Initiative Brokdorf-akut: „Sind die Atomkraftwerke in Schleswig-Holstein erdbebensicher?“

AKW Brokdorf: Sicher bei Erdbeben? Foto: Gabriele Planthaber / pixelio.de

Die Initiative Brokdorf-akut  stellt mit einer Pressemitteilung die Frage: „Sind die Atomkraftwerke in Schleswig-Holstein erdbebensicher?“ und erläutert im weiteren:

„Das Niedersächsische Landesamt für Bodenforschung hat im Jahr 1994 für das Geologische Landesamt Schleswig-Holstein ein seismologisches Gutachten (sG) zum Standort des AKW Brunsbüttel erarbeitet. Es empfiehlt, ein Bemessungserdbeben der Intensitätsskala I = 7 nach Medvedev, Sponheuer und Karnik (MSK) festzulegen.

Mittlerweile sind die AKW Brunsbüttel und Krümmel vom Netz. Wir weisen jedoch darauf hin, dass auch ausgelagerte Brennelemente, falls sie nicht  gekühlt werden, zu Nuklidfreisetzungen führen können. In den AKW Brunsbüttel und Krümmel lagern die abgebrannten Brennelemente im Abklingbecken außerhalb des Sicherheitsbehälters.

Die Vorgehensweise im sG war entsprechend den Vorgaben des Kerntechnischen Ausschuss (KTA 2201) zur „Auslegung von Kernkraftwerken gegen seismische Einwirkungen“ wie folgt:

Als sog. Bemessungserdbeben ist das stärkste bekannte Erdbeben in einem Umkreis von 200 km um die Atomanlage zu berücksichtigen. Die sicherheitsrelevanten Anlagenteile müssen den Beschleunigungen aus dem Bemessungserdbeben standhalten. Das stärkste für AKW in SH zu berücksichtigende Erdbeben ist das von Alfhausen, nördlich Osnabrück, aus dem Jahr 1770. Da Alfhausen und Brunsbüttel laut KTA 2201 als „tektonische Einheit“ zu betrachten sind, wurde als potentieller Erdbebenherd die Sockelstörung durch den Salzstock Belmhusen, ca. 5 km nordwestlich vom AKW Brunsbüttel, identifiziert. Erdbebenwellen benötigen nur ca. 2 Sekunden bis zum AKW Brunsbüttel.

Die Initiative Brokdorf-akut verurteilt die Vorgehensweise bei der Definition des Bemessungserdbebens als fahrlässig; denn

Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich in der norddeutschen Tiefebene (in deren Untergrund sich viele Salzstöcke befinden) stärkere Erdbeben ereignen als das von Alfhausen.

Das AKW Brokdorf ist allenfalls gegen ein Erdbeben der Stärke I = 7 (MSK) ausgelegt. Es liegt ca. 15 km vom Salzstock Belmhusen entfernt. Der Salzstock von Krempe liegt ca. 9 km entfernt. Der geringe Abstand zwischen dem AKW Brokdorf und der Sockelstörung lässt nur ca. 3 Sekunden Zeit, um die sicherheitsrelevanten Anlagenteile abzufahren.

Der EU-Stresstest schlägt für das AKW Brokdorf die Nachrüstung mit einem Erdbebenwarngerät auf der Reaktorplatte vor. Das wird derzeit installiert. Dadurch wird keinerlei Sicherheitsgewinn erzielt. Mit dem Gerät kann lediglich dokumentiert werden, dass Erdbebenwellen das AKW erreicht haben.

Die Initiative Brokdorf-akut weist darauf hin, dass das AKW Brokdorf von weiteren starken Erschütterungen getroffen werden kann: Absturz eines großen Verkehrsflugzeugs, Explosionen auf Schiffen und Beschuss mit Beton- und Stahl-brechenden Waffen.

Kontakt: Eilhard Stelzner, Tel: 04827/3512 oder Karsten Hinrichsen, Tel: 04829/7080″

Atomforschungsanlage GKSS und Leukämieerkrankungen in der Elbmarsch – Dokumente und Stellungnahmen einer Anhörung 2007

Reaktorgebäude der Atomforschungsanlage GKSS bei Geesthacht. Foto: Dirk Seifert

Die Atomforschungsanlage der GKSS in Geesthacht soll zurück gebaut werden. Die Betreiber – heute das Helmholtz-Zentrum Geesthacht (HZG) – wollen dazu einen Dialog etablieren und eine Begleitgruppe einrichten. Rund um die GKSS und das benachbarte AKW Krümmel (Vattenfall) hat sich seit Anfang der 90er Jahre das weltweit größte Cluster an Leukämieerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen entwickelt. Bis heute sind die Ursachen nicht zweifelsfrei erforscht.

Die GKSS steht bis heute im Verdacht, im Rahmen geheim gehaltener Forschungen einen Unfall verursacht zu haben, der zur Freisetzung von Radioaktivität führte, die von einigen WissenschaftlerInnen als Ursache für die Leukämieerkrankungen angesehen werden. Hinweise, dass die GKSS an Forschungen über eine Atombombe beteiligt war, gibt es zahlreiche. Die Betreiber und die Landesregierung bestreiten, dass es konkrete Experimente und einen solchen Unfall gab und zweifeln die Forschungsergebnissse an. Hier als DOKUMTENTATION die Berichte und Stellungnahmen einer Anhörung im niedersächischen Landtag aus dem Mai 2007: IPPNW-Information vom 14. Mai 2007. Tagung im niedersächsischen Landtag, Elbmarschleukämien

Am 11. und 12. April 2007 tagte der Ausschuss für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit des niedersächsischen Landtages in Hannover zu den Hintergründen der Leukämiefälle in der Elbmarsch. Die  Sitzung fand in Form einer Anhörung statt. Neben dem weißrussischen Wissenschaftler Vladislav Mironov haben 16 weitere Fachleute ihre Forschungsergebnisse vorgestellt bzw. die bisher vorliegenden Daten bewertet. Der Ausschuss hatte sich entschlossen, die Anhörung in nichtöffentlicher Sitzung durchzufuhren.

Feature auf DLF – Das Plutonium-Desaster

Plutoniumfabriken in Sellafield/UK, Foto Simon Ledingham

Im Deutschlandradio ist ein Feature über Plutonium gesendet worden. Anlass sind die bevorstehenden Transporte zum AKW Grohnde, die über den Hafen von Nordenham aus Sellafield kommen sollen. Dagegen gibt es zahlreiche Proteste.

Hier ist der Audio-Link zu dem Feature „Energie für eine Ewigkeit– Das Plutonium-Desaster“ von Andrea Rehmsmeier. Auf Deutschland-Radio wird das Feature so angekündigt: „Plutonium ist der Traum des Physikers, aber der Albtraum des Ingenieurs, heißt es. Sechs Kilogramm des Schwermetalls löschten 1945 Nagasaki aus. Aber bis heute ist es nicht gelungen, die gewaltige Energie der Atomkerne sinnvoll für zivile Zwecke einzusetzen.

Kein anderer Stoff ist je so teuer produziert worden. Kein anderer Energieträger wird heute in ähnlich großem Stil zur Stromerzeugung eingesetzt, obwohl er nur Kosten und Sicherheitsprobleme, aber keinerlei Vorteil mit sich bringt. Kein Stoff, der in so kleinen Dosen tödlich wirkt, wurde je in so großen Mengen hergestellt. In der Frühzeit der Nuklearära verkörperte Plutonium die Physikervision vom geschlossenen Brennstoffkreislauf, eine Art nukleares Perpetuum Mobile mit schnellen Brütern und Wiederaufbereitungsanlagen.

Heute weckt es Schreckensvisionen von Atombomben in Terroristenhänden. Die radioaktive Spur, der die Sendung folgt, führt von der Wüste des US-Staates Idaho in das Atomtestgebiet von Nevada, vom deutschen Atommüll in Sellafield bis in die Kernforschungslaboratorien in Russland. DLF 2012″

Radio Z aus Nürnberg über Plutonium-Transporte zum AKW Grohnde

Über die geplanten Plutonium-Transporte aus Sellafield über Nordenham zum AKW Grohnde berichtet Pia Mutschke in einem Interview (Audio, MP3 download) auf Radio Z  aus Nürnberg: „Dass Atomtransporte nicht ungefährlich sind, weiß inzwischen jede. In unserer Energie und Umwelt Reihe hört ihr heute welche besonderen Gefahren Plutoniumtransporte bergen und welche Lösungsansätze bestehen.

Das genaue Datum steht noch nicht fest, sicher ist allerdings: bald wird wieder Plutonium aus dem englischen Sellafield über den Hafen in Nordenham ins niedersächsische Grohnde gebracht. Dieser Transport über den Seeweg birgt einige Gefahren. Meine Kollegin Pia Mutschke hat mit Dirk Seifert, dem Energiereferenten von Robin Wood gesprochen und erfahren, warum überhaupt Plutonium und sogenannte Mox-Elemente für das Atomkraftwerk in Grohnde benutzt werden, obwohl es doch ungefährlichere Brennstoffe gibt und welche Perspektive der aufkeimende Protest in Grohnde hat. Zuerst einmal aber: Was macht Plutonium überhaupt so gefährlich?“ (siehe Audio-Link oben)

Kein (Katastrophen)Schutz, wenn es im AKW Brokdorf kracht…

Fukushima – Brokdorf: Rette sich wer kann.

In Wewelsfleth, unweit des Atomkraftwerk Brokdorf, haben am Mittwoch Abend rund 100 Menschen über den fehlenden Katastrophenschutz für den Atommeiler diskutiert. Die Ärztin Angelika Claußen von der IPPNW hatte zuvor von einer Rundreise durch die Region Fukushima berichtet.

Rund 200.000 Menschen wurden nach der Katastrophe im März 2011 aus der Sperrzone evakuiert. Doch auch in vielen anderen Regionen seien Gebiete radioaktiv hoch belastet. Nahrungsmittel sind verstrahlt und die Dekontamination verstrahlter Flächen kommt nur schwer voran, weil niemand weiß, wo radioaktiver Bauschutt, Erde und andere Materialien eigentlich hin sollen. Oft wird der strahlende Müll einfach zu Haufen aufgetürmt und unter Planen versteckt.

Karsten Hinrichsen (Brokdorf akut) und Angelika Claußen (IPPNW) informieren über Fukushima, Brokdorf und die Atomkatastrophe, Foto: Dirk Seifert

Angelika Claußen berichtet außerdem, dass die Behörden und Verantwortliche mit dem Gesundheitsschutz für die von der radioaktiven Wolke aus Fukushima betroffenen Menschen immer noch unverantwortlich umgehen. Direkt nach der Katastrophe seien in vielen Orten die Menschen viel zu spät zum Verlassen ihrer Dörfer aufgefordert worden. Selbst die vorhandenen Jobtabletten zum Schutz vor Schilddrüsenkrebs sind oftmals nicht an die Menschen verteilt worden. Offizielle Meßwerte über die radioaktive Belastung einzelner Orte würden ein trügerisches Bild für die Öffentlichkeit erzeugen. Oftmals – das hat sich durch eigene Messsungen bei der Rundreise der Ärtzeorganisation gezeigt – würden die Werte schon wenige Meter neben offiziellen Meßstationen deutlich höhere Strahlenwerte zeigen.

Großes Interesse und kritische Diskussion: Rund 100 Menschen waren auf der Veranstaltung zum katastrophalen Katastrophenschutz rund um das AKW Brokdorf. Foto: Dirk Seifert

Mit Blick auf das AKW Brokdorf machte Karsten Hinrichsen von der Initiative „Brokdorf-akut“ deutlich, dass es auch in diesem Reaktor jederzeit zum Super-Gau kommen könne. Nicht nur sei das AKW, wie im Stresstest der Bundesregierung dargelegt, gegen Abstürze schwerer Flugzeuge nicht gesichert. Auch Hochwasser und Druckwellen von Explosionen könnten zur Katastrophe führen. Der Grüne Landtagsabgeordnete Bernd Voss bestätigte, dass der Katastrophenschutz in Schleswig-Holstein gravierende Mängel aufweise. So sei bezogen auf eine mögliche Katastrophe das Zusammenwirken von verschiedenen Naturereignissen und Schadensfällen in keiner Weise berücksichtigt. Die Maßnahmen für Evakuierungen sind nur auf einen kleinen Umkreis rund um das AKW begrenzt. Außerdem sei nicht berücksichtigt, dass es z.B. nach einem schweren Unfall aufgrund von Hochwasser und Deichbrüchen nicht nur im AKW, sondern z.B. auch im benachbarten Industriegebiet von Brunsbüttel, zu katastrophalen Folgen kommen könne. Auf solche Szenarien ist der Katastrophenschutz nicht ausgelegt.

Das hat im Frühjahr 2012 auch eine Studie des Bundesamtes für Strahlenschutz dargelegt und erst vor wenigen Tagen hat Deutschlands oberster Katastrophenschützer eingeräumt, dass es große Defizite vor allem mit Blick auf Evakuierungen gebe. (dazu auch hier mehr Informationen)

Ebenso unberücksichtigt ist bis heute, dass die Freisetzung von Radioaktivität deutlich länger dauern kann, als bislang in den Katastrophenplänen unterstellt (50 Stunden). Fukushima und auch Tschernobyl haben aber gezeigt, dass die Freisetzung über Tage und Wochen andauern kann. Dabei würde sich die Richtung der Freisetzung von Radioaktivität mit den Wetterbedingungen immer wieder ändern und viel größere Gebiete verstrahlen können. Im heutigen Katastrophenschutz wird aber davon ausgegangen, dass Maßnahmen nur in direkter Nähe des Atommeilers und auch nur in einer Windrichtung erfolgen müssten.

Hinrichsen machte an einem einfachen Beispiel deutlich, wie schnell es in Brokdorf zur Katastrophe kommen kann: Sollte ein großes Containerschiff (Länge ca. 300 Meter) die Ruder-Kontrolle auf der Elbe verlieren und in die Kühlwasser-Ansauganlage des Atommeilers krachen, könnte es schnell soweit sein. Dann müsste die Notkühlung zum Einsatz kommen. Die aber liegt laut Hinrichsen direkt neben der normalen Ansauganlage und könnte bei so einem Unfall auch gleich betroffen sein. Dann wäre die Kühlung des Reaktors nur noch begrenzt möglich. Dann heißt es: Rette sich wer kann.

Die Veranstaltung in Wewelsfleth fand im Rahmen der dezentralen Aktionswoche von Anti-Atom-Organisationen für die Stilllegung des AKW Brokdorf statt. Dazu hier mehr Informationen.

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