Entsorgungslüge geht weiter: Immer mehr und “neuer” Atommüll

Gemeinsam mit der AG Schacht Konrad und dem AKU aus Gronau hat ROBIN WOOD heute in einer Pressemeldung begründet, warum wir an dem Bürger-Forum nicht teilnehmen und das Endlagersuchgesetz ablehnen. Dabei geht es nicht nur um Gorleben und Hinterzimmer-Diplomatie. Es geht auch darum, dass bei dieser Debatte das reale Atommüll-Desaster völlig ausgeblendet wird. Enorme Mengen Atommüll “vagabundieren” in der Republik herum, für die bis heute nicht einmal im Ansatz “Entsorgungs-Pläne” bestehen. Aber auch der “offizielle” Atommüll ist außer Kontrolle. Erst gestern meldete die taz, dass im Zwischenlager in Jülich die Genehmigung für die Lagerung von 152 hochradioaktiven Castor-Behältern ausläuft (siehe auch hier). Außerdem ist das Zwischenlager nach dem Stresstest der Entsorgungskommission als “unsicher” durchgefallen. Ausgerechnet (?) die rot-grüne Landesregierung arbeitet nun daran, diesen brisanten Atommüll in die USA zu verschieben. Wie war das doch gleich mit der vielbeschworenen “nationalen Verantwortung”, von der uns immer erzählt wurde, wenn Atommüll aus Frankreich oder England Richtung Gorleben rollte? Noch vor knapp einem Jahr hatten sich SPD und Grüne in NRW im Koalitionsvertrag klar positioniert: Der hochradioaktive Atommüll aus Jülich sollte nur noch eine Reise machen: Die ins Endlager. Doch das Problem ist noch viel gewaltiger….

Uranfabrik Gronau: Atommülllager für 100 Jahre – alle 10 Jahre neue Lagerhallen

Weitere Atommüllberge sind noch nicht einmal bei den Planungen für eine dauerhafte Lagerung berücksichtigt. So sind bei der Uranareicherung in Gronau bereits mehrere zehntaused Tonnen Uranmüll angefallen und täglich werden es mehr. Das Absurde: Offiziell gilt dieser Atommüll als Wertstoff; nur mit diesem Trick kann in Gronau unbefristet weiter der Brennstoff für Atomkraftwerke in aller Welt hergestellt werden. Weil es aber in Wirklichkeit gar keine Verwertung gibt, wird in Gronau ein Zwischenlager gebaut. Ab 2014 geht das in Betrieb und dort sollen dann zunächst 60.000 Tonnen Uranmüll gelagert werden. Und die Bundesregierung räumt ein: Das kann über einen Zeitraum von 50 – 100 Jahre dauern! Schlimmer noch: Etwa alle 10 Jahre muß bei “Normalbetrieb” in Gronau laut Bundesregierung eine neue Atommüll-Halle gebaut werden! Das ergab die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken Bundestagsabgeordneten Dorothee Menzner (hier als PDF).

Der Spiegel (siehe auch hier) berichtete vor wenigen Wochen in seiner Print-Ausgabe über diesen Wahnsinn. “Als gäbe es nicht genug offene Fragen, ist zwischenzeitlich eine neue Sorte von Atommüll aufgetaucht, für die es bislang noch gar keine Endbestimmung gibt: Dabei handelt es sich um graphithaltige Abfälle sowie abgereichertes Uran, die nicht in den Schacht Konrad verbracht werden dürfen.” (Spiegel 19/2013, Seite 27). “Stattdessen müssen die mit Radionukliden vollgepumpten Materialien wohl in einem künftigen Endlager für hochradioaktive Stoffe beerdigt werden. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) beziffert ihre Menge auf bis zu 105500 Kubikmeter. Bislang wissen vor allem Fachkreise von diesem Abfallproblem.”

Diese “neuen” radioaktiven Abfälle sind so neu nicht: Bereits im Oktober 2011 hatte die Grüne Bundestagsabgeordnete Sylvia Kotting-Uhl dazu die Bundesregierung befragt. In der Mitteldeutschen Zeitung war zu lesen: “Zu dem hochradioaktiven Müll sollen auch bis zu 100 000 Kubikmeter abgereichertes Uran hinzukommen, das nicht in das Endlager Konrad für schwach- und mittelradioaktive Abfälle gebracht werden kann. … Die Mengen würden bei weiten das Volumen hochradioaktiver Abfälle übertreffen, die auf 29 000 Kubikmeter geschätzt werden. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) rechnet zudem mit bis zu 5000 Kubikmetern Abfällen mit geringer Wärmeentwicklung, die nicht für Schacht Konrad geeignet sind. Die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) geht hier von bis zu 8800 Kubikmetern aus. Hinzu kommen graphithaltige Abfälle von 500 bis 1000 Kubikmetern.”

Im Spiegel heißt es weiter: “”Die Folgen für Deutschland könnten unangenehm sein. „Im schlimmsten Fall ist in dem Lager für hochradioaktiven Müll nicht genügend Platz für diese Sorte Abfall“, warnt der unabhängige Atomexperte Wolfgang Neumann aus Hannover: „Dann müsste man ein drittes Endlager suchen.“ Auch im Bundesumweltministerium hält man sich diese Option offen, obwohl offiziell mit zwei Standorten geplant wird.””

In der Pressemitteilung von ROBIN WOOD heißt es daher:„Es ist die nächste Entsorgungslüge, wenn jetzt im Rahmen der Debatte um das Endlagersuch­gesetz suggeriert wird, dass ‘nur’ noch das Problem der hochradioaktiven Atomabfälle geklärt werden müsse und damit viele 100.000 Kubikmeter Strahlenabfälle einfach ausgeblendet werden“, sagt Dirk Seifert, Energiereferent bei ROBIN WOOD. “Große Mengen Atom-Müll, die in Gronau ohne Ende weiter produziert werden, werden einfach nicht betrachtet, ebenso wenig der Atommüll aus Jülich oder der, der bei der Räumung von Asse II anfallen würde.”

ROBIN WOOD: Protestaktion gegen Atomtransporte am historischen Kran in der Hamburger HafenCity

Logo-robinwood-gwNach dem 16stündigen Brand auf einem Frachter mit radioaktiver Ladung im Hamburger Hafen Anfang Mai protestierten Aktive heute in luftiger Höhe gegen weitere Atomtransporte und die mangelhafte Information der Bevölkerung

Mehrere AktivistInnen von ROBIN WOOD fordern heute Vormittag mit einer Kletter- und Banneraktion an einem historischen Kran in der HafenCity (Kaiser-Kai) einen Stopp von Atomtransporten durch die Hansestadt.

Während der Kletteraktion gelang es ihnen, ein über zehn Meter großes Transparent mit der Aufschrift „Hallo! Geht’s noch? Atomtransporte stoppen“ zu entrollen. Mit Flyern informierten sie zudem PassantInnen über die Gefahren der Atomtransporte. Erst vor einer Woche war bekannt geworden, dass sich Anfang Mai bei einem Brand an Bord der ‚Atlantic Cartier‘ im Hamburger Hafen in unmittelbarer Brandnähe radioaktives Material, u.a. das besonders gefährliche Uranhexafluorid, befunden hatte.

„Der Vorfall auf der ‚Atlantic Cartier‘ zeigt eindrücklich, warum ein schneller und vor allem vollständiger Atomausstieg unbedingt nötig ist“, so Kletteraktivistin Cécile. „Es ist höchst fahrlässig, dass Atomtransporte und atomindustrielle Anlagen wie in Gronau und Lingen, zu denen regelmäßig Transporte hingehen, unbegrenzt weiterlaufen sollen“, ergänzt Kletteraktivist Dennis aus Münster.

Während Bremen seine Häfen bereits teilweise für Atomtransporte gesperrt hat, gibt es im Hamburger Hafen wöchentlich Transporte radioaktiven Materials.

Tests haben ergeben, dass Brände und Anschläge die Gefahrgut Container beschädigen und radioaktives Material freisetzen können. Uranhexafluorid reagiert zudem zu lebensgefährlicher Flusssäure mit einer Reichweite bis zu mehreren hundert Metern.

Hochbrisant war dies beim Brand an Bord der ‚Atlantic Cartier‘: In 500 Meter Entfernung befanden sich mehrere Tausend Teilnehmende des Kirchentags. Der Frachter hatte auch Munition geladen. Hamburg entging knapp einer Katastrophe. Um solche inakzeptablen Risiken auszuschließen, wollen die AktivistInnen weiter Druck machen:

„Wir werden kreativ und konsequent weiter protestieren, um Ausmaß und Gefahren dieser Transporte bekannt zu machen und ihren Stopp zu fordern. Nur wenn die betroffenen Menschen von den Atomtransporten vor ihrer Haustür erfahren, können sie entscheiden, wie sie mit dem Risiko umgehen wollen.“

In der vergangenen Nacht ist bereits ein weiterer Atom-Transport in den Norden gerollt: Zwei Lkw brachten unter strenger Geheimhaltung – vermutlich via Hamburg – plutoniumhaltige MOX-Brennelemente aus dem belgischen Dessel zum AKW Brokdorf.

Siehe hier mit Fotos den Blog von ROBIN WOOD.

Hintergrundinformationen:

ROBIN WOOD-Blog: Unter strenger Geheimhaltung: Plutonium-Transport im AKW Brokdorf angekommen
http://www.robinwood.de/Atomtransporte.283.0.html
http://www.nadir.org/nadir/initiativ/sand/SAND-Dateien/Atomtransporte_Info.html

Unter strenger Geheimhaltung: Plutonium-Transport im AKW Brokdorf angekommen

AKW-Brokorf-21April2013147Der zweite Transport mit Plutonium-Brennelementen aus der belgischen Fabrik in Dessel ist bereits gestern am AKW Brokdorf eingetroffen. Das bestätigen der Betreiber E.on und die Polizei. Der gefährliche Atomtransport wurde unter strenger Geheimhaltung durchgeführt.

Zu den Risiken siehe z.B. Lübecker Nachrichten.

Der NDR berichtete gestern um 19.30: „Brennelemente in Brokdorf eingetroffen: Ein Transport mit sechs plutoniumhaltigen Brennelementen aus Belgien ist im Atomkraftwerk Brokdorf (Kreis Steinburg) eingetroffen. Das bestätigte eine Sprecherin des Kraftwerksbetreibers E.ON. Atomkraftgegner hatten die Lkw-Transporte wegen der aus ihrer Sicht mangelhaften Sicherheitsvorkehrungen kritisiert. Bereits vor einer Woche waren sechs Brennelemente nach Brokdorf gebracht worden. Nun ist die komplette Menge aus Belgien am Bestimmungsort. Betreiber E.ON und die Polizei hatten sich zum Zeitpunkt des Atomtransports und zur Strecke in Schweigen gehüllt. | 22.05.2013 19:31.“

Plutonium-Brennelemente gelten als besonders brisant. Das auch für Atomwaffen taugliche Material ist besonders giftig und löst schon in kleinsten Mengen Krebs aus. Im Reaktor führt es dazu, dass die Auslegungsgrenzen gegen Störfälle deutlich verkleinert werden und damit das Risiko schwerer Unfälle steigt.

Weitere Artikel auf umweltFAIRaendern.de:

Ärzteorganisation fordert “Atomminister” Robert Habeck auf, Plutonium-Einsatz in Brokdorf zu stoppen

Verdammt in alle Ewigkeit – Plutonium in Atomreaktoren (pdf, 1991)

Nix gelernt und falsch: Hamburger Umweltbehörde erklärt Plutoniumtransporte für harmlos

Plutoniumeinsatz im AKW Grohnde stoppen – die neue Regierung in Niedersachsen ist gefordert.

Risiko Atomtransporte – Radioaktiv quer durch Städte und Häfen

Ärzteorganisation fordert „Atomminister“ Robert Habeck auf, Plutonium-Einsatz in Brokdorf zu stoppen

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Noch mehr Risiken: Plutonium-Einsatz im AKW Brokdorf. Foto: Dirk Seifert

Die internationale Ärzteorganisation IPPNW hat den schleswig-holsteinischen Energieminister Robert Habeck (Grüne) heute aufgefordert, den Einsatz von Plutonium im AKW Brokdorf zu stoppen. Dieser Tage sollen weitere solcher so genannter MOX-Brennelemente per LKW-Transport aus dem belgischen Dessel über Niedersachsen und Hamburg zu dem Atommeiler an der Unterelbe rollen.

Siehe auch: Nicht nur neuer Atommüll für Schleswig-Holstein: Jetzt rollt auch noch Plutonium in das AKW Brokdorf und: Nix gelernt und falsch: Hamburger Umweltbehörde erklärt Plutoniumtransporte für harmlos

Die IPPNW schreibt:
„E.On-Experte warnt vor Sicherheitsrisiken / Neue beunruhigende MOX-Probleme

Nach dem Brand auf dem mit radioaktiven Stoffen beladenen Containerschiff „Alantic Cartier“ in Hamburg und dem geplanten Transport von plutoniumhaltigen MOX-Brennelementen durch Hamburg warnt die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW den schleswig-holsteinischen Umweltminister Robert Habeck vor dem weiteren MOX-Einsatz im Atomkraftwerk Brokdorf. Hintergrund ist die Kritik des MOX-Spezialisten Wolfgang Faber, der bei der E.On Kernkraft GmbH als Leiter für den Einsatz von Brennelementen verantwortlich ist. Das eindeutige Votum des Brennelement-Spezialisten wird allerdings vom Vorstandsvorsitzenden der E.On AG, Johannes Teyssen, ignoriert. Auf der E.On-Hauptversammlung am 3. Mai 2013 in Essen sagte Teyssen der ehemaligen IPPNW-Vorsitzenden Angelika Claußen auf Nachfrage wörtlich: „Die Meinung von Herrn Faber ist eine Einzelmeinung. Das ist nicht die Unternehmensmeinung. Wir sehen keine Gefahrenerhöhung durch MOX-Brennelemente.” Nach Auffassung der IPPNW ist jetzt der zuständige Atomminister Robert Habeck gefragt, den MOX-Einsatz in Brokdorf endlich zu unterbinden und verweist hierbei auf aktuelle Sicherheitsprobleme.

Faber hatte am 14. September 2011 auf einem Treffen des US Nuclear Waste Technical Review Board aus finanziellen Gründen, wegen der Dosisbelastung für das Personal und aufgrund erheblicher Schwierigkeiten und Risiken beim Einsatz sowie bei der Entsorgung von der Verwendung von MOX-Brennelementen abgeraten. Der Spezialist weist darauf hin, dass die Wärmeleitfähigkeit geringer und die Kernbrennstofftemperatur, die Reaktivität sowie der Spaltgasdruck höher sind als bei herkömmlichen Uranbrennelementen. Bei einem Leck-Störfall ist laut Faber mit einer stärkeren Beschädigung von Brennstäben zu rechnen („core failure rates … higher in mixed cores“).

Das Thema MOX beschäftigt die Aufsichtsbehörden und Gutachterorganisationen derzeit sehr stark. Es gibt mehrere beunruhigende Befunde, so IPPNW-Atomexperte Henrik Paulitz. So wird in zahlreichen deutschen und europäischen Atomkraftwerken ein Ansteigen des Neutronenflussrauschens beobachtet, ohne dass die Ursache dafür wirklich klar wäre. Fest steht aber offenbar, dass der MOX-Einsatz dabei eine Rolle spielt. In einem Fall führte das sogar schon zu einer Reaktorschnellabschaltung. Neu ist den Atomtechnikern offenbar auch, dass MOX-Brennelemente bei Leck-Störfällen innenseitig oxidieren können, so dass ein Zerbröseln der Hüllrohre droht und die Kühlung somit beeinträchtigt werden könnte. Nicht bedacht hatte man ferner, dass bei einem Aufblähen der MOX-Brennstäbe durch den höheren Spaltgasdruck der Kernbrennstoff absacken und auch deswegen die kühlfähige Geometrie im Kern beeinträchtigt werden kann.

Auch in der Schweiz werden die öffentlich kaum bekannten Probleme und Unsicherheiten im Bereich des Reaktorkerns generell und beim Einsatz von MOX-Brennelementen im Besonderen kritisch diskutiert. In einem Gutachten für die Eidgenössische Kommission für die Sicherheit von Kernanlagen vom 27. September 2006 schreibt der Spezialist Hans-Urs Zwicky zu den Gefahren bei einem Reaktivitätsstörfall (RIA): “Dabei wurde berücksichtigt, dass MOX-Brennstoff inhomogen ist und in den plutoniumreichen Agglomeraten lokal ein sehr hoher Abbrand mit einer entsprechend porösen Mikrostruktur erreicht werden kann. Übersteigt der Spaltgasdruck in den Poren des Brennstoffs einen kritischen Wert, so wird die Brennstoffstruktur instabil und die freigesetzten Spaltgase tragen wesentlich zur Hüllrohrbelastung während des RIA bei.“

Ferner betont Zwicky: „Erste Erfahrungen bei der Kernauslegung für die Betriebszyklen 2005/06 zeigten, dass die Kriterien für Uranbrennstoff auch bei hohem Abbrand ohne Einschränkungen erfüllbar sind. Dagegen können die relativ tiefen Werte für Hochabbrand-MOX zu einem gewissen Flexibilitätsverlust bei der Kernauslegung führen.“

Vor diesem Hintergrund fordert die IPPNW die sofortige Außerbetriebnahme von Atomkraftwerken wie Brokdorf, in denen MOX-Brennelemente eingesetzt werden.“

Kontakt: Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW), Körtestr. 10, 10967 Berlin, www.ippnw.de, Email: ippnw@ippnw.de „

Nix gelernt und falsch: Hamburger Umweltbehörde erklärt Plutoniumtransporte für harmlos

MOX-Transport zum AKW Brokdorf (1991), Spezialfahrzeuge sind für den Plutoniumtransport erforderlich. Foto: Dirk Seifert
MOX-Transport zum AKW Brokdorf (1991), Spezialfahrzeuge sind für den Plutoniumtransport erforderlich. Foto: Dirk Seifert

Die SPD-geführte Umweltbehörde hat auch nach dem Kommunikations-Desaster aus dem Feuer im Hamburger Hafen an Bord der „Atlantic Cartier“ nichts dazugelernt. Noch in dieser Woche sollen Plutonium-Transporte durch Hamburg rollen. Auch deren Risiken werden von einem Sprecher der Hamburger Umweltbehörde verharmlost, teilweise sind die Informationen auch einfach falsch!

An Bord des Atomfrachters, der am 1. Mai im Hamburger Hafen in Brand geriet und mit einem Großeinsatz der Feuerwehr gelöscht werden musste, hatte sich auch radioaktives Material befunden, darunter das hochgefährliche Uranhexafluorid. Die Umweltbehörde verschwieg dieses brisante Detail. Erst durch eine Anfrage der Hamburger Grünen wurde dies bekannt. (Siehe auch Hamburger Abendblatt)

Jetzt stehen Atomtransporte mit brisanten Plutonium-Brennelementen für das AKW Brokdorf an. Betrieben wird das AKW Brokdorf von E.on und Vattenfall. Der Transport muss auf seinem Weg durch die Hansestadt Hamburg. Laut NDR handelt es sich für Volker Dumann, Sprecher der Umweltbehörde, „um vergleichsweise harmloses Material. „Es sollen frische Brennelemente transportiert werden, die noch in keinem Atomkraftwerk eingesetzt wurden“, sagte Dumann. Von diesen Brennelementen ginge nur eine minimale Strahlung aus.“

Laut dem TV-Bericht des NDR sagt der Sprecher der Behörde  ab Minute 1.12 (.ausgestrahlt hat das in einer Pressemitteilung mitgeteilt): „Der Sprecher der Hamburger Umweltbehörde Volker Dumann erklärte gegenüber dem NDR zum Thema Plutonium-Transporte durch Hamburg: „Man braucht dazu noch nicht einmal besondere Transportbehälter, weil es eben relativ ungefährliches Material ist.“

Falsch! Das Plutonium in diesen Brennelementen stammt aus dem Reaktoreinsatz im AKW Brokdorf. Dort ist es beim Einsatz von herkömmlichen Uranbrennelementen entstanden. Nach dem Reaktoreinsatz sind diese hochradioaktiven Brennelemente zur Wiederaufarbeitung nach Frankreich oder England transportiert worden. Dort wurden die Brennelemente chemisch aufgelöst und das Plutonium herausgetrennt. Danach wird das Plutonium mit Uran vermischt und zu neuen Brennelementen zusammengebaut. Genau um diese Mischoxid-(Plutonium und Uran)-MOX-Brennelemente handelt es sich jetzt. Es sind also Brennelemente bzw. wesentliche Bestandteile davon, deren Ursprung der Reaktoreinsatz ist!
(Über den Atommüll, der bei dieser Wiederaufarbeitung entstanden ist, wird derzeit auch intensiv diskutiert: Der soll nämlich künftig möglicherweise in das AKW Brunsbüttel rollen. Dazu hier mehr Informationen: Castor und Atommüll in Schleswig-Holstein: Landesregierung will mit dem Kopf durch die Wand!)

Zwar ist richtig, dass die Strahlung der MOX-Brennelemente im Vergleich zu abgebrannten Brennelementen deutlich niedriger ist. Das aber macht sie nicht harmlos. Vor allem lässt der Sprecher der Umweltbehörde das Wesentliche außer acht: Sollte es zu einem Unfall mit MOX-Brennelementen kommen, bei dem das Plutonium frei gesetzt wird, wäre bereits das Einatmen tödlich, mindestens aber eine Garantie für eine Krebserkrankung. Plutonium gehört sowohl radiologisch als auch chemisch zu den schlimmsten Giften, die die Menschheit kennt!

Um dieses Risko zu begrenzen, werden die MOX-Brennelemte in Spezialcontainern verpackt, die höhere Anforderungen als für normale Güter erfüllen. Die Bundesregierung teilt in Anfragen zu diesem Thema regelmäßig mit: „So gehören beispielsweise die für den Transport von MOX-Brennelementen verwendeten Behälter zu den Typ B-Versandstücken, den sogenannten „unfallsicheren Verpackungen“. Diese Behälter müssen den Auswirkungen selbst schwerster Unfälle standhalten können…“. Siehe dazu hier die Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linken im Bundestag (PDF; dort sind auch weitere Sicherheitsanforderungen an diese Behälter genannt).

Allerdings hat diese „Sicherheit“ Grenzen: Die Behälter, in denen das Plutonium transportiert wird, müssen z.B. lediglich für eine halbe Stunde ein Feuer von 800 Grad aushalten. Danach wird das Plutonium an die Umwelt abgegeben. Dass das Risiko für derartige Unfälle besteht, hat eben der Brand auf dem Atomfrachter am 1. Mai gerade vor Augen geführt.

Davon will die Umweltbehörde offenbar nichts wissen. Statt über die Risiken aufzuklären, wiegelt sie ab. Allerdings: Von der zuständigen Aufsichtsbehörde in Schlesiwg-Holstein, dem Energieministerium unter der Leitung des grünen Ministers Robert Habeck, ist bislang zum MOX-Einsatz und den Transporten gar nichts zu hören. In Niedersachsen hat der neue Grüne Umweltminister Stefan Wentzel bereits nach wenigen Wochen seiner Amtszeit eine umfassende Sicherheitsprüfung für den MOX-Einsatz angekündigt.

Aus gutem Grund: Denn Plutonium-Brennelemente haben zusätzliche Risiken beim Einsatz im Atomkraftwerk zur Folge. Weil Plutonium sich im Reaktor anders verhält als Uran, müssen viele zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen erfolgen, die die Auslegungsgrenzen im Reaktor verringern. Selbst der Chef der Brennelemente-Abteilung bei E.on hat bei Vorträgen in den USA auf diese Risiken hingewiesen. Siehe dazu hier: Nicht nur neuer Atommüll für Schleswig-Holstein: Jetzt rollt auch noch Plutonium in das AKW Brokdorf und E.on räumt ein – Plutonium-Brennelemente machen nur Probleme.

Im Falle eines schweren Unfalls, bei dem Plutonium durch den MOX-Einsatz vermehrt freigesetzt werden würde, wären die Folgen für die Menschen in der Umgebung deutlich schlimmer, also ohne MOX-Einsatz (Fukushima).

Der Transport mit dem Plutonium wird im belgischen Dessel starten und dann vermutlich über NRW und Bremen über Hamburg nach Brokdorf rollen. Anti-Atom-Initiativen entlang der Strecke haben Protestaktionen angekündigt.

Plutonium auch im AKW Emsland – Niedersachen prüft!

Das Hamburger Abendblatt berichtet mit Datum 19. Mai 2013, dass das AKW Emsland/Lingen „an diesem Sonntag für etwa drei Wochen vom Netz genommen“ wurde. „In dieser Zeit werden nach Angaben einer Sprecherin des Umweltministeriums die Brennelemente inspiziert. 44 der 193 Brennelemente werden ausgetauscht. Zwölf davon sind sogenannte MOX-Brennelemente.“

Das grüne Umweltministerium in Hannover hat eine umfassende Prüfung für den weiteren MOX-Einsatz angekündigt: „Im Laufe des Jahres solle grundsätzlich geklärt werden, ob diese Mischoxid-Brennelemente in niedersächsischen Atomkraftwerken weiterhin eingesetzt werden. MOX-Brennelemente enthalten auch Plutonium. Bürgerinitiativen kritisieren, dass Plutonium wesentlich giftiger als Uran ist. Das von dem Energieunternehmen RWE betriebene Atomkraftwerk bei Lingen wurde 1988 in Betrieb genommen.“

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