Uran-Konzern URENCO mit neuer Führung

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Atomtransport mit Uran. Ziel und Absender solcher Transporte ist oftmals die Urananreicherungsanlage der URENCO im westfälischen Gronau. Die Anlage dort ist nicht vom Atomausstieg betroffen und beliefert jedes zehnte AKW auf der Welt mit Uran-Brennstoff.

Der Uran-Konzern URENCO, der mit Anreicherungsanlagen in Deutschland, den Niederlanden, England und USA über ein Drittel der Atomkraftwerke auf der Welt mit dem erforderlichen Brennstoff versorgt, hat einen neuen Chef. Stephen Billingham, ehemals Vorstand bei „British Energy“ und dort für die Atommeiler zuständig, wird ab Januar den Posten des Chairmans bei URENCO übernehmen. Billingham ist seit längerem in dem Gremium als einfaches Mitglied vertreten.

Offen bleibt die Nachfolge von Helmut Engelbrecht, der das operative Geschäft leitet und ebenfalls angekündigt hat, das Unternehmen verlassen zu wollen. Die URENCO soll nach dem Willen der Eigentümer RWE/E.on (ein Drittel) sowie der britischen Regierung (ein Drittel) verkauft werden. Die Niederlande (ein Drittel) haben Bedenken.

Billingham übernimmt damit den Vorsitz von Sir John Hood, der vor kurzem angekündigt hatte, die Aufgabe nicht mehr machen zu wollen. Die URENCO hatte diese Personalentscheidung kurz vor Weihnachten mitgeteilt. Berichte, dass der ehemalige Chef des Rüstungskonzerns BAE Systems – Sir Dick Olver – den Posten des Chairmans übernehmen würde, haben sich damit nicht bewahrheitet.

Der Verkauf der URENCO-Urananreicherungsanlagen ist äußerst umstritten, da mit der Technik der Zentrifugen grundsätzlich nicht nur Brennstoff für Atomkraftwerke hergestellt werden kann, sondern auch atomwaffenfähiges Uran. Daher unterliegen die Uran-Fabriken strengen Kontrollen. Dennoch konnte Ende der 70er Jahre ein pakistanischer Spion wichtige Unterlagen über diese Technik stehlen und lieferte damit die Grundlage für die Atomwaffen in Pakistan und anderen Staaten. Auch die iranischen Urananreicherungsanlagen basieren auf der Technik der URENCO und dem Diebstahl.

Atomprogramm Iran, Umsetzung des Abkommens: Atomtransporte mit angereichertem Uran nach Russland

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IAEA Director General Yukiya Amano addressing the December meeting of the Board of Governors. (Photo: D. Calma/IAEA)

Der Iran hat damit begonnen, angereichertes Uran nach Russland per Schiff abzutransportieren. Diese Maßnahme ist Teil der Übereinkunft zur Überwachung des Atomprogramms zwischen dem Iran und China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Russland und USA. Auf der Homepage des Auswärtigen Amts ist zu diesem Abkommen u.a. zu lesen: „95% des angereicherten Urans wird außer Landes gebracht oder vernichtet, sein Bestand bleibt für 15 Jahre streng begrenzt.“ (Stand: 21.8.2015) Im Juli hatten die genannten Staaten sich mit dem Iran auf den „Joint Comprehensive Plan of Action“ verständigt, der ein Kontrollsystem enthält, das die Entwicklung der Atombombe im Iran verhindern soll. Nicht nur Israel hat Zweifel an der Wirksamkeit und der Vollständigkeit der Vereinbarungen. Allerdings dürfte das Abkommen militärische Entwicklungen zumindest deutlich erschweren und verzögern.

Laut Pressemeldungen vom 20. Dezember (ORF) hat der Iran nach „Angaben aus Teheran mit dem Abtransport von angereichertem Uran nach Russland begonnen. Der Prozess sei Teil des Atomabkommens vom 14. Juli mit dem Westen, sagte Irans Atomschef Ali Akbar Salehi laut heutigen Medienberichten. Bis jetzt seien laut Salehi neun Tonnen verschifft worden. Im Gegenzug werde der Iran 137 Tonnen „Yellowcake“ – das pulverförmige Gemisch aus Uranverbindungen ist Ausgangsstoff für die Herstellung von Brennelementen – aus Russland einführen. Der Abtransport des angereicherten Urans war, neben der Reduzierung der Anzahl der Zentrifugen von 19.000 auf 5.060, eine der wichtigsten technischen Verpflichtungen des Irans im Atomabkommen.

Dem neuen Abkommen zufolge, soll der Iran Uran für mindestens 15 Jahre nicht über 3,67 Prozent anreichern dürfen. Außerdem soll der Bestand von etwa 10.000 kg niedrig angereichertem Uran (LEU) auf 300 kg reduziert werden (Wikipedia).

Wie hoch das Uran angereichert ist, ist den Meldungen nicht zu entnehmen. Es ist lediglich von niedrig angereichertem Uran die Rede. Auch die Angaben über die Menge sind widersprüchlich. So sind nach Angaben aus den USA insgesamt rund 11 Tonnen Uran abtransportiert worden, siehe z.B. die NZZ. Iranische Quellen sprechen jedoch offenbar nur von neun Tonnen.

Die Welt berichtet, dass sich Norwegen an den Kosten für den Transport des Yellow Cake in den Iran beteiligen wird. „Norwegen beteiligt sich nach eigenen Angaben mit sechs Millionen US-Dollar (knapp 5,5 Millionen Euro) an den Material- und Transportkosten des «Yellowcake», das aus Kasachstan ebenfalls per Schiff in den Iran geschickt wird. Nach Angaben des Außenministeriums in Oslo überwachten norwegische Atomexperten die Verschiffung von rund 60 Tonnen Nuklearmaterial am Sonntag. Außenminister Børge Brende sagte am Dienstag, die Reduzierung der Menge niedrig angereicherten Urans sei ein Schlüsselbestandteil des Atomabkommens. Es sei wichtig sicherzustellen, dass der Iran keine Atomwaffen entwickeln könne.“

Ebenso offen bleibt, wohin in Russland das radioaktive Material transportiert wird und was in Russland damit geschieht, ob es also z.B. mit abgereichertem Uran vermischt und damit z.B. für den Einsatz in herkömmlichen Atomreaktoren umgearbeitet wird.

  • Der Iran betreibt in Bushehr ein Atomkraftwerk, das nach vielen Problemen schließlich 2011 ans Netz ging. Weitere Baustellen wurden zwischenzeitlich aufgrund politischer Konflikte nicht weiter verfolgt. Ein Überblick über das iranische Atomprogramm ist hier auf World Nuclear News. Russland will nach neueren Planungen zwei weitere Reaktoren in Bushehr errichten. Erste Vereinbarungen dazu sind getroffen. Siehe auch hier.

In der Antwort auf eine Kleine Anfrage (PDF, Drucksache 18/5036) des Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdebel hatte die Bundesregierung im April 2015 mitgeteilt: „Iran hat in seinen Anreicherungsanlagen in Natans und Fordow ca. 18000 Zentrifugen der ersten Generation (IR-1) und ca. 1000 Zentrifugen der zweiten Generation (IR-2m) installiert. Seit dem Inkrafttreten des Genfer Aktionsplans am 20. Januar 2014 reichert Iran mit etwa 10000 IR-1-Zentrifugen, überwacht durch die IAEO, Uran auf einen Anreicherungsgrad von maximal 5 Prozent U235 an. Derzeit verfügt der Iran über ca. 8000 kg (Stand: Februar 2015) angereicherten Materials (UF6), welches ebenfalls von der IAEO überwacht wird. Diese Menge entspricht ungefähr der dreifachen Jahresproduktion bei der derzeit genutzten Anreicherungskapazität. Entsprechend dem Genfer Aktionsplan hat Iran seine Anreicherungsaktivitäten auf einen Grad über 5 Prozent U 235 eingestellt und die bei Inkrafttreten des Genfer Aktionsplans am 20. Januar 2014 vorhandenen Vorräte an angereichertem Uran mit einem Anreicherungsgrad von 20 Prozent U 235 inzwischen vollständig verdünnt oder zu Uranoxid konvertiert, welches für die Herstellung von Brennstoff für den Teheraner Forschungsreaktor verwendet werden soll bzw. bereits zum Teil schon dafür verwendet wurde.“

Die Anfrage des Abgeordneten Zdebel reagierte auf Pressemeldungen, dass die Bundesregierung deutsche Experten der URENCO aus Jülich an den Verhandlungen als Ratgeber zur Urananreicherung beteiligt hatte (Süddeutsche,

  • Den Medienberichten über den Abtransport des angereicherten Urans ist nicht zu entnehmen, in welcher Form das Material vorliegt, also ob es als Uranoxid oder Uranhexafluorid transportiert wird. Der Hinweis der Bundesregierung, dass das angereicherte Uran als Uranhexafluorid vorliegt und konvertiert würde, deutet darauf hin, dass der Iran eine entsprechende Konversion betreiben kann.

Die Zentrifugen zur Urananreicherung im Iran wurden ehemals bei der URENCO entwickelt, die im westfälischen Gronau sowie im niederländischen Almelo und im britischen Capenhurst Urananreicherungsanlagen betreibt. Für die Entwicklung der Zentrifugentechnik ist die „Enrichment Technik Company“ (ETC) mit Sitz in Jülich zuständig. Seit 2007 wird diese für Forschung, Entwicklung und Bau von Urananreicherungsanlagen zuständige ETC gemeinsam je zur Hälfte von AREVA und URENCO betrieben. In den 70er Jahren wurden Pläne dieser Geheim-Technologie von einem pakistanischen Wissenschaftler gestohlen und dienten der Entwicklung der Atombombe in Pakistan. In der erwähnten Kleinen Anfrage des Abgeordneten Zdebel heißt es: „Das „Abdul-Qadeer-Khan-Netzwerk“ hat in erheblichem Umfang zur Weiterverbreitung von atomwaffenrelevanten Technologien beigetragen. Es hat auch Länder wie Libyen, Iran und vermutlich Nordkorea beliefert.“ (Antwort auf Frage 18)

Plutoniumpfad: Schwerwasserreaktor Arak und Militärforschung Parchin

Neben der Urananreicherung als Pfad für die Atomwaffenentwicklung gibt es auch den Weg über die Erzeugung von Plutonium. Deshalb steht auch der Schwerwasserreaktor Arak im Blickpunkt. Auf der genannten Seite des Auswärtigen Amts heißt es mit Blick auf die Vereinbarung mit dem Iran: „Der Schwerwasserreaktor Arak wird umgebaut, so dass dieser nicht mehr zur Herstellung waffentauglichen Plutoniums verwendet werden kann.“ An den Verhandlungen hatte die Bundesregierung in dieser Frage auch deutsche Experten aus dem Forschungsreaktor Garching bei München beteiligt. (Süddeutsche,

Einem neueren Bericht der IAEO zufolge, soll der Iran spätestens seit 2009 Arbeiten zur Entwicklung einer Atomwaffe eingestellt haben. Dieser Bericht ist nicht mehr unter dem z.B. von der NZZ  genannten Link http://isis-online.org/uploads/isis-reports/documents/IAEA_PMD_Assessment_2Dec2015.pdf verfügbar, sondern nunmehr hier mit Datum 15.12.2015 freigegeben (PDF).

Laut NZZ vom 12. Dezember heißt es zu dem Bericht: „Dieser kommt zum Schluss, dass Teheran zwar bis 2003 ein geheimes Forschungsprogramm zur Entwicklung von Atombomben unterhielt, aber nicht unmittelbar vor dem Bau von Nuklearwaffen stand. Die Bemühungen Irans gingen laut der Untersuchung nicht über wissenschaftliche Studien und den Erwerb von Know-how hinaus. Der Gouverneursrat hat deshalb eine Resolution verabschiedet, die das Kapitel der militärischen Dimension des iranischen Atomprogramms, das die Beziehung zum Westen seit Jahren schwer belastet, offiziell für abgeschlossen erklärt und weitere Nachforschungen beendet.“

Der Spiegel berichtet: „Iran hat nach Überzeugung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) bis vor einigen Jahren an einem geheimen Forschungsprogramm zur Entwicklung eigener Atomwaffen gearbeitet. Das geht aus einem Bericht der IAEA hervor, aus dem mehrere Agenturen zitieren.“ Weiter heißt es dort: „Laut der Behörde fanden diese Bemühungen vor allem bis 2003 statt. Seit 2009 gebe es keine Anzeichen mehr für entsprechende Aktivitäten. Die Forschung Teherans sei nicht über Machbarkeits- und Wissenschaftsstudien sowie den Erwerb von technischem Know-how hinausgegangen. Iran hat demnach kein Nuklearmaterial für militärische Zwecke beiseitegeschafft.“ Der Iran selbst widerspricht diesen Darstellungen und betont, dass man nie an Atomwaffen geforscht habe, sondern immer nur die friedliche Nutzung der Atomenergie verfolgt hätte. Auch Berichte über „verwischte Spuren“, wie dieser in Taz, gehen davon aus, dass es ein militärischen Atomprogramm im Iran gegeben hat.

Von Bedeutung für diese Frage ist das militärische Forschungszentrum in Parchin. Hier hat es nach Abschluss der Verhandlungen mit dem Iran kontroverse Auseinandersetzungen gegeben. Dafür sorgte ein Bericht eines Journalisten der Nachrichtenagentur AP. In der Zeit heißt es dazu im August: „Das von der AP eingesehene Dokument ist mit „Separate Vereinbarung II“ überschrieben, was nahelegt, dass es eine weitere geben könnte. In dem Schreiben wird festgelegt, dass UN-Inspektoren nicht selbst zum Beispiel Proben nehmen, sondern dies iranischen Experten überlassen. Die UN-Inspektoren würden demnach nur als Beobachter teilnehmen – normalerweise übernehmen sie solche Überprüfungen selbst. Der Iran soll demnach den UN-Inspektoren Fotos und Videos der Anlagen liefern, darin sollen aber „militärische Erwägungen in Betracht gezogen werden“, heißt es.

Das könnte bedeuten, dass UN-Inspektoren nicht nur Parchin nicht selbst betreten dürfen, sondern auch nur Fotos und Videos zu sehen bekommen, die der Iran nicht für militärisch bedeutend hält. Von der IAEA gab es zunächst keine Äußerung zu dem Dokument, wie ihr Sprecher Serge Gas mitteilte. Auch iranische Diplomaten sagten zunächst nichts zu der Vereinbarung.“

Auch die Welt berichtet über „Freiwillige Selbstkontrolle für Irans Atomwaffen?„. Dort heißt es als Fazit mit Blick auf die Kontrollen in Parchin: „Die Existenz des Zusatzabkommens und die Verfahrensweisen, die AP schildert, leugnete er damit aber nicht direkt. Doch die Agentur kann das Papier, von dem sie berichtet auch nicht vorlegen. So bleibt der Wahrheitsgehalt sowohl der Nachricht als auch der Dementis unsicher. Potenziell aber kann die Existenz geheimer Abreden – die sowohl die IAEA als auch das Weiße Haus zugeben – der Glaubwürdigkeit des Atomdeals durchaus schaden.“

Im Anschluss heißt es bei der Welt weiter: „Der Chef der iranischen Atombehörde Ali Akbar Salehi hatte zwar kürzlich erklärt, es gebe kein eigenes Abkommen über die Inspektion von Parchin, hatte aber andererseits bestätigt, dass es Zusatzabkommen mit der IAEA gebe, über deren Inhalt Vertraulichkeit vereinbart worden sei. Sie beträfen die Durchführung der Inspektionen.“

Im bereits erwähnten Artikel der NZZ ist zu lesen: „Gleichwohl enthält der Report (über das Atomwaffenprogramm des Irans, Anmerk. umweltFAIRaendern) zahlreiche Hinweise auf ein nach wie vor vorhandenes Misstrauen gegenüber dem Regime. Der IAEA war etwa jahrelang der Zugang zum Militärgelände in Parchin verweigert worden, wo Tests zur Entwicklung eines Atomsprengkopfs durchgeführt worden sein sollen. Im September durfte Generaldirektor Amano den Komplex zwar besuchen, die Bodenproben wurden allerdings von iranischen Experten genommen. Deren Authentizität zieht die IAEA nicht in Zweifel, sie hält jedoch fest, dass die ab 2012 erfolgten Umbau- und Planierungsarbeiten am verdächtigen Teil des Geländes eine Überprüfung der Vorwürfe verunmöglichten. Jedenfalls würden die iranischen Angaben zum Verwendungszweck des Gebäudes durch die Analyse der Proben nicht gestützt, heisst es im Bericht.“

Unter der Zwischenüberschrift „Verdacht der Vertuschung“ schreibt die NZZ außerdem: „Dieser sowie andere vergleichbare Punkte nähren den Verdacht der Vertuschung durch das Regime, den die israelische Regierung, aber auch zahlreiche Experten nach Bekanntwerden des Berichts erhoben. Dass die Untersuchung nun dennoch abgeschlossen wird, hat politische Gründe. Sowohl Iran wie der Westen wollen das im Sommer als historischen Durchbruch gefeierte Abkommen nicht gefährden. Der amerikanische Aussenminister John Kerry hatte dies noch vor Vertragsschluss offen ausgesprochen. Man wisse, was Iran in der Vergangenheit getan habe. Wichtig sei primär, jede militärische Aktivität für die Zukunft auszuschliessen, was das Nuklearabkommen garantiere. Dessen Umsetzung wollte die IAEA nicht behindern, auch wenn Amano vor dem Gouverneursrat einräumte, es sei nicht möglich gewesen, alle Details vergangener Aktivitäten Irans zu rekonstruieren.“

Auch aus Anlass der jetzigen Atomtransporte von Uran nach Russland berichtet die Welt über Zweifel und kritische Stimmen zu den Regelungen mit dem Iran. Vor allem das geheime Papier spielt dabei eine Rolle. In der Welt heißt es: „Die Erfüllung einer anderen Kernforderung hat bei einigen Fachleuten Zweifel hinterlassen. Das Abkommen sieht auch vor, dass der Iran seine bisherige militärische Nuklearforschung offenlegt. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hatte 2011 Hinweise auf konkrete Arbeiten zum Bau von Atomsprengköpfen im Iran. Nach dem Abkommen vom Juli erklärte sich der Iran zu erweiterten Kontrollen von Militäranlagen bereit. Die IAEA hatte Anfang Dezember festgestellt, der Iran habe tatsächlich an Kernwaffen geforscht, diese Arbeiten aber nach 2009 offenbar eingestellt.

Hochrangige Experten wie der frühere IAEA-Inspektionsdirektor Olli Heinonen halten die jüngsten Überprüfungen der Behörde für zweifelhaft: In einem vertraulichen Zusatzabkommen hatte die IAEA dem Iran zugestanden, Proben an der besonders verdächtigen Luftwaffenbasis Parchin selbst zu nehmen und der IAEA zur Verfügung zu stellen. Das lasse nachhaltige Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Kontrollregimes zu. IAEA-Generalsekretär Jukia Amano hatte dennoch Mitte Dezember festgestellt, die Umsetzung des Abkommens verlaufe zufriedenstellend und so schnell, dass die Sanktionen theoretisch noch 2015 ausgesetzt werden könnten.“

(*) Der Autor dieses Textes ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des MdB Hubertus Zdebel

Verkauf der Uranfabriken von URENCO vor dem Aus?

Der seit längerem geplante und sicherheitspolitisch extrem risikoreiche Verkauf der Uranfabriken der URENCO steht möglicherweise vor dem Aus. Statt eines Verkaufs könnten RWE und E.on ihren Anteil an der URENCO in eine zu gründende Atomstiftung in öffentlicher Hand übertragen, berichtet die Agentur Reuter über die laufenden Verhandlungen um die Sicherung der Atom-Rückstellungen der Konzerne. URENCO betreibt u.a. die Urananreicherungsanlage in Gronau, die vom Atomausstieg ausgenommen ist.

Hubertus Zdebel, Sprecher für Atomausstieg der Bundestagsfraktion DIE LINKE: „Wir lehnen das Stiftungsmodel ab, weil sich die Atomunternehmen damit von ihrer Verantwortung für das radioaktive Erbe ihrer verfehlten Geschäftspolitik verabschieden wollen. Die Gewinne haben sie eingesteckt, den Müll sollen nun andere bezahlen! Alle Risiken würden auf die Stiftung übertragen und die Konzerne wären fein raus. Das entspricht nicht dem Verursacherprinzip.“ Weiter sagte der Bundestagsabgeordnete: „Mit dem Uranbrennstoff, den die URENCO herstellt, werden weltweit Atomkraftwerke versorgt. Es ist ein groteske Vorstellung, dass mit den Gewinnen aus dem weltweiten Atomgeschäft in Deutschland der Atomausstieg finanziert werden soll. Die Uranfabriken der URENCO gehören dichtgemacht!“

Seit über zwei Jahren laufen die Verkaufsvorbereitungen für die URENCO-Anlagen, nachdem RWE und E.on sowie die britische Regierung erklärt hatten sich von ihren Anteilen zu trennen. Ein weiteres Drittel der URENCO gehört den Niederlanden, die einem Verkauf eher spektisch gegenüber stehen. Weil in den Zentrifugen der URENCO nicht nur Brennstoff für Atomkrafwerke hergestellt werden kann, sondern grundsätzlich auch atomwaffenfähiges Uran, ist der Verkauf vor allem sicherheitspolitisch von äußerster Brisanz, da unter allen Umständen die Weiterverbreitung von Atomwaffentechnik verhindert werden muss.

Der deutsche URENCO-Anteil als Einlage in eine Atomstiftung?

Hinter den Kulissen laufen seit längerem Planungen über die Gründung einer Atomstiftung, die die radioaktiven Erblasten der Atomenergie übernehmen soll. Die Atomkonzerne wollen sich mit dieser Stiftung vor den finanziellen Risiken beim Rückbau der Atommeiler und vor allem und den wachsenden Kosten der Atommülllagerung aus dem Staub machen.

In diese Stiftung sollen die Atommeiler, auch die noch in Betrieb befindlichen, eingebracht werden. Außerdem die bislang gebildeten Entsorgungs-Rückstellungen, die in Unternehmensbeteiligungen stecken. Die in URENCO-Fragen meist gut informierte Nachrichtenagentur Reuters berichtet nun (siehe Börse-Online), dass auch die URENCO-Anteile von RWE und E.on an diese Stiftung übertragen werden könnte: „In eine Stiftung könnten die Kernkraftwerke eingebracht werden, so lange diese noch betrieben würden. RWE könne zudem sowohl Finanz-Vermögenswerte einfließen lassen, zum Beispiel Cash, als auch Minderheitsbeteiligungen. Dazu gehöre auch die Beteiligung an der Uranfirma Urenco.“

Dass der URENCO-Verkauf im Zusammenhang mit den laufenden Diskussionen um die Sicherung der Atommüll-Rückstellungen steht, räumt auch RWE-Chef Peter Terium gegenüber der FAZ ein, auch wenn er dort an den Verkaufsplänen festhält: „Ziemlich fest eingeplant hat er hingegen die Erlöse aus dem Verkauf der Anteile an der Atomgesellschaft Urenco. Rund eine Milliarde Euro könnten dadurch nach Branchenschätzungen in die Kasse kommen. „Den Verkauf treiben wir weiter voran. Vorgesehen war die Veräußerung dieses oder nächstes Jahr. Aber die ganze Diskussion rund um Kernenergie und Rückstellungen  verzögert das.“ Denn auch Urenco hat Rückstellungen für radioaktive Abfälle in der Bilanz, so dass das Thema Nachhaftung dort bei einem Verkauf ebenfalls eine große Rolle spielt.“ (FAZ, 22. November: Wie RWE dem Teufelskreis entkommen will)

Uranfabriken URENCO: Almelo nach Störfall wieder in Betrieb – Nachrüstungen in Gronau und Capenhurst

Fabrikationshalle der Uranfabrik in Gronau. Die Technik ist grundsätzlich auch in der Lage, waffenfähiges Uran herzustellen.
Fabrikationshalle der Uranfabrik in Gronau. Die Technik ist grundsätzlich auch in der Lage, waffenfähiges Uran herzustellen.

Nach einem Störfall in einem Produktionsbereich SP5 der zur URENCO gehörenden Uranfabrik im niederländischen Almelo hat das Unternehmen bereits am 23. Oktober die betroffenen Anlagenteile wieder in Betrieb genommen. Das berichtet URENCO auf seiner Homepage und auch die niederländsiche rtvOost. Der Störfall ereignete sich Ende August beim Umfüllen von angereichertem Uranhexafluorid.

  • URENCO gehört bislang noch den Staaten England und Niederlande sowie den deutschen Atomkonzernen E.on und RWE zu je einem Drittel. Die drei Anlagen in diesen Ländern sowie eine weitere in den USA stehen allerdings zum Verkauf. Deutschland und England drängen, während die Niederländer auf die Bremse treten. Der Grund: Die Anlagen der URENCO reichern Uran für den Betrieb in Atomkraftwerken an und versorgen etwas mehr als ein Drittel des Weltmarkts. Militärisch brisant ist die Urananreicherung allerdings, weil mit den verwendeten Zentrifugen grundsätzlich auch atomwaffenfähiges Uran hergestellt werden kann. Uran-Anreicherung, Atomwaffentechnik, Atommüll: URENCO – Verkauf wird weiter vorbereitet

Nach Aussagen von URENCO sind Mitarbeiter nicht zu Schaden gekommen. Der Störfall löste längere Untersuchungen aus, weil auf dem Dach der Anlage Uran-Partikel gefunden wurden. Das aber sollte durch Ventilation und Unterdruck in der Anlage nicht passieren. Die WN berichtete Anfang Oktober recht oberflächlich über die Untersuchungen hier. Ende September hatte URENCO hier bereits über die Prüfungen berichtet.

Dem Bericht von rtvOost zufolge, ist die Ursachenforschung darüber, wie das Uran auf das Dach des Gebäudes gelangen konnte, jetzt abgeschlossen und der Anlagenteil wieder in Betrieb. Als Ergebnis der Untersuchungen sollen auch in den URENCO-Anlagen in Gronau und im englischen Capenhurst Umbauten erfolgen.

Spurensuche: Atomforschung in Celle, Nazi-Deutschland – Uran-Anreicherung und die Zentrifugen

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Uran-Zentrifugen im industriellen Einsatz – Die Forschung begann in Nazi-Deutschland, unter anderem in Celle.

„Kernenergieforschung in Celle 1944/45. Die geheimen Arbeiten zur Uranisotopentrennung im Seidenwerk Spinnhütte“. Das ist der Titel eines bereits 1995 veröffentlichen Buches von Hans-Friedrich Stumpf, in dem er die Aktivitäten einiger Wissenschaftler in Nazideutschland zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Celle untersucht. Ihr Chef: Paul Harteck aus Hamburg. Ihr Ziel: Die deutsche Atombombe. Ihre Absicht: Mit der Entwicklung von Ultra-Gaszentrifugen das spaltbare Uran 235 so weit anzureichern, dass es entweder direkt zur Atombombenherstellung hätte eingesetzt werden können oder aber mit einer Anreicherung von 3-5 Prozent in einem mit normalem Wasser als Moderator betriebenen Reaktor zu Plutonium verwandelt, am Ende den gleichen Zweck hätte erfüllen sollen. Doch permanenter Material- und Ressourcenmangel und immer wieder Luftschläge der Alliierten verhinderten letztlich, dass diese Forschungen erfolgreich verliefen.

  • Auf dieses Buch hat mich dankenswerterweise Stefan Wenzel aufmerksam gemacht, der sich privat seit längerem mit der zivil-militärischen Geschichte der Atomenergienutzung in Deutschland auseinandersetzt und bei seinen Recherchen auch auf einen Artikel in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung stieß, der von der Einlagerung von „Uranabfällen“ aus dem Zweiten Weltkrieg in der Asse berichtete. Das ist auch dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss ASSE zu entnehmen, wo es heißt: „Der stellvertretende Betriebsleiter der Asse wurde am 29.07.1974 verblüffend offen in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ) mit den Worten zitiert: „Als wir 1967 mit der Einlagerung begannen, hat unsere Gesellschaft als erstes radioaktive Abfälle aus dem letzten Krieg versenkt, jene Uranabfälle, die bei der Vorbereitung der deutschen Atombombe anfielen.“327 “ Siehe hier und auch hier: Atommülllager ASSE: Strahlenschrott aus der Nazizeit und militärisches Erbe?
  • Über das Buch im Rahmen einer Schriftenreihe „Celler Beiträge zur Landes- und Kulturgeschichte“ informiert die Stadt Celle hier.
  • Spurensuche Hitlers Bombe – Atomforschung in Nazi-Deutschland – Video-Dokumentation

Auf der Homepage Celle im Nationalsozialismus heißt es in einer Rezension von Harry Klein über das Buch: „Hiroshima begann Ende 1938 in Berlin. Otto Hahn und Fritz Straßmann entdeckten im Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie in Berlin-Dahlem, daß ein Urankern, wenn er auf bestimmte Weise bestrahlt wird, in zwei Teile zerfällt. Rasch war klar, daß, wenn sich aus einer einzigen Spaltung eine Kettenreaktion machen ließe, gigantische Energiemengen freigesetzt würden. Der erste ‚Schritt zur Atombombe‘ war gemacht. Die deutsche Atombombenforschung, zunächst in Hamburg, Berlin und Leipzig angesiedelt, verlagert ihre Projekte in der zweiten Kriegshälfte aufgrund der Bombardements der Alliierten von den Zentren aufs Land. Im November 1944 wird ein Projektstrang, die Uranisotopentrennung, nach Celle verlagert. Diesem kurzen Kapitel deutscher Wissenschaftsgeschichte widmet sich ein jetzt erschienener Band in der „Schriftenreihe der Stadtarchivs und des Bomann-Museums Celle“: Stumpf, Hans-Friedrich: Kernenergieforschung in Celle 1944/45. Die geheimen Arbeiten zur Uranisotopentrennung im Seidenwerk Spinnhütte, Celle 1995″.

  • Der Rezensent auf der genannten Seite kritisiert das Buch als „reinste Weißwäscherei“, weil Fragen nach Schuld und Verantwortung in keinster Weise untersucht würden. Richtig ist, dass der Autor Stumpf fast schon in einer Art geselligem Plauderton und wenig kritisch die historischen Sachverhalte zusammenträgt. Basierend auch auf Interviews, die er noch mit beteiligten Zeitzeugen führen konnte, kann er zwar Fakten und einige (zu damaliger Zeit) neuere Erkenntnisse beisteuern. Aber der Autor steht der Atomenergieforschung doch so nahe, dass er z.B. die in seinem Buch dargestellte Ehrung der Nazi-Forscher in der späteren Bundesrepublik in keiner Weise kritisiert oder reflektiert. Vielleicht aber auch kein Wunder, denn Stumpf hat das Buch seinem „verehrten Lehrer, Prof. Dr. Fritz Straßmann, gewidmet“. Zu dem Thema, dass viele der Nazi-Atomwaffenforscher nach kurzer Unterbrechung ihre Forschungsarbeiten und Karrieren in der Bundesrepublik fortsetzten, siehe z.B. auch hier: Spurensuche: Auferstanden aus Verbrechen – Deutsche Atomschmiede in Karlsruhe und ein Whistleblower
  • Zum Thema Urananreicherung siehe grundsätzlich auch diesen Beitrag: Bundesrepublik und Atomwaffen: „Finger am Abzug“ – Spurensuche zur Geschichte der Urananreicherung. (In diesem Artikel sind viele Quellen angeführt und verlinkt).
  • Im großtechnischen Stil erfolgt die Urananreicherung seit den 70/80er Jahren im westfälischen Gronau unter dem Dach des trinationalen Konzerns URENCO. Hier wird Uran für den Einsatz in Atomkraftwerken auf 3-5 Prozent angereichert. Grundsätzlich könnte hier aber auch atomwaffenfähiges Uran mit den Ultra-Gaszentrifugen erzeugt werden. Durch internationale Kontrollverträge, unter anderem dem Vertrag von Almelo, soll ein solcher Missbrauch verhindert werden. Siehe dazu URENCO Gronau: Risiko Atomwaffen-Technik und die deutsche Atom-Politik und Uranfabrik Gronau: “Atomanlage, mit der die Bundesrepublik ihren Status als potenzielle Atommacht unterstreicht”.

Zu den Fakten bei Stumpf schreibt Klein weiter: „Nach einem anfänglichen wissenschaftlichen Fehlschlag setzte Harteck seit 1941 auf das sogenannte Ultrazentrifugenverfahren. Die Versuche liefen zunächst in Kiel, wo im August 1942 erstmals die Trennung der Uranisotope gelang. Im März 1943 wurde klar, daß mit der Hintereinanderschaltung mehrerer Zentrifugen die nötige Anreicherung von Uran-235 möglich würde. Im Juli 1943 wurden die Forschungsarbeiten nach Freiburg verlagert; von wo man wegen des Vormarschs der Alliierten in Frankreich im November 1944 nach Celle auswich. In Gebäuden der Seidenwerke Spinnhütte, wo für die Luftwaffe Fallschirme hergestellt wurden, installierte man eine Doppelzentralzentrifuge, die bei Versuchen Mitte März explodierte. Bis zum Einrücken der Briten wurde fieberhaft an der Reparatur gearbeitet.“

Stumpf setzt sich in seinem Buch auch mit Veröffentlichungen von Irving und Walker (Uranmaschine) auseinander und korrigiert teilweise deren Aussagen hinsichtlich der Verfügbarkeit der Doppel-Zentrifugen. (Stand 1995! Inwieweit diese zutreffend sind, kann ich derzeit nicht beurteilen.) Außerdem veröffentlicht Stumpf das Tagebuch des beteiligten Physikochemikers Klaus-Albert Suhr für den Zeitraum vom 9. September 1944 (mit Lücken) bis zum 27. März 1945. Mit ihm führte Stumpf auch ein Interview.

Von zwei Zentrifugen-Modellen ist in dem Buch die Rede: Zunächst die UZ 1 und dann deren Verbesserung, die Doppelzentrifuge UZ III A. Vor allem in Freiburg muss den Darstellungen zufolge, die UZ 1 einige Zeit gelaufen sein. „Die UZ I wurde so lange betrieben, bis in den benachbarten Fabrikationsräumen in der Habsburgerstraße, der damaligen Adolf-Hitler-Straße, die Doppelzentrifuge UZ III A fertiggestellt war. Diese besaß längere Rotoren und hatte eine größere Antriebsleistung, die höhere Umdrehungszahlen ermöglichte. Das Betriebsgelände an der Habsburgerstraße, eine ehemalige Skifabrik, war hinzugekauft worden und bot auch genügend Raum zur Aufstellung von Drehbänken und Werkzeugmaschinen. Dort waren die zehn Doppelzentrifugen aufgelegt worden, die das Heereswaffenamt Harteck genehmigt hatte, aber wegen der Kriegsereignisse nicht mehr fertiggestellt werden konnten. Nur die abgebildete UZ III A wurde aufgebaut und für Versuche genutzt.“

Interessant sind die Hinweise und Darstellungen im Zusammenhang mit der Firma Anschütz in Kiel: „Externe Mitarbeiter der Celler Forschergruppe waren Dr. Konrad Beyerle, der technische Entwicklungsdirektor der Firma Anschütz in Kiel, der die erste Ultrazentrifuge nach den Plänen von Groth gebaut hatte,* der Kieler Physikochemiker Professor Dr. Hans Martin, der mit seiner Theorie über thermisch gesteuerte Gaszentrifugen Harteck und Groth auf die Idee für diese Art von Isotopentrennung für das Uran-235 gebracht hatte, sowie der theoretische Physiker Prof. Dr. Johannes Jensen, Hannover, der Harteck die Berechnungen für die in Celle aufgestellte Doppelzentrifuge lieferte.“ (S. 17/18)

Update 07012015: Auf Wikipedia ist ein Beitrag über Konrad Beyerle. Dort ist unter anderem mit Bezug auf die Entscheidung, die Zentrifugen-Arbeiten in Celle fortzusetzen zu lesen: „… letztlich fiel die Entscheidung aber auf Celle (Seidenwerk Spinnhütte). Aufgebaut wurde dort aus Sicherheitsgründen aber nur die UZ III A.[2]:34 f Im November 1944 konnte die UZ III A in Celle wieder montiert werden[2]:39 und es gelang den Betrieb Anfang Februar 1945 wieder aufzunehmen, wobei bis zu 50 Gramm um 15 % angereichertes Uran pro Tag hergestellt wurden.[5] Doch kam es am 12. März 1945 infolge einer Explosion zu schweren Schäden an der Zentrifuge.[2]:45 Das Heranrücken der britischen Truppen stoppte schließlich die Produktion am 12. April 1945. Das bis dahin gewonnene angereicherte Uran blieb verschollen. Eine zweite Ultrazentrifuge, sowie die Bauteile für die weiteren, welche eine Produktion im größeren Maßstab erforderte, waren an einen unbekannten Ort verbracht worden, blieben nach Kriegsende aber ebenso unauffindbar.[5]“ Dort findet sich mit Bezug auf Stumpf auch der Hinweis, dass eine Zentrifuge Ende der 50er Jahre in Kiel zum Einsatz kam.

Im Nachkriegs-Deutschland: Eine Zentrifuge für Kiel

An anderer Stelle ergänzt Stumpf: „Beyerle konstruierte dann ab Mitte der fünfziger Jahre die weiter verbesserten Modelle ZG 3 und ZG 5, mit denen Groth, Bulang und Nann in den sechziger Jahren ausgezeichnete Trennleistungen im Institut für Physikalische Chemie an der Universität Bonn erreichten. Eine weitere Zentrifuge des Typs ZG 3 erhielt 1958 Prof. Martin in Kiel. Mit ihr wurden am dortigen Institut für Physikalische Chemie die Untersuchungen auf experimenteller Basis fortgesetzt. Deren Ergebnisse durften jedoch nicht veröffentlicht werden, da das Arbeitsgebiet der Gaszentrifuge mit Wirkung vom 26. August 1960 zum Staatsgeheimnis erklärt worden war, um militärischen Mißbrauch der inzwischen von Zippe bis zur industriellen Reife entwickelten Zentrifugentechnik auszuschließen.“ (S. 65)

Als Quelle für die Aussagen zur Lieferung einer Zentrifuge nach Kiel schreibt Stumpf in der Fußnote 23 zu dem Kapitel 5: „Auf dem Weg zur friedlichen Nutzung der Atomenergie“ folgendes: „Martin bestellte bei Beyerle 1954 eine Zentrifuge des Typs ZG 3, die dieser aber erst 1958 lieferte. – Interview mit Prof. Dr. Peter Koske. – Koske, Dissertation, Kiel 1962 (unveröff.). – Leime, Dissertation, Kiel 1967 (unveröff.). – Groth, Hans Martin zum 65. Geburtstag. – Cnotka“ (S. 111).

Die Ausführungen, dass Kiel über eine Ultrazentrifuge zur Urananreicherung verfügte, sind auch insofern interessant, weil nach dem Krieg Erich Bagge, der ebenfalls in Nazi-Deutschland an der Entwicklung der Urananreicherung gearbeitet hatte und nach dem Krieg gemeinsam mit Kurt Diebner die Atomforschungsanlage GKSS in Geesthacht gründete, in Kiel eine Professur antrat.

Paul Harteck und das Atomwaffenprogramm der Nazis

Paul Harteck, Chef der Arbeiten in Celle, gehörte mit zu den führenden Atomforschern in Nazi-Deutschland und machte nie einen Hehl daraus, dass diese Forschung die Atombombe zum Ziel hatte. Neben den Arbeiten zur Uran-Isotopen-Trennung war er auch – teilweise gemeinsam mit Kurt Diebner, dem „Koordinator“ des Uran-Vereins – federführend in der Technikentwicklung und Beschaffung des benötigten Schweren Wassers (aus Norwegen) tätig.

Schon direkt nach der Entdeckung der Atomspaltung und der dadurch freigesetzten Energien durch Otto Hahn und Fritz Straßmann hatte Harteck in einem Brief an das Heeres-Waffen-Amt auf die Möglichkeit einer Atombombe aufmerksam gemacht. Auch nach dem Krieg, als Harteck mit neun weiteren Atom-Spitzenforschern des Dritten Reichs in Farm-Hall/GB interniert war, sprach er unumwunden von diesem Zweck. Andere Nazi-Atom-Forscher wie Heisenberg und von Weizsäcker hingegen versuchten die Legende aufzubauen, dass sie Hitler letztlich die Atombombe nicht liefern wollten, was schlicht nicht zutreffend war.

Harteck hatte schon früh mit der Entwicklung von Verfahren zur Isotopentrennung bzw. Urananreicherung begonnen. Schnell hatte sich nach der Entdeckung der Kernspaltung gezeigt, dass vor allem das Uran 235 gespalten wurde und die gewaltige Energie erzeugte. Allerdings war es im natürlichen Uran nur mit einem Anteil von rund 0,7 Prozent enthalten. Daher brauchte es für eine Kettenreaktion mit Natururan neben einer ausreichend großen Menge Uran auch einen Moderator, z.B. Graphit oder schweres Wasser. Darauf konnte verzichtet werden, wenn es gelang, die unterschiedlich schweren Uranisotope 235 und 238 voneinander physikalisch zu trennen und das Uran 235 anzureichern. Verschiedene Verfahren dazu wurden entwickelt.

  • Die USA und später auch Frankreich setzten lange auf das sogenannte Diffusions-Verfahren. In der Sowjetunion, Deutschland und den Niederlanden wurde die Ultra-Gaszentrifuge weiter entwickelt und später z.B. in Gronau bei URENCO (siehe oben) zum industriellen Einsatz gebracht.

Auf der Homepage des Deutschen Museums ist u.a. zu lesen: „Ein Sonderprojekt Hartecks und Groths war seit ca. 1943 das Projekt der Doppelzentrifugen. Da in ersten Versuchen eine Anreicherung von 5 Prozent bei einer Tagesausbeute von 7,5 g Uran erreicht wurde, stellte Harteck die Versuche der einfachen Zentrifuge zugunsten der großen Ultrazentrifugen zurück. Allerdings konnten die geplanten 15 Ultrazentrifugen wegen der mehrfachen Auslagerungen nach Kandern und Celle nicht wie geplant in Betrieb gehen.“

  • Interessant dürfte sein, wie viel angereichertes Uran insgesamt bei den Versuchen mit einer Anreicherung von 5 Prozent Uran 235 und einer Tagesausbeute von 7,5 Gramm in Nazi-Deutschland erzeugt werden konnte, was damit gemacht wurde und wo es schließlich blieb. Diese Frage betrifft nicht nur den Einsatz der Doppelzentrifuge, sondern natürlich auch ihre Vorgänger. In vielen Darstellungen wird berichtet, dass die USA große Teile des Urans am Ende des Krieges beschlagnahmt und abtransportiert haben. Ob es systematische Darstellungen gibt, die auch mengenmäßig versucht haben eine Bilanz zu ziehen, wieviel Uran, angereichertes Uran und andere radioaktive Materialien (Beryllium etc.) Nazi-Deutschland zur Verfügung hatte, ist mir nicht bekannt.

Über das Hamburger Forschungszentrum hat das Deutsche Museum hier einige Informationen zusammengestellt. Zum Thema Harteck und das Schwere Wasser ist beim Deutschen Museum auch dieses zu finden: Bericht über einen Besuch von Esau und Harteck in Marlengo, 22.11.1943

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