Vattenfall-Reaktor Brunsbüttel: Wie geht die Stilllegung?

atommüllfassAbgeschaltet ist das AKW Brunsbüttel, die Lizenz zur Stromerzeugung ist erloschen und Ende Oktober 2012 hat Vattenfall den Antrag für den Rückbau des Atommeilers gestellt (siehe unten). Mangels Castorbehälter befindet sich aber immer noch der Großteil des hochradioaktiven Materials im Reaktor bzw. im Nasslager und muss gekühlt werden. Wie geht es nun weiter und was passiert mit dem ganzen Atommüll? „Vattenfall-Reaktor Brunsbüttel: Wie geht die Stilllegung?“ weiterlesen

Riskantes Spiel: Endlager-Deal braucht Zustimmung durch Atomkonzerne

Atommüll auf Geisterfahrt. Hochradioaktive Brennelemente per Castor vom AKW Brunsbüttel auf dem Weg nach Frankreich. Foto: Dirk Seifert
Rollen demnächst Castorbehälter aus Frankreich und England zum AKW Brunsbüttel? Foto: Dirk Seifert

Toller Plan: Damit der große Deal in der Endlagersuche zwischen den Parteioberen aus CDU, CSU, FDP, Grünen und SPD voran kommt, soll nun der in Frankreich und England lagernde hochradioaktive Atommüll aus der Wiederaufarbeitung nicht mehr ins oberirdische Zwischenlager nach Gorleben transportiert werden. Doch wohin dann damit? Schleswig-Holsteins Energiewendeminister Robert Habeck hat das stillgelegte Vattenfall-AKW Brunsbüttel ins Spiel gebracht. „Riskantes Spiel: Endlager-Deal braucht Zustimmung durch Atomkonzerne“ weiterlesen

Rückschlag für Vattenfall – Schadensersatzklage für Atomausstieg ausgesetzt!

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Vattenfalls Schadensersatz-Klage für die Abschaltung der AKWs Brunsbüttel und Krümmel vor dem ICSID in Washington ist derzeit ausgesetzt. Foto: Dirk Seifert

Vattenfall muss einen weiteren Rückschlag hinnehmen: Die Schadensersatzklage vor dem Schiedsgericht ICSID in Washington ist derzeit ausgesetzt. Vattenfall hat dort die Bundesrepublik Deutschland auf eine Summe von rund 3,5 Mrd. Euro für die Stilllegung der AKWs Krümmel und Brunsbüttel verklagt. Nach dem Atomdesaster in Fukushima vor rund zwei Jahren hatte die Bundesregierung per Atomgesetzänderung die beiden und sechs weitere Atommeiler aus Sicherheitsgründen abgeschaltet.

Der Rechtsstreit in Washington wird sich nun in die Länge ziehen. Laut Informationen der Süddeutschen Zeitung von Anfang Februar 2013 ist das Verfahren vorerst ausgesetzt worden, „weil der zuständige Richter Dan Price des Schiedsgerichts ICSID in Washington im Januar zurücktrat, verlautete aus Verfahrenskreisen. Der Konzern bestätigte dies.“

UPDATE: Neuere Informationen finden sich hier: Vattenfalls Anwälte gegen Deutschland: “Wenn du Frieden willst, sei kriegsbereit”

Weiter berichtet die SZ: „Der ehemalige US-Regierungsberater Price trat den Angaben zufolge zurück, nachdem das Gericht Klarheit über seine früheren Regierungskontakte nach Deutschland haben wollte. Vattenfall muss nun einen neuen Schiedsrichter benennen. Bis der sich in den komplexen Fall eingearbeitet hat, dürften jedoch erneut Monate vergehen, hieß es aus Verfahrenskreisen. Damit ist offen, wann der Prozess fortgesetzt werden kann.“

Vattenfall klagt nicht zum ersten Mal vor dem Weltbank-Gericht gegen die Bundesrepublik. Bereits vor einigen Jahren nahm Vattenfall die Umweltauflagen der Umweltbehörde für das im Bau befindliche Steinkohlekraftwerk Hamburg-Moorburg zum Anlaß, in Washington Klage gegen Deutschland zu erheben.

Als in Deutschland aktives Unternehmen mit Hauptsitz in Schweden kann es vor diesem Gericht wegen Diskriminierung klagen. E.on, RWE und EnBW steht dieser Weg nicht zur Verfügung. Daher haben sie – und auch Vattenfall zusätzlich – ihre Schadensersatzklagen an das Bundesverfassungsgericht adressiert. Mit Klagen vor dem Washingtoner Gericht versuchen Unternehmen sich oftmals inzwischen auch gegen kostspielige Umweltauflagen zu wehren.

Dazu mehr hier: Vattenfalls Entschädigungsklagen gegen die Bundesrepublik – Weltbankgericht als Politik und

Vattenfall und Konzern-Klagen – Demokratieabbau als Standortfaktor und

Neue AKWs und Entschädigungsklagen – Energiewende nur mit ohne Vattenfall

„Vattenfalldebakel in den Niederlanden – Regierung weist Verantwortung von sich“

Vattenfall-Schriftzug-Berlin-HBFVattenfall hat in den letzten Jahren rund vier Milliarden Euro in den Satz gesetzt. Vor allem die Übernahme des niederländischen Stromerzeugers Nuon vor drei Jahren, für die Vattenfall rund 10 Milliarden Euro gezahlt hat, belastet der schwedische Staats-Unternehmen schwer. Der Preis gilt als völlig überteuert: „Der Kaufpreis von über zehn Milliarden Euro war von vielen Seiten als zu hoch kritisiert worden. Nach der Übernahme sei Vattenfall deshalb regelmäßig hinter den Gewinnerwartungen zurückgeblieben.“

Jetzt meldet Radio Schweden: „Die schwedische Regierung hat jegliche Verantwortung beim Vattenfall-Geschäft in den Niederlanden abgewiesen“ und schreibt: „Der Kauf der niederländischen Nuon vor etwa drei Jahren sei ordnungsgemäß kontrolliert worden, sagte Finanzminister Anders Borg der Nachrichtenagentur TT.“

AKW Brokdorf – Der Super-GAU ist möglich

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Risiken bis zum Super-GAU – das AKW-Brokdorf. Foto: Dirk Seifert

Wie sicher ist das AKW Brokdorf? Um diese Frage zu beantworten, hat .ausgestrahlt den Ministerialdirigenden a.D. Dieter Majer mit einer Studie beauftragt. Insgesamt 21 Unfallursachen listet Majer auf, die entweder allein oder in einer Verkettung miteinander zu einem Super-Gau führen können: Der Kernschmelze mit folgender massiver Freisetzung von Radioaktivität an die Umwelt.

Die Reaktionen der seit Mai 2012 in Amt befindlichen rot-grün-dänischen Landesregierung zu dieses Ergebnissen ist erstaunlich „mau“. Laut Hamburger Abendblatt reagierte der für die Atomaufsicht zuständige Umweltminister Robert Habeck (Grüne) mit den Worten: „gravierende Mängel sind derzeit nicht bekannt. Sollten solche vorliegen, würde die Atomaufsicht sofort einschreiten.“ Risiken könnten jedoch nicht völlig ausgeschlossen werden. Die Atomaufsicht werde das Gutachten sorgfältig auswerten.“

Noch im März 2011 warnte der damalige Grüne Fraktionsvorsitzende Habeckt vor bislang wenig beachteten Unfallrisiken, die schnell zu einer schweren Katastrophe führen könnten: Wenige Tage zuvor war ein großer Frachter auf der Elbe mit Maschinenschaden aus dem Ruder gelaufen und trieb steuerungsunfähig auf die Kühlwasseransaug-Anlage des AKW Brunsbüttel zu. Ein solch großes Schiff wäre ohne weiteres in der Lage, die gesamte Kühlung zu zerstören. Mehrere Schlepper verhinderten damals schlimmeres.

Im Landtag sagte Habeck damals: ”Was sich seit Fukushima geändert hat, ist nicht die Sicherheit der deutschen AWKs – es ist die Bewertung der Wirklichkeit. Sie, Herr Ministerpräsident, haben einerseits Recht, wenn Sie sagen, dass „solch ein Doppelschlag der Naturgewalten“ bei uns eher nicht eintritt – solch einer nicht. Andere aber vielleicht. Erst vor wenigen Tagen havarierte ein 332 Meter langes Containerschiff, die “Berge Fjord”, nach einem Brand im Maschinenraum auf der Elbe und trieb auf die Ansaugrohre von Brunsbüttel zu. Acht Schlepper mussten es sichern.”

Heute, Habeck ist nun Energiewendeminister, ist weder in dieser Sache noch in anderen Sicherheitsfragen in Sachen AKW Brokdorf irgendwas besser geworden.

Während der Grüne Habeck vor einiger Zeit mit einer Bundesratsinitiative versuchte, die Betreiber im Falle der abgeschalteten AKWs per Atomgesetzänderung zu einem Stilllegungsantrag zu verpflichten, sind Initiativen für mehr Sicherheit der in Betrieb befindlichen AKW bislang unterblieben. Schade eigentlich.

siehe auch: Ärzteorganisation IPPNW warnt: Nuklearer Katastrophenschutz überfordert und falsch aufgestellt

Hier die PM von ausgestrahlt zu der Brokdorf-Studie und Links für weitere Informationen. Außerdem unten eine Presse-Übersicht, ebenfalls von ausgestrahlt.

ausgestrahlt: „Gutachterliche Stellungnahme zur Gefährlichkeit des AKW Brokdorf

Dipl.-Ing. Dieter Majer, Ministerialdirigent a.D. und bis Juni 2011 der Leiter der Unterabteilung für Sicherheit in kerntechnischen Einrichtungen im Bundesumweltministerium, hat von November 2012 bis Januar 2013 im Auftrag der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt ermittelt, gegen welche möglichen Ereignisse das AKW Brokdorf nur unzureichend abgesichert ist. Er kommt zum Ergebnis, dass eine Kernschmelze mit massiver Freisetzung radioaktiver Stoffe jederzeit möglich ist.

Als mögliche Unfallszenarien, die zu einer Kernschmelze und damit zur großen Freisetzung radioaktiver Stoffe führen können, zählt Dieter Majer auf:

  • Totaler Stromausfall
  • Leck im Reaktordruckbehälter
  • Leck in einer Hauptkühlmittelleitung
  • Leck am Druckhalter durch fehloffenes Sicherheitsventil
  • Ausfall der Hauptspeisewasserversorgung ohne Ausfall des Turbinenkondensators
  • Ausfall des Turbinenkondensators ohne Ausfall der Hauptspeisewas-serversorgung
  • Überflutung des Reaktorringraumes
  • Kabelbrand innerhalb des Reaktorgebäudes
  • Zerknall der Dampfturbine
  • Versagen von Komponenten mit hohem Energieinhalt
  • Flugzeugabsturz
  • Erdbeben
  • Explosionswellen
  • Überflutung der Anlage durch Hochwasser
  • Blitzschlag
  • Cyberattacken
  • Informierte Innentäter
  • Angriff einer Personengruppe von außerhalb des Atomkraftwerks
  • Pandemie
  • Militärische oder kriegerische Auseinandersetzungen
  • Ereignisse während der Revision

Die Stellungnahme zählt weiter risikoreduzierende Nachrüstungen auf, welche die Wahrscheinlichkeit einer Kernschmelze verringern, aber nicht ausschließen. Ist die Bevölkerung nicht bereit, dieses Risiko zu tragen, bleibt nur die Abschaltung des AKW Brokdorf.

Die gutachterliche Stellungnahme steht in einer Kurz- und Langfassung vor zum Download zur Verfügung:

.ausgestrahlt bewertet die Ergebnisse in einer Pressemitteilung und forderte die Atomaufsicht auf, das AKW Brokdorf sofort abzuschalten, um die Bevölkerung zu schützen.

Pressereaktion:

 

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