Nicht nur neuer Atommüll für Schleswig-Holstein: Jetzt rollt auch noch Plutonium in das AKW Brokdorf

Dirk Seifert - MOX-Transport zum AKW Brokdorf
Plutonium auf dem Weg zum AKW Brokdorf. Spezialtransporter sind dabei im Einsatz, wenn der Atombombenstoff über die Straßen von Niedersachsen und Hamburg nach Schleswig-Holstein rollt. Foto: Dirk Seifert

Während im Rahmen der Endlagersuche derzeit Schleswig-Holstein und das AKW Brunsbüttel als Anwärter für neuen Atommüll per Castortransporten auf der ToDo-Liste stehen, soll nun auch noch Plutonium als Brennstoff zum AKW Brokdorf rollen. Das Plutonium stammt aus der so genannten Wiederaufarbeitung, sprich: Der Abtrennung des Bombenstoffs in Frankreich (und England). Dieses Plutonium wird unter extremsten Sicherheitsvorkehrungen in sogenannte Mischoxid-Brennelemente (MOX) eingebaut. Es ist hochgiftig und tödlich. Und es erhöht die Sicherheitsprobleme in Atomkraftwerken. Siehe dazu: E.on räumt ein – Plutonium-Brennelemente machen nur Probleme.

Die Plutoniumtransporte werden u.a. durch die Bundesländer Niedersachsen und Hamburg rollen. In Hamburg hat es jüngst einen Brand auf einem Atomfrachter gegeben. Nur dem Einsatz der Feuerwehr ist es zu verdanken, dass es nicht zu einer atomaren Katastrophe in Hamburg kam. Die Behörden verschwiegen wochenlang, dass radioaktives Material an Bord des brennenden Schiffs gewesen ist. Erst Nachfragen der Grünen Bürgerschaftsfraktion machten das öffentlich. Siehe: Brennender Atomfrachter in Hamburg – wollte die Umweltbehörde vertuschen?

Nach Informationen von .ausgestrahlt steht „bis spätestens nächsten Freitag (24.5.) ein MOX-Straßentransport aus dem belgischen Dessel nach Brokdorf an. Der MOX-Brennstoff stammt aus Frankreich“. Insgesamt sollen mehr als 200 kg Plutonium in den Brennelementen stecken. Das wäre eine Menge, die für rund zwei Dutzend Atombomben ausreichen würde!

Das AKW Brokdorf wird von E.on betrieben. E.on-Mitarbeiter Wolfgang Faber, Leiter für Brennelementeinsatz und Entsorgung bei der E.ON Kernkraft GmbH, hatte in Vorträgen in den USA, wo derzeit eine neue Plutoniumfabrik gebaut wird, in der MOX für die dortigen Atomkraftwerke hergestellt werden sollen, vor erheblichen Risiken gewarnt (siehe oben). Nicht ganz erfolglos, denn in den USA haben die AKW-Betreiber bislang wenig Interesse am Einsatz dieses gefährlichen Brennstoffs gezeigt. Noch im September 2012 hatte sich kein Abnehmer gefunden: Plutonium-Brennelemente – Keine Abnehmer in den USA

Johannes-Teyssen-Eon-15032013tutzing12.jpgAuf der jüngsten Hauptversammlung von E.on am 3. Mai 2013 fragte die Ärzteorganisation IPPNW nach und wollte wissen, wie der Konzern zu den Sicherheits-Bedenken seines Brennelemente-Expertern Wolfgang Faber stehe. Der Vorstandsvorsitzende Teyssen brauchte nur drei Sätze: „Die Meinung von Herrn Faber ist eine Einzelmeinung. Das ist nicht die Unternehmensmeinung. Wir sehen keine Gefahrenerhöhung durch MOX-Brennelemente.“ (Zitiert nach einer Mail der Fragestellerin Dr. Angelika Claußen).

Stellungnahmen der Landesregierung Schleswig-Holstein und des dortigen grünen Energie(wende)ministers Robert Habeck liegen bislang nicht vor.

Siehe auch: Castoren für Brunsbüttel – Einlagerung ist möglich?

Weitere Informationen zu Plutonium-Brennelementen:

Plutonium-Brennelemente – Alternativen zum Einsatz im Atomreaktor

Plutonium – fast 5.000 Kilogramm warten auf AKW-Einsatz

Waffen-Uran und Plutonium in Atommeilern – Alternativen wurden nicht verfolgt!

E.on räumt ein – Plutonium-Brennelemente machen nur Probleme

MOX-Transporte – Plutonium auf Reisen

 

Nous sommes à la recherche Endlager

Schacht Konrad August 2012-08.jpgAtommüll-Lager-Suche überall – auch in Frankreich. Die Grande Atomnation will seine hoch- und mittelradioaktiven Abfälle in Bure vergraben, 120 km von der deutsch-französischen Grenze entfernt. Schon seit einigen Jahren wird dort unter Tage geforscht. Jetzt soll erstmals eine öffentliche Anhörung stattfinden. Bürger-Initiativen aus Frankreich und Deutschland rufen zu Protesten gegen die Veranstaltung auf: Sie nennen das „Pseudobürgerbeteiligung“. (siehe hier: Anti-Atom-Netz Trier)

Der Trierische Volksfreund schreibt: „Kritiker haben es schon immer vermutet: Im lothringischen Bure, etwas mehr als 200 Kilometer von Trier entfernt, soll ein Atommüll-Endlager entstehen. Nun ist es offiziell: Seit gestern läuft ein Anhörungsverfahren.“

Weiter berichtet das Blatt: „Rheinland-Pfalz will sich gemeinsam mit dem Saarland und mit Luxemburg an der Anhörung beteiligen. Und zwar mit einem eigenen Gutachter des Darmstädter Öko-Instituts, teilte Energie-Ministerin Eveline Lemke mit. Geprüft werden sollen die Eignung des Standorts, die Sicherheit des Grundwassers, die Strahlenbelastung und das Risiko durch Atomtransporte. Die Untersuchungsergebnisse sollen auf einem Sondergipfel der Großregion im Frühjahr kommenden Jahres vorgestellt werden.“

In Bure sind – wie im deutschen Gorleben – bislang etwa 1,5 Mrd. Euro in die Erkundung gesteckt worden. „Aus dem Versuchslabor in Bure ist nun offiziell ein Zentrum für umkehrbare Tiefenlagerung hoch radioaktiven Atommülls geworden.“

Während Frankreich also auf ein Konzept orientiert, das die dauerhafte Lagerung  „umkehrbar“ macht, also die Option einschließt, den Atommüll später wieder bergen zu können, wird in Deutschland derzeit noch auf die Unumkehrbarkeit gesetzt.

Auch in Deutschland wird die Endlager-Suche per Gesetz forciert: Unbeirrt trotz Protesten nahezu aller Umweltverbände und der Anti-Atom-Bewegung peitschen PolitkerInnen von CDU, CSU, FDP, Grünen und SPD mit dem Großgefühl „historischer Momente“ einen Gesetzentwurf durch die parlamentarischen Gremien.

Siehe auch: Noch ein Endlager mehr? “Neuer” Atommüll und überall neue Lagerhallen

Atomkonzerne und kein Konsens: “Wir zahlen nicht”

Endlagersuche: “Energiebosse haben Altmaier in der Hand “

Historische Endlagersuche – Gesetzentwurf und Zeitplan

Total historische Konsenstage: Grüne Schleswig-Holstein beraten Castorannahme – CDU/FDP für Gorleben

Das grosse Zittern: Atomwirtschaft droht mit Abschaltung der AKWs

atommüllfassJetzt drehen sie völlig durch, die Atomiker. Zur laufenden „Jahrestagung Kerntechnik“ in Berlin, veranstaltet vom Deutschen Atomforum, dem Club der Mega-Hardliner, kommt es nun knüppeldick: „Über Jahrzehnte schien dem Atomforum, der Lobbygruppe der Kernindustrie hierzulande, kein Argument zu platt, um für die Atomkraft zu werben. Jetzt aber „droht“ ihr Präsident in Berlin mit dem vorzeitigen Atomausstieg und fordert: mehr Respekt“, schreibt der Berliner Tagesspiegel. Das Irre ist: Die meinen das total ernst!

In Anbetracht vieler Tausender Tonnen Atommüll, die für eine Million Jahre zum Schutz für Mensch und Umwelt sicher verwahrt werden müssen und es weltweit keine Lösung für dieses Problem gibt, stellt sich der Chef des Atomforums Ralf Güldner hin und fordert: „Unsere Leistungen sollten respektiert werden, auch gesellschaftlich. Das dürfen wir einfordern, unabhängig von den politischen Beschlüssen zum Energiemix in Deutschland.“

Hallo? Wie bitte?

Der Mann merkt wirklich nichts mehr: In Berlin jammert er dem Tagesspiegel vor, dass  die Gewinnmargen für die laufenden Atomreaktoren immer kleiner werden, „so dass es sich kaum noch lohnt“, diese zu betreiben. „Auf die Frage, warum die Versorger ihre Reaktoren dann nicht abschalteten, antwortete er: „Das ist eine gute Frage. Die stellen wir uns auch immer häufiger. Doch es wird keine Kurzschlussreaktion geben.““

Bitte Bitte: Macht endlich eure Kurzschlussreaktion! Dafür bekommt ihr dann jede Menge Respekt! Ehrenwort, Versprochen!

Brennender Atomfrachter in Hamburg – wollte die Umweltbehörde vertuschen?

uran2Am 1. Mai brannte in Hamburg der Frachter „Atlantic Cartier“. Die Hamburger Feuerwehr war mit einem Großaufgebot im Einsatz, um den Brand zu löschen. Die Ladung, so hieß es bislang in den Medien (z.B. NDR oder Hamburger Abendblatt), hätte aus Autos und Gefahrstoffen bestanden. Jetzt enthüllt eine Schriftliche Kleine Anfrage der Grünen Bürgerschaftsfraktion an den SPD-Senat, dass sich auch insgesamt 20 Tonnen radioaktiver Stoffe an Bord des Atomfrachters befanden. Darunter auch neun Tonnen des besonders gefährlichen Uranhexafluorid.  Außerdem, so die Grünen, sei auch Munition an Bord gewesen. Der Feuerwehr ist es gelungen, dass es zu keiner Katastrophe gekommen ist. (Siehe auch Abendblatt)

Anjes Tjarks, hafenpolitischer Sprecher der Grünen Bürgerschaftsfraktion, erklärt: „Hamburg ist am 1. Mai nur knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt. Erst jetzt erfahren wir, dass an Bord des brennenden Frachters ,Atlantic Cartier‘ hochgefährliches Uranhexafluorid war. Der Stoff ist radioaktiv und für Menschen lebensgefährlich. Es ist nicht auszudenken, was hätte passieren können. Unmittelbar vor dem Brand fand in der HafenCity in Sichtweite zum O’Swald-Terminal noch der Eröffnungsgottesdienst des Kirchentags mit rund 35.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt.

Es ist eine Ungeheuerlichkeit, dass der Senat die Öffentlichkeit nicht von sich aus über diese Beinahekatastrophe informiert hat. Hier muss man von einem Vertuschungsversuch sprechen.“

Siehe auch: Atomtransporte: 117 mal radioaktive Kernbrennstoffe durch Hamburg im Jahr 2012

Uranhexafluorid wird in der Uranfabrik in Gronau angereichert, um später Brennstäbe für Atomkraftwerke daraus herzustellen. Der Betrieb dieser Anlage ist trotz Atomausstiegbeschluss unbefristet. Die Anlage versorgt weltweit rund jedes zehnte AKW mit Uranbrennstoff. Bei der Anreicherung entstehen je Tonne angereichertes Uran etwa fünf Tonnen abgereichertes Uran.

Siehe dazu auch: Noch ein Endlager mehr? “Neuer” Atommüll und überall neue Lagerhallen

Die Grünen berichten weiter:

„Uranhexafluorid
Uranhexafluorid wird verwendet, um Uran235 von Uran238 zu trennen. Aus Uran235 werden Brennelemente für Atomkraftwerke oder Nuklearmaterial für Atombomben hergestellt. Uranhexafluorid ist ein Gammastrahler und hochgiftig. Aufgrund der Uran-Halbwertzeit von 4,5 Milliarden Jahren bleibt ein einmal verstrahltes Gebiet dauerhaft kontaminiert. Bei Kontakt mit Wasser bildet Uranhexafluorid Flusssäure, ein farbloses Gas mit einem stechenden Geruch. Flusssäure ist noch ätzender als Salzsäure und hoch giftig.

Ablauf der Löscharbeiten
Der Gesamteinsatz der Feuerwehr dauerte ca. 15, 5 Stunden, vom 1. Mai 2013, 20:02 Uhr bis zum 2. Mai 2013 11:41 Uhr. Um 05:11 Uhr befand sich der Brand unter Kontrolle. Ab 23:08 Uhr wurden die ersten Maßnahmen zur Bergung der insgesamt 33 Gefahrgutcontainer eingeleitet, am 2. Mai 2013 um 03:35 Uhr waren diese Maßnahmen abgeschlossen. Zusätzlich führte die Feuerwehr eine Löschwasserrückhaltung durch. Insgesamt waren 296 Feuerwehrleute im Einsatz. Darüber hinaus waren zwei Löschboote, drei Schlepper und drei Polizeiboote sowie an Land 76 Fahrzeuge im Einsatz. Für die Ablösung wurden zusätzlich 17 Fahrzeuge eingesetzt. An Bord kam ein Löschroboter zum Einsatz.“

Die Anfrage und Antwort des SPD-Senats hier als PDF

Castoren für Brunsbüttel – Einlagerung ist möglich?

Vattenfall-Brunsbuettel-Rost
Atommülllagerung im AKW Brunsbüttel: Wenn das mal gut geht?!

„Auf dem Gelände des stillgelegten Kernkraftwerks Brunsbüttel können theoretisch alle 26 Castor-Behälter zwischengelagert werden, die Deutschland in den kommenden Jahren aus den Wiederaufarbeitungsanlagen La Hague und Sellafield zurücknehmen muss. „Selbst dieses Maximum dürfte kein Problem sein“, sagte der Vorsitzende der Entsorgungskommission des Bundes, Michael Sailer, gestern im Wirtschaftsausschuss des Landtags.“ Das schreibt die SHZ über die gestrige Sitzung in Schleswig-Holstein.

Und außerdem, so die SHZ, sei alles total sicher: „Zugleich machte Sailer deutlich, dass jeder der bundesweit 15 Standorte von Atomkraftwerken wie das Zwischenlager Gorleben geeignet sei, die Castoren aufzunehmen. Alle Anlagen seien nach der Nuklearkatastrophe im japanischen Fukushima einem Stresstest unterzogen worden. Danach sei auch Brunsbüttel gegen Flugzeugabstürze, Sturmfluten oder Erdbeben gewappnet.“

Wie es um die Sicherheit in Brunsbüttel bestellt ist, wird im Juni das Oberverwaltungsgericht Schleswig zu entscheiden haben. Denn noch immer gibt es eine Klage gegen das Atommülllager: Darin wird angezweifelt, ob das Lager tatsächlich ausreichend gegen „Einwirkungen von außen“ gesichert ist.

Unklar bleibt bis heute, ob Vattenfall als Eigentümer überhaupt bei den Regierungs-Planspielen mitmacht: Das Unternehmen müsste sich zur Aufnahme des WAA-Atommülls bereit erklären, einen entsprechenden Genehmigungsantrag stellen und vermutlich auch Nachrüstungen und die Kosten für die Lagerung des Mülls für mindestens 40 Jahre bezahlen. Bislang lehnt die Atomwirtschaft das jedoch ab. Hinzu kommt, dass Vattenfall das bestehende Atommülllager für Castoren verkleinern will. Dazu läuft beim zuständigen Bundesamt für Strahlenschutz bereits ein Antrag. Durch die Verkleinerung des Castorlagers will Vattenfall Platz schaffen, um mittelradioaktiven Atommüll, der beim Rückbau des stillgelegten Atomkraftwerks Brunsbüttel anfallen wird, vor Ort lagern zu können. So soll der Neubau einer für diesen Müll erforderlichen neuen Zwischenlagerhalle vermieden werden – und die damit verbundenen Kosten.

Im Rahmen der Debatte um ein Endlagersuchgesetz ist vorgesehen, dass die genannten Atommülltransporte nicht mehr in das Zwischenlager nach Gorleben gehen sollen. Daher werden nun andere Standorte an den Atommeilern gesucht. Bislang haben die Landesregierungen Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg ihre Bereitschaft signalisiert, unter Bedingungen den hoch- und mittelradioaktiven Atommüll aus der Wiederaufarbeitung aufzunehmen. Vor Ort, rund um die Atommeiler wächst die Sorge, dass die Standorte durch die Hintertür zu Endlagern werden könnten.

Siehe auch: Noch ein Endlager mehr? “Neuer” Atommüll und überall neue Lagerhallen

Atommüll unterwegs – Vattenfall AKW Krümmel schickt Strahlenmaterial nach Duisburg

Rückbau AKW Obrigheim steckt voller Risiken – Einwendungen gegen wasserrechtliche Genehmigung JETZT!

 

 

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