Dossier: Kampf um Rohstoffe – Der Uranabbau, der Niger und die AREVA

Uranmine bei Arlit im Niger. AREVA beutet aus... Foto: Davin Francois
Uranmine bei Arlit im Niger. AREVA beutet aus… Foto: David Francois/Wikipedia

Seit rund 40 Jahren wird im Niger durch den französischen Atomkonzern AREVA Uranerz abgebaut. Mit schweren Schäden für Umwelt und Gesundheit der Menschen. Seit Jahren wachsen die Proteste über den Uranabbau für Frankreich in dem armen Wüstenstaat an. Auch bewaffnete Auseinandersetzungen, Terroranschläge und Geiselnahmen kennzeichnen die Konflikte.

Im Nachbarstaat Mali setzte Frankreich Anfang des Jahres Truppen ein, Spezialkräfte der Armee besetzen auch die Uranminen im Niger, um diese vor Angriffen zu schützen. Dennoch kam es zu einem Terroranschlag mit vielen Toten und Verletzten. Immer häufiger ist die Rede davon, dass Frankreich als ehemalige Kolonialmacht in der Region seine Rohstoff- und Wirtschaftsinteressen schützen will.

Derzeit versucht die Regierung im Niger, bessere Abbaubedingungen gegen AREVA durchzusetzen. Zuletzt demonstrierten über 5.000 Menschen in dem dünn besiedelten Land in der Sahelzone.

Auch in Deutschland wird möglicherweise Uran aus dem Niger eingesetzt. Laut Bundesregierung beziehen deutsche Atomanlagen Uran aus Frankreich von AREVA. Z.B. in der Uranfabrik in Gronau könnte dieses Uran zu Brennstoff für Atommeiler in aller Welt weiter verarbeitet werden. (Alle Infos zu Uran und URENCO siehe hier: http://umweltfairaendern.de/?s=uran+urenco).

Internationale Organisationen versuchen, den Menschen im Niger zu helfen. Aktuell mit einer Kampagne gegen AREVA, die dem Niger bessere Abbaukonditionen und mehr Schutz für Umwelt und Menschen ermöglichen sollen. Das alles – und noch viel mehr – ist auf umweltFAIRaendern.de nachzulesen:

Der Kampf um Uran und Rohstoffe im Niger

 

Uranbergbau: Petition „Areva – Stoppt den Druck auf den Niger“

areva-01SwissAid und Avaaz betreiben aktuell eine Online-Petition gegen den französischen Atomkonzern AREVA, der im Niger Uranabbau betreibt und für schwere Umwelt- und Gesundheitsschäden verantwortlich ist. Mit der Aktion wollen die Organisatoren erreichen, dass die derzeit zwischen AREVA und dem Staat Niger bestehenden Verträge zugunsten des Wüstenstaats verbessert werden und mehr von den Gewinnen im Land bleiben. Die Petition ist in französischer Sprache verfasst. SwissAid informiert hier über die Aktion.

Uran, Gold, Öl – Rohstoffreich und bitterarm: Konferenz zum Abbau der Bodenschätze im Niger

Uranabbau? Besser in der Erde lassen. Foto: Dirk Seifert
Uranabbau? Besser in der Erde lassen. Foto: Dirk Seifert

Der Niger gehört zu den wichtigsten Uranlieferanten der Welt, vor allem für Frankreich. Seit über 40 Jahren beutet der französische Staatskonzern AREVA die Uranminen im Norden des Nigers bei Arlit aus und versorgt damit einen großen Teil der heimischen Atomkraftwerke und andere Staaten. Die Umwelt- und Gesundheitsschäden rund um Arlit sind enorm. Große Wassermengen werden in dem Wüstenstaat in der Sahelzone durch den Abbau kontaminiert und vergiftet.

Siehe dazu ausführlich auch hier: Uranlieferant Niger – Hunger und Krieg.

Für Frankreichs Wirtschaft und für AREVA ist das Urangeschäft ein großes Geschäft. Doch nur wenig von diesen Gewinnen bleibt im Niger. Daher versucht die Regierung des Nigers in Verhandlungen mit der AREVA zu erreichen, dass die alten Verträge erneuert werden, ein größerer Teil der Gewinne für die Entwicklung im Land verbleibt und mehr für die sozialen, gesundheitlichen und Umwelt-Bedingungen von AREVA geleistet wird. Forderungen, die der AREVA nicht gefallen.

Konferenz über Rohstoffe, Transparenz und bessere Bedingungen im Niger

Vom 17. bis 19. September 2013 hat nun die Organisation SWISSAID in Zusammenarbeit mit der Partnerorganisation GREN („Groupe de réflexion et d’action sur les industries extractives au Niger“) in der nigrischen Hauptstadt Niamey eine Konferenz durchgeführt, auf der über die sozialen und ökologischen Auswirkungen des Rohstoff-Abbaus von Vertretern aus allen Landesteilen berichtet wurde. Von zentraler Bedeutung – so die Ankündigung auf der Homepage von SwissAid – sollte „die rechtliche Frage sein, wie bestehende Abbauverträge – häufig mit international tätigen Konzernen – so nachverhandelt werden können, dass das Land tatsächlich von den Bodenschätzen profitiert. Denn eine gerechtere Verteilung und transparente Verwaltung der Einnahmen aus dem Geschäft mit den Reichtümern im Boden ist überfällig – noch immer lebt die grosse Mehrheit der Bevölkerung im Niger in tiefer Armut.“

Ergebnisse der Konferenz sind bei SwissAid bis heute leider nicht veröffentlicht.

Uranbergbau: Besser komplett beenden

Doch nicht nur die Forderung nach besseren Konditionen für den Niger ist eine, die im Zusammenhang mit dem Uranabbbau derzeit auf der politischen Agenda steht. Für viele Akteure im Niger ist klar, dass der Uranabbau grundsätzlich gestoppt werden muss. Denn auch unter deutlich verbesserten Bedingungen sind die Schäden, die der Uranabbau verursacht, nicht in den Griff zu bekommen. Der enorm hohe Wasserverbrauch der Minen und die damit verbundenen Belastungen mit Radioaktivitität und Chemikalien sind in dem Wüstenstaat katastrophal und vergrößern die Probleme noch mehr. Die Radon-Belastungen für die Arbeiter in den Minen, der radioaktive Staub aus den Abraumhalden, der mit dem Wind verbreitet wird – all das ist nicht unter Kontrolle zu bringen und führt zu Umwelt- und Gesundheitsschäden.

Selbst Industriestaaten wie Deutschland kommen mit den Folgen des Uranabbaus bis heute nicht wirklich zurecht: Uranbergbau mit Todesfolge: Fast 10.000 Lungenkrebstote durch deutschen Uranbergbau bei der Wismut AG

 

Gerechtere Bedingungen beim Uranbergbau im Niger? AREVA „droht“ mit Abzug

uranwirtschaft-abschalten-robinwood
Uranverarbeitung in Deutschland, z.B. bei der URENCO in Gronau. Vermutlich auch hier wird Uran aus dem Niger verarbeitet: Das Uran muss in der Erde bleiben.

Uranbergbau: Derzeit verhandelt das bitterarme Niger mit dem französischen Atomgiganten AREVA über eine Neugestaltung der Verträge, auf deren Basis der Konzern den Uranbergbau rund um die Wüstenstadt Arlit im Norden des Landes betreibt. Anfang Oktober hat der nigrische Präsident Mahmadou Issoufou bekannt gegeben, alle Verträge mit Areva würden bis Ende des Jahres überprüft. Das Land will mehr von den Gewinnen abbekommen, die AREVA mit dem für Frankreich so wichtigen Uran verdient und den Konzern dazu bewegen, mehr für die sozialen und Umweltbedingungen rund um die Uranminen zu tun.

Bislang scheint AREVA nicht sonderlich bereit, auf die Forderungen des Niger einzugehen. „Areva hängt zwar stark von Uran aus dem Niger ab, der 2012 hinter Kasachstan sein zweitwichtigster Lieferant war. Trotzdem hat Areva-Präsident Luc Oursel angekündigt, er werde den Betrieb in einer der Minen im Niger einstellen. Und vor einigen Tagen unterzeichnete er ein Abkommen zur Ausbeutung von Uran in der Mongolei. Areva will der Regierung Nigers damit zu verstehen geben, dass der Konzern auf andere Länder ausweichen könnte, wenn diese einen höheren Uranpreis fordert.“ Das berichtet SwissAid im November auf ihrer Homepage.

Für die französischen Atomkraftwerke ist derzeit der Niger noch eines der wichtigsten Versorgungsländer für Frankreich. Planungen für die Inbetriebnahme einer weiteren nigrischen Uranmine sind nach dem Kriegseinsatz Anfang des Jahres in Mali und der Zuspitzung der Konflikte auch im Niger vorerst auf Eis gelegt. Im Sommer kam es zu einem schweren Terroranschlag rund um Arlit mit zahlreichen Toten und Verletzten. Außerdem gab es wohl schwere Schäden an wichtigen Minen-Baugeräten.

Der Uranabbau ist schwer umstritten. Einerseits weil die Umwelt- und Gesundheitsschäden massiv sind. Außerdem wird für den Uranabbau in einer der trockensten Regionen der Welt (Sahelzone) enorm viel Wasser verbraucht und mit Radioaktivität und Chemikalien vergiftet. Andererseits bleibt von den Gewinnen, die AREVA mit dem Uranabbau macht, nur wenig im Ursprungsland. Zuletzt haben im Oktober 5.000 Menschen gegen AREVA in Arlit demonstriert.

Weitere Informationen über gerechtere Bedingungen für den Uranbergbau siehe auch hier (englisch/französisch).

Uranbergbau: Internationale Konferenz 2014 in Freiberg/Sachsen

Uranabbau? Besser in der Erde lassen. Foto: Dirk Seifert
Uranabbau? Besser in der Erde lassen. Foto: Dirk Seifert

Weltweit wird von Unternehmen und Investoren die Suche nach Uranvorkommen vorangetrieben. Immer mehr Länder drängen, sich an dem umwelt- und gesundheitsgefährdenden Uranabbau zu beteiligen. Und immer öfter gibt es massive Proteste. Tansania, die Mongolei und Grönland sind im Focus der Konzerne. Da will die Wissenschaft nicht abseits stehen. Im September 2014 wird in Freiberg die internationale Konferenz „Uranium Mining and Hydrogeology“ stattfinden. Durchgeführt wird die Konferenz zum inzwischen siebten Mal von der Technischen Universität – Bergakademie Freiberg. Freiberg liegt zwischen Chemnitz und Dresden. Erste Informationen über die geplante Konferenz sind auch hier zu finden (PDF).

Informationen gibt es auch auf dem Uranium Network. Artikel über Uranabbau auf umweltFAIRaendern.de:

×