Uranfabrik Gronau – Maßnahmen gegen Flugzeugabsturz sind Geheimsache – Sicherheitsprüfung zieht sich hin

gas_centrifuge_cascade_0
Urananreicherung in den Gaszentrifugen der URENCO in Gronau. Foto: Betrieber

Die Landesregierung in NRW teilt in der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Piraten-Fraktion (Drucksache 16/1832) mit, dass die Sicherheitsüberprüfung für die Uranfabrik in Gronau noch immer nicht abgeschlossen ist. Dabei hatte sie direkt nach der Katastrophe von Fukushima zugesagt, so schnell wie möglich Ergebnisse einer solchen Prüfung vorzulegen. Ausgerechnet zu Fragen der Sicherheit der Urananlage bei Flugzeugabstürzen erklärt die Regierung, dass Gegenmaßnahmen geheim gehalten werden.

In der Antwort auf die Kleine Anfrage heißt es: “Die Ergebnisse der hinzugezogenen Sachverständigen wurden Ende 2012 vorgelegt. Jetzt werden die Sachverständigen-Gutachten durch die atomrechtliche Aufsichtsbehörde abgenommen und ausgewertet.” Außerdem: “Die Erstellung der Unterlagen durch die Betreiberin, ca. 100 Ordner, dauerte bis Anfang 2012. Die Prüfung dieser Unterlagen durch die hinzugezogenen Sachverständigen nimmt erfahrungsgemäß etwa ein Jahr in Anspruch.” Auf Basis der von den Sachverständigen Ende 2012 vorgelegten Stellungnahmen wird nun die zuständige Atomaufsicht in NRW eine Bewertung vornehmen.

Die Uranfabrik in Gronau, die trotz angeblichem Atomausstieg völlig unbefristet weiter betrieben werden darf, versorgt weltweit jedes zehnte Atomkraftwerk mit Brennstoff. Schon vor dem Unfall von Fukushima hat es immer wieder Kritik an der mangelnden Sicherheitsauslegung der Urananlage gegeben.

Nach Fukushima räumte sogar der Geschäftsführer der URENCO in Gronau ein, dass die Anlage nicht ausreichend gegen Flugzeugabstürze gesichert sei und die Behälter mit Uranhexafluorid, die unter freiem Himmel lagern, bei einem Brand schon nach einer halben Stunde versagen würden.

Die Landesregierung spielt dieses Risiko herunter: Im November teilte sie ebenfalls in der Antwort auf eine Kleine Anfrage (Drucksache 16/1244) mit: “In den atomrechtlichen Genehmigungsverfahren für die Urananreicherungsanlage in Gronau wurde das mit einem unterstellten Flugzeugabsturz auf die Anlage verbundene Risiko umfassend bewertet. Es wurde festgestellt, so zuletzt mit Bescheid 7/6 UAG vom 14.02.2005 zum Endausbau der Urananreicherungsanlage in Gronau, dass die Anlage in Übereinstimmung mit den geltenden Lastannahmen und Richtlinien geschützt ist. Von einer Verbunkerung der Anlage wurde wegen des im Vergleich zu Kernkraftwerken wesentlich geringeren Aktivitätsinventars abgesehen; es wurden jedoch risikomindernde Maßnahmen getroffen.”

Mit keiner Silbe erwähnt die Landesregierung, dass sich die Fragen nach dem Risiko von Flugzeugabstürzen, aber auch Hochwasser etc. seit Fukushima neu stellen!

Auf Nachfrage durch die Piraten teilt die Landesregierung – während die Prüfung von Gutachten noch läuft – in der Drucksache 16/1832  mit: “Als risikomindernde Maßnahme gegen Flugzeugabsturz herrscht unterhalb 2000 Fuß (ca. 600m) und in einem Abstand von 1,5 km der erkennbaren Grenzen der Urananreicherungsanlage Gronau ein Überflugverbot.

Des Weiteren verfügt die Urananreicherungsanlage Gronau über geneigte Freilager-Betonflächen, die in ein unterirdisches Volllaufsystem entwässern. Damit wird ein länger anhaltender Brand von auslaufendem Kerosin in Folge eines Flugzeugabsturzes unterbunden und Vorsorge gegen ein Überdruckversagen der dort gelagerten, mit Uranhexafluorid gefüllten, Behälter getroffen.

Weitergehende Informationen über Maßnahmen gegen (erzwungene) Flugzeugabstürze sind im öffentlichen Interesse geheimhaltungsbedürftig und daher als Verschlusssachen eingestuft. Naheliegend dürfen diese daher nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.”

Sicherheitsfragen: Geheim, Verschlusssache! Ob das naheliegend ist, darf sehr bezweifelt werden. Und komisch eigentlich, dass der URENCO-Geschäftsführer trotzdem Mängel einräumt.

Für die Stilllegung der Uranfabrik wird aus Anlass des zweiten Fukushima-Jahrestags am 9. März demonstriert. Dann heißt es: Uranfabrik Gronau in die Zange nehmen. ROBIN WOOD ist dabei.

Infos und Onlineprotest von ROBIN WOOD hier unterstützen!

Zur Uranfabrik Gronau und den rot-grünen Vereinbarungen im Koalitionsvertrag NRW siehe auch:

Uranfabrik – Aktionen in Gronau – Atomaufsicht im Dornröschenschlaf

 

Widerstand gegen die Urananlage Gronau – Die Jahre 1981 – 2001

Udo-Lindenberg gegn UAA Gronau
Auch Ureinwohner Udo Lindenberg ist gegen die Uranfabrik in Gronau

In Gronau steht die einzige bundesdeutsche Urananreicherungsanlage. Mit ihr wird jedes zehnte Atomkraftwerk auf der Welt mit dem erforderlichen Uranbrennstoff versorgt. Auch nach dem vermeintlichen Atomausstiegsbeschluss nach Fukushima darf die URENCO in Gronau weiterhin völlig unbefristet seinen internationalen Urangeschäften nachgehen. Statt die Anlage stillzulegen, soll sie sogar verkauft werden: E.on und RWE gehört ein Drittel des URENCO-Konzerns und die wollen durch den Verkauf drei Milliarden Euro verdienen. Dabei ist die URENCO-Anlage nicht einfach nur eine Urananlage: Mit der dort eingesetzten Anreicherungstechnik, den so genannten Gaszentrifugen, kann grundsätzlich das Uran auch soweit angereichert werden, dass es für die Herstellung von Atomwaffen geeignet ist.

Daher unterliegt die URENCO internationalen Verträgen, die einerseits deren kommerzielle Förderung zum Ziel haben, andererseits sicher stellen sollen, dass keine Anreicherung für Waffenzwecke erfolgt. Geregelt ist das in dem bis heute gültigen Vertrag von Almelo (PDF), unterschrieben von der Bundesrepublik Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien.

Während sich an den Baustellen für Atomkraftwerke in Wyhl, Brokdorf, Grohnde etc. der Widerstand formierte, heftige und große Demonstrationen stattfanden, blieb es rund um Gronau, zwischen Münster und Lingen, vergleichsweise ruhig. Nur wenige Menschen protestierten gegen die Ansiedlung neuer Atomfabriken in dieser Region Westfalens.

Aus der Gronauer Bürgerinitiative gegen die Urananreicherung, die 1976 entstand, entwickelt sich 1981 schließlich der Arbeitskreis Umwelt Gronau (AKU), kurz vor dem Erörterungstermin für die Urananreicherungsanlage im Mai 1981.

Im Jahr 2001 veröffentlichte der AKU eine Broschüre, in der 20 Jahre Arbeit und Kampf der Initiative dokumentiert wurden. Diese Broschüre, die jahrgangsweise von 1981 – 2001 einen Überblick über die Urananlage und den Widerstand gegen sie gibt – ist jetzt hier als PDF zu finden. (Große Datei!)

Bereits vor einiger Zeit ist auf umweltFAIRaendern historisches Material zum Widerstand in der Region rund um Gronau, kurz vor der niederländischen Grenze, veröffentlicht worden. „Atomzentrum Euregio – Lingen, Gronau, Almelo, Ahaus…“ Dort finden sich auch Hinweise zu weiteren Materialien, die teilweise im Archiv des Umweltzentrums Münster (UWZ)  ins Internet gestellt worden sind.

 

 

 

Urankonzern URENCO – niederländische Regierung lässt Verkauf prüfen

cropped-Gronau-Blockade-ROBIN-WOOD-Juli-2011002.jpg
ROBIN WOOD Aktion für die Stilllegung der URENCO-Uranfabrik in Gronau.

Die niederländische Regierung hat laut einer Meldung von „Reuters/UK“ die Investmentberater ABN Amro damit beauftragt, eine strategische Überprüfung der Beteiligung im Umfang von 33 Prozent vorzunehmen. In dem Auftrag sollen auch Optionen bis einschließlich eines teilweisen Verkaufs oder auch eines Börsengangs für die Gesellschaft geprüft werden. Damit schließt die neue niederländische Regierung offenbar auch den Verkauf ihrer Anteile nicht mehr aus. Zuvor hatten bereits die beiden weiteren Anteilseigner E.on/RWE (zusammen 33 Prozent) und die britische Regierung (33 Prozent) erklärt, ihre Anteile zu verkaufen. Interesse an einer Übernahme haben unter anderem der französische Atomkonzern AREVA, der kanadische Urankonzern Cameco sowie das britisch-japanische Unternehmen Toshiba Westinghouse bekundet (weitere Interessenten hier). Eine umfangreiche Kleine Anfrage zu den Verkaufsplänen hat die Bundestagsfraktion der LINKEN an die Regierung gestellt. Die Antworten sollen ab dem 18. Januar vorliegen.

Der Verkauf der URENCO dürfte keine einfache Sache werden, denn die Urananreicherungstechnik ist grundsätzlich auch geeignet, atomwaffenfähiges Uran herzustellen. Das Unternehmen mit einem geschätzten Marktwert von rund 10 Milliarden Euro hat dazu die Gaszentrifugen-Technik entwickelt, mit der der spaltbare Anteil im Natururan angereichert, also erhöht werden kann. Dazu wird das spaltbare Uran 235 in den Zentrifugen vom nicht-spaltbaren Uran 238 getrennt und aufkonzentriert. Für den Einsatz im Atomreaktor wird ein Anteil des spaltbaren Uran 235 in Höhe von rund fünf Prozent benötigt. Die URENCO hat einen Marktanteil bei der Versorgung von Atomreaktoren von etwas über 30 Prozent. Rund jedes dritte AKW ist also URENCO-Kunde. Dazu betreibt das Unternehmen Urananreicherungsanlagen in Gronau (D), Almelo (NL), Capenhurst (GB) und in den USA.

Aufgrund der militärischen Brisanz unterliegt die URENCO internationalen Verträgen, die einerseits eine Förderung der Urananreicherung für die zivile Nutzung der Atomenergie vorschreiben, andererseits die Kontrolle über die Nicht-Herstellung von waffenfähigem Uran bzw. die Weiterverbreitung der Technik zu diesen Zwecken regeln. Im Rahmen des Staatsvertrags von Almelo, an dem die deutsche, die niederländische und die britische Regierung beteiligt sind, ist auch ein „Gemeinsamer Ausschuss“ geregelt. Demnach werden alle Beschlüsse im Zusammenhang mit der URENCO einvernehmlich getroffen. Es gibt also ein Veto-Recht. Daher ist ein Verkauf von URENCO-Teilen auch an die Zustimmung der jeweiligen Regierungen gekoppelt.

AtomkraftgegnerInnen fordern die Stilllegung der Uranfabrik in Gronau. Deutschland könne nicht vom Atomausstieg reden und gleichzeitig den Uranbrennstoff herstellen, mit dem der Super-Gau in ausländischen AKWs riskiert werde.

Weitere Information zur URENCO:

Urankonzern URENCO – Atommüll-Zwischenlagerung bis 2120!

Verkauf der Uranfabriken von URENCO – Linke Bundestagsfraktion fragt nach

Uran(waffen)technik im Angebot – URENCO steht zum Verkauf

Geplante Demonstration zum Fukushima-Jahrestag 2013: Uranfabrik Gronau in die Zange nehmen – Anti-Atom-Proteste zum zweiten Jahrestag der Fukushima Katastrophe

 

Uran(waffen)technik im Angebot – URENCO steht zum Verkauf

Uranzentrifugen: Bombe oder AKW-Brennstoff? URENCO steht zum Verkauf Foto: Betreiber

Die Urananreicherungsanlagen der URENCO stehen zum Verkauf. Eine Technik, mit der nicht nur der Uranbrennstoff für Atomkraftwerke in aller Welt hergestellt wird. Diese Zentrifugentechnik der URENCO ist die Grundlage, um auch waffenfähiges Uran für ganz andere Zwecke herzustellen. In immer kürzeren Intervallen verdichten sich nun die Hinweise, dass ein Verkauf der URENCO bevorsteht.

Uran(waffen)Technik: wer will noch mal….?

Derzeit gehören die Uranfabriken in Almelo (NL), Capenhurst (UK) und Gronau sowie eine Anlage in den USA je zu einem Drittel der Niederlande, Großbritannien und den deutschen Atomkonzernen RWE und E.on. Mindestens die Atomkonzerne und Großbritannien wollen ihre Anteil im Wert von jeweils rund drei Milliarden Euro verkaufen, bei den Niederländern ist das unklar.

Zuletzt waren deutliche Hinweise aufgetaucht, dass der französische Atomkonzern AREVA Interesse an einer Übernahmen der URENCO hat. Die Franzosen haben sich bereits 2007 mit der URENCO bei der Firma Enrichment Technology Company (ETC) mit 50 Prozent beteiligt. Diese Firma betreibt die Forschung und Entwicklung für die Zentrifugentechnologie und den Bau dieser Anlagen. Nach dem Deal bestellten die Franzosen denn auch gleich für rund drei Milliarden Euro eine neue Urananreicherungsanlage. Die Georges-Bresse-2 entsteht derzeit in der Nähe von Pierrelatte an der Rhone.

Hintergrund dieses Deals zwischen Areva und Urenco war das Scheitern einer französischen Eigenentwicklung bei der Urananreicherungstechnik. Bislang verfügte Frankreich nur über die extrem energieaufwändige und teure Diffusionstechnik, die gegenüber dem URENCO-Verfahren kaum noch wirtschaftlich war. Die Alternative von AREVA, Uran 235 mit Hilfe von Lasern anzureichern, funktionierte nicht und musste ebenfalls aus wirtschaftlichen Gründen beendet werden. Die Kooperation mit der URENCO verhalf den Franzosen in einem wichtigen Feld der Brennstoffspirale aus der Patsche.

Daher ist es folgerichtig, wenn die AREVA nun auch bei den Urananlagen der URENCO-Gruppe direkt einsteigt. Denn die URENCO verfügt über ein fettes Paket von Aufträgen für zahlreiche Atomkraftwerksbetreiber in aller Welt und hält derzeit einen Marktanteil von mindestens 30 Prozent.

Weiter steht der kanadische Konzern CAMECO auf der Liste der Interessenten. Der Konzern betreibt vor allem Uranerzminen, aber auch diverse Anlagen zur weiteren Verarbeitung des Uran. Erst vor kurzem erklärte der Konzern sein Interesse, ein Drittel der URENCO-Anteile erwerben zu wollen.

Die VDI-Nachrichten führen in einem Bericht nun weitere Interessenten an: „Die Liste potenzieller Käufer geht weiter über den kanadischen Uran-Trader Cameco bis hin zu Toshiba Westinghouse, dem britisch-japanischen Anlagenbauer und Konkurrenten von Areva beim Bau von Kernkraftwerken. Hinzu kommen seit Mitte Oktober Zeitungsberichten zufolge die Kapitalanleger Apax, KKR, Carlyle und CVC. Interesse hat auch Li Ka-shing gezeigt, ein Milliardär aus Hongkong, der in Großbritannien schon Netzbetreiber, Energieversorger und Wasserwerke im Wert von über 15 Mrd. € gekauft hat. Aber er kommt als Käufer wohl ebenso wenig infrage wie Tenex, die staatliche russische Uran-Anreicherungsfirma, oder Rosatom.“

Realistischer für einen Verkaufsdeal bezeichnen die VDI Nachrichten: „Eine andere Lösung als ein direkter Verkauf zeichnet sich aber bereits ab: Patrick Upson, der frühere Chef von Enrichment Technology, einer gemeinsamen Tochter von Areva und Urenco, bastelt an einem Konsortium zur Übernahme des britischen und deutschen Drittels an Urenco.

Eine solche Konsortiallösung böte für alle beteiligten Partner Vorteile, vor allem weil sich dafür wohl am ehesten breite Zustimmung fände und sie sich mit dem Netzwerk von internationalen Verträgen am besten in Einklang bringen lassen würde.“

Atom(waffen)kontrollen: Internationale Verträge zur (Nicht-)Verbreitung

Da die URENCO-Anlagen und Technik auch die Grundlagen und die Fähigkeit liefern, atomwaffenfähiges Uran herzustellen, unterliegen sie auch dem Kontrollregime der IAEO. Zusätzlich ist ihr Betrieb in internationalen Staatsverträgen abgesichert, in dem einerseits die Nicht-Verbreitung von Atomwaffentechnik geregelt ist, andererseits aber die beteiligten Staaten sich ausdrücklich verpflichten, die Zentrifugentechnik zu kommerziellen Zwecken zu fördern.

Ein überaus heikler Spagat, den die Vertragsstaaten Deutschland, Großbritannien und die Niederlande Anfang der 1970er Jahre im Vertrag von Almelo vereinbart haben. Inzwischen sind Frankreich (Vertrag von Cardiff, für die AREVA-Beteiligung) und die USA (Vertrag von Washington, Bau einer URENCO Anlage in den USA) diesem Vertrag beigetreten.

Wie auch immer der Verkauf sich weiter entwickelt: Ein entscheidendes Wort dabei hat die Bundesregierung. In den Verträgen ist geregelt, dass die beteiligten Staaten ein Veto-Recht haben und nur einstimmig Veränderungen vornehmen dürfen. Nun hat die Bundesrepublik einerseits den Atomausstieg beschlossen und andererseits besteht nach wie vor durch die Verträge von Almelo etc. die Verpflichtung, die Zentrifugentechnik der URENCO zu fördern. Wie absurd das ist, zeigt sich konkret in Gronau: Die deutsche Anlage wird noch bis Ende des Jahres erweitert – Atomausstieg hin oder her. Eine Befristung für deren Betrieb, wie sie für die Atomkraftwerke gilt, gibt es bis heute nicht.

Bundesrepublik: Glaubwürdige Abrüstung und Atomausstieg?

Wie sich E.on und RWE als Betreiber und die Bundesregierung als Vertragspartner den Verkauf vorstellen, welche Verhandlungen konkret mit welchen Unternehmen geführt werden – darüber ist bislang so gut wie nichts bekannt.

Für die Bundesrepublik steht nicht nur die Glaubwürdigkeit beim Atomausstieg auf dem Spiel. Eine überzeugende Friedenspolitik müsste auch dazu führen, das die Bundesregierung bei der URENCO auf die Stilllegung mindestens der deutschen Anlage drängt – nicht auf den Verkauf. Ein Blick auf den Iran – der seine Urananreicherung auf Basis der URENCO-Technologie betreibt – zeigt, dass die vermeintliche Trennung von ziviler und militärischer Atomenergie einfach Unsinn ist.

Wer Atom(waffen)technik betreibt und weiter verbreitet, der muss sich am Ende nicht wundern, wenn andere Staaten das für sich ebenso in Anspruch nehmen. Daher ist nicht nur der sofortige Ausstieg aus der Atomenergie zur Stromerzeung erforderlich, sondern auch die umgehende Beendigung der dazu erforderlichen Versorgungs-Anlagen.

Alle Artikel rund um die URENCO-Anlagen auf umweltFAIRaendern.de

URENCO Uranfabriken stehen zum Verkauf – Steigt Areva ein?

Zentrifugen für die Urananreicherung: Kauft AREVA sich bei URENCO ein?

+ + + Gemeinsame Pressemitteilung von Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen, ROBIN WOOD, BBU (Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz), Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau, Aktionsbündnis „Stop Westcastor“ Jülich und SOFA (Sofortiger Atomausstieg) Münster + + +

* Internationale Diskussion um Urenco-Verkauf: Areva plant doch Einstieg bei Urenco

* Nach EADS-Desaster neuer britisch-französisch-deutscher Streit? / Atomkraftgegner: „Stilllegen statt verkaufen!“

Beim Verkauf der britischen und deutschen Anteile am internationalen Urananreicherer Urenco bahnt sich nur wenige Tage nach der gescheiterten Großfusion von EADS und BAE Systems offensichtlich eine neue Auseinandersetzung zwischen der britischen, französischen und deutschen Regierung an. Laut einem Bericht der Sunday Times vom 14. Oktober plant der staatliche französische Atomkonzern AREVA entgegen früherer Dementis doch einen großen Einstieg bei Urenco, nachdem der britische Schatzkanzler George Osborne offiziell die Investmentfirma Morgan Stanley mit dem Verkauf der britischen Anteile beauftragt hat. Bereits im vergangenen Jahr hatten EON und RWE den Verkauf ihrer Anteile angekündigt und nach Medienberichten Merrill Lynch mit dem Verkauf beauftragt. Auch der kanadische Urankonzern Cameco hat laut Medienberichten Interesse an Urenco-Anteilen angemeldet.

Zum Hintergrund: Urenco gehört derzeit zu einem Drittel EON und RWE sowie dem britischen und niederländischen Staat. Urenco ist der weltweit größte Urananreicherer und betreibt im westfälischen Gronau die bundesweit einzige Urananreicherungsanlage, von der aus jedes zehnte AKW weltweit mit Uranbrennstoff zur Brennelementproduktion beliefert werden kann. In Gronau und Jülich betreibt Urenco zusammen mit AREVA das Joint Venture ETC zur Entwicklung und zum Bau neuer Gaszentrifugen. ETC hatte in den vergangenen Wochen einen drastischen Stellenabbau angekündigt.

Da es sich bei der Urananreicherung um eine militärisch äußerst brisante Technologie handelt, gilt ein Verkauf der Urenco-Anteile als äußerst schwierig. Nach den Erfahrungen mit den gescheiterten Verhandlungen zwischen EADS und BAE Systems rückt nun Urenco ins Visier der drei Regierungen in Paris, London und Berlin.

Anti-Atomkraft-Initiativen und Umweltverbände kritisieren, dass sowohl die Bundesregierung wie auch die NRW-Landesregierung zu der in Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden bereits angelaufenen öffentlichen Debatte bisher komplett schweigen. Fakt ist aber, dass sowohl die Bundesregierung wie auch die Landesregierung bei einem Verkauf von Urenco-Anteilen Mitspracherechte haben und beteiligt werden müssen.

„Wer in Deutschland den Atomausstieg will, darf nicht den Uranbrennstoff in alle Welt liefern. Das ist heuchlerisch und unverantwortlich“, so Dirk Seifert von Robin Wood.

„Wir fordern deshalb von der Bundes- und Landesregierung die Stilllegung der deutschen Urenco-Anlagen, anstatt einem Verkauf zuzustimmen. Der Atomausstieg muss auch für die zivile und militärische Urananreicherung gelten“, ergänzte Udo Buchholz vom Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau und vom Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU).

Kontakt:

Udo Buchholz (AKU Gronau)

Dirk Seifert (ROBIN WOOD)

Matthias Eickhoff (Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen)

Weitere Infos: www.bbu-online.de, www.robinwood.de, www.westcastor.de, www.sofa-ms.de, www.urantransport.de, www.ak

 

×