Gravierende Sicherheitsmängel trotz Fukushima – Infobroschüre aus Schleswig-Holstein – Und jetzt?

AKW-Brokorf-21April2013147Warum der Atomausstieg richtig ist? Darüber informiert eine neue Broschüre des Energiewendeministerium Schleswig-Holstein. „Wendepunkt Fukushima“ heißt diese Broschüre im Titel. Eine gute Sache. In der Broschüre werden viele wichtige Aspekte noch einmal aufgearbeitet und dargestellt, die allzu schnell in Vergessenheit zu geraten drohen. Interessant aber auch: Dass die Landesregierung in Kiel im Koalitionsvertrag verabredet hat, nach Wegen zu suchen, das AKW Brokdorf schneller abzuschalten, wird nicht angesprochen. Jedenfalls unterlässt es der grüne Energiewendeminister Habeck das als Ziel zu benennen. Das ist verwunderlich, denn die Broschüre zeigt an vielen Stellen auf, dass es dringenden Handlungsbedarf gibt, weil die Bundesregierung vor allem die  Betreiber schützt, nicht aber die Bevölkerung. Die Broschüre steht hier zum download (PDF).

Es wird viel Material zusammen getragen, aus dem sich konkrete politische und fachliche Maßnahmen auch aus landespolitischer Sicht entwickeln lassen. Vorausgesetzt, der politische Wille dazu ist vorhanden. Die Broschüre zeigt auf, wo die landespolitischen Aufgaben liegen könnten und wo Maßnahmen durch den Bund erforderlich wären. Nicht ganz bedeutungslos, auf dem Weg zur Bundestagswahl im September 2013.

Die Autoren liefern Anknüpfungspunkte. Unklar bleibt aber, ob die Kieler Landesregierung bzw. die Grünen das Nutzen wollen, um offensiv eine Politik für den schnelleren Atomausstieg zu machen. Hier nur zwei Beispiele aus der Broschüre: Ausführlich wird noch einmal der Unfallverlauf von Fukushima dargelegt. Vor dem Hintergrund wird aufgezeigt, dass der „Stresstest“ der EU-Kommission zur Sicherheit der europäischen Atommeiler diverse wichtige Dinge überhaupt nicht in Betracht gezogen hat (Die Mängel des deutschen Stresstest werden leider nicht beschrieben). Das wird von zwei ehemaligen „hochrangigen“ Mitarbeitern des Bundesumweltministeriums aufbereitet, von Dieter Majer und Wolfgang Renneberg (Majer hatte im Frühjahr für .ausgestrahlt über die Sicherheitsmängel im AKW Brokdorf eine Studie vorgelegt – siehe hier: AKW Brokdorf – Der Super-GAU ist möglich).

Majer wird am Ende seines Beitrags konkret, was politische und fachliche Handlungsoptionen für die Landesregierung mit Blick auf das AKW Brokdorf sein könnten und was konkret von der Bundesregierung zu fordern ist. Auf Seite 12 der Broschüre schreibt Majer zusammenfassend: „Solange die herrschende Politik glaubt, auf den Betrieb der Kernkraftwerke nicht gänzlich verzichten zu können, ist es unbedingt erforderlich, dass an den Betrieb von Kernkraftwerken höchste Sicherheitsanforderungen gestellt werden. Es reicht nicht aus, wie beim Europäischen Stresstest geschehen, dass eine oberflächliche Prüfung nur im Hinblick auf das in Fukushima stattgefundene Szenario und dabei nur Notfallmaßnahmen im Auge habend durchgeführt wird. Vielmehr ist es erforderlich, dass die gesamten Anlagen auf den Prüfstand kommen und nach den Kriterien des aktuellen Standes von Wissenschaft und Technik überprüft werden. Leider erfüllen die vom Bundesumweltministerium im November 2012 veröffentlichten Sicherheitsanforderungen an Kernkraftwerke diese Voraussetzungen nicht. Teilweise wurden wichtige Themen nicht behandelt, teilweise wurden Maßstäbe relativiert und teilweise wurde die Festlegung von Kriterien an ein Gremium des „Kerntechnischen Ausschusses“ delegiert, das durch seine Zusammensetzung nicht die Gewähr einer von Betreiberinteressen unbeeinflussten Verabschiedung von höchstmöglichen Sicherheitsanforderungen bietet.

Der Unfall von Fukushima sollte für Deutschland Anlass sein, mindestens Folgendes konsequent durchzuführen:

• Prüfung aller deutschen Kernkraftwerke nach dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik. Für diese Prüfung sollten Personen und Institutionen beauftragt werden, die bisher die entsprechenden Anlagen nicht bewertet haben.

• Transparente öffentliche Darstellung der Unterschiede zwischen dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik und den in Betrieb befindlichen Anlagen.

• Gewährung des Einblickes der Öffentlichkeit in alle Unterlagen, die die Sicherheit der Anlagen betreffen.

• Begründete Festlegung von Nachrüstforderungen, insbesondere im Hinblick darauf, warum ggf. weiterhin Abweichungen vom Stand von Wissenschaft und Technik von den Behörden geduldet werden.

• Die bisher in Deutschland vernachlässigte verbindliche Festlegung von Notfallmaßnahmen sollte korrigiert werden. Für alle Anlagen sollten spezifische und detaillierte Richtlinien von Maßnahmen für den Fall, dass schwere Unfälle eingetreten sind, erarbeitet werden.

• Deutschland sollte sich in internationalen Gremien an die Spitze der Länder stellen, die für höchstmögliche Sicherheit eintreten. Die häufig vom Bundesumweltministerium vertretene Auffassung, dass diplomatische Gepflogenheiten eine deutliche Ansprache der Sicherheitsprobleme in den Nachbarländern nicht zulassen, sollte aufgegeben werden. Es darf nicht sein, dass Diplomatie vor Sicherheit gestellt wird.“

 

Dieses Paket in politische und fachliche Arbeit umzuwandeln sollte nun also die Aufgabe der Landesregierung und ihres Energiewendeministers sein.

Auch Wolfgang Renneberg führt erhebliche Defizite an, spricht z.B. den Aktionsplan des Bundesumeltministeriums vom 31. Dezember 2012 an: „Der Plan enthält 23 „Empfehlungen“, die auf Untersuchungen der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) und der Reaktor-Sicherheitskommission (RSK) zurückgehen.“ Und er nennt auch hier die Handlungsdefizite: „Der Aktionsplan sieht eine eigene Prüfungsmethodik vor, die den Betreibern weite Interpretationsspielräume eröffnet, kein klares Anforderungsprofil besitzt und sie damit vor den strengeren Sicherheitsanforderungen des gerade verabschiedeten deutschen Regelwerks schützt.“ (S.20/21).

Das liefert Ansatzpunkte für eine offensivere Politik, die den Atomausstieg beschleunigt und damit auch einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung der Energiewende leistet. Derartige Hinweise müssten in konkrete politische und fachliche Vorlagen umgewandelt werden: Das Land Schleswig-Holstein müsste direkt am AKW Brokdorf darlegen, welche Defizite und Schwachstellen bestehen, zeigen, was nach EU-Stresstest, Kerntechnischem Regelwerk und Aktionsplan alles nicht getan wird, um die Sicherheit von Brokdorf im Angesicht von Fukushima zu erhöhen!

Dabei ist klar: Weil Atomrecht Bundesrecht ist, muss eine Bundesregierung wesentliche Dinge tun. Das aber darf nicht dazu führen, die Dinge zu unterlassen, die landespolitisch möglich und erforderlich sind, um die Bundesregierung stärker unter Handlungsdruck zu setzen.

Dazu könnten neben einer detaillierten Darstellung der Umsetzungsdefizite für das AKW Brokdorf aufgrund des Fehlens bundespolitischer Vorgaben, auch eigene Bundesratsinitiativen gehören. Das könnte mit anderen rot-grünen Bundesländern koordiniert werden.

Zwei weitere Beiträge enthält die Broschüre. In der Pressemitteilung des Energiewendeministeriums heißt es: „Michael Herczeg, Universitätsprofessor und Unternehmensberater aus Lübeck, beschreibt den „Faktor Mensch“ bei Bau und Betrieb von Kernkraftwerken. Herczegs Kernthese: Bei einer Risikotechnologie wie der Atomkraft muss Verlass darauf sein, dass Mensch und Technik weitestgehend fehlerfrei zusammenwirken. Diese Verlässlichkeit ist aber nicht gegeben.“ Und – das lasse ich jetzt erst mal unkommentiert: „Mit Bezug auf die aktuelle Diskussion um die Entsorgung des Atommülls nimmt schließlich Michael Sailer, Vorsitzender der Entsorgungskommission des Bundes, Stellung. Sailer erläutert, warum die bisher noch fehlenden Endlager keinesfalls ein Grund sind, den Atomausstieg hinauszuschieben.“

Noch ein Brief: Der Energiewendeminister von Schleswig-Holstein erklärt, warum Atommüll nach Brunsbüttel muss

Radioaktiv-07.jpgIn einem Brief an die Grünen-Mitglieder in Schleswig-Holstein hat der Energiewendeminister Robert Habeck erklärt, wie es zu dem Vorschlag gekommen ist, Atommüll aus der Wiederaufarbeitung in Frankreich und England nicht wie bislang vorgesehen nach Gorleben, sondern vielleicht besser zum stillgelegten Vattenfall-Reaktor nach Brunsbüttel zu transportieren. Der Brief steht hier zum download bereit (PDF).

In einem flammenden Appell und mit tiefer Überzeugung, dass es eine wahrlich historische Leistung der Grünen sei, schreibt der Minister: „Es ist keine Ironie der Geschichte sondern Gründungsauftrag der Grünen, dass ein grüner Ministerpräsident (Winfried Kretschmann) die Lösung für eine Endlagerfrage möglich gemacht hat, indem er die ergebnisoffene Suche auch in seinem Bundesland zugestanden hat, dass ein niedersächsischer grüner Umweltminister (Stefan Wenzel) eine Struktur gefunden hat, die eine Einigung über die „Gorlebenfrage“ ermöglicht, und dass eine jetzt von den Grünen verantwortete Atomaufsicht auf die Frage nach einer Zwischenlagerung nicht Nein sagt.“

Wären die Grünen nicht so großartig, wäre es schlimm gekommen: „Ein Nein hätte an allen drei Weggabelungen bedeutet, dass Gorleben immer weiter zum Endlager wird. Ein Nein würde gegen alles gehen, wofür wir uns im Wendland kalte Füße geholt haben – und wofür die Grünen stehen.“

Na gut, einen Haken gibt es: „Dem Kompromiss nach soll der Salzstock Gorleben erst einmal im Verfahren bleiben.“ Das wäre ja nun ein nicht ganz unwichtiger Aspekt und nun erwartet man irgendwie, dass Habeck erklärt, mit welch raffinierten grünen Winkelzügen Gorleben zwar im Verfahren bleibt, aber in jedem Fall verhindert wird. Doch…. nein. Der Minister kommt auf dieses Detail nicht wieder zu sprechen. Irgendwie verzettelt er sich in einer Vielzahl von verdammt komplizierten und irgendwie auch wichtigen Dingen, die allesamt nach „historisch“ klingen.

Schade eigentlich.

Toll aber, wie Habeck sich das mit dem Castor per Schiff so vorstellt: “ Ein Schiff könnte in Brunsbüttel anlanden. Der Hafen ist nur zwei Kilometer vom Zwischenlager entfernt. Erspart bliebe somit auch ein Großteil der sonst notwendigen massiven Polizeibegleitung.“

Klasse. Dann können nicht so viele stören, wenn der Castor kommt. Echt umsichtig!

Da fällt mir nur eins ein: Ein Schiff wird kommen….

Siehe auch: Der Brief vom Bundesumweltminister an den Energiewendeminister: Brunsbüttel ist Top-Favorit für Atommüll

Atommüll-Endlagersuche von Demokratiewelle überrollt – 24 für den Konsens

und: Das AKW Brokdorf muss vom Netz – Keine Castortransporte nach Schleswig-Holstein

Der Brief vom Bundesumweltminister an den Energiewendeminister: Brunsbüttel ist Top-Favorit für Atommüll

radioaktiv009In einem Brief habe der schleswig-holsteinische grüne Energiewendeminister Robert Habeck geschrieben, dass er im Sinne eines Lastenausgleichs auf der Suche nach einem Kompromiss für ein Endlagersuchgesetz sich vorstellen könne, unter bestimmten Bedingungen hochradioaktiven Atommüll am AKW Brunsbüttel zu lagern. Altmaier findet das prima, weil für den Endlager-Deal eine Nebenbestimmung erfüllt werden muss, damit Niedersachsen zustimmt: Es darf keine weiteren Castortransporte nach Gorleben geben. „Auf diese Weise wird auch politisch sichtbar unterstrichen, dass die Endlagersuche nach dem neuen Gesetz ergebnisoffen durchgeführt wird“, schreibt Bundesumweltminister Peter Altmaier mit Datum vom 8. April seinem Kollegen Habeck in Kiel. Den Brief gibt es zum download hier als PDF.

Es braucht also nun Alternativen. Dumm ist das für Brunsbüttel. Denn der Bundesminister kommt in dem Brief zu dem Ergebnis: „Nach Überprüfung der hierfür in Betracht kommenden Standorte komme ich zu dem Ergebnis, dass eine Unterbringung im Standortzwischenlager Brunsbüttel insbesondere aus folgenden Erwägungen den Vorzug verdient (1):

– Der Transport ist auf kürzestem Weg über den Seeweg möglich, der Hafen
befindet sich in nur rund 2 km vom Standortzwischenlager entfernt.

– Der Hafen wurde im Zuge einer Studie der GNS (Gesellschaft für NuclearService
mbH) aus technischer Sicht als geeignet für den Umschlag von Behältern
mit verglasten Abfällen eingestuft.

– Das Standortzwischenlager Brunsbüttel verfügt über 80 Stellplätze für
Großbehälter, von denen jedoch voraussichtlich lediglich 19 für die Entsorgung
von Brennelementen aus dem KKW Brunsbüttel benötigt werden. Von
den verbleibenden freien Stellplätzen (= 75%) würden weniger als die Hälfte
für die o.g. Transporte benötigt.“

(1) „Dies schließt die Wahl anderer Standorte nicht aus, sofern entsprechende Voraussetzungen gegeben sind.“

Nur am Rande sei erwähnt: Das Lager um das es geht, gehört Vattenfall. Es ist im ehemaligen rot-grünen Atomkonsens von 2002 auschließlich zu dem Zwecke gebaut und genehmigt worden, hochradioaktiven Atommüll aus dem AKW Brunsbüttel aufzunehmen. Darauf hat Vattenfall in Person von Pieter Wasmuth gestern Abend auf einer Veranstaltung in Brunsbüttel auch noch einmal deutlich hingewiesen. Vattenfall müsste – wenn die Planspiele von Altmaier und Habeck funktionieren sollen, eine Änderungsgenehmigung für die Aufnahme des Atommülls aus La Hague und/oder Sellafield beim Bundesamt für Strahlenschutz stellen. Siehe: Riskantes Spiel: Endlager-Deal braucht Zustimmung durch Atomkonzerne

Dass Vattenfall das tut, ist nicht sonderlich wahrscheinlich. Auf der gestrigen Veranstaltung hat Vattenfall auch darauf hingewiesen, dass das Unternehmen bei dem anstehenden Rückbau des Atomkraftwerks anfallenden Atommüll möglicherweise in diesem Zwischenlager unterbringen will, um den Neubau weiterer Lagerhallen zu vermeiden. Dann wäre aber kein Platz für weitere Castoren. Außerdem: Das Standortlager in Brunsbüttel ist bis heute nicht rechtskräftig genehmigt. Noch stehen Klagen an, die die Sicherheit des Lagers anzweifeln. Darüber wird vermutlich im Juni 2013 das Oberverwaltungsgericht in Schleswig verhandeln.

Interessant in dem Brief von Altmaier an Habeck ist sicher auch, dass offenbar über einen Transport in das Zwischenlager Nord bei Lubmin nachgedacht wurde. Dort war vor Jahren versprochen worden, dass das dortige Lager nur für Atommüll aus Anlagen der ehemaligen DDR genutzt werden sollte. Ein Versprechen, das längst gebrochen wurde, da Atommüll aus der GKSS bei Geesthacht (Otto Hahn) und der Forschungsanlage Karlsruhe dorthin transportiert wurden. Allerdings: Erst vor wenigen Wochen bestätigte ein Gericht die Anweisung des Landes Mecklenburg-Vorpommern, dass künftig kein „Westmüll“ mehr nach Lubmin darf (siehe: Urteil: Kein West-Atommüll in das ostdeutsche Atommülllager Lubmin!). Die frohe Kunde für Mecklenburg-Vorpommern ist: Kommt wohl nicht ohne weiteres in Frage. Dabei hätte Lubmin einen entscheidenden Vorteil gegenüber Brunsbüttel, den Altmaier aber nicht anspricht: Das Atommülllager in Lubmin gehört dem Bund – keinem privaten Atomkonzern.

Auch Esenshamm/Unterweser ist laut Altmaier wohl eher aus dem Spiel. „Nähe eines geeigneten Hafens, der allerdings rund 14 km vom Zwischenlager
entfernt ist“, schreibt er. Also: Die Straßenstrecke von der Weser zum Atommeiler beträgt immerhin 14 km. Das sind 12 km mehr, als vom Elbehafen Brunsbüttel bis zum Atomkraftwerk. Klare Sache: Da können sich einfach erheblich mehr Menschen „Quer stellen, wenn der Castor kommt“. Ein echtes Sicherheitsargument, dass bestimmt auch dem Minister in Schleswig-Holstein einleuchten wird?

Auch wenn Altmaier bevorzugt, sämtlichen Atommüll aus La Hague und Sellafield nach Brunsbüttel zu bringen, weil das über den Seeweg und wegen der nur zwei Kilometer Straßenstrecke einfach echt cool wäre – Baden-Württemberg, aufgepasst: „Für den Fall, dass ein Transport der 5 Behälter aus Frankreich auf dem Seeweg nicht möglich wäre  (Zustimmung Frankreichs ist hierfür erforderlich), käme bspw. ein Transport auf der Schiene nach Baden-Württemberg in Betracht.“ Na, ist nicht sooo wild, sind ja nur fünf Atommüllcontainer!

Interessant, aber auch nur das nebenbei: Hier erwähnt Altmaier, dass jemand zustimmen müsste – bei dem Atommülllager in Brunsbüttel, das Vattenfall gehört oder dem Lager in Esenshamm, über das E.on entscheidet, interessiert ihn das nicht sonderlich.

Derzeit ist unklar, wie es weitergeht: Nachdem kein anderes Bundesland Bereitschaft gezeigt hat, dem Vorbild von Schleswig-Holstein zum „Lastenausgleich“ zu folgen, hat das nördlichste Bundesland erstmal erklärt: So geht das nicht.

Außerdem wäre das ganze ohnehin viel komplizierter, als gedacht: Die Kieler Nachrichten schreiben in ihrer heutigen Ausgabe: „Nach der Bund/Länder-Einigung für eine neue Endlagersuche vom Dienstag ist diese Idee aber de facto vom Tisch. Habeck hatte dort klar gemacht, dass es eine gerechte Lastenverteilung geben muss, zudem stehen in Brunsbüttel viel weniger Stellplätze für Atommüll zur Verfügung als zunächst veranschlagt. Der Grund sind verstärkte Terrorschutzmaßnahmen. Es ist aber weiterhin unklar, wohin der Atommüll neben Brunsbüttel gehen soll. Eigentlich sollte der Müll in das Zwischenlager Gorleben — wegen des Neustarts in der Endlagersuche soll es aber keine Castortransporte dorthin mehr geben.“

Altmaier ist sich hinsichtlich der Kosten von Endlagersuche und allem drum und dran mit Habeck einig: „Ich teile Ihre Auffassung, dass die Kosten der Endlagerung (einschließlich Suche und Errichtung des Endlagers) von den betroffenen Unternehmen zu tragen sind. Das ist m.E. schon jetzt sichergestellt. Ob darüber hinaus weitere Maßnahmen sinnvoll und geboten sind, wird unter Abwägung der damit verbundenen Folgen derzeit geprüft.“

Na, wenn das mal ausreicht. Das „Deutsche Atomforum“, der Lobby-Verband der Betreiber hat heute sicherheitshalber schon mal festgestellt: „Für die Übernahme zusätzlicher Kosten durch die Betreiber infolge alternativer Standorterkundungen vor einer abschließenden Bewertung zur Eignung Gorlebens gibt es nach unserer rechtlichen Auffassung keine Grundlage.“ Und der Bayerische Rundfunk fasst die Stellungnahme des Atomforums so zusammen: „Die Atomindustrie will bei der Endlagersuche keine weiteren Kosten übernehmen. Man habe bereits 1,6 Milliarden Euro in Gorleben investiert. Alle bisherigen Erkenntnisse sprächen für diesen Standort.“

Mir bleibt nur mit den Worten von Altmaier an Habeck zu sagen: „Über das Ergebnis werde ich Sie selbstverständlich zeitnah unterrichten.“

Siehe auch: Atommüll-Endlagersuche von Demokratiewelle überrollt – 24 für den Konsens

und: Das AKW Brokdorf muss vom Netz – Keine Castortransporte nach Schleswig-Holstein

 

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