Vattenfall setzt weiter auf Atomenergie

Der schwedische Staatskonzern Vattenfall setzt weiter auf die Atomenergie. Erst vor kurzem hatte der Konzern in Schweden angemeldet, dass er dort künftig neue Atommeiler bauen will. Jetzt teilt das Unternehmen mit, dass es erneut einen organisatorischen Umbau in Angriff nimmt, um die Sparte Atomenergie zu bündeln und zu stärken. Außerdem hat Vattenfall gestern die Umwandlung von der AG zur GmbH für die Atomkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel umgesetzt. Damit begrenzt Vattenfall nun seine Haftung für die Atommeiler und macht in letzter Instanz den deutschen Steuerzahler verantwortlich.

Über die Umstrukturierung bei Vattenfall berichten gestern zahlreiche Medien, u.a. hier im Stern:  Vattenfall baut um: Fokus auf Atomkraft und erneuerbare Energien und in der Welt: Stromkonzern Vattenfall wertet Atom-Sparte auf.

Der Stern schreibt: „Konzernchef Øystein Løseth sagte zur Umstrukturierung: „Vattenfall möchte der Atomkraft die besondere Aufmerksamkeit geben, die ihr zukommt.“ Deshalb werde die neue Geschäftseinheit Nuklear „ihr Augenmerk auf derzeitige und künftig mögliche Aktivitäten bei der Atomkraft richten.“ Hauptverantwortlich für diesen Bereich und damit auch für Fragen zum Atomausstieg in Deutschland wird der Schwede Torbjörn Wahlborg.“

Auch der Bereich Erneuerbare Energien wird umstrukturiert. Die bisherige Business Unit Erneuerbare Energien wird – wenn wundert es – abgeschafft und nun in die Sparte „Wasserkraft-, Gaskraft-, Braun- und Steinkohlekraftwerke“ eingeordnet, wie die Welt schreibt.

Die Verantwortung für die Atomkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel rückt nach dieser Umstrukturierung Richtung Schweden. Die Welt schreibt: „Für Probleme rund um die stillgelegten deutschen Pannenmeiler Krümmel und Brunsbüttel ist damit künftig der Schwede Torbjörn Wahlborg verantwortlich, der zum Chef der neue gegründeten „Business Division Nuclear“ ernannt wurde.“ Auch die Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht und vor dem Weltbankgericht in Washington übernimmt er damit.

Während Konzerne wie RWE und E.on in den letzten Monaten dabei sind, ihre Aktivitäten in der Atomenergie zurückzufahren, hält Vattenfall nicht nur an der Atomenergie fest, sondern will offenbar auch in Zukunft neue Projekte bauen. Bedenkt man, dass über 80 Prozent der Stromerzeugung von Vattenfall in Deutschland derzeit vor allem aus der besonders klimaschädlichen Braunkohle stammt, muss man sich schon Fragen, ob dem Konzern das Image völlig egal ist. Braunkohle, Atomenergie und ein wenig Wind werden in den nächsten Jahren vermutlich nicht reichen, um StromkundInnen zu überzeugen, dass Vattenfall die Energiewende will.

Dabei steht das Unternehmen schon heute an vielen Fronten unter Druck: In Berlin und Hamburg sind Volksinitiativen auf gutem Weg, im nächsten Jahr per Volksentscheiden dem Unternehmen die Strom- und Fernwärmenetze abzunehmen, in Berlin hat Vattenfall gerade mehrere Projekte mit Erneuerbaren Energien verschoben und dafür den Einsatz von Braunkohle verlängert. In Hamburg untermauert Vattenfall mit dem Großkraftwerk Moorburg, ein Kohlekraftwerk, seinen Ruf als Klimakiller, eine geplante Fernwärmeleitung wurde nach heftigem Widerstand durch Gerichte gestoppt und auch in Wedel bei Hamburg schlägt dem Unternehmen für den geplanten Neubau eines GuD-Kraftwerks nun der Wind ins Gesicht: Vattenfalls Planungen über die Köpfe der Betroffenen hinweg und ohne Alternativen zum Kraftwerk geprüft zu haben, wollen die BürgerInnen jetzt stoppen. Und zuletzt hatte Vattenfall in Sachen Atommeiler Brunsbüttel und Krümmel für Empörung gesorgt. Während sich die anderen Atomkonzerne allesamt entschieden haben, den schnellen Rückbau ihrer stillgelegten Atommeiler anzustreben, hält sich Vattenfall zum Unmut der Betroffenen BürgerInnen alle Türen offen.

Da könnte etwas Imagewerbung eigentlich nicht schaden. Die Ankündigung, auch in Zukunft voll auf Atomenergie zu setzen, dürfte da sicherlich nicht helfen.

 

 

Plutonium – fast 5.000 Kilogramm warten auf AKW-Einsatz

Noch fast 5.000 Kilogramm hochgefährliches Plutonium aus der Wiederaufarbeitung bestrahlter Brennelemente in Frankreich und England sollen in den nächsten Jahren in Form von so genannten Mischoxid-Brennelementen (MOX) in deutschen Atomreaktoren eingesetzt werden.  Das geht aus Daten der Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS) hervor.

Aktuell sollen MOX-Brennelemente mit dem Atomfrachter Atlantic Osprey von Sellafield über den Midgard-Hafen in Nordenham und dann weiter per LKW zum AKW Grohnde transportiert werden. Zahlreiche Initiativen und ROBIN WOOD rufen zum Protest gegen diese gefährlichen Transporte auf. Der Transport geht über Nordenham, nachdem Bremen und andere niedersächische Hafenstädte ihre Häfen für diese gefährlichen Atomtransporte gesperrt haben.

Jährlich erstellt die GRS im Auftrag der Bundesregierung (Bundesamt für Strahlenschutz) einen Bericht über die „Entsorgung abgebrannter Brennelemente aus den Kernkraftwerken in der Bundesrepublik Deutschland“, die so genannte Länderumfrage. Der letzte dieser Berichte ist im November 2011 erstellt worden. Die dort angeführten Daten haben den 31.12.2010 zum Stichtag, liegen also noch vor der Atomkatastrophe von Fukushima.

In der Zusammenfassung des Berichts heißt es: „Im Jahr 2010 wurden 590 kg Pu-fiss in Form von MOX-Brennelementen in die Reaktoren eingesetzt und rezykliert. Für weitere 4.993 kg Pu-fiss aus der Wiederaufarbeitung ist der Einsatz als MOX-Brennstoff in den Reaktoren bis 2019 geplant.“

Bei einem Anteil von durchschnittlich rund 13 Kilogramm Plutonium je Brennelemente entspräche dies einer Menge von rund 384 MOX-Brennelementen, die in den Jahren bis 2019 noch hergestellt, transportiert und in den Reaktoren eingesetzt werden sollen.

Der Bericht listet die verbleibenden Plutoniummengen der jeweiligen Eigentümer auf. Dabei ist zu beachten, dass Vattenfall in den AKWs Brunsbüttel und Krümmel keinen Einsatz von MOX durchgeführt hat. Das Plutonium von Vattenfall ist daher an die Gesellschaft VENE übergeben worden, ein Unternehmen, dass überschüssige Plutonium-Mengen der einzelnen Betreiber wie ein Pool verwaltet und für „Interessenten“ zur Verfügung stellt. Auf der S. 29f listet die GRS auf:

  • „E.ON KK besitzt 645 kg Pu-fiss, verwertet aber darüber hinaus weitere 1545 kg von anderen EVU. Insgesamt werden etwa 2190 kg in eigenen Reaktoren eingesetzt. Das Fremdplutonium stammt von RWE (109 kg aus KRB-C mit Einsatz in KKI-2 und/oder KBR) und VENE (264 kg aus KRB/KKK mit Einsatz in KWG, 1158 kg aus KKK mit Einsatz in KKI-2 und/oder KBR).
  • RWE besitzt 1965 kg Pu-fiss, verwertet davon aber nur 1856 kg in eigenen Reaktoren (KRB 865 kg, KKE 991 kg). Die Differenz von 109 kg übernimmt E.ON KK.
  • VENE besitzt 1709 kg Pu-fiss, verwertet aber nichts in eigenen Reaktoren. 264 kg sollen in KWG (E.ON KK), 1158 kg in anderen E.ON KK-Reaktoren und 287 kg in Reaktoren, die noch nicht festgelegt wurden, eingesetzt werden.
  • EnKK besitzt 660 kg Pu-fiss und will diese komplett im eigenen Reaktor GKN-Il einsetzen.“

Zum Einsatz von MOX siehe auch den Bericht: E.on räumt ein – Plutonium-Brennelemente machen nur Probleme. Und hier.

Seit Anfang der 80er Jahre bis Ende 2005 wurden bestrahlte Brennelemente aus deutschen Reaktoren zur Wiederaufarbeitung nach Frankreich und England transportiert. Der Anteil des spaltbaren Plutonium 239 beträgt dabei weniger als ein Prozent! In der Antwort zu einer Kleinen Anfrage teilt die Bundesregierung im April 2010 mit (PDF): „Aus der Wiederaufarbeitung bestrahlter Brennelemente im In- und Ausland sind insgesamt etwa 62,4 Tonnen Plutonium zu erwarten.“

Außerdem teilt die Bundesregierung mit: Bis zum 31. Dezember 2008 sind 838 Tonnen als MOX-Brennelemente entsprechend 50,8 Tonnen Plutonium in deutsche Reaktoren zurückgeführt worden.“

In einem Artikel hat die Osnabrücker Zeitung gestern davon gesprochen, dass nach ihren Recherchen noch insgesamt ca. 100 Atomtransporte mit plutoniumhaltigen MOX-Brennelementen zu den verschiedenen Atomkraftwerken in Deutschland zu erwarten sind. Eine nachvollziehbare Darstellung erfolgt in dem Artikel allerdings nicht. Die Zeitung berichtete: „Nach Informationen unserer Zeitung werden noch zahlreiche weitere derartige Transporte in den kommenden Jahren erfolgen – trotz Atomausstieg. Kraftwerksbetreiber EnBW teilt auf Anfrage mit, dass aus Sellafield etwa 28 Mox-Brennelemente zurückerwartet werden. Das ergebe sich aus der Menge des bei der Wiederaufarbeitung angefallenen Plutoniums.“

Außerdem berichtet die OZ, dass E.on auch aus Franreich noch weitere MOX-Brennelemente erwartet: „Abgesehen von der letzten Fracht aus England steht bei Eon noch die Lieferung von etwa 60 Mox-Brennelementen aus der Wiederaufarbeitungsanlage im französischen La Hague aus. Hierhin wurden über die Jahre 5379 Tonnen strahlende Fracht geliefert. Keine genauen Angaben wollte RWE machen, nur so viel: Auch der Essener Konzern muss noch Mox-Brennelemente zurücknehmen.“

Entgegen der Behauptung in der Osnabrücker Zeitung, dass das AKW Emsland laut RWE keine Genemigung für den MOX-Einsatz hat, verfügen alle neun noch in Betrieb befindlichen Atomkraftwerke über eine Genehmigung für den Einsatz von MOX-Brennelementen: Brokdorf, Grohnde, Emsland, Philippsburg 2, Neckarwestheim 2, Gundremmingen B und C, Isar 2, Grafenrheinfeld.

100 mal Plutonium-Transporte aus Sellafield und La Hague

Noch rund 100 Atomtransporte mit plutoniumhaltigen Brennelementen aus den Anlagen Sellafield (UK) und La Hague bzw. von AREVA (Frankreich) stehen in den nächsten Jahren noch an. Darüber berichtet die NOZ ausführlich in ihrer heutigen Ausgabe.

Derzeit gibt es immer mehr Anzeichen, dass der Plutonium-Transport mit MOX-Brennelementen aus Sellafield über den Hafen von Nordenham zum AKW Grohnde begonnen haben könnte und am Wochenende in Nordenham eintreffen wird. Die Atlantic Osprey scheint ihren britischen Hafen verlassen zu haben.

Hier den Protest online unterstützen!

Aufruf: Bürgerinitiativen gegen Plutonium-Brennelemente (MOX)!

20.9.: Die Polizeidirektion Oldenburg bestätigte gegenüber dem Bremer WESER-KURIER, dass sie am Wochenende mit dem Eintreffen der Mox-Elemente rechne.

ab Fr. 21.9., 18 Uhr: Dauermahnwache vor AKW Grohnde | Ort der Mahnwache, Karte

Im September und November sollen Plutonium-Mischoxid (MOX) – Brennelemente aus der britischen Plutoniumfabrik Sellafield per Schiff nach Nordenham gebracht und von dort per LKW quer durch Niedersachsen zum Atomkraftwerk Grohnde (bei Hameln) gebracht werden. Beim Transport und beim Einsatz im Reaktor gehen von den plutoniumhaltigen Brennelementen besondere Gefahren aus.

Deshalb bitten wir insbesondere Gruppen in Niedersachsen aber gerne auch darüber hinaus, sich mit eigenen Aktionen entlang der Transportstrecke zu beteiligen. Das reicht von Infoständen, mit denen die Bevölkerung schon vor den Transporten informiert werden kann über Mahnwachen während der Transporte bis hin zu öffentlichkeitswirksamen Aktionen in Orten und auf der Straße.

Der erste Transport steht unmittelbar bevor. Bitte prüft, ob die Transporte bei Euch vorbeikommen könnten und entscheidet schnell, ob Ihr dabei seid – evtl. auch, wenn ihr ein wenig bis zur Transportstrecke fahren müßtet. Alle (uns bekannten) Infos, wann das Schiff in Sellafield losfährt, in Nordenham ankommt und wie es dann über Land weitergeht, findet Ihr zeitnah unter twitter.com/castorticker und twitter.com/MOX_Ticker

Mehr Infos zu Hintergründen und Material (auch zum Verteilen) findet Ihr auf unserer Homepage www.grohnde-abschalten.de

Bis zum 2. Transport, der für November geplant ist, wäre dann auch noch Zeit für örtliche Info-Veranstaltungen, kommunale Initiativen und bessere Aktionsvorbereitung.

Laßt uns wissen, ob Ihr mitmacht und wie wir Euch unterstützen können.

Plutonium-MOX-Transporte stoppen ! – Kein Einsatz von Plutonium-MOX-Brennelementen ! – Stilllegung aller Atomkraftwerke !

Regionalkonferenz Grohnde-abschalten,
Göttingen, 16. September 2012

Kontakt:
Bernd Schlinkmann
0171 – 6803358
hubschlinkmann(at)t-online.de

Infos als PDF
(enthält zusätzlich eine Karte mit der möglichen(!) Straßen-Transport-Strecke) – bitte auch weitere Menschen/Gruppen informieren

Atomtransport mit der Atlantic Osprey – Protokoll einer Sicherheitsprüfung

Plutonium-Transport: Protokoll einer Kontrolle der Atlantic Osprey. Mängel beim Strahlenschutz.

Atomtransporte werden nur im Einzelfall bzw. stichprobenartig von Genehmigungs- oder Überwachungsbehörden oder der Polizei kontrolliert. Berichte über derartige Kontrollen gelangen meist nicht an die Öffentlichkeit, selbst wenn es zu Beanstandungen gekommen ist. Dabei werden Atomtransporte auch unter abenteuerlichen Bedingungen durchgeführt.

Hier ist so ein seltener Bericht über eine (unangemeldete) Kontrolle des Atomtransporte-Frachters „Atlantic Osprey“ vom 6. September 2006 durch die französische Atomaufsicht Autorité de Sureté Nucléaire (ASN) im Hafen von Dünkirchen. Das Original in französischer Sprache (PDF) und hier eine „schnelle“ Übersetzung ins deutsche (PDF, Dank an Norbert Welker, BUND Cuxhaven).

Die Atlantiv Osprey wird vermutlich in den nächsten Tagen mit plutoniumhaltigen MOX-Brennelementen von Sellafield/UK aus starten. Im Midgard-Hafen von Nordenham sollen diese hochgefährlichen Brennelemte umgeladen und dann weiter auf der Straße zum AKW Grohnde transportiert werden. Die Atlantic Osprey steht wegen zahlreicher Sicherheitsmängel in der Kritik.

Der Bericht zeigt auf, dass es vor allem hinsichtlich des Strahlenschutzes für die Beschäftigten Mängel gibt, aber auch Defizite bei der Verpackung der radioaktiven Materialien.

Die Kontrolleure können nur wenige Dinge vor Ort tatsächlich überprüfen. Dazu zählte:

  • die Kennzeichnung und Markierung des Packstückes
  • die Transportpapiere
  • die Radioaktivitätsmessungen
  • die Handhabung von Beförderung und Entladung
  • die Bordpapiere des Schiffes und seine Ausrüstung
  • die Papiere und die Ausrüstung des Strassenbegleitfahrzeugs

Dennoch fanden die Kontrolleure diverse Mängel: So war die radioaktive Fracht (frische Brennelemente) so schlecht verladen, dass es beim Endladen diverse Probleme gab. Dabei hielten sich zahlreiche Mitarbeiter unnötigerweise in direkter Nähe der radioaktiven Fracht auf, was zu einer unnötigen Strahlenbelastung führte.

In dem Bericht heißt es: „Darüber hinaus hielten sich zahlreiche Personen in der Phase der Überlegung, wie die Entladung vonstatten gehen könnte, während langer Zeiträume in unmittelbarer Nähe des Packstückes. Auch wenn die radioaktive Strahlung des Packstückes nur sehr gering sein sollte, entspricht diese Vorgehensweise nicht den Vorgaben von ALARA. Der Entladevorgang hat einen Mangel in der Vorbereitung dieser Phase des Transports aufgezeigt.“

Der Strahlenschutz für die mit dem Transport befassten MitarbeiterInnen scheint ein größeres Problem zu sein, denn die Kontrolleure kritisieren die für den Atomtransport Verantwortlichen: „Die Vorschriften des Schiffes zum Strahlenschutz sehen die tägliche Durchführung  von einer Kontrolle der Dosimeter der Besatzung und eine Kontrolle des Laderaums auf Strahlung vor.
Die Besatzung konnte den Nachweis der Befolgung dieser Vorschrift nicht führen.
Das Besatzungsmitglied, das uns begleitete, wusste nichts vom Vorhandensein der
Strahlenmessgeräte , noch kannte es den Ort ihrer Lagerung. Eine Aktion zur Sensibilisierung erscheint notwendig.“

Gegen den Umschlag der Plutonium-Brennelemente haben sich auch der Kreis Wesermarsch und die Stadt Nordenham ausgesprochen.

Unterstützen Sie den Protest mit ihrer Unterschrift online – hier!

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