Atommüll-Alarm: Scheiß auf Konsens – E.on klagt

03122012-akw-grohnde-30.jpgDa wird im Berliner Bundestag über einen vermeintlichen Neustart bei der Suche nach einem Atommülllager für hochradioaktive Abfälle verhandelt, angeblich um einen gesellschaftlichen Konsens zu finden. Die Atomkonzerne ficht das nicht an. Munter verklagen sie die Bundesrepublik, wo sie nur können. Jetzt kommen neue Klagen auch von E.on und die anderen Konzerne erklären, sich anschließen zu wollen. Auch eine Art von Konsens.

Der vermeintliche Neustart bei der Standortsuche für ein dauerhaftes Atommülllager für hochradioaktive Atommüll wurde von CDU/CSU, der SPD, der (ehemaligen) FDP und den Grünen große gefeiert. Lediglich die Linke konnte das nichts wirklich neues finden. Weil Gorleben weiter im Verfahren bleiben soll, drohte Niedersachsen sich zu verweigern. um den Deal dennoch hinzubekommen, wurde kurzerhand geregelt, dass es keine weiteren Castortransporte in des oberirdische Zwischenlager nach Gorleben mehr geben sollte. Niedersachsen stimmte also zu. Dumm an der Sache: Niemand hatte mit den Atomkonzernen gesprochen, die erstens für die Lagerung der Castoren in Gorleben bereits bezahlt haben und die zweitens über die Kontrolle bei den als Alternative vorgesehen Standort-Zwischenlagern an den Atommeiler verfügen.

Interessant dürfte es möglicherweise nun in der seit dem Sommer tagenden Atomüll-Kommission werden. Denn dort sitzen auch mehrere Atomlobbyisten mit am Tisch, unter anderem Bernhard Fischer – Ex-Chef von „E.on Kernkraft“ sowie der E.on-Kraftwerkssparte und derzeit im Aufsichtsrat verschiedener E.on-Tochterunternehmen. Bereits im Rahmen einer inzwischen eingerichteten Arbeitsgruppe hat es einen kleinen spontanen Schlagabtausch gegeben. Spannend dürfte aber die nächste reguläre Sitzung der gesamten Kommission im November werden. Kaum vorstellbar, dass der BUND und die Deutsche Umweltstiftung dieses Vorgehen der Konzerne innerhalb der Kommission einfach auf sich beruhen lassen werden.

AtomkraftgegnerInnen haben bei dem vermeintlichen von Anfang auf die vielen Webfehler hingewiesen, doch im Taumel um den vermeintlichen Neustart störte das die Parteispitzen. Siehe z.B. die Tagung der Umweltverbände im März 2014.

Nun hat E.on also die Klage auf den Tisch gelegt, mit der der Konzern sicherstellen will, dass die (zusätzlichen) Kosten für die Einlagerung der insgesamt noch 26 Castoren aus England und Frankreich an einem Standortlager statt in Gorleben nicht auf seine Kosten erfolgt. (Siehe z.B. Tagesschau oder Abendblatt) Klar, dass RWE, Vattenfall und EnBW dem Beispiel folgen wollen.

Das die Konzerne sich dabei vor Gericht gute Chancen ausrechnen, ist nachvollziehbar. So hatte RWE bereits mit einer Klage auf Schadensersatz für die als Moratorium verhängte Stilllegung seiner Atommeiler nach Fukushima Erfolg. Merkel hatte im Verbund mit den für die Atomaufsicht zuständigen Bundesländer mehr oder weniger freihändig für diese Abschaltung gesorgt, um nach der eben erst verhängten und gesellschaftlich heftig umstrittenen Laufzeitverlängerung für Ruhe im Land zu sorgen.  Mehrere hundert Millionen Euro dürfte das die SteuerzahlerInnen in Hessen und vielleicht zusätzlich auch noch in anderen Bundesländern nun kosten. Auch in dieser Sache hat E.on nun Klage auf Schadensersatz für die Stilllegung während des Moratoriums für die AKW Unterweser (Niedersachsen) und Isar 1 (Bayern) eingereicht.

Damit nicht genug: Auch die verhängte Brennelemente-Steuer droht aufgrund der Klagen der Konzerne zu scheitern. Auch hier geht es um viele hundert Millionen Euro, die zurück zu zahlen wären. Siehe dazu z.B. die Welt.

Außerdem laufen vor dem Bundesverfassungsgericht noch Klagen gegen den nach Fukushima per Atomgesetz beschlossenen Ausstieg. Auch hier verlangen die Konzerne – allerdings nun in Milliardenhöhe – Schadensersatz von der Bundesregierung. Und obendrein – TTIP lässt grüßen – hat Vattenfall die Bundesrepublik im Rahmen internationaler Investitionsschutzabkommen beim SCID in Washington auf runde 3,5 Mrd. Euro Entschädigung für die Atommeiler Brunsbüttel und Krümmel verklagt.

Das aber ist immer noch nicht das Ende der Fahnenstange. Denn nun wollen die Atomkonzerne sich auch noch von den Kosten für die Stilllegung der Atomreaktoren und der Atommülllagerung verabschieden. Im Frühjahr wurde ihr Vorschlag bekannt, dass sie mit der Bundesregierung darüber Gespräche führen und Vorschlagen, sich mit einer Einmalzahlung von rund 36 Mrd. Euro aus der Verantwortung zu verabschieden. Der Bund soll mit einer Stiftung dann alles weitere in seine Trägerschaft übernehmen. Natürlich auch die immer weiter steigenden Kosten bei der Atommülllagerung. Schon jetzt wird von Kosten von bis zu rund 50 Mrd. Euro für Stilllegung und Lagerung ausgegangen. Ob das reicht, weiß derzeit niemand.

Klar aber wäre: Nachdem die Atomkonzerne jahrzehntelang traumhafte Gewinne auf Kosten der KundInnen eingefahren haben, soll nun die atomare Erblast auch wieder von den BürgerInnen bezahlt werden. Verursacherprinzip schön und gut, aber bitte doch nicht im Ernst.

Und auch hier können die Atomkonzerne sich auf Verbündete in der Politik vermutlich verlassen. Als Reaktion auf einen Bundesrats-Antrag zu den für Stilllegung und Atommülllagerung bei den Konzernen gebildeten Entsorgungs-Rückstellungen, initiiert aus Schleswig-Holstein, versuchte allen voran das rot-grüne NRW diesen zu Fall zu bringen. Das hat zwar am Ende nicht ganz geklappt, aber u.a. einen Passus, der das Verursacherprinzip festschreiben und den Konzerne die weitere Kostenverantwortung zuweisen wollte, war der NRW-SPD ein echter Dorn im Auge. (siehe: Der Westen und insbesondere hier Aachener Zeitung)

Und als wäre das egal: Im Sommer 2013 hob das Obverwaltungsgericht in Schleswig die Genehmigung für das Castor-Lager am AKW Brunsbüttel auf. Zahlreiche Sicherheitsnachweise waren entweder falsch oder gar nicht bei der Genehmigung durch das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) erbracht worden. Wird das Urteil im laufenden Revisionsverfahren (angestrengt vom Brunsbüttel-Betreiber Vattenfall und dem BfS) bestätigt, droht allen Standortlagern und den dort stehenden Castoren zumindest rechtlich ein Super-GAU. Denn alle Lager sind zur gleichen Zeit genehmigt und gebaut worden – quasi in Fließbandarbeit.

Absurd an dieser Lage: Die Betreiber haben sie im Grunde selbst verursacht. Während das Bundesamt für Strahlenschutz umfangreichere Sicherheitsanforderungen an die neuen Castor-Lager an den AKW Standorten stellen wollte, hatte die Atomwirtschaft nicht zuletzt über ihre guten Kontakte zum Bundesumweltministerium dafür gesorgt, dass diese nicht umgesetzt werden durften.

 

Atommüll-Alarm: Vattenfall unterirdisch – Immer mehr zerstörte Atom-Fässer

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Atommüllfass by Vattenfall/AKW Brunsbüttel. Foto: Energieministerium SH
Atommüllfass by Vattenfall/AKW Brunsbüttel. Foto: Energieministerium SH

Der Horror in den Kavernen des Vattenfall-AKW Brunsbüttel geht weiter. Immer mehr Atommüllfässer mit schweren Schäden werden in den unterirdischen Kavernen des Atommeilers „entdeckt“. „Wanddurchdringende Korrosion, der Austritt von Fassinhalten oder lose Deckel gelten als starke Schäden“, so berichtet u.a. der NDR.

Insgesamt lagern allein in den sechs Kavernen 631 Fässer mit leicht- und mittelradioaktivem Atommüll. Wegen der enorm hohen Strahlung können diese Kavernen von Menschen nicht betreten werden. Daher mußten erst Verfahren entwickelt werden, wie denn eine Kontrolle der Fässer, die dort seit den 70er Jahren eingelagert sind, erfolgen konnte. Warum das erst nach 30 Jahren erstmals erfolgt, bleibt ein Geheimnis von Vattenfall und der Atomaufsichtsbehörde in Kiel.

„In den unterirdischen Lagerräumen seien bisher 335 Behälter inspiziert worden, von denen 102 „stark beschädigt“ gewesen seien, teilte das für die Atomaufsicht in Schleswig-Holstein zuständige Umweltministerium am Donnerstag in Kiel mit“, heißt es weiter beim NDR und: „Bislang wurden vier Lagerräume untersucht. In Kaverne III, die als nächstes mit einer Spezialkamera inspiziert wird, lagern insgesamt 75 Fässer, überwiegend mit sogenanntem Verdampferkonzentrat aus dem Reaktorbetrieb. Da die ersten Einlagerungen in der Kaverne III im Jahre 1979 erfolgten, rechnet die Atomaufsicht auch hier „mit erheblichen Schäden“. Bereits in den Kavernen I und II waren etliche defekte Fässer entdeckt worden, bei denen zum Teil die Inhalte austraten.“

Atommüll-Alarm: „Übertrifft unsere Erwartungen“ – Vattenfalls Rost-Fässer

webheader_atomalarm_920x230Mehr als jedes fünfte Atommüll-Fass in den Kavernen des Vattenfall-AKW Brunsbüttel zeigt schwere Mängel: „Im stillgelegten Atomkraftwerk Brunsbüttel sind 55 von mittlerweile 251 untersuchten Atommüll-Fässern stark beschädigt. „Wir hatten bei Öffnung der Kaverne I bereits mit größeren Schäden gerechnet. Das Ausmaß übertrifft aber unsere Befürchtungen“, sagte Schleswig-Holsteins Energieminister Robert Habeck von den Grünen. In den Fässern befindet sich aus dem Reaktorbetrieb stammender Atommüll.“ (n-tv)

Atommüllfass by Vattenfall/AKW Brunsbüttel. Foto: Energieministerium SH
Atommüllfass by Vattenfall/AKW Brunsbüttel. Foto: Energieministerium SH

Die bisherigen Fakten sind laut n-tv: „In Brunsbüttel lagern unterirdisch insgesamt 631 Fässer. Betreiber Vattenfall lässt sie nach und nach mit einer Spezialkamera auf Schäden untersuchen. Von den aktuell untersuchten Fässern mit schwach- bis mittelradioaktivem Müll ist eines deformiert, bei anderen sind Wände zerstört und Konturen sowie die Übergänge zwischen einzelnen Behältern teilweise nicht mehr erkennbar. Teilweise ist aus den Fässern Material ausgetreten – und liegt damit offen da.“

Natürlich wäre Vattenfall nicht Vattenfall, wenn dieses Unternehmen nicht noch dieses Desaster konstruktiv betrachten würde: „Die Untersuchung aller Kavernen soll Ende des Jahres abgeschlossen sein. Vattenfall erklärte, der Konzern liege dabei im Zeitplan. Die aktuellen Ergebnisse würden in die Weiterentwicklung des Bergungskonzepts einfließen.“ Na prima.

Atommüll-Alarm – Tatort Internet: online-radioaktiv – Unterschriftenaktion unterstützen!

webheader_atomalarm_originalgroesseAtommüll-Probleme überall: Schon vor einem Jahr hatte die Anti-Atom-Bewegung mit dem Sorgenbericht eine umfassende Bilanz über die Probleme mit dem strahlenden Atomerbe als Broschüre vorlegt. Selbst im Bundesumweltministerium staunte man angesichts der Kompetenz und des Umfangs dieses Berichts, in dem detailliert die Situation an über 90 Atomstandorten nachgezeichnet wird. Jetzt gehen die Anti-Atom-Initiativen einen weiteren Schritt: Eine Kampagne startet – die Atommüllprobleme sind nun online recherchierbar und eine Unterschriftenaktion ist am Start, die unbedingt unterstützt gehört: online unterschreiben

Wenige Tage vor dem Beginn der Kampagne „Atommüll-Alarm – Tatort Deutschland“ geht eine Internetseite online, in der per Mausklick das gesamte Atommüll-Desaster nicht nur nachlesbar gemacht wird: Der Atommüllreport. Großes Kino für ein noch größeres Problem. Auch wenn an der Seite noch geschraubt und ergänzt wird: Peinlich sollte es den zuständigen Bundesbehörden schon jetzt sein, dass sie es bis heute nicht zustande gebracht haben, was die Anti-Atom-Initiativen mit diesem Internetangebot auf den Weg bringen.

ATOMMÜLL: Wir müssen uns Sorgen machen – Eine Bestandsaufnahme für die Bundesrepublik Deutschland

Dass die Anti-Atom-Bewegung auch sonst recht rege ist, zeigt sich auf der Tatort-Kampagnen-Seite, die seit heute ebenfalls online ist. Nicht nur die Unterschriftenaktion (siehe oben) ist zu nennen. Am kommenden Wochenende liegt der Taz eine Info-Zeitung zum Thema bei, die außerdem für die vielen geplanten Aktionen in vielen Städten und Gemeinden im Rahmen der Kampagne zum Einsatz kommt. Natürlich ist sie über die Seite der Initiatoren online bestellbar: www.atommuell-alarm.info.

Atommüll Tatort Deutschland: Fehlerhafte Castoren im Einsatz – Neue Castoren und noch mehr Transporte

Castorbehälter für hochradioaktiven Atommüll. 80 Stück davon baut die GNS pro Jahr. Foto: GNS
Castorbehälter für hochradioaktiven Atommüll. 80 Stück davon baut die GNS pro Jahr. Foto: GNS

Das Chaos bei der Atommüll-Lagerung wächst. Bei den hochradioaktiven Abfällen sind offenbar Castor-Behälter ohne ausreichende Sicherheitsüberpüfung ausgeliefert und teilweise bereits eingesetzt worden. „Atommüll in fehlerhaft geprüfte Castor-Behälter gefüllt„, schreibt die WAZ. Nahezu zeitgleich meldete dpa: „Neuer Castor-Behälter genehmigt“ und sah darin nun die Möglichkeit gekommen, dass der Rückbau der stillgelegten Atommeiler schneller voran kommen würde.

Siehe auch die SZ: Rückrufaktion für Castorbehälter

Von den Mängeln betroffen sind die Castor-Behälter für Druckwasserreaktoren (die mit der Kuppel, Typ Brokdorf, Grohnde oder Esenshamm). Es geht um Castor-Behälter vom Typ V19: „44 Castor-Behälter dürfen wegen möglicher Prüffehler vorerst nicht benutzt werden, allerdings sind vier Behälter bereits mit hoch radioaktivem Atommüll beladen. Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) hat die Benutzung untersagt, weil es Bedenken bei den Haltevorrichtungen (Tragstutzen) für das Anheben mit einem Kran gibt. Einen entsprechenden Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ bestätigte am Freitag ein Sprecher der für die Castor-Fertigung zuständigen Gesellschaft für Nuklearservice (GNS)“, heißt es bei der WAZ. Natürlich ist das alles wie üblich nicht so schlimm: „“Es gibt aber nur ein formales Problem“, sagte GNS-Sprecher Michael Köbl. „Beanstandet wurde die Durchführung der Ultraschall-Prüfungen der Tragzapfen-Halbzeuge.“ Die Tragstutzen müssen ein enormes Gewicht aushalten – ein Castor-Behälter wiegt rund 100 Tonnen. „Es liegen keine Erkenntnisse vor, dass es Materialfehler gibt.““

Die jetzt neu genehmigten Behälter vom Typ V52, von denen außerdem berichtet wird, sind für Siedewasserreaktoren bestimmt. Seit Jahren standen Reaktoren der Marke Brunsbüttel oder  Gundremmingen ohne genehmigte Castor-Behälter für die verbrauchten hochradioaktiven Brennelemente da. Deshalb müssen diese länger als üblich in den Nasslagern der Atommeiler bleiben. Dort bestehen größere Risiken bei der Lagerung, weil diese mit aktiven Kühlsystemen betrieben werden müssen.

Nun endlich liegt die Genehmigung vor, wie dpa meldet: „Für den Rückbau mehrerer deutscher Atomkraftwerke ist eine wichtige Hürde genommen: Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) genehmigte am Freitag einen für Siedewasserreaktoren notwendigen neuen Castor-Behälter für Atommüll. „Nachdem der Antragsteller Ende Juli die letzten notwendigen Antragsunterlagen eingereicht hatte, stand einer zügigen Genehmigung nichts mehr im Wege“, sagte BfS-Sprecher Florian Emrich der Deutschen Presse-Agentur. Dabei geht es um den Castor-Typ V52, der wegen neuer Anforderungen der Internationalen Atomenergiebehörde modernisiert werden musste.

Ohne Genehmigung könnte nicht der Brennstoff in den stillgelegten Anlagen Krümmel, Brunsbüttel und Isar I entfernt werden. „Die drängen, die wollen mit dem Rückbau beginnen“, sagte der Geschäftsführer der für die Castor-Fertigung zuständigen Gesellschaft für Nuklearservice (GNS), Hannes Wimmer, der dpa. Zudem würde ohne den neuen V52 ein Betriebsstopp beim Atomkraftwerk Gundremmingen in Bayern drohen. „Gundremmingen braucht den V52 als erstes. Sonst muss die Anlage abgeschaltet werden, weil die Lagerbecken dann voll sind mit abgebrannten Brennelementen“, betonte Wimmer. In der Mülheimer GNS-Anlage werden bis zu 80 Behälter im Jahr fertiggestellt.““

Insgesamt ist aber immer noch unklar, ob nicht in wenigen Wochen oder Monaten ohnehin die gesamte Zwischenlagerung von Castoren vor dem Aus steht. Das Oberverwaltungsgericht in Schleswig hatte Mitte 2013 die Genehmigung für die Lagerhalle am AKW Brunsbüttel aufgehoben und erklärt, dass mehrere Sicherheitsnachweise entweder gar nicht oder falsch erbracht worden wären. Derzeit versuchen der Betreiber Vattenfall und das Bundesamt für Strahlenschutz, dieses Urteil vor dem Bundesverwaltungsgericht zu Fall zu bringen. Bestätigt das oberste Gericht aber das Urteil der Vorinstanz, dann hat das für alle Standort-Zwischenlager mit Castor-Behältern Konsequenzen: Denn alle diese Zwischenlager sind zur gleichen Zeit genehmigt worden und sehr ähnlich gebaut. Die Sicherheit wäre also an jedem Standort in Frage gestellt.

Nicht nur bei der Lagerung gibt es Probleme genug. Künftig werden auch wieder Castor-Transporte in deutschen Landen unterwegs sein. Über Fluss und Straße soll es vom stillgelegten AKW Obrigheim zu den AKWs in Neckarwestheim gehen, weil am Standort aus Kostengründen kein neues Zwischenlager gebaut werden soll. Die Rhein-Neckar-Zeitung berichtete jüngst: „Der Schiffstransport auf dem Neckar sei im Rahmen dieser Überlegungen die bevorzugte Variante, der Straßentransport eine Alternative. Ein Antrag für eine atomrechtliche Transportgenehmigung wurde von der EnBW im März 2014 gestellt. „Auf Basis des Antrags und der Ergebnisse der Transportstudie führen wir weitere Gespräche mit den zuständigen staatlichen Stellen. Als Ergebnis dieser Gespräche streben wir das Vorliegen einer konkreten, genehmigungsfähigen Konzeption für die Umsetzung der Transporte an“, teilt der Energiekonzern weiter mit. Und: „Die Erteilung einer Transportgenehmigung erwarten wir gegen Ende 2015.“ Insgesamt 342 abgebrannte und hochradioaktive Brennelemente sollen in Castoren verpackt auf die Reise gehen.

Außerdem stehen immer noch 26 Castor-Transporte aus der Wiederaufarbeitung in Frankreich und England auf dem Plan. Wann die rollen werden ist offen, weil derzeit nicht klar ist, wohin die Dinger sollen. Und auch bei diesem Thema ist noch kein Ende in Sicht: Weil die Lagerung in Jülich nicht sicher ist, hat die Landesregierung NRW vom staatlichen Betreiber die Räumung verlangt. 152 Castoren stehen dort also auf Abruf. Eine der Varianten, die derzeit geprüft werden, ist der Export dieser hochradioaktiven Castoren in die USA. Gegen das Abschieben der Atommüllprobleme haben Initiativen bereits Widerstand angekündigt.

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