Vattenfall: Nun wird wieder getrickst, um die Panne zu vertuschen. Foto: Dirk Seifert
„Doch hier macht das Unternehmen verwirrende Angaben“, beschreibt Spiegel-online die Reaktionen von Vattenfall auf die Panne bei der Strompreiserhöhung zum 1. Januar 2013. Die Verbraucherzentrale Hamburg hatte berichtet, dass Vattenfall offenbar viele tausend KundInnen zu spät über die Strompreiserhöhung informiert hat. Um die Panne zu „korrigieren“, hatte das Unternehmen noch in der Nacht Mails verschickt, in der Hoffnung, niemand würde merken, dass man bei Vattenfall die Fristen verpennt hat. Doch selbst damit scheiterte das Unternehmen: Einen Link, der in den Mails enthalten war, konnten KundInnen nicht aufrufen, weil der Server gewartet wurde. So richtig Mega-Dumm gelaufen.
Doch statt nun einfach tapfer einzugestehen, dass man hier einen Bock geschossen hat, versucht Vattenfall sich rauszureden. Ok, so ist Vattenfall. Diese Panne kostet ja vermutlich einige hundertausende Euro, wenn nicht sogar mehr. Aber das kennen wir von Vattenfall: Zur Not werden auch schon mal die Öffentlichkeit oder auch gleich Journalisten angelogen. Z.B. als 2007 der Transformator am AKW Krümmel in Flammen aufging, der Reaktor per Notabschaltung runter gefahren werden musste und in der Schaltzentrale das Personal mit Gasmasken arbeiten musste. Vattenfall teilte damals öffentlich mit: Der Brand war kein Problem und hatte keine Auswirkungen auf den nuklearen Teil der Anlage. Ok, war nicht ganz die Wahrheit!
Jährlich richtet der Atomkonzern Vattenfall in Hamburg „Lesetage“ aus, bei denen zahlreiche AutorInnen aus ihren Werken lesen. Seit zwei Jahren haben unterschiedliche Initiativen ein Gegenprogramm gestartet. Ein Höhepunkt der Reihe „Lesen ohne Atomstrom 2012“ war der Auftritt von Jan Delay und Jan Plewka in der Fabrik: Gemeinsam sangen sie einen Song von Rio Reiser und titelten „Bye Bye Vattenfall“. Hier das Video auf Youtube:
Vattenfall: Nicht mal eine fristgerechte Strompreiserhöhung bekommt das Unternehmen auf die Reihe. Foto: Dirk Seifert
Vattenfall ist und bleibt unglaublich: Nicht nur, dass der schwedische Staatskonzern als einziges der großen vier Stromunternehmen weiter voll auf die Karte Atomenergie setzt und immer wieder dadurch auffällt, dass elementare Sicherheitsregeln in den AKWs in Schweden und Deutschland verletzt wurden und werden. Oder das Unternehmen von Energiewende spricht und gleichzeitig vor allem Strom mit (Braun)Kohlekraftwerken erzeugt. Jetzt ist es dem Unternehmen nicht mal gelungen, die Strompreise fristgerecht zu erhöhen. Wie doof ist das? Wer jetzt nicht wechselt, und zwar oftmals zu einem billigeren Ökostromanbieter, hat selber Schuld. Nicht nur alternative Strom-Anbieter stehen zur Verfügung, es gibt auch Initiativen und Organisationen, die Unternehmen wie Vattenfall gleich die ganzen Stromnetze abnehmen wollen.
Die Verbraucherzentrale Hamburg teilt heute, am 22. November 2012 mit, dass Vattenfall offenbar bei einem nicht unerheblichen Teil seiner KundInnen die Benachrichtung über eine Strompreiserhöhung zum 1. Januar 2013 nicht fristgerecht bekannt gemacht hat. Offenbar hat das Unternehmen – rechtlich zu spät – bemerkt, dass man
einen riesen Fehler gemacht hat und versucht, noch in der Nacht KundInnen anzumailen, um diese von der Preiserhöhung zu informieren. Das aber ist nach Mitteilung der Verbraucherzentrale nicht zulässig.
Panne bei Vattenfall – Energieversorger verpasst Frist für Strompreiserhöhung
Der Stromversorger Vattenfall hat offensichtlich bei einer großen Zahl von Kunden die Frist zur Preiserhöhung per 1. Januar 2013 verpasst. Darauf weist die Verbraucherzentrale Hamburg hin. Dort melden sich zahlreiche Vattenfall-Kunden, die erst am Mittwoch, 21. November, oder später ihre Strompreiserhöhung zum 1. Januar 2013 erhalten haben. Die Frist für eine wirksame Erhöhung beträgt aber sechs Wochen. Das Erhöhungsschreiben hätte also am 20. November bei den Kunden eingehen müssen. Sonst wird die Preiserhöhung nicht wirksam. Die Sechs-Wochen-Frist ist für Grundversorgungskunden in einer Verordnung (StromGVV), für Sondervertragskunden in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen geregelt. Zwar hat Vattenfall die für Grundversorgungskunden vorgeschriebene Öffentliche Bekanntmachung der Preiserhöhung offenbar rechtzeitig durch Zeitungsanzeigen vorgenommen. Die Verordnung schreibt aber zusätzlich die briefliche Mitteilung an den Kunden vor; E-Mail reicht nicht.
Offenbar hat man bei Vattenfall das Versäumnis bemerkt und greift zu Verzweiflungsaktionen: Ein Kunde berichtet der Verbraucherzentrale per E-Mail: „Vattenfall hat mich heute Nacht per E-Mail (21.11.2012 01:44) darüber informiert und zudem ein postalisches Schreiben angekündigt“.
Eine weitere Verbraucherin schreibt: „Am 21.11.2012 um 01:22h bekam ich eine Information per Mail von Vattenfall, dass sich auch mein Strompreis zum 01.01.2013 erhöht. Um nähere Angaben zu bekommen, wurde ich auf einen Link von Vattenfall hingewiesen um die Vertragsunterlagen einzusehen, nur leider ist der Link nicht zugänglich, da Wartungsarbeiten am Server durchzuführen sind“.
Betroffenen Verbrauchern, die bei Vattenfall bleiben möchten, rät die Verbraucherzentrale, Vattenfall auf das Fristversäumnis hinzuweisen und auf Beibehaltung des alten Preises zu bestehen. Verbraucher, die den Anbieter wechseln möchten, sollten sich einen neuen Versorger suchen und diesen die Kündigung gegenüber Vattenfall erledigen lassen.
Schacht Konrad – politische Interessen sorgten für die Genehmigung. Foto: Dirk Seifert
Kaum sind die ersten Atomkraftwerke stillgelegt, werden Forderungen nach einem schnellen Rückbau bis hin zur „Grünen Wiese“ laut. Kein Wunder, denn wenn die Segnungen der Gewerbesteuer ausbleiben, will man den radioaktiven Dreck auch nicht mehr vor der Haustür haben.
„Grüne Wiese“ – Problem gelöst?
Ganz so einfach ist das nicht. Denn das Dilemma mit dem radioaktiven Abfall ist, dass wir ihn innerhalb menschlich vorstellbarer Zeiten nicht mehr los werden. Wir können ihn allenfalls von einem Ort zu einem andern Ort schaffen. Ein solcher Ort soll Schacht KONRAD werden, eine stillgelegte Eisenerzgrube in der Stadt Salzgitter. Die ist zwar genehmigt, sicher aber ist der Schacht dennoch nicht. In dieses Bergwerk sollen künftig alle leicht- und mittelradioaktiven Atomabfälle versenkt werden…
Im neuen ROBIN WOOD Magazin berichtet Ursula Schönberger von der Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad über die Atommüllprobleme, was beim Ausstieg aus der Atomenergie auf uns zukommt und warum das vermeintliche Atommülllager im Schacht Konrad nicht sicher, dennoch aber aus politischen Gründen genehmigt wurde…. Hier geht es zur Inhaltsübersicht des neuen ROBIN WOOD Magazins. Und hier ist der Artikel als PDF.
AKW Brokdorf 2012: Mitte der 70er Jahre war hier noch eine Wiese. Foto: Dirk Seifert
Die Umweltorganisation ROBIN WOOD wird 30 Jahre alt, der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) begeht seinen 40. Geburtstag. Wie ging es los, was waren die Konflikte, dass sich in den 70er und 80er Jahren die Umweltbewegung sprunghaft entwickelte und bis heute erheblich ausdifferenziert hat?
Im ROBIN WOOD Magazin (4/2012) ist zu lesen: „Angesichts der als massiv erlebten Umweltzerstörungen nahm die Umweltbewegung einen enormen Aufschwung. Die Studie des Club of Rome „Die Grenzen des Wachstum“, Anfang der 70er Jahre veröffentlicht, lieferte Vielen weitere Gründe, um aktiv zu werden und den Wahnsinn zu stoppen. Darunter die Anti-Atom-Bewegung, denn überall in der Republik sind AKW-Neubauten geplant. Eine Technologie mit ungeheurem Zerstörungspotential, wie es bislang nur von der Atombombe bekannt war. Spätestens seit Mitte der 70er Jahre nahm nicht nur die Zahl der Initiativen zu, sondern es stellte sich die Frage, mit welchen Mitteln Staat und Industrie zu bekämpfen wären, um die weitere Zerstörung der Umwelt zu stoppen. Zwar durfte man seine Meinung sagen, aber das störte „die da oben“ nicht weiter.“