AKW Brokdorf 2012: Mitte der 70er Jahre war hier noch eine Wiese. Foto: Dirk Seifert
Die Umweltorganisation ROBIN WOOD wird 30 Jahre alt, der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) begeht seinen 40. Geburtstag. Wie ging es los, was waren die Konflikte, dass sich in den 70er und 80er Jahren die Umweltbewegung sprunghaft entwickelte und bis heute erheblich ausdifferenziert hat?
Im ROBIN WOOD Magazin (4/2012) ist zu lesen: „Angesichts der als massiv erlebten Umweltzerstörungen nahm die Umweltbewegung einen enormen Aufschwung. Die Studie des Club of Rome „Die Grenzen des Wachstum“, Anfang der 70er Jahre veröffentlicht, lieferte Vielen weitere Gründe, um aktiv zu werden und den Wahnsinn zu stoppen. Darunter die Anti-Atom-Bewegung, denn überall in der Republik sind AKW-Neubauten geplant. Eine Technologie mit ungeheurem Zerstörungspotential, wie es bislang nur von der Atombombe bekannt war. Spätestens seit Mitte der 70er Jahre nahm nicht nur die Zahl der Initiativen zu, sondern es stellte sich die Frage, mit welchen Mitteln Staat und Industrie zu bekämpfen wären, um die weitere Zerstörung der Umwelt zu stoppen. Zwar durfte man seine Meinung sagen, aber das störte „die da oben“ nicht weiter.“
Das Wissenschaftsmagazin ’nano‘ (3sat) vom 13.11.2012 berichtet unter dem Titel „Gefahren waren lange bekannt – Endlager-Desaster Asse“ über das durch Wassereinbrüche bedrohte und einsturzgefährdete Atommülllager ASSE 2. „Die Asse ist ein Lexikon, wie man Endlagerung nicht machen darf“, sagt Werner Nording vom Bundesamt für Strahlenschutz. Die Öffentlichkeit sei über die Gefahren getäuscht worden.“
Das Wochenblatt für die Region Landshut berichtet über eine Kundgebung für die schnellere Abschaltung des AKW Isar2: „Das Landshuter Bündnis für Atomausstieg (BüfA) veranstaltet am kommenden Samstag, 24. November, ab 13 Uhr unter dem Motto „Countdown Isar 2 und die Strompreislügen“ in der Landshuter Altstadt vor dem Rathaus eine Kundgebung. Im Bündnis für Atomausstieg sind das Bürgerforum gegen Atomkraftwerke, die Bürgerinitiative Isartal, der Bund Naturschutz, Bündnis90/Die Grünen, SPD und ÖDP vertreten. Warum die Demo? Weil ein kürzlich veröffentlichter Stresstest gezeigt habe, dass europäische Atomkraftwerke (AKW) erschreckende Sicherheitsmängel aufweisen.“
Unter der Überschrift „Giftstoff im Trinkwasser“ berichtete der Donaukurier im August über einen Unfall bei der letzten Revision: „Im Atomkraftwerk Isar 2 bei Landshut ist es während einer kürzlich abgeschlossenen Revision – von der Öffentlichkeit offenbar unbemerkt – zu einem Zwischenfall mit einer ätzenden Chemikalie gekommen. Wie unsere Zeitung erfuhr, war hochgiftiges Hydrazin ins Trinkwassernetz auf dem Betriebsgelände gelangt.“
Nach zehn Jahren Bemühen sollen heute verbesserte Regeln für die Sicherheitskontrolle der Atomkraftwerke beschlossen werden. Jetzt will Bayern das blockieren, weil das AKW Gundremmingen diesen Sicherheitsbestimmungen nicht entspricht.
Eigentlich soll heute Abend ab 20 Uhr bei einer Sitzung des Länderhauptausschusses Atomkernenergie (der heißt wirklich so) eine vom Bundesumweltministerium vorgelegte Neufassung der kerntechnischen Sicherheitsregeln endlich verabschiedet werden. Das Regelwerk stammt weitgehend aus den 1970er Jahren und muss dringend den neuen sicherheitstechnischen Erkenntnissen angepasst werden. Seit zehn Jahren tagen dazu Arbeitsgruppen mit Beamten aus dem Bundesumweltministerium sowie den atomrechtlichen Aufsichtsbehörden der Länder.
Jetzt versucht Bayern im letzten Augenblick die Verabschiedung zu verhindern. Denn Deutschlands größtes und gefährlichstes Kernkraftwerk, das zwischen Ulm und Augsburg liegende AKW Gundremmingen, erfüllt teilweise diese Sicherheitsregeln nicht.
Wie Ministerialdirigent a.d. Dieter Majer, der lange im Bundesumweltministerium an der Überarbeitung der Sicherheitsregeln tätig war und Anfang 2012 auf der Jahreshauptversammlung unserer Bürgerinitiative in Leipheim die besonderen Risiken der alten Gundremminger Siedewasserreaktoren dargestellt hat, der Süddeutschen Zeitung sagte, würden die neuen Regeln offen legen, dass die alten Anlagen nicht mehr dem Stand von Wissenschaft und Technik entsprechen.
Raimund Kamm (Vorstand), FORUM Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik e.V., Augsburg – Dillingen – Günzburg – Heidenheim – Ulm
Auch im Hamburger Hafen finden viele Atomtransporte von und nach Gronau statt.
Urantransport per LKW über Autobahn: Proteste in Gronau und Münster – Atomkraftgegner fordern Einschreiten von Landesregierung.
Von der Uranfabrik in Gronau haben sich erneut Atomntransporte auf dem Weg nach Südfrankreich gemacht. In Gronau und Münster kam es zu Protesten. Die Pressemitteilung der beteiligten Initiativen ist hier:
„Der von Anti-Atomkraft-Initiativen erwartete Urantransport hat heute um 11.35 Uhr die Urananreicherungsanlage Gronau verlassen – allerdings nicht per Bahn, sondern per LKW! Zwei LKW transportierten insgesamt 12 Uranfässer und fuhren über die B54 auf die Autobahn 31. Die Anti-Atomkraft-Initiativen gehen davon aus, dass der Uran-Konvoi auf dem Weg nach Südfrankreich auf der Autobahnroute Gronau-Bottrop-Oberhausen-Duisburg-Düsseldorf-Köln das Ruhrgebiet und Rheinland durchquert und später über die Eifel nach Trier fährt. Zudem beobachteten Atomkraftgegner am Mittag in Gronau die Ankunft von zwei neuen Transport-LKW, sodass mit einem zweiten Urantransport noch heute Abend oder morgen früh zu rechnen ist.
„Noch vor wenigen Tagen feierte sich die Landesregierung, weil sie die LKW-Castor-Transporte auf der Autobahn zwischen Jülich und Ahaus verhindert habe, nun fährt über genau diese Autobahnen ein neuer Urantransport. Das ist nicht glaubwürdig. Wir fordern von der Landesregierung ein konsequentes Einschreiten gegen den Atommülltourismus von und zur Urananreicherungsanlage Gronau,“ so Udo Buchholz vom Arbeitskreis Umwelt Gronau und Vorstandsmitglied im Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU).
„Es ist nicht akzeptabel, dass die Urantransporte quer durch NRW wie eine geheime Staatssache behandelt werden. Wer den Atomausstieg in Deutschland und NRW will, muss die Urananreicherung in Gronau sofort stilllegen und Atomtransporte durch NRW verbieten,“ so Matthias Eickhoff von der Initiative SOFA (Sofortiger Atomausstieg) Münster.
Am heutigen Mittag demonstrierten Atomkraftgegner an der Urananreicherungsanlage Gronau sowie im Hauptbahnhof Münster mit Mahnwachen gegen die Urantransporte.
Hintergrund: Bei der Urananreicherung in Gronau fällt in großen Mengen Uranmüll in Form des abgereicherten Uranhexafluorids an. Dieser Uranmüll wird regelmäßig in eine Uranfabrik in Pierrelatte (Frankreich) gebracht und soll dort in Uranoxid und Fluor aufgetrennt werden. Das Uranoxid soll später von Frankreich nach Gronau rücktransportiert werden. Zur Lagerung wird in Gronau neben der Urananreicherungsanlage derzeit ein riesiges Langzeit-Hallenlager gebaut, in dem ab 2014 bis zu 60.000 Tonnen Uranoxid gelagert werden sollen.“