Rostige Atommüll-Fässer: Da wird nicht so viel kontrolliert

Atomüllfass aus dem AKW Brunsbüttel - immer mehr Fässer mit Rost-Befunden tauchen auf. Foto: Energieministerium SH
Atommüllfass aus dem AKW Brunsbüttel – immer mehr Fässer mit Rost-Befunden tauchen auf. Foto: Energieministerium SH

In den Kellern des AKW Brunsbüttel sind beim Aufräumen durchgerostete Atommüll-Fässer gefunden worden, bei denen das Strahlenmaterial hervorquillt. Jetzt sagt Michael Sailer vom Öko-Institut und Chef der Entsorgungskommission des Bundesumweltministeriums, dass das kein Ausnahmefall ist, sondern möglicherweise die Normalvariante. Im Spiegel stellt er fest: „Das passiert im Prinzip in jedem deutschen Zwischenlager; es ist bloß nicht überall so offensichtlich wie in Brunsbüttel. Das Tückische ist, dass man die Schwächen erst bemerkt, wenn die Fässer schon mindestens an einer Stelle durchgerostet sind. Außerdem finden nicht überall Kontrollen wie in Brunsbüttel statt, weil die Fässer teilweise so dicht zusammenstehen, dass keine Kamera dazwischen passt.“

Im Vattenfall-AKW Brunsbüttel sind vor kurzem bei  18 von 70 überprüften leicht- und mittelradioktiven Atommüll-Fässern Roststellen entdeckt worden. Dabei soll bei einigen der Fässer der radioaktive Abfalle bereits hervorquellen. Insgesamt müssen 631 derartiger Fässer geprüft werden.

Was Michael Sailer in dem Spiegel-Interview sagt, wirft Fragen auf: Wie sieht es mit den Atommüll-Fässern in den anderen Atommeilern und in den alten Atom-Forschungsanlagen aus? Sailers Hinweis, dass bei vielen Atomanlagen nicht so genau hingeschaut wird, weil „keine Kamera dazwischen passt“ ist eigentlich unglaublich. Aber genau das war im AKW Brunsbüttel der Fall: Seit den 70er Jahren hatte man den Müll „auf Halde“ gelegt, weil es ein Endlager ohnehin nicht gab. Und möglicherweise ist das die Normalität in den anderen Atommeilern!

Sailer verweist darauf, dass in den 70er Jahren die AKW-Betreiber und Teile der politischen Verantwortlichen nicht damit gerechnet haben, dass der Atommüll derart lange zwischengelagert werden müsse und versucht damit die jetzt auftretenden Störfälle zu erklären. Doch das ist eine Verharmlosung. Die Betreiber und ebenso die Atomaufsichtsbehörden der Bundesländer wissen seit Jahrzehnten, dass es bei der Endlagerung nicht so richtig voran geht.

Nicht nur bei den hochradioaktiven Abfällen (Stichwort Gorleben), sondern auch bei dem leicht- und mittelaktiven Strahlenmüll herrscht seit vielen Jahren ein Notstand, der zu unverantwortlichen Umgangsweisen geführt hat: Erst ist dieser Atommüll – dessen Reste im AKW Brunsbüttel gerade „entdeckt“ werden – in dem Versuchs-Endlager ASSE II im großen Stil versenkt worden. Dabei wurden alle Sicherheits-Warnungen ignoriert! Heute droht das vermeintliche Endlager ASSE II einzustürzen und abzusaufen. Und mit einem Milliarden-Euro-Aufwand wird derzeit versucht, diesen Atommüll zu bergen, bevor es zur Katastrophe kommt.

Damit nicht genug: Obwohl allen im Grunde klar war, dass das aus dem Erbe der DDR übernommene Atommülllager Morsleben nicht wirklich taugte, wurden hier in Folge der Wiedervereinigung nach dem Ende der ASSE II wiederum viele tausende Tonnen leicht- und mittelaktiver Strahlenabfälle aus den AKWs und Forschungsanlagen versenkt. Erst ein höchstrichterliches Urteil stoppte die von der damaligen Umweltministerin Angela Merkel (!!) betriebene Einlagerung!

ASSE II, Morsleben sind gescheiterte Endlager-Projekte. Der Nachfolger soll der Schacht Konrad werden. Konrad, in Salzgitter, wurde damals auch am „grünen Tisch“ als Standort entschieden. Eine Untersuchung alternativer Standorte entlang klar definierter Kriterien gab es ebenso wenig wie bei Gorleben. Ebenso wurde das Genehmigungsverfahren immer wieder durch politische Weisungen und Einmischungen (Töpfer) beeinflusst. Und schließlich wurde die Genehmigung trotzt vorhandener Sicherheitsbedenken erteilt, nachdem der rot-grüne Konsens mit den Atomkonzernen 2000/2002 auf den Weg gebracht wurde. Die Genehmigung war ein politischer Deal!

Bis heute dauert der Ausbau im Schacht Konrad an und immer mehr zeigen sich die gravierenden Sicherheits-Probleme, die zu immer neuen Verzögerungen führen. Zuletzt war es das Unternehmen der AKW-Betreiber selbst – die DBE – die einräumen musste, dass man ein paar mehr Jahre brauche, um die Risse und fehlende Festigkeit des Gesteins zu sanieren.

Und last but not least erinnert das Ganze an den Skandal um die so genannten „Blähfässer“ Anfang der 80er Jahre. Die AG Schacht Konrad erinnert auf ihrer Seite an diesen Skandal: „Furore machten die sogenannten „Blähfässer“. Im Zwischenlager Gorleben wurden Fässer entdeckt, deren Deckel aufgebläht waren, in denen also eine unerwartete Gasentwicklung stattfand. Infolge dieser Phänomene und der im Rahmen des Transnuklear-Skandals aufgedeckten Falschdeklarationen von Abfallfässern, wurden sämtliche in Gorleben zwischengelagerten 1300 Fässer zur Untersuchung nach Jülich verbracht, um sie dort auf ihre Inhaltsstoffe zu untersuchen. Keines der untersuchten Fässer hatte eine gültige Dokumentation, 45,6% der Fässer mußten nachkonditioniert werden und bei 15% der Fässer wurde sogar eine zerstörende Prüfung vorgenommen, da anhand verschiedener zerstörungsfreien Prüfungen sicher festgestellt wurde, daß die tatsächlichen Inhaltsstoffe nicht mit den angegebenen übereinstimmten.“

Doch: All die Probleme werden derzeit klein geredet, irgendwie nicht wirklich aufgerollt. Der Grund liegt auf der Hand: Derzeit soll das Endlagersuchgesetz als vermeintlicher Neustart bei der Suche für ein dauerhaftes Lager für die hochradioaktiven Abfälle an den Start gebracht werden. Da stört es irgendwie, wenn nicht mal bei den leicht- und mittelradioaktiven Strahlenabfällen die Sache so richtig funktioniert.

ROBIN WOOD-MAGAZIN: Alles Energiewende – Schlaglichter einer Katastrophe

Alle reden von der Energiewende. Doch kaum jemand vom Klimaschutz. Wie seit den 90er Jahren nicht mehr, erreicht die Braunkohleverstromung Rekordwerte. Nicht nur in Deutschland: Weltweit steigt der Anteil der Kohleverbrennung. Was da gerade geschieht, ist im neuen ROBIN WOOD-MAGAZIN nachzulesen. Schlaglichter einer Katastrophe, die zeigen, was hinter dem Wort Energiewende versteckt werden soll und wie die neue Bundesregierung Wind- und Sonnenstrom abdrehen will. Erschreckende Bilder von den Kohlefeldern in Jharia in Indien und genauso beklemmend, wie (deutsche) Banken das internationale Kohlegeschäft mit ihren Krediten anfeuern. Ach, und dann ist ja da noch das ungelöste Atommüll-Desaster und der nicht enden wollende Versuch, das Fracking schleichend zuzulassen.

Über diese Energie-Themen und mehr aus den Bereichen Verkehr, Tropen/Wälder berichtet das neue ROBIN WOOD-Magazin. Probeexemplare lassen sich hier bestellen, online als PDF gibt es das aktuelle Heft hier:

Alle Energie-Themen im Heft 1/2014 online als PDF hier:

Die Kohlefelder von Jharia, Indien

Banking on coal: Das weltweite Kohle-Desaster

Alles Energiewende – Schlaglichter einer Katastrophe

Erneuerbare ausgebremst: Die große Koalition und die Energiewende

Atommüll: “Irgendwo muss das Zeug ja hin”

Fracking: Die Große Koalition braucht öffentlichen Druck

Atommüll-Lagerung: Fehlstart für den Neustart – Das Geschacher um Castor-Transporte

Jede Menge Castoren zum Verteilen....
Jede Menge Castoren zum Verteilen….

Tippfehler oder nicht ganz unwichtige neue Information in Sachen Rücktransporte von radioaktiven Abfällen per Castor aus der Wiederaufarbeitung in Frankreich und England? Die taz jedenfalls berichtet über ein Papier des Bundesumweltministeriums: „Demnach haben sich Bund, Länder und Vertreter der AKW-Betreiber schon in einer Sitzung am 19. November 2013 auf „Vorschläge für Entscheidungskriterien“ geeinigt. Dabei geht es darum, wie die 21 Castoren aus der britischen Wiederaufbereitungsanlage Sellafield verteilt werden können, die zwischen 2017 und 2019 den Atommüll aus deutschen AKWs zurückbringen.“ Bislang war die Rede davon gewesen, dass dieser hochradioaktive Atommüll aus der Plutoniumherstellung aus Brennelementen bundesdeutscher AKW-Betreiber bereits im 2015/16 zurück kommen sollte.

Ebenso interessant, dass AKW-Betreiber mit am Tisch gesessen haben sollen. Bislang ist von denen nur bekannt, dass sie sich an den Planspielen der politischen Entscheidungsträger in Bund und Ländern nicht weiter beteiligen. Ohne ihre Zustimmung allerdings wären alle diese Planspiele hinfällig, denn die AKW-Betreiber müssten für die Einlagerung der Atomabfälle aus dem Ausland neue Genehmigungsanträge stellen, die das Bundesamt für Strahlenschutz bearbeiten müsste.

Bundes-Castor-Lager in Lubmin/Greifswald

Eine Ausnahme gibt es: Das Atommüll-Zwischenlager in Lubmin bei Greifswald. Das gehört dem Bund und der könnte grundsätzlich damit selbst entscheiden. Allerdings hat das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern erst vor kurzem per Rechtsverordnung festgelegt, dass das Lager keinen weiteren Atommüll aus westdeutschen Anlagen aufnehmen darf. Darüber hatte es zuvor heftige Auseinandersetzungen gegeben.

Die taz berichtet dazu: „Allerdings führt das Papier aus dem Ministerium an, bevor nicht aufgerüstet werde, komme „eine Einlagerung aus sicherheitstechnischen Gründen nicht in Betracht“, außerdem müsste ein Schiff aus England den weiteren Weg durch Skagerrak und Ostsee nehmen. (Warum der Nord-Ostsee-Kanal nicht in Frage kommt, wird nicht dargelegt, umweltfairaendern). Der Schweriner Innenminister Lorenz Caffier (CDU) war am Freitag extra nach Berlin gereist, um die Pläne abzulehnen: „Wir nehmen den Müll aus den bundeseigenen Forschungsreaktoren. Für alles andere wären ja völlig neue langwierige Genehmigungsverfahren nötig.“ Neue Genehmigungen sind aber auch an allen anderen Standorten notwendig.“

Die Grünen in Mecklenburg-Vorpommern sind gewarnt:  „Die Aufnahme von Castoren könne deshalb mit den dazu erforderlichen Genehmigungen über den direkten Zugriff der Bundesregierung auf das eigene Unternehmen schnell realisiert werden, sagte Grünen-Fraktionschef Jürgen Suhr am Mittwoch“, heißt es in einer Meldung auf t-online.

Politisch-technische Kriterien für die strahlenden Frachten

Dem Bericht der taz zufolge, sollen diverse Castor-Lager an den AKW-Standorten bereits ausgeschlossen worden sein. Demnach sollen Brunsbüttel und Esenshamm/Unterweser ausscheiden, weil die beiden Lager noch beklagt werden bzw. das OVG in Schleswig im Sommer 2013 in einem bedeutsamen Urteil die Genehmigung wegen fehlender und sogar falsch erbrachter Sicherheitsnachweise aufgehoben hat. Nun versuchen Vattenfall als Betreiber  und das Bundesamt für Strahlenschutz als Genehmigungsbehörde vor dem Bundesverwaltungsgericht das Urteil zu Fall zu bringen.

Ob Brunsbüttel tatsächlich raus ist aus dem Rennen, ist bislang aber unklar. Die SHZ schreibt: „Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne) bekräftigte am Mittwoch in Kiel die Bereitschaft Schleswig-Holsteins, einen Teil der Castoren aufzunehmen. Zum TAZ-Bericht, den er zu dem Zeitpunkt noch nicht kannte, wollte er sich nicht äußern.“

Ebenfalls sollen AKWs ohne Gleisanschluss ausscheiden. Die taz berichtet: „Damit fallen die AKWs in Grafenrheinfeld und Neckarwestheim als Zwischenlager weg. Gundremmingen wird von der Liste gestrichen, weil es keinen Platz hat, ähnlich ist es beim Zwischenlager Ahaus.“

Daher kommt als Fazit heraus: „Die verbleibenden Standorte teilen sich grob in die norddeutschen AKWs Brokdorf, Grohnde, Krümmel und Emsland und die südlichen Kraftwerke in Biblis und Isar. Weil der Transport aus Sellafield per Schiff geplant ist, wären die norddeutschen Standorte schneller zu erreichen, nach Hessen und Bayern müssten die Transporte bis zu 800 Kilometer über die Schiene rollen. Mit diesem Argument und den höheren Kosten wehrt sich etwa Bayern heftig gegen die Castoren.“

Abziehen könnte man vermutlich auch das Castor-Lager am AKW Emsland, da es in Lingen, Niedersachsen liegt. Ebenso das Lager am AKW Grohnde.  Denn die taz schreibt weiter, dass es neue Kriterien gibt, die noch zu berücksichtigen sind: Der Umwelt-Staatssekretär „Flasbarth sagte der taz, bei der Suche nach Standorten sei „nichts unmöglich.“ Der Prozess sei erst einmal „auf null gesetzt“, zusätzlich zur technischen Eignung der Standorte solle jetzt auch mit in die Debatte einfließen, aus welchen Ländern besonders viel Atommüll stammt und welche Länder bereits viele Konflikte um die Lagerung des Mülls auszustehen gehabt haben – das zielt ganz klar auf Bayern und Niedersachsen.“

Offenbar gesetzt: Atommüll aus Frankreich geht nach Philippsburg

Eine Entscheidung, was den künftigen Standort für den mittelaktiven Atommüll aus der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague angeht, scheint klar: Die fünf Castor-Trasporte aus Frankreich sollen den Planspielen zufolge offenbar ins AKW Philippsburg. Dass der dortige Bürgermeister massiven Widerstand ankündigt, ebenso wie die Initiativen vor Ort, stört offenbar die grün geführte Landesregierung nicht sonderlich. Jedenfalls ist dem Bericht, den die taz zitiert, offenbar zu entnehmen, dass diese Frage irgendwie als nicht mehr strittig angesehen wird. Aber man weiß ja nie….

Fehlstart für den Neustart

Dass Bayern als CSU-Land immer mehr in den Focus gerät, liegt vor allem an den Grünen. Bislang gibt es nur drei Bundesländer, in denen Grüne mitregieren, die zur Aufnahme des Castor-Mülls bereit sind: Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg und neuerdings Hessen. In Hessen war massiver Druck der Grünen notwendig, um die CDU zu bewegen, Biblis als möglichen Standort in den Blick zu nehmen. Bouffier hatte heftig gegen diese Variante gestritten und davon gesprochen, dass Biblis kein „Endlager durch die Hintertür“ werden dürfe.

Dass sich die CDU/CSU derart gegen die Aufnahme der Castoren aus England und Frankreich stellt, macht in Sachen „Konsens“ für die Endlagersuche natürlich keinen sonderlich guten Eindruck und bestärkt die Stimmen, die an einen „Neustart“ und eine „ergebnisoffene Suche“ nach einem Atommülllager für hochradioaktive Abfälle nicht so recht glauben wollen.

Hintergrund ist, dass vor allem die CDU/CSU darauf bestanden hatte, dass Gorleben als Option für ein solches Endlager im Rennen bleibt. Um allerdings den Standort nicht weiter zu „belasten“, sollen die besagten Atommülltransporte nicht mehr in das dortige oberirdische Zwischenlager transportiert werden. Die bisherige Umgangsweise der CDU/CSU in dieser Frage zeigt, warum die Umweltverbände zurecht an einen Neubeginn nicht glauben wollen und das Endlagersuchgesetz nur als eine neue Methode ansehen, um am Ende Gorleben doch als Endlager zu beschließen.

Atomdrehscheibe Hamburg – Linksfraktion sorgt für neue Information über Atomtransporte

Atomtransport per LKW im Hamburger Hafenbereich.
Atomtransport per LKW im Hamburger Hafenbereich.

Die Links-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft hat per Kleiner Anfrage neue Daten zu Atomtransporten (PDF) durch Hamburg recherchiert. Damit liegen nun Daten vom November 2013 bis zum Februar 2014 vor. Die Linke fragt diese Daten regelmäßig beim Hamburger Senat ab, so dass für die letzten Jahre die in Hamburg durchgeführten Transporte mit sämtlichen radioaktiven Materialien einigermaßen bekannt sind. Im Sommer letzten Jahres wäre es während des Kirchentages beinahe im Hamburger Hafen zu einer Katastrophe gekommen. Ein mit radioaktivem Material beladener Frachter war in Brand geraten. Das Feuer dauerte mehrere Stunden und nur dem umsichtigen Eingreifen der Feuerwehr war es zu verdanken, dass nichts schlimmeres passierte.

Vattenfall voller Rost: Atommüll im AKW Brunsbüttel quillt aus den Fässern

Vattenfall-AKW-Brunsbuettel-Dez2013-01
Blitzende Firmen-Schilder – rostige Atommüllfässer: Vattenfall AKW Brunsbüttel. Foto: Dirk Seifert

18 von 70 Atommüllfässern in der ersten von sechs Kavernen im Vattenfall-AKW Brunsbüttel zeigen Rost-Befunde. Das ist rund ein Viertel. Bei einigen soll sogar der radioaktive Abfall aus den offenen Roststellen ausgetreten sein. Das teilt das Energieministerium in Schleswig-Holstein jetzt mit. Insgesamt 631 Fässer mit dem Strahlenmüll lagern in sechs dieser unterirdischen Kavernen und sind offenbar seit rund 30 Jahren nicht mehr besichtigt worden. Die Strahlung in den Kellerräumen ist derart hoch, dass Menschen sie nicht betreten können.

Die Sache wird immer abenteuerlicher und zeigt das Ausmaß der gesamten Atommüll-Misere.  Um den radioaktiven Müll bergen zu können, will Vattenfall die maroden Fässer per Fernsteuerung zunächst in spezielle Müllsäcke verpacken. Wie das genau erfolgen soll und welche Art Säcke das sein sollen, teilte das Energieministerium nicht mit. Allerdings ist das Konzept noch in Arbeit und muss dann von der Behörde noch genehmigt werden.  In den nächsten Monaten sollen die weiteren Kammern geöffnet werden. Bei zwei von ihnen müssen zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen erfolgen, bevor sie geöffnet werden können. Die weiteren Untersuchungen werden noch die nächsten Monate in Anspruch nehmen. Vor 2015 dürfte mit einer Bergung der Atommüllfässer nicht begonnen werden können.

Hier in voller Länge die PM des Energieministeriums: „Weitere korrodierte Fässer im Kernkraftwerk Brunsbüttel festgestellt – Umweltminister Habeck: „Es ist ein systematisches Problem“, Erscheinungsdatum: 19.02.2014 09:09 Uhr

BRUNSBÜTTEL/KIEL. Im Kernkraftwerk Brunsbüttel sind die Kamerainspektionen an Fässern mit radioaktiven Abfällen in der ersten von insgesamt sechs Kavernen abgeschlossen. Wie von der schleswig-holsteinischen Atomaufsichtsbehörde erwartet, wurden an weiteren Fässern teilweise starke Korrosionserscheinungen festgestellt. Von den insgesamt 70 Fässern weisen 18 Fässer – das entspricht etwa einem Viertel – starke, zum Teil die Wand durchdringende Korrosion auf. Die Atomaufsicht verständigte sich mit der Betreibergesellschaft Vattenfall darauf, dass für die stark korrodierten Fässer eine Bergungseinrichtung entwickelt wird, die es ermöglicht, die Fässer zu heben und zu transportieren, ohne dass radioaktive Stoffe freigesetzt werden.

„“Vor gut zwei Jahren wurde das erste stark korrodierte Fass entdeckt. Wir hatten die Befürchtung, dass weitere Fässer betroffen sind. Jetzt wissen wir, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt, sondern um ein systematisches Problem. Eine Gefährdung der Umgebung und Umwelt ist nicht gegeben. Die Kavernen sind sicher. Ein Teil der Fässer ist aber nicht mehr sicher handhabbar. Die Betreibergesellschaft muss Planung und Herstellung der Bergungseinrichtung nun zügig vorantreiben““, sagte der für die Atomaufsicht zuständige Energiewende- und Umweltminister Robert Habeck heute (19. Februar 2014) in Kiel. „“Bei der Bergung hat der Strahlenschutz für die Mitarbeiter oberste Priorität.““

Die untersuchten Fässer mit schwach radioaktiven Filter- und Verdampferkonzentraten im Kernkraftwerk Brunsbüttel lagern teils seit mehr als 30 Jahren in den Kavernen des Kernkraftwerks. „“Die Lagerung in den Kavernen war nur für wenige Jahre gedacht. Aber noch heute haben wir kein Endlager vollständig genehmigt und im Betrieb. Das alles zeigt:

Die Probleme im Umgang mit Atomkraft und ihren Folgen wurden regelmäßig unterschätzt. Der Einstieg in die Atomenergie war ein Irrweg, der nie hätte eingeschlagen werden dürfen““, erklärte Habeck.

Die Betreibergesellschaft Vattenfall hatte in der vergangenen Woche der Atomaufsichtsbehörde den Prototypen einer Bergungseinrichtung vorgestellt, mit dem korrosionsgeschädigte Fässer in Spezial-Säcke und dann in sichere Behälter gehoben werden sollen. Von 2015 an sollen die Fässer geborgen werden, in sichere, endlagergerechte Gebinde umgefüllt und in die Lagereinrichtungen (Fasslager, Transport-Bereitstellungshallen auf dem Gelände des Kernkraftwerks) verbracht werden, bis das Endlager für schwach- bis mittelradioaktive Abfälle, Schacht Konrad, zur Verfügung steht.
Die Kamerainspektion hatte im Januar begonnen. Die Betreibergesellschaft geht derzeit von säuregetragener Korrosion aus, die sich vom Fassinneren heraus entwickelt. Die Ursache der Korrosion ist noch nicht abschließend geklärt. Im Zuge der bisherigen Inspektion wurde zudem bei einem Fass festgestellt, dass an einer Stelle Fassinhalt (Filterharz) in flüssiger Form ausgetreten ist.

Die Inspektion erfolgte fernbedient unter strengen Strahlenschutzmaßnahmen für die Mitarbeiter. Während der Öffnung der Betonriegel, die die Kaverne nach oben hin abschließen, wurde die Raumluft permanent überwacht. Unzulässige Freisetzungen waren und sind bislang nicht festzustellen. Die untersuchte Kaverne ist gestern wieder mit Betonriegeln verschlossen und abgedichtet worden.

Bis Oktober 2014 sollen zunächst drei weitere Kavernen mit der gleichen Inspektionskamera untersucht werden. Zuvor ist es allerdings erforderlich, dass die sogenannten Lastanschlagpunkte der Betonriegel ertüchtigt werden. Bei den letzten beiden Kavernen sind weitere Vorarbeiten notwendig, um die Dosisbelastung des Personals zu minimieren. Diese Vorarbeiten können erst durchgeführt werden, wenn sämtliche Arbeiten an den ersten vier Kavernen abgeschlossen sind.
Hintergrund

Die Fässer lagern in 6 Kellerräumen, den sogenannten Kavernen, des Kernkraftwerks. In den 631 Stahlfässern werden radioaktive Abfälle (Filterharze, Verdampferkonzentrate und Mischabfälle) aus dem Leistungsbetrieb des Reaktors aufbewahrt. Die Kavernen befinden sich im Keller des Feststofflagers.

Zwischen den eng neben- und übereinander stehenden Fässern sind in der Vergangenheit mit bis zu 600 Millisievert pro Stunde hohe Strahlenwerte gemessen worden. Dies sind zwar hohe, aber nicht ungewöhnliche Werte. Die Strahlung reduziert sich nach dem Abstandsquadratgesetz. Zudem sind die Kavernen durch 110 Zentimeter dicke Betonriegel von oben her abgeschirmt. Diese Betonriegel reduzieren die Strahlung so weit, dass oberhalb der Kaverne unter Strahlenschutzmaßnahmen gefahrlos gearbeitet werden kann. Im Arbeitsbereich herrschte während der Inspektionsmaßnahmen bei geöffneter Kaverne eine Dosisleistung von 1 – 2 Mikrosievert.

Die Ortsdosisleistung im Kontrollbereich wird durch festinstallierte Messeinrichtungen überwacht. Aufgrund der Ergebnisse der Strahlenschutzüberwachung steht fest, dass es bisher zu keiner Gesundheitsgefährdung für das Personal oder die Bevölkerung gekommen ist.

Weitere Informationen zum Ergebnis der Inspektionen sowie zu der grundsätzlichen Problematik finden Sie im Internet unter:
http://www.schleswig-holstein.de/UmweltLandwirtschaft/DE/ReaktorsicherheitStrahlenschutz „

×