Atomdrehscheibe Hamburg: Weltweiter Uran-Handel – Namibia – Hamburg – Frankreich

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Atomtransport im Hamburger Hafengebiet: Die blauen Container enthalten ca 150 Tonnen Uran-Konzentrat aus Namibia. Ihr vorläufig nächstes Ziel: Narbonne in Frankreich. Dort wird es zu Uranhexafluorid umgewandelt und weiter verkauft. Alles Fotos aus dieser Seite: Dirk Seifert

In Namibia leiden die Menschen unter den Folgen des Uranbergbaus. Seit Jahrzehnten wird dort mit nur wenig Umweltauflagen und Arbeitsschutz das für die Atommeiler benötigte Uran aus dem Erz gefördert – mit Einsatz giftiger Chemikalien und mit der Hinterlassenschaft riesiger radioaktiver Abraumhalden. Das Uran-Konzentrat aus Namibia wurde gestern im Hamburger Hafen angelandet und vom Schiff auf die Bahn umgeschlagen. Vermutlich rund 150 Tonnen von dem strahlenden Material wurden verladen. Die Transporte gelten als geheim, Behörden verweigern die Auskunft über Routen und Fahrpläne.

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Container mit Uran-Konzentrat und dem Warnschild: Radioaktiv!
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Direkt hinter der Lok befinden sich die Container mit dem Uran-Konzentrat. Per normalem Güterzug geht die Reise mit dem Uran aus Namibia von Hamburg quer durch Niedersachsen, NRW, Rheinland-Pfalz nach Frankreich ins südfranzösische Narbonne.

Am Rangierbahnhof Hamburg Süd startete der Weitertransport gegen 18 Uhr zunächst nach Maschen (Rangierbahnhof südlich von Hamburg) und von dort dann um Mitternacht zur Weiterreise quer durch Deutschland über Buchholz, Osnabrück, Köln und Koblenz vermutlich ins französische Narbonne. Dort, an der Mittelmeerküste wird das Uran zu Uranhexafluorid (UF6) umgewandelt. Die Anlage dort gehört zum Atomgiganten AREVA, der in aller Welt Atomgeschäfte betreibt. Nach der Umwandlung zu UF6 geht die Reise weiter zu den Urananreicherungsanlagen.

Ein solche Anlage steht zum Beispiel im westfälischen Gronau. Diese zum URENCO-Konzern gehörende Anlage, die vom Atomausstieg nicht betroffen ist und eine völlig unbefristete Betriebsgenehmigung hat, stellt den Uran-Brennstoff her, aus dem dann die Brennelemente zum Einsatz in den Atomkraftwerken gefertigt werden. Bis dahin wird das strahlende Uran aus Namibia viele Zigtausend Kilometer quer durch die Welt hinter sich haben und als hochradioaktiver Atommüll enden. Immer mit dabei auf der Reise: Das Risiko von Atomunfällen.

Alles zum Thema Uranabbau auf dieser Seite gibt es hier in einer Übersicht.

Über Atomtransporte in Hamburg und anderswo:

Uranbergbau und die Folgen: In Nambia und anderswo:

Uranfabrik in Gronau: Unbefrister Betrieb und weltweite Geschäfte:

Rohstoff Uran: Uranbergbau macht krank – ein Beispiel aus Namibia

Uranmine bei Arlit im Niger. Foto: Davin Francois
Uranmine (bei Arlit im Niger). Foto: Davin Francois

Uranbergbau – Ausgangspunkt für die Brennstoff-Versorgung von Atomkraftwerken in aller Welt – ist ohne Umweltzerstörung und enorme Gesundheitsrisiken nicht denkbar. Während die Wirtschaft Märchen von der sauberen Atomenergie verbreitet, werden Landschaften zerstört und Menschen den radioaktiven Folgen des Uranbergbaus oftmals ungeschützt ausgesetzt. Über ein Beispiel in Namibia berichtet aktuell die Zeit in einem Artikel von Victoria Schneider unter der Überschrift: „Uranmine in Namibia – Wer Arandis verlässt, stirbt: In der namibischen Wüste fördern Arbeiter Uran für die Kernkraftwerke der Welt. Viele sind krank geworden – durch Strahlung? Ihr Arbeitgeber Rio Tinto sagt nein.“

Weitere Informationen zum Uranbergbau in Namibia gibt es in diesem Blog hier:

In Namibia ist es Rio Tinto, in anderen Ländern sind andere internationale Konzerne und Investoren am Start. Im Niger z.B. der französische Atomkonzern AREVA. Im Niger zwischen Mali und Zentralafrikanischer Republik nehmen die auch militärisch geführten Konflikte immer mehr zu. Frankreich ist mit Kampftruppen vor Ort – Deutschland wird künftig die Einsätze in Mali und der Zentralafrikanischen Republik unterstützen.

Auch in der Mongolei ist AREVA unterwegs, um Uran abzubauen: Mongolei: Atomindustrie und Bergbaukonzerne contra Nomaden

In Tansania wird der Uranbergbau derzeit vorbereitet. Dort ist vor allem der russische Atomkonzern Rosatom am Start.

Rohstoffe und Konflikte – Uranabbau und die Folgen: „Namibias strahlende Zukunft?“

Uranmine bei Arlit im Niger. Foto: Davin Francois
Uranmine (bei Arlit im Niger). Foto: Davin Francois

„„Namibias strahlende Zukunft?“ Gesamtwirtschaftliche und soziale Implikationen des Uranabbaus in Erongo“. So lautet der Titel der 2013 verfassten und 142 Seiten starken Diplomarbeit von Randolf Damion Dorn (Uni Gießen, siehe auch hier als PDF direkt). Darin beleuchtet er nicht nur den Uranbergbau im Erongo-Gebiet, sondern widmet sich auch ausführlich der Geschichte des Uranbergbaus in Namibia – völkerrechtswidrig jahrzehntelang von der Apartheitsregierung in Südafrika betrieben.

„Historisch ist Namibias Uranabbau als Fluch zu betrachten. Südafrikas lange Besatzung galt hauptsächlich dem strategischen Rohstoff Uran, u.a. sind die Folgen der Apartheid auch heute noch deutlich spürbar“, heißt es in der Zusammenfassung. Und: „Die SWAPO änderte ihre negative Einstellung gegenüber dem Uranabbau nach der Machtergreifung 1990. Heutzutage wird der Uranabbau, v.a. seitens der Regierung als Segen betrachtet.“ (S. 122)

Dorn bestreitet zwar nicht, dass es heute verbunden mit dem Uranbergbau einen „kurzfristigen ökonomischen Wohlstand“ (für einige) und eine gewisse „infrastrukturelle Entwicklung der Eronog-Region“ gäbe. „Die soziale Kluft kann aber sehr wahrscheinlich weder durch soziale Programme, noch durch die wenigen Arbeitsplätze in den Uranminen deutlich verringert werden. Zusätzlich werden mit größtmöglicher Wahrscheinlichkeit dauerhaft nachhaltige Entwicklungsperspektiven des Landes massiv beeinträchtigt.“

Die komplette Arbeit kann hier als PDF herunter geladen werden: Dorn, Randolf Damion (2013) Namibias strahlende Zukunft? : Gesamtwirtschaftliche und soziale Implikationen des Uranabbaus in Erongo .

Uranbergbau: Weltweit Umwelt- und Gesundheitsrisiken und Konflikte. Hier ein Video über die Internationale Urankonferenz in Tansania, Anfang Oktober 2013.

Atomenergie und Konflikte um Rohstoffe: Uranbergbau in der Republik Namibia

hierklicken-umweltfaiaendern1Die Auseinandersetzungen um Rohstoffe werden weltweit schärfer. Das gilt auch für Uran. Mit viel Kapital und massiver staatlicher Hilfe sind mächtige Konzerne unterwegs, um Rohstoffe wie Uran unter ihre Kontrolle zu bringen. Die Länder, in denen der Uranbergbau betrieben wird, haben davon meist nichts. Schlimmer noch: Umwelt- und Gesundheitsrisiken nehmen massiv zu und die sozialen Konflikte werden verschärft. Mali, Niger, Tansania heißen die afrikanischen Staaten, in denen diese Konflikte Realtität sind. Dazu gehört auch Namibia.

Eine Masterarbeit von Kerstin Rother über das „Konfliktpotential Uranbergbau in der Republik Namibia“ ist im Juni 2012 im Fachbereich Physik der Universität Hamburg erschienen. Inhalt der Arbeit:Die Republik Namibia steht mit etwa 3258 Tonnen Uranoxid an fünfter Stelle der uranexportierenden Staaten und baut sein Exportpotential weiter aus. Dabei entstehen durch die Uranerzminen sowohl Umweltprobleme als auch Spannungen und Konflikte in der Bevölkerung. So werden ethnische Minderheiten, die rund um die Minen leben, oft in den Entscheidungen der Regierung übergangen. Diese Masterarbeit geht der Frage nach, ob und inwieweit sich der Uranbergbau in Namibia auf die Bevölkerung auswirkt und ob der Uranbergbau mit Konflikten in Zusammenhang steht. …mehr (PDF)“  !! Der PDF Link ist leider nicht mehr verfügbar, ersatzweise vielleicht hier weiter lesen (hier PDF, Wissenschaft und Frieden/De).

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