen nur Probleme.

Im Falle eines schweren Unfalls, bei dem Plutonium durch den MOX-Einsatz vermehrt freigesetzt werden würde, wären die Folgen für die Menschen in der Umgebung deutlich schlimmer, also ohne MOX-Einsatz (Fukushima).

Der Transport mit dem Plutonium wird im belgischen Dessel starten und dann vermutlich über NRW und Bremen über Hamburg nach Brokdorf rollen. Anti-Atom-Initiativen entlang der Strecke haben Protestaktionen angekündigt.

Plutonium auch im AKW Emsland – Niedersachen prüft!

Das Hamburger Abendblatt berichtet mit Datum 19. Mai 2013, dass das AKW Emsland/Lingen „an diesem Sonntag für etwa drei Wochen vom Netz genommen“ wurde. „In dieser Zeit werden nach Angaben einer Sprecherin des Umweltministeriums die Brennelemente inspiziert. 44 der 193 Brennelemente werden ausgetauscht. Zwölf davon sind sogenannte MOX-Brennelemente.“

Das grüne Umweltministerium in Hannover hat eine umfassende Prüfung für den weiteren MOX-Einsatz angekündigt: „Im Laufe des Jahres solle grundsätzlich geklärt werden, ob diese Mischoxid-Brennelemente in niedersächsischen Atomkraftwerken weiterhin eingesetzt werden. MOX-Brennelemente enthalten auch Plutonium. Bürgerinitiativen kritisieren, dass Plutonium wesentlich giftiger als Uran ist. Das von dem Energieunternehmen RWE betriebene Atomkraftwerk bei Lingen wurde 1988 in Betrieb genommen.“

Nicht nur neuer Atommüll für Schleswig-Holstein: Jetzt rollt auch noch Plutonium in das AKW Brokdorf

Dirk Seifert - MOX-Transport zum AKW Brokdorf
Plutonium auf dem Weg zum AKW Brokdorf. Spezialtransporter sind dabei im Einsatz, wenn der Atombombenstoff über die Straßen von Niedersachsen und Hamburg nach Schleswig-Holstein rollt. Foto: Dirk Seifert

Während im Rahmen der Endlagersuche derzeit Schleswig-Holstein und das AKW Brunsbüttel als Anwärter für neuen Atommüll per Castortransporten auf der ToDo-Liste stehen, soll nun auch noch Plutonium als Brennstoff zum AKW Brokdorf rollen. Das Plutonium stammt aus der so genannten Wiederaufarbeitung, sprich: Der Abtrennung des Bombenstoffs in Frankreich (und England). Dieses Plutonium wird unter extremsten Sicherheitsvorkehrungen in sogenannte Mischoxid-Brennelemente (MOX) eingebaut. Es ist hochgiftig und tödlich. Und es erhöht die Sicherheitsprobleme in Atomkraftwerken. Siehe dazu: E.on räumt ein – Plutonium-Brennelemente machen nur Probleme.

Die Plutoniumtransporte werden u.a. durch die Bundesländer Niedersachsen und Hamburg rollen. In Hamburg hat es jüngst einen Brand auf einem Atomfrachter gegeben. Nur dem Einsatz der Feuerwehr ist es zu verdanken, dass es nicht zu einer atomaren Katastrophe in Hamburg kam. Die Behörden verschwiegen wochenlang, dass radioaktives Material an Bord des brennenden Schiffs gewesen ist. Erst Nachfragen der Grünen Bürgerschaftsfraktion machten das öffentlich. Siehe: Brennender Atomfrachter in Hamburg – wollte die Umweltbehörde vertuschen?

Nach Informationen von .ausgestrahlt steht „bis spätestens nächsten Freitag (24.5.) ein MOX-Straßentransport aus dem belgischen Dessel nach Brokdorf an. Der MOX-Brennstoff stammt aus Frankreich“. Insgesamt sollen mehr als 200 kg Plutonium in den Brennelementen stecken. Das wäre eine Menge, die für rund zwei Dutzend Atombomben ausreichen würde!

Das AKW Brokdorf wird von E.on betrieben. E.on-Mitarbeiter Wolfgang Faber, Leiter für Brennelementeinsatz und Entsorgung bei der E.ON Kernkraft GmbH, hatte in Vorträgen in den USA, wo derzeit eine neue Plutoniumfabrik gebaut wird, in der MOX für die dortigen Atomkraftwerke hergestellt werden sollen, vor erheblichen Risiken gewarnt (siehe oben). Nicht ganz erfolglos, denn in den USA haben die AKW-Betreiber bislang wenig Interesse am Einsatz dieses gefährlichen Brennstoffs gezeigt. Noch im September 2012 hatte sich kein Abnehmer gefunden: Plutonium-Brennelemente – Keine Abnehmer in den USA

Johannes-Teyssen-Eon-15032013tutzing12.jpgAuf der jüngsten Hauptversammlung von E.on am 3. Mai 2013 fragte die Ärzteorganisation IPPNW nach und wollte wissen, wie der Konzern zu den Sicherheits-Bedenken seines Brennelemente-Expertern Wolfgang Faber stehe. Der Vorstandsvorsitzende Teyssen brauchte nur drei Sätze: „Die Meinung von Herrn Faber ist eine Einzelmeinung. Das ist nicht die Unternehmensmeinung. Wir sehen keine Gefahrenerhöhung durch MOX-Brennelemente.“ (Zitiert nach einer Mail der Fragestellerin Dr. Angelika Claußen).

Stellungnahmen der Landesregierung Schleswig-Holstein und des dortigen grünen Energie(wende)ministers Robert Habeck liegen bislang nicht vor.

Siehe auch: Castoren für Brunsbüttel – Einlagerung ist möglich?

Weitere Informationen zu Plutonium-Brennelementen:

Plutonium-Brennelemente – Alternativen zum Einsatz im Atomreaktor

Plutonium – fast 5.000 Kilogramm warten auf AKW-Einsatz

Waffen-Uran und Plutonium in Atommeilern – Alternativen wurden nicht verfolgt!

E.on räumt ein – Plutonium-Brennelemente machen nur Probleme

MOX-Transporte – Plutonium auf Reisen

 

Das grosse Zittern: Atomwirtschaft droht mit Abschaltung der AKWs

atommüllfassJetzt drehen sie völlig durch, die Atomiker. Zur laufenden „Jahrestagung Kerntechnik“ in Berlin, veranstaltet vom Deutschen Atomforum, dem Club der Mega-Hardliner, kommt es nun knüppeldick: „Über Jahrzehnte schien dem Atomforum, der Lobbygruppe der Kernindustrie hierzulande, kein Argument zu platt, um für die Atomkraft zu werben. Jetzt aber „droht“ ihr Präsident in Berlin mit dem vorzeitigen Atomausstieg und fordert: mehr Respekt“, schreibt der Berliner Tagesspiegel. Das Irre ist: Die meinen das total ernst!

In Anbetracht vieler Tausender Tonnen Atommüll, die für eine Million Jahre zum Schutz für Mensch und Umwelt sicher verwahrt werden müssen und es weltweit keine Lösung für dieses Problem gibt, stellt sich der Chef des Atomforums Ralf Güldner hin und fordert: „Unsere Leistungen sollten respektiert werden, auch gesellschaftlich. Das dürfen wir einfordern, unabhängig von den politischen Beschlüssen zum Energiemix in Deutschland.“

Hallo? Wie bitte?

Der Mann merkt wirklich nichts mehr: In Berlin jammert er dem Tagesspiegel vor, dass  die Gewinnmargen für die laufenden Atomreaktoren immer kleiner werden, „so dass es sich kaum noch lohnt“, diese zu betreiben. „Auf die Frage, warum die Versorger ihre Reaktoren dann nicht abschalteten, antwortete er: „Das ist eine gute Frage. Die stellen wir uns auch immer häufiger. Doch es wird keine Kurzschlussreaktion geben.““

Bitte Bitte: Macht endlich eure Kurzschlussreaktion! Dafür bekommt ihr dann jede Menge Respekt! Ehrenwort, Versprochen!

Brennender Atomfrachter in Hamburg – wollte die Umweltbehörde vertuschen?

uran2Am 1. Mai brannte in Hamburg der Frachter „Atlantic Cartier“. Die Hamburger Feuerwehr war mit einem Großaufgebot im Einsatz, um den Brand zu löschen. Die Ladung, so hieß es bislang in den Medien (z.B. NDR oder Hamburger Abendblatt), hätte aus Autos und Gefahrstoffen bestanden. Jetzt enthüllt eine Schriftliche Kleine Anfrage der Grünen Bürgerschaftsfraktion an den SPD-Senat, dass sich auch insgesamt 20 Tonnen radioaktiver Stoffe an Bord des Atomfrachters befanden. Darunter auch neun Tonnen des besonders gefährlichen Uranhexafluorid.  Außerdem, so die Grünen, sei auch Munition an Bord gewesen. Der Feuerwehr ist es gelungen, dass es zu keiner Katastrophe gekommen ist. (Siehe auch Abendblatt)

Anjes Tjarks, hafenpolitischer Sprecher der Grünen Bürgerschaftsfraktion, erklärt: „Hamburg ist am 1. Mai nur knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt. Erst jetzt erfahren wir, dass an Bord des brennenden Frachters ,Atlantic Cartier‘ hochgefährliches Uranhexafluorid war. Der Stoff ist radioaktiv und für Menschen lebensgefährlich. Es ist nicht auszudenken, was hätte passieren können. Unmittelbar vor dem Brand fand in der HafenCity in Sichtweite zum O’Swald-Terminal noch der Eröffnungsgottesdienst des Kirchentags mit rund 35.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt.

Es ist eine Ungeheuerlichkeit, dass der Senat die Öffentlichkeit nicht von sich aus über diese Beinahekatastrophe informiert hat. Hier muss man von einem Vertuschungsversuch sprechen.“

Siehe auch: Atomtransporte: 117 mal radioaktive Kernbrennstoffe durch Hamburg im Jahr 2012

Uranhexafluorid wird in der Uranfabrik in Gronau angereichert, um später Brennstäbe für Atomkraftwerke daraus herzustellen. Der Betrieb dieser Anlage ist trotz Atomausstiegbeschluss unbefristet. Die Anlage versorgt weltweit rund jedes zehnte AKW mit Uranbrennstoff. Bei der Anreicherung entstehen je Tonne angereichertes Uran etwa fünf Tonnen abgereichertes Uran.

Siehe dazu auch: Noch ein Endlager mehr? “Neuer” Atommüll und überall neue Lagerhallen

Die Grünen berichten weiter:

„Uranhexafluorid
Uranhexafluorid wird verwendet, um Uran235 von Uran238 zu trennen. Aus Uran235 werden Brennelemente für Atomkraftwerke oder Nuklearmaterial für Atombomben hergestellt. Uranhexafluorid ist ein Gammastrahler und hochgiftig. Aufgrund der Uran-Halbwertzeit von 4,5 Milliarden Jahren bleibt ein einmal verstrahltes Gebiet dauerhaft kontaminiert. Bei Kontakt mit Wasser bildet Uranhexafluorid Flusssäure, ein farbloses Gas mit einem stechenden Geruch. Flusssäure ist noch ätzender als Salzsäure und hoch giftig.

Ablauf der Löscharbeiten
Der Gesamteinsatz der Feuerwehr dauerte ca. 15, 5 Stunden, vom 1. Mai 2013, 20:02 Uhr bis zum 2. Mai 2013 11:41 Uhr. Um 05:11 Uhr befand sich der Brand unter Kontrolle. Ab 23:08 Uhr wurden die ersten Maßnahmen zur Bergung der insgesamt 33 Gefahrgutcontainer eingeleitet, am 2. Mai 2013 um 03:35 Uhr waren diese Maßnahmen abgeschlossen. Zusätzlich führte die Feuerwehr eine Löschwasserrückhaltung durch. Insgesamt waren 296 Feuerwehrleute im Einsatz. Darüber hinaus waren zwei Löschboote, drei Schlepper und drei Polizeiboote sowie an Land 76 Fahrzeuge im Einsatz. Für die Ablösung wurden zusätzlich 17 Fahrzeuge eingesetzt. An Bord kam ein Löschroboter zum Einsatz.“

Die Anfrage und Antwort des SPD-Senats hier als PDF

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