Vattenfall-Manager Wagner will JUSO-Chef werden. Foto: Jürgen Mumme
Im Landesvorstand der SPD Hamburg ist er schon, den Hamburger Juso-Vorsitz hat er Anfang des Jahres aufgegeben, nachdem er als Manager bei dem Atomkonzern Vattenfall seinen Job antrat. Seine Aufgabe bei Vattenfall: Umsetzung der Partnerschaft zwischen der Stadt Hamburg und Vattenfall bei den Energienetzen. Den Job hat ihm der erfolgreiche Volksentscheid Unser Hamburg – Unser Netz am 22. September vermasselt. Jetzt müssen Senat und Bürgerschaft – in denen die SPD allein die Mehrheit hat – die vollständige Rekommunalisierung der Energienetze umsetzen. Die von der SPD favorisierte Partnerschaft zwischen der Stadt Hamburg und Vattenfall ist erledigt – Geschichte.
Nachdem die SPD und Vattenfall und mithin auch der Manager Hauke Eugen Wagner den Volksentscheid und die Netze verloren haben, strebt der Sohn des ehemaligen Bausenators von Hamburg nun nach Höherem: Er will Vorsitzender der JUSOS im Bund werden. Darüber berichtet das Hamburger Abendblatt am Wochenende. „Wer unser Land politisch gestalten will, muss auch Bundesliga spielen“, begründet Wagner Junior seine Kandidatur selbstbewusst. Und die Jusos von heute seien nun einmal die SPD von morgen.“ Alles klar. Wagner hat sich bei Vattenfall richtig reingehängt, um die Ziele des Atomkonzerns durchzusetzen. Höhepunkt seines Engagements ohne Frage, die in seiner Freizeit organisierten Kamingespräche, mit denen der Vattenfall-Manager und SPD-Landesvorstandsmitglied TOTAL PRIVAT vor dem Elektro-Kamin seinen Überzeugungen frönte. War super und ist hier immer noch online.
Nach Auffassung der TeilnehmerInnen der Atommüllkonferenz, die am Samstag, dem 31. August in Kassel stattfand, sollten die für Umweltverbände vorgesehenen Plätze in der Endlager-Kommission nicht besetzt werden. Der Konferenz lag eine 272seitige Bestandsaufnahme vor, wo und wie derzeit Atommüll an Standorte in ganz Deutschlands lagert. Der Bericht soll Mitte September veröffentlicht werden und dann Grundlage einer weiteren offensiven Auseinandersetzung über den zukünftigen Umgang mit Atommüll sein.
Ein weiteres Thema der Konferenz waren Rechtsstellung und Verfahrensanforderungen Betroffener in den Stilllegungsverfahren von Atomkraftwerken. Zu den zweimal jährlich stattfindenden Atommüll-Konferenzen kommen Bürgerinitiativen von Atommüllstandorten, unabhängige WissenschaftlerInnen und in diesem Bereich arbeitende Organisationen zusammen.
Bereits vor einigen Tagen hatten die Umweltorganisationen Greenpeace, der BUND und ROBIN WOOD erklärt, dass sie an der Kommission nicht teilnehmen werden.
Die Erklärung von TeilnehmerInnen der Atommüll-Konferenz in Kassel im Wortlaut:
„Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 3. Atommüllkonferenz in Kassel am 31.08.13 erklären:
*Das Standortauswahlgesetz, die in dem Gesetz fixierte Besetzung der „Kommission Lagerung hochradioaktiver Abfallstoffe“ und ihre mangelnde Kompetenz im weiteren Prozess schließen es aus, dass die Bundesrepublik Deutschland über diesen Weg der Klärung des langfristigen Umgangs mit dem Atommüll näher kommt. Sie dient im Gegenteil dazu, den Standort Gorleben nachträglich zu legitimieren. Deshalb besteht unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Konsens, dass die beiden für die Umweltbewegung vorgesehenen Plätze in der Kommission nicht besetzt werden sollen.
*Eine Mehrheit der Teilnehmenden spricht sich dafür aus, auch dann keinen Sitz in der Kommission zu besetzen, wenn es zu einer Nominierung aus anderen Teilen der Umweltbewegung kommt.
*Mit der umfangreichen „Bestandsaufnahme Atommüll“ zeigt die Konferenz das ganze Desaster im Umgang mit dem schwach-, mittel- und hoch-radioaktiven Atommüll. Ein wirklich offener, gesellschaftlicher Entscheidungsprozess muss alle Arten von Atommüll und alle Beteiligten und Betroffenen einbeziehen.“
Wie geht es im abgeschalteten AKW Krümmel weiter. Die MitarbeiterInnen sind verunsichert. Foto: Dirk Seifert
Die Stimmung unter den Vattenfall-MitarbeiterInnen im AKW Krümmel ist im Keller – so richtig! Noch immer ist unklar, was mit dem Reaktor in Zukunft passieren soll. Vattenfall hat bis heute nicht erklärt, ob der Rückbau angestrebt oder ob es zu einem dauerhaften Einschluss der Anlage kommen wird. Nicht nur die Öffentlichkeit, auch die MitarbeiterInnen tappen im Dunkeln und wissen nicht, wie es weiter geht. Ende Mai hatte Vattenfall-Geschäftsführer Wasmuth weiter für Verunsicherung gesorgt, indem er in der Bergedorfer Zeitung ausführlich über den dauerhaften Einschluss „spekulierte“. „Ohne Endlager wird Krümmel zur Atom-Ruine“ titelte die Zeitung.
Offiziell gibt es keine Informationen, aber hinter vorgehaltener Hand ist zu erfahren: Inzwischen sollen viele qualifizierte MitarbeiterInnen das Handtuch geschmissen haben. Einige haben sich längst auf andere Stellen beworben und sich neue Jobs bei anderen AKWs gesucht. Ein Teil der Belegschaft ist von Vattenfall in andere Unternehmensbereiche „versetzt“ worden. Für diejenigen, die noch im Atommeiler die Wartung betreiben, wächst die Verunsicherung über die Zukunft ihrer Arbeitsplätze und die Sinnhaftigkeit. Käme es zum dauerhaften Einschluss des Atommeilers würden sie kaum noch eine Perspektive haben, denn nach einigen Umbau-Arbeiten wäre für die meisten der Geesthachter MitarbeiterInnen „Schicht im Schacht“.
In allen Vattenfall-Bereichen – nicht nur im abgeschalteten AKW Krümmel – ist die Unzufriedenheit und Verunsicherung bei den Beschäftigten groß. Immer neue Umstrukturierungen und die bange Frage, wie lange Vattenfall überhaupt noch in Deutschland am Markt sein wird, drücken mächtig auf die Motivation.
Die Lage bei Vattenfall ist extrem: Der Konzern hat sich in den letzen Jahren enorm verspekuliert und mindestens 20 Mrd. an Schulden aufgebaut. Für die Schweden ist vor allem das Braunkohle-Engagement der Deutschland-Abteilung ein Dorn im Auge. Während im Heimatland Schweden Klimaschutz groß geschrieben wird, verhagelt ausgerechnet der Vattenfall-Konzern mit seinem Deutschland-Geschäft die sonst vorbildliche Klimabilanz. In immer kürzeren Intervallen ist von einem totalen Rückzug aus dem deutschen Markt zu hören. Das sorgt für Unsicherheit bei den KollegInnen.
Als Vattenfall vor wenigen Monaten bekannt gab, ein erstes Braunkohlekraftwerk zu verkaufen, reagierte die gesamte Lausitz mit Panik: Für viele war das ein erster sichtbarer Schritt, dass Vattenfall möglicherweise kurz vor dem Koffer-Packen ist. Siehe dazu: Keine “Mördergrube”: Vattenfall irritiert die gesamte Lausitz
Das Ergebnis spüren die KollegInnen in Form von enormem Arbeitsdruck und Personaleinsparungen im gesamten Konzern. Allein in Deutschland sollen mindestens 1.500 Arbeitsplätze verschwinden. Das hat Vattenfall im Mai verkündet – mitten in den Tarifverhandlungen mit der IG Metall, der IG BCE und Verdi. Doch erstaunlich ist: An die Öffentlichkeit dringt über die Stimmungslage bei den Beschäftigten nichts, auch die GewerkschafterInnen schweigen dazu.
Wie wenig die MitarbeiterInnen mit dem schwedischen Eigentümer – der Englisch zur Unternehmenssprache erklärt hat – seit der Übernahme Anfang der 2000er Jahre klar kommen bzw. sich mit Vattenfall identifizieren, merkt man in Gesprächen sehr schnell. Noch heute fühlen sich die meisten KollegInnen in und um Hamburg als HEWler.
Vattenfall macht die Informationszentren an den AKWs in Brunsbüttel und Krümmel dicht. Darüber hatte umweltFAIRaendern bereits hier informiert: Vattenfall ohne Dialog – Informationszentren an den AKWs werden geschlossen. In der Bergedorfer Zeitung bezeichnet Kai Gerullis das jetzt als „Eine vergebene Chance„. Und weiter schreibt er: „Doch Vattenfall zieht es offenbar auch bei der Energiewende – wieder einmal – vor, die Öffentlichkeit außen vor zu lassen. Gute Kommunikation sieht anders aus – mit dem Aus für das Infozentrum vergibt der Konzern eine große Chance.“
In der Tat! Die drei MitarbeiterInnen, die bislang in Krümmel im Informationszentrum gearbeitet hatten, werden künftig anders eingesetzt, heißt es. Wie schlimm es um den Vattenfall-Konzern stehen muss, zeigt diese Äußerung: „“Vattenfall sieht sich angesichts der angespannten wirtschaftlichen Situation zu umfangreichen Einsparmaßnahmen in allen seinen Ländern, Märkten und Standorten gezwungen“, sagt Vattenfall-Pressesprecherin Sandra Kühberger. „Gemeinsam mit E.on haben wir entschieden, das Informationszentrum in Krümmel zum 30. September zu schließen.““ Informationen soll es künftig dann nur noch über das Internet geben. Sehr schön.
Die Bergedorfer Zeitung berichtet weiter: „Angesichts der bevorstehenden Herausforderungen für den Standort Geesthacht mit dem Rückbau des Kraftwerks und der Energiewende zeigte sich Atomkraftgegnerin Bettina Boll gestern verblüfft von der Entscheidung. „Zu einer Zeit, wo es zutiefst nötig wäre, mit der Bevölkerung zu sprechen, schließt man das Infozentrum. Das kann ich wirklich nicht verstehen“, sagt die Geesthachterin.“
Vattenfall schließt die Infozentren an den AKWs Brunsbüttel und Krümmel
Vattenfall wird die Informationszentren an den Atomkraftwerken in Brunsbüttel und Krümmel schließen. Während vor Ort die Menschen sich fragen, wie es mit den abgeschalteten AKWs weitergeht und was mit dem Atommüll vor Ort passiert, hat Vattenfall keine Lust mehr auf Information. Das Infozentrum am AKW Brunsbüttel schließt schon dieser Tage seine Pforten; zum Ende des Sommers wird auch in Krümmel nicht mehr informiert. Öffentlich hat Vattenfall dies noch nicht mitgeteilt, aber hausintern wurde den MitarbeiterInnen erklärt, dass sie künftig andere Aufgaben übernehmen sollen.