Rumge-ZAPPT: Vattenfall und die Medien – Hamburg1 als Business TV total unabhängig?!

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Business TV auf Hamburg 1. SPD Vorstandsmitglied ist Vattenfall-Darsteller oder umgekehrt oder wie? Foto: Screenshot Hamburg 1

Das müsste eigentlich ein Fall für ZAPP sein: Da leistet sich Vattenfall auf dem vermeintlich unabhängigen TV-Sender Hamburg 1 eine ganze Serie in der Rubrik Business TV: „Zukunft findet Stadt“. Dort wird nach einem kleinen vorgeschalteten Hinweis über runde 15 Minuten eine komplette Unternehmens-Werbung gesendet, aufgemacht wie ein scheinbar unabhängiger Beitrag mit einem Moderator des Senders: Marco Ostwald. Der – so lassen die Texte vermuten – liest nur noch ab, was ihm die Kommunikations- und Öffentlichkeitsabteilung von Vattenfall aufgeschrieben hat. Inzwischen liegen vier Serien-Beiträge vor. Unglaublich, dass das erlaubt ist!

Das ganze verfolgt ein Ziel: Vattenfall als derzeitigen Betreiber der Stromnetze und der Fernwärmeversorgung in Hamburg als tolles Hamburger Unternehmen darzustellen. (Dabei sind das Schweden!) Der Grund: Ein breites Bürgerbündis unter dem Namen „Unser Hamburg – Unser Netz“ will per Volksentscheid im September 2013 Vattenfall (und E.on) diese Netze abnehmen und zu 100 Prozent wieder in die öffentliche Hand bringen.

In einem nur knapp 30 Sekunden dauernden Vorspann teilt der Sender Hamburg 1 mit: „Hamburger Unternehmen nutzen Business TV zur Imagewerbung“. Während man eine schöne Animation von Windrädern sieht (die es bei Vattenfall real in Hamburg nicht gibt), hört man noch den Satz: „Jetzt: Zukunft findet Stadt. Wir gestalten Hamburgs Energiewende.  Die neue Serie. In Zusammenarbeit mit Vattenfall.“ Weitere Einblendungen, dass es sich um eine „Dauerwerbesendung“ von Vattenfall handelt, gibt es nicht. Hinweise auf Proteste, andere Sichtweisen, irgendwelche sonstigen Probleme gibt es nicht. Alles ist „Vattenfall-Sprech“. Der scheinbare Hamburg1-Energieexperte (und frühere Sport-Mitarbeiter) Maro Ostwald tut während der Sendung so, als würde er irgendwie als Journalist arbeiten. Er spricht von „wir“, ohne das erkennbar wird, ob er damit Vattenfall oder Hamburg1 meint. Mit Journalismus hat das wahrlich nichts mehr zu tun, aber viel mit Propaganda. Scheinbar journalistisch moderiert, kommt zu 100 Prozent Vattenfall über den Sender!

Da spricht Ostwald zum Beispiel im Teil 4 auch mit dem „Vattenfall-Talent“ Hauke Wagner. Der ist: Ehemaliger Juso-Chef in Hamburg und immer noch: Mitglied im Landesvorstand der SPD-Hamburg! Der ist: Sohn des ehemaligen mächtigen SPD-Bausenators Eugen Wagner (Beton-Wagner, you remember?!). Der ist: Bei Vattenfall zuständig für die Umsetzung des Deals, mit dem sich die SPD als Minderheitsaktionär mit 25,1 Prozent an den Energienetzen von Vattenfall beteiligt hat. Klarer Auftrag: Dafür zu sorgen, dass der Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ scheitert (das ist jetzt natürlich total unseriös und eher verschwörungstheoretisch inspiriert! Siehe hier: Volksentscheid Energienetze Hamburg: 10 gute Argumente für die Rekommunalisierung).

Der hat Ahnung von? Verkehr! Vielleicht. War in jedem Fall – bestimmt total unabhängig – im vorhergehenden Job – bei dem ehemaligen SPD-Fraktionsvorsitzenden und jetzigen Hochbahnvorsitzenden Günter Elste – persönlicher Referent. (Wehe, jetzt sagt jemand: Filz!) Denn: Eines darf man nicht vergessen – Hauke – und vermutlich auch Sportreporter Marco Ostwald – sind vor allem eins: Mensch! Klar doch!

Unglaublich, dass dieser Sender in Hamburg als „unabhängig“ gilt. Im Sommer 2012 berichtete das Springer „Hamburger Abendblatt“ nach einem Wechsel bei den Eigentümern von Hamburg 1: „Damit gewinnt der Sender wieder einen starken Mehrheitseigentümer, der die Unabhängigkeit von Hamburg 1 Fernsehen im Hamburger Medienmarkt sichern kann.“

Unabhängig. Kapiert? Jahrelang sendete Hamburg 1 aus dem Kundenzentrum von Vattenfall in der Hamburg Kaufzentrale Mönckebergstraße. Unabhängig natürlich!

Weiter berichtet das Blatt: „Hinter dem neuen Hausherren stecken ein Schweizer Investor, der sich für sein Wirken „Diskretion“ ausbedungen hat, und der Medienunternehmer Nikolaus Broschek, bis 2002 Eigentümer der Traditions-Druckerei gleichen Namens. Broschek und der Schweizer Investor halten jetzt über eine Firma 63 Prozent bei Hamburg 1. Zu dem Konsortium gehören zudem mit zusammen 37 Prozent die Axel Springer AG und die Triangle Medien Beteiligungs GmbH, an der wiederum Medienunternehmer Frank Otto Anteile hält.“

Luft holen! Ein Investor, der lieber diskret verschwiegen wird? Der Springer-Verlag, der z.B. als Hamburger Abendblatt die „Vattenfall-Lestage“ als Medienpartner unterstützt und wie ist das mit dem Medienunternehmer Frank Otto? Etwa der Frank Otto, der auch seit Jahren die Anti-Vattenfall-Lestage unter dem Titel „Lesen ohne Atomstrom – Die erneuerbaren Lesetage“ unterstützt? Und irgendwie was mit dem Otto-Versand zu tun hat? Ja, genau der! Wie verrückt ist das denn?

Das Springer-Abendblatt setzt noch einen drauf! 2005 zitiert das Blatt Frank Otto: „Ich habe bei mir zu Hause Essen gegeben für Hamburger Unternehmer, die ich für Werbung bei Hamburg 1 begeistern wollte.“ Aua, das tut weh!

Und während also das irgendwie Business-TV bei Vattenfall, nein, bei Hamburg 1 ist, moderiert -wirklich – Herbert Schalthoff, ehemaliger Grüner Bürgerschafts-Fraktionsgeschäftsführer heute als  Politikchef von Hamburg 1 die Sendungen „Schalthoff Live“ und „Nachgefragt“ – und nicht Business TV. Was für eine Medienwelt!

Und auch beim NDR ist es gar nicht so einfach, wie man über die Homepage von „Lesen ohne Atomstrom“ (Link siehe oben) erfährt: Medien und Konzerne: Vattenfall und der NDR.

Ich kann nicht mehr. Hilfe! ZAPP! Bitte übernehmen sie!!! Ich glotz TV! Nina, bitte…

Ostsee-Zeitung: Castoren ins Atommülllager Lubmin statt nach Gorleben oder Brunsbüttel?

radioaktiv009Rollt der Atommüll aus der Wiederaufarbeitung in Frankreich und England möglicherweise in das Zwischenlager Lubmin an der Ostseeküste von Mecklenburg-Vorpommern? Darüber spekuliert jetzt die Ostsee-Zeitung. Nicht ganz ohne

Grund: Altmaier will möglichst noch vor der Verabschiedung des Endlagersuchgesetzes im Bundestag geregelt haben, wohin der Atommüll aus der Wiederaufarbeitung gehen kann. Einen Kompromiss in der Endlagersuche gibt es nur, wenn dieser Atommüll nicht weiter in das Zwischenlager Gorleben gebracht wird. (Gesetz und Fahrplan hier)

Die bisherigen Bemühungen, diesen Strahlenmüll an den AKW-Standorten in mehreren Bundesländern unterzubringen, gehen kaum voran: Lediglich die Bundesländer Schleswig-Holstein (Brunsbüttel) und Baden-Württemberg (Philippsburg) haben unter Bedingungen ihre Bereitschaft zur Aufnahme erklärt. Allerdings: Zustimmen und entsprechende Genehmigungsanträge müssen die Eigentümer der Standortlager stellen. Das sind die Atomkonzerne. Die haben schon erkennen lassen, dass sie daran kein sonderliches Interesse haben. Siehe auch: Atomkonzerne und kein Konsens: “Wir zahlen nicht”

In Lubmin steht das einzige Atommülllager, das im Besitz der Bundesrepublik Deutschland ist. Hier, direkt an der Ostsee, könnte die Bundesregierung also selbst als Antragsteller für die Aufnahme des Atommülls aus der Wiederaufarbeitung sorgen. Komplizierte Verhandlungen mit den Atomkonzernen wären nicht nötig.

Allerdings gibt es auch hier Hindernisse: Den Menschen in Mecklenburg-Vorpommern war damals versprochen worden, dass nur Atommüll aus Ostdeutschland in Lubmin eingelagert werden soll. Dieses Versprechen ist bereits vor einigen Jahren gebrochen worden und hat zu erheblichen Protesten geführt. Das Land Mecklenburg-Vorpommern hat inzwischen rechtliche Maßnahmen ergriffen und dem bundeseigenen Betreiber, den Energiewerken Nord (EWN), die Aufnahme weiteren Atommülls aus dem Westen untersagt. Gerichtsfest. Eine Klage der EWN gegen diese Maßnahme scheiterte jüngst vor Gericht.

Siehe: Urteil: Kein West-Atommüll in das ostdeutsche Atommülllager Lubmin!
und: Terrorgefahren bei Atommülllager Lubmin: Mauern sollen höher werden

Tarifabschluss Vattenfall: Beschäftigungssicherung bis 2017 – Personalabbau sozialverträglich

vattenfall-02Bereits am 10. April haben sich die Gewerkschaften IG Metall, Verdi und IG BCE mit Vattenfall auf einen neuen Tarifvertrag für rund 15.000 der 20.000 Beschäftigten geeinigt. Nachdem die Gewerkschaften die Verhandlungen schon als gescheitert erklärt hatten und die Urabstimmung für einen Streik vorbereiteten, hatte der Konzern ein weiteres Angebot gemacht. Siehe auch Die Welt und Klimaretter.

Die Verhandlungen fanden vor dem Hintergrund statt, dass Vattenfall wirtschaftlich schwer angeschlagen ist und angekündigt hat, insgesamt 2.500 Arbeitsplätze abzubauen. Vor dem Hintergrund des Volksbegehrens in Berlin und des im September anstehenden Volksentscheids in Hamburg hatte Vattenfall die Gewerkschaften versucht unter Druck zu setzen: Ein Streik würde dem Unternehmen in der Öffentlichkeit schaden.

Siehe dazu auch: Tarifverhandlungen bei Vattenfall gescheitert – Bügerbündnisse für Rekommunalisierung als Druckmittel gegen ArbeitnehmerInnen

Als Ergebnis kam für die Gewerkschaftsmitglieder heraus:

Beschäftigungssicherung

Der Tarifvertrag Sozialpolitische Begleitung mit dem Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen wird bis Ende Februar 2017 verlängert.

Anhebung der Tabellen- und Ausbildungsvergütungen

2,6 Prozent mehr Entgelt rückwirkend ab dem 1. März 2013.

1,8 Prozent mehr Entgelt ab dem 1. April 2014.

Der Entgelttarifvertrag hat eine Laufzeit bis zum 28. Februar 2015.

Ausbildung und Übernahme

Der Tarifvertrag Ausbildung mit einer Sicherung der Ausbildungszahlen in Höhe von 392 Neueinstellungen pro Jahr wird bis Ende 2014 verlängert. Zusätzlich haben wir im Ausbildungstarifvertrag erstmals eine Regelung für die unbefristete Übernahme von 55 Auszubildenden pro Jahr durchgesetzt!

Gegen Menschenrechte und Umwelt: Deutschlands bittere Kohleimporte

gegenstromdanceDie Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen urgewald und FIAN haben die Lieferwege deutscher Steinkohleimporte sowie die ökologischen, sozialen und menschenrechtlichen Auswirkungen unseres Kohleverbrauchs recherchiert. Die Ergebnisse haben sie in dem Dossier „Bitter Coal – Deutschlands Steinkohleimporte“ zusammengefasst, das sie heute präsentieren. „Gegen Menschenrechte und Umwelt: Deutschlands bittere Kohleimporte“ weiterlesen

Kohle macht krank

kohlemachtkrankEine Studie des europäischen Dachverbands HEAL kommt zu dem Ergebnis, dass Kohlekraftwerke europaweit für 18.000 Todesfälle pro Jahr verantwortlich sind. HEAL – die Health and Environment Alliance – ist ein Bündnis von mehr als 70 Organisationen aus dem Gesundheitsbereich und Mitgliedern in 26 europäischen Staaten. Über die Studie informieren ausführlich die Klimaretter hier.

Bereits vor wenigen Wochen hatte Greenpeace zu den Gesundheitsrisiken der Kohleverstromung eine Untersuchung vorgelegt. Fazit: „Durch Deutschlands Kohlekraftwerke sterben statistisch gesehen rund 3.100 Menschen verfrüht. Sie verlieren zusammen rund 33.000 Lebensjahre.“ (Klimaretter)

Der Stromkonzern Vattenfall – der seinen Strom zu über 80 Prozent in Kohlekraftwerken erzeugt – dementiert – natürlich. Auf die Greenpeace-Untersuchungen hier und zu der HEAL-Studie hier.

Siehe auch hier: “Die Kohle ist blutbefleckt” – Die Zeit über die andere Seite der Kohleverstromung

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