Unnütze und aufgezwungene Megaprojekte – Unterelbeindustrialisierung in den 70er Jahren

AtomtransporteAtlanticCartier-HH-Hafen03052014-FotoDirkSeifert-297Manchmal darf es auch nur ein Hinweis sein: Z.B. auf einen Text der Kontext-Wochenzeitung über „Gigantische Absurditäten„. Dietrich Heißenbüttel schreibt dort u.a. über die Unterelbeindustrialisierung, die in den 70er Jahren mit den Atomkraftwerken in Stade, Brunsbüttel und Brokdorf durchgesetzt wurde. „Die Zukunft sollte gleich hinterm Deich beginnen. In Brunsbüttel an der Elbmündung plante Bayer in den 1970er-Jahren das größte Chemiewerk Europas. „Hier entsteht ein neuer Ruhrpott„, titelte 1974 der Spiegel, als Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg versuchten, sich durch Industrieansiedlung im großen Stil gegenseitig das Wasser abzugraben.“ Große Versprechen für große Dinge? Kommt das irgendwie bekannt vor?

Der Artikel steht im Zusammenhang mit dem „Europäischen Forum gegen unnütze und aufgezwungene Megaprojekte“. Das vierte Forum fand vom 8. bis 11. Mai 2014 in Roșia Montană (Rumänien) statt. Dort wird unter extrem katastrophalen Bedingungen eine Goldmine betrieben.

 

AKW Brokdorf – Die Zustimmung zum Anfahren des Reaktors

AKW-Brokdorf-April2013-DirkSeifert05Der Neustart nach der Revision im AKW Brokdorf war zwar durch eine Reaktorschnellabschaltung ein Fehlstart. Inzwischen aber ist der Atommeiler wieder am Netz. Über die Revision berichtet u.a. iwr. Außerdem berichtet die SHZ über die Logistische Meisterleistung. Das zuständige Atomministerium in Schleswig-Holstein hatte dazu die Zustimmung gegeben. Die „Zustimmung zum Wiederanfahren zum 27. Betriebszyklus nach der 26. Jahresrevisionen und zum Einsatz des 26. Folgekerns“ ist hier als PDF nachzulesen. In den Jahren 2011 und 2012 hatte das Ministerium diese Anfahrzustimmungen online gestellt, in den Jahren 2013 und bisher auch 2014 hat das grün geführte Ministerium das bislang nicht gemacht. Dem Vernehmen nach soll das aber für 2014 noch geschehen.

UPDATE 27/7/2014: Die Zustimmung zum Wiederanfahren des AKW Brokdorf aus dem Jahr 2013 als PDF.

Der genannte Artikel in der SHZ bezieht seine Informationen offenbar direkt vom Werksleiter des AKW Brokdorf, Uwe Jordan. Irgendeine andere Quelle hatte der Journalist wohl nicht zur Hand. Inzwischen gibt es auch eine Pro-AKW-Initiative. Auch darüber hatte die SHZ vor einiger Zeit informiert, ohne allerdings dabei auf die Kleinigkeit hinzuweisen, dass es sich um eine Initiative von E.on-Mitarbeitern handelt.

Querstellen gegen Castoren aus Jülich: Initiativen kündigen massive Proteste an

Brennelementkugeln des Hochtemperaturreaktors. In der aufgeschnittenen Kugel ist die Innenzone mit den Brennstoffpartikeln erkennbar. Quelle Forschungszentrum Juelich
Kleine Kugeln ganz groß: Hochradioaktive Probleme mit der Sicherheit der Castorbehälter in Jülich. Foto: Betreiber

Sicherheitsbedenken hat es schon lange gegeben. Seit Anfang Juli hat das nun auch endlich die zuständige Landesregierung in NRW zur Kenntnis genommen: In Jülich lagern 152 Castor-Behälter mit fast 300.000 hochradiaktiven Brennelemente-Kugel aus dem ehemaligen Hochtemperatur-Reaktor AVR. Nach wiederholten Notgenehmigungen hat die zuständige Atomaufsicht nun den Betreiber aufgefordert, ein Räumungskonzept vorzulegen. Das Lager ist weder gegen Flugzeugabstürze noch gegen Erdbeben ausreichend ausgelegt. Geplant wird offenbar, den Atommüll in die USA abzuschieben. Seit 2012 laufen entsprechende Verhandlungen. Auch wenn das Zwischenlager in Ahaus derzeit nicht als Option genannt wird. AtomkraftgegnerInnen befürchten, dass diese Variante demnächst ins Spiel kommen könnte.

Doch genau diese Transporte nach Ahaus hatte die rot-grüne Landesregierung per Koalitionsvertrag als „unsinnig“ erklärt. Nach einem Ratschlag in Düsseldorf haben Anti-Atom-Initiativen aus NRW und dem Bundesgebiet heute per Pressemeldung klar gemacht: Wenn der Castor rollt, stellen sie sich quer!

Die PM als Dokumentation: Massive Proteste im Falle von Jülicher Castor-Transporten angekündigt!

„Umwelt- und Anti-Atom-Organisationen aus dem gesamten Bundesgebiet kündigen für den Fall von Castortransporten vom AVR-Zwischenlager aus Jülich massive Proteste entlang der gesamten Strecke an.

In Jülich lagern 152 Castoren mit hochradioaktivem Müll aus Brennelementen. Offensichtlich ist das Forschungszentrum Jülich (FZJ) bisher weder in der Lage, eine rechtssichere Genehmigung für das Zwischenlager noch eine Transportgenehmigung für die Castoren zu erwirken. Ob dieser Zustand durch das FZJ bewusst herbeigeführt wurde oder auf Inkompetenz zurückzuführen ist, kann nur vermutet werden.

Aktuell versucht das FZJ in Zusammenarbeit mit dem Land und dem Bund, den Atommüll zur Wiederaufarbeitung in die USA zu verschieben. Juristisch ist ein Export von Atommüll aber nur für Forschungsreaktoren zulässig. Der AVR ist jedoch ein Versuchsreaktor zur kommerziellen Stromerzeugung (1967 – 1988). Somit ist der Export illegal. Um das geltende Atomgesetz zu umgehen, soll nun die dreiste Umdeklaration des AVR (Arbeitsgemeinschaft VersuchsReaktor) in einen Forschungsreaktor erfolgen. Gleiches gilt für die 305 Castoren aus dem stillgelegten Kugelhaufenreaktor Hamm-Uentrop, die derzeit in Ahaus lagern. Diese sollen laut öffentlicher Bekanntmachung des US-Energieministeriums gleich mit in die USA geschickt werden – auch dies ist illegal!
Scheitern die USA-Pläne, droht weiterhin eine Verschiebung der „Westcastoren“ in das Zwischenlager Ahaus. Schon 2013 mussten diese Pläne aufgrund von Protesten aufgegeben werden. Die Lagerhalle in Ahaus ist nicht wesentlich sicherer als die in Jülich, hat nur eine längere Genehmigung bis 2036. Der Müll muss zu einem späteren Zeitpunkt für eine Endlagerung konditioniert werden, dies ist in Ahaus nicht möglich, wohl aber in Jülich. Grundlage jeder Planung muss die Vermeidung von Atomtransporten sein und damit eine unnötige Gefährdung der Bevölkerung.

Das Motto „Nichts rein! Nichts raus!“ ist Konsens bei den Unterzeichnern. Jeglicher Atommüll-Transport wird grundsätzlich abgelehnt, solange kein bundesweites Atommülllager existiert. Stattdessen wird der Verbleib des Atommülls in einem erdbebensicheren und zugelassenen Zwischenlager am Standort Jülich gefordert.
Bei einem bundesweiten Treffen der Anti-Atom- und Umwelt-Organisationen wurde beschlossen, im Falle der Castortransporte den gesamten bundesdeutschen AKW-Widerstand auf die Transportstrecken zu verlagern. Schwerpunkte werden dabei Jülich und das Ziel Ahaus (bzw. Nordenham beim USA-Export) sein. Aber auch auf den möglichen Transportrouten werden lokale Initiativen die gesamte Bandbreite des Widerstandes auf die Straße bringen – nach dem Vorbild der erfolgreichen Aktionen in Gorleben.

Der gescheiterte hochkontaminierte AVR-Behälter soll in Kürze um 90 Grad gekippt und anschließend um ca. 200 Meter in ein eher behelfsmäßiges Zwischenlager verschoben werden. Alternativen zu diesem weltweit einmaligen und hochgefährlichen Vorhaben wurden nicht ausreichend untersucht! Auch auf Grund des neuen Erdbebengutachtens ist eine Verschiebung des Reaktors abzulehnen. Warum der verseuchte Reaktor in Jülich bleiben soll, die Castoren wegen angeblicher Erdbebengefahr aber unbedingt weg müssen, bleibt schleierhaft.“

Unterzeichner (alphabetisch):
Aachener Aktionsbündnis gegen Atomenergie – www.anti-akw-ac.de
Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen – www.keincastornachahaus.de
Aktionsbündnis Stop Westcastor – www.westcastor.de
AntiAtomBonn – www.antiatombonn.de
Anti-Atom-Bündnis Niederrhein – www.antiatom-buendnis-niederrhein.de
Anti-Atom-Gruppe Osnabrück – www.antiatomgruppe-osnabrueck.de
Anti_Atom_Plenum Köln – www.antiatomkoeln.de
Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad – www.ag-schacht-konrad.de
Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau – www.aku-gronau.de
Atomfree Japan e.V. – www.atomfreejapan.org
Atomkraftfreie Welt-Sayonara Genpatsu Düsseldorf e.V. – www.sayonara-genpatsu.de
Attac Inde-Rur – www.attac-netzwerk.de/inde-rur/
Attac-Mönchengladbach – www.attac-netzwerk.de/Moenchengladbach
BUND für Umwelt und Naturschutz Landesverband NRW e.V. – www.bund-nrw.de
Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) – www.bbu-online.de
Bündnis Strahlenzug Mönchengladbach – www.strahlenzug.de
Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ – www.bi-ahaus.de
Bürgerinitiative Umweltschutz Hamm – www.reaktorpleite.de
Cattenom Non Merci e.V. – www.cattenom-non-merci.de
“freischaffende AtomkraftgegnerInnen Moers”
Länderübergreifendes Bündnis „Stop Tihange“ – www.stop-tihange.org
Leute vom „widerStandsNest Metzingen“ – www.netzwerk-antiatom.de/l/widerstands-nest
Natur- und Umweltschutzverein Gronau (NUG) – http://de.indymedia.org/2013/10/349101.shtml
Redaktion der „anti atom aktuell“ – www.anti-atom-aktuell.de
SofA Münster (Sofortiger Atomausstieg) – www.sofa-ms.de
umweltFAIRaendern.de – www.umweltfairaendern.de
Wegberger Montagsspaziergänger gegen Atomkraft

Unterstützung aus den USA:
Savannah River Site Watch, Columbia, South Carolina (USA) – www.srswatch.org

Kontakt: Tom Clements tomc@srswatch.org

Pressekontakt:
Siegfried Faust (Stop Westcastor/Jülich)
Willi Hesters  (Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen)

Anruf genügt nicht mehr – James Garner ist tot

r.rockford1.mEin Anruf genügt nicht mehr. Detektiv Jim Rockford wird keinen Fall mehr lösen. James Garner ist mit 86 Jahren gestorben. Als es hierzulande Anrufbeantworter noch so gut wie gar nicht gab, machte Rockford diesen zur Legende. Da hatte das Monopol der Deutschen Post nichts zu lachen. Nicht nur als Detektiv, auch als Sheriff zeigte Garner, dass Konventionen gebrochen gehören. Ein Intro der Rockford Files als MP3…

und hier zum ansehen:

 

Atommüll überall – BUND-Studie zum „Freimessen“ schwach radioaktiver Stoffe

radioaktivMit dem Betrieb der Atomkraftwerke und -Anlagen entstehen nicht nur leicht-, mittel- und hochradioaktive Abfälle, deren langfristig sichere Lagerung bis heute nicht geklärt ist. Es entstehen außerdem kontaminierte Materialien, Stoffe, an denen Radioaktivität anhaftet. Dazu gehören unter anderem Stahlteile oder Beton. Diese können zwar in bestimmten Grenzen dekontaminiert werden, aber ein Rest von Strahlenbelastung haftet ihnen selbst dann noch an. Denn: Nur bis zu einem bestimmten Grenzwert werden sie dekontaminiert. Unterschreiten sie diesen Grenzwert, können sie im Grundsatz als Wertstoffe weiter eingesetzt oder auf Deponien eingelagert werden. Vor allem mit dem kommenden Abriss der Atomkraftwerke werden derartige Stoffe in großen Mengen anfallen. Die Sorge: Werden diese sehr schwach aktiven Stoffe großflächig verbreitet, steigt flächendeckend auch die Belastung der Bevölkerung. Der BUND hat diese Problematik jetzt in einer Studie untersuchen lassen und Vorschläge zum weiteren Umgang mit dieser Form von Atommüll gemacht (Download-Link unten).

Auf seiner Homepage schreibt der BUND: „Die im Auftrag des BUND erstellte „Stellungnahme zu Defiziten der Regelung von Freigaben radioaktiver Stoffe in der Bundesrepublik Deutschland“ von Wolfgang Neumann beleuchtet das verdrängte Problem beim Rückbau von Atomkraftwerken.

In Deutschland existiert die Möglichkeit, schwach radioaktive Reststoffe und Abfälle aus dem Zuständigkeitsbereich von Atomgesetz und Strahlenschutzverordnung in den konventionellen Bereich zu entlassen („Freigabe“). Dies bedeutet, dass Materialien aus einem Atomkraftwerk, das rückgebaut wird, nach so einer „Freimessung“ auf einer normalen Hausmülldeponie landen können oder als Wertstoff wiederverwendet werden. Bei einer Stilllegung von Atomkraftwerken fällt eine besonders große Menge solcher Materialien an. Wegen der derzeit anstehenden gleichzeitigen Stilllegung von acht Reaktoren können die freigegebenen Mengen so groß sein, dass die Einhaltung des Strahlenschutzzieles für die Bevölkerung durch Freigaben gefährdet ist.

Radioaktivität wird unterschätzt – mehr Kontrolle nötig

Durch die großen jährlichen Freigabemassen und die unterstellte Verteilung auf viele Deponien wird die auf einer Deponie abgelagerte Radioaktivität unterschätzt. Daraus folgt, dass die Freigabewerte zur Deponierung im Sinne eines vorbeugenden Strahlenschutzes zu hoch sind.

Deshalb muss die Entlassung von Reststoffen und Abfällen in den konventionellen Bereich auf jeden Fall stärker überwacht und reglementiert werden. Ein weitergehender Schutz der Bevölkerung wäre durch die Aufgabe der Freigaberegelung und die Verfolgung des französischen Konzepts mit einem gesonderten Entsorgungsweg für schwächer radioaktive Stoffe möglich.

Es muss dringend geprüft werden, ob eine Konzentration dieser Stoffe in einem die notwendigen Rückhalteanforderungen erfüllenden oberflächennahen Endlager sinnvoller ist als die Verteilung der Radioaktivität in verschiedenen Hausmülldeponien und Gegenständen für den menschlichen Umgang.

Der BUND lehnt grundsätzlich jegliche Freigaberegelungen in der Strahlenschutzverordnung ab. Dies hat zuletzt 2010 die Bundesdelegiertenversammlung des BUND betätigt.“

Die Studie ist hier zum download als PDF.

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