Von Uranmunition, Atommüll, Militäreinsätzen und einer Uranfabrik in Gronau – IPPNW-Vertreterin beim Ostermarsch

Angelika Claußen, Ärzte gegen den Atomtod, IPPNW auf der Ostermarsch-Kundgebung in Gronau vor der dortigen Uranfabrik
Angelika Claußen, Ärzte gegen den Atomtod, IPPNW auf der Ostermarsch-Kundgebung in Gronau vor der dortigen Uranfabrik

Auf der Kundgebung zum Ostermarsch vor der Uranfabrik in Gronau sprach auch Angelika Claußen, Vertreterin der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW). Ihre Rede wird hier gleich im Anschluss dokumentiert. Einen Bericht über den Ostermarsch am letzten Freitag in Gronau gibt es hier: Uranfabrik Gronau: “Atomanlage, mit der die Bundesrepublik ihren Status als potenzielle Atommacht unterstreicht”

Unsere Zukunft ist offen! Wir, die Antiatom- und die Friedensbewegung, wir mischen uns ein!

Dieses Motto des Physikers und Träger des alternativen Nobelpreises Hans Peter Dürr, die Zukunft ist offen, macht uns Mut und Optimismus in einer Zeit, wo wir oft glauben, dass sich Energiepolitik und Friedenspolitik rückwärts entwickeln und dass unsere Wirtschaftsführer und Politiker in Deutschland und Europa es vorziehen „fossil“ zu bleiben: was die Energiepolitik betrifft, bei den fossilen Energieträgern und was ihr Denken betrifft, dass sie noch immer den Reaktionsmustern aus dem kalten Krieg verhaftet sind , in dem sie – siehe Ukrainekonflikt –auf Konfrontation statt auf Kooperation setzen.

Ich werde darüber reden wie Waffensysteme -Atom- und Uranwaffen- Krieg befördern und wie unsere Lösungsvorschläge, „den Frieden schaffen“ aussehen.

-Wie könnte die Zukunft der Urananreicherungsanlage hier in Gronau aussehen? Wird sich die Urananreicherung als Ewigkeitstechnologie erweisen?
-Oder ist die Bundesregierung willens, eine Stilllegung der UAA Gronau durchzusetzen samt der Ansiedlung z.B. von Alternativfirmen des ökologischen Recyclings oder von alternativen Energien?

Stellen wir uns einmal ein mögliches Negativszenario vor: der Verkauf der UAA Gronau an den französischen Atomkonzern Areva ist abgewickelt. Bundeskanzlerin Merkel und Energie- und Wirtschaftsminister Gabriel haben die Menschen hier in Gronau und in ganz Deutschland leider erfolgreich beschwichtigt: Sie sagen: Auf Frankreich und den französischen Atomkonzern Areva sei doch Verlass. Das mit den Sicherheitsauflagen und den Kontrollen durch die IAEO gewähre doch höchstmögliche Sicherheit. Schließlich sei die IAEO eine vertrauenswürdige Organisation, die hätten doch 2005 den Friedensnobelpreis erhalten. Und an die Vorschriften der IAEO würde sich Areva bestimmt halten.

Inzwischen hat sich der Konflikt in Mali zwischen den radikalen Islamisten im Nordosten des Landes und der Regierung wieder zugespitzt. In diesem Moment wird Frankreich von der malischen Regierung nochmals um Hilfe gebeten und Frankreich setzt gegen die Islamisten, die sich in Gebirgshöhlen des Nordosten verschanzt haben, mehrere Tonnen Munition aus abgereichertem Uran ein. Es ist genau das abgereichterte Uran, das die jetzige Firmenleitung von Urenco als sog. „Wertstoff“ deklariert.

Das Ergebnis: die eingesetzten Uranwaffen in Mali richten ähnliche Gesundheitsschäden an wie im Kosovokrieg und im Irak: Schon wenige Jahre nach dem Uranwaffeneinsatz häufen sich angeborene Fehlbildungen bei malischen Säuglingen und Krebserkrankungen. Ich warne, dieses Szenario ist durchaus möglich und wahrscheinlich.

Aber, denken wir daran: Unsere Zukunft ist offen! Wir können etwas beeinflussen! Deshalb demonstrieren wir heute hier!

Unser Protest gegen die UAA Gronau richtet sich an allererster Stelle an die Bundesregierung, die Verantwortung für das Hochsicherheitsrisiko Urananreicherungsanlage Gronau trägt. Wir tragen unseren Protest nach Berlin! Bisher hat sich die Bundesregierung gedrückt, sie hat geschwiegen zu den Privatisierungsplänen von RWE und EON und zu den Fragen des Atommülls hier in Gronau.

Denn das hier in Gronau gelagerte, abgereicherte Uran muss regierungsamtlich als das klassifiziert, werden, was es ist: Atommüll. Atommüll, der ein sachgerechtes Atommülllager braucht.

Und Atommüll lässt sich nur dann lagern, wenn die Regierung endlich bereit ist, alle in Deutschland laufenden Atomanlagen stillzulegen und in einen offenen Dialogprozess mit den beteiligten Bürgerinnen und Bürgern zu treten.

Wir Bürgerinnen und Bürger fragen uns: Wer entscheidet solch wichtige Fragen wie die der Privatisierung, wie die des Atommülls oder wie die der Energiewende eigentlich? EON/RWE oder die gewählte Bundesregierung?

Unsere Zukunft ist offen! Deshalb mischen wir uns ein:

Wir fordern die Stilllegung der Urananreicherungsanlage in Gronau. Gerade jetzt, wo RWE und EON verkaufen wollen ist der beste Zeitpunkt dafür.

Wir gehen zu den Europaabgeordneten und protestieren dort: Denn die Frage der Uran-Anreicherung ist ein gesamteuropäisches Thema. Und es ist Europawahl

Wir wollen den vollständigen Ausstieg aus der Atomtechnologie, zivil wie militärisch, denn beides sind nur zwei Seiten ein und derselben Technologie.

Gerade angesichts der beiden aktuellen und schweren geopolitischen Machtkämpfe in der Ukraine und in Syrien spüren wir, dass das Denken in Gewinner- und Verliererkategorien, das Streben n ach Macht und Beherrschung des Gegners, die Sprache der Drohgebärden nur in die Sackgasse führt.

Atomwaffen, Uranwaffen, chemische Waffen, militärische Aufrüstung und militärische Bündnisse blockieren jegliche Lösungen. Stattdessen sind Deeskalation, Abrüstung und Diplomatie das Gebot der Stunde. Dass der Genfer Krisengipfel die Kriegsgefahr in der Ukraine vorerst abgewendet hat, ist ein erster und sehr wichtiger Schritt. Jetzt muss es weitergehen mit der Durchsetzung der Entwaffnung der Milizen auf beiden Seiten, Diplomatie und Gesprächen, ganz in der Tradition von Willy Brandt.

Konflikte müssen mit friedlichen Mitteln bearbeitet werden, besonders Rohstoffkonflikte, die schnell in einen Krieg münden können. Deshalb brauchen wir ein Stopp der Waffenexporte!

Unsere Zukunft ist offen! Deshalb mischen wir uns ein:

Was unsere Energieversorgung betrifft, so fordern wir die dezentrale Energiewende auf der Grundlage von erneuerbaren Energien. Es geht um Energieautonomie. Es geht im das Ziel einer Gesellschaft, deren Energieversorgung nachhaltig, sauber und dezentral erfolgt, frei von Monopolen, Kartellen und Lobbyisten, frei von politischen Abhängigkeiten und von Ressourcenknappheit, zugänglich und erschwinglich für alle.

Wir sehen uns wieder am 10.05.2014 in Berlin zur großen Energiewendedemonstration.“

Gronau, den 18.04.2014, Dr. med. Angelika Claußen, IPPNW

Uranfabrik Gronau: „Atomanlage, mit der die Bundesrepublik ihren Status als potenzielle Atommacht unterstreicht“

atomwaffenfrei-jetztGronau, Uranfabrik URENCO: Auftakt des Ostermarschs in NRW gegen Atomenergie, Atomwaffen und Rohstoff-Kriege. 350 Menschen demonstrierten am Karfreitag zum Auftakt der Ostermärsche in Gronau vor den Toren der dortigen Uranfabrik. Dort wird Uran für den Einsatz in Atomkraftwerken angereichert. Die Technik der dort zum Einsatz kommenden Uran-Zentrifugen ist technisch aber auch in der Lage, hochangereichertes Uran für Atomwaffen herzustellen. Mehrfach weisen die RednerInnen auf der Kundgebung auf diesen Umstand hin.

Die Westfälischen Nachrichten berichten über die Kundgebung u.a.: „In der Zentrifugentechnik, mit deren Hilfe das Uran für die Verwendung in Brennstäben angereichert wird, ist auch die weitere Anreicherung möglich, machten mehrere Sprecher deutlich. Eine Anreicherung bis zu einem Wert, der für eine Verwendung in Atomwaffen notwendig ist. „Die UAA gehört damit zu den brisanten, militärischen Atomanlagen, mit der die Bundesrepublik ihren Status als potenzielle Atommacht unterstreicht“, meinte Dirk Seifert (Robin Wood).“ Eingangs hatte ich Michael Sailer zitiert, der Mitglied der Reaktor-Sicherheitskommission ist, einem Beratergremium der Bundesregierung. In der taz hatte er im April 2013 festgestellt: „Die Urananreicherung ist der einfachste Weg zur Atombombe“.

Anthony Lyamunda aus Tansania berichtete über die Pläne seiner Regierung, den Uranbergbau zu beginnen. “Der internationale Uranhandel wird von den Akteuren verschleiert und geheimgehalten”, so Lyumunda. Es sei daher nicht auszuschließen, dass vom drohenden Uranabbau in Tansania auch die Urananreicherungsanlage (UAA) in Gronau profitiert.

Angelika Claußen von den Internationalen Ärzten gegen den Atomkrieg (IPPNW) warnte auch vor den zunehmenden Konflikten um den Rohstoff Uran. Sie verwies auf den französischen Militäreinsatz in Mali und die Auswirkungen im angrenzenden Niger. Von dort bezieht Frankreichs Atomgigant AREVA einen großen Teil des Urans nicht nur für den Einsatz in den eigenen Atomkraftwerken, sondern auch für den Export nach Deutschland.

Weitere KundgebungsrednerInnen in Gronau waren Hannelore Tölke (Vorstandsmitglied der DFG-VK NRW), Stefan Kubel (Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen). Veranstalter waren unter anderem Udo Buchholz von der örtlichen Anti-Gronau-Initiative und Vertreter des Bundesverbands Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU).

Der Ostermarsch in Gronau hier in Bildern:

Ostermarsch an Uranfabrik Gronau: Dreckiges Uran aus Afrika

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Anthony Lyamunda, Aktivist gegen geplanten Uranabbau in Tansania und der Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel von den Linken auf dem Ostermarsch an der Uranfabrik in Gronau. Foto: Dirk Seifert

Besuch aus Tansania beim Ostermarsch-Auftakt an der Uranfabrik im westfälischen Gronau. Bereits am gestrigen Donnerstag traf der Aktivist Anthony Lyamunda den Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdebel in Münster. Lyamunda berichtete über den von der Regierung in Tansania geplanten Einstieg in den Uranbergbau. Bei der URENCO in Gronau wird Uran für den Einsatz in Atomkraftwerken angereichert.

Ebenfalls gestern berichtete der WDR ausführlich über die Aktivitäten zum Ostermarschauftakt in Gronau. Der Bericht ist hier nachzulesen.

Die Münstersche Zeitung berichtet über das Treffen von Lyamunda und Zdebel:

„Protest gegen Abbau und Anreicherung von Uran: Was eines Tages in der Urananreicherungsanlage in Gronau landet, ist oftmals unter schmutzigen Umständen in afrikanischen Minen gewonnen worden. Gemeinsam mit dem tansanischen Umweltaktivisten Anthony Lyamunda fordern die Linken das Ende des Uranhandels.

Lyamunda engagiert sich seit 2009 gegen den geplanten Uranabbau in Tansania. Was in Tansania drohe, könne man am Beispiel des laufenden Uranabbaus in Niger beobachten, so Lyamunda: „In Niger werden zum Uranabbau  Unmengen von Schwefelsäure eingesetzt und radioaktiver Feinstaub freigesetzt. Die Bevölkerung und die Minen-Arbeiter sind dieser radioaktiven Strahlung schutzlos ausgesetzt.“

Seine vielleicht wichtigste Aufgabe sieht Lyamunda darin, die Wege des abgebauten Urans aufzudecken: „Der internationale Uranhandel wird von den Akteuren verschleiert und geheimgehalten“, so Lyumunda. Es sei daher nicht auszuschließen, dass vom drohenden Uranabbau in Tansania auch die Urananreicherungsanlage (UAA) in Gronau profitiert.

„Bundesregierung verschleiert Uran-Herkunft“

Der linke Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel wies darauf hin, dass es ursprünglich die RWE-Tochter „Uranerzbergbau GmbH“ gewesen sei, die Tansania nach potenziellen Uran-Minen erkundet habe. „Bundesregierung und EU verschleiern die Herkunft des in deutschen Atomkraftwerken verbrauchten Urans“, sagt Zdebel. (Siehe dazu auch den untenstehenden Link mit weiteren Informationen)

Die Forderung nach der Schließung der Urananreicherungsanlage steht auch beim Ostermarsch an Karfreitag in Gronau im Mittelpunkt. „Atomenergie ist eben keine saubere Energie. Das fängt schon beim schmutzigen Uranabbau in  Entwicklungsländer wie Tansania an“, argumentiert Stefan Kubel von der Anti-Atom-Initiative „SofA“.“

Uranfabrik Gronau: Internationale Urangeschäfte und jede Menge Atomtransporte

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Weltweiter Uranhandel: Im Hamburger Hafen kommt Uran-Konzentrat aus Namibia an, wird in Containern per Schiene nach Frankreich zur Umwandlung zu Uranhexafluorid transportiert und landet später zum Teil auch in Gronau, wo der Uranbrennstoff für den Einsatz in AKWs hergestellt wird. Foto: Dirk Seifert

Der Betrieb der bundesweit einzigen Urananreicherungsanlage  (UAA) in Gronau ist nur durch den Transport von jährlich tausenden Tonnen Uranhexafluorid (UF6) von und nach Gronau möglich. Eine Auswertung mehrerer parlamentarischer Antworten der Landesregierung in Nordrhein-Westfalen für die Jahre 2010 – 2013 ergibt ein erschreckendes Bild von den Uran-Mengen und der Vielzahl von Atomtransporten. Die Daten zeigen auch, wie international das Urangeschäft ist. Die Uranfabrik in Gronau wird vom multinationalen Urananreicherer URENCO betrieben, der zu einem Drittel E.ON und RWE gehört. Der Betrieb der Anlage in Gronau wurde nach der Katastrophe von Fukushima nicht befristet und hat eine Dauergenehmigung. „Uranfabrik Gronau: Internationale Urangeschäfte und jede Menge Atomtransporte“ weiterlesen

Atomenergie Atomwaffen: Ostermarsch in NRW startet bei Uranfabrik Gronau

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Uran und kriegerische Konflikte: In der Uranfabrik in Gronau startet der NRW-Ostermarsch. Foto: Dirk Seifert

Der Ostermarsch in NRW startet in diesem Jahr vor den Toren der Uranfabrik der URENCO in Gronau. Dort wird Uran mit einer Technik angereichert, die auch in der Lage ist, atomwaffenfähiges Material herzustellen. Nicht nur, dass der Betrieb dieser Anlage vom Atomausstieg nach Fukushima nicht betroffen ist. Obendrein soll diese Uranfabriken der URENCO in Deutschland, den Niederlanden und England privatisiert werden. Damit entstehen neue Risiken für die Weiterverbreitung von Atomwaffentechnik.

Doch nicht nur diese Perspektive ist von Bedeutung. Uran und andere Rohstoffe werden immer mehr zum Anlass kriegerischer Konflikte. Dafür steht unter anderem die französische Politik in der südlichen Sahelzone. Mit ihrem Einsatz im letzten Jahr in Mali und jetzt in der Afrikanischen Zentralrepublik ist Frankreich dabei, die rohstoffreichen Regionen unter Kontrolle zu halten. Dazwischen liegt der Niger, aus dem Frankreich über ein Drittel seines Urans bezieht und in dem es heftige Auseinandersetzungen gibt. Bewaffnete Konflikte, Entführungen und Terroranschläge.

Der Kriegs-Einsatz in Mali hat auch für den Niger Folgen, wo französische Truppen an den Uranminen stationiert sind. Dort betreibt der französische Atomgigant AREVA den Uranbergbau mit katastrophalen Folgen für die Umwelt und die Gesundheit der Menschen. Frankreich macht damit große Gewinne. Der Niger bleibt bettelarm. Unterstützung dafür bekommt Frankreich nun auch von Deutschland. Für die Reste der Friedensbewegung ist das bislang nur in Einzelfällen ein Thema und auch die Anti-Atom-Bewegung weiß mit dem Thema kaum etwas anzufangen.

In Gronau wird Uran auch aus Frankreich eingesetzt; ein Teil davon dürfte auch aus dem Niger stammen. Genaue Daten werden von der Bundesregierung verweigert. AREVA ist auch mit der URENCO verbunden. Gemeinsam teilen sich die beiden Konzerne den Bereich der Forschung, der Entwicklung und des Baus von Uranzentrifugen zur Herstellung von Brennstoff für Atommeiler.

Am kommenden Karfreitag, dem 18. April, startet um 12.30 Uhr der Ostermarsch in NRW an der Uranfabrik in Gronau. Hier die Pressemitteilung der Initiativen:

„Anti-Atomkraft-Initiativen, Umweltverbände und Friedensinitiativen forderten am heutigen Mittwoch bei einer Pressekonferenz von der Bundes- und Landesregierung NRW die sofortige Stilllegung der Urananreicherungsanlage Gronau. Außerdem forderten sie, die noch in diesem Jahr bevorstehende Eröffnung des Atommüll-“Zwischen“-Lagers in Gronau zu stoppen. Dort sollen – bundesweit einmalig – bis zu 60.000 Tonnen Uranoxid ohne zeitliche Befristung gelagert werden. Atomkraftgegner befürchten deshalb die Entstehung eines oberirdischen Endlagers in Gronau. Für Karfreitag, 18. April, (wenige Tage vor dem 28. Tschernobyl-Jahrestag) rufen inzwischen rund 40 Initiativen und Verbände gemeinsam zu einem Ostermarsch an der Urananreicherungsanlage in Gronau auf. Der Ostermarsch in Gronau findet als Auftakt des Ostermarschs Rhein – Ruhr statt und beginnt um 12.30 Uhr am Haupttor der Urananreicherungsanlage (Röntgenstraße 4 in Gronau).

„Die Urananreicherungsanlage Gronau ist eine zentrale Atomanlage in der Bundesrepublik Deutschland und der internationalen Atomindustrie. Sie kann den Uranbrennstoff für nahezu jedes zehnte Atomkraftwerk weltweit anreichern. Dennoch ist sie vom sogenannten Atomausstieg in der Bundesrepublik komplett ausgenommen. Wenn die Bundesregierung es mit dem Atomausstieg ernst meint, muss sie auch die Urananreicherung im eigenen Land beenden“, forderte Udo Buchholz vom Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) und Mitglied im lokalen Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau.

„Die Atommüllproblematik wächst der Bundesregierung über den Kopf. Das neue Uranmülllager in Gronau verschärft die Problematik um den sicheren Verbleib von radioaktivem Abfall – auch, weil das Problem in die nächsten Generationen verschoben wird. Der Gronauer Uranmüll wird im Rahmen des neuen Standortauswahlgesetzes für die Bundesregierung nicht berücksichtigt – das ist unverantwortlich und verheißt für Gronau nichts Gutes,“ so Claudia Baitinger vom Arbeitskreis Atom des BUND NRW.

„Die Urananreicherung hat immer auch eine militärische Dimension. Sie ist der einfachste Weg zur Atombombe und selbst der abgereicherte Uranmüll wird noch für panzerbrechende Waffen genutzt. Mit dem gemeinsamen Ostermarsch in Gronau wollen wir deutlich machen, dass zu einer wirklichen Friedenspolitik zwingend der Ausstieg aus der Urananreicherung gehört,“ erklärte Joachim Schramm, Geschäftsführer der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) NRW.

„Völlig unverantwortlich sind auch die Verkaufspläne für die Betreiberfirma der Urananreicherungsanlage Gronau, die multinationale Urenco Ltd. Jeder Eigentümerwechsel bedeutet eine Weiterverbreitung der hochbrisanten Urananreicherungstechnologie. Die Bundesregierung muss mit ihrem Vetorecht diese Verkaufspläne stoppen. Die Devise muss lauten: „stilllegen statt verkaufen“, forderte Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen.

Weitere Infos:
www.ostermarsch-gronau.de, www.bbu-online.de, www.bund-nrw.de, www.sofa-ms.de, www.urantransport.de, www.nrw.dfg-vk.de, www.ostermarsch-ruhr.de“

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