Atomenergie in der Krise: Massiver Arbeitsplatz-Abbau bei URENCO-Tochter Enrichment Technology Company

Die ETC, Hersteller von Gas-Zentrifungen für die Urananreicherung, baut massiv Arbeitsplätze ab.
Die ETC, Hersteller von Gas-Zentrifugen für die Urananreicherung, baut massiv Arbeitsplätze ab.

Mehrere hundert Arbeitsplätze werden bei der „Enrichment Technology Company“ (ETC) in den nächsten Monaten abgebaut. Die ETC ist eine gemeinsame Tochter der URENCO, die Uran für den Betrieb in Atomkraftwerken anreichert,  und des französischen Atomgiganten AREVA. Die ETC ist für Forschung, Entwicklung und den Bau von Ultra-Zentrifugen für die Urananreicherung zuständig. Diese Technik ist grundsätzlich nicht nur für die Herstellung von Uran für den Einsatz in AKWs geeignet, sondern auch für die Herstellung von atomwaffenfähigem Uran. Der Mutterkonzern URENCO soll verkauft werden. Angesichts der Proliferationsrisiken verhandeln darüber derzeit die Regierungen in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden.

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In Deutschland hat die ETC Unternehmungen in Jülich und in Gronau. Nach den derzeitigen Informationen wird fast der gesamte Bereich in Gronau aufgelöst und nur noch eine kleinere „Service-Station“ aufrecht erhalten, die für den unmittelbaren Einsatz in der auf dem selben Gelände befindlichen Urananreicherungsanlage der URENCO eingesetzt werden soll. Auch Personal von Fremdfimen könnte betroffen sein, z.B. beim Sicherheits- oder dem Kantinen-Personal.

Das Unternehmen beschäftigt rund 2000 Mitarbeiter an acht Standorten in fünf Ländern, davon rund 500 in Jülich (Forschungszentrum und Zentrifugenbau) und aktuell 185 in Gronau (Herstellung der Rohrleitungssysteme für die Zentrifugen-Kaskaden), berichten die Westfälische Nachrichten. Außerdem schreibt das Blatt: „Gronau – hier produziert ETC auf dem Gelände der Urananreicherungsanlage der Urenco Deutschland die Rohrsysteme für die Kaskaden – wird in der Folge „mehr als 100 Arbeitsplätze verlieren“, weltweit werden es „mehrere Hundert der insgesamt rund 2000 Mitarbeiter sein“, so Ketting Olivier. Die exakte Zahl stehe noch nicht fest. Die Zahl der Beschäftigten in Gronau werde schon in diesem Jahr sinken, weil zeitlich befristete Stellen nicht wieder besetzt werden.“

Die zuständige Gewerkschaft IG BCE soll bereits über Sozialpläne verhandeln und eine Auffanggesellschaft soll dann für die entlassenen KollegInnen zuständig sein. Ab dem 1. April 2014 soll der Personalabbau schrittweise umgesetzt werden.

Bereits im Dezember 2012 berichtete die Aachener Zeitung, dass auch am Standort Jülich Arbeitsplätze vernichtet werden sollen: „Auch in Jülich, wo sich die Forschung und Entwicklung (F&E) sowie eine Komponentenfertigung befinden, werde es „einen bedeutenden Rückgang” geben, kündigte die Standortleitung, Hans H. Laschet und Roy Ketting Olivier, an. Mit dem Betriebsrat werde bereits über einen Sozialplan und einen Interessenausgleich verhandelt. In welcher Größenordnung sich der Personalabbau bewegen werde, ist derzeit noch unklar. Nach Angaben aus der Belegschaft könnte es um den Wegfall von rund 100 Arbeitsplätzen gehen, der schlimmstenfalls bis Ende 2014 erfolgen werde.“

Auch am niederländischen Standort in Almelo sollen bei der ETC Arbeitsplätze abgebaut werden. Auch dort betreibt die URENCO eine Anreicherungsanlage.

Perspektiven jenseits der Atomwirtschaft?

Offenbar gibt es bei der ETC Planungen oder Überlegungen, die Geschäftsfelder zu erweitern, um sich von den Entwicklungen im Bereich Atomenergie unabhängiger zu machen. In dem bereits zitierten Artikel der Aachener Zeitung wird außerdem berichtet:
„Enrichment Technology sei, so betonen Laschet und Ketting Olivier, ein „wirtschaftlich gesundes Unternehmen”, das stellten schon die Einnahmen aus den Lizenzgebühren sicher. In Jülich arbeite man zudem daran, zusätzlich zu den Hauptaktivitäten ein „völlig anderes Geschäftsfeld” zu erschließen, das losgelöst von der Kernenergie sei und an das Know-how über „schnell drehende Maschinen” anknüpfe.

Es gebe bereits einen Prototypen, der in „relativ kurzer Zeit” zur Marktreife für den Energiesektor gebracht werden solle. Erste Umsätze könnten damit möglicherweise schon 2014 generiert werden. Allerdings werde die damit einhergehende Beschäftigung den jetzt anstehenden Personalabbau nicht kompensieren können.“

Eine sehr gute Idee eigentlich. Aber offenbar sind die Planungen bis heute nicht so weit voran geschritten, dass sie den jetzt kommenden Arbeitsplatzabbau verhindern könnten. Eine Debatte über die Konversion, nicht nur bei ETC sondern auch gleich bei der URENCO, wäre wünschenswert. Thema könnte sein: Raus aus der Atomenergie, Arbeitsplätze sichern: Wo sind die Perspektiven für eine nicht-atomare Zukunft?

Uranfabriken URENCO: Tochterunternehmen ETC stoppt nach tötlichem Unfall Produktion

robinwood_uranfabrig_gronau„Der Zentrifugen-Hersteller Enrichment Technology hat nach dem Tod von zwei Arbeitern die Produktion an mehreren Standorten gestoppt, darunter in Deutschland. Die beiden Arbeiter waren im niederländischen Almelo verunglückt. Die Nachricht bestätigte eine Sprecherin des Unternehmens am Mittwoch. Enrichment Technology beliefert seine Muttergesellschaften Areva und Urenco mit Maschinen zur Urananreicherung. Betroffen seien neben Deutschland auch Niederlassungen in Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und den USA.“ Das berichtet die Berliner Morgenpost mit dem Datum 3. April. Heute haben die Initiativen aus dem Münsterland mit einer Pressemitteilung zu dem Unfall und den Folgen reagiert:

„Urenco-Tochter ETC stoppt nach tödlichem Unfall Produktion  auch Standorte Gronau und Jülich betroffen? Atomkraftgegner: viele offene Fragen nach Unfall

Nach dem tragischen Unfall, bei dem vergangene Woche zwei Mitarbeiter der Urenco-Tochter ETC (Enrichment Technology Company) in der Urananreicherungsanlage Almelo ums Leben kamen, hat die Zentrifugen-Firma ETC nach Informationen niederländischer Medien und der Nachrichtenagentur Reuters schon am Sonntag, 31. März, die Produktion an allen Firmenstandorten gestoppt. Zunächst hatten Firmensprecher Konsequenzen für andere Standorte noch ausgeschlossen. Betroffen von dem Produktionsstopp sind damit anscheinend auch die ETC-Standorte in der Urananreicherungsanlage Gronau sowie am Forschungszentrum Jülich.

Warum zieht ETC derart umfassende Konsequenzen? Liegt dem tödlichen Unfall ein tiefer gehendes Sicherheitsproblem bei ETC zugrunde? Gibt es Hinweise auf fahrlässiges Verhalten oder mangelnde Sicherheitsvorkehrungen, die auch an anderen Firmenstandorten zu Problemen führen könnten? Ist die Firmenmutter Urenco, auf deren Werksgelände die ETC in Almelo und Gronau tätig ist, in irgendeiner Weise betroffen oder involviert? Gab es beim firmeninternen oder externen Katastrophenschutz unerwartete Probleme? Warum wird die Öffentlichkeit nur bruchstückweise über die Vorgänge informiert? „All diese Fragen müssen nun auch von der Atomaufsicht in Düsseldorf eingehend in Zusammenarbeit mit den niederländischen Behörden geprüft werden. Die Untersuchungsergebnisse müssen dann öffentlich zugänglich gemacht werden – auch den betroffenen Kommunen an den Firmenstandorten – und in die laufende „Sicherheitsüberprüfung“ der Landesregierung mit einfließen,“ forderte Udo Buchholz vom Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) und ergänzt: „Unsere Anteilnahme gehört den Familien der verstorbenen ETC-Mitarbeiter.“

ETC erforscht, entwickelt und produziert Gas-Zentrifugen für die Urananreicherung und realisiert im Auftrag von Urenco und Areva den Bau von Urananreicherungsanlagen. Die Firma gehört als Joint Venture zu je 50% den Atomunternehmen Urenco und Areva. Kürzlich hatte ETC aufgrund fehlender Aufträge u. a. in Gronau massive Entlassungen angekündigt.

Weitere Infos: www.bbu-online.de, www.sofa-ms.de, www.urantransport.de, www.kein-castor-nach-ahaus.de, www.westcastor.de

Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen – Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) – Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau – Aktionsbündnis „Stop Westcastor“ Jülich

Siehe auch: Statt Atommüllentsorgung – Oberirdische Lagerung für radioaktives Uran völlig unbefristet!

Darüber, dass bei der URENCO in Gronau künftig Atommüll für 100 Jahre gelagert werden soll, berichtet auch die taz hier.

Uran(waffen)technik im Angebot – URENCO steht zum Verkauf

Uranzentrifugen: Bombe oder AKW-Brennstoff? URENCO steht zum Verkauf Foto: Betreiber

Die Urananreicherungsanlagen der URENCO stehen zum Verkauf. Eine Technik, mit der nicht nur der Uranbrennstoff für Atomkraftwerke in aller Welt hergestellt wird. Diese Zentrifugentechnik der URENCO ist die Grundlage, um auch waffenfähiges Uran für ganz andere Zwecke herzustellen. In immer kürzeren Intervallen verdichten sich nun die Hinweise, dass ein Verkauf der URENCO bevorsteht.

Uran(waffen)Technik: wer will noch mal….?

Derzeit gehören die Uranfabriken in Almelo (NL), Capenhurst (UK) und Gronau sowie eine Anlage in den USA je zu einem Drittel der Niederlande, Großbritannien und den deutschen Atomkonzernen RWE und E.on. Mindestens die Atomkonzerne und Großbritannien wollen ihre Anteil im Wert von jeweils rund drei Milliarden Euro verkaufen, bei den Niederländern ist das unklar.

Zuletzt waren deutliche Hinweise aufgetaucht, dass der französische Atomkonzern AREVA Interesse an einer Übernahmen der URENCO hat. Die Franzosen haben sich bereits 2007 mit der URENCO bei der Firma Enrichment Technology Company (ETC) mit 50 Prozent beteiligt. Diese Firma betreibt die Forschung und Entwicklung für die Zentrifugentechnologie und den Bau dieser Anlagen. Nach dem Deal bestellten die Franzosen denn auch gleich für rund drei Milliarden Euro eine neue Urananreicherungsanlage. Die Georges-Bresse-2 entsteht derzeit in der Nähe von Pierrelatte an der Rhone.

Hintergrund dieses Deals zwischen Areva und Urenco war das Scheitern einer französischen Eigenentwicklung bei der Urananreicherungstechnik. Bislang verfügte Frankreich nur über die extrem energieaufwändige und teure Diffusionstechnik, die gegenüber dem URENCO-Verfahren kaum noch wirtschaftlich war. Die Alternative von AREVA, Uran 235 mit Hilfe von Lasern anzureichern, funktionierte nicht und musste ebenfalls aus wirtschaftlichen Gründen beendet werden. Die Kooperation mit der URENCO verhalf den Franzosen in einem wichtigen Feld der Brennstoffspirale aus der Patsche.

Daher ist es folgerichtig, wenn die AREVA nun auch bei den Urananlagen der URENCO-Gruppe direkt einsteigt. Denn die URENCO verfügt über ein fettes Paket von Aufträgen für zahlreiche Atomkraftwerksbetreiber in aller Welt und hält derzeit einen Marktanteil von mindestens 30 Prozent.

Weiter steht der kanadische Konzern CAMECO auf der Liste der Interessenten. Der Konzern betreibt vor allem Uranerzminen, aber auch diverse Anlagen zur weiteren Verarbeitung des Uran. Erst vor kurzem erklärte der Konzern sein Interesse, ein Drittel der URENCO-Anteile erwerben zu wollen.

Die VDI-Nachrichten führen in einem Bericht nun weitere Interessenten an: „Die Liste potenzieller Käufer geht weiter über den kanadischen Uran-Trader Cameco bis hin zu Toshiba Westinghouse, dem britisch-japanischen Anlagenbauer und Konkurrenten von Areva beim Bau von Kernkraftwerken. Hinzu kommen seit Mitte Oktober Zeitungsberichten zufolge die Kapitalanleger Apax, KKR, Carlyle und CVC. Interesse hat auch Li Ka-shing gezeigt, ein Milliardär aus Hongkong, der in Großbritannien schon Netzbetreiber, Energieversorger und Wasserwerke im Wert von über 15 Mrd. € gekauft hat. Aber er kommt als Käufer wohl ebenso wenig infrage wie Tenex, die staatliche russische Uran-Anreicherungsfirma, oder Rosatom.“

Realistischer für einen Verkaufsdeal bezeichnen die VDI Nachrichten: „Eine andere Lösung als ein direkter Verkauf zeichnet sich aber bereits ab: Patrick Upson, der frühere Chef von Enrichment Technology, einer gemeinsamen Tochter von Areva und Urenco, bastelt an einem Konsortium zur Übernahme des britischen und deutschen Drittels an Urenco.

Eine solche Konsortiallösung böte für alle beteiligten Partner Vorteile, vor allem weil sich dafür wohl am ehesten breite Zustimmung fände und sie sich mit dem Netzwerk von internationalen Verträgen am besten in Einklang bringen lassen würde.“

Atom(waffen)kontrollen: Internationale Verträge zur (Nicht-)Verbreitung

Da die URENCO-Anlagen und Technik auch die Grundlagen und die Fähigkeit liefern, atomwaffenfähiges Uran herzustellen, unterliegen sie auch dem Kontrollregime der IAEO. Zusätzlich ist ihr Betrieb in internationalen Staatsverträgen abgesichert, in dem einerseits die Nicht-Verbreitung von Atomwaffentechnik geregelt ist, andererseits aber die beteiligten Staaten sich ausdrücklich verpflichten, die Zentrifugentechnik zu kommerziellen Zwecken zu fördern.

Ein überaus heikler Spagat, den die Vertragsstaaten Deutschland, Großbritannien und die Niederlande Anfang der 1970er Jahre im Vertrag von Almelo vereinbart haben. Inzwischen sind Frankreich (Vertrag von Cardiff, für die AREVA-Beteiligung) und die USA (Vertrag von Washington, Bau einer URENCO Anlage in den USA) diesem Vertrag beigetreten.

Wie auch immer der Verkauf sich weiter entwickelt: Ein entscheidendes Wort dabei hat die Bundesregierung. In den Verträgen ist geregelt, dass die beteiligten Staaten ein Veto-Recht haben und nur einstimmig Veränderungen vornehmen dürfen. Nun hat die Bundesrepublik einerseits den Atomausstieg beschlossen und andererseits besteht nach wie vor durch die Verträge von Almelo etc. die Verpflichtung, die Zentrifugentechnik der URENCO zu fördern. Wie absurd das ist, zeigt sich konkret in Gronau: Die deutsche Anlage wird noch bis Ende des Jahres erweitert – Atomausstieg hin oder her. Eine Befristung für deren Betrieb, wie sie für die Atomkraftwerke gilt, gibt es bis heute nicht.

Bundesrepublik: Glaubwürdige Abrüstung und Atomausstieg?

Wie sich E.on und RWE als Betreiber und die Bundesregierung als Vertragspartner den Verkauf vorstellen, welche Verhandlungen konkret mit welchen Unternehmen geführt werden – darüber ist bislang so gut wie nichts bekannt.

Für die Bundesrepublik steht nicht nur die Glaubwürdigkeit beim Atomausstieg auf dem Spiel. Eine überzeugende Friedenspolitik müsste auch dazu führen, das die Bundesregierung bei der URENCO auf die Stilllegung mindestens der deutschen Anlage drängt – nicht auf den Verkauf. Ein Blick auf den Iran – der seine Urananreicherung auf Basis der URENCO-Technologie betreibt – zeigt, dass die vermeintliche Trennung von ziviler und militärischer Atomenergie einfach Unsinn ist.

Wer Atom(waffen)technik betreibt und weiter verbreitet, der muss sich am Ende nicht wundern, wenn andere Staaten das für sich ebenso in Anspruch nehmen. Daher ist nicht nur der sofortige Ausstieg aus der Atomenergie zur Stromerzeung erforderlich, sondern auch die umgehende Beendigung der dazu erforderlichen Versorgungs-Anlagen.

Alle Artikel rund um die URENCO-Anlagen auf umweltFAIRaendern.de

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