ATOMMÜLL: Wir müssen uns Sorgen machen – Eine Bestandsaufnahme für die Bundesrepublik Deutschland

cover_sorgenberichtZu Beginn der Reaktorkatastrophe von Fukushima rief die Bundesregierung zwar den Atomausstieg aus, doch verändert hat das nichts. Der Atommüll strahlt weiter. Der aktuelle „Sorgenbericht der Atommüllkonferenz“ 2013 zeigt das deutlich.

Wir müssen uns Sorgen machen

Daten zu über 90 Atommüllstandorten in Deutschland hat die Politologin Ursula Schönberger für diese Bestandsaufnahme zusammengetragen, dabei sind „Spezialitäten“ wie 1.900 Altlastanlagen der Wismut, für die keine Sanierungspflicht besteht, nicht einmal mit gerechnet. Gemeinsam mit einem Redaktionsteam auf Initiative der Atommüllkonferenz (*) ist ein 272 Seiten starkes Buch entstanden, das die Atommüllmisere der Bundesrepublik Deutschland abbildet.

Karte_zum_SorgenberichtZu lesen sind diese Datenblätter der gesamtdeutschen Atommüllära wie Szenen aus einem Kriminalroman. Im Anhang wird in kurzen Essays auf standortübergreifende Probleme eingegangen: Das „Freimessen“ von Atommüll, Transparenz oder der ungelösten Frage nach dem Lagerkonzept für das gesamte Atommüllaufkommen.

Wohlgemerkt, diese Bestandsaufnahme zeichnet nicht nur die ca. fünf Prozent hochradioaktiver Abfälle auf, die das Standortauswahlgesetz umfasst, sondern auch die restlichen 95 Prozent des bundesrepublikanischen Atommülls, den die Politik gerne verschweigt. Dem Sorgenbericht ist eine gefaltete, DIN A 1 große, Karte beigelegt, die alle Atommüllstandorte noch einmal visuell sichtbar macht und die für 3 Eur auch gesondert bezogen werden kann. Von einer weißen Landkarte kann heute niemand mehr sprechen.

ReferentInnen-Service

ursulaschoenberger-sorgenberichtFür alle Arten von Veranstaltungen und Aktionen zur Vorstellung der Bestandsaufnahme vermitteln wir gerne ReferentInnen, die an der Ausarbeitung mitgearbeitet haben, inbesondere Ursula Schönberger, die die Arbeit geleitet hat und als Autorin firmiert oder Peter Dickel. Kosten: Fahrtkosten, falls erforderlich Übernachtung. Über ein Honorar freuen wir uns, es ist aber keine Bedingung.

Veranstaltungen könnten z.B. im Buchhandel, Volkshochschulen oder als eigene Abendveranstaltung stattfinden; können aber auch Pressegespräche oder Gespräche mit KommunalpolitikerInnen sein.

Zur weiteren Absprache bitte eine Mail an bestandsaufnahme@atommuellkonferenz.de, wenn schon möglich mit Termin-Wunsch und kurzer Info zur Art der geplanten Veranstaltung.

web-banner-sorgenberichtBericht bestellen

Das 272-seitige Buch incl. einer beigefügten farbigen A1-Übersicht kann im Webshop der Arbeitsgemeinschaft Schacht KONRAD (shop.ag-schacht-konrad.de), per eMail an bestandsaufnahme@atommuellkonferenz.de oder im Buchhandel (ISBN 978-3-00-043228-6) bestellt werden und kostet 15 Eur (zzgl. 2,50 Eur Versandkostenpauschale).

Bestellen bei ROBIN WOOD: Hier im Shop von ROBIN WOOD kann der Sorgenbericht online bestellt werden.

Bestandsaufnahme Atommüll weiter bekannt machen

Die weitere Verbreitung der Bestandsaufnahme kann unterstützt werden durch z.B.:

  • Buchhandlungen im Wohnort ansprechen, ob sie Exemplare (auch in Kommission und mit dem üblichen Buchhandelsrabatt) ins Programm aufnehmen
  • eine Veranstaltung organisieren, ReferentIn einladen (s.o.)
  • ein Pressegespräch/eine Pressekonferenz organisieren
  • den Flyer an geeigneten Orten auslegen
  • das A1-Plakat bestellen und gut sichtbar aufhängen
  • den Sorgenbericht bestellen, lesen und mit den Informationen weiterarbeiten
  • diese Info in eigene Verteiler weiterleiten

Thomas Erbe, Arbeitsgemeinschaft Schacht KONRAD e. V.

(*) Die ATOMMÜLL-Konferenz ist ein fachpolitisches Forum von Standorten, Verbänden und unabhängigen WissenschaftlerInnen; mehr: www.atommuellkonferenz.de

Auch das noch: Vattenfall sieht emotionale Probleme beim Rückbau von AKWs: Wohin mit dem kontaminierten Bauschutt?

Pieter Wasmuth, Generalbevollmächtigter für Hamburg und Norddeutschland: Atommüll wird stigmatisiert. Emotionale Probleme... Foto: Vattenfall
Pieter Wasmuth, Vattenfall: Atommüll wird stigmatisiert. Emotionale Probleme… Foto: Vattenfall

„Kernkraftwerk-Abriss in Brunsbüttel: Betreiber Vattenfall befürchtet, auf 291.000 Tonnen Bauschutt sitzen zu bleiben. 9000 Tonnen strahlender Abfall müssen zwischengelagert werden.“ Das meldet die SHZ auf Basis von Aussagen von Vattenfall. 15 Jahre wird der Rückbau nach den Planungen des Konzerns dauern, nach derzeitigen Planungen 1,7 Milliarden Euro kosten. Aber: Vattenfall sieht „emotionale Probleme“ mit dem Atommüll auf sich zukommen…

Es ist die besondere Art von Vattenfall mit Problemen umzugehen. Die großen Mengen kontaminierter Bauschuttabfälle dürfen rechtlich nach der sogenannten Freimessung grundsätzlich auf Hausmülldeponien oder im Straßenbau abgelagert werden. Allerdings sind viele Unternehmen bzw. Betreiber dazu nicht bereit. Richtig ist zwar, dass diese Abfälle nur sehr gering verstrahlt sind – richtig ist aber auch: Die enormen Mengen führen zu einer dauerhaft höheren Strahlung. Für Vattenfall vor allem ein emotionales Problem: „Und es geht um den größten Teil des anfallenden Bauschutts. Der gilt zwar als unbedenklich, doch sieht Pieter Wasmuth, Geschäftsführer Vattenfall Europe Nuclear Energy, emotionale Hindernisse, bei der Wiederverwertung von 97 Prozent der 300 000 Tonnen Gesamtmasse des Kraftwerks.“ Dumme Sache, diese Emotionen.

Wasmuth ist auch im weiteren unschlagbar. Er verweist auf die technischen Erfahrungen, die es beim Rückbau gibt, z.B. beim AKW Stade. Dort aber hat man eben dieses emotionale Problem: In Stade werde der unbedenkliche Bauschutt nun schön verpackt gelagert, weil ihn niemand haben wolle. 90 Prozent des Betons könnten wiederverwertet werden, ebenso die sieben Prozent Metalle aus dem Kraftwerk. Strahlender Rest falle lediglich in einer Größenordnung von drei Prozent an.

„Emotional ist das ein Riesenthema“, weiß Pieter Wasmuth. Denn selbst landeseigene Deponien wollten den Schutt nicht haben. Dies, obwohl zunächst eine behördliche Freigabe erfolgen müsse, die Unbedenklichkeit also offiziell bescheinigte werde, bevor das Material das Gelände in Brunsbüttel verlasse. Wenn also der Rückbau gesellschaftlich gewollt sei, dürften diese Abfälle nicht stigmatisiert werden, findet Wasmuth. „Alle finden den Rückbau toll, aber keiner will den Müll.“

Au Backe. Was ein Elend. Und während Wasmuth über diese emotionalen Probleme nachdenkt, wird der Bevölkerung eher am Rande mitgeteilt, dass es in Brunsbüttel ein neues Zwischenlager für leicht- und mittelaktiven Atommüll geben soll, der ebenfalls beim Rückbau anfällt und wo dummerweise dieses Endlager im Schacht KONRAD einfach nie fertig werden will, weil es immer neue Probleme dort gibt. Noch dümmer ist aber vielleicht: Das Atommülllager für hochradioaktive Brennelemente in Brunsbüttel ist – laut einem Urteil des OVG Schleswig – auch nicht so ganz sicher und muss entweder nachgerüstet werden und ein komplett neues Genehmigungsverfahren durchlaufen – oder aber … Genau: Keine Ahnung.

Mehr zum Thema demnächst in diesem Kino.

Bis dahin:

AKWs und der Bauschutt:

und:

Immer diese Probleme: Atommülllager Schacht KONRAD – Brüchige Mauern – Rissige Fugen

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hier entsteht… oder auch nicht? Geplantes Atommülllager Schacht KONRAD. Foto: Dirk Seifert

Während die hohe Politik in Berlin so tut, als gäbe es bei der Atommülllagerung nur noch bei den hochradioaktiven Abfällen Probleme, ruckelt es bei der dauerhaften Lagerung für den leicht- und mitterradioaktiven Atommüll. Gemeint ist nicht die ASSE, sondern der Schacht KONRAD in Salzgitter. Der wird z.Zt. für die Einlagerung der genannten Abfälle vorbereitet und ausgebaut, aber mit immer neuen Problemen, die die Zeitpläne mächtig durcheinander bringen. Darüber berichtet jetzt die AG Schacht KONRAD auf ihrer Seite. Der Umweltausschuss der Stadt Salzgitter hat sich jüngst über den aktuellen Stand beim Ausbau informiert, nachdem bekannt geworden war, dass neue Probleme eine Inbetriebnahme vermutlich bis zum Jahr 2021 weiter verzögern könnten. Immer wieder ist der Einlagerungsbeginn verschoben worden, zuletzt war von 2019 die Rede.

Siehe auch: Atommüll-Konferenz: Absage an Endlager-Kommission – Initiativen kündigen Sorgenbericht über Atommüll-Desaster an

Mehr Infos über den Schacht KONRAD auf dieser Seite:

Atommülldebatte: Desaster wird ignoriert – Endlager-Kommission lohnt sich nicht, my Darling….

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Probleme ohne Ende mit dem Atommüll: Geplantes Lager für den leicht- und mittleradioaktiven Strahlenschrott im Schacht Konrad. Foto: Dirk Seifert

In der heutigen Ausgabe der Tageszeitung „Neues Deutschland“ steht das Endlagersuchgesetz auf der Debattenseite und die Frage, ob „sich die Zivilgesellschaft an der Endlager-Kommission beteiligen“ solle. Während Ralf Meister (evang. Kirche) dafür plädiert, sich zu beteiligen (Die Endlagersuche vergesellschaften!), veröffentlicht das ND meinen Beitrag unter der Überschrift: Diese Farce bitte ohne uns!

Hier mein Beitrag in voller Länge:

„Angeblich ist die langfristige Lagerung hoch radioaktiver Brennelemente das letzte Problem bei der Atommüllentsorgung, das mit dem Endlagersuchgesetz gelöst werden soll. In Gorleben, Ahaus, Lubmin, an den Standorten der Atomkraftwerke und an diversen Forschungsanlagen wird dieser Strahlenmüll derzeit zwischengelagert. Meist in Hallen, von denen das Oberverwaltungsgericht in Schleswig jüngst feststellte, dass deren Sicherheit gegen Terrorangriffe nicht ausreichend geprüft ist. Das Urteil bezieht sich auf das Lager am AKW Brunsbüttel. Aber klar ist: Die Mängel bestehen nicht nur für alle Zwischenlager, sondern auch für die neun Atommeiler, die noch in Betrieb sind und täglich neuen Müll erzeugen.

Bei den leicht- und mittelradioaktiven Abfällen häufen sich ebenfalls die Probleme. Dieser Müll soll eigentlich in den Schacht Konrad. Der Schacht ist genehmigt, der unterirdische Ausbau läuft. Doch seit Jahren verzögert sich die Inbetriebnahme, unter Tage gibt es immer mehr und neue Probleme. Übersehen wird gern: In das Genehmigungsverfahren für Konrad wurde – ähnlich wie in Gorleben – mit politischen Motiven eingegriffen. Bundesumweltminister erteilten Weisungen gegen die zuständige Genehmigungsbehörde und wischten Sicherheitsbedenken vom Tisch. Bedenken, über die sich schließlich die erste rot-grüne Bundesregierung hinwegsetzte, um mit den Kraftwerksbetreibern zu einem Konsens in Sachen Ausstieg zu kommen. Politische Übereinkünfte statt Sicherheit.

Siehe auch: Atommüll-Lager im Schacht Konrad verzögert sich: Sicherheitsprobleme nehmen kein Ende und: Endlagersuche: “Neue Debatte auch über Schacht Konrad”

Sämtlicher leicht- und mittelradioaktive Atommüll nach Konrad? Das war der Plan. Aber: Immer mehr Atommüll »taucht auf«, der dort nicht rein darf – zum Beispiel aus dem Lager ASSE II. Das jahrzehntelang als Vorbild für Gorleben und natürlich »total sichere« Lager droht abzusaufen und einzustürzen. Alles muss raus, heißt nun die Devise. Und wenn das klappt, wohin damit? Das weiß im Moment keiner – nach Konrad darf das Zeug jedenfalls nicht!

Vor wenigen Wochen berichtete der Spiegel: »Als gäbe es nicht genug offene Fragen, ist zwischenzeitlich eine neue Sorte von Atommüll aufgetaucht, für die es bislang noch gar keine Endbestimmung gibt«. Ja wo kommt denn plötzlich dieser »neue« Atommüll her? (siehe hier)

Aus Gronau. Dort wird Uran verarbeitet, damit Brennstoff für AKW in aller Welt hergestellt werden kann. Dabei entstehen große Mengen Müll. Die Fabrik in Gronau und eine weitere Anlage in Lingen sind vom Atomausstieg ausgenommen und haben unbefristete Betriebsgenehmigungen. (siehe aktuell dazu hier)

Der Clou in Gronau: Weil der Betreiber den Uranmüll als Wertstoff deklariert, ist es offiziell kein Atommüll. Wertstoff? Auf Nachfrage teilt die Bundesregierung mit: »Konkrete Verwendungsvorhaben sind der Bundesregierung nicht bekannt«.

Mit rund 100 000 Kubikmeter Uranmüll rechnen die zuständigen Behörden – vom Volumen her etwa das Dreifache dessen, was an hoch radioaktivem Atommüll anfällt und gelagert werden muss. Per Taschenspielertrick wird dieser gigantische Müllberg einfach aus der Statistik rausgerechnet.

Auch dieser Müll darf nicht in den Schacht Konrad. Und nun? Der Experte Wolfgang Neumann warnt im Spiegel: »Dann müsste man ein drittes Endlager suchen.« Und das Magazin ergänzt: »Auch im Bundesumweltministerium hält man sich diese Option offen, obwohl offiziell mit zwei Standorten geplant wird.«

Es ist eine Lüge, auf der das Endlagersuchgesetz fußt. Zu viele Festlegungen sind von den Parteispitzen hinter verschlossenen Türen gemacht worden. Am Ende kann das Gesetz sogar dazu führen, dass Gorleben Atommüllendlager wird. Genug Abfall wäre vorhanden. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Greenpeace und ROBIN WOOD haben daher beschlossen, sich dieser Farce zu verweigern. Ein Neuanfang ist angesichts all dessen, was ignoriert wird oder per Vorfestlegungen entschieden ist, nicht möglich.

Die Anti-Atom-Initiativen haben jetzt einen »Sorgenbericht« vorgelegt. Standort für Standort wird darin das gesamte Atommüll-Desaster bilanziert. Wer einen Konsens in der Atommüllfrage anstrebt, muss zwei Dinge tun. Erstens: Die Ehrlichkeit aufbringen, dass nichts in Sachen Atommülllagerung gelöst ist. Und zweitens: Auf dieser Basis mit allen relevanten Akteuren ohne Vorbedingungen in die Debatte gehen. Nur so können Sicherheitskriterien im gesellschaftlichen Konsens entwickelt werden und die Suche nach einer dauerhaften und sicheren Lagerstätte erfolgreich sein!“

Siehe auch hier: Greenpeace, BUND und ROBIN WOOD lehnen Teilnahme an der Endlager-Kommission ab.

Kein Atomausstieg: Uranfabriken in Deutschland unbefristet in Betrieb

Radioaktiver Uranzug auf dem Weg von Gronau nach Frankreich. Fotograf aaa-WestPubliXviewinG
Radioaktiver Uranzug auf dem Weg von Gronau nach Frankreich. Fotograf aaa-WestPubliXviewinG

Das ARD-Magazin Plusminus geht heute mit einem Beitrag über den „halben Atomausstieg“ auf Sendung. Vorab berichtet das Magazin: „Hamburg – In Deutschland werden auch nach Abschaltung des letzten Atomkraftwerks weiterhin Brennelemente für den Export hergestellt. Das deckt eine Recherche des Wirtschaftsmagazins “Plusminus” vom NDR im Ersten auf. Die Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau und die Brennelementefabrik im niedersächsischen Lingen erhielten unbefristete Betriebsgenehmigungen. Ein aktueller Antrag des Landes Nordrhein-Westfalens im Bundesrat, das Atomgesetz zu ändern, um die Urananreicherung in Deutschland zu beenden, wurde auf unbestimmte Zeit vertagt.“ Was die Recherche „aufdeckt“ ist für Insider zwar nichts Neues, aber in der Tat ist bis heute vielen Menschen unbekannt, dass die Uranfabriken in Lingen und Gronau vollständig vom Atomausstieg ausgeklammert sind – und bleiben sollen.

Mehr Informationen auch hier: 4ever Uranfabrik Gronau? Lets do Widerstand!

 

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