„Wie die Berliner Morgenpost heute berichtet, strebt Vattenfall einen Stromnetz-Deal mit dem Berliner Senat an. „Lass du mir mein Stromnetz, dafür bekommst du meine Anteile an der Berliner Energieagentur“, scheint die Formel zu lauten, für die Vattenfall den Ex-SPD-Landeschef Peter Strieder als Lobbyisten verpflichtet hat“, heißt es in einer heutigen PM des Berliner Energietisches. „Energietisch fordert Senat auf sich von Vattenfall-Kuhandel zu distanzieren“ weiterlesen
Schlagwort: Erneuerbare Energien
Vattenfall sperrt 20.000 Berliner Haushalten den Stromanschluss
„Vattenfall stellte letztes Jahr fast 20.000 Berliner Haushalten den Strom ab. 1,8 Millionen mal mahnte Vattenfall fällige Rechnungen an. Dies ergab eine kleine Anfrage der Piratenfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus“. Das teilt der Berliner Energietisch heute in einer Pressemitteilung mit. In Berlin läuft derzeit noch bis Juni 2013 das Volksbegehren für die Rekommunalisierung des Stromnetzes, dass derzeit noch von Vattenfall betrieben wird. Außerdem sollen in Berlin neue Stadtwerke gegründet werden. Vattenfall ist derzeit schwer angeschlagen. „Vattenfall sperrt 20.000 Berliner Haushalten den Stromanschluss“ weiterlesen
„Vattenfall – bald Tschüss und weg?“

„Irgendwann sagen die Tschüss und weg“, meint ein Vattenfall-Manager über seine Bosse aus Stockholm.“ Das berichtet der Berliner Tagesspiegel in einer „Analyse“ über die derzeitige Lage bei dem schwedischen Stromkonzern Vattenfall. Das Unternehmen ist finanziell angeschlagen, hat in den letzten Jahren mindestens vier Milliarden Euro Verlust gemacht. Und die Ertragslage sieht auch zukünftig schlecht aus, denn es gibt zuviel Strom im Markt, die Börsenpreise sind im Keller und könnten durch die Erneuerbaren Energien weiter sinken. Schon im letzten Geschäftsjahr musste Vattenfall daher einen Gewinnrückgang verbuchen. Selbst ein kompletter Rückzug von Vattenfall aus Deutschland wird derzeit nicht mehr ausgeschlossen: “Vattenfall-Sprecher Banek meint: „Die Debatte ist absolut relevant, ob wir statt eines internationalen Konzerns wieder ein skandinavischer Regionalversorger sein sollen.“”, berichtet u.a. das Handelsblatt (siehe hier).
Die finanziellen Probleme verstärken die Frage nach dem strategischen Kurs von Vattenfall, nicht nur beim Eigentümer, dem schwedischen Staat. Viele Schweden sind auch über den hohen Braunkohleanteil und den damit enorm hohen CO2-Emissionen von Vattenfall entsetzt. Kein Wunder, war Schweden doch in den 80er und 90er Jahren in hohem Maße von den Emissionen aus Kohlekraftwerken schwer betroffen: Damals führten die nicht gefilterten Emissionen aus den nordeuropäischen Schloten zu saurem Regen. Reihenweise kippten in Schweden die Seen um, starben die Fische und kam es großflächig zum Waldsterben. Da kommt es nicht gut, wenn ausgerechnet ein schwedisches Unternehmen wie Vattenfall heute zur Top 5 der CO2-Emittenten in Europa gehört und damit zu einem der klimaschädlichsten Unternehmen überhaupt.
Ankündigungen von Vattenfall, ein Braunkohlekraftwerk in Lippendorf zu verkaufen bestärkt vor allem in Deutschland den Verdacht, dass damit der Ausstieg von Vattenfall aus der Braunkohle, vielleicht sogar aus Deutschland insgesamt beginnt.
Die Stimmung im Konzern wird offenbar auch immer explosiver. Derzeit laufen die Tarifverhandlungen zwischen den Gewerkschaften IG BCE, Verdi und IG Metall auf der einen Seite und der Konzernleitung auf der anderen ohnehin schon im schwierigen Fahrwasser. Die Konzernleitung will bestimmte Service-Bereiche auslagern oder die Gehälter senken. Bereits im letzten Jahr war der „sozialverträgliche Abbau“ von über 300 Stellen in Berlin und Hamburg beschlossen worden. Doch dieser Prozess soll weiter gehen.
Vor allem die alten, vergleichsweise guten Verträge der ehemaligen HEW und Bewag-Beschäftigten sollen eingedampft werden. Die Gewerkschaften hingegen wollen 6,5 Porzent mehr Lohn und vor allem eine Beschäftigungssicherung bis zum Jahr 2020. Und in diese Konfliktlage hinein hat der Konzern nun angekündigt, 2.500 Arbeitsplätze, davon 1.500 in Deutschland, streichen zu wollen. Da hängt der Haussegen bei den Vattenfall-MitarbeiterInnen natürlich schief. Selbst das Managment macht sich offenbar nun immer mehr Sorgen. Der Tagesspiegel berichtet: „Die Stimmung ist mies im Unternehmen. Führungskräfte sind demotiviert, weil sie innerhalb der komplexen Struktur keine Entscheidungen mehr treffen dürfen. Ständiges Umstrukturieren hat zu einer Kultur der Selbstbeschäftigung geführt, die weit weg ist vom Markt. „Keiner hat mehr Spaß bei der Arbeit“, heißt es in der Zentrale in Berlin-Mitte. Alle wichtigen Entscheidungen fallen in Stockholm.“
Es sind scheinbare Kleinigkeiten, die die Verärgerung immer mehr anheizen. So berichtet der Tagespiegel von einer Sitzung des Aufsichtsrats in Berlin, auf der Løseth und Bonde die Mitglieder über das neueste Sparprogramm informierten. „Die Sitzung wurde überraschend abgebrochen, weil die beiden nach Schweden zurückmussten. „Unverschämt“, schimpfte ein Aufsichtsrat, der den Vorfall symptomatisch findet für das gestörte Verhältnis. Der Verdruss von Aufsichtsräten und Belegschaft nehme zu, weil den Skandinaviern das Gespür fehle für das deutsche System der Unternehmensführung und Mitbestimmung. Und weil sie vielleicht die Freude am deutschen Markt verlieren.“
Weiteres Ungemach für Vattenfall steht außerdem auf der Tagesordnung: In Berlin und Hamburg könnten Bürgerbewegungen noch in diesem Jahr dafür sorgen, dass Vattenfall die Verfügung über die Stromnetze und die Ferwärme (in Hamburg) verliert. Mit dem neuen Kohlekraftwerk in Hamburg-Moorburg steht Vattenfall ein weiteres Verlustprojekt ins Haus. Das 1.600 MW Steinkohlekraftwerk soll 2014 ans Netz gehen und dürfte dann vor allem Verluste, aber kaum Gewinne einfahren.
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Bundesregierung gegen Energiewende und Arbeitsplätze
Die Politik der Bundesregierung führt immer mehr zu einer Blockade bei der Energiewende. Die Vorschläge aus Regierungskreisen, das Erneuerbare-Energien-Gesetz im Bereich der onshore Windenergie zu ändern, führen laut Meldungen aus der Branche immer mehr zur Verunsicherung bei Investoren. Das könne nicht nur negative Folgen beim Ausbau der Windenergie haben, sondern auch Arbeitsplätze gefährden.
„Der Bundesumweltminister gefährdet eine ganze Branche aufgrund nicht nachvollziehbarer und intransparenter Berechnungen“, griff der Vizepräsident des Bundesverbandes Windenergie (BWE), Andreas Jesse, Peter Altmaier an. Und weiter: „Die Bundesregierung gefährdet mit ihren geplanten Änderungen am Erneuerbare-Energiengesetz Milliarden-Investitionen und rund 100.000 Arbeitsplätze in Deutschland. Bereits jetzt sind Investoren stark verunsichert. Der Ausbau der Windenergie ist bereits völlig ins Stocken gekommen.“
Auf Telepolis berichtet Wolfgang Romrehm über ein Pressegespräch von Vertretern der Windenergiebranche. Dort wurde auch ein Modell für die künftige Vergütung von Windstrom vorgestellt: „Der BWE hat einige Vorschläge entwickelt, mit denen bei der Onshore-Wind-Vergütung nach seinen Berechnungen 60 bis 70 Millionen Euro jährlich gespart werden könnten, ohne dass der Ausbau gefährdet würde.
Unter anderem wird ein Modell vorgeschlagen, dass die Vergütung von Windstrom je nach Qualität des Standorts stark differenzieren würde. An den besten Standorten gebe es dann pro Kilowattstunde nur noch 5,9 Cent pro Kilowattstunde, an den schlechtesten hingegen 9,6 Cent. Das würde die Anreize für den Ausbau im Binnenland in Nähe zu den Verbrauchern sogar noch stärken und Dezentralisierung vorantreiben.“
28.000 Menschen demonstrieren bundesweit für Atomausstieg
Bundesweit 28.000 Menschen haben heute aus Anlass des zweiten Jahrestages der Katastrophe von Fukushima für den Atomausstieg demonstriert. Rund 20.000 beteiligten sich an der Aktions- und Menschenkette rund um das AKW Grohnde. Die Veranstalter der Anti-Atom-Proteste, darunter auch ROBIN WOOD, berichten von den Aktionsorten:
An der Urananreicherungsanlage in Gronau demonstrierten etwa 1.200 Menschen. Erst am Mittwoch hatten ROBIN WOOD und die Münsterländer Anti-Atom-Gruppen mehr als 10.000 Unterschriften für die Abschaltung der Urananlage an die für Atomsicherheit zuständige Wirtschaftsbehörde in Düsseldorf überreicht (Siehe hier). In Gronau beteiligten sich Robin Wood AktivistInnen und Cecile Lecomte sprach auf der Kundgebung vor der Uranfabrik.
In Günzburg, nahe des AKW Gundremmingen, versammelten sich 3.500 und am AKW Neckarwestheim 3.000 Demonstrantinnen und Demonstranten.
An einer Aktions- und Menschenkette im Abstand von 40 Kilometer rund um das AKW Grohnde - einer Fläche in den Ausmaßen der Evakuierungszone um Fukushima - beteiligten sich etwa 20.000 Menschen. Auf der Kundgebung in Göttingen sprach auch Dirk Seifert, Energiereferent von ROBIN WOOD. Die Rede finden sie hier zum nachlesen: Kundgebung Göttingen, Rede Energierefernt PDF
Auch in Paris fand heute eine Demonstration für den Atomausstieg statt, an der sich etwa 20.000 Menschen beteiligten.
