Energiewende retten: Warnminute von Beschäftigten und Unternehmen der Windbranche in Norddeutschland

Windkraft-Super-Gau-GranCanariaFeb201478Dokumentation: „Gemeinsame Aktion von IG Metall Küste und Bundesverband WindEnergie (BWE) – Warnminute von Beschäftigten und Unternehmen der Windbranche in Norddeutschland. Quelle: IG Metall Küste. Hamburg, 17.3.2014. Die IG Metall Küste und die norddeutschen Landesverbände des Bundesverbandes WindEnergie (BWE) planen gemeinsam eine „Warnminute für die Windenergie in Norddeutschland“: Wegen der teilweise bedrohlichen Situation für die Arbeitsplätze und Unternehmen der Branche gehen Beschäftigte und Geschäftsführungen von zahlreichen Unternehmen am Mittwoch, 19. März, um „5 vor 12“ für eine Protestaktion vors Tor.

/siehe auch: Am kommenden Samstag wird bundesweit in sieben Landeshauptstädten unter dem Motto “Energiewende retten” demonstriert. Siehe dazu die Infos bei ROBIN WOOD./

„Windenergie ist der preiswerte Leistungsträger der Energiewende und ein wichtiger Jobmotor im Norden. Die Chancen für Arbeit, Wertschöpfung vor Ort und Erfolg im Export dürfen nicht verspielt werden. Der aktuelle Entwurf für ein neues Erneuerbare-Energie-Gesetz droht die positive Entwicklung abzuschnüren. Deshalb setzen Beschäftigte und Unternehmen der Branche am 19. März ein gemeinsames Zeichen. Es geht um tausende Arbeitsplätze und die erfolgreiche Fortsetzung der Energiewende“, so kündigten Sylvia Pilarsky-Grosch, Präsidentin des Bundesverbandes WindEnergie (BWE), und Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste, die gemeinsame Aktion von Beschäftigten und Unternehmen der Windbranche in Norddeutschland an.

„Die Windenergie kann in Deutschland auf eine beispiellose Erfolgsgeschichte zurückblicken. Die 118.000 Beschäftigten der Windbranche in Deutschland beweisen mit einem Exportanteil von 67 Prozent ihre Innovationskraft. Weltweit setzen deutsche Unternehmen den Maßstab für Technik, Effizienz und Systemverträglichkeit. Dienstleister – vom Projektierer über den Windgutachter bis zum Wartungsunternehmer – sind international gefragte Fachleute. Die Bundesregierung ist auf dem besten Weg, diese erfolgreiche Entwicklung auszubremsen“, kritisierte Sylvia Pilarsky-Grosch Präsidentin des Bundesverbandes WindEnergie.

„Drei Jahre nach der Atom-Katastrophe von Fukushima machen wir gemeinsam deutlich: Beschäftigte und Unternehmen der Windbranche stehen für die Energiewende. Sie ist für Deutschland eine einzigartige Chance, die für Innovationen sowie Investitionen und damit für zehntausende Arbeitsplätze an der Küste sorgt. Der Ausbau der Windenergie an Land und auf See darf durch falsche Weichenstellungen der Bundesregierung jetzt nicht gefährdet werden. Die ersten Vorschläge für eine Deckelung der Ausbauziele sind falsch. Entscheidend für neue Investitionen sind Verlässlichkeit und Planbarkeit, die durch immer neue Beschlüsse der Bundesregierung nicht infrage gestellt werden dürfen“, sagte Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste.“

Übersicht über geplante öffentliche Aktionen am Mittwoch, 19. März:

(Stand: 17.3.14, 15 Uhr) Sie erhalten morgen, Dienstag, bis 14 Uhr eine aktualisierte Übersicht mit weiteren Angaben.

Hamburg:

·    Senvion SE, Senvion Deutschland GmbH Hamburg und Renewable Energy Technology Centre (RETC) GmbH , Überseering 10, 11.45 Uhr: Warnminute vor dem Verwaltungsgebäude

Ansprechpartnerin: Karin Wagner, IG Metall Küste, Mobil 0160-90768051

·    Siemens, Niederlassung Hamburg, Lindenplatz 2, 11.45 Uhr: Warnminute vor dem Verwaltungsgebäude, Redner: Meinhard Geiken, Bezirksleiter IG Metall Küste

Ansprechpartner: Thomas Ahme, Betriebsrat Siemens Niederlassung Hamburg, 0174-1560253 und Heiko Messerschmidt, IG Metall Küste, Mobil 0160 5331180

·    Vestas, Hamburg: Christoph-Probst-Weg 1-2, Hamburg, 11.45 Uhr: Warnminute vor dem Betrieb

Niedersachsen/Bremen:

·    Neue Jadewerft, Wilhelmshaven, 11.45 Uhr: Warnminute vor dem Werkstor

Ansprechpartner: Dieter Müller, Betriebsratsvorsitzender, Tel. 04421/399-137

·    Senvion SE, Bremerhaven, Labradorstraße 18-22, 11.45 Uhr: Kundgebung vor dem Werkstor (mit weitere Betrieben, u.a. Powerblades, Areva und Weserwind),

Ansprechpartner: Karsten Behrenwald, IG Metall Bremerhaven, Mobil 0170 3333063

·    ENERCON Aurich, 11.45 Uhr: Warnminute vor dem Betrieb

·    Energiequelle Bremen, Heriwardstraße 15, Bremen, 11.45 Uhr: Warnminute vor dem Betrieb

·    UMaAG Cuxhaven, Alter Weg 23, 27478 Cuxhaven, 11.45 Uhr: Warnminute vor dem Betrieb

·    AgRo WEA, Twist: Gaußstraße 2, 49767 Twist, 11.45 Uhr: Warnminute vor dem Betrieb

Schleswig-Holstein:

·    Senvion SE und Deutschland GmbH Husum, Rödemishallig, 11.45 Uhr: Warnminute vor dem Werkstor,

Ansprechpartner: Martin Bitter, IG Metall Küste Mobil 0160 90768052

·    Senvion SE Osterröhnfeld, Albert-Betz-Straße, 11.45 Uhr: Warnminute vor dem Werkstor

Ansprechpartner: Kai Petersen, IG Metall Rendsburg, Mobil 0170-3333-150

·    Vestas Nacelles, Lübeck-Travemünde, Henry-Koch-Straße 9-13 und Vestas Nacelles in Lübeck, Hafenstraße, 11.45 Uhr: Warnminute vor dem Werkstor

Ansprechpartner: Donald Magdanz, Betriebsratsvorsitzender, Mobil 0151/14066886

·    Gear-tec, Eggebek, 12.30 Uhr: Warnminute vor dem Werkstor

Ansprechpartner: Michael Schmidt, IG Metall Flensburg, Mobil 0170 3333219

·    Fecon, Flensburg, 9.15 Uhr: Warnminute vor dem Werkstor

Ansprechpartner: Michael Schmidt, IG Metall Flensburg, Mobil 0170 3333219.

Mecklenburg-Vorpommern:

·    ENERCON, Rostock, Lise-Meitner-Ring 7, 11.45 Uhr: Warnminute vor dem Gebäude

Ansprechpartnerin: Katja Gall, ENERCON, Mobil 0170/6376591

Außerdem möchten wir Sie auf ein Pressegespräch zur Warnminute Wind der IG Metall Flensburg am Dienstag, 18.3, um 17 Uhr im Gewerkschaftshaus Flensburg, Rote Straße 1, mit Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer hinweisen. Ansprechpartner: Michael Schmidt, IG Metall Flensburg, Mobil 0170 3333219

Heiko Messerschmidt, Pressesprecher IG Metall Küste
Tel.: 040/28 00 90-43, Mobil: 0160/ 533 11 80
heiko.messerschmidt@igmetall.de

Wolfram Axthelm, Pressesprecher Bundesverband WindEnergie e.V.
Tel.: 0 30/212341 251, Mobil 0172/3991304
w.axthelm@wind-energie.de“

Laufzeitverlängerung für die Atommeiler – Die Stimmen mehren sich…

antiatomsonnen„Der ehemalige Bundesverkehrsminister Ramsauer hat den rechtzeitigen Atomausstieg in Zweifel gezogen: Man müsse für sinkende Kosten „zurück zur Atomkraft“, berichtet die Abendzeitung aus München. Bereits vor wenigen Tagen hatten der Unionsfize Michael Fuchs und der Ex-Kanzler Gerhard Schröder erneut die Laufzeitverlängerung für die Atomkraftwerke ins Spiel gebracht. Schröder bringt es absurderweise sogar fertig, damit seinem eigenen „Atomkonsens“ von 2000/2002 zu widersprechen. Siehe dazu: Es geht wieder los: Atomkraftwerke länger laufen lassen.

Update 21/03/2014: Zu den Äußerungen von Ramsauer hat es eine aktuelle Stunde im Bundestag gegeben. Hier die Rede von Hubertus Zdebel von der Linken-Fraktion als Video auf Youtube.

„Der frühere Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hält einen späteren Atomausstieg in Deutschland für möglich. Angesichts steigender Kosten bei der Energiewende sagte Ramsauer am Wochenende im „Spiegel“: „Wer die Preise wieder senken will, muss zurück zur Atomkraft.““

Der Spiegel berichtet: „Ramsauer hält längere Akw-Laufzeiten für denkbar und verurteilt Reformen der Großen Koalition“.

Dass Atomstrom billiger ist, ist zwar blanker Unsinn. Aber das hat in den Reihen der CDU/CSU auch schon vor Fukushima niemanden gestört, die Laufzeitverlängerung für die deutschen Atommeiler zu beschließen. Auch offenkundige Beispiele, dass Ökostrom sogar billiger ist, als die Strompreise der alten Atomkonzerne dürften da nicht weiter helfen: Hamburg: Ökostrom billiger als Vattenfalls Klimakatastrophe – Energiewende retten!

Daher bleibt Widerstand wichtig: Am kommenden Samstag wird bundesweit in sieben Landeshauptstädten unter dem Motto „Energiewende retten“ demonstriert. Siehe dazu die Infos bei ROBIN WOOD.

Hamburg: Ökostrom billiger als Vattenfalls Klimakatastrophe – Energiewende retten!

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Atom- und dreckiger Kohlestrom von Vattenfall ist teurer als Ökostrom von Lichtblick. Am Samstag für die Energiewende demonstrieren! Foto: Dirk Seifert

„Lichtblick greift Vattenfall an“ titelt das Hamburger Abendblatt, weil das Ökostrom-Unternehmen mit Sitz in der Hansestadt die Strompreise von Vattenfall inzwischen unterbietet. Über 80 Prozent des Stroms von Vattenfall stammt aus der besonders klima- und umweltschädlichen Braunkohle. Schritt für Schritt nimmt das krisengeschüttelte Unternehmen derzeit das neue 1.600 MW Kohlekraftwerk in Moorburg in Betrieb und erhöht damit seinen Anteil an der Klimakatastrophe weiter. Zusätzlich profitiert Vattenfall von der Befreiung bei der Ökostrom-Umlage nach dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG). Dennoch: Wie groß die Lüge vom Ökostrom als Preistreiber ist, zeigt das Beispiel von Lichtblick.

Laut Deutscher Umwelthilfe hat Vattenfall dadurch im Jahr 2013 rund 68 Millionen Euro gespart. Auch die seit Jahren sinkenden Strompreise an der Börse – verursacht vor allem durch die Erneuerbaren Energie – gibt der Atom- und Kohlekonzern nicht an die Haushaltskunden weiter.

Im Abendblatt heißt es: „Wir sind jetzt günstiger als der Vattenfall Basis-Tarif und können es sogar mit dem Vattenfall Easy-Tarif aufnehmen“, sagt LichtBlick-Geschäftsführer Heiko von Tschischwitz. „Wir haben bundesweit die Kosten gesenkt und damit die Ersparnis von 0,72 Cent durch niedrigere Einkaufspreise für den Strom an unsere Kunden weitergegeben.“ Seit März kostet die Kilowattstunde 26,76 Cent plus 8,95 Euro im Monat als Grundpreis. 29,50 Euro im Jahr sparen die LichtBlick-Kunden bei einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden gegenüber dem Basis-Tarif von Vattenfall.

Mit diesem Preis erhofft sich von Tschischwitz, die Anzahl der bislang knapp 612.000 Kunden in diesem Jahr nach einer Stagnation in 2013 wieder steigern zu können. Helfen soll dabei vor allem in Hamburg, dass der FC St. Pauli auf den Strom des Unternehmens setzt. „Das ganze Stadion, die Trainingsplätze und das Flutlicht werden mit unserem Strom betrieben“, so der Chef. Firmen, Privatkunden und Fans des Sportvereins sollen mit dem Tarif Kiez-Strom zum Anbieterwechsel gelockt werden.“ Auch in Berlin geht dem Bericht zu Folge, Lichtblick offensiver gegen Vattenfall vor.

Siehe auch: Energiewende retten: Demonstrationen am kommenden Samstag in sieben Landeshauptstädten: Wir sind der Strom – Energiewende retten (ROBIN WOOD).

Hamburger Wärme-Dialog: Perspektiven für die Energiewende

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Nach dem erfolgreichen Volksentscheid in Hamburg: Jetzt beginnt der Wärme-Dialog über die Perspektiven der Energiewende im Bereich der (Fern)Wärmeversorgung

Nach dem erfolgreichen Volksentscheid über die Rekommunalisierung der Hamburger Energienetze ist vor allem die künftige (Fern)Wärme-Versorgung in der Debatte. Ab 2018 kann die Stadt Hamburg diese Fernwärme vom bisherigen Betreiber Vattenfall übernehmen. Das ist das Ergebnis von Verkaufsverhandlungen, die der SPD-Senat nach dem Volksentscheid mit Vattenfall geführt hat. Für den Klimaschutz liegen in der Fernwärme große CO2-Einsparpotentiale. Das alte Kohle-Heizkraftwerk in Wedel, mit dem ein großer Teil der Fernwärme in Hamburg erzeugt wird, muss ersetzt werden. Die große Frage ist: Wie?

Mit Anträgen zur künftigen Wärmeversorgung und zum Bürger-Dialog hatten auch die Grünen und die Linken in der Bürgerschaft das Thema auf die Tagesordnung gesetzt.

Mitte Februar fand dazu eine prominent besetzte Veranstaltung statt: Es geht los: Hamburger Wärmedialog – „Die Zukunft der Hamburger Fernwärmeversorgung“. Rund 80 Menschen nahmen an der Debatte mit dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Dr. Andreas Dressel (SPD), Hanne Harder von der Initiative „Stopp – Kein Mega-Kraftwerk Wedel“, Dr. Matthias Sandrock, Hamburg Institut und Christian Wystub (Betriebsrat Vattenfall Wärme GmbH) teil. Als Moderation war Matthias Ederhof, Vorstand von EnergieNetz Hamburg eG am Start.

Die Debatte, so Carola Ensslen, Gründungsmitglied der Hamburger Energie-Netz-Genossenschaft, hätte klar gemacht, wie groß die Probleme sind, vor der die Hansestadt steht :“Die Diskussion ließ viele Fragen offen – was nach einer Fortsetzung des Dialogs ruft – und drehte sich vor allem um das GuD Wedel und ein zukünftiges Wärmekonzept für Hamburg“. Auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Dressel soll an der Fortsetzung des Dialogs sein Interesse bekundet haben und davon gesprochen haben, den Dialog im Rathaus fortzusetzen.

Das ist kein Wunder: Über ein Jahrzehnt hat die Hamburger Energiepolitik nach dem Verkauf der ehemals im städtischen Besitz befindlichen HEW und von HeinGas nicht im Senat und den Fachbehörden stattgefunden, sondern in den Konzernzentralen von Vattenfall und E.on. Der Erfolg des Volksentscheids „Unser Hamburg – Unser Netz“ und der nun kommenden Rekommunalisierung der Energienetze zeigt vor allem, dass Senat und Umweltbehörde völlig konzeptlos sind.

Weder gibt es ein Wärme-Konzept für die Stadt, noch ist z.B. bei den Planungen für den Ersatz des alten Kohle-Heizkraftwerks in Wedel überhaupt ein Vergleich von Alternativen durchgeführt worden. Die Frage, wie z.B. die Erneuerbaren Energien in eine künftige Fernwärme-Versorgung integriert und ausgebaut werden können, spielte für Vattenfall keine Rolle. Erst jetzt geht die Umweltbehörde diese Fragen langsam an.

In einem Protokoll zu der Veranstaltung schreibt Ensslen: „Zu diesem Zweck sei laut Andreas Dressel in der BSU eine Projektgruppe unter Hinzuziehung externer Gutachter gebildet worden. Ein Konzeptentwurf solle noch in diesem Jahr stehen. Er versicherte, dass die Stadt bereits die Zeit bis zur Übernahme der Fernwärme im Jahr 2019 nutzen und auch als Minderheitsgesellschafter gemeinsam mit Vattenfall den Kurs des Unternehmens festlegen werde.“

Auch zur Frage der Alternativen für das alte Kraftwerk in Wedel sei demnach jetzt eine Projektgruppe bei der Umweltbehörde eingesetzt, die externe Unterstützung eingebunden hat. Die solle als bevorzugte Variante den Neubau eines (evt. kleiner als bislang geplanten) gasbefeuerten Gas- und Dampf-Kraftwerks (GUD) untersuchen, aber auch die Ertüchtigung des alten Kohle-Heizkraftwerks. Inwieweit Standortalternativen, dezentrale Alternativen und weitere Möglichkeiten dabei auch untersucht werden, ist nicht klar.

Vor allem Umweltverbände und Initiativen, darunter auch Hanne Harder von der Wedel Initiative gegen das MEGA-Kraftwerk, fordern aber vor allem diese Alternativen-Prüfungen. Eine Verlängerung des alten Heizkraftwerks in Wedel könne aus Klimaschutzgründen keine Alternative sein.

Derzeit fehlen der Stadt Hamburg klare Ziele, was denn bei der Wärme-Versorgung künftig erreicht werden soll. Matthias Sandrock, Energieexperte vom Hamburger Institut forderte laut dem Bericht von Ensslen, dass Vattenfall endlich alle Daten und Fakten zur derzeitigen Wärmeversorgung auf den Tisch legen müsse. Mit diesen Daten müsse eine umfassende Analyse auf den Weg gebracht werden. Sandrock zweifelte massiv an, dass es in Wedel bedarf für einen Ersatzbau eines Kraftwerks in der heutigen Dimension gäbe. Dazu verwies er u.a. darauf, dass Wärmepotentiale aus dem gewerblichen Bereich einbezogen werden müssten. Dazu nannte er als Beispiele die Holstenbrauerei, das AK Altona und die Müllverbrennungsanlage Stellingen. Die Nutzung weiterer Quellen, wie Abwärme und auch Geothermie müssten geprüft werden.

In dem Protokoll von Ensslen heißt es weiter: „Matthias Sandrock forderte eine langfristige Wärme-Strategie unter Ermittlung künftiger Bedarfe unter Berücksichtigung von Speicherkapazitäten und mit der konkreten Benennung von Zielen. In diesem Zusammenhang sei ein Fernwärmegesetz dringend erforderlich, wie es in Thüringen etwa als Entwurf vorläge. Bei den Zielen spiele die Verbraucherfreundlichkeit eine große Rolle. Auch Bürgerbeteiligung sei wichtig, sowohl in Form von Mitwirkung an Entscheidungen wie auch finanzieller Beteiligung.“

Aus der betrieblichen Perspektive von Vattenfall schaute der Betriebsrat von Hamburg-Wärme (und Mitglied im Aufsichtsrat), Christian Wystub, auf die künftige Wärmeversorgung. Er plädierte dem Ensslen-Protokoll zufolge für eine zentrale Lösung, weil „dezentrale Erzeugungsanlagen nicht effizient, nicht rentabel und auch nicht versorgungssicher seien. Er verwies auf innovative Ideen, wie zusätzliche Wärmespeicher. Überschüssiger Strom solle etwa in Methangasanlagen gespeichert werden. Außerdem dürfe man nicht nur auf die Erzeugung schauen, sondern müsse auch die energetische Gebäudesanierung in Angriff nehmen. Denn 78% der Heizanlagen seien keine Fernwärmeheizungen.“

Probleme mit der Umsetzung des Volksentscheids bei der Fernwärme:

Nach dem Volksentscheid hat der Hamburger Senat mit Vattenfall Kaufverträge abgeschlossen, die eine sofortige Übernahme des Stromnetzes (in zwei Schritten) vorsehen. Bei der Fernwärme allerdings wurde lediglich eine Kaufoption vereinbart, die 2018 mit Wirkung zum Jahr 2019 umgesetzt werden soll. Als Mindest-Kaufpreis hat der Senat mit Vattenfall 950 Mio. Euro vereinbart. Zwar soll eine Kommission noch den endgültigen Preis ermitteln, aber unter diesen Betrag wird es künftig nicht gehen.

Für viele Beobachter ist das eine für die Stadt möglicherweise sehr schlechte, weil viel zu teure Lösung. Darauf machte auch jüngst Manfred Braasch, Vertreter der Volksentscheids-Initiative, in der Ausschuss-Sitzung der Bürgerschaft aufmerksam. Dem Abendblatt sagte er: “Beim Strom machen wir einen Haken, die Umsetzung des Volksentscheids kommt gut voran. Bei der Fernwärme gibt es allerdings noch eine Menge Fragen, hier ist der Volksentscheid noch lange nicht umgesetzt”, sagte Landesgeschäftsführer Manfred Braasch. “Was macht der Senat zum Beispiel, wenn der erst in vier Jahren zu ermittelnde Unternehmenswert deutlich unter dem jetzt bereits festgelegten Mindestpreis liegt?” (Siehe oben „Nackt im Wind“)

Auch diese Problematik war Thema auf der Wärme-Dialog-Veranstaltung, die für die Umsetzung des Volksentscheids ein großes Problem werden könnte. Matthias Sandrock wies darauf hin, dass die Stadt nicht zu jedem Preis die Call-Option ausüben dürfe. Andreas Dressel erklärte zwar, wie es zu diesem Verhandlungsergebnis mit Vattenfall gekommen sei und verwies auch darauf, dass mit dieser Lösung nun rechtliche Auseinandersetzungen mit Vattenfall in der Frage der Übernahme beseitigt sein. Auf das Dilemma selbst ging er aber dem Protokoll zufolge nicht wirklich ein.

Uranbergbau im Niger: Ärzte planen Konferenz über Folgen für Gesundheit und Umwelt

niger-uran-1Afrika und Rohstoff Uran: In Zusammenarbeit mit dem Uranium-Network planen Ärzte der IPPNW Schweiz eine internationale Tagung über die Risiken des Uranabbaus für Gesundheit und Umwelt im Niger. Nach den derzeitigen Planungen soll die Tagung Ende November in Niamy stattfinden. Eine Tagung in der Uranbergbau-Region rund um Arlit im Norden des Nigers ist aus Sicherheitsgründen derzeit kaum durchführbar. Das bisherige Programm ist hier online nachzulesen (PDF).

Im letzten Oktober fand bereits in Tansania eine internationale Konferenz zu den Folgen des Uranbergbaus statt. Dort hat der Abbau noch nicht begonnen, aber die Regierung von Tansania plant an mehreren Orten in das Urangeschäft einzusteigen.

Im Niger, am Rande der Sahelzone, baut der französische Atomkonzern AREVA seit vielen Jahren Uran für die heimischen Atommeiler ab. Das hat nicht nur Folgen für die Umwelt und die Gesundheit der Menschen.

Auch sozial bzw. ökonomisch hat die ehemalige französische Kolonie kaum Vorteile von diesem dreckigen Geschäft. Trotz jahrzehntelangem Uranbergbau gehört der Niger noch immer zu einem der weltweit ärmsten Staaten.

Deshalb versucht die derzeitige Regierung mit dem Atomkonzern neue Konditionen auszuhandeln. Dafür demonstrieren in den letzten Monaten immer wieder Menschen im Niger, fordern mehr Abgaben auf das Uran und bessere soziale Bedingungen. Doch davon will AREVA nichts wissen. Die Verhandlungen dauern immer noch an.

Im benachbarten Mali herrscht weiterhin Kriegszustand. Anfang 2013 intervenierten dort französische Truppen, nachdem Tuaregs und Islamisten den Norden des Landes abtrennen und einen eigenen Staat gründen wollten. Inzwischen ist vorgesehen, dass auch deutsche Bundeswehreinheiten den Einsatz Frankreichs unterstützen sollen.

Für Frankreich geht es in der Region seiner ehemaligen Kolonien nicht nur um Anti-Terror-Kampf, sondern vor allem auch um Einfluss und Macht. Mali hat viele Rohstoffvorkommen wie Uran, Gold und Öl. Gleich nach dem Kriegseinsatz wurden französische Spezialtruppen auch im Niger zur Sicherung der dortigen Uranbergwerke eingesetzt. Dennoch kam es im Sommer 2013 dort zu massiven Terroranschlägen mit zahlreichen Toten. Auch Geiselnahmen, von z.B. inzwischen freigelassenen AREVA-Mitarbeitern, finden statt.

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