Vattenfall-Schriftzug im Berliner Hauptbahnhof: Wenn alles klappt, kann Vattenfall den im nächsten Jahr abbauen lassen! Foto: Dirk Seifert
Ach Vattenfall. Angesichts des drohenden Verlust der Netze für Strom und Fernwärme durch den anstehenden Volksentscheid in Hamburg für die vollständige Rekommunalisierung dieser Netze droht das Unternehmen immer wieder mit Fantasiekosten für die Netzübernahme. Nun passiert das auch in Berlin. Dort will nicht nur eine Initiative die vollständige Netzübernahme notfalls per Volksentscheid durchsetzen. In Berlin gibt es obendrein eine Bürger-Genossenschaft, die das Netz gleich kaufen will. Die haben jetzt auf die Ankündigung von Vattenfall reagiert, dass das Stromnetz in Berlin 2,5 Milliarden Euro kosten soll. Hier die Reaktion von BürgerEnergie Berlin:
„Netzbetreiber hält Daten über Berliner Netz zurück und setzt Kaufpreis zu hoch an
Der Berliner Stromnetzbetreiber Vattenfall veröffentlicht ein Gutachten, das den Wert des Berliner Stromnetzes auf mindestens 2,5 Milliarden Euro schätzt. Dabei handelt es sich jedoch um den Sachzeitwert des Netzes, nicht um den für eine Übernahme relevanten* Ertragswert (Erläuterung s.u.). Die für die Berechnung des Ertragswerts nötigen Daten hält Vattenfall jedoch zurück. Dazu erklärt Luise Neumann-Cosel, Vorstand der Genossenschaft BürgerEnergie Berlin:
„Das Verfahren für die Neuvergabe des Berliner Stromnetzes läuft bereits seit knapp zehn Monaten. Dennoch hat Netzbetreiber Vattenfall noch immer nicht die für die Kaufpreisermittlung notwendigen Daten vorgelegt. So kennt ausschließlich Vattenfall den tatsächlichen Wert der Anlagen, alle anderen Bewerber sind dagegen gezwungen, ohne umfassendes Wissen in den Wettbewerb um das Netz zu treten. Das ist, als ob ein Gebrauchtwagenhändler vom Käufer einen hohen Preis verlangt – diesem aber nicht einmal das zu verkaufende Auto zeigt.
Vattenfall selbst fordert immer wieder ein faires Vergabeverfahren für die Stromnetz-Konzession ein. Gleichzeitig führt das Unternehmen die Forderung ad absurdum und sorgt für eine ungleiche Ausgangslage und eine Diskriminierung der anderen Bewerber. Um einen fairen Wettbewerb zu ermöglichen, muss nun Schluss sein mit dem Versteckspiel: Vattenfall muss unverzüglich die Daten zum Ertragswert des Stromnetzes veröffentlichen. Wer eigene Preisvorstellungen bekannt gibt und gleichzeitig den Konkurrenten Informationen über das Objekt vorenthält, spielt falsch.
Doch mehr noch: Momentan weiß nicht einmal das Land Berlin, das die Konzession für das Netz vergibt, wie es um den Zustand seines Netzes bestellt ist, und kann so den Ertragswert des Netzes nicht verlässlich ermitteln. Dieser Zustand ist nicht haltbar. Der zuständige Senator Nußbaum darf sich nicht länger von Vattenfall auf der Nase herumtanzen lassen und muss die Daten zum Stromnetz einfordern. Liegen diese Daten vor, wäre auch klar, wie viel Gewinn jährlich erwirtschaftet und aus Berlin abgeführt wird. Diesen will die Bürger Energie Berlin durch die Netzübernahme in großem Umfang in der Stadt halten.“
* Die Berechnung des Kaufpreises für das Stromnetz ist nicht mehr umstritten, wie oft behauptet: Seit der Rechtsprechung durch den Bundesgerichtshof mit dem sogenannten „Kaufering-Urteil“ von 1999 ist klar, dass als Kaufpreis der Ertragswert zu gelten hat. Dieser Wert berechnet sich über die aus dem Netz erwirtschafteten Erträge. Der Sachzeitwert – der Wiederbeschaffungswert des Netzes abzüglich Abschreibungen – darf hingegen nur als Kaufpreis angesetzt werden, wenn er den Ertragswert nicht wesentlich übersteigt.“
Pressemitteilung der BürgerEnergie Berlin, Berlin, 17. Oktober 2012 Weitere Informationen zur BürgerEnergie Berlin unter http://www.buerger-energie-berlin.de/
Kosten für Ökostrom: Alle Lasten für die privaten Haushalte. FOTO: K. Brockmann / pixelio.de
Eine Pressemitteilung der Ökostromrebellen von EWS Schönau zur EEG-Umlage:
Schönau, den 15.10.2012 – Strompreiserhöhung 2013: Wieder einmal werden die Erneuerbaren Energien zum Sündenbock für Strompreiserhöhungen erklärt. Es ist richtig, im Jahr 2013 steigen die Strompreise ganz gehörig, aber rund 60 % der Preiserhöhungen haben nichts mit den Erneuerbaren Energien zu tun, sondern mit der Erhöhung von Netzentgelten, Abgaben und Steuern.
Zum 1. Januar wird die EEG Umlage netto um rund 1,7 Cent/kWh gesteigert – von rund 3,6 Cent/kWh im Jahr 2012 auf rund 5,3 Cent/kWh im Jahr 2013. Allerdings sind die Börsenpreise durch die Einspeisung vor allem der Solarenergie um mindestens 0,6 Cent/kWh gefallen (sogenannter Merit Order Effekt). Verrechnet man nun diese Einsparung beim Strompreis, die ja durch die Erneuerbaren verursacht wurde, so beträgt die Steigerung der EEG Umlage rund 1,1 Cent/kWh.
Überdies werden im Jahr 2013 allein 1,3 Cent der EEG Umlage daraus resultieren, dass sogenannte stromintensive Unternehmen von der Umlage befreit werden. Würde dieses Privileg gestrichen, müsste die EEG Umlage nicht steigen, sondern könnte sogar leicht gesenkt werden.
Schon seit Wochen wird bei den zu erwartenden Strompreiserhöhungen im Jahr 2013 fast ausschließlich von der EEG Umlage gesprochen und geschrieben. Dabei werden sozusagen im Geleitzug, aber gut versteckt, weitere Strompreiskomponenten erhöht bzw. neu eingeführt. Allen voran die Netzentgelte – im bundesweiten Schnitt um 0,6 bis 0,7 Cent pro Kilowattstunde. Diese Erhöhung kann zum derzeitigen Stand nicht auf den Ausbau der Erneuerbaren zurückgeführt werden.
Damit nicht genug: zum 1. Januar 2013 wird eine neue Umlage eingeführt, die sogenannte Offshore-Haftungsumlage. Diese soll zur Absicherung des Netzanschlusses für Offshore- Windparkprojekte dienen und beträgt 0,25 Cent/kWh, die der Verbraucher auf seiner Stromrechnung wiederfindet. Die EWS lassen zurzeit eine Klage gegen die Haftungsumlage prüfen, da es nicht nachvollziehbar ist, dass die Netzanbindungsrisiken bei den Offshore- Windkraftprojekten der Energiekonzerne von der Allgemeinheit zu tragen sind, wohingegen beispielsweise Bürgerwindparks diese Risiken selbst zu tragen haben. Betrachtet man hier auch noch die jahrelang garantierten hohen Vergütungen von bis zu 19 Cent für Offshore-Wind, die über den durchschnittlichen aktuellen Einspeisevergütungen der Photovoltaik liegen, entsteht der Eindruck, dass der Bürger jegliche Risiken für das Engagement der Energiekonzerne bei den Erneuerbaren übernehmen soll.
Darüber hinaus gibt es noch die 2012 eingeführte § 19 StromNEV Umlage, die daraus resultiert, dass stromintensive Unternehmen nur reduzierte Netzentgelte zahlen müssen oder von den Netzentgelten sogar ganz befreit werden. Im Jahr 2012 mit 0,15 Cent/kWh, für das Jahr 2013 ist eine Steigerung um 0,30 Cent vorgesehen. (die EWS klagen bereits gegen die § 19 Umlage beim OLG Düsseldorf)
Durch all diese Erhöhungen verdient der Staat tüchtig mit: Allein durch Mehreinnahmen bei der Umsatzsteuer von 0,43 Cent pro Kilowattstunde nimmt der Staat 2013 rund 2 Milliarden Euro mehr ein. 59 % der gesamten Strompreiserhöhung entfallen somit auf Netzentgelte, Abgaben und Steuern, 41 % auf die EEG Umlage.
So entsteht der Verdacht, dass die Regierung in Berlin den vier großen Energiekonzernen den Verlust ihrer Atomkraftwerke im Nachhinein versüßen will. Sie hilft aktiv mit, die veralteten zentralen Strukturen wieder zu verfestigen. Der Energiewende, die überaus erfolgreich begonnen hat – jede vierte Kilowattstunde unseres Stroms wird schon heute umweltfreundlich durch das breite finanzielle Engagement der Bürger hergestellt – soll so ein jähes Ende bereitet werden. Es ist der Versuch, die gerade erst begonnene Demokratisierung der Energieversorgung wieder zurückzudrängen.
Auch wenn die jetzige Berliner Politik wieder einen Kurswechsel – „eine Rolle rückwärts“ – erzwingen will, so lässt sich heute das Rad, hin zu einer innovativen und dezentralen Energieversorgung, nicht mehr zurückzudrehen. Die rasant wachsende Bürgerbeteiligung hat eine solche Dynamik erreicht, dass sie zum entscheidenden Motor der Energiewende geworden ist.
Es ist richtig, wenn die EEG Einspeise-Vergütungen in dem Maß abgesenkt werden, wie z.B. die Produktion von Solarmodulen oder Windkraftanlagen günstiger werden, jedoch müssen Absenkungen verlässlich vorhersehbar sein. Vor allem aber müssen die Kosten des EEG gerecht verteilt werden – nur dann kann das gesamtgesellschaftliche Projekt der Energiewende gelingen. Daher ist es unverantwortlich, das EEG für politische Zwecke zu missbrauchen, um Keile zwischen die Akteure der Energiewende zu treiben. Wer die Energiewende wirklich will, muss seine Bürgern an dieser fair beteiligen und nicht im Interesse von alten Konzernstrukturen zum Zahlmeister degradieren.
WEITERE INFORMATIONEN zum THEMA von EWS Schonau:
Die gute Nachricht vorweg: Dank des EEG konnten 2012 bereits 25% der Energieversorgung der Bundesrepublik Deutschland mit erneuerbaren und damit zukunftsfesten Eneergieerzeugungsanlagen gedeckt werden. Für all jene, die kommenden Generationen eine bezahlbare, klimafreundliche und sichere Energieversorgung übergeben wollen, ist dies ein ermutigender Schritt und ein Grund stolz zu sein.
Erneuerbare – die Energie der Bürger
Die Erfolgsgeschichte der Erneuerbaren war nur durch die große Bereitschaft der Bürger möglich, die (versteuertes) Geld in ökologische Stromerzeugungsanlagen investierten und mit der EEG-Umlage den Markteintritt dieser Zukunftstechnologien ermöglichten. Sie haben auch dazu beigetragen, dass die Energiewirtschaft demokratischer und wettbewerbsfähiger geworden ist: Rund 60% der EEG-Anlagen gehören Bürgern, Landwirten, kleinen und mittleren Gewerbetreibenden – mit nur 6,5 Prozent haben die vier großen Energiekonzerne des Landes vergleichsweise wenig zur Energiewende beigetragen.
Durch die Idee der EEG-Umlage ist die Förderung der Erneuerbaren Energien für jeden Stromkunden klar nachvollziehbar. Eine Transparenz, die bei allen anderen Erzeugungsarten vollkommen fehlt – sie werden aus Steuermitteln subventioniert und begünstigt. Und das üppig: In die fossil-atomare Energieerzeugung sind seit 1970 insgesamt 611 Mrd. € geflossen, also rund 14,5 Mrd. €/Jahr. Die Erneuerbaren Energien haben über die EEG Umlage seit 2000 rund 67 Mrd.€ erhalten, im Mittel 5,6 Mrd. € im Jahr. Die fossil-atomaren Energieerzeugung verschlingt also fast dreimal soviel an Zuwendungen wie die angeblich hochsubventionierten Erneuerbaren. Und während bei der fossil-atomaren Energieerzeugung das Geld in den Kassen der großen Energiekonzerne landet, fließt das Geld aus der EEG-Umlage zum allergrößten Teil zurück zu den bürgereigenen Anlagen.
EEG-Eingriffe: Bürger zur Kasse – Staat und Konzerne freuen sich
Durch die Änderungen am EEG-Gesetz durch die schwarz-gelbe Bundesregierung werden die Kosten des EEGs in nicht mehr hinzunehmendem Maße auf die Privathaushalte abgewälzt. So werden Unternehmen mit einem Jahresverbrauch von über 1 Mio. Kilowattstunden (bisher 10 Mio. Kilowattstunden), die fast 20 Prozent des bundesdeutschen Gesamtverbrauchs abbilden, um insgesamt 4,7 Mrd. befreit. Allein das schlägt in der neuen EEG-Umlage von 5,3 Cent/KWh mit 1,3 Cent zu Buche. Weitere Strompreisentlastung (reduzierte Stromsteuer, reduziertes EEG, reduzierte Netznutzungsentgelte oder Befreiung der Netznutzungsentgelte) der energieintensiven Kunden treibt die Kosten für die Verbraucher nach oben. Während der Wirtschaftsminister nach diesen preistreibenden Eingriffen die Höhe der EEG- Umlage öffentlicht geißelt, reibt sich der Finanzminister die Hände. Allein die Erhöhung der EEG-Umlage um 1,7 Cent spült ihm über 1 Mrd. EUR Mehrwertsteuer zusätzlich in die Kassen. Insgesamt kann er sich durch die EEG-Umlage auf 4 Mrd EUR freuen. Wäre es nicht angebracht, zumindest hier auf die Mehrwertsteuer zugunsten sozial schwacher Haushalte zu verzichten?
EEG-Eingriffe: Die Macht der Konzerne sichern
Eine besonders verquere Logik zeigt sich bei der Änderung des EEGs zur Begünstigung der Off-Shore-Windanlagen, die von großen Energiekonzernen betrieben werden: Sie erhalten mit 19 Cent pro Kilowattstunde für einen Zeitraum von 8 Jahren eine höhere Einspeisevergütung als neue Photovoltaikanlagen. Welche Steigerungen in der EEG-Umlage durch den Anschluss dieser Off-Shore-Windanlagen in Zukunft entstehen werden ist derzeit nicht absehbar – sicher ist hingegen schon heute, dass diese Gelder den großen Energiekonzernen zufließen werden, wohingegen die finanziellen Einschnitte und Erschwernisse bei der traditionell bürgereigenen Energieerzeugung wie Photovoltaik oder On-Shore-Windanlagen schon heute für ein langsames Sterben sorgt. Man gewinnt zunehmend den Eindruck, dass der Aufbau Erneuerbarer Energien den Bürger entrissen und den Interessen der großen Energiekonzerne untergeordnet werden soll.
Das EEG ist der einzige Garant der Energiewende.
Es ist unbestritten, dass der Umbau der Energielandschaft auch mit finanziellen Belastungen verbunden ist, die sich langfristig jedoch auszahlen werden und die nachfolgenden Generationen erheblich entlasten. Schon heute reduzieren die Erneuerbaren Energien Kosten: So ist der Strompreis an der Börse durch die Erneuerbaren gesunken, durch die Dezentralität der Erneuerbaren wird der Ausbau der Stromnetze günstiger und die Folgekosten der atomar-fossilen Energieerzeugung reduziert. In einigen Jahren werden wir mit den Kosten der Erneuerbaren günstiger liegen als mit denen einer fossil-atomarer Energieerzeugung, die durch Rohstoffknappheit und CO2-Zertifikaten kontinuierlich ansteigen werden.
Mit einem Schuss Sarkasmus ließe sich mit Blick auf die Geschäftspolitik von Vattenfall in Sachen Bürgerfreundlichkeit und Klimaschutz ein Lied anstimmen. „Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern….“ – oder doch?
Was viele in Hamburg nur am Rande wahrnehmen, weil es weit im tiefen Osten der Republik stattfindet: In der Lausitz pflügt der Stromkonzerne noch immer die Erde um, um an die dortige Braunkohle zu kommen.
Vattenfall: 80 Prozent Braunkohlestrom – Mehr CO2 geht fast nicht mehr!
Das dieser Konzern wie kein zweiter in Deutschland seinen Strom aus der besonders klima- und umweltschädlichen ostdeutschen Braunkohle herstellt, wird in Hamburg nicht gern erwähnt. Während in Deutschland insgesamt jede vierte Kilowattstunde aus Braunkohle stammt, also 25 Prozent der Stromerzeugung, erzeugt Vattenfall über 80 Prozent seines Stroms aus Braunkohle! Der Rest kommt aus Steinkohle und dem Atomkraftwerk Brokdorf!
Die Braunkohle wird großflächig im Tagebau gefördert: Dafür werden nicht nur Landschaften zerstört, sondern auch immer wieder ganze Dörfer abgebaggert, Menschen gegen ihren Willen umgesiedelt und wertvolle Naturschutzgebiete für immer zerstört. Vattenfall hat viel Erfahrung und Routine, um Menschen für seine Interessen notfalls auch zu vertreiben!
Anike Peters von Greenpeace berichtet in diesem Text über die Vattenfallpolitik in der ostdeutschen Lausitz (PDF) und seine Folgen (nicht nur) für die Dörfer und die Menschen: „Als Folge würden die Ortschaften Atterwasch, Grabko, Kerkwitz (Tagebau Jänschwalde-Nord) und Proschim (Tagebau Welzow-Süd II) sowie Teile weiterer Orte zerstört. Gewachsene Strukturen und alte Kultur, wie etwa die 1294 erbaute Dorfkirche von Atterwasch, würden ausradiert. Weitere 3.500 Menschen würden gegen ihren Willen umgesiedelt. “
Wenn sich dieser Konzern gesprächs- und dialogbereit zeigt, dann muss man wissen, wie das einzuschätzen ist: Es geht nicht darum, womöglich Einsicht zu zeigen, Renditeziele für den Klimaschutz vielleicht zu reduzieren und so zu anderen Konzepten für neue Anlagen zu kommen … Dialog heißt für Vattenfall am Ende, dass Bürger einfach nicht verstehen, wie gut es der Konzern meint und läßt Behörden und Gerichte entscheiden! Sofern sich die BürgerInnen die teuren und langwierigen Verfahren überhaupt leisten können.
Das weiß Vattenfall und darauf setzt das Unternehmen! Immer wieder bedeuten Klagen gegen Kohlekraftwerke und ähnliches selbst für die großen Umweltverbände ein enormes finanzielles Risiko, da die Kosten leicht in die hunderttausende Euro gehen. Für Vattenfall ist das die Portokasse, für Umweltorganisationen im Zweifelsfall das Ende!
Wenn Vattenfall für die Braunkohle ganze Dörfer abgräbt, dann ist das für den Konzern eine Sache von Entschädigungs-Verhandlungen, bei denen Vattenfall den Menschen für den Verlust von Heimat und Kultur möglichst wenig geben will. Und später rühmt sich Vattenfall dann auch noch, wenn sie zerstörte Naturschutzgebiete renaturieren und mit den Vorteilen für den Tourismus werben. (siehe auch hier: Lausitzer Braunkohle)
Und ohne jede Scham traut sich Vattenfall das dann auch noch als Teil der Energiewende zu verkaufen: Die Braunkohle, die drei mal so viel CO2 in die Umwelt pustet wie Erdgas, soll laut Vattenfall die Brücke für die Erneuerbaren Energien sein. Einfach ekelhaft, was sich die Werbeschwätzer bei Vattenfall ausdenken, um ihre wirtschaftlichen Interessen zu verkaufen.
Diese Braunkohle-Wirklichkeiten sind in Hamburg nur wenig bekannt. Aber es ist gut zu wissen, mit welcher Konsequenz und Härte das Unternehmen bereit ist, seine wirtschaftlichen Interessen gegen betroffene Menschen durchzusetzen: Die Menschen in der Lausitz wissen das!
Klima- und Umweltschutz wie Vattenfall das versteht: Tagebau bei Cottbus. Foto: Dirk Seifert
Dass sich Vattenfall als freundlicher Partner für Hamburg anbiedert und dabei seit kurzem sogar noch vom SPD-Senat in Hamburg mit einer Minderheitsbeteiligung von 25,1 Prozent an den Strom- und Fernwärmenetzen unterstützt wird, ist vor diesem Hintergrund kaum zu glauben. Doch Lobbyarbeit und eine geschickte Personalpolitik gepaart mit viel Macht hilft, den Einfluss bei den „Entscheidern“ dort oben zu sichern! Da werden Transparenz und Beteiligung eher langweilig und anstrengend.
Dennoch: Die Zahl der Konflikte, die die wirtschaftlichen Interessen von Vattenfall hervorrufen, mehren sich. Überall wo Vattenfall auftaucht gibt es in und um Hamburg Ärger.
In der Umgebung des stillgelegten Pannenmeilers Krümmel in Geesthacht klagt Vattenfall vor dem Bundesverfassungsgericht auf Schadensersatz und verrät nicht, wie der Reaktor nun weiter stillgelegt werden soll. Der Bau des 1.600 MW Klimakiller Kraftwerks in Moorburg hatte zahllose Konflikte und Demonstrationen zur Folge, die damit verbundene Moorburg-Fernwärmetrasse konnte nach heftigen Protesten schließlich gerichtlich gestoppt werden.
Nicht einmal mehr an den Lesetagen, mit denen sich Vattenfall mit einem ordentlichen Schuss Greenwashing zum Kulturagenten aufspielt, kann sich das Unternehmen erfreuen, weil es immer mehr Proteste auslöst: Im letzten Jahre gaben die Lesetage ohne Atomstrom mit so vielen Prominenten im Angebot Contra, dass die Vattenfall-Autoren in den Medien kaum noch auftauchten und selbst der NDR musste seine Medienpartnerschaft einstellen. Auch die „Lesetage selber machen„, die mit einer Vielzahl eher kleinerer Veranstaltungen grasswurzelartig dagegen halten sorgen dafür, dass Vattenfall immer schlechter dasteht.
Und schließlich könnte Vattenfall und der Atomkonzern E.on mit den nächsten Bundestagswahlen Hamburg gar ganz verlieren. Dann nämlich wird im Hamburg per Volksentscheid darüber abgestimmt, dass diese beiden Konzerne nicht länger für die Strom-, Fernwärme- und Gasnetze zuständig sind – sondern ein vollständig öffentliches Unternehmen. Das soll dann nicht Wirtschaftsinteressen und maximale Gewinne fördern, sondern Klimaschutz und Energiewende.
Klimaschutz bei Vattenfall! 80 Prozent der Stomerzeugung stammen aus der besonders klima- und umweltschädlichen Braunkohle. Klimaschutz kennt Vattenfall in Wirtschafts-Daten übersetzt nur als PR. Foto: Dirk Seifert
Am Standort Wedel soll ein altes kohlebefeuertes Heizkraftwerk durch ein neues gasbefeuertes GuD-Kraftwerk ersetzt werden. Antragsteller sind Vattenfall und die Stadt Hamburg. Doch mehr als 1.200 Einwendungen wurden erhoben. Von Menschen und Organisationen, die sagen: JA, zur Energiewende, aber nein zu den Planungen von Vattenfall und Hamburg. Das hat mit fehlender Beteiligung und fehlender Transparenz zu tun, aber auch mit Belastungen, die aus der besonderen Nähe des Kraftwerks zu einem Wohngebiet resultieren. Die aber auch damit zu tun haben, dass ein eher kleines altes Kraftwerk durch ein neues enorm großes Kraftwerk ersetzt werden soll.
Es gibt massive Zweifel, ob die Vattenfall-Planungen für das neue Kraftwerk tatsächlich was mit Energiewende und Klimaschutz zu tun haben. Denn auffällig ist: Zwar behaupten Vattenfall und Stadt Hamburg, dass das vermeintliche „Innovationskraftwerk“ einen mächtigen Schritt nach vorn bedeutet, aber konkret fehlt jede klare und belastbare Aussage, z.B. was die CO2-Emissionen betrifft.
Die Strategie von Vattenfall und Co ist offenkundig: Weil Gas und GuD-Kraftwerke als besonders ökologisch gelten, muss das neue Kraftwerk für die Energiewende und den Klimaschutz taugen! Immerhin wird ja ein Kohle-Heizkraftwerk ersetzt.
Für das Folgende gilt: Vattenfall und die Stadt Hamburg verweigern bis heute konkrete Daten, mit denen verlässliche Aussagen über die CO2-Belastungen durch das neue gegenüber dem alten Kraftwerk möglich sind. Daher können nur Spekulationen angestellt werden, um verständlich zu machen, warum das neue Kraftwerk gegenüber dem alten gar keine Verbesserung darstellen muss – auch wenn Gas durch Kohle ersetzt wird. Auf die Größe einerseits und die Betriebsweise andererseits kommt es an – über letzteres aber schweigt in bekannter Manier der Konzern Vattenfall und die Stadt Hamburg – Betriebsgeheimnis nennt man das!
Spekulationen über CO2-Emissionen und Klimaschutz des geplanten Kraftwerks
Allgemein gilt die Faustformel, dass Gas nur etwa die Hälfte der CO2-Emissionen gegenüber der Kohleverbrennung zur Folge hat. Auf dieser Faustformel beruht offenbar bei vielen derzeit die Annahme, dass das neue GuD-Wedel also in jedem Fall besser für den Klimaschutz ist als das bisherige Kraftwerk mit Kohlefeuerung. Aber: So richtig die Faustformel ist, so wenig hat das mit der konkreten Wirklichkeit zu tun.
Denn einerseits kommt es darauf an, wie die Leistungsdaten des neuen Kraftwerks sich gegenüber dem alten Kraftwerk verändern. Und genauso wichtig ist es andererseits, wie das neue Kraftwerk im Vergleich zum alten Kraftwerk konkret „gefahren“ wird! Erst wenn beides bekannt ist, können Aussagen über die tatsächlichen CO2-Emissionen gemacht werden. Richtig ist nur – auch eine Faustformel – es ist besser Kraftwerke mit Gasfeuerung zu bauen, als Kraftwerke mit Kohlefeuerung. Trotz dieser Faustformel ist aber auch richtig: Ein Kraftwerk mit 200 MW auf Gasbasis hat so in etwa die gleichen CO2-Emissionen wie ein Kohlekraftwerk mit 100 MW – für den Klimaschutz wäre das ein Nullsummenspiel!
Wie die Betriebsweise des neuen – größeren – GuD-Kraftwerks konkret sein wird, ist also entscheidend, um beurteilen zu können, wie die CO2-Emissionen tatsächlich sein könnten.
Würden wir es uns so einfach machen wie Vattenfall und Mitbetreiber Stadt Hamburg, dann könnten wir nun einfach sagen: Da das alte kohlebefeuerte Kraftwerk Wedel durch ein bis zu doppelt so großes gasbetriebenes Kraftwerk ersetzt werden soll, gibt es gar keine CO2-Einsparungen bzw. das neue Kraftwerk könnte sogar noch mehr CO2-Emissionen zur Folge haben.
Richtig an dieser Betrachtung wäre: Je mehr das neue Kraftwerk in der Größe/Leistung gegenüber dem alten Kraftwerk nach oben abweicht, desto kleiner dürften die potentiell möglichen CO2-Einsparungen beim Wechsel von Kohle- auf Gasbefeuerung werden!
Doch Faustformeln helfen dem Klima nicht wirklich! Deshalb bleibt auch hier nur die Forderung an Vattenfall und den Senat: Die Fakten müssen auf den Tisch, Gutachten geöffnet werden! Ein Moratorium ist unerläßlich!
Vattenfall hat öffentlich gesagt, dass es mit dem neuen Kraftwerk „rund um die Uhr über das ganze Jahr“ Strom erzeugen will. Doch mit solchen Statements lässt sich über die CO2-Emissionen nichts aussagen.
Um das Problem zu veranschaulichen: Angenommen, das neue Kraftwerk mit seiner elektrischen Leistung von 470 MW (niedrige Angabe aus der Werbebroschüre Vattenfall) würde ein ganzes Jahr auf Volllast durchlaufen, also 8.600 Stunden im Jahr. Dann würde das neue Kraftwerk 3.440.000.000 kWh erzeugen. Das alte Kraftwerk würde bei einer elektrischen Leistung von 250 MW bei Volllast und 8600 Stunden 2.150.000.000 kWh Strom erzeugen. Würden wir nun die Kilowattstunden mit einem Faktor 0,5 für Gas und 1,0 für Kohle multiplizieren um die CO2-Einheiten (das ist nicht die Menge in Gramm oder Kilo sondern nun eine Verhältniszahl!!), dann käme dabei heraus: 1720 Einheiten bei Gasfeuerung zu 2150 Einheiten bei Kohlefeuerung!
Nun kommen aber entscheidende weitere Paramenter ins Spiel. Einerseits ist kaum anzunehmen, dass ein Kraftwerk eingebunden in einem komplexen Energiesystem mit einem steigenden Anteil Erneuerbarer Energie permanent auf Volllast betrieben werden kann. Und: Jedes Kraftwerk hat mit technischen Problemen zu tun und muss regelmäßig gewartet werden. Vor diesem Hintergrund wäre zu vermuten, dass vor allem mit Blick auf die Wartung das Kohlekraftwerk gegenüber dem GuD-Kraftwerk längere Wartungszeiten hat und daher für die Stromerzeugung weniger zur Verfügung steht.
Vattenfall nennt auf seiner Homepage für das alte Kraftwerk in Wedel (Kohle) folgende Zahl: „Durchschnittliche Jahresstromerzeugung: 1200 GWh.“
Mit Blick auf die eben genannte rein rechnernische Volllast/8600 Stunden ist das eine deutliche Differenz zu den 2150 GWh, die maximal möglich wären. Es handelt sich hier also um nur noch fast die Hälfte der Stromerzeugung, die real erbracht wird. Anders ausgedrückt: Bei einer installierten Leistung von 250 MW wird über das ganze Jahr gerechnet real nur eine Leistung von ca. 130 MW genutzt! Oder anders: Statt 8600 Stunden Vollast braucht es nur etwas mehr als 4.300 Stunden Volllast, um diese Menge Strom zu erzeugen. Damit würden sich analog zu dem obigen Beispiel auch die CO2-Emissionen (Verhältnis!) halbieren!
Würde sich die Betriebsweise für das neue Kraftwerk genau so wie bei dem alten Kraftwerk verhalten, würde das für die CO2-Emissionen mit Blick auf das obige theoretische Beispiel keine Veränderungen ergeben!
Sollte aber das neue GuD-Kraftwerk bei einer deutlich höheren elektrischen Leistung mehr Stunden im Jahr in Betrieb sein als das bisherige Kraftwerk (genau darauf könnte der oben genannte Hinweis von Vattenfall hindeuten), dann würden sich die CO2-Einsparungen gegenüber dem alten Kraftwerk schnell weiter reduzieren und unter bestimmten Bedingungen könnte es sogar dazu kommen, dass die Emissionen über den heutigen liegen würden! Genau hier aber liegt die „Zone“, in der sich entscheidet, ob das neue Kraftwerk tatsächlich auch zum Klimaschutz beiträgt.
These: Würde das neue Kraftwerk mit einer „Werbebroschüren-Leistung“ von 460 MW elektrisch bei zwei Monaten Wartung (sehr großer Zeitraum) durchgängig auf Volllast laufen, würde das bei dann 7160 Betriebsstunden eine Stromproduktion von 3.293.600.000 kWh bedeuten. Während nach Angaben von Vattenfall das alte Kraftwerk 1.200 GWh erzeugt und das neue Kraftwerk in dieser Annahme fast 3.300 GWh errreicht, würde das also den CO2-Einsparungseffekt des Umstiegs von Kohle auf Gas bei weitem überschreiten! Während im alten Kohle-Kraftwerk „nur“ 1.200 CO2-Einheiten erzeugt würden, würde das neue Gas-Kraftwerk 1.650 CO2-Einheiten erzeugen! Eine weitere Steigerung der Stomerzeugung in der neuen Anlage würde diese Werte noch mehr erhöhen!
Für ein vollständigeres Bild muss nun noch die thermische Leistung betrachtet werden: Thermisch sollen sich laut „Werbebroschüre“ die beiden Kraftwerke nur geringfügig unterscheiden, das neue etwas weniger Leistung haben als das alte Kraftwerk. Per Faustformel würde das für die CO2-Emissionen also bedeuten – wenn beide Kraftwerke in gleicher Weise für die Fernwärme genutzt werden, dass sich die Emissionen bezogen auf die thermische Leistung durch das neue Kraftwerk halbieren würden. Ein höherer Wirkungsgrad der neuen Anlage gegenüber der alten würde sogar noch etwas mehr CO2-Reduzierungen möglich machen. Ob das in der Summe wirklich so ist, ist unbekannt. Kann sein, muss aber nicht!
Fassen wir das mal zusammen, dann ergibt sich folgende Spekulation:
Während sich bei fast gleicher Wärmeleistung eine Reduzierung der CO2-Emissionen um die Hälfte ergibt, steigen die CO2-Emissionen bei der Stromproduktion im neuen Kraftwerk um rund 40 Prozent an. In der Summe ergibt das lediglich eine CO2-Einsparung von 10 Prozent.
Steigt die Stromerzeugung und sinkt die Wärmeversorgung, wäre gar keine CO2-Einsparung die Folge. Und das bei einem Einsatz von fast 500 Millionen Euro, die die Stadt Hamburg und Vattenfall in den Neubau in Wedel investieren!
NOCHMAL: All das sind Spekulationen, die nur deshalb hier gemacht werden, weil Vattenfall und die Stadt Hamburg zwar einen Beitrag des neuen Kraftwerks zum Klimaschutz behaupten, aber keinerlei Informationen auf den Tisch legen, um tatsächlich konkrete Aussagen treffen oder diese prüfen zu können!! Jede Information wird verweigert! Auch der SPD-Senat legt dazu nichts vor! Genau die aber haben die Verantwortung, diese Sachverhalte darzustellen – nicht sie zu verschleiern!
Die hier getätigten Spekulationen sollen zumindest den Versuch darzustellen, vor welchem MÖGLICHEN Hintergrund wir davon ausgehen, dass das neue GuD-Kraftwerk einfach keinen Sinn für die Energiewende und den Klimaschutz ergibt, sondern nur für die Geschäftsinteressen von Vattenfall!
Soll durch ein viel größeres Kraftwerk ersetzt werden. Das kohlebefeuerte Heizkraftwerk Wedel. Foto: Dirk Seifert
Der Streit um den Neubau eines von Vattenfall und der Stadt Hamburg beantragten GuD-Kraftwerks in Wedel ist im vollen Gange. Mehr als 1.200 Einwendungen hat es zu diesem Projekt gegeben. Nicht nur das Hamburger Abendblatt wundert sich, dass auch zahlreiche Umweltorganisationen zu den Einwendern gehören. Gasgefeuerte GuD-Kraftwerke zählen doch im Streit mit den Atom- und Kohlekonzernen per se zu den Öko-Kraftwerken, von Umweltorganisationen als flexible Brücke für die Energiewende hin zu 100 Prozent Erneuerbaren Energie favorisiert.
Die (Vor)Urteile sind klar: Weil es ein auf gasbasis betriebenes Gas- und Dampfkraftwerk ist, muss es doch was gutes sein. Ein Kraftwerk auf gasbasis hat doch deutlich geringere CO2-Emissionen zur Folge. Deshalb ist es doch prima, wenn Vattenfall ein solches Kraftwerk baut und dafür ein Kohlekraftwerk ersetzt. Warum also die Proteste gegen das geplante GuD-Kraftwerk in Wedel?
Das können wir erklären!
Oft ist von Vorteil, wenn man die Dinge konkreter ansieht und differenziert miteinander vergleicht. Das ist in einer über Medien laufenden Kommunikation nicht immer ganz einfach, passt die Wirklichkeit doch häufig nicht in einfache „Schwarz-Weiß-Schlagzeilen“, sind Verlage von Anzeigenkunden abhängig, sind Tageszeitungen u.a. von sinkenden Verkaufseinnahmen betroffen und bekommen JournalistInnen Honorare und Zeilengelder, für die es wirklich keinen Spaß macht, gründlich zu recherchieren! Marketing, PR, Werbung und Journalismus verschwimmen immer mehr miteinander. Unternehmen stellen vermeintliche Tatsachen in die Welt und übersehen wird, dass sie damit ausschließlich ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen verfolgen. Eine „Übermacht“, der nicht nur JournalistInnen manchmal erliegen, sondern die auch dazu führt, das Umwelt-AktivistInnen Probleme, Widersprüche und eine immer komplexere Wirklichkeit in einfache Bilder zu pressen versuchen, um gehört zu werden. Dazu gäbe es noch mehr zu sagen…
Aber – nehmen wir uns die Zeit – und schauen genauer hin, was Unternehmen, die konkrete wirtschaftliche, – also in der bürgerlichen Gesellschaft – private Interessen, verfolgen, behaupten – und was tatsächlich passiert.
Warum also erzürnen sich Umweltorganisationen mit Blick auf die Energiewende und den Klimaschutz über die Planungen für ein von Vattenfall und seinem Minderheitsaktionär Hamburg geplantes neues GuD-Kraftwerk in Wedel? (zur Frage der Bürgerbeteiligung und der Transparenz siehe auch hier!)
Für das bisherige Heizkraftwerk in Wedel, das mit Kohle betrieben wird (zudem verfügt es über zwei Gasturbinen für die Spitzenlastproduktion.) gibt Vattenfall folgende Leistungsdaten an:
Auf Basis dieser Daten ist also erkennbar, das die Wärmeleistung des neuen Kraftwerks ein wenig geringer ausfällt, aber die elektrische Leistung deutlich größer sein soll, als bislang.
Während das derzeitige Heizkraftwerk eine gesamte Leistung von insgesamt 673 MW hat, soll das neue Kraftwerk laut „Werbebroschüre“ eine Leistung von 870 MW haben, also um 203 MW größer ausfallen.
Aber: Die Angaben in der für die „allgemeine“ Öffentlichkeit mit vielen bunten Bildern und wenig aussagekräftigen Daten und Zahlen gemachten Broschüre stimmen nicht mit denen überein, die Vattenfall im Genehmigungsantrag nennt. Die im Genehmigungsverfahren genannten Daten für das neue Kraftwerk liegen zum Teil deutlich über dem, was Vattenfall in der „Werbeboschüre“ schreibt!
Mehr Leistung beantragt, als öffentlich behauptet!
Im Genehmigungsantrag beantragt Vattenfall zwei Varianten. Als Grund dafür gibt Vattenfall lediglich an: „Dies ist erforderlich, um im Rahmen der Ausschreibung das wirtschaftliche Optimum zu erreichen.“ Dann listet Vattenfall folgendes auf:
Feuerungswärmeleistung
Var. 2-1
Var. 4-1
Gasturbine
2 x 465 MW
4 x 121 MWW
Zusatzfeuerung Abhitzekessel*
2 x 175 MW
4 x 81 MW
Heißwassererzeuger
1 x 135 MW
1 x 135 MW
Hilfsdampferzeuger (Bestand)
2 x 14 MW
2 x 14 MW
Gesamt
1.443 MW
971 MW
* Die Maximalleistung der Zusatzfeuerung wir nur abgerufen, wenn die zweite Linie nicht betriebsbereit ist, aber gleichzeitig Maximallastanforderungen aus dem Netz besteht. Im Normalbetriebsfall werden lediglich 2 x 25 MW als Zusatzfeuerung genutzt.
Als „voraussichtliche elektrische Leistung“ gibt Vattenfall an :
Variante 2-1: 470 MW el
Variante 4-1: 350 MW el
Der unterschied in der Gesamtleistung ist augenfällig: In Variante 1 entsteht in Wedel ein Kraftwerk mit einer Leistung von insgesamt 1.443 MW.In dieser Dimension ist das neue Kraftwerk gegenüber den bisherigen 674 MW also mehr als doppelt so groß als bislang!
Diese Daten weichen auch erheblich von denen in der Werbebroschüre von Vattenfall selbst angegebenen Daten ab! Während dort die Gesamtleistung mit 870 MW beziffert wird, sollen laut Genehmigungsantrag in Wirklichkeit bis zu 1.443 MW in Wedel gebaut werden. Vattenfall gibt öffentlich also rund ein Drittel weniger Leistung zu, als geplant? Warum?
Kein Wunder also, wenn die örtliche BI von einem MEGA-Kraftwerk spricht!
In der Variante 2 sind es 971 MW. Dies wäre auf Basis des Genehmigungsantrags also die minimale Gesamtleistung. Aber selbst diese ist mithin um rund 100 MW größer, als in der Werbebroschüre angegeben!
Nun könnte man denken, dass die Werbebroschüre möglicherweise einfach die Komponenten Heißwassererzeuger und Hilfsdampferzeugern „vergessen“ oder nicht nicht berücksichtig hat: Rechnet man die Leistung für den Heißwassererzeuger (in beiden Varianten 135 MW) und den Hilfsdampferzeuger (in beiden Varianten 28 MW) raus, also insgesamt je Variante 164 MW weniger, so entstehen in Variante 1 immer noch 1.279 MW und 807 MW in der Variante 2.
So richtig decken sich die Zahlen aus der Werbebroschüre nicht mit den Angaben, die Vattenfall im Genehmigungsantrag angibt.
Der Vollständigkeithalber wäre noch das Sternchen * in der Tabelle zu betrachten. Vattenfall macht im Genehmigungsantrag den Hinweis: „Die Maximalleistung der Zusatzfeuerung wir nur abgerufen, wenn die zweite Linie nicht betriebsbereit ist, aber gleichzeitig Maximallastanforderungen aus dem Netz besteht. Im Normalbetriebsfall werden lediglich 2 x 25 MW als Zusatzfeuerung genutzt.“
Soll also bedeuten: Obwohl Vattenfall in Variante 1 bei der Zusatzbefeuerung für den Abhitzekessel zwar 350 MW beantragt, sollen aber „im Normalbetriebsfall“ lediglich insgesamt 50 MW gefahren werden. In der Variante 2 statt 324 MW auch nur 50 MW.
Betrachten wir also nur den Abhitzekessel und die Gasturbine und den vermeintlichen Normalbetriebsfall, dann kommen wir auf folgende Daten:
FAZIT: Vattenfall behauptet in der Öffentlichkeit lediglich eine Leistung des neuen Kraftwerks in Wedel von 870 MW. Tatsächlich wird im Genehmigungsantrag eine Leistung bis zu 1.443 MW beantragt. Beide Leistungsdaten liegen – zum Teil gravierend – über denen des bisherigen Kraftwerks.
Welchen Wirkungsgrad hätten sie denn gern?
Interresant ist auch, dass die Angaben zum Wirkungsgrad der geplanten Anlage erheblich von den Daten im Genehmigungsantrag abweichen.
In der Werbebroschüre steht: „Gesamtwirkungsgrad: bis zu 88 Prozent im Kraft-Wärme-Kopplungsbetrieb“.
Im Genehmigungsantrag aber liegen die Werte unter den in dieser Broschüre genannten. Dort heißt es: „Es wird eine hocheffiziente GuD-Anlage … mit einem Gesamtwirkungsgrad von 75 % (KWK-Betrieb) bzw. elektrischen Gesamtwirkungsgrad von 55 % (Kombibetrieb) beantragt.“ Ein nicht geringer Unterschied.
Fazit: Der konkrete Vergleich, was Vattenfall und die Stadt Hamburg mit dem neuen Kraftwerk in Wedel als Ersatz für das alte Kraftwerk planen zeigt: Das neue Kraftwerk ist in seinen Dimensionen um ein vielfaches größer als das alte Kraftwerk! In den öffentlichen Darstellungen – siehe Werbebroschüre – wird über diese Dimension nichts ausgesagt. Diese Unterschiede haben auch erhebliche Auswirkungen für den Klimaschutz und die CO2-Emissionen des neuen Kraftwerks im Vergleich zum alten Krafwerk. Dazu lesen sie mehr in einem folgenden Text!