Atomland Niedersachsen. Die zuständige Atomaufsicht hat jetzt einen Bericht über ihre Tätigkeit zur Kontrolle und Genehmigung der zahlreichen Atom(müll)-Anlagen vorgelegt. Die Karte aus dem Bericht zeigt die Standorte. Anti-Atom-Initiativen und Umweltverbände wie der BUND haben alle bundesdeutschen Atomstandorte mit weiteren Informationen als Atommüllreport online.
Erstmals legt die niedersächsische Atomaufsicht im Umweltministerium einen Bericht über ihre Tätigkeit vor. Im Dezember 2015 veröffentlichte sie einen über 100 Seiten starken Bericht für das Jahr 2014. Damit will das Ministerium unter Leitung von Stefan Wenzel einen Beitrag zur „Förderung der Transparenz“ leisten, heißt es in der Pressemeldung zur Veröffentlichung. Insgesamt 20 Atomanlagen werden von dem niedersächsischen Ministerium überwacht. Dafür stehen lediglich 48 Stellen zur Verfügung, wie es in dem Bericht heißt.
Nach der Vorlage eines „Sorgenberichts“ – in dem alle Atommüllstandorte der Bundesrepublik ausführlich dargestellt wurden – haben Anti-Atom-Initiativen und Umweltverbände wie der BUND diesen Bericht mit weiteren Informationen als Atommüllreport online veröffentlicht.
Zu den Atomanlagen in Niedersachsen – die in dem Bericht aufgeführt werden (Link zur PM des NMU) – gehören die noch in Betrieb befindlichen AKWs in Grohnde und Lingen (Emsland), die abgeschalteten Meiler in Lingen, Stade und Esenshamm (Unterweser). Außerdem die ebenfalls in Lingen befindliche Uran-Brennelementefabrik der AREVA, die Pilotkonditionierungsanlage Gorleben (PKA), das (Castor-)Transportbehälterlager Gorleben sowie die Standortzwischenlager für hochradioaktiven Müll in Lingen, Esenshamm und Grohnde. Außerdem der Siemens Unterrichtsreaktor 100 der Universität Hannover (SUR 100), das Abfalllager Gorleben, das Lager für radioaktive Abfälle Stade, das externe Zwischenlager Unterweser (LUW), Lager für radioaktive Abfälle auf dem Betriebsgelände nordwestlich des KKU (LUnA), das Zwischenlager Braunschweig der PTB, die Produktions- und Konditionierungsbetriebe für radioaktive Stoffe der Firmen Eckert & Ziegler Nuclitec GmbH und GE Healthcare Buchler GmbH & Co. KG, Braunschweig (EZN / GE) sowie Landessammelstelle für radioaktive Abfälle Niedersachsen (LNI). Hinzu kommen die Atommüll-Lager in ASSE, Konrad (in Bau) und Gorleben.
Alle diese Anlagen werden von den lediglich 48 Stellen in fünf Referaten (was vermutlich ein paar mehr MitarbeiterInnen bedeutet, da Teilzeitstellen auf volle Stellen umgerechnet werden) überwacht. Hinzu kommt, dass diese MitarbeiterInnen – wie der Bericht ausführlich darlegt – in einem umfangreichen System zwischen Fortbildungen und Arbeitskreisen im Bund eingebunden sind. Für die Überwachungs- und Genehmigungstätigkeiten bedient sich die Atomaufsicht in den meisten Fällen externer Gutachter, z.B. vom TÜV Nord und anderen.
AREVA Uran-Brennelemente-Fabrik in Lingen blockiert. Die Anlage versorgt weltweit Atommeiler mit dem erforderlichen Brennstoff: „Protest statt Geschenke“. Der Konzern steckt schwer in der Krise. Foto: nirgendwo
Der französische Atomgigant AREVA ist schwer in der Krise, wird mit dem Staatskonzern EdF zusammen gelegt und braucht angesichts schwerer Rückschläge dennoch Unterstützung aus China. „Nun soll eine Finanzspritze des größten chinesischen Atomkonzerns China National Nuclear Corporation (CNNC) den Konzern aus seiner Misere retten“, berichtet die taz. An der deutschen Brennelemente-Fabrik der AREVA in Lingen, die vom Atomausstieg ausgenommen ist und unbefristet für den Weltmarkt produziert, blockierten AtomkraftgegnerInnen am Nachmittag des 24. Dezember die Einfahrt zum Betriebsgelände.
Über die Aktion gegen AREVA in Lingen siehe gleich unten die Dokumentation der Presseerklärung der AktivistInnen, die auch hier auf der Homepage mit einigen Fotos ist.
Über fünf Milliarden Euro hatte AREVA in 2014 an Verlusten eingefahren und auch im gerade ablaufenden Jahr gibt es wenig Positives für den Konzern, der mit der gesamten Atom-Brennstoff-Kette vom Uranabbau bis zum Bau von Atomkraftwerken und der Atommülllagerung sein Geld verdient.
Die taz berichtet vor wenigen Tagen, dass nicht nur AREVA, sondern auch die EDF schwer Schlagseite haben: „Die EdF hat innerhalb eines Jahres 41 Prozent an Wert verloren. Der AKW-Bauer Areva verlor unterdessen binnen Jahresfrist 36 Prozent seines Börsenwerts und büßte über fünf Jahre betrachtet sogar gut 80 Prozent ein. Wesentlichen Anteil an dem Verfall haben die beiden Fiasko-Projekte Flamanville in der Normandie und Olkiluoto in Finnland – zwei AKW-Neubauten, bei denen die Kosten aus dem Ruder laufen und die Zeitpläne um Jahre im Verzug sind.
Ursprünglich war Areva angetreten, an den beiden Standorten mit einem neuen Typ von Druckwasserreaktor (“Generation III+“), dem „EPR“, eine weitere Epoche der Atomkraft einzuläuten. Doch inzwischen gelten die Projekte, die seit acht beziehungsweise zehn Jahren in Bau sind und frühestens 2018 fertig werden, als Symbol eines ökonomischen Irrwegs.“
Ein wirkliches Umsteuern gibt es nicht. EdF setzt weiter auf den Reaktorbau, arbeitet eng mit chinesischen Konzernen zusammen. Mit massiven Staatssubventionen sollen im britischen Hinkley-Point neue Reaktoren gebaut werden. Mycle Schneider, Berater für Energie- und Atompolitik, verweist in der taz darauf, dass erst „kürzlich … die britisch-südafrikanische Investec Bank ihren Anlegern empfohlen (hatte), ihre Anteile an der EdF zu verkaufen, aufgrund von „langfristigen Bedenken“ wegen der finanziellen Belastungen, die durch das geplante britische Neubauprojekt Hinkley Point C entstünden. Auch die Vereinigung der Mitarbeiteraktionäre der EdF erklärte, das Projekt stehe den Interessen des Unternehmens entgegen. Eine „finanzielle Katastrophe“ sei absehbar, EdF habe bei dem Projekt nichts zu gewinnen, aber alles zu verlieren.“ Schneider warnt, der Reaktor Hinkley Point könne „das Waterloo der EdF“ werden, und rät Atomfirmen zum „Realitätscheck“. Die traditionellen Versorgungsunternehmen müssten lernen, „etwas anderes als Kilowattstunden zu verkaufen, oder sie werden die laufende Energierevolution nicht überleben“. Und für die Reaktorbauer wie Areva gebe es einen „sicheren Hafen“, nämlich den Rückbau der Anlagen: „Allein das Geschäft mit dem Rückbau wird expandieren – garantiert.“
umweltFAIRaendern dokumentiert die PM zur Aktion vor der AREVA Brennelementefabrik in Lingen:
Lingen, 24.12.15 ; 15 Uhr – Am heutigen Heiligabend wird erneut die atomare Brennelementefabrik von AREVA in Lingen blockiert. Mit Transparenten und gelben Atomfässern vor den Toren der Anlage kündigen ein Dutzend Aktivist*innen an, dass es auch in den kommenden Jahren keine Ruhe für die Brennelementefabrik geben wird. Sie fordern die sofortige Abschaltung aller Atomanlagen weltweit, inklusive der nicht vom sogenannten Atomausstieg betroffenen Brennelementefabrik.
Auch in den letzten Tagen haben Störfälle in AKW in Russland (Leningrad) und Belgien (Tihange) gezeigt, dass die Risiken bei der Atomkraft hoch sind und bleiben. Trotzdem wurden Atomkraftwerke mit Rissen im Reaktorbehälter in Tihange und Doel wieder angefahren. Die Brennelementefabrik Lingen versorgt das AKW Dole regelmäßig mit Brennstoff. Diese aktuellen Vorfälle sind nur Beispiele dafür, wie die Atomindustrie seit jeher mit Gefahren umgeht. Systematisch werden Gefahren durch Strahlung auch im Normalbetrieb verharmlost, der Umgang mit dem radioaktiven Müll ist und bleibt ungeklärt und Umweltzerstörungen bereits beim Uranabbau und über die ganze Brennstoffversorgungskette verschwiegen.
Die Atomanlage der Areva in Lingen ist Teil dieses ganzen Prozesses, ohne Brennelemente könnten Atomkraftwerke nicht laufen. Wir setzen deshalb hier an, um die ganze Atomindustrie zu Fall zu bringen. Hier und heute, denn auch radioaktive Strahlung kennt keine Feiertage. Geschenke wird es von uns für die Brennelementefabrik auch im nächsten Jahr nicht geben.
Letztendlich müssen wir weg von der menschenverachtenen Produktion von Energie durch Kohle- und Atomstrom, welche unsere Lebensgrundlagen zerstört. Wir müssen hin kommen zu einer Orientierung an den Bedürfnissen von Mensch und Umwelt weltweit, ohne auf immer mehr Wachstum zu bauen. Dass wir uns dabei nicht auf das Handeln von Politiker*innen verlassen können, zeigt die Diskussion um Atomkraft deutlich – Fortschritte sind immer erkämpft worden.
Update: die Polizei traf nach ca. einer Stunde bei AREVA ein. Die Aktivist*nnen verlegten ihre Demo zu der Schranke vor dem Gelände, dort war aber die Demonstration ebenfalls unerwünscht. Polizisten wurden handgreiflich. Die Aktivist*innen beendeten ihre Demonstration gegen 17 Uhr.
Die Uranfabrik in Lingen wurde vor einigen Tagen von Anti-Atom-AktivistInnen blockiert. In der zum AREVA-Konzern gehörenden Anlage werden Uran-Brennelemente für Atomkraftwerke in aller Welt hergestellt. Der Betrieb der Anlage ist vom Atomausstieg ausgenommen. Ohne jede Befristung darf in Lingen auch dann noch produziert werden, wenn 2022 die letzten bundesdeutschen Atommeiler abgeschaltet werden. Mit dem Betrieb der Anlage sind zahlreiche Atomtransporte quer durch die halbe Welt und über z.B. den Hamburger Hafen verbunden.
Für die Versorgung mit frischem Uranbrennstoff gehen die Routen aus den Herkunftsländern des Urans aus Namibia, Kasachstan oder Usbekistan von Hamburg quer nach Südfrankreich und über mehrere Stationen – darunter auch die Uranfabrik in Gronau, die ebenfalls vom Ausstieg ausgenommen ist – nach Lingen. Nach dem Einsatz in Atomkraftwerken ist aus dem Uran hochradioaktiver Atommüll geworden. Siehe Berichte auch in der taz.
Mangelhafte Tragzapfen? 315 Casstor-Behälter mit hochradioaktivem Atommüll dürfen nicht mehr bewegt werden. Foto: Castor-Lager Brunsbüttel, Betreiber.
Insgesamt wohl 315 Castor-Behälter mit hochradioaktivem Atommüll dürfen derzeit nicht bewegt werden. Der Grund: Es gibt möglicherweise Mängel bei den Tragzapfen, mit denen die über 100 Tonnen schweren Behälter am Kran befestigt werden. Allein in Niedersachsen gilt: „58 Castor-Behälter mit radioaktivem Müll stehen zurzeit an den Atomkraftwerken Unterweser, Grohnde und Emsland sowie im Zwischenlager Gorleben. Sie dürfen nun erstmal nicht mehr von der Stelle bewegt werden. Das Umweltministerium erteilt dafür Genehmigungen nur noch unter strengen Auflagen. Hintergrund ist eine Überprüfung der Qualitätssicherung bei der Herstellung der sogenannten Tragzapfen. Diese sind an den vier Ecken der Behälter angebracht und zum Anheben der tonnenschweren Castoren nötig“, berichtet der NDR auf Basis einer Pressemitteilung des niedersächsischen Umweltministeriums. Auch die NWZ informiert über diesen Castor-Mangel.
Dokumentation PM Umweltministerium NDS: Qualitätsfall Tragzapfenfertigung für CASTOR-Behälter: Bundesweit über 300 beladene Behälter betroffen, Pressemitteilung Nr. 86/2015
Die Überprüfung der Dokumentation der Qualitätssicherung bei der Herstellung von Tragzapfen aller Castorbehälter in Deutschland ist abgeschlossen. Dabei hat die sowohl als Zulassungsbehörde als auch als Sachverständige tätige Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) gemeinsam mit dem Behälterhersteller, der Gesellschaft für Nuklear-Service mbH (GNS) festgestellt, dass bundesweit 315 beladene Behälter von dem Qualitätsfall Tragzapfenfertigung betroffen seien, hierunter 58 in niedersächsischen Zwischenlagern. Alle Behälter betreffend bestehen Mängel in der Dokumentation der Qualitätsprüfungen; demnach kann zur Zeit nicht konkret aufgelistet werden, bei welchen Tragzapfen Qualitätsprobleme bestehen und bei welchen nicht.
Das Niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz als atomrechtliche Aufsichtsbehörde erwartet von den Betreibern für jeden einzelnen Behälter eine Stellungnahme zum sicherheitstechnischen Handlungsbedarf und wird auf dieser Grundlage eine Bewertung vornehmen. Nach Auffassung der Atomaufsicht und der BAM seien Konsequenzen erforderlich. Tatsächliche Fertigungsmängel sollen laut Behälterhersteller GNS bislang nicht festgestellt worden sein. 92 vorsorglich an betroffenen, unbeladenen Behältern ausgetauschte Tragzapfen wiesen in einer Nachprüfung laut GNS und BAM die erforderliche Qualität aus.
Umweltminister Stefan Wenzel hatte sich bereits bei einem Besuch der BAM im September 2014 über den seinerzeitigen Sachstand informiert. „Angesichts der erheblichen Ausweitung des Qualitätsfalles Tragzapfenfertigung muss eine bessere und umfassende Information der Öffentlichkeit durch die GNS und die Betreiber der Zwischenlager erfolgen. Auch wenn von dem Fall derzeit keine unmittelbare Gefahr für Leib und Leben ausgeht, haben wir es offenbar mit einem Defizit in der Sicherheitsphilosophie zu tun“, so der Minister. „In einem Schreiben an den Präsidenten der BAM habe ich darauf hingewiesen, dass die Informationswege und die Zusammenarbeit der beteiligten Sachverständigen mit der Atomaufsicht verbessert werden müssen, um somit auch für mehr Transparenz zu sorgen.“ Nach Auffassung von Wenzel muss die Atomaufsicht über die Zwischenlagerung von hochradioaktivem Atommüll und die Behälterfertigung vor dem Hintergrund der zu erwartenden langen Zwischenlagerzeiten intensiviert werden.
Herausgeber: Nds. Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz
Atomenergie in schwerer Krise: Der Stellenabbau bei AREVA geht weiter. Foto: Dirk Seifert
Die schwere Krise des französischen Atomkonzerns AREVA mit zuletzt einem Verlust von über vier Milliarden Euro wird nun auch für die Beschäftigten Folgen haben. Aus den Reihen der IG Metall kommen Meldungen, dass möglicherweise bis zu 1.500 Arbeitsplätze in Deutschland abgebaut werden sollen. Nicht nur die Standorte in Erlangen und Offenbach sind betroffen. Auch bei der Brennelementefabrik in Lingen, ebenfalls zu 100 Prozent im Eigentum von AREVA, werden weitere Stellenkürzungen erwartet.
Die NOZ berichtet: „Lingen. Die nochmals verschärften Sparpläne des französischen Atomkonzerns Areva werden auch dessen Tochtergesellschaft Advanced Nuclear Fuels (ANF) im emsländischen Lingen treffen. Ein Unternehmenssprecher sagte am Freitag, am Standort Lingen sei mit weiteren „Einschnitten“ beim Personal zu rechen.“ Weiter heißt es dort: „Bereits seit 2011 werden bei ANF im Zuge eines Sparprogramms 50 von damals 350 Stellen abgebaut. Am Donnerstag erfuhren die ANF-Mitarbeiter auf einer Betriebsversammlung Näheres über den nun verschärfte Kurs des Konzerns. Er dürfte einen Stellenabbau auf weniger als 300 zur Folge haben. Angaben zum Ausmaß der Stellenreduzierung machte der Areva-Sprecher nicht.“
Der Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel hatte vor wenigen Wochen die Bundesregierung nach der Situation der Brennelemente Fabrik der AREVA in Lingen befragt: Atomausstieg? “Gegenwärtig nicht” sagt die Bundesregierung bei der Uranfabrik Lingen. Dort heißt es: „Nach der Katastrophe von Fukushima sind der Uranfabrik in Lingen die Kunden abhanden gekommen. Als Reaktion wurden Arbeitsplätze abgebaut. Im letzten Jahr war die Anlage laut Bundesregierung nur zu 45 Prozent ausgelastet. Zu möglichen Auswirkungen der schwere Wirtschaftskrise des Mutterkonzerns AREVA für den Standort Lingen hat die Bundesregierung keine Kenntnisse. AREVA ist so gut wie Pleite und muss mit vermutlich zwei Milliarden Euro Steuergeld von der französischen Regierung gestützt werden.“ (*) Wie wir wissen, sind es inzwischen mehr als vier Milliarden Verlust in 2014.
Bereits vor einigen Tagen meldete die FAZ: „Auf dem Weg in die politisch gewollte Energiewende bleiben auch namhafte Unternehmen zurück. Beim Kernkraftwerksbauer Areva in Offenbach stehen abermals Arbeitsplätze auf dem Spiel. Vielleicht ist sogar der Standort gefährdet.“ Und das Handelsblatt: „Der staatlich kontrollierte französische Atomkonzern Areva streicht erneut zahlreiche Stellen in Deutschland: 1500 Jobs sollen wegfallen. Vier Jahre nach dem Unglück von Fukushima kämpft Areva mit schwindendem Absatz.“ Dort wird ergänzt: „Bereits 2011 hatte Areva in Deutschland 1500 Menschen entlassen. Derzeit sind hierzulande 5100 Menschen angestellt. Weltweit beschäftigt der vom Staat kontrollierte Konzern 45.000 Personen.“
Bei BR wird geschrieben „Der Atomkonzern Areva will in Deutschland 1.500 Stellen abbauen. Das hat der BR vom Areva-Beauftragte der IG Metall erfahren. Auch deutsche Standorte stehen auf dem Prüfstand.“ Weiter heißt es in der Meldung: „Das Management von Areva informierte die Mitarbeiter am Dienstag (10.03.15) in Offenbach über den geplanten Abbau der Vollzeitstellen. An der Veranstaltung nahm auch der Gewerkschaftsfunktionär Wolfgang Niclas teil. Bis 2017 will der Konzern aus den roten Zahlen herauskommen. Wie viele Arbeitsplätze in Erlangen gestrichen werden, ist noch unklar. Am 14. April will die Geschäftsleitung dem Aufsichtsrat konkrete Pläne vorlegen, sagte Niclas. Heute Nachmittag (11.03.15) sollen die Führungskräfte in Erlangen informiert werden, sagte ein Konzernsprecher dem Bayerischen Rundfunk. Die 3.500 Areva-Mitarbeiter in der Hugenottenstadt bangen um ihre Arbeitsplätze. Die Stadt und die IG Metall befürchten deutliche Einschnitte am größten deutschen Standort.“
Das NetzwerkIT berichtet außerdem: „AKW-Neubauprojekte wird Areva nicht mehr durchführen, Areva will nur noch Komponenten liefern. Der Standort Offenbach hat keine Zukunft. In der Uranfabrik Lingen soll Personal abgebaut werden.“ Das Netzwerk bezieht sich auf eine leider kostenpflichtige Quelle: „In einem Gespräch mit der Financial Times (FT 15.3.2015) skizzierte der Areva Chef Philippe Knoche seine Geschäftsstrategie: Areva werde den AKW-Neubau aufgeben und sich auf Uranabbau, Wiederaufbereitung, Brennelementherstellung sowie AKW-Wartung konzentrieren. Die Lieferung von AKW-Komponenten sei noch ein Ziel, wenn auch von untergeordneter Bedeutung. EDF werde bei großen Neubauprojekten die Verantwortung übernehmen. Areva wolle sich weiterhin an Hinkley Point in Großbritannien beteiligen und Dampferzeuger und Kontrollsysteme liefern.“
Weiterhin heißt es dort: „AKW Jaitapur wird nicht von Areva gebaut: Entsprechend dieser Strategie hatte AREVA die Zertifizierung des EPR in den USA gestoppt. Auch die Lieferung von sechs EPR-Reaktoren ins westindischen Jaitapur hat keinen Platz in Knoches Geschäftsstrategie. Areva verhandelt mit der indischen Seite über Technologietransfers. Ob die indische NPCIL das Projekt in Eigenregie durchführen oder ob die EDF einsteigen wird, ob überhaupt EPR-Reaktoren gebaut werden – all das ist unklar. Nach Knoches Äußerungen ist nur soviel sicher, Areva wird das AKW Jaitapur nicht bauen.
IG Metall ahnungslos
Nach Arevas Milliardenverlusten im letzten Geschäftsjahr sollen Arbeitsplätze gestrichen werden, insgesamt 1.500 in Deutschland. Der Standort Offenbach mit 700 Beschäftigten steht zur Disposition. Die erste Bevollmächtigte der IG Metall in Offenbach hält dagegen: Wenn Areva einen namhaften Teil der Arbeitsplätze an der Kaiserleistraße abbaute oder den Standort ganz schlösse, gingen in der Folge jene Kompetenzen im Kraftwerksbau verloren, die das Unternehmen für das im Ausland gewünschte Wachstum nötig habe. (FAZ 22.3.2015). Damit bestätigt sie, mit Knoches Strategiewechsel wird der Standort Offenbach überflüssig. (Zu IGM und AKW: IG Metall für und gegen Atomkraftwerke)“
Über den Standort Erlangen berichtet die FAZ außerdem: „Überhaupt verfügt der Standort über eine lange Tradition. Einst wurde er vom Konzern AEG, der Siedewasserreaktoren herstellte, betrieben und ging später auf die Kraftwerksunion über, die seit 1977 eine Tochtergesellschaft von Siemens war. Die Franzosen kamen erstmals in den neunziger Jahren ins Spiel, als der Areva-Vorläufer Framatome mit der Kraftwerkssparte von Siemens einen Druckwasserreaktor entwickelte. Weil Kernkraft schon seinerzeit in Deutschland umstritten und die Auftragslage schlecht war, verabschiedete Siemens sich vor gut zehn Jahren weitgehend aus dieser Technik, seit 2006 firmiert der Kernkraftwerksbauer als Areva.“
(*) Der Autor ist wissenschaftlicher Referent bei dem Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdebel, Sprecher für Atomausstieg bei der Fraktion DIE LINKE.