Vattenfall, Krise, Arbeitsplatzabbau – Wenn Gewerkschafter träumen…

Sommer_344
Zum Arbeitsplatzabbau bei Vattenfall erfährt man bei der IG Metall in Hamburg nicht viel. Aber gute Tipps gibt es doch… Foto: IG Metall Hamburg, Anfang August 2013.

Vattenfall – Krise – Arbeitsplatzvernichtung. Das Gute vorweg: Wenigstens in Berlin und Brandenburg gibt es Gewerkschaftskollegen, die mit der Öffentlichkeit über die fundamentale Krise bei Vattenfall sprechen. Von den für Vattenfall zuständigen Gewerkschaften in Hamburg – allen voran der IG Metall – kann man das absolut nicht behaupten.

In Hamburg herrscht eisernes öffentliches Schweigen bei der IGM zur katastrophalen Lage des Vattenfall-Konzerns. Nicht nur das: Während sich die KollegInnen bei Vattenfall angesichts der Krise des Unternehmens und des angekündigten massiven Abbaus von Arbeitsplätzen sorgen, sehen die zuständigen Gewerkschaftsfunktionäre der IG Metall und von Verdi in trauter Partnerschaft mit Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) nur ein Problem: Die „drohende“ Rekommunalisierung der Energienetze durch den Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz„.

In Hamburg mobilisieren GewerkschafterInnen für den Volksentscheid von Unser Hamburg - Unser Netz mit einem Aufruf, denn man hier unterschreiben kann.
In Hamburg mobilisieren GewerkschafterInnen für den Volksentscheid von Unser Hamburg – Unser Netz mit einem Aufruf, denn man hier unterschreiben kann.

Anders Hartwig Willert, zuständiger Verdi-Sekretär bei Verdi Berlin in der Berliner Morgenpost. Er macht sich Hoffnung, dass die für Anfang 2014 angekündigte Aufspaltung von Vattenfall dazu führen könnte, dass es einen gestärkten Konzernteil in Deutschland gibt, der sogar das angekündigte Investitons- und Personaleinsparprogramm zurückfährt. „“Die neue Struktur von Vattenfall bietet Chancen“, sagt Hartwig Willert. Für einen Mann von der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di ist das eine bemerkenswerte Aussage. Normalerweise ist das eine Manager-Phrase, mit der harte Veränderungen ummantelt werden. Willert, der auch im Aufsichtsrat der Vattenfall Wärme Gmbh und der Konzerntochter Stromnetz Berlin sitzt, meint das aber durchaus ernst.

Vattenfall, argumentiert er, wird ein großes, rechtlich eigenständiges Unternehmen für Kontinentaleuropa gründen. Dieses muss dann auch die diversen Risiken – etwa die der Atomkraftwerke und die Folgen des Braunkohleabbaus in Deutschland – schultern. „Das könnte dazu führen, dass Strukturen neu überdacht und Personalplanungen verändert werden“, sagt Willert.

Möglicherweise, so sein Kalkül, werde dann der seit längerem geplante Abbau von 1500 Stellen, 500 davon in Berlin, nicht so hart ausfallen. Seit Jahren liegen Betriebsräte und Gewerkschaften auf der einen und die Konzernspitze auf der anderen Seite im Dauerstreit. Ständig werden neue Sparprogramme aufgelegt oder verschärft. Es geht um Personalabbau und Gehaltskürzungen.“

So zitiert die Zeitung den Gewerkschafts-Kollegen. Die Zeitung und die Konzernzentrale gönnen Willert jedoch keine einzige Zeile, diese Träume weiter zu spinnen. Eiskalt stellt die Berliner Morgenpost fest: „Das Unternehmen macht jedoch wenig Hoffnung, dass die Pläne aufgegeben werden. „Der Beschluss zur Aufspaltung hat keine Auswirkungen auf das Sparprogramm“, sagt Vattenfall-Sprecher Hannes Hönemann. Der Personalabbau sei der Situation in Deutschland geschuldet.“

Dabei gibt es Alternativen, zumindest für relevante Teile der bislang noch bei Vattenfall angesiedelten Arbeitsplätze: In Hamburg und Berlin wollen Volksentscheids-Initiativen die kompletten Netzsparten von Vattenfall rekommunalisieren. In Berlin soll das Vattenfall-Stromnetz mit tausenden von Beschäftigten wieder zu 100 Prozent städtisch werden und eine eigenes Stadtwerk gegründet werden. In Hamburg will „Unser Hamburg – Unser Netz“ nicht nur das Stromnetz, sondern auch die Fernwärme von Vattenfall vollständig in die öffentliche Hand zurück holen.

Komisch allerdings: Die Gewerkschaftsspitzen blockieren das und votieren sogar gegen diese Pläne und die dahinter stehenden breiten Bürgerbündnisse. Statt mit ihnen über Konzepte und Alternativen für die Beschäftigten UND die Energiewende zu beraten, folgen sie eher einer konservativen Linie im Bündnis mit Konzern und Obrigkeit. Mit einem höchst interessanten Argument: Für diejenigen Beschäftigten, die nicht in die neuen öffentlichen Unternehmen wechseln könnten, seien die Arbeitsplätze bedroht. Alles klar? Nicht? Dann mal bei der SPD nachfragen…

Vattenfall – Die Krise – Der Arbeitsplatzbau: Mehr zum Thema auf umweltFAIRaendern:

RANTANPLAN trifft „Unser Netz Chor“

Sound of UNSER NETZ.
Sound of UNSER NETZ.

Irgendwas ist da los. Am Samstag war die Band Rantanplan in den Tao-Studios verabredet. Weit oben in Hamburg, in Fuhlsbüttel. Nicht zum ersten Mal ist die Band dort zwischen Instrumenten, Mischpulten, Käffchen und Bier am Start. Dort ist das aktuelle Album aufgenommen worden. „Pauli“ ist im April erschienen. Das könntet ihr hier bestellen!

Doch diesmal war die Band verabredet. Mit dem „Unser – Netz – Chor“ von der Volksentscheids-Initiative. Gemeinsam mit Le Fly, Pensen und Jan Plewka spielt Rantanplan am 4. September für den Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ in der  Fabrik ein Benefiz-Konzert. Der Vorverkauf – an allen üblichen Kassen und direkt in der Fabrik – läuft bereits. Die Infos und Videos gibt es hier: Benfiz4Volksentscheid: Soli-Konzert am 4. September in der Fabrik Hamburg.

Aber was machen Rantanplan und der „Unser Netz Chor“ im Studio? Sicher nicht nur reden?! Wenn Fotos was erzählen könnten….

Kurs Klimakatastrophe: Immer mehr Kohlestrom-Export von Vattenfall und Co

Gift für Klima und Umwelt: Braunkohle von Vattenfall Foto: Dirk Seifert
Gift für Klima und Umwelt: Braunkohle von Vattenfall Foto: Dirk Seifert

Die Stromexporte von Vattenfall und anderen Kohlekonzernen nehmen immer mehr zu. „Deutschland exportiert so viel Strom wie nie – Die Ausfuhren stiegen im ersten Halbjahr 2013 um fast 50 Prozent an“, titelt aktuell die Welt. Strom, der vor allem in den Kohlekraftwerken von Vattenfall und RWE erzeugt wird. Wenn in Deutschland die Erzeugung von Wind und Solarstrom Spitzenwerte erreicht und die klimaschädlichen Kohlekraftwerke runter gefahren werden könnten, verkaufen die Konzerne den Strom kurzerhand ins Ausland: „Betreiber wie RWE oder Vattenfall lassen ihre Kohlekraftwerke deshalb selbst dann am Netz, wenn hier viel Ökostrom zur Verfügung steht: Die Anlagen arbeiten dann für den Export.“

UPDATE: Die Welt bezieht sich in ihrer Berichterstattung auf die Deutsche Umwelt Hilfe (DUH). Die hatte in einer PM erklärt: „Nicht der Zuwachs beim Ökostrom verursacht Stromexport-Rekorde, sondern der neue Boom der Kohlekraft“ und kritisiert vor allem die „Tatenlosigkeit der schwarz-gelben Bundesregierung beim Klimaschutz“. Die DUH hat eine umfangreiche Untersuchung zu dem vermehrten Einsatz von Kohlestrom durchgeführt. Die Analyse steht hier auf dem Server der DUH als PDF zum download bereit.

Kohlestrom ist derzeit extrem billig herzustellen, weil das neoliberale Konzept mit dem Handel von CO2-Zertifikaten völlig am Ende ist. Die Preise für diese CO2-Zertifikate sind so niedrig, dass sie keinerlei Lenkungseffekt haben und damit keinerlei Beitrag zum Klimaschutz leisten. Die schwarz-gelbe Bundesregierung stört das offenbar nicht: Eine von der EU angestrebte Verknappung der Zertifikate, mit der die Preise erhöht werden sollten, lehne vor allem das Wirtschaftsministerium unter Philipp Rösler (FDP) ab.

Die Folge: Trotz eines wachsenden Anteils Erneuerbarer Energie aus Wind und Sonne, wird immer mehr Kohlestrom erzeugt und Gaskraftwerke, die nur halb so viel CO2-Emissionen verursachen, droht immer mehr die Abschaltung. Besonders viel dieses dreckigen Exportstroms geht in die Niederlande.

Gerade der wirtschaftlich gebeutelte Vattenfall-Konzern versucht, auf diese Weise Geld zu verdienen. Siehe hier: Vattenfall-Krise: Konzern wird gespalten – Vorbereitung, dass Vattenfall Tschüss sagt?!

In Deutschland erzeugt dieser Konzern klimaschädlichen Strom – in den Niederlanden verkauft er ihn. Dort gehört das Unternehmen Nuon zum Vattenfall-Konzern. Siehe auch: “Vattenfalldebakel in den Niederlanden”

Schon jetzt erzeugt der Konzern über 80 Prozent seines Stroms in Deutschland über die besonders klimaschädliche Braunkohle. In der Lausitz will Vattenfall für die dortigen Kraftwerke neue Tagebaugebiete erschließen. Dafür müssten Dörfer verschwinden und Menschen ihre Heimat verlassen (unterstützt das laufende Einwendungsverfahren mit eurer Unterschrift, Infos hier).

Und Vattenfall arbeitet weiter an der Klimakatastrophe: 2014 erhöht Vattenfall die ohnehin schon absurd hohe CO2-Quote noch mit der Inbetriebnahme des 1.600 MW Steinkohlekraftwerks in Hamburg Moorburg. Und dieser Konzern traut sich, in seiner Werbung von Energiewende zu sprechen!

Hamburgs SPD-Bürgermeister findet das sogar prima, siehe hier: Vattenfall: 500 Millionen Euro Verlust durch Kohlekraftwerk Moorburg – Bürgermeister Scholz findet das “hochlukrativ”.

Die Hamburger SPD im Bündnis mit der CDU und FDP kämpfen derzeit gemeinsam für die klimaschädliche Politik von Vattenfall und E.on gegen einen Volksentscheid. Die Initiative „Unser Hamburg – Unser Netz“ will am 22. September die vollständige Rekommunalisierung der Energienetze erreichen, die derzeit von den beiden Atom- und Kohlekonzernen betrieben werden. In Berlin wird es am 3. November ebenfalls zu einem Volksentscheid um das Stromnetz von Vattenfall kommen. Dort sollen die Netze rekommunalisiert und ein neues Stadtwerk gegründet werden.

Siehe auch: Vattenfall sucht Investoren für Komplettübernahme des Deutschland-Geschäfts

Alles zum Thema Vattenfall und die Braunkohle/Lausitz  auf dieser Seite.

JETZT und LIVE – Der Tanz um die Energienetze: Es braucht viel Bewegung für den Volksentscheid – Heute ab 15 Uhr!

angelverbotEs geht nicht um das goldene Kalb, aber um einen Tanz für die Energienetze. Und um die Vattenfall und E.on abzujagen und damit die Energiewende voran zu bringen, braucht es viel Bewegung. Und das jetzt und mit viel Sonnenenergie. Also los: Heute – am Freitag, ab 15 Uhr bis ca. 22 Uhr, Kundgebung und Infos für Volksentscheid, Netze und Bewegung: Ecke Finkenrieker Hauptdeich / König-Georg-Weg (besser bekannt ist vermutlich der in der Nähe befindliche Badestrand). Erreichbar von S-Harburg oder S-Wilhelmsburg, per Fahrrad oder wie auch immer!

Dazu ruft über Facebook die Hedonistische Internationale auf. Der Aufruftext ist hier zum Nachlesen dokumentiert:

„Der Volksendscheid zur Rekomunalisierung der Stromnetze, der parallel zur Bundestagswahl am 22.September in Hamburg vollzogen wird, liegt uns am Herzen.

Nicht nur alle vier Jahre einmal sein Kreuz tragen – NEIN – mit diesem Volksentscheid habt ihr ganz konkret die Möglichkeit die Politik in diesem Land mitzubestimmen.

Durch den Rückkauf der Energienetze werden wir in der Lage sein die Energiewende und ihr Tempo selbst zu definieren.

Olaf Scholz wurde mit 25% aller Stimmen zum Oberbürgermeister gewählt . Wir werden mindestens 50% aller Stimmen am 22. September sammeln und dem/der neuen OberbürgermeisterIn einen klaren Auftrag mitgeben wie die Hälfte aller Hamburgerinnen und Hamburger sich ein entschlossenes Vorgehen zu Gunsten unserer Umwelt vorstellt, ohne Rücksicht auf wirtschaftliche Interessen multinationaler Großkonzerne und Lobbyisten, Vetternwirtschaft und machtverliebte sogenannte Volksparteien, die alle ihre ursprünglichen Grundsätze nach einer Legislaturperiode über den Haufen geworfen haben.

Wem gehört die Stadt – UNS
Wem gehören die Netze – UNS
Und wem gehört der Strand …

Um Euch nicht ausschließlich mit drögen Redebeiträgen bei hochsommerlichen Temperaturen in der überfüllten Mönkebergstr. zu provozieren, haben wir die Gunst der Stunde genutzt und eine Kreuzung in unmittelbarer Nähe zu der öffentlichen Badestelle Finkenriek (Google) an der Süderelbe ausgesucht – Ecke Finkenrieker Hauptdeich mit König-Georg-Weg in 21109 Hamburg – sehr gut mit dem Fahrrad über S-Harburg oder S-Wilhelmsburg zu erreichen (beides ca 3km). Die Anfahrt mit dem Bus 152 bis H-Friedhof-Finkenriek funktioniert auch gut. Der letzte Bus zurück fährt allerdings schon um 19:58Uhr.

Damit die Diskussionen und der Informationsaustausch über die Rekomunalisierung der Energienetze – Energiepolitik in unserem Lande allgemein – nicht zu hitzig wird, lockern wir die Kundgebung mit ein paar beatorientierten Beiträgen der üblichen Verdächtigen auf.

Dies wird nicht die einzige Veranstaltung zu diesem Thema bleiben – wir sehen uns voraussichtlich nun jedes Wochenende bis zum Volksentscheid.

Politik kann auch Spass machen.
(oder war das umgekehrt … )

Ahoi Eure

Hedonistische Internationale

P.S.: Achtet auf Euch und Eure Umwelt und helft uns bei einem sauberen Ablauf der Veranstaltung.

P.S.S.: Bitte helft uns beim Einladen und Teilen.“

Mit Stimmen und Tönen für den Volksentscheid: Rocko Schamoni und viele Freunde im Knust Hamburg

logo_rgb_balkenEs kann auch manchmal einfach nur unterhaltsam sein, sich für eine bessere Welt zu engagieren. Das wird am 22. und 23. August mit der Unterstützung und im Hamburger Knust möglich sein, wenn Rocko Schamoni und einige Freunde für den Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ auf die Bühne gehen. Organisiert ist das pikanterweise von der Initiative „Hamburger Unternehmen gegen Atomkraft“, die auch bei „Lesen ohne Atomstrom“ ihre Finger im Spiel hatten. Diesmal heißt es „Vattenfall vom Netz trennen„. Dafür plädieren Rocko Schamoni, Wiglaf Droste, Sebastian Schlösser, Antje von Stemm, Joshka Pintschovius und das Falco Duo. Das alles aufgeteilt auf 2 Tage und 3 Veranstaltungen, inkl. Programm für Kinder! Wie, wo, was – gleich hier unten und ein Tipp: Ihr solltet schnell die Tickets besorgen, damit ihr nichts verpasst. Die Erlöse sind für die Volksentscheids-Kampagne!

VattenfallVomNetzTrennen1

 

VattenfallVomNetzTrennen3

×