Castortransporte zum AKW Brunsbüttel? Sonderparteitag der Grünen Schleswig-Holstein

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Aktuell: Castortransporte aus Sellafield in das AKW Brunsbüttel? Hier ein altes Foto von einem Abtransport aus Brunsbüttel nach La Hague. Foto: Dirk Seifert

Die Ankündigungen und Planungen, dass hochradioaktiver Atommüll aus Sellafield und möglicherweise auch Strahlenabfälle aus La Hague im Rahmen des Endlager-Deals zum AKW Brunsbüttel rollen sollen, führt jetzt zu einem Sonderparteitag der Grünen in Schleswig-Holstein. Am 23. April findet der in Neumünster statt. Am Sonntag, den 21. April wird am benachbarten AKW Brokdorf gegen Castor und für die Stilllegung demonstriert. Dazu mehr hier.

Hier die „Einladung“ der Grünen zum Parteitag von der Homepage des Landesverbands:

„Kleiner Parteitag am 23. April in Neumünster

Wir wollen die Debatte über das Endlagersuchgesetz und die damit verbundene Zwischenlagerung von Atommüll in Schleswig-Holstein klar, offen und breit innerhalb der Partei führen mit dem Ziel, dass unser politischer Weg davon bestimmt ist, Verantwortung zu übernehmen und Teil der Lösung dieses gigantischen Problems zu sein.

Deshalb laden wir herzlich ein zu einem KPT am:

DIENSTAG, DEN 23. APRIL 2013,18:30 UHR
„KIEK IN!“, SAAL, 3. STOCK GARTENSTR.32
24534 NEUMÜNSTER

Am Dienstag, dem 09.04.13 ist es zwischen Bund und Ländern zu einer Einigung gekommen, endlich ein Endlagersuchgesetz auf den Weg zu bringen. Diese Einigung ist auch damit verbunden, eine Lösung für die Atommüllzwischenlagerung zu finden, wodurch auch Schleswig-Holstein (Brunsbüttel) in den Focus gerät (siehe Newsletter von Robert Habeck)

Das Thema wird in der kommenden Sitzung des Landtages (25.-27.04.) eine wichtige Rolle spielen. Wir wollen unserer Landtagsfraktion ein starkes Votum mit auf den Weg in diese Sitzung geben.“

Weitere Artikel auf umweltFAIRaendern.de: Der Brief vom Bundesumweltminister an den Energiewendeminister: Brunsbüttel ist Top-Favorit für Atommüll

Brokdorf-Akut: Erst AKWs abschalten – dann über Castor reden

Alle mal Endlager suchen – Töpfer zeigt den Weg

Alle mal Endlager suchen – Töpfer zeigt den Weg

ESG-facebook-shareHinter den Kulissen wird geschoben. Um noch vor der Sommerpause ein Endlagersuchgesetz auf den Weg zu bringen, ist Eile angesagt. Während sich die Parteispitzen, FraktionschefInnen und MinisterInnen offenbar im regen Austausch befinden, bleiben Anti-Atom-Bewegung wie auch sonst BürgerInnen weiter außen vor. Als Öffentlichkeitsbeteiligung soll ein Gremium von 24 Personen fungieren. Nachdem im Bundestag die Grundzüge und wichtigsten Bausteine zur Endlagersuche beschlossen sind, sollen diese 24 Personen bis Ende 2015 die Sicherheitskriterien erarbeiten, die künftig für die Endlagerung gelten sollen. Deren Ergebnisse haben jedoch lediglich einen Empfehlungscharakter. Bundesrat und Bundestag können, aber sie müssen diese Empfehlungen nicht übernehmen.

Siehe auch: Atommüll-Endlagersuche von Demokratiewelle überrollt – 24 für den Konsens

Den Vorsitz dieser Kommission könnte der ehemalige Bundesumweltminister und ehemaliger Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) Klaus Töpfer übernehmen, der bereits nach Fukushima die von der Bundesregierung eingesetzte Ethikkommission leitete. Töpfer soll von verschiedenen Seiten vorgeschlagen worden sein, Widerstände gäbe es nicht.

NTV berichtet: „Die 24 Mitglieder sollen bis Ende 2015 die Grundlagen der Endlager-Suche erarbeiten. Aus der geänderten Fassung des Gesetzentwurfs geht laut „FAS“ hervor, dass der Bundestag sechs Abgeordnete und die Landesregierungen zusammen sechs Vertreter entsenden dürfen. Die anderen zwölf Sitze würden sich auf Vertreter der Wissenschaft (vier) sowie von Umweltverbänden, Kirchen, Wirtschaft und Gewerkschaften (jeweils zwei) verteilen.“

Von Seiten der Umweltorganisationen und Anti-Atom-Gruppen wird gefordert, das Gesetz nicht jetzt, sondern erst dann zu beschließen, wenn die Kommission Ende 2015 ihren Bericht fertig gestellt hat. Dabei soll die Kommission nicht nur die Sicherheitsanforderungen, sondern auch weitere Rahmenbedingungen für die Endlagersuche diskutieren und Empfehlungen aussprechen. So würden in allen relevanten Fragen Vorfestlegungen vermieden und auf Basis der Kommissions-Empfehlungen könnte dann im gesellschaftlichen Konsens ein Gesetz beschlossen werden.

Siehe auch: Anti-Atom-Gruppen lehnen Kompromiss zum Endlagersuchgesetz ab

Doch die Parteien wollen es anders: Noch vor der Sommerpause soll ein Endlagersuchgesetz im Bundestag beschlossen werden, in dem zahlreiche Vorfestlegungen getroffen werden, die das künftige Suchverfahren festlegen.

U.a. soll eine neue Behörde für die Endlagersuche eingerichtet und das bisher für Endlagerfragen zuständige Bundesamt für Strahlenschutz in seinen Aufgaben eingeschränkt werden. Für diese neue Behörde dürfte Michael Sailer nominiert werden, derzeit Chef der Entsorgungskommission und Mitglied der Reaktorkommission. Sailer ist außerdem Chef des Öko-Instituts und gilt als Strippenzieher des aktuellen Verfahrens. Seine Vorschläge zum Vorgehen in der Endlagersuch-Frage sind nach dem Regierungswechsel in Baden-Württemberg Mitte 2011 von Kretschmann und Untersteller komplett übernommen worden.

Kritik gibt es aber auch daran, dass dieses Gesetz die Klagerechte der am Ende betroffenen BürgerInnen massiv einschränken würde, da am Ende des Verfahrens der Bundestag ein Gesetz über einen konkreten Standort beschließen soll.

Grüne und Teile der SPD setzen mit diesem Verfahren darauf, dass Gorleben bei der Festlegung der Sicherheitsanforderungen durch die 24er-Kommission ausscheiden wird. Sie sind überzeugt: Wenn es eine wirklich ergebnisoffene Suche bzw. Kriteriendiskussion gibt, dann werden die heute bekannten Defizite des Salzstocks für den Ausschluss von Gorleben sorgen.

Die Atomwirtschaft steht dem ganzen Kritisch gegenüber. Sie verweist darauf, dass Gorleben als Standort geeignet und eine Suche nach Alternativen nicht erforderlich sei. Vor allem aber: Da sie bereits 1,6 Mrd. Euro in Gorleben investiert habe, würden sie sich an den neuen Kosten nicht beteiligen. Damit sind Klagen in jedem Fall vorprogrammiert.

Die Atomunternehmen müssen aber auch in einer anderen Sache zustimmen und mitmachen. Damit es zu einem Parteien-Kompromis unter Einschluss von Gorleben kommen kann, soll zunächst kein weiterer Atommüll nach Gorleben transportiert werden. Da aber aus La Hague und Sellafield insgesamt 26 Container mit mittel- und hochradioaktivem Atommüll zurück nach Deutschland müssen, braucht es einen anderen Lagerort. Dafür kommen aber eigentlich nur die Atommüll-Zwischenlager an den AKW-Standorten in Frage. Allesamt im Eigentum von Vattenfall, E.on, RWE und EnBW. Bundesumweltminister Altmaier setzt vor allem auf das Vattenfall-Lager in Brunsbüttel, das auch von Schleswig-Holsteins rot-grüner Landesregierung angeboten wurde ;sofern auch andere Bundesländer bereit sind, einen Teil des Atommülls aufzunehmen.

Siehe auch: Riskantes Spiel: Endlager-Deal braucht Zustimmung durch Atomkonzerne

Damit aber sieht es derzeit schlecht aus: Lediglich Baden-Württemberg wäre dazu bereit, Philippsburg könnte ein Standort sein.

Problem ist aber auch: Es braucht die Unterstützung von Vattenfall und EnBW für diesen Deal. Denn die Betreiber müssten entsprechende Genehmigungsanträge stellen, damit der Müll überhaupt in diese Atommülllager in Brunsbüttel und Philippsburg kann. Vattenfall dürfte da kaum mitspielen, wenn es nicht entsprechende finanzielle Angebote gibt.

Bei EnBW könnte das anders sein, denn das Land Baden-Württemberg kann über seine starke Beteiligung am Unternehmen für eine Annahme-Bereitschaft und die entsprechenden Anträge sorgen.

Vor Ort gibt es allerdings schon massive Proteste. Die Menschen fühlen sich überrollt von den Entscheidungen und Planspielen in Berlin, werden nicht gefragt und haben ohnehin schon jede Menge Atommüll vor Ort, vom dem derzeit keiner weiß, wo der eigentlich mal hin soll. Die Sorge ist groß, dass am Ende aus Zwischenlagern Endlager werden könnten.

Siehe z.B. hier: Das AKW Brokdorf muss vom Netz – Keine Castortransporte nach Schleswig-Holstein

Uranfabrik Gronau: Rot-Grüne Landesregierung sieht keinen akuten Handlungsbedarf

Radioaktiv-05.jpgDie rot-grüne Landesregierung in Nordrhein-Westfalen hat heute das Ergebnis einer Sicherheitsüberprüfung der Uranfabrik des URENCO-Konzerns in Gronau bekannt gegeben. Allerdings lediglich in Form einer Pressemitteilung. Darin teilt sie mit, dass sie keinen „akuten Handlungsbedarf“ sehe, allerdings seien „Maß­nahmen zur kontinuierlichen Verbesserung der Sicherheit der Anlage angezeigt“. Was das bedeuten soll, wird nicht näher erläutert. „Uranfabrik Gronau: Rot-Grüne Landesregierung sieht keinen akuten Handlungsbedarf“ weiterlesen

Noch ein Brief: Der Energiewendeminister von Schleswig-Holstein erklärt, warum Atommüll nach Brunsbüttel muss

Radioaktiv-07.jpgIn einem Brief an die Grünen-Mitglieder in Schleswig-Holstein hat der Energiewendeminister Robert Habeck erklärt, wie es zu dem Vorschlag gekommen ist, Atommüll aus der Wiederaufarbeitung in Frankreich und England nicht wie bislang vorgesehen nach Gorleben, sondern vielleicht besser zum stillgelegten Vattenfall-Reaktor nach Brunsbüttel zu transportieren. Der Brief steht hier zum download bereit (PDF).

In einem flammenden Appell und mit tiefer Überzeugung, dass es eine wahrlich historische Leistung der Grünen sei, schreibt der Minister: „Es ist keine Ironie der Geschichte sondern Gründungsauftrag der Grünen, dass ein grüner Ministerpräsident (Winfried Kretschmann) die Lösung für eine Endlagerfrage möglich gemacht hat, indem er die ergebnisoffene Suche auch in seinem Bundesland zugestanden hat, dass ein niedersächsischer grüner Umweltminister (Stefan Wenzel) eine Struktur gefunden hat, die eine Einigung über die „Gorlebenfrage“ ermöglicht, und dass eine jetzt von den Grünen verantwortete Atomaufsicht auf die Frage nach einer Zwischenlagerung nicht Nein sagt.“

Wären die Grünen nicht so großartig, wäre es schlimm gekommen: „Ein Nein hätte an allen drei Weggabelungen bedeutet, dass Gorleben immer weiter zum Endlager wird. Ein Nein würde gegen alles gehen, wofür wir uns im Wendland kalte Füße geholt haben – und wofür die Grünen stehen.“

Na gut, einen Haken gibt es: „Dem Kompromiss nach soll der Salzstock Gorleben erst einmal im Verfahren bleiben.“ Das wäre ja nun ein nicht ganz unwichtiger Aspekt und nun erwartet man irgendwie, dass Habeck erklärt, mit welch raffinierten grünen Winkelzügen Gorleben zwar im Verfahren bleibt, aber in jedem Fall verhindert wird. Doch…. nein. Der Minister kommt auf dieses Detail nicht wieder zu sprechen. Irgendwie verzettelt er sich in einer Vielzahl von verdammt komplizierten und irgendwie auch wichtigen Dingen, die allesamt nach „historisch“ klingen.

Schade eigentlich.

Toll aber, wie Habeck sich das mit dem Castor per Schiff so vorstellt: “ Ein Schiff könnte in Brunsbüttel anlanden. Der Hafen ist nur zwei Kilometer vom Zwischenlager entfernt. Erspart bliebe somit auch ein Großteil der sonst notwendigen massiven Polizeibegleitung.“

Klasse. Dann können nicht so viele stören, wenn der Castor kommt. Echt umsichtig!

Da fällt mir nur eins ein: Ein Schiff wird kommen….

Siehe auch: Der Brief vom Bundesumweltminister an den Energiewendeminister: Brunsbüttel ist Top-Favorit für Atommüll

Atommüll-Endlagersuche von Demokratiewelle überrollt – 24 für den Konsens

und: Das AKW Brokdorf muss vom Netz – Keine Castortransporte nach Schleswig-Holstein

Der Brief vom Bundesumweltminister an den Energiewendeminister: Brunsbüttel ist Top-Favorit für Atommüll

radioaktiv009In einem Brief habe der schleswig-holsteinische grüne Energiewendeminister Robert Habeck geschrieben, dass er im Sinne eines Lastenausgleichs auf der Suche nach einem Kompromiss für ein Endlagersuchgesetz sich vorstellen könne, unter bestimmten Bedingungen hochradioaktiven Atommüll am AKW Brunsbüttel zu lagern. Altmaier findet das prima, weil für den Endlager-Deal eine Nebenbestimmung erfüllt werden muss, damit Niedersachsen zustimmt: Es darf keine weiteren Castortransporte nach Gorleben geben. „Auf diese Weise wird auch politisch sichtbar unterstrichen, dass die Endlagersuche nach dem neuen Gesetz ergebnisoffen durchgeführt wird“, schreibt Bundesumweltminister Peter Altmaier mit Datum vom 8. April seinem Kollegen Habeck in Kiel. Den Brief gibt es zum download hier als PDF.

Es braucht also nun Alternativen. Dumm ist das für Brunsbüttel. Denn der Bundesminister kommt in dem Brief zu dem Ergebnis: „Nach Überprüfung der hierfür in Betracht kommenden Standorte komme ich zu dem Ergebnis, dass eine Unterbringung im Standortzwischenlager Brunsbüttel insbesondere aus folgenden Erwägungen den Vorzug verdient (1):

– Der Transport ist auf kürzestem Weg über den Seeweg möglich, der Hafen
befindet sich in nur rund 2 km vom Standortzwischenlager entfernt.

– Der Hafen wurde im Zuge einer Studie der GNS (Gesellschaft für NuclearService
mbH) aus technischer Sicht als geeignet für den Umschlag von Behältern
mit verglasten Abfällen eingestuft.

– Das Standortzwischenlager Brunsbüttel verfügt über 80 Stellplätze für
Großbehälter, von denen jedoch voraussichtlich lediglich 19 für die Entsorgung
von Brennelementen aus dem KKW Brunsbüttel benötigt werden. Von
den verbleibenden freien Stellplätzen (= 75%) würden weniger als die Hälfte
für die o.g. Transporte benötigt.“

(1) „Dies schließt die Wahl anderer Standorte nicht aus, sofern entsprechende Voraussetzungen gegeben sind.“

Nur am Rande sei erwähnt: Das Lager um das es geht, gehört Vattenfall. Es ist im ehemaligen rot-grünen Atomkonsens von 2002 auschließlich zu dem Zwecke gebaut und genehmigt worden, hochradioaktiven Atommüll aus dem AKW Brunsbüttel aufzunehmen. Darauf hat Vattenfall in Person von Pieter Wasmuth gestern Abend auf einer Veranstaltung in Brunsbüttel auch noch einmal deutlich hingewiesen. Vattenfall müsste – wenn die Planspiele von Altmaier und Habeck funktionieren sollen, eine Änderungsgenehmigung für die Aufnahme des Atommülls aus La Hague und/oder Sellafield beim Bundesamt für Strahlenschutz stellen. Siehe: Riskantes Spiel: Endlager-Deal braucht Zustimmung durch Atomkonzerne

Dass Vattenfall das tut, ist nicht sonderlich wahrscheinlich. Auf der gestrigen Veranstaltung hat Vattenfall auch darauf hingewiesen, dass das Unternehmen bei dem anstehenden Rückbau des Atomkraftwerks anfallenden Atommüll möglicherweise in diesem Zwischenlager unterbringen will, um den Neubau weiterer Lagerhallen zu vermeiden. Dann wäre aber kein Platz für weitere Castoren. Außerdem: Das Standortlager in Brunsbüttel ist bis heute nicht rechtskräftig genehmigt. Noch stehen Klagen an, die die Sicherheit des Lagers anzweifeln. Darüber wird vermutlich im Juni 2013 das Oberverwaltungsgericht in Schleswig verhandeln.

Interessant in dem Brief von Altmaier an Habeck ist sicher auch, dass offenbar über einen Transport in das Zwischenlager Nord bei Lubmin nachgedacht wurde. Dort war vor Jahren versprochen worden, dass das dortige Lager nur für Atommüll aus Anlagen der ehemaligen DDR genutzt werden sollte. Ein Versprechen, das längst gebrochen wurde, da Atommüll aus der GKSS bei Geesthacht (Otto Hahn) und der Forschungsanlage Karlsruhe dorthin transportiert wurden. Allerdings: Erst vor wenigen Wochen bestätigte ein Gericht die Anweisung des Landes Mecklenburg-Vorpommern, dass künftig kein „Westmüll“ mehr nach Lubmin darf (siehe: Urteil: Kein West-Atommüll in das ostdeutsche Atommülllager Lubmin!). Die frohe Kunde für Mecklenburg-Vorpommern ist: Kommt wohl nicht ohne weiteres in Frage. Dabei hätte Lubmin einen entscheidenden Vorteil gegenüber Brunsbüttel, den Altmaier aber nicht anspricht: Das Atommülllager in Lubmin gehört dem Bund – keinem privaten Atomkonzern.

Auch Esenshamm/Unterweser ist laut Altmaier wohl eher aus dem Spiel. „Nähe eines geeigneten Hafens, der allerdings rund 14 km vom Zwischenlager
entfernt ist“, schreibt er. Also: Die Straßenstrecke von der Weser zum Atommeiler beträgt immerhin 14 km. Das sind 12 km mehr, als vom Elbehafen Brunsbüttel bis zum Atomkraftwerk. Klare Sache: Da können sich einfach erheblich mehr Menschen „Quer stellen, wenn der Castor kommt“. Ein echtes Sicherheitsargument, dass bestimmt auch dem Minister in Schleswig-Holstein einleuchten wird?

Auch wenn Altmaier bevorzugt, sämtlichen Atommüll aus La Hague und Sellafield nach Brunsbüttel zu bringen, weil das über den Seeweg und wegen der nur zwei Kilometer Straßenstrecke einfach echt cool wäre – Baden-Württemberg, aufgepasst: „Für den Fall, dass ein Transport der 5 Behälter aus Frankreich auf dem Seeweg nicht möglich wäre  (Zustimmung Frankreichs ist hierfür erforderlich), käme bspw. ein Transport auf der Schiene nach Baden-Württemberg in Betracht.“ Na, ist nicht sooo wild, sind ja nur fünf Atommüllcontainer!

Interessant, aber auch nur das nebenbei: Hier erwähnt Altmaier, dass jemand zustimmen müsste – bei dem Atommülllager in Brunsbüttel, das Vattenfall gehört oder dem Lager in Esenshamm, über das E.on entscheidet, interessiert ihn das nicht sonderlich.

Derzeit ist unklar, wie es weitergeht: Nachdem kein anderes Bundesland Bereitschaft gezeigt hat, dem Vorbild von Schleswig-Holstein zum „Lastenausgleich“ zu folgen, hat das nördlichste Bundesland erstmal erklärt: So geht das nicht.

Außerdem wäre das ganze ohnehin viel komplizierter, als gedacht: Die Kieler Nachrichten schreiben in ihrer heutigen Ausgabe: „Nach der Bund/Länder-Einigung für eine neue Endlagersuche vom Dienstag ist diese Idee aber de facto vom Tisch. Habeck hatte dort klar gemacht, dass es eine gerechte Lastenverteilung geben muss, zudem stehen in Brunsbüttel viel weniger Stellplätze für Atommüll zur Verfügung als zunächst veranschlagt. Der Grund sind verstärkte Terrorschutzmaßnahmen. Es ist aber weiterhin unklar, wohin der Atommüll neben Brunsbüttel gehen soll. Eigentlich sollte der Müll in das Zwischenlager Gorleben — wegen des Neustarts in der Endlagersuche soll es aber keine Castortransporte dorthin mehr geben.“

Altmaier ist sich hinsichtlich der Kosten von Endlagersuche und allem drum und dran mit Habeck einig: „Ich teile Ihre Auffassung, dass die Kosten der Endlagerung (einschließlich Suche und Errichtung des Endlagers) von den betroffenen Unternehmen zu tragen sind. Das ist m.E. schon jetzt sichergestellt. Ob darüber hinaus weitere Maßnahmen sinnvoll und geboten sind, wird unter Abwägung der damit verbundenen Folgen derzeit geprüft.“

Na, wenn das mal ausreicht. Das „Deutsche Atomforum“, der Lobby-Verband der Betreiber hat heute sicherheitshalber schon mal festgestellt: „Für die Übernahme zusätzlicher Kosten durch die Betreiber infolge alternativer Standorterkundungen vor einer abschließenden Bewertung zur Eignung Gorlebens gibt es nach unserer rechtlichen Auffassung keine Grundlage.“ Und der Bayerische Rundfunk fasst die Stellungnahme des Atomforums so zusammen: „Die Atomindustrie will bei der Endlagersuche keine weiteren Kosten übernehmen. Man habe bereits 1,6 Milliarden Euro in Gorleben investiert. Alle bisherigen Erkenntnisse sprächen für diesen Standort.“

Mir bleibt nur mit den Worten von Altmaier an Habeck zu sagen: „Über das Ergebnis werde ich Sie selbstverständlich zeitnah unterrichten.“

Siehe auch: Atommüll-Endlagersuche von Demokratiewelle überrollt – 24 für den Konsens

und: Das AKW Brokdorf muss vom Netz – Keine Castortransporte nach Schleswig-Holstein

 

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