Uranfabriken der URENCO: Atomwaffentechnik als Investment für Hegdefonds?

robinwood_uranfabrig_gronau„Die niederländische Regierung erwägt in Abstimmung mit der Bundesregierung und der britischen Regierung einen möglichen Börsengang der Urananreicherungsfirma Urenco.“ Dies geht aus einem jetzt bekannt gewordenen Brief des niederländischen Finanzministers Jeroen Dijsselbloem vom 23. Mai an das niederländische Parlament hervor [1].  Die Anti-Atomkraft-Initiativen im Münsterland, Robin Wood und der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) halten diese Pläne für unverantwortlich. Sie fordern von der Bundesregierung ein klares Veto gegen den freien Verkauf der Urenco und außerdem die sofortige Stilllegung der einzigen deutschen Urananreicherungsanlage in Gronau.“

In der Pressemitteilung der genannten Organisationen heißt es weiter: „Dijsselbloem teilt in dem Brief mit, die parallele Vorbereitung eines Börsengangs („initial public offering“) und eines Privatverkaufs solle einen „maximalen“ Verkaufspreis erzielen. Damit konkretisierte Dijsselbloem Äußerungen von EON-Chef Johannes Teyssen, der vor seinen Aktionären Anfang Mai ein „offenes Bieterverfahren“ angekündigt hatte. EON und RWE halten das deutsche Drittel am Urenco-Konzern.

Der Abteilungsleiter im NRW-Wirtschaftsministerium, Michael Geßner, bestätigte in einem Interview mit dem Deutschland-Radio vom 29. Mai, dass beim jetzt geplanten Vorgehen „nicht ganz auszuschließen sei, dass auch Hedgefonds oder Pensionsfonds die (Urenco-)Anteile erwerben könnten“ [2].

„Wir sind entsetzt über diese Börsenpläne, denn die Urananreicherung ist kein Spielzeug. Bei einem Börsengang kann im Prinzip jeder – und sei es über Strohfirmen – die Anteile am Urananreicherer Urenco erwerben. Am Ende kann überhaupt nicht kontrolliert werden, wer bei Urenco die Mehrheit hat“, so Udo Buchholz vom Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz.

„Die Zentrifugentechnik der Urenco kann zur Herstellung von Atomwaffen genutzt werden. Mit einem Börsengang und der Beteiligung von Hedgefonds und Pensionsfonds wäre die Nichtweiterverbreitung dieser militärisch höchst brisanten Atomtechnologie nicht mehr gewährleistet“, fürchtet Dirk Seifert, Energiereferent von Robin Wood.

Ganz wohl scheint der niederländischen Regierung bei ihrem Verkaufs-Vorschlag selbst nicht zu sein. In seinem Brief listet Dijsselbloem nicht weniger als zehn Kontrollmöglichkeiten auf, welche die Regierungen in Berlin, Den Haag und London behalten sollten, darunter die Möglichkeit Urenco-Direktoren zu entlassen, Käufe und Verkäufe zu kontrollieren, die Anreicherungsanlagen zu inspizieren sowie die Einhaltung internationaler (Nichtweiterverbreitungs-)Verpflichtungen zu kontrollieren.

„Es ist sehr fraglich, wie die drei Regierungen all dies durchsetzen wollen, wenn sie selbst keinerlei Aktien mehr an Urenco besitzen. Letztlich ist zu befürchten, dass es bei Urenco und der Urananreicherung zu einem staatlichen Kontrollverlust kommt. Ernsthafte Sicherheitsprobleme sind damit vorprogrammiert“, so Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen.“

Die Pressemitteilung findet sich hier bei ROBIN WOOD und hier beim BBU.

Hier weitere Medienberichte:

Finanzen.Net: Niederlande machen Weg für Urenco-Verkauf frei

Urenco-Gesellschafter planen gemeinsam Verkauf 2013, sagt EON, DIE WELT09.05.2013

Quellen:

[1] http://www.government.nl/documents-and-publications/parliamentary-documents/2013/05/23/intended-sale-of-shares-in-urenco.html, hier als PDF download

[2] http://www.dradio.de/dlf/sendungen/umwelt/2124050/

Weitere Artikel über die URENCO:

Weitere Infos: www.robinwood.de/uran, www.bbu-online.de, www.sofa-ms.de, www.urantransport.de, www.aku-gronau.de

4ever Uranfabrik Gronau? Lets do Widerstand!

ESG-facebook-shareAlle reden vom Atomausstieg, aber in Gronau wird mit einer auch nach Fukushima unbefristeten Betriebsgenehmigung Uran für den weltweiten Export zum Einsatz in Atomreaktoren angereichert. Doch nicht nur das: Viele zig-tausend Tonnen Uranmüll werden ebenfalls ohne jede Befristung (!) vor Ort gelagert. Bis zu 100 Jahre soll dieses strahlende Material in Gronau bleiben – über Endlagerung oder ähnliches wird nicht gesprochen, geschweige denn geplant. Die erste Zwischenlagerhalle ist noch nicht fertig, da wird bekannt, dass alle 10 Jahre eine neue Lagerhalle hinzukommen wird. Da mögen die in Berlin noch so sehr “historische Kompromisse” in der Endlagersuche feiern: Gelöst ist gar nichts!

Im neuen ROBIN WOOD-Magazin informieren wir über den Wahnsinn mit der Uranfabrik Gronau und der ungelösten Atommüllentsorgung. Dort auch Infos zum anstehenden “Aktions-Campen gegen Atomkraft” (19. bis 27. Juli im Münsterland) und die Versuche, den Widerstand zu kriminalisieren. Alles hier in einer PDF-Datei zum Nachlesen: 4 ever Uranfabrik Gronau.

Eine Inhaltsübersicht und weitere Artikel zum Nachlesen aus dem aktuellen Magazin gibt es hier!

Infos zum Camp hier im Blog und Hintergründe von ROBIN WOOD über die Uranfabrik Gronau auch hier.

 

Niger: Krieg um Uran – Terroranschläge auf Uranmine des französischen Atomkonzerns AREVA

robinwood_uranfabrig_gronau„Agadez – Die französische Regierung hat bestätigt, dass bei den Angriffen in Niger viele Menschen gestorben sind. Wieviele Opfer in dem westafrikanischen Staat genau beklagt werden, ist unklar. Die Agentur AFP meldet zehn Tote, Reuters sogar 22 Tote. Selbstmordattentäter hatten zuvor Anschläge auf eine Urananlage sowie ein Militärcamp gestartet. Auf dem Gelände der vom französischen Konzern Areva betriebenen Uranmine in Arlit war nach Unternehmensangaben eine Autobombe explodiert. Laut Areva wurden mindestens 13 Mitarbeiter verletzt“. So fasst Spiegel online die jüngsten Ereignisse im Niger zusammen. Die Aktionen stehen vermutlich im Zusammenhang mit dem Kriegseinsatz der Franzosen im Nachbarstaat Mali. Damit eskaliert die Situation in der Sahel-Region weiter. Kurz nach dem Kriegseintritt der Franzosen kam es auch in Algerien zu einer Terroraktion auf einer Gasförderanlage, bei der es zu vielen Dutzend Toten kam.

Weitere Informationen über den Krieg in Mali und seine Auswirkungen in der Region unten auf dieser Seite.

Direkt nach dem Einsatz in Mali haben französischen Spezialsoldaten auch im Niger Position bezogen und die Uranminen dort unter militärischen Schutz gestellt. Schon in den Jahren zuvor hat es immer wieder bewaffnete Konflikte gegeben, einige Mitarbeiter von AREVA waren entführt worden, einige sind noch heute in Geiselhaft.

Mit dem Uran aus den Minen im Niger wird ein großer Anteil der französischen und internationalen Atomkraftwerke mit Brennstoff versorgt. Daher haben die Urananlagen nicht nur für Frankreich eine strategische Bedeutung bei der Energieversorgung. Vermutlich wird auch in der deutschen Uranfabrik in Gronau Uran aus dem Niger verarbeitet. Genaue Informationen dazu sind weder von der Bundesregierung noch aus Frankreich zu erfahren. Offiziell erhält die URENCO-Anlage in Gronau aber aus Frankreich Urantransporte.

Auch Telepolis berichtet aktuell unter der Überschrift: Anschlag auf Uranmine des französischen Konzerns Areva in Niger.

Weitere Artikel zu dem Thema auf umweltFAIRaendern.de:

 

Entsorgungslüge geht weiter: Immer mehr und “neuer” Atommüll

Gemeinsam mit der AG Schacht Konrad und dem AKU aus Gronau hat ROBIN WOOD heute in einer Pressemeldung begründet, warum wir an dem Bürger-Forum nicht teilnehmen und das Endlagersuchgesetz ablehnen. Dabei geht es nicht nur um Gorleben und Hinterzimmer-Diplomatie. Es geht auch darum, dass bei dieser Debatte das reale Atommüll-Desaster völlig ausgeblendet wird. Enorme Mengen Atommüll “vagabundieren” in der Republik herum, für die bis heute nicht einmal im Ansatz “Entsorgungs-Pläne” bestehen. Aber auch der “offizielle” Atommüll ist außer Kontrolle. Erst gestern meldete die taz, dass im Zwischenlager in Jülich die Genehmigung für die Lagerung von 152 hochradioaktiven Castor-Behältern ausläuft (siehe auch hier). Außerdem ist das Zwischenlager nach dem Stresstest der Entsorgungskommission als “unsicher” durchgefallen. Ausgerechnet (?) die rot-grüne Landesregierung arbeitet nun daran, diesen brisanten Atommüll in die USA zu verschieben. Wie war das doch gleich mit der vielbeschworenen “nationalen Verantwortung”, von der uns immer erzählt wurde, wenn Atommüll aus Frankreich oder England Richtung Gorleben rollte? Noch vor knapp einem Jahr hatten sich SPD und Grüne in NRW im Koalitionsvertrag klar positioniert: Der hochradioaktive Atommüll aus Jülich sollte nur noch eine Reise machen: Die ins Endlager. Doch das Problem ist noch viel gewaltiger….

Uranfabrik Gronau: Atommülllager für 100 Jahre – alle 10 Jahre neue Lagerhallen

Weitere Atommüllberge sind noch nicht einmal bei den Planungen für eine dauerhafte Lagerung berücksichtigt. So sind bei der Uranareicherung in Gronau bereits mehrere zehntaused Tonnen Uranmüll angefallen und täglich werden es mehr. Das Absurde: Offiziell gilt dieser Atommüll als Wertstoff; nur mit diesem Trick kann in Gronau unbefristet weiter der Brennstoff für Atomkraftwerke in aller Welt hergestellt werden. Weil es aber in Wirklichkeit gar keine Verwertung gibt, wird in Gronau ein Zwischenlager gebaut. Ab 2014 geht das in Betrieb und dort sollen dann zunächst 60.000 Tonnen Uranmüll gelagert werden. Und die Bundesregierung räumt ein: Das kann über einen Zeitraum von 50 – 100 Jahre dauern! Schlimmer noch: Etwa alle 10 Jahre muß bei “Normalbetrieb” in Gronau laut Bundesregierung eine neue Atommüll-Halle gebaut werden! Das ergab die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken Bundestagsabgeordneten Dorothee Menzner (hier als PDF).

Der Spiegel (siehe auch hier) berichtete vor wenigen Wochen in seiner Print-Ausgabe über diesen Wahnsinn. “Als gäbe es nicht genug offene Fragen, ist zwischenzeitlich eine neue Sorte von Atommüll aufgetaucht, für die es bislang noch gar keine Endbestimmung gibt: Dabei handelt es sich um graphithaltige Abfälle sowie abgereichertes Uran, die nicht in den Schacht Konrad verbracht werden dürfen.” (Spiegel 19/2013, Seite 27). “Stattdessen müssen die mit Radionukliden vollgepumpten Materialien wohl in einem künftigen Endlager für hochradioaktive Stoffe beerdigt werden. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) beziffert ihre Menge auf bis zu 105500 Kubikmeter. Bislang wissen vor allem Fachkreise von diesem Abfallproblem.”

Diese “neuen” radioaktiven Abfälle sind so neu nicht: Bereits im Oktober 2011 hatte die Grüne Bundestagsabgeordnete Sylvia Kotting-Uhl dazu die Bundesregierung befragt. In der Mitteldeutschen Zeitung war zu lesen: “Zu dem hochradioaktiven Müll sollen auch bis zu 100 000 Kubikmeter abgereichertes Uran hinzukommen, das nicht in das Endlager Konrad für schwach- und mittelradioaktive Abfälle gebracht werden kann. … Die Mengen würden bei weiten das Volumen hochradioaktiver Abfälle übertreffen, die auf 29 000 Kubikmeter geschätzt werden. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) rechnet zudem mit bis zu 5000 Kubikmetern Abfällen mit geringer Wärmeentwicklung, die nicht für Schacht Konrad geeignet sind. Die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) geht hier von bis zu 8800 Kubikmetern aus. Hinzu kommen graphithaltige Abfälle von 500 bis 1000 Kubikmetern.”

Im Spiegel heißt es weiter: “”Die Folgen für Deutschland könnten unangenehm sein. „Im schlimmsten Fall ist in dem Lager für hochradioaktiven Müll nicht genügend Platz für diese Sorte Abfall“, warnt der unabhängige Atomexperte Wolfgang Neumann aus Hannover: „Dann müsste man ein drittes Endlager suchen.“ Auch im Bundesumweltministerium hält man sich diese Option offen, obwohl offiziell mit zwei Standorten geplant wird.””

In der Pressemitteilung von ROBIN WOOD heißt es daher:„Es ist die nächste Entsorgungslüge, wenn jetzt im Rahmen der Debatte um das Endlagersuch­gesetz suggeriert wird, dass ‘nur’ noch das Problem der hochradioaktiven Atomabfälle geklärt werden müsse und damit viele 100.000 Kubikmeter Strahlenabfälle einfach ausgeblendet werden“, sagt Dirk Seifert, Energiereferent bei ROBIN WOOD. “Große Mengen Atom-Müll, die in Gronau ohne Ende weiter produziert werden, werden einfach nicht betrachtet, ebenso wenig der Atommüll aus Jülich oder der, der bei der Räumung von Asse II anfallen würde.”

ROBIN WOOD: Protestaktion gegen Atomtransporte am historischen Kran in der Hamburger HafenCity

Logo-robinwood-gwNach dem 16stündigen Brand auf einem Frachter mit radioaktiver Ladung im Hamburger Hafen Anfang Mai protestierten Aktive heute in luftiger Höhe gegen weitere Atomtransporte und die mangelhafte Information der Bevölkerung

Mehrere AktivistInnen von ROBIN WOOD fordern heute Vormittag mit einer Kletter- und Banneraktion an einem historischen Kran in der HafenCity (Kaiser-Kai) einen Stopp von Atomtransporten durch die Hansestadt.

Während der Kletteraktion gelang es ihnen, ein über zehn Meter großes Transparent mit der Aufschrift „Hallo! Geht’s noch? Atomtransporte stoppen“ zu entrollen. Mit Flyern informierten sie zudem PassantInnen über die Gefahren der Atomtransporte. Erst vor einer Woche war bekannt geworden, dass sich Anfang Mai bei einem Brand an Bord der ‚Atlantic Cartier‘ im Hamburger Hafen in unmittelbarer Brandnähe radioaktives Material, u.a. das besonders gefährliche Uranhexafluorid, befunden hatte.

„Der Vorfall auf der ‚Atlantic Cartier‘ zeigt eindrücklich, warum ein schneller und vor allem vollständiger Atomausstieg unbedingt nötig ist“, so Kletteraktivistin Cécile. „Es ist höchst fahrlässig, dass Atomtransporte und atomindustrielle Anlagen wie in Gronau und Lingen, zu denen regelmäßig Transporte hingehen, unbegrenzt weiterlaufen sollen“, ergänzt Kletteraktivist Dennis aus Münster.

Während Bremen seine Häfen bereits teilweise für Atomtransporte gesperrt hat, gibt es im Hamburger Hafen wöchentlich Transporte radioaktiven Materials.

Tests haben ergeben, dass Brände und Anschläge die Gefahrgut Container beschädigen und radioaktives Material freisetzen können. Uranhexafluorid reagiert zudem zu lebensgefährlicher Flusssäure mit einer Reichweite bis zu mehreren hundert Metern.

Hochbrisant war dies beim Brand an Bord der ‚Atlantic Cartier‘: In 500 Meter Entfernung befanden sich mehrere Tausend Teilnehmende des Kirchentags. Der Frachter hatte auch Munition geladen. Hamburg entging knapp einer Katastrophe. Um solche inakzeptablen Risiken auszuschließen, wollen die AktivistInnen weiter Druck machen:

„Wir werden kreativ und konsequent weiter protestieren, um Ausmaß und Gefahren dieser Transporte bekannt zu machen und ihren Stopp zu fordern. Nur wenn die betroffenen Menschen von den Atomtransporten vor ihrer Haustür erfahren, können sie entscheiden, wie sie mit dem Risiko umgehen wollen.“

In der vergangenen Nacht ist bereits ein weiterer Atom-Transport in den Norden gerollt: Zwei Lkw brachten unter strenger Geheimhaltung – vermutlich via Hamburg – plutoniumhaltige MOX-Brennelemente aus dem belgischen Dessel zum AKW Brokdorf.

Siehe hier mit Fotos den Blog von ROBIN WOOD.

Hintergrundinformationen:

ROBIN WOOD-Blog: Unter strenger Geheimhaltung: Plutonium-Transport im AKW Brokdorf angekommen
http://www.robinwood.de/Atomtransporte.283.0.html
http://www.nadir.org/nadir/initiativ/sand/SAND-Dateien/Atomtransporte_Info.html

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