Kein Neustart: Zwischenbilanz zur Sicherheit der Atomkraftwerke in Niedersachsen: Grüner Minister im Fachgespräch

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Grüner Umweltminister Wenzel, Niedersachsen: Zwischenbilanz zur Sicherheit laufender Atomkraftwerke. Kritisches Fachgespräch in Hannover.

Zu einem Fachgespräch über den Status der Sicherheitsüberpüfungen der laufenden Atomkraftwerke in Nieder­sachsen hat heute der nieder­sächsische Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) geladen. Außerdem stand der Einsatz von plutoniumhaltigen MOX-Brennelementen und die damit verbundenen Risiken auf der Tages­­ordnung. Eines ist nach der Veran­staltung klar: Einen Neustart in der Überwachung und bei den Sicher­­heits­­anforder­un­gen gibt es auch im rot-grünen Niedersachsen nicht. Klare Aussagen, wo das Umweltministerium höhere Anforderungen stellt? Fehlanzeige.

Neben Vertretern aus der niedersächischen Atomaufsicht, dem Bundes­umwelt­ministerium und vom AKW-Betreiber E.on war auch Oda Becker, wissenschaftliche Beraterin für Sicherheitsfragen in Atomanlagen, als Referentin geladen. Zum Thema MOX waren außerdem ein Vertreter von RWE sowie vom Öko-Institut Darmstadt vertreten (die Einladung und Themen hier als PDF beim NMU).

Auf der Homepage des NMU heißt es zu der Veranstaltung: „Nach der Katastrophe von Fukushima (März 2011) und dem danach beschlossenen Atomausstieg wurde erneut der Ruf nach Prüfung der Sicherheit der hiesigen Atomkraftwerke laut; dabei ging es sowohl um den Betrieb, als auch um die Abläufe bei einem Störfall und bei der Lagerung. Im Koalitionsvertrag der rotgrünen Landesregierung vom Januar 2013 wurde die Überprüfung aller niedersächsischen Atomanlagen festgelegt.“ Mit dem Fachgespräch will Wenzel „eine Zwischenbilanz zur Nachrüstung noch laufender Atomkraftwerke seit dem März 2011 ziehen. Dabei soll auch der Einsatz von so genannten MOX-Brennelementen bewertet werden. Die Vorentscheidungen für den MOX-Einsatz sind bereits in den 80er Jahren gefallen und wurden Anfang des letzten Jahrzehnts neu bewertet.“

Oda Becker, die in Fragen von Atomsicherheit maßgeblich auch die Klage gegen das Castor-Lager in Brunsbüttel fachlich untermauert hat, konzentrierte sich in ihrem Vortrag vor allem auf das AKW Grohnde. (Siehe dazu: Atommülllager AKW Brunsbüttel – Gutachten zeigt massive Sicherheitsmängel. In Niedersachsen ist außerdem noch das AKW Lingen/Emsland im Betrieb.)

Z.B. beim Erdbebenschutz konnte sie darlegen, dass Grohnde den internationalen Anforderungen bis heute nicht gerecht wird. Der Vortrag von Oda Becker steht hier zum download bereit (PDF). Sowohl was gezielte Flugzeugabstürze schwerer Passagier-Maschinen angeht, als auch in weiteren wichtigen Sicherheitsaspekten würden gravierende Mängel bestehen. Weitergehende Informationen zu den Sicherheitsmängeln des AKW Grohnde siehe hier: AKW Grohnde – Handlungsbedarf bei Sicherheitsfragen

Zu einigen kontrovers geführten Diskussionen kam es zwischen Teilen der ZuhörerInnen und den Vertretern von E.on, dem BMU und auch dem Referenten des Niedersächischen Umweltmnisteriums. Stefan Wenzel kündigte an, über das weitere Vorgehen in Sicherheitsfragen auf weiteren Fachgesprächen zu informieren. Die Referate und weitere Informationen sollen demnächst im Internet veröffentlicht werden. Konkrete Maßnahmen oder Ergebnisse, die er in Sachen Sicherheitsanforderungen und Nachrüstungen vornehmen will, nannte er nicht.

Informationen von der Atomaufsicht in Niedersachsen zu den Atomanlagen in dem Bundesland gibt es hier online.

Plutonium und MOX-Brennelemente

Bernhard Fischer vom Bundesamt für Strahlenschutz berichtete am Nachmittag über den Anfall von Plutonium in der Wiederaufarbeitung und den Einsatz vom sog. MOX-Brennelementen. Bis Ende 2016, so Fischer, sollen die letzten Mengen des gefährlichen Plutoniums in Atomreaktoren zum Einsatz kommen. Danach wären die in der Wiederaufarbeitung im Ausland abgetrennten Plutoniummengen, ca. 60 Tonnen, abgearbeitet und zum Schutz vor militärischem Missbrauch für Atomwaffen wieder in hochradioaktivem Material eingebunden. Ein Vertreter der RWE erläuterte, dass derzeit die letzte Marge von MOX-Brennelementen in Frankreich gefertigt werde, die dann 2015/2016 im AKW Emsland zum Einsatz kommen sollen. Danach wäre kein abgetrenntes Plutonium aus der Wiederaufarbeitung mehr vorhanden.

Fischer verwies in seinem Vortrag auch darauf, dass aus der Wiederaufarbeitung insgesamt rund 200.000 Tonnen 2.000 Tonnen Uran abgetrennt wurden (Korrektur: Die genannte Menge wurde erst am Ende der Veranstaltung als Fehler identifiziert, sie wurde zunächst aber genannt, ohne dass der Fehler auffiel!). Anders als beim Plutonium müssen die AKW-Betreiber für das WAA-Uran keinen Verwertungsnachweis erbringen. Die Vertreter von RWE und E.on wollen Informationen nachliefern, was mit diesem Uran geschieht. Überwiegend würde es wohl in Russland mit höher angreichertem Uran aus dem russischen Atomwaffenprogramm vermischt (nicht angereichert!) und dann zu neuen Brennelementen verarbeitet.

Auch wenn es einige gute Diskussionen gab, einige Handlungsmöglichkeiten und Probleme aufgezeigt werden konnten: Im Ergebnis brachte das Fachgespräch zwar etwas an Transparenz, aber was das grüne Umweltministerium nach nun bald einem Jahr Amtszeit von Stefan Wenzel eigentlich an konkreten Schritten und Maßnahmen vorhat, ist nicht deutlich geworden. Für viele der anwesenden Anti-Atom-Engagierten hinterließ die Veranstaltung doch eher Fragezeichen und Enttäuschungen. Allerdings: Es sei gut, solche Fachgespräche öfter durchzuführen, um überhaupt Sicherheitsfragen diskutieren zu können.

Für den kommenden Montag haben niedersachsens Anti-Atom-Initiativen angekündigt, dem Minister Wenzel ein Zwischenzeugniss zu überreichen.  Das dürfte nicht wirklich gut ausfallen.

Plutoniumfabriken in Sellafield wegen Winter geschlossen

MOX-Fertigung in Sellafield, FOTO PA - Sellafield
Enormes Risiko: Plutonium aus Sellafield. Foto: Betreiber

Wegen des massiven Wintereinbruchs sind die Plutonium-Fabriken im englischen Sellafield vorübergehend geschlossen worden. Das teilen Medien mit. Spiegel online schreibt: „Wegen Sturmböen und Schnee ist am Freitag der Betrieb der Atomanlage Sellafield im Nordwesten Englands vorübergehend ausgesetzt worden, teilte die Betreiberfirma Sellafield Ltd mit. „Angesichts der derzeitigen und vorhergesagten ungünstigen Wetterbedingungen in und um die Anlage Sellafield“ sei diese „als Vorsichtsmaßnahme sicher in einen kontrollierten Abschaltungszustand versetzt worden“, hieß es.“ „Plutoniumfabriken in Sellafield wegen Winter geschlossen“ weiterlesen

Skandale der Atomwirtschaft – Der Castor-Skandal 1998

Atommüll auf Geisterfahrt. Hochradioaktive Brennelemente per Castor vom AKW Brunsbüttel auf dem Weg nach Frankreich. Foto: Dirk Seifert
Verstrahlt: Abtransport von zwei Castor-Behältern aus dem heute stillgelegten AKW Brunsbüttel Foto: Dirk Seifert

Für das Verständnis des Konflikts um die Atomenergienutzung, aber auch, um in aktuellen Debatten Zusammenhänge nicht aus den Augen zu verlieren, ist es immer wieder lohnend, sich an Skandale oder schöner gesagt „Vorkommnisse“ zu erinnern, in denen die Atomwirtschaft gezeigt hat, wie riskant ihr Geschäft ist und wie skrupellos sie für die Durchsetzung ihrer wirtschaftlichen Ziele sein kann. Ein solches Vorkommnis war der im Mai 1998 bekannt gewordene CASTOR-SKANDAL. Damals wurde bekannt, dass bestrahlte Brennelemente jahrelang von den Atomkraftwerken zu den Wiederaufarbeitungsanlagen nach Frankreich und England unterwegs waren, obwohl an der Oberfläche der Castor-Behälter die zulässigen Grenzwerte in zahllosen Fällen überschritten wurden.

„Der Castor Skandal“ (PDF) ist eine Broschüre vom Juni 1998, herausgegeben wurde sie von „Tolstefanz-Wendländisches Verlagsprojekt“. Sie gibt einen Überblick über den Beginn des Skandals und liefert neben detaillierten Übersichten und Bewertungen auch eine umfangreiche Medien-Dokumentation.

Nach ersten Vertuschungs- und Verharmlosungsversuchen musste die Atomindustrie einräumen, dass diese Grenzwertüberschreitungen systematisch seit ca. 10 Jahren stattfanden und sie nicht erklären konnte, wie diese entstanden, noch wie sie kurzfristig zu beseitigen wären. Die Rede war von „weinenden Castoren“, weil man zunächst annahm, dass auf unerfindliche Weise die Castoren die Kontamination „ausschwitzten“.

Die Empörung (siehe das Video von Spiegel TV) war enorm. Nicht nur Medien und Anti-Atom-Bewegung waren entsetzt. Vor allem Polizisten und Bahnarbeiter, die oft in direkter Nähe der Castor-Transporte im Einsatz waren, sahen sich von der Atomwirtschaft belogen und befürchteten gesundheitliche Folgen. Der damaligen Umweltministerin Angela Merkel blieb keine Wahl: Sie musste sämtliche Castortransporte in Deutschland verbieten. Über ein Jahr dauerte es, bis Landes- und Bundesbehörden den Skandal aufgearbeitet hatten, Ausschüsse in Landtagen mühselig von Betreibern Daten verlangten und das Ausmaß des Skandals bilanzieren konnten. Zahllose Gutachter wurden beauftragt, Ursachen zu erkunden und Wege zu finden, wie die Außen-Kontamination an den Castorbehältern verhindert werden könnte.

Inwieweit die Bundesregierung vor dem öffentlichen Bekanntwerden der Kontaminationen informiert war, ist zweifelsfrei nie geklärt worden. Mindestens im April, also einige Wochen vor den ersten Zeitungsmeldungen aus Frankreich, hatte das Umweltministerium Kenntnis, informierte aber nicht die Öffentlichkeit. Laut Wikipedia soll Gerald Hennenhöfer informiert gewesen sein. Hennenhöfer war damals unter Merkel auch für Strahlenschutz zuständig. Heute ist er beim BMU der oberste Beamte für Atomfragen. Hennenhöfer gilt als Vertreter der Atomlobby, hat während der rot-grünen Bundesregierung Ende 1999 für Atomkonzerne gearbeitet, war als Anwalt für den damaligen Betreiber der ASSE II zuständig und verhandelte auf Seiten der Atomkonzerne den sogenannten Atomkonsens  mit der Bundesregierung (2000/2002). Nach dem Ende der großen Koalition holte Norbert Röttgen den Atomlobbyisten Hennenhöfer wieder ins BMU.

Es war der Nachfolger von Angela Merkel, der Grüne Umweltminister Jürgen Trittin, der im Januar 2001 den Atomtransporte-Stopp aufhob.

Plutoniumfabriken in Sellafield – Lagerung nuklearer Abfälle ist „untragbares Risiko“

Plutoniumfabriken in Sellafield. Atommüll ohne Ende. Foto Simon Ledingham

Die Kosten für Stilllegung der britischen Plutoniumfabriken in Sellafield explodieren und „untragbare Risiken“ gehen von Atommüll aus, der in heruntergekommenen Gebäuden gelagert wird . So berichtet die BBC auf ihrer Homepage mit Bezug auf einen Bericht des National Audit Office (NAO).

Darauf hat der BUND Cuxhaven in einer Pressemitteilung hingewiesen. In Sellafield haben auch deutsche AKW-Betreiber jahrelang hochradioaktive Brennelemente aufarbeiten lassen, um das darin befindliche Plutonium herauszutrennen und so genannte MOX-Brennelemente für den erneuten Reaktoreinsatz herzustellen.  Ein solcher MOX-Transport soll in den nächsten Tagen z.B. das AKW Grohnde erreichen.

Nach Angaben der BBC lagert in Sellafield, der größten und gefährlichsten Atomanlage in Großbritanien, soviel hoch- und mittelaktiver Atommüll, dass damit 27 Swimming-Poole der Olympia-Klasse gefüllt werden könnten. „The plant is the UK’s largest and most hazardous nuclear site, storing enough high and intermediate level radioactive waste to fill 27 Olympic-sized swimming pools.“

Die BBC schreibt, dass ein „untragbares Risiko“ von den gefährlichen Abfällen ausgeht, die in heruntergekommenen Gebäuden in Sellafield gelagert werden. „An „intolerable risk“ is being posed by hazardous waste stored in run-down buildings at Sellafield nuclear plant, a watchdog has found.“

Bereits jetzt sind die Strände rund um die Plutoniumfabriken von Sellafield stark radioaktiv verseucht. Regelmäßig werden dort radiaktive Hot-Spots gefunden und müssen von Spezialteams geborgen werden. Siehe dazu: Plutoniumfabriken Sellafield – radioaktive Hotspots am Strand

Die NAO ist eine Kontrolleinrichtung, etwa vergleichbar mit dem deutschen Rechnungshof und überwacht staatliche Programme und Maßnahmen. Der Bericht kritisiert scharf, dass die Stilllegungs- und Rückbaumaßnahmen bei den zahlreichen Atomanlagen auf dem Sellafield-Gelände zu langsam laufen und außerdem viel zu teuer sind. Die NAO warnt davor, dass die Stilllegungskosten außer Kontrolle geraten können. In den fünf Jahrzehnten des Betriebs in Sellafield hätten die Betreiber es versäumt, langfristige Konzepte für den Umgang mit dem Atommüll zu entwickeln.

„The National Audit Office (NAO) also said that for 50 years, the operators of the Cumbria installation failed to develop a long-term plan for waste. Costs of plant-decommissioning has also spiralled out of control, it said.“

Inzwischen haben die Betreiber einen neuen Stilllegungsplan erarbeitet, nach dem der erste Plan wegen erheblicher Unzulänglichkeiten keinen Bestand hatte. In einer Pressemitteilung der NAO heißt es: „The Authority achieved an important milestone in May 2011 when it approved a more robust lifetime plan for the clean-up of Sellafield site by 2120, replacing a previous unrealistic plan.“

Doch Amyas Morse, Vorstand des National Audit Office, sieht auch im neuen Plan erhebliche Probleme. Sie begrüßt zwar, dass die Betreiber jetzt einen etwas genaueren Zeitplan vorgestellt haben. Aber auch dieser Plan könne nur ungefähr angeben, wie lange es dauern wird, die radioaktiven Abfälle unter Kontrolle zu bringen und was das am Ende kosten wird.  So könnte nicht gesagt werden bis wann und mit welchen Kosten Anlagen fertigestellt sein werden, um den hochradioaktiven Atommüll aus alten Teichen und Silos zu sichern: „For example, there is considerable uncertainty over the time required and cost of completing facilities to treat and store highly radioactive material held in deteriorating legacy ponds and silos.“

Dass die Stilllegungskosten enorme Dimensionen haben und völlig außer Kontrolle geraten könnten, zeigen die Pläne: Waren von den Betreibern zunächst Kosten in Höhe von rund 47 Milliarden Pfund geplant, sind in dem neuen Plan insgesamt 67 Milliarden Pfund veranschlagt. „The improved lifetime plan contributed to an increase in the Authority’s provision for decommissioning the site to £67 billion (undiscounted) as at March 2012, up from £47 billion as at March 2009.“

Angesichts dieser Kostenexplosion wächst die Sorge, dass der Strahlen- und Umweltschutz reduziert wird, um Kosten sparen zu können. Für die Umweltorganisation Friends of the Earth ist der katastrophale Umgang mit dem Atommüll laut BBC ein „nationaler Skandal“ mit erheblichen Risiken für die Menschen und die Umwelt rund um Sellafield.

Dr Ruth Balogh, von West Cumbria and North Lakes Friends of the Earth, sagte: „The UK’s failure to deal with highly hazardous nuclear waste at Sellafield is a national scandal that poses a significant risk to local people and the environment.“

Weil die Regierung die Risiken im Umgang mit dem anfallenden Atommüll komplett ignoriert habe, fordert die Umweltorganisation, dass neue Atomkraftwerke nicht gebaut werden dürften, solange man mit dem bereits angefallen Atommüll nicht umgehen kann. „The government has completely ignored the urgent need for interim measures to deal with this radioactive waste. We shouldn’t build any new nuclear reactors if we can’t deal with the radioactive mess that’s already been created.“

Die vollständige Pressemitteilung der NAO finden Sie unter www.nao.org.uk/publications/1213/sellafield_risk_reduction.aspx . Eine Kurzfassung des NAO Berichts finden Sie hier und die Langfassung hier (jeweils PDF).

Dank für den Hinweis an die BUND Kreisgruppe Cuxhaven, Norbert Welker, Cuxhaven.

 

Atomtransporte – Plutonium auf dem Weg zum AKW Grohnde

Die Zugmaschine eines Plutonium-Transports (1991) auf dem Weg zum AKW Brokdorf, Foto: Dirk Seifert

Das AKW Grohnde bekommt in den nächsten Monaten neuen Brennstoff geliefert. Diese Atomtransporte aus England werden über den Midgard-Hafen in Nordenham importiert und bestehen aus plutoniumhaltigen – sogenannten Mischoxid-Brennelementen. Jeweils acht solcher MOX-Brennelemente sind pro Transport geplant. Der erste Atomtransport ist für September vorgesehen, der zweite für November.

Eine E.on-Sprecherin hat diese Angaben inzwischen bestätigt. Die genauen Transporttermine werden ebenso geheim gehalten wie die konkreten Transportstrecken.

Schon der Einsatz von MOX-Brennelementen birgt besondere Risiken in den AKWs, die schwieriger regelbar sind. Davor haben Anti-Atom-Initiativen immer wieder gewarnt.

Aber Plutonium-Brennelemente erhöhen auch die Risiken in Folge einer Atomkatastrophe. Das hat sich in Fukushima gezeigt, wo teilweise solche MOX-Brennelemente im Einsatz waren. Über die Gefährdung durch Plutonium schreibt der Spiegel im März 2011: “Die Radiotoxizität von Plutonium ist allerdings enorm: Schon die Einnahme einer Menge im zweistelligen Milligramm-Bereich gilt als tödlich, während die letale Dosis bei Uran zwischen einem Gramm und fünf Gramm liegt – je nachdem, wie es in den Körper gelangt. Noch gefährlicher ist allerdings die radioaktive Strahlung von Plutonium. Wird der Stoff eingeatmet, genügt vermutlich schon eine Menge von wenigen Mikrogramm, um Krebs auszulösen. Die Alphastrahlung des Plutoniums kann zwar nicht die Haut durchdringen, im Innern des Körpers aber schwere Strahlenschäden verursachen – insbesondere an den Knochen und in der Leber.”

Nicht nur in Grohnde werden MOX-Brennelemente eingesetzt. Auch z.B. das AKW Brokdorf und andere deutsche Reaktoren setzen diesen besonderen Brennstoff ein.

MOX-Transport zum AKW Brokdorf (1991), Spezialfahrzeuge sind für den Plutoniumtransport erforderlich. Foto: Dirk Seifert

Die Plutonium-Brennelemente für das AKW Grohnde kommen aus einer Fabrik bei Sellafield in England. In der dortigen Wiederaufarbeitungsanlage ist das Plutonium aus abgebrannten Uran-Brennelemente separiert worden. Die Wiederaufarbeitung ist seit 2005 in Deutschland verboten. Bis dahin haben deutsche AKW-Betreiber ihren Atommüll mangels Endlagermöglichkeiten per Castortransport in die Wiederaufarbeitungsanlagen nach Frankreich (La Hague) und England (Sellafield) geschickt. Die Wiederaufarbeitung gilt als einer der gefährlichsten und dreckigsten Arbeitsschritte in der Atomspirale. Die hohen radioaktiven Emissionen dieser Anlagen sind in der Nordsee noch weit entfernt nachweisbar und verstrahlen die Umgebung der Anlagen. Die hochradioaktiven Brennelemente werden hier chemisch bearbeitet, um das in geringen Anteilen entstandene Plutonium zur erneuten Energieerzeugung einzusetzen.

Weitere Informationen zu Atomtransporten und Plutonium auf der Seite von ROBIN WOOD.

In Deutschland sind die Pläne für eine eigene Plutoniumwirtschaft bereits in den 80er bzw. frühen 90er Jahren vollständig aufgegeben worden. Die geplante Wiederaufarbeitungsanlage im bayersichen Wackersdorf war aufgrund des massiven Widerstands der Anti-Atom-Bewegung und wegen der enormen Kosten eingestellt worden. Der Neubau einer MOX-Brennelementefabrik im hessischen Hanau scheiterte nach einer Serie von Störfällen und der geplante “Schnelle Brüter” in Kalkar, in dem Plutonium im großindustriellen Maßstab hergestellt werden sollte, wurde 1991 aufgegeben.

Zur Problematik der Wiederaufarbeitung siehe auch hier.

Weitere Hintergrund-Informationen – Plutonium in Atomreaktoren: VERDAMMT IN ALLE EWIGKEIT,  (1991, PDF)  und am Beispiel der damaligen HEW/heute Vattenfall: Plutonim – powerd by HEW. Außerdem: Öko-Institut Darmstadt

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