Vollständige Rekommunalisierung der Energienetze in Hamburg ist machbar

strommast moorburg 03In Hamburg wird im September per Volksentscheid geklärt, dass die Energienetze nicht länger von Vattenfall und E.on betrieben werden sollen, sondern künftig wieder vollständig von der öffentlichen Hand betrieben werden. Nicht nur Vattenfall und E.on sind alarmiert und befürchten, dass wichtige Geschäftsfelder verlieren. Erst vor wenigen Tagen hat eine repräsentative Umfrage gezeigt, dass die beiden Unternehmen gute Gründe haben, sich Sorgen zu machen. Eine zweidrittel Mehrheit der HamburgerInnen ist für die vollständige Rekommunalisierung.

Auch für die SPD-Führung geht es um einiges, denn Bürgermeister Scholz hat innerhalb der Partei durchgesetzt, dass die Stadt sich lediglich als Minderheitsaktionär mit 25,1 Prozent an den drei Netzen für Fernwärme und Strom (beide Vattenfall) und Gas (E.on Hanse) beteiligt. Im Sommer 2012 hat die Bürgerschaft den entsprechenden Verträgen mit den Konzernen zugestimmt. Damit sollte der Volksentscheids-Initiative der Wind aus den Segeln genommen werden. Bislang mit wenig Erfolg.

Seit Jahresbeginn ist der „Wahlkampf“ eröffnet, die Wirtschaftsverbände trommeln massiv gegen den Volksentscheid: Volksentscheid Energienetze Hamburg: Handelskammer unsersiös

Auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Andreas Dressel versucht seit Jahresbeginn bei jeder Gelegenheit das Modell einer Minderheitsbeteiligung an den Vattenfall- und E.on-Netzen schön zu reden und gegen das Ziel des Volksentscheids zu argumentieren. „Kooperation statt Konfrontation“ lautet sein Credo (* Text siehe unten). Eine Losung mit der auch die SPD-Umweltsenatorin Jutta Blankau zu Felde zieht, um die Zusammenarbeit mit Vattenfall und E.on zu begründen. Bei beiden kommt es vor allem auf einen Punkt raus. Würde es zu einem erfolgreichen Volksentscheid kommen und die beiden Konzerne ihre wirtschaftliche Vormachtstellung in Hamburg verlieren, käme es zum Chaos, zum Stillstand.

Bei Dressel klingt das so: „Die erfolgreich angelaufene, strategische Partnerschaft würde rückabgewickelt und die Energiewende in Hamburg auf null zurückgefahren und damit faktisch für lange Zeit zum Stillstand gebracht. Denn viele Jahre juristischer Auseinandersetzungen mit den Versorgern stünden uns bevor, um dann vielleicht ein halbes Jahrzehnt später mit zwei bis drei Milliarden Euro neuer Schulden irgendwann Alleineigentümer zu sein. Das ist nicht nur energiepolitisch kein Gewinn – es ist in Zeiten von Schuldenbremse finanzpolitisch schlicht und einfach unverantwortlich.“ (Quelle siehe oben)

Eine Darstellung, die gelinde gesagt, ein wenig befremdlich ist und nicht gerade voller Sachlichkeit steckt. Richtig ist: Es wird nach einem erfolgreichen Volksentscheid zu erheblichen juristischen Streitereien mit den Konzernen um die Kosten der Netz-Übernahme durch die Stadt kommen. Das kennen wir aber schon: So klagen Vattenfall und E.on gegen die Bundesrepublik z.B. auf Schadensersatz wegen der nach Fukushima per Atomgesetz stillgelegten AKWs. Allein Vattenfall will dafür 3,7 Milliarden Euro vom deutschen Steuerzahler bekommen. Es gibt weitere Streitfälle, bei denen Stadt und Vattenfall sich vor Gericht trafen und treffen.

Fraglich auch, was bei Vattenfall eigentlich Energiewende bedeutet: Nicht nur, dass der Konzern zu über 80 Prozent seinen Strom in besonders klimaschädlicher Braunkohle in der Lausitz erzeugt, demnächst in Moorburg ein weiteres klimaschädliches 1.600 MW Kraftwerk in Betrieb nehmen wird und gegen erhöhte Umweltauflagen immer wieder vor Gericht zieht und sogar die Bundesrepublik Deutschland wegen der Auflagen der Umweltbehörde Hamburg vor dem Weltbank-Gericht in Washington verklagt hat.  Inzwischen führt das Unternehmen sogar in Schweden Gespräche über den Neubau von Atomkraftwerken. Mit Energiewende hat Vattenfall also eigentlich nichts am Hut: Vattenfall – Kein Partner für Hamburg.

Rekommunalisierung bringt Haushaltslöcher und Stillstand?

Nicht gerade sachlich sind die Hinweise von Dressel auf vermeintliche Milliarden schwere Schulden durch die Rekommunalisierung. Vor wenigen Tagen verglich er die Rekommunalisierung sogar mit dem Desaster um die Elbphilharmonie. Immer wieder wird versucht, den Eindruck zu erzeugen, das die Rekommunalisierung über den Hamburger Haushalt gestemmt werden muss. Daher auch sein Hinweis auf die Schuldenbremse, die die SPD vor kurzem eingeführt hat.

Dressel weiß eigentlich genau, dass die Finanzierung in nur geringem Umfang über den Haushalt erfolgen wird. Und der Senat bzw. die Bürgerschaft haben es im Falle eines erfolgreichen Volksentscheids sogar selbst in der Hand, wie die Finanzierung läuft. Darüber entscheidet das Volk nämlich nicht selbst!

UNSER HAMBURG – UNSER NETZ hat in einer Kurzstudie verschiedene Finanzmodell untersuchen lassen, die allesamt zu nur einer sehr geringen Belastung für den Hamburger Haushalt kommen. Der Grund ist simpel: Ein hoher Anteil der Kosten wird über Fremdkapital finanziert, wovon den größten Teil sogar die dann städtische Netze-Gesellschaft trägt und aus den Gewinnen durch den Netzbetrieb finanziert. Die Studie der Wirtschaftsprüfer Rödl & Partner zu möglichen Finanzierungsmodellen steht hier zum download (PDF). (Hinzu kommt, dass der Umweltbehörde noch aus schwarz-grüner Regierungszeit Studien vorliegen hat, die die Machbarkeit positiv bescheiden und im Rahmen der Beratungen der Volksinitiative und des Volksbegehrens in der Bürgerschaft ist vielfach darauf hingewiesen, dass die Netze nicht nur Kosten verursachen, sondern auch Einnahmen zur Folge haben.)

Rödl & Partner zeigen dabei auf, dass selbst bei der wenig wahrscheinlichen Annahme, die Kosten der Netzübernahme würden zwei Milliarden Euro betragen, kaum ein Risiko für die Stadt bestünde. Unter ungünstigen Rahmenbedingungen würde lediglich die Finanzierung der Kredite einen Zeitraum von 24 Jahre erfordern. Ein Schaden für den Haushalt wäre das aber nicht.

Vor allem aber: Tatsächlich dürften die Kosten deutlich unter den immer wieder behaupteten zwei Milliarden Euro liegen. Denn das ist der Preis, den selbst Vattenfall und E.on derzeit offenbar für „ok“ ansehen. Bei einer vollständigen Übernahme aber wird der kalkulatorische Restwert der Netze (die ja weitgehend durch die Durchleitungsgebühren durch die Stromkunden bezahlt sind) und der Ertragswert entscheidend sein.

Ein Gutachten der Wirtschaftsprüfer Becker, Büttner und Held von 2010 gibt einen Überblick, wie eine Netzübernahme erfolgt. Darin kommen sie zu der Aussage: „Der Kaufpreis richtet sich nach dem Ertragswert. Das Risiko (erheblich) mehr zahlen zu müssen, ist unseres Erachtens gering.“ (http://www.100-strom.de/files/Netzuebernahme.pdf, S. 13)

Dieses Modell geht nach dem Energiewirtschaftsgesetz von einem einfachen Umstand aus: Da der Gesetzgeber den Wechsel bei der Strom- und Gasnetzkonzession ausdrücklich vorsieht und alle 20 Jahre eine Ausschreibung der Konzessionen für die Netze vorschreibt, muss ein neuer Eigentümer im Laufe dieser Frist von 20 Jahren auch die Möglichkeit haben, eine „angemessene Vergütung“ seiner Geschäftstätigkeit zu erzielen. Mit anderen Worten: Er muss die Netze zu Kosten betreiben können, die ihm innerhalb der 20 Jahre auch Gewinne ermöglichen.

Demnach ist davon auszugehen, dass die Kosten deutlich unter den immer wieder genannten und von Vattenfall und E.on akzeptierten zwei Milliarden Euro liegen werden. Aber selbst wenn es zwei Milliarden Euro wären – das sollte der SPD-Fraktionsvorsitzende noch mal durchdenken – gäbe es über den Verkaufspreis mit Vattenfall und E.on ja eigentlich keinen Ärger? Dieser Preis ist von Vattenfall und E.on doch längst akzeptiert. Wo kommt dann der prognostizierte Stillstand eigentlich her?

Was auch verwundert: Mit keinem Wort wird auf die Einnahmen durch die Energienetze hingewiesen. Allein in der Fernwärme, wo nicht nur das Netz und einige der Kraftwerke übernommen werden, sondern auch die Kunden, ist von jährlich erheblichen Gewinnen auszugehen. So kam die LBD-Beratungsgesellschaft im Auftrag der Hamburger Umweltbehörde (PDF) im März 2011 zu dem Ergebnis, dass Vattenfall bei der Fernwärme in Hamburg im Jahr 2009 zwischen 30 – 60 Millionen Euro verdient hat.

Die Behörde hatte damals eine Prüfung durch die LBD durchführen lassen, weil Vattenfall jahrelang wegen angeblich fehlender Gewinne keine Konzessionsabgabe an die Stadt Hamburg abgeführt hat. Der Spiegel berichtete unter der Überschrift:  „Buchungstrick: Vattenfall soll Hamburg um Millionen gebracht haben“ 70 Millionen Euro könnten der Stadt Hamburg dadurch verloren gegangen sein.

Siehe auch Der Spiegel im Mai 2012: Olaf, der Allmächtige, Hat der Hamburger Senat dem Energiekonzern Vattenfall geholfen, sich Konkurrenz vom Leibe zu halten? Ein vertrauliches Protokoll legt den Verdacht nahe.

Dokumentation: PM Dressel: Kooperation statt Konfrontation – in Hamburg klappt die Energiewende

Donnerstag, 24.01.2013

„Vieles ist bereits erreicht, vieles für die kommenden Monate und Jahre angeschoben – insofern kann man schon jetzt ganz klar feststellen: In Hamburg klappt die Energiewende“, so SPD-Fraktionschef Andreas Dressel in der heutigen Bürgerschaftsdebatte. „Während sich die Herren Altmaier und Rösler auf Bundesebene in endlosen Diskussionen verheddern und bisher rein gar nichts zustande gebracht haben, gehen wir hier in Hamburg gemeinsam mit zahlreichen Partnern und Unternehmen die Energiewende konsequent an. Der Bau des modernen und effizienten Gas- und Dampf-Kraftwerks in Wedel, die Genehmigung für einen Erdgaskessel am Haferweg, der Ausbau der Wärmeversorgung und von Kraft-Wärme-Kopplung, die Öffnung des Fernwärmenetzes, zukunftsweisende Projekte wie Repowering bei der Windenergie, virtuelle Kraftwerke und Elektromobilität – all das zeigt: Wir machen die Energiewende real, nicht in Sonntagsreden, sondern greifbar an den Werktagen, nicht in Positionspapieren, sondern sichtbar für die Menschen, nicht irgendwann, sondern jetzt.“

Scharfe Kritik übte Dressel mit Blick auf den im Herbst anstehenden Volksentscheid an die Adresse von Grünen und Linke: „Sie streuen den Menschen in der Stadt Sand in die Augen, wenn sie ihnen weismachen, dass ein Komplettrückkauf der Energienetze bei einem entsprechenden Votum mal eben so über die Bühne gebracht werden kann. Das Szenario wäre vielmehr: Die erfolgreich angelaufene, strategische Partnerschaft würde rückabgewickelt und die Energiewende in Hamburg auf null zurückgefahren und damit faktisch für lange Zeit zum Stillstand gebracht. Denn viele Jahre juristischer Auseinandersetzungen mit den Versorgern stünden uns bevor, um dann vielleicht ein halbes Jahrzehnt später mit zwei bis drei Milliarden Euro neuer Schulden irgendwann Alleineigentümer zu sein. Das ist nicht nur energiepolitisch kein Gewinn – es ist in Zeiten von Schuldenbremse finanzpolitisch schlicht und einfach unverantwortlich. Kooperation statt Konfrontation, das ist der richtige Weg, um die Energiewende voranzubringen – zu einem vertretbaren Preis und solide über die Garantiedividende finanziert. Da werden wir in den nächsten Monaten mit Argumenten und Fakten weiter punkten – und die letzten Wochen zeigen, dass immer mehr Menschen in dieser Stadt die finanzpolitischen Risiken des Komplettrückkaufs realistisch sehen. Die Steuerzahler wollen kein neues Großprojekt, bei dem sie erst viel später die Rechnung präsentiert bekommen – eine Elbphilharmonie reicht.“

Risiko Vattenfall – Gespräche für neue Atomkraftwerke beginnen

Vattenfall und das Risiko Atomenergie: Neue AKWs in Planung. Foto: Dirk Seifert
Vattenfall und das Risiko Atomenergie: Neue AKWs in Planung. Foto: Dirk Seifert

Der schwedische Stromkonzern Vattenfall plant weiterhin den Neubau von Atomkraftwerken. Wie „Radio Schweden“ jetzt auf seiner Homepage meldet, hat Vattenfall „Verhandlungen mit den für die Kernkraftwerke Ringhals und Forsmark zuständigen Gemeindeverwaltungen über den Bau neuer Reaktoren angekündigt. Gemäß der Atompolitik der Regierung dürfen zwar keine neuen Kernkraftwerke gebaut werden, doch ist die Erneuerung der veralteten Reaktoren erlaubt.“ Schweden will auch künftig rund 50 Prozent seines Stroms aus der Risikotechnik Atomenergie beziehen.

Mit den jetzt angekündigten Gesprächen sollen die Planungen für den Neubau von Reaktorblöcken vorbereitet werden. „Bindende Beschlüsse für den Bau neuer Reaktoren werden jedoch nach Einschätzung von Fachleuten frühestens in acht bis zehn Jahren gefasst werden“, so Radio Schweden.

>>Siehe auch: Statt Energiewende: Hamburg finanziert künftig dank SPD Vattenfalls neue Atomkraftwerke in Schweden und Vattenfall setzt weiter auf Atomenergie und auch: AKWs Brunsbüttel und Krümmel: Vattenfalls Entschädigungsklagen gegen die Bundesrepublik – Weltbankgericht als Politik

Risiko Vattenfall – Sicherheitsversagen mit System

Auch Radio Schweden weist auf die Probleme von Vattenfall und den Atomkraftwerken hin: „Ringhals und Forsmark haben in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe teilweise schwerer Störfälle verzeichnet.“ Seit Jahren ist Vattenfall immer wieder in den Schlagzeilen, weil es um die Sicherheitskultur in dem Unternehmen nicht sonderlich gut bestellt ist. Das zeigte sich nicht nur in Deutschland wiederholt an den inzwischen abgeschalteten Vattenfall-Reaktoren Brunsbüttel und Krümmel. Auch in Schweden selbst geriet Vattenfall ins Kreuzfeuer der Kritik. So berichtete die taz unter der Überschrift „Meiler der Skrupellosen“ bereits 2007: „Die Verfasser des internen Vattenfall-Berichts sprechen von einer „Degradierung der Sicherheitskultur“ zugunsten von Produktionsinteressen. Das Personal rief vergeblich um Hilfe oder wurde selbst Teil des Problems.“

Ein Jahr zuvor wäre es im Vattenfall-Reaktor Forsmark beinahe zum Super-GAU gekommen, weil das Unternehmen in wichtigen Sicherheitsfragen total versagte. In dem erwähnten Bericht heißt es: „Insgesamt spricht der Rapport von „inakzeptablen Qualitätsfehlern“. Es habe „viele Unglücksfälle, Beinaheunfälle, Falscheinschätzungen, misslungene Tests und andere Fehlgriffe“ gegeben, ohne dass sie je genügend analysiert worden seien.“

Lobby-Control hatte bereits 2006 nach dem Störfall in Forsmark berichtet, dass Vattenfall gezielt falsche Informationen über den Vorfall in die Öffentlichkeit streute.

Vattenfall-Atommeiler Forsmark: Atomarer Blindflug

Am 25. Juli 2006 schrammt Nordeuropa nur knapp an einer atomaren Katastrophe vorbei. In dem von Vattenfall betriebenen Atommeiler Forsmark springt nach einem Kurzschluß die gesamte Notstromversorgung nicht an. Die Reaktormannschaft betreibt das Atomkraftwerk für fast eine halbe Stunde im Blindflug – ohne jede Information über die tatsächliche Lage im Reaktor. (Mehr bei Telepolis)

Auch in Deutschland wiederholen sich Sicherheitspannen und Falschdarstellungen, als es im Sommer 2007 zu einem Brand in einem der Transformatoren am AKW Krümmel kommt. Auch hier informierte Vattenfall über die Auswirkungen des Feuers auf die Anlage falsch. Als die tatsächlichen Folgen schließlich bekannt werden, führt der Skandal zur Absetzung und zu Rücktritten zahlreicher Manager aus den Führungskreisen von Vattenfall Deutschland. Eine Chronologie der Ereignisse findet sich auf der Seite des NDR hier. Doch mit der Sicherheitskultur wird es nicht besser. Zwei Jahre später, im Sommer 2009 soll das AKW Krümmel nach Reparaturen und dem Austausch des Transformators wieder ans Netz. Doch es zeigt sich, dass die Manager und Ingenieure nichts dazu gelernt hatten. Die NDR Chronologie berichtet dazu:

  • 1. Juli 2009: Im wiederangefahrenen Atomkraftwerk Krümmel kommt es zu einer Panne. Die Turbine der Anlage schaltet sich automatisch ab. Laut Vattenfall hatte ein Mitarbeiter vergessen, ein wichtiges Ventil zu öffnen. Das AKW wird für einige Stunden vom Netz genommen.
  • 4. Juli 2009: Das AKW Krümmel steht wieder still. Das für die Atomaufsicht zuständige Sozialministerium teilt mit, dass es zu einer Schnellabschaltung in dem Reaktor gekommen ist. Grund sei offenbar eine Störung in einem der beiden Maschinentransformatoren. In Hamburg kommt es zu großflächigen Stromausfällen und Wasserrohrbrüchen aufgrund ausgefallener Pumpen.

Bereits im Jahr 2001 war es im AKW Brunsbüttel zu einem schweren Störfall gekommen, den Vattenfall in der Folge ebenso herunterspielte. Im Dezember 2001 zerfetzte eine Knallgasexplosion ein 10 cm dickes Stahlrohr in unmittelbarer Nähe des Reaktordruckbehälters. Bruchstücke des Rohres flogen wie Geschosse umher und richteten auch in der Umgebung Schäden an. Glücklicherweise wurden keine sicherheitsrelevanten Einrichtungen getroffen. Nur ein einfaches Rückschlagventil, das bei der Explosion zudem beschädigt wurde, verhinderte das Ausströmen des unter hohem Druck stehenden radioaktiven Dampfes. Zwei Monate lang bleibt der Reaktor noch am Netz, bevor sich die Atomaufsichtsbehörde endlich durchsetzen und das AKW zur Inspektion vom Netz nehmen kann. 13 Monate bleibt Brunsbüttel abgeschaltet.

Atommüll 1987: Noell „dekontaminiert“ Stahlschrott auf dem Gelände der GKSS – Arbeitsschutz ist nicht so wichtig

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Juni 1987: Auf dem Gelände der Atomforschungsanlage GKSS bei Geesthacht, östlich von Hamburg, „dekontaminiert“ die Firma Noell unter abenteuerlichen Bedingungen Stahlschrott aus den AKWs Brunsbüttel und Krümmel. Arbeitsschutz spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Foto: Hinrich Schultze

Im Frühjahr 1987 werden Anti-Atom-AktivistInnen auf merkwürdige Arbeiten auf dem Gelände der Atomforschungsanlage GKSS in Geesthacht aufmerksam gemacht. Ein Informant berichtet über „unglaubliche Arbeitsbedingungen. Da würde der verseuchte Schrott mit Handschleifmaschinen bearbeitet, die Arbeiter seien kaum geschützt, die technische Ausrüstung mehr als mangelhaft“, schreibt später die damalige Energiereferentin der GAL-Bürgerschaftsfraktion (siehe hier, PDF, der Artikel stammt vermutlich aus der nicht mehr existenten Hamburger Rundschau vom 4. September 1987).

Eine Gruppe aus AktivistInnen von ROBIN WOOD, Geesthachter Initiativen und der GAL-Fraktion will der Sache auf den Grund gehen, sie beschließen, sich als Strahlenschützer verkleidet auf das Gelände der GKSS zu schleichen und als „offizielle Kontrolle“ die Arbeitsbedingungen genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Aktion gelingt – zur Überraschung aller Beteiligten. Was die „Strahlenschützer“ am 30. Juni 1987 finden, bestätigt die Aussagen des Informanten und ist erschreckend: Radioaktiv belasteter Stahl wird in löchrigen Zelten per Hand mit veralteten Maschinen abgeschliffen, Schutzanzüge tragen die Beschäftigten nicht. Die Luft wird nur notdürftig über einen Filter geführt, radioaktive Partikel landen auf dem Boden. Eine Schleuse, in der die Beschäftigten beim Betreten oder Verlassen der Zelte auf Kontamination überprüft werden, gibt es nicht. Siehe dazu den Erlebnisbericht von Rosemarie Rübsamen hier (PDF).

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1987: Auf dem GKSS-Gelände „dekontamieren“ Noell-Angegestellte Stahl: Zwar mit Atemschutz, aber ohne Sicherheitsschleuse. Nach dem Abschleifen radioaktiver Stähle können die Mitarbeiter das Zelt ohne jede Kontrolle verlassen. Foto: Hinrich Schultze

Die Arbeiten auf dem Gelände der Atomforschungsanlage GKSS werden von der Firma Noell durchgeführt. Der Betreiber GKSS sagt nach der Aktion, dass sie für die Arbeiten nicht zuständig sei und nur die Flächen bereit gestellt hätte. Die Stähle, die dort bearbeitet werden, stammen – wie sich später herausstellt – aus den Atomkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel, damals betrieben von den HEW (heute stillgelegt gehören sie Vattenfall) . Ziel der Aktion war es, die radioaktiven Stähle oberflächlich zu dekontaminieren, um sie einer weiteren vermeintlich „schadlosen Verwertung“ zuzuführen. (Siehe dazu gleich unten Auszüge aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage)

Der Spiegel berichtet am 13. Juli 1987 unter der Überschrift „Probleme mit Atommüll“, das ROBIN WOOD eine Strafanzeige gegen die GKSS und die Firma Noell gestellt hat: „Die Entsorgung radioaktiven Schrotts aus dem Kernkraftwerk Brunsbüttel auf dem Gelände des GKSS-Forschungszentrums Geesthacht bei Hamburg, an dem der Bund beteiligt ist, wird Gegenstand eines staatsanwaltlichen Ermittlungsverfahrens. Die Umweltschutzorganisation Robin Wood stellte letzte Woche Strafanzeige wegen des Verdachts umweltgefährdender Abfallbeseitigung, unerlaubten Umgangs mit Kernbrennstoffen und schwerer Umweltgefährdung unter anderem gegen die Betriebsleitung der GKSS und des eigentlichen Entsorgungsunternehmens, der Firma Noell vom Salzgitter-Konzern. Nach Meinung der Umweltschützer gibt es „gravierende Anhaltspunkte für die Annahme, daß bei den Dekontaminationsarbeiten unzulässig radioaktiver Staub freigesetzt wird und „ungehindert in die Luft und in den Boden gelangt“. Die Atomschrott-Entsorgung auf dem Werksgelände mache zudem einen so „unordentlichen und verwahrlosten Eindruck“, daß eine „Gefährdung der dort beschäftigten Leiharbeiter“ angenommen werden müsse.“

Der Bundestagsabgeordnete Daniels (Regensburg) fragt zu diesen Vorgängen die Bundesregierung (Auszug aus der Kleinen Anfrage, 11. Wahlperiode, Drucksache 11/731 (PDF) vom 24.8.1987):

„15. Wie beurteilt die Bundesregierung die Auskunft des Hamburger Senats (Drucksache 13/87, Frage 3), daß auf dem Gelände des GKSS-Forschungszentrums Geesthacht GmbH nur Komponenten aus dem Kernkraftwerk Krümmel bearbeitet worden sind, in der Hauszeitung der GKSS aber ausdrücklich die Teile dem AKW Brunsbüttel zugeordnet werden, ebenso wie dies auf dem Schild in der Dekontaminationshalle steht (vgl. Frage 6 o. a. Drucksache)?

16. Welche Mengen sind nun auf dem Gelände der GKSS aus dem AKW Krümmel und welche Mengen aus dem AKW Brunsbüttel verarbeitet worden? Wieviel Material ist insgesamt aus diesen Kernkraftwerken dort verarbeitet oder angeliefert worden? Wieviel
lagert zur Zeit auf dem Firmengelände? Wieviel soll noch angeliefert werden? Fanden oder finden Lieferungen von anderen kerntechnischen Anlagen auf das Gelände der GKSS statt, oder sind solche Lieferungen geplant?

Antwort der Bundesregierung: Auf dem Gelände der GKSS, auf dem die Fa. Noell eine Halle angemietet hat, werden nahezu ausschließlich Teile aus dem Kernkraftwerk Brunsbüttel bearbeitet; diese Arbeiten werden Ende 87 beendet sein.

Bei dem Material handelt es sich überwiegend um Behälter aus dem Kernkraftwerk Brunsbüttel, die aus dem Turbinenkreislauf stammen und an der Oberfläche ihrer Innenseiten geringfügig radioaktiv verunreinigt sind (Oberflächenkontamination unter
10 Bq/cm2), mit einem Gewicht von ca. 500 t. Daneben sind vier Ventilgehäuse aus dem Kernkraftwerk Krümmel dekontaminiert und an das Kernkraftwerk zurückgegeben worden.

17. Welche Firmen nehmen wo in der Bundesrepublik Deutschland radioaktiv belastetes Material aus kerntechnischen Anlagen entgegen und versuchen, dieses Material zumindest partiell zu dekontaminieren oder irgendwie anders zu verarbeiten? Welche Mengen haben diese Firmen bisher erhalten? Sind Strahlengrenzwerte für diese Lieferungen festgelegt? Wie hoch sind diese?

Antwort der Bundesregierung: Es gibt in der Bundesrepublik Deutschland mehrere  Firmen, die sich mit der Behandlung radioaktiver Reststoffe sowie ausgebauter oder abgebauter Anlagenteile befassen und ggf. dafür erforderliche Beförderungen durchführen. Wie auch die Berichte über die Vorkommnisse beim Vollzug der Strahlenschutzverordnung bestätigen, werden die atomrechtlichen Vorschriften, aber auch andere einschlägige Bestimmungen — z. B. die GGVS — eingehalten.

18. Was geschah mit den ca. 3 000 t Schrott, die bei den Arbeiten an den Kühlmittelkreisläufen der Siedewasserreaktoren Brunsbüttel, Isar I, Philippsburg I und Würgassen angefallen sind? Wie wurden sie, wo und von wem weiterverarbeitet, zwischen- oder endgelagert?

Antwort der Bundesregierung: Die bei der Sanierung der Siedewasserreaktoren ausgebauten Kühlmittelleitungen sollen — soweit sie nicht für Materialuntersuchungen benötigt bzw. für die Endlagerung in Frage kommen — schadlos verwertet werden. Dies ist z. T. bereits geschehen. Der Schrott wird dabei sehr sorgfältig überprüft und danach entschieden, ob das Material freigegeben werden kann oder einer kontrollierten Verwertung (z. B. Einschmelzen zur Herstellung von Gegenständen für den kerntechnischen Bereich) zuzuführen ist.“

Vattenfall-Konzern: Gewerkschaften legen Tarifforderungen 2013 vor

Vattenfall-Schriftzug-Berlin-HBFBei Vattenfall beginnen im Februar die Tarifverhandlungen und die drei Gewerkschaften IGBCE, Verdi und IG Metall haben jetzt ihren Forderungskatalog für die Beschäftigten vorgelegt. Die Pressemitteilung zu den Forderungen der Konzerntarifkommission wird hier dokumentiert: „Auftakt in die Tarifrunde Vattenfall – Die Konzerntarifkommission von IG BCE, ver.di und IG Metall hat am 22. Januar 2013 ihre Forderung für die anstehende Tarifrunde für rund 15.000 Beschäftigte von Vattenfall in Deutschland aufgestellt: Die Gewerkschaften fordern eine Vergütungserhöhung um 6,5 Prozent bei einer Laufzeit von 12 Monaten, den Abschluss des Tarifvertrags Sozialpolitische Begleitung mit einem Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis 2020 und die Verlängerung des Tarifvertrags Ausbildung mit den heute festgeschriebenen Ausbildungszahlen und einer Regelung für die unbefristete Übernahme ebenfalls bis 2020.

Die Tarifverhandlungen starten am 21. Februar 2013.

IG-BCE-Verhandlungsführer Holger Nieden: „Die Vattenfall-Beschäftigten wollen ein ordentliches Plus für ihre hervorragende Arbeit, das zeigt die Erwartungshaltung in allen Unternehmensteilen deutlich. Oberste Priorität haben aber ebenso der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen, den wir im Tarifvertrag Sozialpolitische Begleitung vereinbaren wollen, und die Sicherung von Ausbildung und Übernahme in der Zukunft. Diese Tarifrunde wird eine große Herausforderung, das ist bereits jetzt klar.“

Im vergangenen Oktober waren die Verhandlungen zum Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen im Rahmen des Tarifvertrags Sozialpolitische Begleitung und zum Tarifvertrag Ausbildung gescheitert. IG BCE, ver.di und IG Metall hatten die Reißleine gezogen, nachdem die Angebote der Arbeitgeber auch in der vierten Verhandlungsrunde vollkommen unzureichend und inakzeptabel waren. Die Themen Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen und die Sicherung von Ausbildung und Übernahme werden nun als Gesamtpaket mit dem Entgelt in der Vergütungstarifrunde verhandelt.

Der aktuelle Vergütungstarifvertrag und der Tarifvertrag Sozialpolitische Begleitung wurden seitens der Konzerntarifkommission zum 28. Februar 2013 gekündigt.

Folgendes Forderungspaket beschloss die Konzerntarifkommission von IG BCE, ver.di und IG Metall in ihrer Sitzung am 22. Januar für die Vergütungstarifrunde 2013 einstimmig:

Tarifvertrag Sozialpolitische Begleitung: Der Tarifvertrag Sozialpolitische Begleitung inklusive des Ausschlusses betriebsbedingter Kündigungen soll mit einer Laufzeit bis 2020 abgeschlossen werden.

Die Erhöhung der Tabellen- und Ausbildungsvergütungen um 6,5 Prozent bei einer Laufzeit von 12 Monaten.

Tarifvertrag Ausbildung: Der Tarifvertrag Ausbildung soll bis 2020 verlängert werden. Innerhalb dieses Tarifvertrages sollen die aktuellen Ausbildungszahlen und eine Regelung für eine unbefristete Übernahme nach der Ausbildung festgeschrieben werden.

Weitere Infos im Tarifflugblatt:

Tarifrunde Vattenfall:Das Forderungspaket liegt jetzt auf dem Tisch! (PDF)

AKWs in Belgien: Wiederanfahren von Doel 3 und Tihange 2 unverantwortlich!

Radioaktiv-03.jpgUpdate 26.1.2014: Das Aktionsbündnis gegen Atomenergie Aachen hat mit Unterstützung der Fraktion der Grünen/EFA im Europäischen Parlament am 24./25. Januar 2014 zu einer Expertenkonferenz zu den belgischen Atomreaktoren Doel 3 und Tihange 2 eingeladen. Gemeinsam mit renommierten Wissenschaftlern aus verschiedenen Fachbereichen (z.B. Mechanik, Materialwissenschaft, Sicherheits- und Risikowissenschaften, Chemie) sollen die Berichte der belgischen Atomaufsichtsbehörde und mögliche Risiken analysiert werden. In einem abschließendem Bericht sollen weitere Fragen formuliert werden, die von der belgischen Aufsichtsbehörde zu klären sind. Weitere Infos hier. Update Ende.

Januar 2013: Mehr als 1.000 Menschen haben am letzten Wochenende in Maastricht/Belgien für den Atomausstieg demonstriert. Anlass für die Demonstration sind auch schwere Mängel in den belgischen Atomkraftwerken. Über diese Mängel hatten in der letzten Woche auch die Grüne Europa-Abgeordnete Rebecca Harms und die Gutachterin Ilse Tweer mit einer Studie (siehe unten) informiert. Darin warnt Tweer vor der drohenden Wieder-Inbetriebnahme der beiden belgischen Reaktoren Doel3 und Tihange2. In den beiden Reaktorblöcken sind letztes Jahr zum Teil Tausende von Rissen festgestellt worden. Die Regierung hatte beide Blöcke daraufhin abgeschaltet. Nun verdichten sich in den letzten Tagen die Hinweise, dass die Reaktoren trotz dieser erheblichen Sicherheitsmängel wieder in Betrieb gehen könnten. (Zu den Problemen von Rissbildungen auch in deutschen Atommeilern siehe hier).

In einer PM vom 10.1.2013 heißt es: „Im August und September 2012 wurden Defekte in den Reaktoren Doel 3 und Tihange 2 in Belgien bekannt. Beide Reaktoren stehen deshalb zurzeit still. Die Empfehlung der belgischen Aufsichtsbehörden, ob die Reaktoren wieder angefahren werden können, wird in Kürze erwartet. Die Fraktion Grüne/EFA im Europaparlament hat deshalb die unabhängige Materialexpertin Dr. Ilse Tweer beauftragt die vorhandenen Informationen zu den Fällen zu sichten und zu bewerten. Diese Arbeit wurde heute im Europäischen Parlament vorgestellt (1).

Rebecca Harms, Fraktionsvorsitzende der Grünen/EFA im Europäischen Parlament und Atomexpertin, erklärt dazu:

„Es wäre unverantwortlich die Reaktoren wieder anzufahren, bevor die von Frau Dr. Tweer aufgeworfenen Fragen beantwortet sind. Solange wir nicht zweifelsfrei wissen, wann und wodurch die Defekte im Stahl entstanden sind und ob diese sich im Betrieb unter Umständen vergrößern, müssen die Reaktoren abgeschaltet bleiben. Ein plötzliches Bersten des Druckbehälters könnte sonst in der dicht besiedelten Region um die Reaktoren katastrophale Folgen haben.

Auch über Belgien hinaus müssen Schlussfolgerungen aus dem Fall gezogen werden. Alle Reaktoren müssen vollständig auf ähnliche Fehler untersucht werden, soweit dies noch nicht geschehen ist. Außerdem hat der Fall das Scheitern der Atomaufsicht zum Vorschein gebracht. Tausende von Fehlern im Druckbehälter wurden erst nach 30 Jahren im Betrieb entdeckt und die Dokumentation vom Stahllieferanten und Herstellern ist lückenhaft.

Nicht zuletzt zeigt der Fall aber auch, wie gefährlich die Einschränkung der europäischen Stresstests allein auf äußere Einflüsse durch Naturkatastrophen ist. Die Gefahren, die wie in den belgischen Reaktoren durch Materialmängel oder -alterung drohen blieben unberücksichtigt. Die Fehler in den Reaktordruckbehältern konnten deshalb im Rahmen der Stresstests nicht entdeckt werden und finden auch in den Aktionsplänen keine Erwähnung.

Von Kommissar Oettinger erwarten wir umgehend eine Stellungnahme zu den Sicherheitsfragen in Doel 3 und Tihange 2. Zudem darf Günther Oettinger als einer, der die Zukunft der Atomindustrie propagiert, den europäischen Stresstest nicht länger als Alibi missbrauchen. Der Kommissar verspricht seit der Fukushima-Katastrophe vor zwei Jahren, dass die nukleare Sicherheitsrichtlinie verschärft werden soll. Wir erwarten, dass er endlich liefert.“

1) Die Studie von Dr. Ilse Tweer finden Sie auf http://www.greens-efa.eu/fileadmin/dam/Documents/Studies/Comments_on_flaws_Doel_3.pdf

Oder hier auf umweltFAIRaendern.de (PDF)

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