Rangierbahnhof Maschen, südlich von Hamburg. Atomtransport mit Uranerzkonzentrat kurz vor der Abfahrt quer durch Deutschland in Richtung Südfrankreich.
Der NDR berichtet, dass die Hamburger Polizei das Beförderungsverbot für vier Container mit Uranerzkonzentrat aufgehoben hat. Die Container dürfen offenbar nun ohne gültige Zulassung transportiert werden. Am Montag hatte die Wasserschutzpolizei bei dem Atomtransport festgestellt, dass bei diesen Containern die Zulassung abgelaufen war und den Weitertransport untersagt. Insgesamt waren nach Beobachtungen von AtomkraftgegnerInnen bei diesem wie üblich geheim gehaltenen Transport 17 Container mit vermutlich rund 500 Tonnen Uranerzkontrat aus Kasachstan auf dem Weg nach Südfrankreich, wo es für die Herstellung von Brennelementen für Atommeiler umgewandelt wird. Bundesweit hatten AtomkraftgegnerInnen die Reise des Atomzuges quer durch Deutschland beobachtet.
Die radioaktive Fracht war mit dem Schiff “Sheksna” aus Russland kommend über den Nord-Ostsee-Kanal im Hamburger Hafen im Süd-West-Terminal auf einen Güterzug umgeladen worden. Dabei waren nicht nur die Sicherheitsmängel festgestellt worden. Auch soll es nach Beobachtungen der AtomkraftgegnerInnen zu Beladefehlern gekommen sein, die vom Lokführer des Güterzuges vor Ort moniert worden sein sollen. Der NDR teilte gestern Abend mit, dass „Mitarbeiter des Amtes für Arbeitsschutz die vier Container untersucht hätten und schreibt: „Dabei seien keine Mängel und keine Beschädigungen gefunden worden, wie NDR 90,3 am Mittwoch berichtete.“ Außerdem stellt der Sender fest „Bis zum Ziel in Frankreich dürfen die Container nun ohne gültige Zulassung transportiert werden. | 16.07.2014 21:23“
UPDATE: Die Taz berichtet in einem Artikel von Kai von Appen ebenfalls über den Atomtransport:Uran macht kurz Pause – GEHEIMFRACHT Sicherheitsplaketten abgelaufen: Wasserschutzpolizei stoppt Atomcontainer. Darin heißt es u.a.: „Die Wasserschutzpolizei ist nur für das Beförderungsverbot zuständig“, sagt Polizeisprecherin Karina Sadowsky. Das Amt für Arbeitsschutz habe untersucht, ob die Container Beulen und Risse haben. Gegen die einmalige Weiterfahrt habe das Amt keine Bedenken gehabt – sofern die Behälter anschließend fit gemacht würden für ein neues Sicherheitssiegel. „Das ist wie der TÜV beim Auto“, sagt die Polizeisprecherin.
Atomtransporte über den Hamburger Hafen: Riskant und nicht so ganz sicher – gleich vier mit Uranerzkonzentrat beladenen Containern fehlte die Zulassung.
Wie berichtet ist gestern erneut ein geheimer Atomtransport vom Hamburger Hafen per Schiene in Richtung Frankreich auf die Reise gegangen. Die Ladung: 17 Container mit Uranerzkonzentrat aus Kasachstan. AtomkraftgegnerInnen hatten bei der Verladung am Süd-West-Terminal beobachtet, dass es offenbar mehrfach zu Unregelmäßigkeiten gekommen war. Vier Container wurden bei der Verladung nicht auf den Zug gestellt, sondern blieben im Hafen zurück. Aus der Hamburger Linksfraktion in der Bürgerschaft ist jetzt zu hören, dass offenbar die Zulassung – eine Art TÜV-Zertifikat – für die Container abgelaufen war und deshalb der Weitertransport untersagt worden ist.
Auch die AtomkraftgegnerInnen, die über diese Vorfälle informierten, hatten auf den schlechten Zustand der Container aufmerksam gemacht. Mehrfach hat es in den letzten Monaten Beförderungsverbote bei Atomtransporten durch den Hamburger Hafen gegeben. Fast in der Hälfte aller Falle hatten Behörden relevante Mängel festgestellt. Das hatten Anfragen der Links-Fraktion aufgedeckt.
Nach Informationen der AtomkraftgegnerInnen ist das Uranerz – rund 500 Tonnen – mit dem Frachter “Sheksna” aus Russland und über den Nordostsee-Kanal kommend nach Hamburg gebracht worden. Der Atomzug hatte gegen Mitternacht den Rangierbahnhof in Maschen verlassen und war am Vormittag erneut bei Hamm in NRW gesichtet worden. Sein Ziel ist vermutlich zunächst eine Uran-Bearbeitungsanlage in Narbonne.
Außerdem berichteten die AtomkraftgegnerInnen, dass es in einem weiteren Fall zu einer Beanstandung durch einen Bahn-Mitarbeiter gekommen sei. Ein entsprechender Bahnwaggon war zunächst mit zwei Containern beladen worden, was aber offenbar nicht zulässig war. So musste einer der Container wieder vom Waggon gehoben und umgestellt werden.
Urankonzentrat aus Namibia im Hamburger Hafen. Einer von vielen Atomtransporten, die in den Daten des Bundesamts für Strahlenschutz nicht auftauchen. Foto: Dirk Seifert
„In Deutschland haben zwischen Anfang 2012 und Ende Mai 2014 insgesamt 988 Atomtransporte stattgefunden, von denen die Bevölkerung in der Regel nichts erfuhr. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervor, die unserer Redaktion vorliegt.“ Das berichtet die Rheinische Post (RP) in ihrer aktuellen Ausgabe. Zahlreiche Medien wie der Stern, das Hamburger Abendblatt, die Taz und die Welt berichten ebenfalls. Die Informationen beziehen sich auf eine erste Auswertung von Daten, die in der Antwort der Bundesregierung auf eine Schriftliche Kleine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdebel, Fraktion DIE LINKE enthalten sind (Drucksache 18/1851).
Über Deutschlands heimliche Atomtransporte berichtete vor wenigen Tagen auch das ZDF-Magazin Planet.E in einer halbstündigen Dokumentation: “Deutschlands heimliche Atomtransporte” – ZDF-Dokumentation, in dem Beitrag wird unter anderem auch über diese Aktion im Hamburger Hafen berichtet:
Der Artikel informiert auch darüber, dass eine hohe Zahl der Atomtransporte mit der Uranfabrik in Gronau im Zusammenhang steht. Anders als bei den Atomkraftwerken ist deren Betriebszeit nicht befristet. Die Anlage versorgt weltweit etwa jedes zehnte AKW mit dem erforderlichen angereicherten Uran.
RP dazu: „Ein großer Anteil der Atomtransporte stand im Zusammenhang mit der Urananreicherungsanlage im nordrhein-westfälischen Gronau: Allein 186 Mal hätten auf deutschen Straßen und Schienen Atomtransporte von und zur Uranfabrik in Gronau stattgefunden, wie aus den Daten des Bundesamtes für Strahlenschutz und des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle hervorgeht.“
Wichtig an diesen Zahlen ist: Sie umfassen nur einen Teil der tatsächlich stattfindenden Atomtransporte. Die Angaben beziehen sich lediglich auf die vom Bundesamt für Strahlenschutz zu genehmigenden Transporte von so genannten Kernbrennstoffen, die angereichertes Uran enthalten. Natururan, abgereichertes Uran und andere Zwischenprodukute bei der Brennelementeherstellung sind in diesen Zahlen daher noch nicht einmal enthalten.
Die RP schreibt: „Auf geheim gehaltenen Routen durchfahren teilweise hochgefährliche Atomtransporte über Tausende von Kilometern täglich die Bundesrepublik“, kommentierte Linken-Politiker Hubertus Zdebel. „Ein Unfall vor allem mit den Transporten von Uranhexafluorid könnte verheerende Folgen bis zum Tod von Menschen haben“, warnte er. In Gronau solle demnächst eine Lagerhalle für 60 000 Tonnen dieses radioaktiven Abfalls in Betrieb gehen. Er forderte die Bundesregierung auf, die Bürger über die Atomtransporte und ihre Gefahren zu informieren.“
Neben dem Hinweis auf die Bedeutung der Uranfabrik in Gronau (NRW), berichtet die RP auch über die Urananlage der AREVA in Lingen (Niedersachsen). Auch deren Weiterbetrieb ist vom Atomausstieg ausgenommen. „Die Uranfabrik in Gronau und eine weitere Brennelementefabrik im niedersächsischen Lingen sind vom Atomausstieg ausgenommen. Beide Anlagen produzieren Kernbrennstoffe für Kunden in aller Welt. Dafür benötigen sie Uran aus dem Ausland, das zumeist über den Hamburger Hafen nach Deutschland gelangt. Bei den Atomtransporten geht es nicht um hochradioaktives Material. Allerdings kann etwa das in Tanks importierte Uranhexafluorid, mit dem spaltbares Uran angereichert wird, schwere gesundheitliche Schäden verursachen, wenn es zu Unfällen kommt.“
Anti-Atom-Aktion in der Hafen-City. FOTO Pay Numrich
„Bei einer Routinekontrolle eines Containers mit Zinnschlacke wurde radioaktive Strahlung oberhalb der Ortsdosisleistung gemessen. Da der Verdacht bestand, dass es sich insofern um eine als Gefahrgut der Klasse 7 einzuordnende Beförderung handeln könnte, wurde durch die Wasserschutzpolizei ein Beförderungsverbot bis zur Klärung des Sachverhaltes ausgesprochen.“ So erklärt der Hamburger Senat auf eine Nachfrage der Linken-Abgeordneten Dora Hayenn (PDF, Drucksache 20/12244 mit Anlagen) die vor einigen Wochen ausgesprochen Beförderungsverbote im Zusammenhang mit Atomtransporten durch den Hamburger Hafen. Insgesamt 15 Mal wurden Transporte mit Zinnschlacke bzw. Thorium 232 gestoppt. Bei den Kontrollen im Hamburger Hafen werden bei zahlreichen Atomtransporten auch immer wieder von den Behörden sicherheitsrelevante Mängel festgestellt.
Zuvor hatte der SPD-Senat Ende Mai mitgeteilt: “Seit Februar dieses Jahres sind in offenbar fünf Fällen Atomtransporte durch Hamburg wegen Sicherheitsmängeln gestoppt worden. Es habe „einige Fälle“ mit „Mängeln an den Transportcontainern“ gegeben, so dass „Beförderungsverbote ausgesprochen wurden“, teilte der Hamburger Senat in seiner Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linken-Abgeordneten Dora Heyenn und Christiane Schneider mit (Drs. 20/11730). Bei den insgesamt 61 Atomtransporten seit Anfang Februar 2014 wurden 32 Kontrollen durchgeführt.
Wie der Senat jetzt mitteilt, waren die Transporte mit Thorium 232 falsch deklariert und nur durch die Kontrollen wurde dies festgestellt. Erst diese Überprüfung und die anschließende „gutachterliche Bewertung der Zinnschlacke“ bzw. Thorium 232 führte dazu, dass das Material als „Klasse 7, UN 2912, RADIOAKTIVE STOFFE MIT GERINGER SPEZIFISCHER AKTIVITÄT“ eingestuft wurde. Ohne diese Kontrolle wäre das Material mit „erhöhter Ortsdosisleitung“ einfach so weiter transportiert worden.
Bemerkenswert ist, dass es offenbar keine besonderen Schutzräume gibt, in die solche Transporte, für die ein Beförderungsverbot ausgesprochen wurde, sicher gestellt werden. Auf Nachfrage teilt der Senat mit: „Das Transportgut verbleibt bis zur Behebung des Mangels und Aufhebung des Beförderungsverbotes auf dem Gelände der Hafenumschlagsanlage, auf welcher der Mangel festgestellt wurde.“
Dumme Verwechslung im Vattenfall-AKW Krümmel. Foto: Dirk Seifert
Na, wieder eine dieser Pannen, die nur Vattenfall schafft. Diesmal keine rostzerfressenen Atommüll-Fässer, sondern nur eine kleine dumme Verwechslung. Irgendwie hatten die KollegInnen offenbar vergessen, dass man 2007 gleich nach dem Brand des Transformators in der frohen Hoffnung auf eine erneute Inbetriebnahme 12 frische Uran-Brennelemente in das Nasslager oberhalb des Reaktors eingestellt hatte. Jahrelang hat Vattenfall diese für hochradioaktiven Atommüll gehalten und entsprechend in den Statistiken ausgewiesen. Auf diese Panne weist das Energieministerium in Schleswig-Holstein in einer Pressemeldung hin (siehe vollständig unten). Allerdings: So richtig erklärt auch das Ministerium nicht, wieso die Verwechslung erst jetzt entdeckt wurde.
Bereits im Jahr 2007 sollen die frischen Brennelemente in das Nasslager eingestellt worden sein. Vorgesehen war, diese nach Abschluss von Reparaturen in den Kern einzusetzen. Doch diese Reparaturen dauerten dann immerhin zwei Jahre. Im Sommer 2009 versuchte Vattenfall dann, den Reaktor wieder ans Netz zu bringen. Doch offenbar waren diese 2007 ins Nasslager eingestellten neuen Brennelemente schon zu diesem Zeitpunkt vergessen. Jedenfalls wurden sie offenbar nicht in den Reaktor eingefahren.
Diesen Startversuch von 2009 (NDR) erwähnt das Kieler Energieministerium in seiner Erklärung gar nicht, obwohl davon ausgegangen werden muss, dass diese 12 frischen Brennelemente eigentlich in den Reaktor sollten – stattdessen aber wohl andere neue Uranelemente genommen wurden.
Der Startversuch 2009 scheiterte. Wieder kam es zu Problemen mit den gerade ausgetauschten Transformatoren, Sicherheitseinrichtungen, die per Anordnung der Behörde eingebaut werden sollten, hatte man in der Hektik bei Vattenfall glatt vergessen einzubauen und außerdem wurden Metallteile durch den Reaktor gespült, die dort einwandfrei nicht hingehörten. Nach wenigen Tagen musste Vattenfall den Startversuch abbrechen. Seit dem war der Reaktor abgeschaltet. Mit der Atomgesetzänderung nach der Fukushima-Katastrophe 2011 kam dann das endgültige Ende.
„GEESTHACHT/KIEL. Bei der Deklaration der Anzahl der bestrahlten Brennelemente im Kernkraftwerk Krümmel ist eine Abweichung festgestellt worden. 12 Brennelemente im Brennelementlagerbecken wurden als bestrahlt mit erfasst, obwohl sie nicht bestrahlt waren. Diese Abweichung wurde im Entsorgungsvorsorgenachweis für das Jahr 2013, der am 31.März 2014 vorzulegen war, korrigiert. Sicherheitstechnisch ist sie ohne Bedeutung. Dies teilte die Atomaufsicht heute (24. Juni 2014) mit.
Die Betreibergesellschaft hatte im Jahr 2007 die 12 unbestrahlten Brennelemente im Jahre 2007 vorsorglich in das Nasslager gestellt, weil Vattenfall zum damaligen Zeitpunkt mit einer Wiederaufnahme des Leistungsbetriebes rechnete.
Das Energiewendeministerium (Reaktorsicherheitsbehörde) hat die fehlerhafte Deklaration zum Anlass genommen, den schleswig-holsteinischen Kernkraftwerksbetreibern gegenüber die Qualitätssicherungsmaßnahmen im Rahmen der Entsorgungsvorsorgenachweise und die notwendige Sorgfalt bei der Datenerhebung noch einmal zu verdeutlichen.
Hintergrund: Die Betreiber von Kernkraftwerken haben jährlich einen Entsorgungsvorsorgenachweis für bestrahlte Kernbrennstoffe zu führen. Darin ist unter anderem nachzuweisen, dass für den Umgang mit bestrahlten Kernbrennstoffen aus dem Reaktorbetrieb und mit den aus der Wiederaufarbeitung von bestrahlten Kernbrennstoffen stammenden radioaktiven Abfällen ausreichende Vorsorge getroffen ist. Auch in den nicht mehr betriebenen Kernkraftwerken befinden sich noch bestrahlte Brennelemente aus dem früheren Reaktorbetrieb, die ständig gekühlt werden müssen. Das Kernkraftwerk Krümmel hat die Berechtigung zum Leistungsbetrieb im Zuge der Atomgesetznovelle von 2011 verloren.“