Uranbergbau – Landraub – Tansania: Mission EineWelt

Uranabbau - Landrechte: In Tansania gibt es Probleme. Foto: Dirk Seifert
Uranabbau – Landrechte: In Tansania gibt es Probleme. Foto: Dirk Seifert

In Tansania laufen die Vorbereitungen für die Inbetriebnahme einer ersten Uranmine. Trotz aller internationalen Warnungen über die schädlichen Auswirkungen für Menschen, Tiere und Umwelt setzt die Regierung in Tansania auf den Uranbergbau. Im Südosten des als Weltkulturerbe geschützten Nationalparks Selous Games Reserve soll nach dem Willen der Regierung die erste Uranmine des ostafrikanischen Landes in Betrieb gehen. Die Jagd nach Rohstoffen dreht sich in Tansania aber nicht nur um Uran.

Auch Gold, Diamanten, Kohle, Öl und andere Rohstoffe stehen auf der Liste internationaler Konzerne und Finanz-Spekulanten. Landraub ist daher ein massives Thema in Tansania, denn in den meisten Fällen haben die Einwohner der betroffenen Regionen keine Eigentumstitel und können von der Regierung vertrieben werden. Die Mission EineWelt von der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern befasst sich mit beiden Themen: Im September fand in Dar Es Salaam eine große Konferenz zum Thema Landraub statt. Als Ergebnis der Konferenz wurde eine Plattform unter dem Namen „Unser Land – unser Leben“ gegründet.

uranium-tansaniaAnfang Oktober fand in Dar Es Salaam auch eine Internationale Urankonferenz statt, auf der zahlreiche ExpertInnen und AktivistInnen über die Auswirkungen des Uranabbaus für Umwelt und Gesundheit informierten. Siehe hier: Tansania in Trouble 7 – Mkuju River Uranmine im Nationalpark verzögert sich und: Tansania in Trouble 5 – Internationale Uran-Konferenz Tansania – Regierung ignoriert Risiken

Aneth Lwakatare ist die Menschenrechts-Referentin der Mission EineWelt. Hier sind zwei Artikel von Frau Lwakatare zum Thema Uranabbau und Landraub in Tansania. Der erste Text zum Landraub stammt aus dem Februar 2012 (also vor der Konferenz) und gibt einen guten Überblick. Der zweite Text zum Uranabbau ist im Februar 2013 verfasst worden. Ich bedanke mich bei Frau Lwakatare für die Erlaubnis, die Texte auf umweltfairaendern.de veröffentlichen zu können:

Landraub: Ein unterschätztes aber ernstes Thema in Tansania

Tansania ist wie viele andere Länder vom Landraub betroffen. Durch Landreformen in den letzten 10 Jahren wurde die Verwaltungsstruktur dezentralisiert.

Es gibt für tansanische Staatsbürger zwei rechtliche Möglichkeiten Grundstücke zu besitzen. Entweder durch das „Erwerbsrecht“ oder durch das „Gewohnheitsrecht“. Meist besitzt die tansanische Bevölkerung auf dem Land keine „Besitztitel“ im westlichen Sinn, sondern ein traditionelles Nutzungsrecht. Für Ausländer (Einzelpersonen und Unternehmen)  ist der Grundstückserwerb nur möglich durch das „abgeleitete Besitzrecht.“ Dieses wird  vom staatlichen Tansanischen Investment Büro (TIC) vergeben und ist immer an rechtliche Konditionen gebunden. In den meisten Fällen wird den ausländischen Investoren zur Auflage gemacht ,,soziale Einrichtungen zu errichten und, für das wirtschaftliche Wachstum des Dorfes zu sorgen.

Problematisch ist: Während illegaler Landraub – also die Landnahme durch bewussten Einsatz von illegalen/illegitimen Mitteln -.rechtlich durch den „Village Land Act Cap. 14 R.E 2004“ sanktionierbar ist, fehlt es an einer effektiven Rechtsgrundlage für die betroffene Bevölkerung, sich gegen die legale Landvergabe durch das Tansanische Investment Büro (TIC) zu wehren.

Die Verteilung von Land an Investoren durch die TIC erfolgt nach einem simplen Muster:  An die Dorfbewohner ergeht meist ein staatlicher Enteignungsbescheid für ihr Land und ihnen wird eine Entschädigung zugesprochen. Folglich haben sie keinerlei Zugangs- oder Nutzungsrechte mehr über das Land und die Wälder, die sie vorher alltäglich nutzen konnten. Des Weiteren kann man sich auf die Auszahlung der versprochenen Entschädigung nicht verlassen.

Das heißt das „abgleitete Besitzrecht“ für ausländische Investoren ist nichts anderes als „legaler Landraub“- oder besser ausgedrückt „legalisierter Landraub“. Auf die Meinung der lokalen Bevölkerung wird im Regelfall nicht geachtet.

Vorteile aus neuen Arbeitsmöglichkeiten und durch Investitionen für lokale Einrichtungen wie Schulen und Krankenstationen, die den Leuten versprochen werden, können die Dorfbewohner in den seltensten Fällen ziehen: Das soziale Gewissen der ausländischen Unternehmer ist meist nicht sehr ausgeprägt.

Trotz vieler Beschwerden von seiten der Bevölkerung wird ein Verstoß der ausländischen Investoren gegen die an den Landerwerb gebundenen Auflagen vom Tansanischen Investment Büro kaum rechtlich saktioniert.

Das Problem liegt darin, dass ein Land mit schwachen Regierungsstrukturen wie Tansania solche Abmachungen nicht durchsetzen kann, weil es kaum sich gegenseitig kontrollierende Staatsgewalten gibt und/oder die reichen Eliten oft ein Interesse am Fortbestehen der Geschäftsbeziehungen mit ausländischen Unternehmern haben.

Das erworbene Land wird von den ausländischen Firmen meist zur Nahrungsmittelproduktion für den Export, Agrokraftstoffproduktion, Ressourcengewinnung oder den Tourismus genutzt.

Daraus ergibt sich ein weiteres Problem: Die Ernährungssicherheit der betroffenen Landbevölkerung wird gefährdet. Dort, wo früher Nahrungsmittel für den Eigenbedarf angebaut wurden, wachsen nun Produkte für den Export, Kleinbauern werden vertrieben und für die Bevölkerung, die in den Plantagen arbeitet, bleibt kaum etwas übrig.

Außerdem gibt es Beschwerden über zu lange Arbeitszeiten mit wenigen oder gar keinen Pausen; niedrige Löhne für Aushilfskräfte, hohe Arbeitsbelastung für Frauen, keine Arbeitsverträge etc. Die attraktiven Arbeitsplätze werden oft mit Firmeneignen Personal besetzt. Es gibt Berichte über Mitarbeiter die wegen der harten Arbeitsbedingungen verstorben sind. Durch Chemikalien wie Zyanid und Arsen, die im Bergbau verwendet werden, gibt es viele ernste Krankheitsfälle- darunter viele Krebsarten, einige Hautleiden und Fehlgeburten, sowie Missbildungen bei geborene Kinder.

Es ist eine große Enttäuschung, dass die Regierung all diese Beschwerden hört, aber trotzdem keine effektiven Maßnahmen ergreift. Damit wurde ein Teufelskreis in Gang gesetzt. Außerdem werden nicht nur viele Menschrechte durch Landraub verletzt, sondern auch die Umwelt massiv zerstört – Bäume werden abgeholzt, Flüsse trocknen aus. Regenzeiten werden kürzer – das Klima hat sich gewandelt. Über die Hälfte der Hauptinvestoren haben ihr Grundstück in Naturschutzgebieten, und dies trotz der strengen Umweltpolitik die Tansania hat.

Verschärfung von Landkonflikten ist eine der Folgen.

Bereits im Jahr 2004 warnte der tansanische Wissenschaftler und Intellektuelle Prof. Shiraz Shivji: „Im Augenblick sprechen wir stolz davon dass Tansanier Land besitzen, aber in 10 Jahren werden wir davon sprechen, dass Tansanier landlos sind.“ Nicht einmal 10 Jahre später sind bereits viele Tansanier landlos.

Verschiedene  NGOs und Institutionen (z.B. Human Right Center, HAKIARDHI, WWF, TNRF) versuchen auf diese Probleme aufmerksam zu machen und für die Landrechte der lokalen Bevölkerung zu kämpfen. So ist auch die Evangelische Lutherische Kirche in Tansania aktiv, hilft durch das Advokaten Büro und bietet Informationen und Bildung für die lokale Bevölkerung an. Jedoch gleicht es einem Kampf gegen Windmühlen.

Aneth Lwakatare, Referentin für Menschenrechtsfragen, Referat Entwicklung und Politik, Mission EineWelt.

 

Tansania: Bevölkerung vom Uranabbau bedroht, (Februar 2013)

Uranabbau im Wildschutzgebiet. Tansania will in den Uranabbau einsteigen. Foto: Dirk Seifert
Uranabbau im Wildschutzgebiet. Tansania will in den Uranabbau einsteigen. Foto: Dirk Seifert

Die Situation in Tansania ist alarmierend: Uranfirmen und Teile der politischen Führung setzen ihre Pläne zum Uranabbau Schritt für Schritt um. Betroffen sind insbesondere Zentraltansania (Dodoma, Bahi) und im Süden alle Dörfer nahe bei „Mkunju River“.

Die Bevölkerung ist entweder unzureichend informiert (Südtansania) oder leistet erbitterten Widerstand (Bahi). Potential und Durchsetzungskraft von Fachbehörden, die regulierend eingreifen sollten, sind begrenzt. Dies führt zu eklatanten Missverhältnissen zwischen gesetzlich vorgeschriebenen Verfahren, Plänen und Versprechen der Firmen auf der einen Seite und der Umsetzung in der Wirklichkeit auf der anderen Seite. Es besteht die Gefahr, dass die Uranprojekte durchgeführt werden, gegen den Willen der Bevölkerung und ohne dass Umwelt- und Sozialaspekte ausreichend berücksichtigt werden, während gleichzeitig nach außen ein anderes Bild vermittelt wird.

DSC02167Ermutigend ist allerdings, dass der zivilgesellschaftliche Widerstand wächst: vor allem in Zentraltansania, wo Organisationen wie Foundation for Environmental Management and Campaign against Poverty (FEMAPO) und Civil Education is the Solution to Poverty and Environmental Management (CESOPE) vorbildliche Aufklärungsarbeit leisten. Organisationen im südlichen Bereich Tansanias werden ebenfalls aktiv und auch große Organisationen wie das Legal Human Rights Center agieren auf nationaler Ebene. Die Medien greifen das Thema Uranbergbau vermehrt kritisch auf und bringen es in die
Schlagzeilen.

Bei der Beurteilung von Projekten des Uranbergbaus werden häufig die wirtschaftlichen Vorteile sowie die Steuer- und Pachteinnahmen für den Staat als Vorteile hervorgehoben. Jedoch zieht der Uranbergbau aufgrund der physikalischen, chemischen und geologischen Gegebenheit sowie der allgemeinen Umweltbedingungen langfristige und teilweise schwerwiegende Folgen nach sich.

Die Auseinandersetzungen um die Pläne zum Uranbergbau in Tansania werden sich im Lauf des kommenden Jahres verschärfen. Während Firmen und Regierung ihre Pläne um jeden Preis durchsetzen wollen, formiert sich auch der zivilgesellschaftliche Widerstand. Wichtig ist die laufende Aufklärungsarbeit zu unterstützen. Notwendig ist auch eine Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit in Deutschland und weltweit.

Weitere Informationen unter www.uranium-network.org

Aneth Lwakatare, Referentin für Menschenrechtsfragen, Referat Entwicklung und Politik, Mission EineWelt

 

 

Dreckiger Uranabbau: Immer mehr Länder wollen mitmischen

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Uran muss in der Erde bleiben. Das fordern viele von Uranbergbau Betroffene und die Anti-Atom-Bewegung. Foto: Dirk Seifert

Kasachstan, Canada, Australien, Niger, Namibia, Russland. Das sind derzeit die führenden Länder in Sachen Uranbergbau. In diesen Ländern wird derzeit mit erheblichen Umweltschäden und vielen Menschenrechtsverletzungen der Brennstoff für den Betrieb von Atom-Kraftwerken oder auch -Waffen aus der Erde geholt. Eine detaillierte Übersicht über den Beginn der Atomspirale, die zum weltweit ungelösten Problem der dauerhaften Atommülllagerung führt, ist auf der Seite World Uranium Mining zu finden. Dort sind die Fördermengen für das Jahr 2012 veröffentlicht.

Unternehmen aus Canada, Australien, aber auch Frankreich (AREVA) und Russland (ROSATOM) dominieren das internationale Geschäft mit dem Uran. Siehe auch: Russlands Atomgigant ROSATOM – Von der Uranmine über Reaktoren bis zur Atombombe

In Deutschland wird dieses Uran in zwei Fabriken verarbeitet: In Gronau wird das Uran angereichert, damit es als Brennstoff für Atomkraftwerke weiter verarbeitet werden kann. Das Unternehmen dazu heißt URENCO. Die Anreicherung ist besonders brisant, weil mit der Zentrifugen-Technik grundsätzlich auch atomwaffenfähiges Uran hergestellt werden könnte. Außerdem werden in Lingen von der AREVA aus angereichertem Uran Brennstäbe hergestellt, die in aller Welt zum Einsatz kommen.

Viele weitere Länder wollen in den nächsten Jahren trotz enormer Gesundheits- und Umweltprobleme mit dem Uranbergbau beginnen. Eben erst hat Grönland verkündet (siehe Spiegel), künftig Uranbergbau auf seinem Territorium zu genehmigen. Auch afrikanische Staaten wie Tansania und Mali wollen künftig Uranbergbau betreiben. In Mali und insbesondere im benachbarten Niger ist der Uranabbau entweder eine der Ursachen oder aber zumindest Hintergrund auch für massive bewaffnete Konflikte.  Siehe auch Kampf um Rohstoffe: Uranabbau im Niger – Französische Geiseln des Atomkonzerns AREVA sind frei

Tansania in Trouble 7 – Mkuju River Uranmine im Nationalpark verzögert sich

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Uranabbau in einem der größten Nationalparks Afrikas, dem Selous Game Reserve. Eine Bedrohung für Menschen, Tiere und Umwelt. Foto: Dirk Seifert, Giraffen im Mikumi-Nationalpark im Norden des Selous Game Reserve.

Uranabbau in Tansania: Bereits vor zwei Jahren sorgte der geplante Uranabbau in Tansanias Süden für einen Skandal. Weltweit gab es Proteste. Allein in Deutschland unterschrieben über 20.000 Menschen eine Protest-Erklärung: Denn die geplante Uranmine liegt im Südosten des als Weltkulturerbe geschützten Nationalparks Selous Games Reserve. Dort hatte die australische Firma MANTRA Uranerz gefunden und den Abbau beantragt.

Der Nationalpark gehört zu den größten Schutzgebieten Afrikas und zählt wegen seines Artenreichtums zu den wichtigsten Schutzzonen. MANTRA ist für das kanadisch-russische Unternehmen Uranium One tätig, das wiederum unter Kontrolle des russischen Staatskonzerns Rosatom steht. Nach Informationen des Uranium-Networks wird sich die Inbetriebnahme der ersten Uranmine in Tansania jedoch aufgrund bestehender Probleme weiter verzögern.

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Firmenwagen von MANTRA in Songea. Foto: Dirk Seifert

Nach den Uranfunden im Nationalpark stellt die Regierung von Tansania bei der UNESCO eine Ausnahmegenehmigung für den Uranabbau im geschützten Nationalpark. Das Gebiet um die Uranmine sollte von dem Gebiet ausgenommen werden, ohne dass der Titel „Weltkulturerbe“ gestrichen würde. Nach einer von der UNESCO geforderten Umweltverträglichkeitsstudie und unter der Führung Russlands – deren Konzern Rosatom wie erwähnt ein starkes Interesse an dem Urangebiet hat – gab es 2012 trotz massiver internationaler Proteste die Zustimmung. Wenig später erhielt MANTRA von der tansanischen Regierung die Genehmigung für den Betrieb der Uranmine und für die Produktion von Yellow Cake. Doch noch verzögert sich die Inbetriebnahme.

Tansania (Link zu einer Landkarte) hat bislang keinerlei Erfahrungen im Umgang mit radioaktiven Materialien, verspricht sich aber vom Uranabbau Impulse für die wirtschaftliche Entwicklung. In nur wenigen Jahren hat Tansania daher ein entsprechendes System von Behörden und Rechtsvorschriften erlassen, eine Atomkommission etabliert und damit zumindest auf dem Papier die Voraussetzungen für den Uranabbau geschaffen. Neben dem Mkuju River Project wird in anderen Regionen Tansanias derzeit der mögliche Uranabbau erkundet (hier ein bebildeter Reisebericht im Rahmen der Internationalen Urankonferenz Anfang Oktober 2013: Bahi/Dodoma)

Während einer Internationalen Urankonferenz Anfang Oktober 2013 in Dar Es Salaam / Tansania berichteten sowohl der Gesundheitsminister als auch ein Vertreter des nationalen Umweltamts über die gesundheitlichen Vorkehrungen zum Schutz der Menschen vor den Folgen des Uranabbaus. Das war nicht sonderlich überzeugend. In einem Bericht des Ostafrika-Büros der Rosa Luxemburg Stifung – Mitveranstalter der Konferenz – heißt es dazu: „Der tansanische Gesundheitsminister, der die Konferenz offiziell eröffnete, betonte, dass der tansanischen Regierung die Probleme durchaus bekannt seien. Sie habe Vorkehrungen getroffen, um die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen. Erhebliche Zweifel schürte dagegen der Vertreter des nationalen Umweltamtes. Er musste zugeben, dass die tansanische Regierung bisher weder technisch, noch finanziell oder personell in der Lage sei, die von ihr erlassenen Auflagen beim Uranabbau zu kontrollieren. Vielmehr müsse man sich in erster Linie auf die Berichterstattung und die Selbstkontrolle der Bergbauunternehmen verlassen.“

Wann genau der Uranabbau in der Mkuju-River-Mine starten wird, bleibt bislang unklar. Mehrfach ist die Inbetriebnahme verschoben worden und nach Informationen von Günter Wippel vom Uranium-Network soll MANTRA derzeit von einem Beginn in 2016 sprechen.

Mehr Informationen in einer Übersicht über das Mkuju-Projekt vom Uranium-Network hier als PDF.

Hintergrund dafür dürften die derzeit sehr niedrigen Uranpreise sein, die einen wirtschaftlichen Betrieb für Mkuju-River nicht ermöglichen. Allerdings gibt es auch andere Probleme, z.B. ist die Frage zwischen der Regierung und MANTRA umstritten, auf welchem Weg das Yellow Cake aus Tansania heraus transportiert werden soll. Während MANTRA das radioaktive Material nach Namibia auf dem Landweg transportieren und dort verschiffen will, fordert die tansanische Regierung den Export über den am Indischen Ozean gelegenen Hafen in Mtwara. Hier sollen in Zukunft auch Gas und Öl umgeschlagen werden.

Allerdings: Bis heute besteht ein über 200 Kilometer langer Abschnitt der Strecke aus einer für Schwertransporte kaum passierbaren Sandpiste. In der Regenzeit ginge hier derzeit gar nichts. Diese Strecke soll zwar ausgebaut werden, was vermutlich bis zu zwei Jahre dauern dürfte. Aber derzeit ist der Ausbau der Strecke gestoppt, weil es mit der Baufirma offenbar Vertrags- oder Finanzierungsprobleme gibt.

Tansania in Trouble 6 – Nach dem Uranabbau: Urananreicherung und die URENCO

DarEsSalaam-Tanzania-Urankonferenz-Foto-DirkSeifert0017Eine Vielzahl von Experten und AktivistInnen waren in der Woche vom 1. bis zum 7. Oktober in der Region Bahi/Dodoma (dort wird Uran exploriert, siehe hier den Bericht vom Fieldtrip der Konferenz) und in Dar Es Salaam, Tansania, zusammen gekommen, um über den Uranabbau und die damit verbundenen Risiken für die Gesundheit und die Umwelt zu diskutieren (hier zum Bericht und der Abschlusserklärung). Viele der TeilnehmerInnen der Internationalen Konferenz sind entweder selbst vom Uranabbau betroffen oder kamen aus Gebieten, in dener derzeit der Uranabbbau erkundet wird. Beteiligt waren auch WissenschaftlerInnen, MedizinerInnen ebenso wie GeologInnen und andere Fachbereiche, die über die Erfahrungen und Forschungen im Umgang mit dem Uranabbau aus den unterschiedlichen Ressorts berichteten. Die Beiträge werden demnächst auf dieser Seite veröffentlicht. Hier die Artikel zu Uranabbau und Tansania in der Übersicht.

Die Uranpreise sind im Moment auf einem Tiefstand, so dass viele der Uranprojekte derzeit quasi geparkt sind, weil sich der Abbau angesichts der Weltmarktpreise zur Zeit nicht lohnt. Erheblichen Einfluss auf den Fortgang der Uranwirtschaft wird auch die internationale Entwicklung der Atomenergienutzung haben. Der letzte Welt-Statusbericht über die Atomenergie (2013) kommt zu dem Ergebnis, dass trotz zahlreicher Ankündigungen von AKW-Neubauten die Atomenergie insgesamt an Bedeutung verlieren wird, weil immer mehr ältere Reaktoren abgeschaltet werden und weniger neue hinzugebaut werden.

In Deutschland soll der Ausstieg aus der atomaren Stromproduktion 2022 mit der Stilllegung der dann letzten drei von jetzt neun Reaktoren abgeschlossen werden.

robinwood_uranfabrig_gronauAllerdings: Die Bedeutung Deutschlands im internationalen Urangeschäft wird auch nach 2022 groß bleiben. Der Grund dafür ist, dass die in Deutschland in Betrieb befindlichen Uranfabriken in Gronau (Anreicherung) und in Lingen (Brennelemente-Herstellung) vom Ausstieg nicht betroffen sind. Die Anlagen haben eine unbefristete Betriebsgehnehmigung und sind daher vom Atomausstieg in keiner Weise betroffen. Diese Uranfabriken werden auch in Zukunft im internationalen Uranhandel eine große Bedeutung für die Versorgung von Atomkraften mit Uranbrennstoff haben. Nicht nur Uran aus Kanada, Australien, Kasachstan oder aus dem Niger werden in Deutschland verarbeitet. Künftig könnte auch Uran aus Gebieten in die deutschen Anlagen kommen, wo der Abbau aktuell noch gar nicht begonnen hat. Mehr dazu hier auf umweltfairaendern.de (Suchwort Gronau, URENCO) und bei Robin Wood.

AnneStolmar_MG_3363Auf der Konferenz in Dar Es Salaam konnte ich über den zweiten bedeutsamen Schritt in der Uranspirale einen Vortrag halten. Der nimmt die Urananreicherung bei URENCO in den Blick, dem derzeit zum Verkauf anstehenden deutsch-englisch-nierderländischen Konzern. In Deutschland betreibt die URENCO eine Anreicherungsanlage für Uran im westfälischen Gronau.

Hier der Vortrag in schriftlicher Form und in englisch:

After Mining – The next Step – The Enrichment of Uranium – Example: URENCO COMPANY – Dirk Seifert, Robin Wood – Germany, Dar Es Salaam, 05.10.2013

⦁    Its a long way from Uranium-Minung to use in Nuclear Power Plants – or Weapons. It is no cycle, it a SPIRAL! At the End there will be nuclear Waste, that have to be storaged for one Million Years (IAEO). No Country in the World has solved the Problems on the waste – no matter if lowradioaktive or highactive waste.

⦁    The Way of the Uranium: Mining (Transportation) – Yellow Cake – (Transportation) – Uranhexafluroid  – (Transportation) – Urandioxid – (Transportation) – Producing Fuel Elements (Assembly) – Transport – Chain-Reaktion in NPP – Transport –  Storage for the waste.

⦁    After Mining: Uranium (Yellow Cake) will be transformed to UF6 – Uranhexafluorid (p.E. in France, AREVA). Its a Gas, highly explosive in contact with water (even Water in the Air), poisinous, because Fluor is an accid. To use Uranium für Nuclear-Power-Plants (NPP) – or Uranium-Weapons, the U235 has to be enriched. For use in NPP you have to enrich Natural-Uran235 from roundabout 0,7 % up to roundabout 5 %.

Different Ways to do the Enrichment

1.    Diffussion
2.    Gas-Centrifuge (URENCO)
3.    Maybe in next Future: Laser
International „State of the Art“ is the technic of Enrichment with Gas-Zentrifuges.

⦁    From a technical view: The Technic of the Gas-Zentrifuge is able to enrich Uranium-235 up to 5 % – or to more than 80 %. Thats the reason, because the World is talking on the Gas-Zentrifuges oft he IRAN. You can use it for NPP or for Weapons.

Maybe someone told you: Germany is finishing the Nuclear Power until 2022. After Fukushima 8 Reactor were shut down. The last 9 Reactors will be closed step by step. In 2021 and 2022 the last 6 ones will be shotdown. But: With no Limits, Germany will is going on to produce Nuclear-Fuel for all the Reactors in the world.

There are still two very important Factorys for the Nuclear-Industry in the world and they have no Limitation for Producing Fuel in all the Future:

⦁    One Factory belongs to the french Company AREVA. You all will know this Company for Mining also. In Germany AREVA produces Nuclear Fuel – Elements in a town called Lingen.

⦁    The Enrichment of Uranium will be done in Gronau, Germany, near to the Boarder to the Netherlands. This Factory produces 4.500 Tons of enriched Uranium. Every tenth NPP in the World uses Uranium „Made in Gronau, Germany“.

⦁    The Enrichment-Facility in Gronau belongs to the international Company called URENCO. (URanium-ENrichment-COmpany), founded in the 70ths and owned by the britisch Goverment, the Goverment of the Netherlands and the German Electricity Companys E.on an RWE. URENCO has Facilitys in Germany, the Netherlands, Great Britain and in the USA.

⦁    The URENCO produces one/third of the Worlds Uranium Enrichment. And is willing to grow. In 2011 the Company had a sale of  1,302 Billion € netto and a profit of 359 Mio. €.

⦁    URENCO has Production on enriched Uranium and the Research and Development of the Enrichment-Technic and Building those Factorys. Since 2007 the Research, Devolpment and Buidling, done by a Daugther called Enrichment Techology Company (ETC) is shared 50/50 between URENCO (D, NL, GB) and AREVA (F).

⦁    Actually: All actually Owners will sell the URENCO. Some Experts talk about, that the Company has a worth between 8 to 10 Billion Euros. As far a we know: Cameco, Canada, AREVA, France and Rosatom, Russia are interested to buy the URENCO.

Enrichment: The Technic for NPP and for Uran-Weappons

There are two Ways for Building Nuclear Weapons. Reprocessing/Separate Plutonium out of Fuel-Elementes – or Enrichment of Uran235 over 80 % in Gas-Centrifuges. So every Country, who has one of these Technics is able, to built Weapons.

Germany (and the Netherlands) are no States owning such Weapons. But: They are able to do that. So: The URENCO is under control of the IAEO/Euratom, that no uranium will be produced with over 6 % Uranium235.

But there is another military Desaster: While upgrading natural Uranium there will be downgraded Uranium also. Even if URENCO-downgraded Uranium will not be used for that at this time: Downgraded Urannium will be used for Armour-Piercing Weapons, against Tanks and Bunkers. This kind of Uran-Weapons have been used in several Wars, in Afghanistan, in Irak. About the longterm Problems for People and Enviroment, where these Weapons are used, the IPPNW can tell u a lot more.

Uranium from all over the World will be used in Gronau and by URENCO.
The Uranium, that is used for enrichment is coming from all over the world. From Canada, Australia, Kasachstan – and from France.

You know: France has no mining of Uranium in ist own country, but France is Mining in a lot of Countrys. If we ask the German Goverment, if there is Uranium from Niger to be used in Gronau, they tell us: The Uranium is coming from France. But we know: There is Uranium coming from Niger to France and will go to Germany to be enriched in Gronau.
Acting against Nuklear Company for to stop the Minung.

ROBIN WOOD is a NGO for Action. We do a Campaign for 2 Years now, to inform people and to bring politicians to stop URENCO.  Our Activists stopped Trains with Uranium coming to or leaving Gronau, so Media will have a closer look a our goals.

One of our important arguments for to close the nuclear energy are the Danger and Trouble on Uranium-Mining.  That is the reason, because I am here, to get more Information on that from all of you. We inform the people in Germany on what will happen and we are trying to stop the Nuclear-Industry.

Trouble in Tansania 4 – Regierung setzt auf Uranabbau und warnt vor falschen Argumenten

uranium-tansaniaDie Regierung in Tanzania reagiert auf die in Dar Es Salaam stattfindende internationale Konferenz zum Uranabbau. Dort haben sich Fachleute aus nahezu allen Uranabbau-Ländern der Welt zu einer Konferenz zusammengefunden, um den Einstieg Tansanias in die Uranwirtschaft zu verhindern. Im Guardian Tanzania erläutert das Ministerium für Umwelt und Rohstoffe seine Politik für den Uranabbau und kündigt die baldige Eröffnung der ersten Uranmine des ostafrikanischen Staates an.

Alle Informationen zur Urankonferenz und dem Uranabbau in Tansania auf dieser Seite.

Der Guardian berichtet: „The ministry of Energy and Minerals has said that when the extraction of uranium at Mkuju River project starts it will contribute about USD 603 million to the country’s revenues and employ more than 690 Tanzanians.“

Das Uran-Projekt Mkuju-River ist besonders umstritten, weil es im südlichen Tansania am Rande eines Nationalparks liegt, der als Weltkulturerbe der UNO anerkannt ist. Um dort den Uranabbau zu ermöglichen hatte die Regierung von Tansania vor der UN beantragt, diesen Teil des Parks vom Kulturerbe auszuschließen. Das ist 2012 schließlich von der UNO akzeptiert worden. Unmittelbar danach hat die Regierung die Erlaubnis zur Vorbereitung des Uranabbaus erteilt. Dieser Ausbau findet derzeit statt, eine Inbetriebnahme der Mine wird in den nächsten Monaten erwartet.  Zu Forschungszwecken sind bereits 175 Tonnen Urangestein gefördert worden.

Weiter heißt es in der Zeitung: „The ministry’s Acting Commissioner for minerals, Ally Samaje said the extraction which is expected to begin soon has a life span of 12 years hence exploration should continue so as to find other uranium mines with longer life span.“

Der Uranbergbau in Tansania sei demnach nicht nur ein Nutzen für die Regierung und die Gesellschaft. Sie schaffe Arbeitsplätze. Sorgen der Bevölkerung, dass Radioaktivität und verseuchtes Wasser Folge des Uranabbau sein könnten, die die Landwirtschaft verhindern und Erkrankungen fördern könnten, wies der Sprecher zurück.  „Samaje however allayed the public’s fear towards uranium extraction following incorrect information which has been spread amongst the people claiming that the extraction would pose health problems to the people including liver cancer, DNA change and decomposed new born babies.“

Das richtet sich nicht nur gegen die internationalen Fachleute, die auf der Konferenz in Tansania vor den Gefahren des Uranabbaus warnen und vor wenigen Tagen in einem weiteren Uran-Gebiet – in der Region Bahi bei Dodoma – auf einer großen Veranstaltung die besorgte Bevölkerung mit vielen Fachbeiträgen informierten. Damit kritisiert das Ministerium auch die Anti-Uranabbau-AktivistInnen, z.B. der Organisation CESOPE, die an der Organisation und Durchführung der internationalen Konferenz beteiligt war.

Der Sprecher spielt die Risiken herunter, indem er auf die Gesetze und Vorschriften für den Uranabbau verweist und davon spricht, dass in Mkuju-River „lediglich“ der Abbau betrieben werde, alle anderen Schritte, die Risiken bergen könnten, aber im Ausland erfolgen würden.

Mkuju-River ist derzeit die einzige Uranmine, die in Betrieb geht. Aber in weiteren Regionen sind Uranvorkommen gefunden worden und werden derzeit untersucht, ob sie unter wirtschaftlichen Bedingungen für einen Abbau in Frage kommen. Der Guardian schreibt: „In recent years, researchers found uranium mines in various areas in the country including Mkuju River, Madaba, Bahi, Gallapo, Uluguru hills and Itigi. However, the Mkuju River is the only place where the uranium can be extracted for trade purposes.“

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