Whistle-Blower über Sichtheitsmängel bei Atomtransporten der Stena Line Rostock – Schweden

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Risiko fährt mit: Atomtransporte bei der Fährverbindung der Stena Line nach Schweden. Foto: Screen-Shot des Panarama-Berichts vom NDR.

Auf Basis der Informationen eines Whistle-Blowers über die mangelhaften Sicherheitseinrichtungen bei Atomtransporten mit der Passagierfähren der Stena Line zwischen Rostock und Trelleborg in Schweden berichtet die Panorama-Redaktion des NDR in einem TV-Beitrag. Vor allem bei den Transporten mit dem besonders riskanten Uranhexafluorid zeigen sich gravierende Sicherheitsmängel. Die Fähren transportieren auf den oberen Decks Passagiere. In den unteren Decks werden LKW auch mit Gefahrgütern und PKW geladen.

Uranhexafluorid (UF6) steht im Zusammenhang mit der Herstellung von Brennelementen für Atomkraftwerke. Es wird benutzt, um in Zentrifugen das spaltbare Uran235 anzureichern. In Deutschland wird das in der zum URENCO-Konzern gehörenden Urananlage in Gronau getan. Von hier aus wird angereichertes Uran auch nach Schweden geliefert, wo es in Västerås, nordwestlich von Stockholm zu Brennelementen verarbeitet wird. Anschließend werden von dort aus die frischen Brennelemente an Atomkraftwerke in aller Welt ausgeliefert – u.a. wiederum über die Fährverbindung Trelleborg – Rostock.

Die Brennelemente-Fabrik in Schweden gehört heute dem Westinghouse-Konzern. Das Nuklear-Forum.ch schreibt: „Die Westinghouse Nuclear Fuel besitzt zehn Produktionsstätten weltweit, darunter zwei in Europa: Springfields Fuels Limited (Preston, Lancashire, Grossbritannien) und Westinghouse Electric Sweden (Västeras, Schweden). Die Westinghouse liefert Brennstoff für insgesamt 153 Kernkraftwerkseinheiten weltweit.“ Unter anderem beliefert Westinghouse von Schweden aus auch bundesdeutsche Atomkraftwerke von E.on.

Kommt es bei Atomtransporten mit Uranhexafluorid auf den Fähren zu einem Brand, können schnell  hohe Temperaturen unter Deck entstehen. Ein Experte wird in dem Beitrag zitiert, der von Feuer mit bis zu 1.000 Grad Celsius spricht. Die Behälter für Uranhexafluorid, die auf diesen Fähren transportiert werden, sind jedoch nur für Feuer bis 800 Grad getestet. Diese Temperatur müssen sie eine halbe Stunde lang überstehen, ohne undicht zu werden.

Höhere Temperaturen können zu einem früheren Versagen führen. Feuer wird an Bord der Stena-Schiffe nicht wie z.B. auf reinen Frachtschiffen mit CO2 bekämpft, sondern mit Wasser-Sprenglern. Diese können zwar das Feuer kühlen, nicht aber wirklich löschen, berichtet Panorama. Kommt es auf offener See zu einem Feuer und zu einem Behälterversagen, würde das hochgiftige und äußerst aggressive UF6 vor allem durch die Fluorverbindungen zur Todesfalle: Durch das Löschwasser würde Flusssäure entstehen, die sich gasförmig ausbreitet und damit zur akuten Lebensgefahr für die Passagiere werden würde.

Hubertus Zdebel, Bundestagsabgeordneter und atompolitischer Sprecher der Links-Fraktion, stellte jüngst mit Blick auf Atomtransporte und Lagerung von UF6 fest: „Uranhexafluorid ist ein hochgefährlicher ätzender und radioaktiver Stoff. Die Behälter halten einem Feuer von 800 Grad nur maximal eine halbe Stunde stand. Nach einer Freisetzung entsteht Flusssäure, die Lungen verätzt und sogar Glas zerfrisst. Todesfälle in vielen hundert Metern Entfernung sind nicht ausgeschlossen.“

Erst vor wenigen Tagen machten auch  AtomkraftgegnerInnen im Rahmen eines Anti-Atom-Camps in Kiel auf die Atomtransporte mit der Stena Line aufmerksam.

Uranfabrik Gronau: Uran-Lager verzögert sich – mehr Atomtransporte künftig nach England.

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Hat einiges vor. Zdebel will die Urananreicherungsanlage Gronau stilllegen.

Mehrere Tageszeitungen berichten heute über den Atommüll in der Urananreicherungsanlage in Gronau. Anlaß  ist die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage des Linken-Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdebel. Demnach lagern in Gronau Ende Juli insgesamt 18.510 Tonnen hochgiftiges Uranhexafluorid (abgereichert und als Natururan) unter freiem Himmel. Eine neue Lagerhalle, die eigentlich schon in diesem Jahr in Betrieb gehen sollte, soll demnach nun erst 2015 eingeweiht werden. Dieses neue Uran-Lager ist ohne zeitliche Befristung genehmigt. Anti-Atom-Initiativen befürchten, auf diese Weise ein „Endlager durch die Hintertür“ entstehen könnte.  Zdebel verweist außerdem darauf, dass künftig auch Uran-Transporte im Pendelverkehr über den Ärmelkanal zwischen einer neuen Konversions-Anlage in Capenhurst (Großbritannien) und der Anlage in Gronau vermehrt stattfinden werden. 2016 soll diese neue Anlage in Betrieb gehen. Denkbar ist, dass diese Atomtransporte dann auch über die Häfen in Bremen stattfinden könnten. „Uranfabrik Gronau: Uran-Lager verzögert sich – mehr Atomtransporte künftig nach England.“ weiterlesen

Atomtransporte: Uran-Zug in NRW unterwegs

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AtomkraftgegnerInnen in Hamburg stoppten gestern mit einer Ankett-Aktion einen Atomzug mit 51 Container voller Uranerzkonzentrat. Foto: Eichhörnchen

Der Atomtransport mit 51 Containern – ausgeteilt in zwei Züge – voller Uranerzkonzentrat (Yellow Cake) ist unterwegs durch Nordrhein-Westfalen (NRW). Gegen 2.30 Uhr letzte Nacht durchfuhr der Zug mit dem Uran aus Namibia, Kasachstan und Usbekistan den Hauptbahnhof in Osnabrück und wenig später Münster in Richtung Hamm. Auf der Weiterfahrt nach Narbonne in Südfrankreich, wo das Uran für die Herstellung von Brennelementen zum Einsatz im Atomkraftwerken vorbereitet wird, wird der Uran-Zug auch über Köln und Bonn fahren und dann die Mosel entlang Richtung Grenze. Gestern war der Zug im Hamburger Hafen gestartet und zunächst für mehrere Stunden von AtomkraftgegnerInnen mit einer Ankett-Aktion aufgehalten worden.

Hubertus Zdebel, Bundestagsabgeordneter der Linken und atompolitischer Sprecher sagte gestern per PM: „Das Uran soll zu Brennelementen für Atomkraftwerke verarbeitet werden und ist zunächst für eine Anlage in Südfrankreich bestimmt. Vermutlich wird ein Teil dieses sogenannten Yellow Cakes auch irgendwann in den Uranfabriken in Gronau und Lingen wieder auftauchen. In Gronau erfolgt die Anreicherung des Urans, in Lingen werden Brennelemente hergestellt. Nach dem Einsatz im Atomreaktor ist das Uran hochradioaktiv – die dauerhafte Lagerung ist vollkommen ungeklärt.“

DSC01627Die Taz-Hamburg berichtet heute „Uran-Zug im Hamburger Hafen blockiert“ und schreibt „Mit erheblicher Verspätung startete am Montag ein Atomzug mit 51 Containern Uranerzkonzentrat aus Kasachstan, Namibia und Usbekistan seine Reise vom Verladebahnhof Hamburg-Maschen durch Niedersachsen und Bremen in Richtung Frankreich. Anti-Atom-Aktivisten hatten am Morgen die Abfahrt am Güterbahnhof Hamburg-Veddel fünf Stunden lang blockiert, indem sie sich an die Gleise gekettet hatten.“

Auch über die vier Container mit Uranerz, die über Wochen entgegen einer Mitteilung des Hamburger Senats im Hafen gelagert waren, berichtet das Blatt. Inzwischen hatte der Senat – nachdem Anti-Atom-Initiativen mit ihren Beobachtungen auf die immer noch in Hamburg befindlichen radioaktiven Container aufmerksam gemacht hatten – eingeräumt, leichtfertig falsch informiert zu haben.

„Mit an Bord des Zuges waren laut dem Innenbehörden-Sprecher Frank Reschreiter auch jene vier Container aus Kasachstan, die der russische Atomfrachter „Sheksna“ vor vier Wochen im Hamburger Hafen angeliefert hatte. Die Container waren von der Wasserschutzpolizei festgehalten worden, da die so Sicherheitssiegel für Gefahrguttransporte – die sogenannten CSC-Plaketten – abgelaufen waren. Das Amt für Arbeitsschutz erteilte trotzdem die Genehmigung zum Weitertransport.“ Weiter berichtet von Appen: „Entgegen der offiziellen Senatsangabe, nach der die vier Container Hamburg umgehend verlassen hätten, waren sie am vergangenen Freitag von Aktivisten eines Anti-Atom-Camps aufgespürt worden, als diese eine erneute Anlieferung von Uranerzkonzentrat-Containern der „Sheksna“ am Südwest-Terminal beobachteten. Die Umschlagsfirma C. Steinweg hatte die vier Container auf ihrem Gelände fast einen Monat einfach zwischengelagert.“

Schließlich stellt die Taz fest: „Hamburg ist mit offiziell 180 Atomtransporten 2013 die internationale Drehscheibe im Urangeschäft. „Wir wollen mit unserer Aktion darauf aufmerksam machen, dass fast täglich Atomtransporte über den Hamburger Hafen abgewickelt werden“, sagte eine Aktivistin. Udo Buchholz vom Vorstand des Bundesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) warf der Politik „Geheimniskrämerei und Verschleierung“ vor. Nach seinen Angaben werden weder die Feuerwehr noch das Deutsche Rote Kreuz über die Routen der Transporte informiert.“ KVA, 19.8.2014 taz Nord Nr. 10490 Nord Aktuell 79 Zeilen, KVA S. 21

Weitere Berichte über den Atomzug aus dem Hamburger Hafen: Die Bild schreibt “Anti-Atom-Aktivisten stoppen Uran-Zug“,  das Bonner Magazin rhein:raum informiert: “Wieder Atomtransport erwartet“. Bei der Mopo: “Anti-Atom-Aktivisten ketten sich an Gleise – Zug gestoppt“, das Greenpeace-Magazin stellt fest: “Atomkraftgegner blockieren Uranzug in Hamburg“. Der Deutschlandfunk informiert in der Reihe “Umwelt und Verbraucher” kurioserweise über “Ausschreitungen bei Atomtransport in Hamburg” (Audio-Link). Die Taz berichtet: “Täglich rollt der Kernbrennstoff” mit vielen Zahlen über Atomtransporte, das Neue Deutschland schreibt über:”Uranpulver per Schiff und Zug” und Hubertus Zdebel von der Links-Fraktion stellt fest: “Nach Aktion gegen Atomtransport in Hamburg: 50 Container mit radioaktivem Uran sollen quer durch Deutschland nach Südfrankreich” Außerdem haben auch viele TV-Sender, wie z.B. RTL über die Aktion (danke Udo!) von heute berichtet.

Uran-Fabrik USA – Honeywell Metropolis: Arbeitskampf, Ausperrung und Gesundheitsschutz

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Ausgesperrt: Beschäftigte der Uranfabrik von Honeywell in Metropolis, USA. Foto: USW

Uran-Geschäfte der anderen Art: In den USA kämpfen die Beschäftigen einer Anlage zur Herstellung von Uranhexafluorid (UF6) – einem Zwischenprodukt auf dem Weg zur Herstellung von Brennelementen für Atomkraftwerke – seit Jahren für bessere Tarifbedingungen und besseren Gesundheitsschutz. Wieder einmal hat die zum Honeywell-Konzern gehörende Geschäftsleitung im Werk in Metropolis, Süd-Illionois, die Belegschaft ausgesperrt. Darüber berichten US-Medien und The Militant.

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Herstellung von Uranhexafluorid: Honeywill, Metropolis, USA. Foto: Ncollida1106

Seit Jahren gibt es bei Honeywell Metropolis Probleme: Insgesamt 14 Monate dauerten in den Jahren 2010/11 die Auseinandersetzungen zwischen den rund 350 Beschäftigten mit der Konzernleitung um die Tarifverträge. Mit Hilfe von angelernten Streikbrechern sorgte die Konzernleitung dafür, dass zumindest ein Teil der Uranproduktion fortgesetzt werden konnte. Die zuständige Gewerkschaft, die United Steel Workers (USW), Local 7-669 warf der Konzernleitung wiederholt vor, damit die Sicherheitsstandards zu gefährden und schwere Unfälle in Kauf zu nehmen.

Im September und Dezember 2010 kam es während der Aussperrung zu Explosionen im Werk. The Militant berichtet: „In September 2010, a hydrogen explosion rocked the plant after the company started up production with replacement workers during the lockout. A second release of hydrogen fluoride used in uranium enrichment took place on Dec. 22 that year. “

Zu einer Schließung des Werks kam es nach der Katastrophe von Fukushima. Die US-Regierung hatte Nachrüstungen angeordnet, z.B. weil es Risiken bei der Erdbeben- und Tornado-Auslegung der Anlage gab. (Honeywell Metropolis makes earthquake modifications) Zwischen 2012 und 2013 ging die Anlage für neun Monate offline, mit der Folge, dass ein Teil der Beschäftigten in dieser Zeit kein Gehalt bekamen.

Auf der Homepage der lokalen Stahl-Gewerkschaft wird in einer Übersicht dargelegt, worum es bei den Auseinandersetzungen geht: „What We Are Fighting For!“ Die lange Liste, in der es auch um Fragen des Gesundheitsschutzes im Zusammenhang mit der Radioaktivität und Krebserkrankungen geht, zeigt, wie massiv der Konflikt ist.

Sinngemäß heißt es dort u.a.: „Unsere Mitglieder arbeiten mit einigen der gefährlichsten Chemikalien auf dem Planeten und Krebs verursachenden Uran und sollte ein angemessenes Gesundheitswesen erwarten. Unser Vorschlag zielt darauf ab, einen Kompromiss mit dem Unternehmen in über ein „Sub-Standard-Gesundsheitsprogramm“ zu erreichen, aber das Unternehmen hat sich geweigert, ernsthafte Verhandlungen darüber zu führen. “ Auf die Forderung nach verbessertem Gesundheitsschutz reagiert der Konzern mit dem Vorschlag, die Gehälter zu senken, um die Kosten nicht übernehmen zu müssen. 

Unfälle bei der UF6-Herstellung jedenfalls kommen vor. Auf dieser Seite von Energy-Net.org ist zu lesen, dass es im Dezember 2003 zu einem Feuer in der Anlage kam, bei dem efl Arbeiter „kontaminiert“ wurden : „There was a December 2003 fire at the 1,100 acre facility that required public evacuation of the nearby area. Eleven workers were contaminated by a UF6 leak.“

Anlagen zur Herstellung von Uranhexafluorid

Informationen über die Anlagen zur Herstellung von Uranhexafluorid gibt es vergleichsweise wenig. Vielleicht auch, weil es weltweit nur wenige gibt. Diese befinden sich in Kanada, Großbritannien, Russland, Frankreich, China (im Aufbau) und eine kleine Anlage in Brasilien. Außerdem die Anlage in Metropolis, USA. Converdyn ist der offizielle Name der dortigen Fabrik, die zu jeweils 50 Prozent den Konzernen Honeywell und General Atomic gehört. Etwa 15.000 Tonnen Uran als UF6 hat die Anlage bei einer Auslastung von rund 70 Prozent laut Angaben der World-Nuclear.org jeweils pro Jahr in den letzen Jahren hergestellt.

Ausgangsprodukt für die Herstellung von Uranhexafluorid ist das aus den Uranminen stammende Konzentrat, so genanntes Yellow Cake. Der Uranbergbau gilt als besonders umwelt- und gesundheitsschädigend.

Wikipedia schreibt über das Uranhexafluorid: „Es ist ein farbloser, kristalliner Feststoff, der leicht flüchtig, radioaktiv und äußerst giftig ist. Es ist eine sehr aggressive Substanz, die nahezu jeden Stoff und auch jedes biologische Gewebe angreift. Uranhexafluorid ist beständig in trockener Luft, reagiert jedoch sehr heftig mit Wasser. In den meisten Fällen wird es aus Uran(IV)-fluorid (UF4) durch Umsetzung mit elementarem Fluor (F2) gewonnen. Bei Normaldruck und einer Temperatur von 56,5 °C geht Uranhexafluorid durch Sublimation direkt vom festen in den gasförmigen Zustand über.“ Kontakt mit dem Gas kann unter bestimmten Wetterbedingungen nach einem Unfall noch im mehreren hundert Meter tödliche Folgen haben.

Atomtransporte: Uran von Honeywell für Anreicherung in Gronau!

Die Anlage in den USA ist auch im großen Stil Lieferant für den deutschen Uranmarkt. In einer aktuellen Schriftlichen Kleinen Anfrage (Drucksache 18/01726, PDF) des Linken-Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdebel vom Juni 2014 taucht Honeywell bei den Einfuhren von Natururan in Form von Uranhexafluorid zwischen 2007 und 2012 mit großen Liefermengen auf (Siehe dazu Bild mit Tabelle gleich unten). Erkennbar ist auch, dass die Mengen sich zwischen 2010 und 2012 auf jeweils rund 197.000 kg Uran gegenüber den Vorjahren reduzierten und in 2013 überhaupt keine Einfuhr erfolgte.

Ob dies mit den Arbeitskämpfen und den sicherheitstechnischen Nachrüstungen in Verbindung steht, muss offen gelassen werden. Denkbar wäre auch, dass sich die Importe aus anderen Gründen verschoben haben (z.B. Kosten).

Der größte Anteil der Einfuhren steht im Zusammenhang mit der Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau bei Münster. Hier wird das UF6 benötigt, um den Anteil des spaltbaren Uran 235 auf das für den Betrieb in Atomkraftwerken erforderliche Niveau von rund o,7 Prozent (Natururan) auf 3 – 5 Prozent zu erhöhen. Die Anlage in Gronau ist ebenso wie die Brennelemente-Fabrik in Lingen vom Atomausstieg ausgeschlossen und verfügt über eine unbefristete Dauergenehmigung. In Gronau ist die Gewerkschaft IG BCE zuständig. Ob die sich in irgendeiner Weise mit den Arbeitskämpfen bei Honeywell in Metropolis befasst hat, ist mir derzeit unbekannt.

Ohne Atomtransporte wäre der internationale Uranhandel natürlich nicht denkbar. Viele dieser Transporte gehen durch den Hamburger Hafen, wo AtomkraftgegnerInnen derzeit aktiv sind.

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Atomtransporte Hamburg: Dreckiges Namibia-Uran auf dem Weg zu hochradioaktivem Atommüll

Urangestein-Wismut-2014-Ippnw-TagungInsgesamt 36 Container mit radioaktivem Uranzerkonzentrat, so genanntem Yellow Cake lagern derzeit im Hamburger Hafen. AtomkraftgegnerInnen hatten diese geheimen Atomtransporte erneut vor einige Tagen im Hamburger Hafen entdeckt. 14 Container haben ihren Ursprung in Namibia, wo das Uran aus sogenannten Open-Pit-Minen wie der „Rössing“ oder der „Langen Heinrich“ im Tagebau aus der Erde geholt wird. Das geht nur mit massiven Umweltzerstörungen und mit hohen gesundheitlichen Risiken für die Bergarbeiter und die AnwohnerInnen. Was mit Umweltzerstörung beginnt wird nach einer Weltreise über zahlreiche Atomanlagen zu hochradioaktivem Atommüll. Was mit dem geschehen soll, weiß weltweit kein Mensch.

Mehr Infos auf umweltFAIRaendern zu den Atomtransporten in Hamburg

Hamburg und Uran aus Namibia

Die Grube der Rössing-Mine bei Swakopmund: Foto: Ikiwaner http://commons.wikimedia.org/wiki/User:Ikiwaner
Die Grube der Rössing-Mine bei Swakopmund: Foto: Ikiwaner

Die Bilder von Tagebau-Minen wie der Rössing sind grausam: Riesige und tiefe Löcher sind in die Erde gegraben, täglich werden sie größer. Gunter Wippel vom Uranium Network schreibt in einer Mail an umweltFAIRaendern: „Der Rössing-Tagebau ist eine der größten open-pit-Minen der Welt, 3,5 Kilometer lang, 1,5 Kilometer breit und über 300 Meterm tief, mitten in der Namib-Wüstenregion.“

Nicht nur die radioaktive Strahlung durch das Uran wird beim Tagebau an die Oberfläche gefördert. In hohem Masse wird auch das radioaktive Radon als Gas freigesetzt.Die Rössing-Mine ist eine der größten der Welt. Mit schwerem Gerät und Sprengstoff werden hunderttausende Tonnen uranhaltiges Getein aus der Erde gefördert. Am Rande der Mine wird das Uran mit hochgiftigen Chemikalien und enormen Wassereinsatz aus dem Stein gelöst. So entsteht das Uranerzkonzentrat, wegen seiner Farbe auch Yellow Cake genannt. Rio Tinto, ein Rohstoff-Gigant, ist Eigentümer der Rössing- Mine.

Nur rund 0,5 Prozent beträgt der Anteil des Urans im gesamten Gestein, das aus der Erde gesprengt und von den Minenarbeitern verladen und verarbeitet wird. So entstehen riesige und immer noch strahlende Abraumhalden rund um die Mine herum. „Rössing war bereits mehrfach in der Kritik wegen der radioaktiven Kontamination der Umwelt, die von dem Bergwerk und insbesonderen von den Millionen Tonnen Abraum-Halden und Schlammrückhaltebecken ausgehen“, berichtet Wippel und verweist auf eine Studie des Labour Resource and Research Institute (LaRRI) (PDF) vom Februar 2009. Darin wird über die schwerwiegenden Gesundheitsfolgen bei den Bergarbeitern berichtet.

Es ist an vielen der Uranminen das Gleiche, – im nordafrikanischen Niger, wo AREVA das Uran für seine Atomkraftwerke herbekommt oder eben bei Rössing in Namibia: Umweltschäden und gesundheitliche Folgen: Die Minenbetreiber haben damit nichts zu tun und in keinem Fall ist die Radioaktivität und der schlechte Schutz dafür verantwortlich.

Auch darauf weist Wippel hin: „Die medizinische Versorgung der Bergarbeiter läßt viele Fragen offen – sie haben bis heute keinen Einblick in ihre Gesundheitsakten und müssen sich an Ärzte weit außerhalb wenden, um eine unabhängige Einschätzung ihres Gesundheitszustandes zu erhalten; es wird immer wieder berichtet, daß Bergarbeiter an „unerklärlichen Krankheiten“ sterben, kurz nachdem sie entlassen worden sind, weil sie als nicht mehr „fit for work“ befunden worden waren.“

Immer mehr Studien (Links siehe unten) liefern inzwischen deutliche Hinweise, dass der Uranbergbau katastrophale Folgen hat. Erst im Frühjahr 2014 wurden im Rahmen des EJOLT Projektes (EJOLT = Environmental Justice Organisation, Liabilites and and Trade), das von der EU finanziert wird, zwei Berichte veröffentlicht, die auf die zunehmende radioaktive Verseuchung in der Umgebung des Rössing Bergwerkes hinweisen: So ist der Gehalt von Uran im Wasser unterhalb des Bergwerks 2.155-fach erhöht gegenüber Werten oberhalb des Bergwerkes, auch die Konzentration von Schwermetallen ist erheblich erhöht – beides stellt eine massive Gefahr für die Gesundheit dar.

Wippel weiter: „Bezüglich der Gesundheitssituation der Bergarbeiter bestätigten sich die Befunde von 2009: Die Arbeiter werden über ihre Gesundheits- bzw. genauer gesagt, Krankheitssituation im Dunkeln gelassen, bis sie zu krank sind, um weiterzuarbeiten – erst dann werden sie in Kenntnis gesetzt – und so manche sterben bald darauf. Umfassende Gesundheitserhebungen gibt es nicht – sie werden von dem EJOLT-Bericht massiv angemahnt.“

Über den 80 Kilometer entfernten Hafen von Walvis-Bay wird das Yellow Cake auf Schiffe wie die „Green Mountain“, registriert auf den Marshall Islands, weiter transportiert. Regelmäßig ist das 200 Meter lange Schiff im Hamburger Hafen. Nicht nur Uran aus Namibia ist dann an Bord. Auch Touristen können sich gleicht hinter der radioaktiven Fracht für eine Passage einmieten. Buchbar über die Globoship – Globetrotter Tours AG in Bern (PDF).

Weltreise auf dem Weg zum hochradioaktiven Atommüll

Von Namibia über Hamburg geht es zunächst quer durch Niedersachsen, NRW und Rheinland-Pfalz bis nach Narbonne in Südfrankreich. Dort wird das Yellow Cake für die Herstellung von Uranhexafluorid (UF6) vorbereitet. Von Narbonne geht es in eines der größten französischen Atomzentren rund um Pierrelatte an der Rhone bei Avignon. Hier entsteht in der einzigen westeuropäischen Anlage das UF6. Nicht nur leicht radioaktiv, sondern nun auch durch das Fluor chemisch hochgefährlich. Erst in diesem chemischen Zustand kann der nächste wichtige Schritt erfolgen: Die Anreicherung des spaltbaren Uran 235. Bislang besteht dieser Anteil im Natururan/Yellow Cake nur rund 0,7 Prozent. Für die Atomkraftwerke in aller Welt zu wenig, die brauchen einen Anteil von 3 – 5 Prozent.

Während Frankreichs Atomkonzern AREVA direkt vor Ort das Uran anreichert, geht ein Teil des UF6 wiederum auf Reise: Eines der Ziele ist die Urananreicherungsanlage der URENCO im westfälischen Gronau. Andere Reiseziele sind die ebenfalls zu URENCO gehörenden Anreicherungsanlagen in Almelo (Niederlande) oder Capenhurst (England). Hier wird das Uran235 in Gas-Zentrifungen hergestellt. Eine Technik, die auch die Herstellung von atomwaffenfähigem Uran ermöglicht.

Das das Uran235 nur zu rund 0,7 Prozent in dem UF6 enthalten ist, wird es nun durch die Rotation in den Zentrifugen vom nicht-spaltbaren Uran 238 getrennt. So entsteht auf der einen Seite das „Produkt“ – auf der anderen Seite in großen Mengen das abgereicherte Uran. Eigentlich ist das Atommüll. Aber die URENCO darf ganz legal nach Atomgesetz dieses Material als Wertstoff behandeln – und damit an dern Atommüllentsorgung vorbei schleusen.

Das „Produkt“ ist nun angereichertes UF6 und die Reise geht weiter. Um nun die Brennelemente herzustellen muss das UF6 zu Urandioxid umgewandelt werden. Daraus werden dann die so genannte Pellets hergestellt, kleine Zylinder, die in Brennstäben aufgereiht und gebündelt werden. Das erfolgt z.B. in Lingen (Niedersachsen bei der zum AREVA-Konzern gehörenden Advanced Nuklear Fuels (ANF). Oder in Schweden oder den USA oder in Japan. Sind die Brennelemente z.B. in Lingen hergestellt, geht es zu den Atomkraftwerken in aller Welt. In Deutschland oder der Schweiz werden die Atommeiler meist per LKW mit den frischen Brennelementen versorgt. Ansonsten geht es per LKW z.B. wieder in den Hamburger Hafen und von dort per Schiff in alle Welt.

Bis zu diesem Teil der Reise erklären Behörden, Landesregierungen jeglicher Couleur, Atomkonzerne und viele Experten, dass ja alles gar nicht so schlimm sei, weil es sich um schwachradioaktives Uran handelt. Harmlos eigentlich. Auch Behörden in Hamburg oder in Kiel betonen das gern. Ausgeblendet bleibt, was mit dem Uran schließlich gemacht wird:

In den Atomreaktoren – mit dem jederzeitigen Risiko einer Atom-Katastrophe – wird das Uran zur Kernspaltung eingesetzt und zu hochradioaktiven Atommüll verwandelt, der derart gefährlich ist, dass er mindestens eine Million Jahre lang von Mensch und Umwelt abgeschirmt werden muss. Was mit gravieren Umwelt- und Gesundheitsschäden in Namibia beim Uranbergbau begann ist jetzt zu einem bis heute ungelösten Problem der Menschheit geworden – zugunsten der Profite einiger Konzerne.

Quellen zu den von Gunter Wippel genannten Studien:

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