Dokumentation: 1998 Leukämieursachenforschung Geesthacht – Unter Feuer – Streit um Plutoniumfunde am AKW Krümmel

DOKUMENTATION: Hier ein Artikel aus 1998, der sich kritisch mit der Ursachenforschung in Sachen Leukämie in der Elbmarsch rund um Geesthacht auseinander setzt. Der Text ist erschienen in: ak – analyse & kritik – zeitung für linke Debatte und Praxis / Nr. 421 / 17.12.1998

Unter Feuer – Streit um Plutoniumfunde am AKW Krümmel

Die Medien überschlugen sich: Plutoniumfunde in der Umgebung des AKW Krümmel. Bremer Professorin geht davon aus, daß nur das AKW Krümmel Verursacher der gehäuft auftretenden Leukämieerkrankungen in der Elbmarsch sein kann. Eindeutig seien die Plutoniumfunde auf den Reaktor zurückzuführen, so die zentrale und entscheidende Bewertung der Studie. Ein heftiger Streit wurde über die Medien ausgefochten und innerhalb weniger Tage wurde die Studie der Bremer Strahlenphysikerin Inge Schmitz-Feuerhake auseinander genommen. Die – nicht angezweifelten – Plutoniumfunde stammen nicht aus Krümmel, sondern sind Reste der Atombombenversuche der 50er Jahre, behauptet die rot-grüne Hamburger Umweltbehörde nur wenige Tage nach der Veröffentlichung der Studie. Und schließlich wurde auch die wissenschaftliche Integrität der Wissenschaftlerin heftig angezweifelt. Wenn sich Atomunternehmen wie die HEW daran beteiligen ist das nicht verwunderlich. Erstaunen muß jedoch, wenn der grüne Staatssekretär im schleswig-holsteinischen Energieministerium sich daran beteiligt. Was ist eigentlich los in Krümmel und Umgebung?

Von Ende 1989 bis 1996 erkrankten zehn Kinder in der Umgebung der Geesthachter Atomanlagen an Leukämie, einer sonst überaus seltenen Blutkrebskrankheit. Gleich zwei Atomanlagen stehen am Elbhang von Geesthacht. Neben dem AKW Krümmel, das eines der größten Siedewasserreaktoren der Welt ist und Ende 1984 in Betrieb ging, befindet sich die Atomforschungseinrichtung GKSS. Seit Ende der 50er Jahre wurden in der GKSS zwei Forschungsreaktoren betrieben, mit denen u.a. Experimente zur Materialforschung betrieben wurden. Einer dieser Reaktoren ist inzwischen stillgelegt.

Als eine Ursache für die Leukämieentstehung kommt radioaktive Strahlung in Frage, Hinweise auf andere Ursachen sind vor Ort derzeit nicht erkennbar. Und klar ist auch, das das sogenannte Leukämiecluster in der Elbmarsch ein überaus auffälliges Cluster ist und das ein Zufall auszuschließen ist. Kein Wunder, daß angesichts der Tatsache, daß alle erkrankten Kinder in einem Umkreis von nur fünf Kilometern Entfernung von den Geesthachter Atomanlagen leben, diese Anlagen in Verdacht gerieten. Seit 1990 werden nun – immer wieder durch die Forderungen der örtlichen Initiativen initiiert – umfangreiche gutachterliche Untersuchungen durchgeführt, um die Ursachen für die Leukämieerkrankungen aufzudecken. Einige Ergebnisse stehen noch aus.

Seit Jahren spielt Prof. Inge Schmitz-Feuerhake als quasi wissenschaftlicher Beistand der örtlichen BI eine entscheidende Rolle und ist Mitglied in den bestehenden Untersuchungskommissionen, die die Landesregierungen in Schleswig-Holstein und Niedersachsen eingerichtet haben. Immer wieder haben von ihr durchgeführte Untersuchungen den Verdacht erhärtet, daß radioaktive Emissionen aus dem Atommeiler für die Erkrankungen verantwortlich sind. Es würde hier den Rahmen sprengen, die einzelnen Untersuchungen, Ergebnisse und die folgenden erbitterten Auseinandersetzungen nachzuvollziehen. Als Fazit ließe sich jedoch festhalten, daß es eine Menge Hinweise auf radioaktive Spuren in der Umgebung des Atommeilers gibt. Ein direkter Beweis, also eine eindeutig auf den Reaktorbetrieb zurückführbare Emission jenseits üblicher Grenzwerte, konnte bislang nicht ermittelt werden.

Mit der jetzt von Schmitz-Feuerhake verfaßten und von der „BI gegen Leukämie“ veröffentlichten Studie zu den Plutoniumfunden schien zunächst der Nachweis erbracht, daß Krümmel die Ursache sei. Aber schnell wurden die Bewertungen der Studie massiv angezweifelt. Die Behauptung von Schmitz-Feuerhake, daß die gefundenen Isotopenverhältnisse eindeutig auf Reaktorplutonium zurückzuführen seien und die zweite Behauptung, daß in dem Fallout aus den Atombomben „praktisch“ kein Plutonium enthalten war, wurden massiv und teilweise glaubhaft widerlegt, mindestens aber stark in Zweifel gezogen. Zwar bedeutet das nicht, daß die ermittelten Plutoniumfunde nicht doch mit Krümmel in Zusammenhang stehen könnten, aber die Eindeutigkeit, mit der Schmitz-Feuerhake diesen Zusammenhang behauptete war widerlegt.

Allein dies hätte die Bewertung der Plutoniumfunde durch die Strahlenphysikerin in Zweifel ziehen müssen. Verschärft wurde die Kontroverse, die immer mehr das wissenschaftliche Vorgehen von Schmitz-Feuerhake ins Rampenlicht rückte, als der Leiter des Meßlabors, Gerald Kirchner, sich öffentlich von der Studie distanzierte (für die er gar nicht verantwortlich war) und darauf hinwies, daß ein Meßwert von Schmitz-Feuerhake unterschlagen wurde. Dabei störte ihn jedoch nicht, daß er selbst diesen Meßwert als nicht verwertbar bezeichnet haben soll, weil die Probe nicht den Anforderungen entsprach. Allerdings soll Kirchner von einer Veröffentlichung der Studie abgeraten haben, da er die Behauptung, daß es sich um Reaktorplutonium handele, als nicht belegt ansah. Er will Schmitz-Feuerhake darauf hingewiesen haben, daß auch der Atombombenfallout als Ursache in Frage komme.

Egal, wie die Auseinandersetzung weiter verläuft: Der politische Schaden, den die Studie angerichtet hat, ist enorm. Zwar ist es mehr als ekelhaft, wie nun auf die Person Schmitz-Feuerhake eingeschlagen wird. Aber sie hat – wie auch die „BI gegen Leukämie“ und andere Aktive im Umfeld – mit Festlegungen und Postulaten immer wieder (unnötigerweise) ausreichende Angriffsflächen geliefert. Wer eine Studie vorlegt, in dem ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Reaktorbetrieb und Plutoniumfunden als Erklärung der Leukämieerkrankungen behautet wird, der muß wissen, daß es um einen Angriff auf eine Kapitalanlage in Höhe von ca. 4 Mrd. DM geht. Da sollte man sich so weit irgend möglich absichern. So naiv kann eigentlich niemand sein, anzunehmen, daß die Gegenseite nicht die gesamte Zunft aufwenden wird, um derartige Ergebnisse aus der Welt zu schaffen. Wenn sich aber herausstellt, daß trotz Widersprüchen aus dem eigenen Umfeld eine solche Studie nicht einer eingehenden Diskussion unterzogen wird, dann ist dies grob fahrlässig. Und zwar auch aus politischen Gründen. Damit keine Mißverständnisse entstehen: Zweifel an Bewertungen von Schmitz-Feuerhake sind kein Beweis, daß es Krümmel nicht war oder das das Plutonium tatsächlich aus dem Fallout der Atombombenversuche stammt.

Wer mit vermeintlich schwerem Geschütz gegen die Atomwirtschaft zu Felde rückt und sich dann sogar aus den eigenen Reihen sagen lassen muß, daß der Vorwurf so nicht haltbar ist, der leistet der Anti-AKW-Bewegung einen Bärendienst. Denn immerhin stellt es nicht nur die Glaubwürdigkeit einer einzelnen Forscherin in Frage, sondern letztlich auch des Anti-AKW-Widerstandes. Doch auch die BI gegen Leukämie, keine ausgewiesene Anti-AKW-Initiative, muß sich fragen lassen, wie sie ein Gutachten veröffentlichen kann, daß bereits intern kritisiert worden ist und warum sie selbst nicht zunächst eine „interne“ Debatte gesucht hat. Immerhin sitzen in dieser BI durchaus Fachleute, denen einige Ungereimtheiten hätten auffallen können. Man mag angesichts der Medienbereitschaft, den Leukämieverdacht gegen Krümmel egal unter welchen Umständen zu publizieren und immer wieder betroffene Kinder und ihre Eltern vorzuführen zu der Auffassung kommen, daß man den Krümmel-Reaktor immer nur in negative Schlagzeilen verwickeln muß. Da wird schon genug hängenbleiben. Aber nicht Medien prüfen letztlich die Stichhaltigkeit der vorgetragenen Argumente. Dies nützt weder den an Leukämie erkrankten Kindern, noch dem Ziel eines Ausstiegs aus der Atomenergie.

Und die Anti-AKW-Bewegung, die bei jeder passenden Gelegenheit auf Krümmel verweist, wenn es um gesundheitliche Risiken durch den Reaktorbetrieb geht, sollte sich tunlichst eine eigene Position erarbeiten. Wer das Feld nicht länger nur einigen WissenschaftlerInnen überlassen und sich mit geradezu religiöser Gläubigkeit für die eine oder andere Sicht der Dinge entscheiden will, der kommt nicht daran vorbei.

Nur um einen letzten Hinweis auf die Komplexität der Lage in Sachen Ursachenforschung zu geben. Das Öko-Institut Darmstadt hat das AKW Krümmel begutachtet. Dabei haben die Gutachter keinerlei Anhaltspunkte gefunden, daß eine radioaktive Wolke Krümmel unbemerkt hätte verlassen können. Bei der benachbarten Atomforschungsanlage der GKSS, die nach Krümmel mit gleichen Methoden untersucht wurde, stellten die Darmstädter jedoch fest, daß erstens ausreichend radioaktive Stoffe vorhanden gewesen sind, um Leukämien in der vorhandenen Zahl zu erzeugen und daß es für die GKSS keine ausreichende Überwachung gegeben hat (allerdings haben sie keine Beweise gefunden, daß es die Emission wirklich gegeben hat). Mit anderen Worten: aus der GKSS hätte die radioaktive Wolke kommen können. Doch dieses Ergebnis hat bis heute keineswegs dazu geführt, daß die BI und die umstehenden Experten mit aller Macht die Stilllegung der GKSS gefordert hat (außer natürlich in Presseerklärungen). Wieso?

Das alles soll nun keineswegs bedeuten, daß Krümmel nicht für die Leukämieerkrankungen verantwortlich sein kann. In vielen Einzelfragen steht derzeit lediglich Aussage gegen Aussage und auszuschließen ist nicht, daß das bis heute fehlende Bindeglied zu Krümmel noch aufgespürt werden kann – wenn es eins gibt.

Und verschiedene Untersuchungen legen den Verdacht, daß Krümmel tatsächlich ein Leukämiereaktor ist, nahe. Beispielsweise hat eine epidemiologische Untersuchung einen deutlichen Anstieg der Leukämierate innerhalb der fünf Kilometerzone von Krümmel nachgewiesen. Das ist sicher kein Zufall, zumal auch in der direkten Umgebung anderer AKW-Standorte erhöhte Leukämieraten bei Kleinkindern nachgewiesen werden konnten.

Aber wer Fehler und Irrtümer in Einzelpunkten (oder Studien) nicht eingesteht, wenn sie denn begangen worden sind, der/die wird es schwer haben, seine/ihre Interessen durchzusetzen. Das gilt auch für die Anti-AKW-Bewegung, und es hilft absolut gar nichts, abzutauchen, die auch öffentliche Kontroverse um das eigene Vorgehen zu tabuisieren (weil es angeblich nur der Gegenseite nützt) und sich als Opfer des Kapitals und der Regierenden selbst zu bemitleiden.

DSe

Zum weiterlesen: AKTE X – die unheimlichen Risiken des AKW Krümmel, Dirk Seifert, September 1998, Preis: 5 DM, Herausgeber: GAL Bergedorf

Uranfabriken der URENCO – Initiativen warnen vor einem Verkauf

robinwood_uranfabrig_gronauHeute haben mehrere Anti-Atom-Initiativen zum geplanten Verkauf der Uranfabriken der URENCO per Pressemitteilung gewarnt. Am 5. Dezember gibt es zu diesem Verkauf, an dem neben Deutschland und England auch die Niederlande beteiligt sind, eine öffentliche Anhörung im holländischen Parlament. Die PM folgt hier gleich in vollem Wortlaut. Zum Hintergrund hier weitere Informationen:

Hier die PM im vollen Wortlaut:
Verkauf des internationalen Urananreicherers URENCO, Betreiber der Gronauer Urananreicherungsanlage: NL-Parlament veranstaltet am 5. Dez. Runden Tisch

AtomkraftgegnerInnen fahren nach Den Haag – und fragen sich ob auch Bundes- und NRW-Landesregierung teilnehmen            

Am Donnerstag, den 5. Dezember, findet um 10:00 Uhr in Den Haag ein Runder Tisch des niederländischen Parlamentes zum Verkauf des Urenco-Konzerns statt. Dort will man über juristische, wirtschaftliche und sicherheitsrelevante Aspekte diskutieren. Dass gerade das niederländische Parlament zum Verkauf des Urenco-Konzerns Diskussionsbedarf hat verwundert nicht: So war doch die niederländische Urenco-Urananreicherungsanlage in Almelo in den 70er Jahren Ort des Geschehens, an dem der pakistanische Dr. Qadir Khan Baupläne für die Zentrifugentechnologie entwendete und somit Pakistan zur Atommacht machte.

Deutsche und niederländische AtomkraftgegnerInnen und FriedensaktivistInnen werden an der öffentlichen Sitzung teilnehmen. Ob die NRW-Landesregierung und die Bundesregierung an dem runden Tisch teilnehmen werden ist derzeit ungewiss. AtomkraftgegnerInnen fordern von der Bundes- und Landesregierung das Schweigen um die Gronauer Urananreicherungsanlage zu brechen.

Es geht bei dem Verkauf von Urenco um viel Geld für die angeschlagenen deutschen Anteilseigner RWE und Eon, aber das darf nach Ansicht der AtomkraftgegnerInnen kein Grund für ein Nichteinmischen bei der einzigen Deutschen Urananreicherungsanlage sein.

„Die Urananreicherung ist der einfachste Weg zur Atombombe.“

Die Urananreicherungsanlagen der Urenco in Gronau, Almelo und Capenhurst arbeiten mit der Zentrifugentechnologie, wie sie auch im Iran eingesetzt wird. Dass diese Technologie die Grundlage zum Atombombenbau darstellt, machte Michael Sailer als Chef der deutschen Entsorgungskommission in der TAZ vom 02.04.2013 deutlich: „Die Urananreicherung ist der einfachste Weg zur Atombombe.“

Auch der trilaterale Vertrag der Anteilseignerländer Niederlande, Großbritannien und Deutschland konnte nicht verhindern, dass Dr. Qadir Khan brisante Unterlagen aus Almelo nach Pakistan schaffte. „Wie soll denn dann erst Sicherheit gewährleistet werden, wenn der Urenco-Konzern von einem Fond oder einem (außereuropäischen) Privatinvestor gekauft wird?“ fragt sich Udo Buchholz vom Vorstand des Bundesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU).

Während es in den Niederlanden eine öffentliche Diskussion gibt, hüllt sich die NRW-Landesregierung in Schweigen: „Die rot-grüne Landesregierung scheint auf beiden Augen blind zu sein, wenn es um die Urananreicherung geht. Es  wird ständig auf die Willenserklärung  im NRW-Koalitionsvertrag zur rechtssicheren Beendigung der Urananreicherungsanlage verwiesen. Doch auch 1,5 Jahre nach dem Abschluss des Koalitionsvertrages wurde faktisch nichts unternommen und die Landesregierung schweigt zu dem Urenco Verkauf“ so Kerstin Ciesla, stellvertretende Landesvorsitzende des BUND NRW

Die Bundesregierung hält eine Beteiligung des Bundestages und der Öffentlichkeit für nicht notwendig. Dies teilte das zuständige Bundeswirtschaftsministerium auf kleine Anfragen im Bundestag mit. Weiterhin heißt es beim Wirtschaftsministerium, dass die Sicherung der Technologie genauso wichtig sei, wie die Nichtweiterverbreitung der Atomwaffen und die wirtschaftliche Solidität der Urenco. „Mit anderen Worten: Die Bundesregierung will weiterhin Zugang zu atomwaffenfähiger Technologie haben und stellt wirtschaftliche Aspekte gleichrangig neben Friedensaspekte“ erklärt Peter Bastian vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen.

Für die AtomkraftgegnerInnen ist die Sachlage klar: Urananreicherungsanlagen dürfen nicht verkauft, sondern müssen stillgelegt werden. Dies trifft im Besonderen auf die deutsche Urananreicherungsanlage in Gronau zu, wenn man den Atomausstieg ernst nehmen wolle.

Die Sitzung wird per Live-Stream im Internet übertragen: http://www.tweedekamer.nl/vergaderingen/livedebat/index.jsp

Quellen:

Bundestag Drucksache 17/12364

Bundestag Drucksache 17/12142

TAZ, 02.04.2013

Dem Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen gehören folgende Gruppen und Initiativen an:

Weitere Informationen:

www.sofa-ms.de

www.urantransport.de

www.kein-castor-nach-ahaus.de

www.bund-nrw.de

http://nrw.dfg-vk.de/

http://www.bbu-online.de 

Urenco: Geheimpolitik der Bundesregierung – Niederlande macht Runden Tisch

robinwood_uranfabrig_gronauHier zur Dokumentation eine Pressemeldung des Linken-Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdebel zur geplanten Anhörung im Niederländischen Parlament und dem Schweigen der deutschen Bundesregierung zum Verkauf der Uranfabriken der URENCO. Bei URENCO wird Uran angereichert. Die Technik ist grundsätzlich auch in der Lage, waffenfähiges Uran anzureichern und unterliegt daher strengen Sicherheitskontrollen, damit das nicht passiert. Aber: Die URENCO mit ihren vier Uranfabriken, eine davon in Deutschland (Gronau), soll verkauft und privatisiert werden.

Der Linken-Abgeordnete hatte der Bundesregierung schriftlich Fragen gestellt, wie es aktuell mit dem Verkauf der URENCO und damit zusammenhängenden Sicherheitsfragen steht. Die – wenig aussagekräftigen – Antworten gibt es hier in dieser PDF. Dort ist auch zu lesen, dass die Bundesregierung bislang keine Information oder Beteiligung des Bundestages plant.

Hier die PM: „Die Bundesregierung möchte die Privatisierung der URENCO offenbar still und heimlich, ohne öffentliche Debatte, über die Bühne bringen. Deswegen will sie auch den Deutschen Bundestag und die NRW-Landesregierung nicht einbeziehen. Weil die deutsche Bundesregierung nichts mitteilt, werde ich mich am kommenden Donnerstag im niederländischen Parlament über den geplanten URENCO-Verkauf schlau machen“, so der aus Münster stammende Bundestagsabgeordnete der LINKEN, Hubertus Zdebel.

Zdebel weiter: „Bereits im September ist bekannt geworden, dass die Eigentümer von URENCO, namentlich Großbritannien, die Niederlande und die deutschen Konzerne E.on und RWE, einen Verkauf planen.  ‚Die Bundesregierung sieht derzeit keinen Anlass für eine weitergehende Beteiligung des Deutschen Bundestages‘, war diese Woche die Reaktion der Bundesregierung auf meine Frage. Politisch ist diese Geheimpolitik in Sachen URENCO eine Kapitulationserklärung der Bundesregierung. Gerade gegenüber den Menschen im Münsterland, die zu Recht befürchten, dass ihre Region zum Atomklo Deutschlands gemacht werden soll, ist das eine Unverschämtheit. Das niederländische Parlament reagierte auf die Verkaufspläne mit der Einrichtung eines Runden Tisches. Ich werde deshalb am 5. Dezember an der Anhörung des niederländischen Parlaments in Den Haag teilnehmen, um mich dort über die Vorgänge zu informieren.

In den Uranfabriken der URENCO, zum Konzern gehört unter anderem die Anreicherungsanlage im westfälischen Gronau, wird Uranbrennstoff für Atomkraftwerke hergestellt. Die dort eingesetzte Technologie ist aber auch zur Herstellung von atomwaffenfähigem Uran nutzbar. Die Tatsache, dass die Bundesregierung weder einen Börsengang  der URENCO ausschließt, noch den Verkauf an einen Pensions-, Investment- oder Hedgefonds ist zutiefst Besorgnis erregend. Es ist nämlich völlig unklar, wie unter solchen Besitzverhältnissen die Weiterverbreitung dieser Technologie an Dritte sicher ausgeschlossen werden kann. Die Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen muss allerhöchste Priorität für die Politik haben.“

ATOMMÜLL: Wir müssen uns Sorgen machen – Eine Bestandsaufnahme für die Bundesrepublik Deutschland

cover_sorgenberichtZu Beginn der Reaktorkatastrophe von Fukushima rief die Bundesregierung zwar den Atomausstieg aus, doch verändert hat das nichts. Der Atommüll strahlt weiter. Der aktuelle „Sorgenbericht der Atommüllkonferenz“ 2013 zeigt das deutlich.

Wir müssen uns Sorgen machen

Daten zu über 90 Atommüllstandorten in Deutschland hat die Politologin Ursula Schönberger für diese Bestandsaufnahme zusammengetragen, dabei sind „Spezialitäten“ wie 1.900 Altlastanlagen der Wismut, für die keine Sanierungspflicht besteht, nicht einmal mit gerechnet. Gemeinsam mit einem Redaktionsteam auf Initiative der Atommüllkonferenz (*) ist ein 272 Seiten starkes Buch entstanden, das die Atommüllmisere der Bundesrepublik Deutschland abbildet.

Karte_zum_SorgenberichtZu lesen sind diese Datenblätter der gesamtdeutschen Atommüllära wie Szenen aus einem Kriminalroman. Im Anhang wird in kurzen Essays auf standortübergreifende Probleme eingegangen: Das „Freimessen“ von Atommüll, Transparenz oder der ungelösten Frage nach dem Lagerkonzept für das gesamte Atommüllaufkommen.

Wohlgemerkt, diese Bestandsaufnahme zeichnet nicht nur die ca. fünf Prozent hochradioaktiver Abfälle auf, die das Standortauswahlgesetz umfasst, sondern auch die restlichen 95 Prozent des bundesrepublikanischen Atommülls, den die Politik gerne verschweigt. Dem Sorgenbericht ist eine gefaltete, DIN A 1 große, Karte beigelegt, die alle Atommüllstandorte noch einmal visuell sichtbar macht und die für 3 Eur auch gesondert bezogen werden kann. Von einer weißen Landkarte kann heute niemand mehr sprechen.

ReferentInnen-Service

ursulaschoenberger-sorgenberichtFür alle Arten von Veranstaltungen und Aktionen zur Vorstellung der Bestandsaufnahme vermitteln wir gerne ReferentInnen, die an der Ausarbeitung mitgearbeitet haben, inbesondere Ursula Schönberger, die die Arbeit geleitet hat und als Autorin firmiert oder Peter Dickel. Kosten: Fahrtkosten, falls erforderlich Übernachtung. Über ein Honorar freuen wir uns, es ist aber keine Bedingung.

Veranstaltungen könnten z.B. im Buchhandel, Volkshochschulen oder als eigene Abendveranstaltung stattfinden; können aber auch Pressegespräche oder Gespräche mit KommunalpolitikerInnen sein.

Zur weiteren Absprache bitte eine Mail an bestandsaufnahme@atommuellkonferenz.de, wenn schon möglich mit Termin-Wunsch und kurzer Info zur Art der geplanten Veranstaltung.

web-banner-sorgenberichtBericht bestellen

Das 272-seitige Buch incl. einer beigefügten farbigen A1-Übersicht kann im Webshop der Arbeitsgemeinschaft Schacht KONRAD (shop.ag-schacht-konrad.de), per eMail an bestandsaufnahme@atommuellkonferenz.de oder im Buchhandel (ISBN 978-3-00-043228-6) bestellt werden und kostet 15 Eur (zzgl. 2,50 Eur Versandkostenpauschale).

Bestellen bei ROBIN WOOD: Hier im Shop von ROBIN WOOD kann der Sorgenbericht online bestellt werden.

Bestandsaufnahme Atommüll weiter bekannt machen

Die weitere Verbreitung der Bestandsaufnahme kann unterstützt werden durch z.B.:

  • Buchhandlungen im Wohnort ansprechen, ob sie Exemplare (auch in Kommission und mit dem üblichen Buchhandelsrabatt) ins Programm aufnehmen
  • eine Veranstaltung organisieren, ReferentIn einladen (s.o.)
  • ein Pressegespräch/eine Pressekonferenz organisieren
  • den Flyer an geeigneten Orten auslegen
  • das A1-Plakat bestellen und gut sichtbar aufhängen
  • den Sorgenbericht bestellen, lesen und mit den Informationen weiterarbeiten
  • diese Info in eigene Verteiler weiterleiten

Thomas Erbe, Arbeitsgemeinschaft Schacht KONRAD e. V.

(*) Die ATOMMÜLL-Konferenz ist ein fachpolitisches Forum von Standorten, Verbänden und unabhängigen WissenschaftlerInnen; mehr: www.atommuellkonferenz.de

„Konsensorientierte Stilllegung“ der Atomanlagen in Geesthacht: Gemeinsamer Newsletter von Betreiber und Begleitgruppe

Jüngst zu Besuch im Schacht Konrad: Begleitgruppe und Betreiber HZG, die im "konsensorientierten Dialog" die Stilllegung der Atomforschungsanlagen in Geesthacht diskutieren. Foto: Dirk Seifert
Jüngst zu Besuch im Schacht Konrad: Begleitgruppe und Betreiber HZG, die im „konsensorientierten Dialog“ die Stilllegung der Atomforschungsanlagen in Geesthacht diskutieren. Foto: Dirk Seifert

Vor etwas über einem Jahr haben die Betreiber der Atomforschungsanlage in Geesthacht, das heutige Helmholtz-Zentrum (HZG) ein überraschendes Angebot gemacht. Den geplanten Rückbau der 2010 stillgelegten Forschungsreaktoren sowie der “Heißen Zelle” wollte der Betreiber in einem “konsensorientierten Dialog” mit der Bevölkerung und Initiativen durchführen. Um zu unterstreichen, dass dies Angebot ernst gemeint war, hatte der Betreiber mit Silke Freitag eine Anti-Atom-Aktivistin gewonnen, die die Moderation für diesen Prozeß übernehmen sollte. Ausdrücklich wird auch in ihrem Auftrag ein “konsensorientierter Dialog” festgeschrieben.

Seitdem hat sich eine Begleitgruppe gebildet, die viele Diskussionen zur Stilllegung, aber auch viele Debatten über die Rahmenbedingungen für den konsensorientierten Dialog-Prozess geführt hat.  Heute haben die Begleitgruppe und der Betreiber HZG einen “gemeinsamen Newsletter” verschickt, in dem der bisherige Verlauf “konsensorientiert” dargestellt wird. Dieser Text ist hier nun im Blog von ROBIN WOOD nachzulesen.

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