Plutonium-Transporte zum AKW Grohnde unterwegs – Sicherheitsrisiken auf Wasser und Straße

Erneut steht ein Transport von Plutonium-Brennelementen aus Sellafield/UK über den Hafen von Nordenham zum AKW Grohnde an. Am Wochenende 17/18. November werden die acht MOX-Brennelemente zunächst im Hafen von Nordenham und dann am AKW Grohnde erwartet. Zahlreiche Proteste sind angekündigt. Bereits am 3. November hatten Bürgerinitiativen und Umweltorganisationen in Grohnde und Nordenham protestiert. Informationen zu den Aktionen rund um das AKW Grohnde hier. Zu Aktionen in Nordenham hier mehr Infos und hier bei ContrAtom.

Wie sich beim letzten Transport gezeigt hat, werden nicht mal die zuständigen Katastrophenschutzbehörden (Landkreise) vorab über die gefährlichen Transporte ausreichend informiert. Erneut soll für den Plutoniumtransport der überalterte und unsichere Frachter Atlantic Osprey zum Einsatz kommen, um die acht so genannten MOX-Brennelemente von England nach Nordenham zu bringen.

Nicht nur der Transport von Plutonium ist äußerst gefährlich. Mit dem Einsatz im Reaktor sind weitere Sicherheitsrisiken verbunden (PDF) und selbst bei der späteren Lagerung sind Plutonium-Brennelemente schwieriger zu hantieren.

Das hat selbst E.on vor kurzem eingeräumt, allerdings nicht in der deutschen Öffentlichkeit, sondern bei einem Hearing in den USA: In dem Vortrag nennt E.on beim MOX-Einsatz  nur Nachteile gegenüber herkömmlichen Uranbrennelementen. In den USA gibt es noch kein einziges AKW, dass MOX einsetzen mag.

Medien haben jüngst berichtet, dass noch rund 100 solcher Plutonium-Transporte in den nächsten Jahren erfolgen sollen; dabei würden rd. 5.000 Kilogramm Plutonium transportiert werden.

Der Atomfrachter Atlantic Osprey ist – im Gegensatz zu anderen Schiffen für solche gefährlichen Transporte – nur einwandig gebaut und verfügt über nur eine Antriebs-Maschine.

Der Kreistag Wesermarsch und die Stadt Nordenham haben jüngst auf einer gemeinsamen Sondersitzung aus Anlass der Plutonium-Transporte eine Resolution verabschiedet. Darin stellen sie fest: “Nordenham darf keine Drehscheibe für internationale Atomtransporte, für den Umschlag brisanter, hochgefährlicher strahlender Güter sein und werden!” und fordern “die Genehmigung für den Umschlag der MOX-Elemente in Nordenham zu widerrufen und keine weiteren Genehmigungen für den Umschlag von Kernbrennstoffen in Nordenham mehr zu erteilen”.

Bremen hat seine Häfen für solche gefährlichen Transporte per Gesetz gesperrt. Cuxhaven und Wilhelmshaven weigern sich, solche atomaren Frachten über ihre Häfen umzuschlagen.

Auch die Grünen und die Linken im niedersächischen Landtag hatten sich mehrfach gegen die Plutoniumtransporte ausgesprochen. Der umweltpolitische Sprecher der Fraktion Die Linke im niedersächsischen Landtag, Kurt Herzog, fordert eine umgehende Sicherheitsüberprüfung der Atlantic Osprey. Herzog  sagte: „Uns ist das Protokoll einer Sicherheitsüberprüfung des Frachters bekannt geworden, welche die französische Atomaufsicht ASN am 6. September 2006 im Hafen von Dünkirchen durchgeführt hat. Der Bericht zeigt, dass es auf dem Schiff erhebliche Mängel gibt – beim Strahlenschutz für die Mannschaft, bei der Lagerung des radioaktiven Materials und bei der Handhabung von Beförderung und Entladung.“

Laut ASN hätten sich die Verantwortlichen auf der „Atlantic Osprey“ nicht einmal um die täglichen Strahlenmessungen gekümmert, kritisierte Kurt Herzog: „Auf dem Schiff wird mit hochradioaktivem Material offenbar ähnlich sorglos hantiert wie seinerzeit in der Schachtanlage Asse. Das niedersächsische Umweltministerium und das Gewerbeaufsichtsamt müssen das unbedingt kontrollieren, bevor die Entladung freigegeben wird.“

Auch die Grünen-Fraktion im Landtag von Niedersachen protestierte und forderte bereits vor einigen Wochen die Rücknahme der Transportgenehmigung durch das Bundesamt für Strahlenschutz. Die Grünen-Abgeordnete Ina Korter aus der Wesermarsch und der Fraktionsvorsitzende Stefan Wenzel befürchten, dass die vom Transport betroffenen Landkreise aufgrund der mangelnden Informationspolitik des Umweltministeriums über keinerlei Katastrophenschutzpläne verfügten. Korter: “Nicht einmal der Landrat des Landkreises Wesermarsch ist von der Landesregierung informiert worden”.

Wenzel kritisierte, dass Umweltminister Birkner zunächst versucht habe, dem Bundesamt für Strahlenschutz den “schwarzen Peter zuzuschieben”, obwohl eindeutig das Land Niedersachsen für die Gewährleistung der Transportsicherung zuständig sei.

Die Grünen-Politiker forderten die Landesregierung auf, die Transporte wegen mangelhafter Katastrophenschutzpläne sofort auszusetzen. Nach Fukushima müsse eine Neubewertung des Einsatzes von MOX-Elementen erfolgen.”

Die kleine Anfrage zum Thema finden Sie unter: http://www.fraktion.gruene-niedersachsen.de/cms/default/dokbin/416/416738.pdf

Vattenfall-AKW Brunsbüttel – Der Stilllegungsantrag zum nachlesen

Die Landesregierung in Schleswig-Holstein hat auf ihrer Homepage den Antrag von Vattenfall für die Stilllegung des AKW Brunsbüttel online gestellt. Der Antrag ist auch hier als PDF zum download zu finden.

Der Antrag, mit dem der Konzern den Rückbau des Atommeilers anstrebt, ist an die Bedingung gekoppelt, dass das Atommülllager Schacht Konrad ab 2018 betriebsbereit ist. Sollte das nicht der Fall sein, behält Vattenfall sich vor, den Antrag zurück zu ziehen. Klar ist aber, dass der Schacht Konrad frühestens ab 2019 für den Probebetrieb zur Verfügung steht und die Einlagerung erst ab 2024 erfolgen kann. Außerdem bestehen bis heute massive Sicherheitsbedenken gegen den Schacht.

Etwa vier Jahre wird nun die Prüfung durch die zuständige Atomaufsicht dauern.

Atommülldesaster ASSE – Die Welt danach – ein Film

Ein Film, der Inhalt: „Die Strahlenschützerin LISA (36) ist verantwortlich für die Durchführung der Bergungsarbeiten der Atommüllfässer aus dem Zwischenlager Asse II. Schon seit Jahren tritt Grundwasser ein, welches droht die Einlagerungskammern zu zerstören und radioaktiv verseucht in die Wasserversorgungskette der umliegenden Bevölkerung zu gelangen. Diese Aufgabe ist für sie eine große Herausforderung und bringt sie an den Rand ihrer Kräfte. Sie will ihren Job kündigen, um mehr Zeit für ihrer Familie zu haben, doch als die Probebohrung das Ausmaß der Gefahr für Umwelt und Bevölkerung ans Licht bringt, muss sie sich zwischen der Verantwortung für ihre Familie und der Verantwortung ihres Berufs entscheiden.“Sendetermin TV: 14.11.2021, BR, 23.40 Uhr

Katatrophenschutz AKW Grohnde: „Schünemann inszeniert sinnlose Übung als Wahlkampfhit“

Der katastrophale Katastrophenschutz an den Atommeilern wird immer mehr zu einem Thema, das auch im Wahlkampf von Niedersachsen eine Rolle zu spielen beginnt. Dort wird im Januar 2013 ein neuer Landtag gewählt. Jetzt hat Klaus-Peter Bachmann, innenpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion in Niedersachsen, den Innenminister Uwe Schünemann (CDU) wegen der Katastrophenschutzübung am vergangenen Wochenende rund um das AKW Grohnde scharf angegriffen. „Schünemann hat eine 0815-Katstrophenschutzübung inszenieren lassen, deren einziger Sinn und Zweck es war, der Bevölkerung Sand in die Augen zu streuen und Wahlkampf in eigener Sache zu machen“, sagte Bachmann am Dienstag in Hannover.

„Das Szenario war aber von der federführenden Polizeidirektion Göttingen so gewählt, dass die eingesetzten Kräfte nicht wirklich gefordert worden seien. „Atomare Wolken machen gemeinhin nicht an Landes- oder Kreisgrenzen halt. Und eine absolute Windstille ist auch eher selten. Beides gehörte aber zur angenommenen Lage. Das war eine Placebo-Übung“, sagte Bachmann.“

Zuvor hatten schon Bürgerinitiativen das Übungskonzept massiv kritisiert. Eine Vertreterin der Zeitung der IPPNW ist sogar von der Teilnahme als Pressevertreterin ausgeschlossen worden.

Auch rund um das AKW Brokdorf wächst der Protest wegen des fehlenden Katastrophenschutzes.

„Auch Sie leben im Super-GAU-Sperrgebiet!“

Dokumentation der Pressemitteilung vom Aktionsbündnis „Brokdorf abschalten“ zur Aktionswoche zum katastrophalen Katastrophenschutz vom 5. bis 11. November: Das Atomkraftwerk in Brokdorf muss abgeschaltet werden! / Über 20 Aktionen im weiten Sperrgebiet um Brokdorf / Die-Ins, Mahnwachen und ein Sternmarsch

In der Woche vom 5. bis 11. November fanden an über 20 Orten in Norddeutschland Aktionen gegen das AKW Brokdorf statt. Ausgerufen hatte die Aktionswoche das Bündnis „Brokdorf abschalten“. Darin engagieren sich Bürgerinitiativen aus dem ganzen Norden gemeinsam mit den Umweltorganisationen BUND, Robin Wood und Naturfreunde und den Anti-Atom-Organisationen ContrAtom und .ausgestrahlt.

„Über das ganze Sperrgebiet verteilt fanden Aktionen statt, darunter eine Kundgebung in Elmshorn, zahlreiche Infostände und Mahnwachen von Kiel bis Hamburg“, berichtet Jochen Stay von der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt. „Darüber hinaus beteiligten sich weitere Atomkraftgegnerinnen und -gegner, indem sie ihren Ort mit Plakaten als „Sperrgebiet“ markierten und den Menschen in ihrer Nachbarschaft so deutlich machten, dass ein möglicher Atomunfall im AKW Brokdorf sie direkt betrifft.“

„Aktuelle Berechnungen des Bundesamtes für Strahlenschutz belegen, dass Orte in bis zu 170 Kilometer Entfernung dauerhaft unbewohnbar werden können. Das mögliche Sperrgebiet erstreckt sich weit über Brokdorf hinaus, große Teile von Schleswig-Holstein, Hamburg und Nordniedersachsen wären betroffen“, so Dirk Seifert von Robin Wood über die Dimensionen der Katastrophe.

„Nach einer Reaktorkatastrophe müssen massenhaft Menschen aus dem weitläufigen Sperrgebiet evakuiert werden. Die Behörden sind schlecht vorbereitet und stehen dieser Mammutaufgabe hilflos gegenüber. Denn ein die Menschen schützender Katastrophenschutz ist je nach Unfallverlauf schlicht nicht zu organisieren. Der einzige Schutz vor der Katastrophe ist: Das AKW Brokdorf abschalten!“, fordert Karsten Hinrichsten von der Initiative Brokdorf-akut.

„Unser gemeinsames Ziel ist, dass die im Gefahrengebiet lebenden Menschen begreifen: Das störanfällige Atomkraftwerk in Brokdorf ist ein Risiko für jede und jeden von uns. Jeden Tag kann dort ein Unfall passieren und niemand wird uns vor den Folgen schützen können. Darum muss das AKW Brokdorf jetzt abgeschaltet werden – und nicht erst 2021“, so Marianne Kolter von der Anti-Atom-Initiative im Kreis Pinneberg.

Für Rückfragen:
Karsten Hinrichsen, Initiative Brokdorf-akut, Telefon: 04829/70 80; Marianne Kolter, Anti-Atom-Initiative im Kreis Pinneberg, Mobil: 0160/920 429 14; Jochen Stay, .ausgestrahlt, Mobil: 0170/93 58 759; Dirk Seifert, ROBIN WOOD, Tel. 040/380 892 21

Weitere Informationen:

www.brokdorf-akut.de

www.ausgestrahlt.de/brokdorf

www.robinwood.de/energie

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