Hochradioaktiv durchs Ländle: Flussfahrt mit Castoren vom AKW Obrigheim zum AKW Neckarwestheim

Kein Platz für hochradioaktiven Atommüll. Im Rückbau befindliches AKW Obrigheim.
Kein Platz für hochradioaktiven Atommüll. Im Rückbau befindliches AKW Obrigheim.

Billiger ist das: Statt im abgeschalteten Atomkraftwerk in Obrigheim eine Lagerhalle zu bauen, will der landeseigene Betreiber EnBW insgesamt 15 Castoren mit 342 abgebrannten Brennelementen aus Obrigheim in ein Zwischenlager im AKW Neckarwestheim verfrachten. Ein entsprechender Antrag wurde bereits im Dezember 2013 gestellt, derzeit laufen noch die gutachterlichen Untersuchungen.

Wie sagte doch jüngst Baden-Württembergs grüner Landesvater Kretschmann: „Irgendwo muss das Zeugs einfach hin“ (Youtube). Die Reiseroute für die hochradioaktive Fracht wird derzeit laut Bietigheimer Zeitung geplant: „Wenn es Heil (Geschäftsführer der AKWs Neckarwestheim) auch nicht direkt sagte, so spricht im Moment doch vieles dafür, dass der Weg über den Neckar am ehesten praktikabel ist. Der Schienenweg sei schon deshalb problematisch, weil es weder in Obrigheim noch in Neckarwestheim einen Gleisanschluss gibt, so der Geschäftsführer.“

Für den Betreiber stehen vor allem wirtschaftliche Gründe im Vordergrund: „Platz genug wäre in Neckarwestheim. Das Zwischenlager fasst 151 Castoren, am Ende der Laufzeit beider Kraftwerksblöcke im Jahr 2022 werden dort 125 Plätze belegt sein, so die Prognose. In Obrigheim könnte man im Gegenzug auf ein neues Zwischenlager verzichten.“ Noch in diesem Quartal sollen die Untersuchungen über die geplanten Castor-Transporte abgeschlossen sein, berichtet die Zeitung.

 

Kein Land in Sicht: Vattenfall gespalten und mit neuem Krisen-Personal

Vattenfall-Konzern gestrandet... Foto: Dirk Seifert
Vattenfall-Konzern gestrandet… Foto: Dirk Seifert

Zum Jahreswechsel hat der wirtschaftlich schwer angeschlagene Konzern Vattenfall seine Organisationsstrukturen verändert und entsprechend sein Management-Personal neu aufgestellt. Die Geschäftsbereiche jenseits von Skandinavien sind vom Konzern abgetrennt und verselbständigt worden. Für viele ein deutlicher Hinweis, dass der schwedische Staatskonzern sich aus Kontinental-Europa und England zurück ziehen will. Die Maßnahme gilt als Voraussetzung, um diese Konzernteile nach und nach zu verkaufen.

Hier die PM des Konzerns mit der Personalliste und den Funktionen: „Vattenfall ernennt Management Team für neuen Geschäftsbereich Kontinentaleuropa/Großbritannien
(19. Februar 2014) Vattenfall hat sich zum 1. Januar 2014 in eine nordische und eine kontinentaleuropäische Einheit aufgespalten. Daraus resultierend wurden zahlreiche Management-Positionen im Geschäftsbereich Kontinentaleuropa/Großbritannien neu besetzt. 

Tuomo Hatakka (57) ist nach der Reorganisation Head of Business Region Kontinentaleuropa/Großbritannien und bleibt wie bisher Deutschland-Chef. Zuvor war Hatakka Leiter der Business Division Production (2011 bis 2013). Zwischen 2008 und 2010 war er Head of Business Group Central Europe bei Vattenfall. Hatakka: „Ich freue mich auf eine erfolgreiche und konstruktive Zusammenarbeit mit allen neu ernannten Managerinnen und Managern in einem gewiss spannenden und herausfordernden energiewirtschaftlichen Umfeld.“ 

In den vier Stabsfunktionen von Kontinentaleuropa/Großbritannien berichten folgende Manager künftig an Tuomo Hatakka:

Catrin Jung-Draschil (37) ist neue Head of Staff Function Business Strategy. Davor war Catrin Jung-Draschil Head of Corporate Strategy Processes bei Vattenfall.

Rainer Schulze (46) wurde zum Head of Staff Function Human Resources ernannt. Vor der Umstrukturierung war Schulze Head of Human Resources der Business Division Production.

Peter Smink (48) ist neuer Head of Staff Function Finance. Zuvor war er im Unternehmen als Head of Business Division Sustainable Energy Projects beschäftigt.

Pieter Wasmuth (47) ist neuer Head of Staff Function Communications und bleibt wie bisher Generalbevollmächtigter für die Region Hamburg und Norddeutschland und Mitglied der Geschäftsführung der Vattenfall Europe Nuclear Energy GmbH.

Die Führungspositionen der einzelnen Geschäftsgebiete (Business Units), die ebenfalls an Tuomo Hatakka berichten, wurden wie folgt besetzt:

Gunnar Groebler (41) führt die neu strukturierte Business Unit Renewables (Erneuerbare Energien). Er war zuvor Head of Hydro Germany (Wasserkraft) bei Vattenfall.

Martijn Hagens (42) ist neuer Head of Business Unit Heat (Fernwärme) und war zuvor Head of Business Unit Customer Service (Kundenservice).

Jan Homan (60) ist Head of Business Unit Projects (Planung und Realisierung von Grossprojekten). Davor hatte er die Position als Head of Business Unit Thermal Power & Heat inne.

Tessel Jarigsma (40) ist neue Head of Business Unit Sales (Vertrieb). In ihrer Verantwortung liegen die b-t-c und b-t-b-Geschäfte in den Niederlanden und Deutschland. Davor arbeitete sie als Head of Sales Business-to-Consumer Niederlande.

Dr. Helmar Rendez (51) ist neu ernannter Head of Business Unit Distribution (Verteilnetz) und war auch davor Vorsitzender der Geschäftsführung der Stromnetz Berlin GmbH sowie der Stromnetz Hamburg GmbH.  

Hartmuth Zeiß (59) bleibt Head of Business Unit Mining & Generation (Bergbau & Erzeugung). In seiner Verantwortung liegt das Management des Bergbaus, der Veredelung und der Stromerzeugung aus Braunkohle sowie die Pumpspeicherkraftwerke.

Ernst Michael Züfle (50) ist neuer Head of Business Unit Nuclear (Kernkraft). In seiner Verantwortung liegt die Betriebsführung der Kernkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel. Zuvor war er Sprecher der Geschäftsführung der Vattenfall Europe Nuclear Energy GmbH und bleibt auch deren Vorsitzender. 

Weiteres Bildmaterial zu den neu ernannten Managerinnen und Managern finden Sie auf unserer Internetseite: http://corporate.vattenfall.de/newsroom/pressefotos/

Vattenfall GmbH
Stefan Müller“

Konflikte und Rohstoffe: Kein Frieden nach Frankreichs Kriegseinsatz in Mali

MaliMali rund ein Jahr nach dem Beginn des  Kriegseinsatzes französischer Truppen im März 2014: „Wir sind sehr enttäuscht von Frankreich, wir fühlen uns verraten. Die Franzosen haben mit ihrem Militäreinsatz den Weg freigebombt und die Islamisten verjagt, und dann durften sich die Tuareg-Rebellen hier breitmachen – nur weil Frankreich sich Hilfe bei der Befreiung von Geiseln verspricht, weil es unsere Bodenschätze will, weil es sich einwickeln lässt von diesen Leuten.“ Das sagt Tiefolo Coulibaly aus Kidal in einer Reportage von Alexander Göbel im DeutschlandRadio. Coulibaly arbeitet für eine Hilfsorganisation. „Er hat hier die Zeit unter den Islamisten von Ansar Dine erlebt, den radikalislamischen Tuareg, dann die Befreiung durch die Franzosen, und schließlich den Einmarsch der MNLA.“

*UPDATE 11/3/14: Die Darstellung der Tuaregs in der Reportage von Göbel als Radikalislamisten ist nicht korrekt. Zwar ist die MNLA als eine der politischen Organisationen von Tuaregs mit islamistischen Gruppen zunächst ein Bündnis für die Unabhängigkeit des Nordens (Azawad) eingegangen, hat sich dann aber von ihnen distanziert und getrennt, als diese die Sharia einführten. Nicht erwähnt werden die Übergriffe der malischen Armee gegen Tuaregs. Im Windschatten der Intervention Frankreichs hatten malische Truppen willkürlich Hinrichtungen von Tuaregs und Arabern durchgeführt. (Darüber ist auch in deutschen Medien berichtet worden (siehe dazu die SZ und Telepolis) und das ist offenbar auch einer der Gründe, warum die malische Arme in der nördlichen Region von Frankreich zurückgezogen wurde.) Um die Konflikte besser zu verstehen, ist ein Artikel von Charlotte Wiedemann in der Zeit zu empfehlen: „Tuareg: Falsch verbunden„). Die Journalistin Charlotte Wiedemann betreibt auch einen Blog über die Situation in Mali.

Zu den Rohstoffen in Mali, ebenso wie z.B. im Nachbarstaat Niger, gehören u.a. Uranvorkommen, Öl und Gold. Kidal liegt auf dem gleichen Breitengrad wie das rund 600 km Luftlinie entfernte Arlit im Niger. Dort betreibt der französische Atomkonzern AREVA Uranabbau. Anfang 2013 griffen französische Truppen in Mali mit einem Kampfeinsatz ein, als zunächst Tuaregs und islamistische Gruppen eine Abspaltung des Nordens von Mali mit Waffengewalt umzusetzen versuchten und schließlich untereinander in Konflikt gerieten. Der Konflikt griff schnell auch auf den Norden des Niger über. Französische Truppen wurden rund um Arlit zur Sicherung der AREVA-Uranminen eingesetzt, konnten aber Terroranschläge mit zahlreichen Toten nicht verhindern.

Göbel hat als einer der wenigen Journalisten mit einer Militärkolone die Stadt Kidal in der nördlichen Region von Mali besucht. Eine durchaus lebensgefährliche Reise, denn erst im November 2013 sind zwei französische Journalisten entführt und ermordetet worden. (siehe: Deutsche Welle).

Göbel berichtet: „Anders als oft behauptet, hat sich die Lage in Kidal nicht verbessert, seit Frankreich die Islamisten bis ins Ifoghas-Gebirge vertrieben hat. Dschihadistische Gruppen sind zwar von der Bildfläche verschwunden – aber haben sich nur in kleinere Einheiten verwandelt – als Trittbrettfahrer der Tuareg. Jede Nacht ist rund um die Stadt Maschinengewehrfeuer zu hören, Granaten explodieren vor den Kasernen. Ende vergangenen Jahres hat ein Selbstmordattentäter vor einer Bank in Kidal senegalesische UN-Soldaten mit in den Tod gerissen. Französische Truppen haben gerade erst ein Lager mit Tonnen von Ammoniumnitrat entdeckt – und ein Trainingslager der Islamisten.“

Die Reportage beschreibt die schwierige Situation in der Region, in der nicht der malische Staat die Kontrolle hat, sondern vor allem Tuaregs der MNLA. Alle Konfliktparteien sind schwer bewaffnet, Entführungen, Morde und auch Vergewaltigungen weit verbreitet. Darüber berichten die Gesprächspartner, die Göbel zu Wort kommen lässt. Der gesamte Bericht ist hier nachzulesen und hier nachzuhören.

Fukushima – Die Katastrophe geht weiter – Mahnwachen und Demonstrationen zum dritten Jahrestag

FukushimaMahntHH2011

Nach der mehrfachen Atomkatastrophe in Fukushima im März 2011: Hundertausende demonstrieren bundesweit für den Atomausstieg.

Aus dem Blog von ROBIN WOOD: Die Laufzeitverlängerung für die Atomkraftwerke in Deutschland war trotz massenhafter Proteste gerade beschlossen, als im japanischen Atomkomplex von Fukushima am 11. März 2011 die bis heute anhaltende atomare Katastrophe beginnt. Eines der schwersten Erdbeben und der nachfolgende Tsunami zerstörten ganze Landstriche und mehr als 20.000 Menschen verloren ihr Leben. Gleich in drei Reaktoren kommt es zum schlimmsten Störfall, der Kernschmelze. Nach Explosionen werden große Mengen radioaktiver Strahlung in die Umwelt und in das Meer abgegeben. Bis heute sind die Reaktoren außer Kontrolle und immer wieder kommt es zur massiven Freisetzung von Radioaktivität. Ca. 200.000 Menschen in einem Umkreis zwischen 20 – 30 Kilometer Entfernung mussten ihre Heimat und ihr Zuhause verlassen – vermutlich für immer. Noch viel mehr Menschen – vor allem Kinder – sind im Großraum rund um Fukushima von erhöhter Strahlung betroffen. Vor allem Schilddrüsenkrebsfälle sind nach Berichten unabhängiger Ärzte sprunghaft angestiegen. Weiterlesen…

Nordländer machen Wind gegen Gabriel – Initiativen fordern „Keinen Deckel für Sonne und Wind“

KeinDeckelFuerSonneUndWind-Maerz2014-HH-2Großes SPD-Gipfeltreffen der Nordländer in Hamburg mit Bundesenergieminister Sigmar Gabriel (SPD). Auf der Tagesordnung steht die Reform des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG). Vor dem Rathaus rund 300 AktivistInnen für die Energiewende. Während Gabriel den Ausbau der Erneuerbaren bremsen will, fordern sie: „Keinen Deckel für Sonne und Wind. Sie wollen den schnelleren Atomausstieg und die schrittweise Reduzierung der Kohleverstromung. Neben Hamburg trafen sich im Hamburger Rathaus auch die Ministerpräsidenten und Bürgermeister der Bundesländer Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen. Die Nordländer fordern vom Energieminister mehr Möglichkeiten zum Ausbau der Windenergie.

KeinDeckelFuerSonneUndWind-Maerz2014-HH-03Außerdem gab es einen weiteren SPD-Gipfel in Kiel. Dort trafen sich die SPD-Fraktionschefs aus Bund und Ländern ebenfalls zum Thema EEG-Reform. „«Der Onshore-Windstrom darf durch das Gesetz nicht abgewürgt werden», sagte Schleswig-Holsteins SPD-Fraktionschef Ralf Stegner am Freitag nach Abschluss eines Treffens mit Amtskollegen aus Bund

Torsten Albig, SPD-Ministerpräsident aus Schleswig-Holstein will mehr Wind machen als SPD-Energieminister Sigmar Gabriel erlauben will. Foto: Dirk Seifert
Torsten Albig, SPD-Ministerpräsident aus Schleswig-Holstein will mehr Wind machen als SPD-Energieminister Sigmar Gabriel erlaubt. Foto: Dirk Seifert

und Ländern in Kiel.“ Der NDR berichtet über dieses Treffen hier, der BUND Hamburg hat dazu diese PM veröffentlicht.

Am 22. März demonstrieren Umweltverbände und BürgerInitiativen in zahlreichen Städten für unter dem Motto „Energiewende retten – Sonne und Wind statt Fracking, Kohle und Atom„. Unter anderem finden Demonstrationen in Kiel und Hannover statt. Von Hamburg aus fahren Busse nach Hannover. Mehr Infos hier.

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