Ölkaverne in Gronau erneut Thema im Bundestag: Zdebel fragt Bundesregierung nach Gründen für Verzögerung der Sanierung

Der Münsteraner Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel (DIE LINKE), der zugleich Obmann seiner Fraktion im Umweltausschuss ist, hat der Bundesregierung erneut Fragen über die aktuelle Verzögerung der Sanierung der Ölkaverne in Gronau-Epe gestellt. „Es lässt aufhorchen, wenn die zuständige Bezirksregierung Arnsberg die Verantwortung für die Verzögerung zurückweist und unter Hinweis auf die hohen Sanierungskosten mit dem Finger Richtung Erdölbevorratungsverband (EBV) und Wirtschaftsministerium zeigt.“

Zdebel weiter: „Mich beunruhigt zutiefst, dass die Sanierung der Ölkaverne weiter auf sich warten lässt. Eine solche tickende Zeitbombe kann man den Bewohnerinnen und Bewohner von Gronau-Epe und den angrenzenden Gemeinden nicht zumuten.

Deswegen habe ich die Bundesregierung jetzt gefragt, welche Erkenntnisse ihr vorliegen zur Verzögerung der Inbetriebnahme der zu sanierenden Erdölkaverne in Gronau und der sehr kostenintensiven Nachrüstung aller Erdölkavernen mit einer doppelten Verrohrung.

Ferner möchte ich von der Bundesregierung wissen, welche Rolle dabei Diskussionen beim Erdölbevorratungsverband (EBV), der für die Sicherung der ‚Erdölreserve‘ zuständig ist, und beim Bundeswirtschaftsministerium bzw. zwischen beiden spielen.“

Statt Menschenrechte: Uran-Bank in Kasachstan

Ausgerechnet in Kasachstan geht jetzt mit Unterstützung der Bundesregierung die Einrichtung einer ersten „Uran-Bank“ durch die Internationale Atomenergie-Agentur (IAEA) über die Bühne. Etwa 150 Millionen US-Dollar, davon 115 Mio Dollar für die Beschaffung von 90 Tonnen Uran mit einem Anreicherungsgrad von bis zu 4,95 Uran235, kostet dieses Projekt. Die EU ist mit insgesamt 25 Mio. Euro beteiligt. Aus der Uran-Bank sollen sich künftig Staaten mit dem Brennstoff für Atomkraftwerke bedienen. Das teilt die Bundesregierung jetzt auf eine Kleine Anfrage des Abgeordneten Hubertus Zdebel (PDF) mit. Angeblich würde eine solche internationale Uran-Bank dazu beitragen, dass der nationale Bau von Urananreicherungsanlagen – wie im Iran – minimiert werde. In derartigen Anlagen könnte nicht nur Uran für den Einsatz in Atommeilern, sondern auch für atomwaffenfähiges Uran erfolgen.

„Menschenrechte und Demokratie spielen offenbar für die IAEA als auch für die Bundesregierung bei der jetzt vor der Gründung stehenden Uran-Bank in Kasachstan keine besondere Rolle. Der Sinn einer solchen Uran-Bank ist ebenso zweifelhaft, wie der Standort in Kasachstan. Es wird endlich Zeit, dass die Bundesregierung sich weltweit für das Ende von Atomwaffen und das Ende der Atomenergienutzung einsetzt“, so Hubertus Zdebel, Sprecher für Atomausstieg der Fraktion DIE LINKE.

Die Bundesregierung erklärt in ihrer Antwort, dass mit der Uran-Bank der Bau weiterer Urananreicherungsanlagen – wie im Iran – verhindert werden könnte. In derartigen Anlagen kann nämlich auch atomwaffenfähiges Uran hergestellt werden. Wenn Staaten über die Uran-Bank an den Brennstoff für ihre Reaktoren kommen, würden sie keine solche Anlagen benötigen: „Das Proliferationsrisiko wird dadurch begrenzt, dass die Kenntnis über Technologien zur Urananreicherung auf möglichst wenige Staaten beschränkt bleibt und gleichzeitig der Zugang zu nuklearem Brennstoff für alle IAEO-Mitgliedstaaten gewährleistet ist“, meint die Regierung.

Uranfabriken der URENCO nicht verkaufen!

„Es ist mehr als fraglich, ob Staaten, die unter dem Vorwand der atomaren Stromerzeugung militärische Ambitionen verfolgen, von dem Bau solcher Urananreicherungsanlagen durch diese Uran-Bank abgehalten werden könnten“, stellt Zdebel dazu fest. „Allerdings: Wer die weitere Verbreitung von Kenntnissen über die Urananreicherungstechnik verhindern will, der sollte nicht wie geplant derartige Anlagen wie z.B. der URENCO in Gronau auf dem Weltmarkt verkaufen. E.on und RWE wollen wie auch die weiteren Eigentümer England und die Niederlande die URENCO und ihre Urananlagen in Gronau, Almelo (NL) und Capenhurst (GB) auf dem Weltmarkt verkaufen. Damit werden die Risiken einer Weiterverbreitung dieser Technik begünstigt.“

Statt Menschenrechte – Uranbank in Kasachstan

„Die Bundesregierung befürwortet die Wahl Kasachstans als Standort für die internationale IAEO LEU- Bank“, heißt es Lapidar in der Antwort auf die Kleine Anfrage von Zdebel. (LEU, low enrichde Uranium, niedrig angereichertes Uran.) Dabei räumt selbst die Bundesregierung durchaus an anderer Stelle ein, dass es mit Pressefreiheit, Versammlungsrecht und anderen demokratischen Grundrechten in Kasachstan nicht sonderlich gut bestellt ist. Auch der „Umwelt- und Energie-Report“ problematisiert die Ansiedlung ausgerechnet in Kasachstan: „Aber auch die Mitgliedsländer der IEAO, die wie Deutschland dafür gestimmt haben, dass die Atom-„Bank“ in Kasachstan angesiedelt wird, müssen sich zentrale Fragen gefallen lassen. Staatspräsident Nursultan Nasarbajew werden schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen.“ Human Rights Watch kritisiert immer wieder die Lage der Menschenrechte in Kasachstan.

Kasachstan wäre das einzige Bewerberland für diese Uran-Bank gewesen, teilt die Bundesregierung weiter mit. Offiziell habe der IAEA-Gouverneursrat im Dezember 2010 eine solche LEU-Bank beschlossen und bis Ende Mai 2011 hätten Bewerbungsangebote abgegeben werden können.

Uran-Bank soll Weiterverbreitung von Atomwaffen-Technik begrenzen

Die Einrichtung einer solchen Uran-Bank soll angeblich dabei helfen, die millitärischen Risiken bei der Atomenergienutzung zu reduzieren. Für den Betrieb von Atommeilern muss bei nahezu allen Reaktoren das spaltbare Uran 235 im Brennstoff auf bis zu knapp fünf Prozent angereichert werden. Dies erfolgt in Urananreicherungsanlagen, wie sie z.B. die URENCO im westfälischen Gronau betreibt. Natürliches Uran wird solange in Zentrifungen bearbeitet, bis es den gewünschten Anreicherungsgrad erreicht hat. Technisch ist es daher möglich, eine Anreicherung auf über 80 Prozent Uran 235 zu erreichen und damit atomwaffenfähiges Uran zu erzeugen. Daher unterliegen diese Urananreicherungsanlagen besonders strengen Auflagen und gelten als „Dual-Use“-Techniken, die also sowohl für die zivile Stromerzeugung als auch für Atomwaffen genutzt werden können.

Das Auswärtige Amt schreibt auf seiner Homepage unter der Überschrift „Gesicherte Brennstoffversorgung und Multilateralisierung des nuklearen Brennstoffkreislaufs“ zum Thema LEU-Bank: „Die Anreicherung von Uran und die Wiederaufbereitung abgebrannter Brennstäbe sind „dual use“-Technologien: Sie sind wichtig für die Produktion von Brennstäben für zivile Kernkraftwerke, aber auch von großer Bedeutung für den Bau von Kernwaffen. Betreiber von Kernkraftwerken benötigen eine verlässliche Versorgung mit Brennstäben. Die internationale Staatengemeinschaft hat andererseits ein großes Interesse daran, dass dieser zivile Zweck keinen Deckmantel für militärische Absichten bietet. Eine Multilateralisierung des Brennstoffkreislaufes könnte zu einer noch sichereren Brennstoffversorgung beitragen und gleichzeitig Proliferationsrisiken vermindern, da eine gemeinsame Verantwortung mehrerer Staaten Missbräuchen vorbeugen dürfte.

Die IAEO arbeitet daher derzeit am Aufbau einer „internationalen Brennstoffbank“ („IAEA-LEU-Bank“). Die „LEU-Bank“ soll künftig über eigene Bestände an leicht angereichertem Uran (LEU) verfügen und dieses dann an interessierte IAEO-Mitgliedsstaaten verkaufen können, falls die Brennstoffversorgung nicht in anderer Form gewährleistet kann. Sitz dieser Einrichtung wird Kasachstan. Nach Abschluss der notwendigen Verträge zwischen der IAEO und Kasachstan beginnen nun die konkreten Planungen für die Errichtung dieser „LEU-Bank“.“

Im Mai 2015 hat Kasachstan nun ein „Host State Agreement“ mit der IAEA gebilligt. Am 27. August sollen die Verträge unterzeichnet werden.

In der Antwort auf die Anfrage von Zdebel teilt die Bundesregierung mit: „Die LEU-Reserve der IAEO LEU-Bank steht Mitgliedstaaten der IAEO nur dann zur Verfügung, wenn die Brennstoffversorgung für Kernkraftwerke durch außerordentliche Umstände unterbrochen ist und diese nicht unter Nutzung des kommerziellen Marktes (z. B. Kauf bei URENCO, AREVA o. a.) wieder aufgenommen werden kann. Mit dieser garantierten Zugriffsmöglichkeit auf nuklearen Brennstoff soll Mitgliedstaaten der IAEO Versorgungssicherheit gewährleistet und der Anreiz genommen werden, eigene nationale Anreicherungsfähigkeiten zu entwickeln und aufzubauen.“

Weiter erklärt die Bundesregierung: „Die LEU-Bank steht unter den vereinbarten Voraussetzungen (Unterbrechung der Brennstoffversorgung, Abschluss eines Safeguards-Abkommens mit der IAEO und Erfüllung der diesbezüglichen Verpflichtungen) allen IAEO-Mitgliedstaaten zur Verfügung. Von tatsächlicher Relevanz ist das Angebot der garantierten Versorgungssicherheit für nuklearen Brennstoff für die zivile Nutzung vorwiegend für Länder ohne eigene Anreicherungskapazitäten – das ist die Mehrzahl der IAEO-Mitgliedstaaten. Das Proliferationsrisiko wird dadurch begrenzt, dass die Kenntnis über Technologien zur Urananreicherung auf möglichst wenige Staaten beschränkt bleibt und gleichzeitig der Zugang zu nuklearem Brennstoff für alle IAEO-Mitgliedstaaten gewährleistet ist.“

Auch EU ist an Finanzierung der Uran-Bank beteiligt

Zu den Kosten der Uran-Bank erklärt die Bundesregierung: „Die Errichtung und der Betrieb der IAEO LEU-Bank wird mit freiwilligen finanziellen Beiträgen der IAEO- Mitgliedstaaten realisiert. Für den Aufbau der IAEO LEU- Bank in Kasachstan werden ca. 150 Mio. USD veranschlagt. Die Verwendung ist wie folgt geplant: 15 Mio. USD für Vorbereitungsarbeiten und die Errichtung des Lagerkomplexes, 115 Mio. USD für den Ankauf des LEU auf dem internationalen Markt und ca. 20 Mio. USD für den laufenden Betrieb der LEU-Bank. Am 1. April 20 15 berichtete die IAEO über einen bisherigen Zahlungseingang von 124,9 Mio. USD und 20,1 Mio. Euro. Über weitere 5 Mio. Euro liegt eine Zahlungszusage vor.“

Zum Anteil der EU heißt es in der Antwort: „Die EU hat der IAEO insgesamt 25 Mio. Euro für die IAEO LEU-Bank zugesagt. Davon wurden bisher 20 Mio. Euro aus dem lcSP (Instrument contributing to Stability and Peace; Instrument, das zu Stabilität und Frieden beiträgt) für den Ankauf von LEU an die IAEO überwiesen. Weiterhin wurde eine Zahlungszusage über 5 Mio. Euro für Maßnahmen zur Sicherung der LEU- Bank gegeben. Diese Finanzierung wird aus dem Haushalt für die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) erfolgen.“

 

 

 

 

Keine miesen Tricks: Atom-Haftung der Konzerne sicherstellen

„Nur die Profite zählen. Die Drohungen der Atomkonzerne machen deutlich, dass es höchste Zeit wird, ihnen den Stecker zu ziehen“, kommentiert Hubertus Zdebel die Ankündigungen von E.on-Managern, gegen die von Wirtschaftsminister Gabriel geplanten Maßnahmen vorzugehen, mit denen sichergestellt werden soll, dass die Atomunternehmen auch in Zukunft ihrer gesetzlichen Pflicht nachkommen, die Kosten für die Atommülllagerung zu bezahlen. Darüber berichtet „Der Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe. Der Sprecher der Fraktion DIE LINKE für den Atomausstieg weiter:

„Mit miesen Tricks versuchen die Atomkonzerne, sich aus der Verantwortung für den von ihnen erzeugten Atommüll zu stehlen. E.on gründet zum 1. Januar 2016 eine Art Bad Bank, in die die risikobehafteten und zunehmend unprofitablen Wirtschaftsbereiche Atom und Kohle ausgelagert werden. Fünf Jahre nach einer Konzernspaltung endet die gesamtschuldnerische Haftung. Damit steigt das Risiko, dass diese Gesellschaften Pleite gehen und am Ende die SteuerzahlerInnen die Zeche zahlen müssen. Auch RWE überlegt, eine solche Abspaltung vorzunehmen. Vattenfall hatte bereits vor einiger Zeit die Haftung für die Atomrisiken allein auf seine deutsche Gesellschaft begrenzt. Der schwedische Mutterkonzern hält sich raus.

Es ist nur recht und billig, wenn der Wirtschaftsminister nun die Haftungsbegrenzungen und -fristen für die Muttergesellschaften neu regelt. Allerdings reagiert die Bundesregierung viel zu spät auf die seit Jahren wachsenden Risiken bei der Kostenverantwortung der Atomkonzerne für die Atommülllagerung. Seit Mitte der 2000er Jahre haben die Atomkonzerne Milliarden-Summen verbrannt. Auch aus den steuerfreien Rückstellungen für die Entsorgung des Atommülls finanzierten sie Investitionen in Kraftwerke und Unternehmen quer durch Europa. Mit den Milliarden aus den Entsorgungs-Rückstellungen haben die Konzerne Monopoly gespielt – und schon vor Fukushima und der Energiewende enorme Schuldenberge aufgebaut. Immer wieder hatten Umweltverbände, Anti-Atom-Gruppen und auch die DIE LINKE von den Bundesregierungen gefordert, die Entsorgungs-Rückstellungen in einen öffentlich-rechtlichen Fonds einzubringen. Dadurch wäre längst sichergestellt, dass die bis heute aufsummierten 38 Mrd. Euro an Rückstellungen auch tatsächlich gesichert wären.

Jahrzehntelang haben die Atomkonzerne hohe Gewinne eingefahren. Sie haben nicht nur die rechtliche, sondern auch die gesellschaftliche Verantwortung, jetzt und für die Zukunft für die Kosten der Atommülllagerung gerade zustehen. Hier darf es zwischen Bundesregierung und Konzernen zu keinen Hinterzimmer-Deals kommen, die am Ende die SteuerzahlerInnen auszubaden hätten.“

Diese PM ist auf hier auf der Homepage der Fraktion DIE LINKE

Zdebel antwortet Oberbürgermeister der Stadt Münster, Markus Lewe: Dezentrale Flüchtlingsunterbringung muss ausgebaut werden!

Der Münsteraner Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel (DIE LINKE) unterstützt den Vorschlag von Oberbürgermeister Lewe, die Kasernenstandorte an der Manfred-von-Richthofen-Straße sowie in Münster-Handorf als Notlösung für die rasche Unterbringung von Flüchtlingen zu öffnen. „Das habe ich Herrn Lewe und auch der zuständigen Bundesministerin von der Leyen geschrieben“, so Zdebel zur Unterbringungssituation von Flüchtlingen in Münster.

Gleichzeitig übte Zdebel in seinen Briefen massive Kritik an der Politik der CDU-geführten Bundesregierung, die aufgrund der aggressiven Außen- und Wirtschaftspolitik für die Fluchtgründe vieler Menschen und für die Hetze gegen Geflüchtete mitverantwortlich sei: „So viel Wahrheit muss sein.“ Gewalt und Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte hätten rasant zugenommen; auch in Münster habe es nach Auskunft des Bundesinnenministeriums auf eine Kleine Anfrage der LINKEN in den ersten sechs Monaten dieses Jahres drei Straftaten gegen Flüchtlingsunterkünfte gegeben.

Darüber hinaus verweist Zdebel auf bundespolitische Versäumnisse: „DIE LINKE fordert seit langem, dass der Bund endlich handelt und die Länder und Kommunen bei der sicheren und menschenwürdigen Unterbringung der Geflüchteten unterstützt, und zwar weit über die bisher zugesagten Mittel hinaus.“ Denn schließlich sei seit Jahren absehbar, dass die Flüchtlingszahlen angesichts der weltweiten Krisenherde auch künftig zunehmen.

Doch sei die Stadt Münster auch selbst gefordert und müsse ihre festen Unterbringungskapazitäten mit dem dezentralen Flüchtlingsunterbringungskonzept erheblich ausbauen: „Ich warne daher davor, angesichts der aktuellen Zunahme von Asylanträgen nur auf die mangelnde Finanzierung durch den Bund und die Länder zu verweisen und dies künftig gar zur Ausrede für eigene Untätigkeit zu machen.“

AKW Grohnde: Zu heiß, zu wenig Gewinn und wohl zu wenig sicher

Noch mehr Plutonium für das AKW Grohnde. Proteste sind angekündigt
AKW Grohnde: Zu heiß, zu wenig Gewinn und wohl zu wenig sicher

Das AKW Grohnde an der Weser kommt mächtig ins Schwitzen. Das liegt nicht nur an den hohen Wassertemperaturen, die dazu führen könnten, dass die Kühlung des Atomreaktors nicht mehr zulässig wäre und der Reaktor deshalb abgeschaltet werden müsste. Darüber berichten Medien wie Heise oder NTV. Die Stadt Bielefeld beklagt außerdem, dass dem AKW die Gewinne wegbrechen. Und: Als Reaktion auf eine Aufforderung zur Stilllegung des AKW Grohnde teilt der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel nun mit, er brauche mit seiner Antwort noch bis Ende August Zeit, weil dann in Sachen Terrorschutz und Flugzeugabsturz eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe wichtige Dinge berät. Danach werde er dann über den Stilllegungsantrag entscheiden. Eine Klägergemeinschaft hat angekündigt, gegen den Betrieb des AKW Grohnde vor Gericht zu ziehen, wenn der Umweltminister nicht selbst den Reaktor abschalten lässt.

In einer Pressemitteilung des Grohnde-Rechtshilfefonds heißt es: „„Damit bestätigt das Land unsere Auffassung, dass es sich hier um eine neue Entwicklung handelt, die nicht nach Aktenlage entschieden werden kann“, erklärt Peter Dickel für den Rechtshilfefonds Atomerbe Grohnde. Die AntragstellerInnen werden den Bescheid des Landes in sechs Wochen abwarten, sind aber weiterhin darauf vorbereitet, die Frage dann auch gerichtlich klären zu lassen.“

Neben E.on sind die Stadtwerke Bielefeld an dem AKW Grohnde beteiligt. Die haben jetzt – laut Schamburger Zeitung – beklagt, dass die Erlöse aus dem Betrieb in den Keller gegangen sind und Überschüsse gering ausfallen: „„In Grohnde führt der Marktpreisverfall zu einem Erlösrückgang seit der Planung 2011 in Höhe von 100 Millionen Euro“, schreiben sie in ihrem Geschäftsbericht 2014, der jüngst vorgelegt wurde. Auch die Brennelementesteuer schmälere das Ergebnis, heißt es in dem Papier.
So deutliche Zahlen gibt es selten. Zwar beklagt auch e.on als Hauptgesellschafter und Betreiber des AKW die negativen Folgen der Brennelementesteuer und des Preisverfalls, doch detaillierte Zahlen für Grohnde fehlen. Auf 232 Seiten taucht der Standort des internationalen Konzerns allerdings namentlich nur dreimal in dessen Geschäftsbericht 2014 auf, wobei der Hinweis auf „die längeren Stillstandszeiten“ auch in Grohnde schon die ausführlichste Erwähnung ist.“

Nicht nur den Atommeilern macht die Energiewende schwer zu schaffen. Wie das Blatt mitteilt, lagen noch in 2008 die durchschnittlichen Terminmarktpreise an der Börse bei rund 70 Euro pro Megawattstunde. Inzwischen habe sich dieser Preis auf 32 Euro mehr als halbiert. Gleichzeitig seien die Erzeugungskosten, auch durch die Einführung der Brennelementesteuer, deutlich gestiegen.

Als Schallmauer für einen wirtschaftlichen Betrieb gelten für Kraftwerke dieser Größenordnung Preise von rund 50 Euro je MWh.

Das AKW Grafenrheinfeld hatte E.on vor wenigen Wochen aufgrund der wirtschaftlich schlechten Ertragslage vorzeitig vom Netz genommen. Eigentlich hätte der Konzern den Reaktor noch bis Ende des Jahres am Netz lassen können.

Die hohen Wassertemperaturen werden seit Jahren immer häufiger zum Problem für die atomaren Großkraftwerke. Nicht nur in Deutschland, sondern vor allem in Frankreich, ist das Sommer für Sommer immer häufiger ein Problem.

Auf der Homepage der Grohnde-Kampagne heißt es: „Grohnde bezieht sein Kühlwasser aus der Weser. Diese hatte Anfang Juli 26,2° C. Bei der Wiedereinleitung ist das Wasser wärmer als zuvor. Dabei darf der Grenzwert von 28° C nicht überschritten werden, da ansonsten der Sauerstoffgehalt im Fluss so niedrig werden würde, dass Tiere und Pflanzen dauerhaft geschädigt werden würden. Bei dem baden-württembergischen AKW Neckarwestheim 2 am Neckar kann die Situation bald ähnlich kritisch werden. Die andern noch laufenden AKW haben mehr Spielraum, da Donau, Rhein und Elbe mehr Wasser führen. Doch gerade das Zusammenwirken anhaltender Hitze mit langen Trockenperioden, wie in diesem Jahr, kann auch hier Auswirkungen haben. In Frankreich ist das Problem seit Jahren akut. Trotz 58 laufender Reaktoren musste schon mehrmals Strom importiert werden – die AKW hatten hitzefrei.“

 

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