Demo 21. April: Super-GAU-Risiko, fehlender Katastrophenschutz und immer mehr Atommüll? – Atomkraftwerk Brokdorf abschalten!

AKW-Brokdorf-2012a-Dirk-SeifertAktionsbündnis „AKW Brokdorf abschalten“
Gemeinsame Pressemitteilung, 17. April 2013
+ + + 21. April: Protest- und Kulturmeile am AKW Brokdorf
+ + + Mit politischem Straßentheater, Kleinkunst und Straßenmusik + + +

Als Mahnung an die Atomkatastrophe von Tschernobyl und deren Opfer wird am Sonntag, 21. April, am AKW Brokdorf eine Protest- und Kulturmeile stattfinden. Auch in Brokdorf ist jederzeit eine schwere Atomkatastrophe möglich. Außerdem entsteht in Brokdorf stündlich mehr als ein Kilogramm neuer Atommüll, für dessen sichere und dauerhafte Lagerung es bis heute keine Lösung gibt. Daran ändert auch ein Endlagersuchgesetz nichts. Atommüll wird nicht dadurch sicherer, dass er – wie jetzt diskutiert – statt nach Gorleben in andere unsichere Zwischenlager (Unterweser, Brunsbüttel) transportiert wird. Die Anti-Atom-Organisationen fordern daher die sofortige Stilllegung des AKW Brokdorf.

„Auch wenn jetzt intensiv über ein Verfahren für die Endlagersuche diskutiert wird: Eine sichere und dauerhafte Endlagerung des Atommülls ist damit noch keineswegs gefunden. Deshalb muss endlich Schluss damit gemacht werden, weiteren Atommüll zu produzieren, Brokdorf muss abgeschaltet werden“, so Dirk Seifert von ROBIN WOOD. Auch deshalb wird am kommenden Sonntag in Brokdorf demonstriert.

„Brokdorf ist nicht nur das weltweit erste AKW, das nach der Katastrophe von Tschernobyl 1986 trotz großer Proteste ans Netz ging: Mit dem Baustopp-Urteil von 1977 wurde auch klar, dass die gesamte Atommüllentsorgung in Deutschland ungelöst war. Um Brokdorf zu bauen und in Betrieb nehmen zu können, wurde Gorleben als Entsorgungsnachweis erfunden. Das war der Beginn der Entsorgungslüge. Bis heute hat sich daran nichts geändert“, so Karsten Hinrichsen von der Anti-Atom-Initiative Brokdorf-akut.

Jochen Stay von der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt: „Deutschland produziert einen Überschuss an Strom und hat 2012 gar einen Höchststand von 20 Milliarden Kilowattstunden exportiert. Es ist also völlig unproblematisch für die Stromversorgung in Norddeutschland, das AKW Brokdorf abzuschalten.“

Marianne Kolter von der Anti-Atom-Initiative im Kreis Pinneberg weist auf die vielen realen Störfälle im AKW Brokdorf hin: „Das veraltete AKW Brokdorf ist besonders störanfällig, besonders gefährlich und völlig überflüssig. Darum fordern wir die schleswig-holsteinische Landesregierung auf, das AKW Brokdorf abzuschalten.“

Gisela Wieneke vom BUND Kreisverband Steinburg zur geplanten Aktion am 21. April: „Die Protestmeile zwischen den beiden Toren des AKW wird von Dutzenden ‚Meilensteinen‘ gesäumt werden. Dort werden politisches Straßentheater, eine Brokdorf-Tschernobyl-Fotoausstellung und Kleinkunst zu sehen sein. Musikalische Meilensteine sind z. B. die bundesweit bekannten Beatpoeten, die LOLA Band aus Hamburg sowie LiedermacherInnen und Mitmach-Chöre mit Protest-Liedern. Sie alle sorgen für lautstarken Protest auf der Meile. Zudem werden Anti-Atom-Initiativen an ihren Meilensteinen über umweltpolitische Themen wie die Energiewende informieren.“

Informationen zum Ablauf der Aktion
· Auftakt/Begrüßung: um fünf vor zwölf
· dann zwei Stunden lang Protest- und Kulturmeile mit vielfältigem Programm
· Kundgebung: ab 14 Uhr

Redebeiträge: Karsten Hinrichsen (Initiative Brokdorf-akut), Antonia Uthe (AG Schacht Konrad), Heike Wiegel (Initiative aufpASSEn), Hans-Jörg Lüth (BUND).

Musikbeiträge: Blaney & Heuer (Blues), „Mo“ Moritz Dortmund (HipHop/Percussion), Harald Winter (Liedermacher).

· Ausklang auf Meile und Bühne: ab 15 Uhr

Weitere Informationen zur Protest- und Kulturmeile unter: www.anti-atom-demo.de

Im Bündnis „AKW Brokdorf abschalten“ engagieren sich Bürgerinitiativen aus dem ganzen Norden gemeinsam mit den Umweltorganisationen BUND, ROBIN WOOD und  Naturfreunde sowie den Anti-Atom-Organisationen .ausgestrahlt und contrAtom

Tausche Atommüll gegen Windenergie – Schleswig-Holstein und der Castor

ESG-facebook-shareTausche Castor und Atommüll gegen mehr Windenergie. Auf diesen Nenner lassen sich die jüngsten Äußerungen von schleswig-holsteins Ministerpräsidenten Torsten Albig (SPD) bringen (siehe dazu auch taz). In der Debatte um das Endlagersuchgesetz und die Castortransporte in das AKW Brunsbüttel bringt Albig nun auch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ins Spiel.

Heute hat die Landesregierung von Schleswig-Holstein noch einmal erklärt, dass sie alle Bundesländer, die AKWs betreiben, in der Pflicht sieht, sich an der Atommülllagersuche zu beteiligen, um Castortransporte nach Gorleben zu vermeiden. Über die heutige Pressekonferenz der Landesregierung in Kiel berichtet u.a. die Welt. Demnach stellt die Landesregierung sechs Bedingungen an eine Atommülllagerung in Brunsbüttel: „Beteiligung mehrerer anderer Länder, eine neue Sicherheitsprüfung, zeitliche Befristung, Kostenübernahme für die Endlagersuche durch die AKW-Betreiber und für die Polizeieinsätze durch den Bund sowie umfassende Information und Beteiligung der Bevölkerung an den Verfahren.“

Die SHZ hatte gestern berichtet: „Zudem stellte Albig ein klares Junktim zwischen der Bereitschaft, Castoren aufzunehmen und der Novellierung des EEG-Gesetzes auf. Es könne nicht sein, dass der Norden einerseits bei der Zwischenlagerung des Atommülls Verantwortung übernehme, „und uns andererseits ständig Knüppel beim Ausbau alternativer Energien zwischen die Beine geworfen werden“. Die geplante Windstrom-Bremse müsse vom Tisch. Ähnlich argumentierten die Vertreter von SSW und Grünen. Die Vorsitzende der Ökopartei, Ruth Kastner, meinte, „es passt in Bezug auf Brunsbüttel kein Blatt Papier“ zwischen Habeck und den Rest der Riege.“

Warum Albig, Habeck und der „Rest der Riege“ nicht die Stilllegung des Atomkraftwerks Brokdorf ins Spiel gebracht hat, bleibt unklar.

Zu den Castortransporten schreibt die SHZ am 16. April weiter: „Schleswig-Holstein wird seine Verantwortung beim Ausstieg aus dem Irrweg der Atomenergie übernehmen. Schließlich können wir die restlichen 26 Castoren nicht irgendwo in Deutschland auf einen Marktplatz stellen oder uns hinterm Busch verstecken, wenn nach einem Zwischenlager gesucht wird“, stellte gestern Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) nach der Routine-Tagung des Koalitionsausschusses in Kiel klar. Was Habeck gesagt hat, sei zu jedem Zeitpunkt abgestimmt gewesen“.

Allerdings betont Albig, dass nicht aller Atommüll nach Brunsbüttel könne. „Vielmehr spiele Schleswig-Holstein nur mit, „wenn mindestens drei Orte – also noch zwei weitere – die Castoren nehmen“, so Albig. Zudem müsse Altmaier mit der Industrie über die Umrüstung von Brunsbüttel reden und eine Kostenzusage für die polizeiliche Absicherung der Castor-Transporte abgeben, die wegen der Proteste der Atomkraftgegner teuer waren.“

Mal abgesehen davon, dass die Betreiber sich bislang bei allen Castortransporten geweigert haben, die Kosten für die Polizeieinsätze zu übernehmen und nicht erkennbar ist, warum Vattenfall nun ausgerechnet für diese Transporte nach Brunsbüttel auch noch zahlen sollte: Sicherheit scheint bei den Atommülltransporten aus La Hague und Sellafield nicht wirklich im Vordergrund zu stehen. Derzeit sind für den Atommüll die Standortlager in Brunsbüttel und – erneut in Niedersachsen – in Esenshamm/Unterweser im Gespräch. Das Land Niedersachsen lehnt aber Transporte nach Esensham/Unterweser ab.

Beide Atommülllager sind aber bis heute noch nicht einmal rechtskräftig genehmigt. Noch stehen Klagen an. Grund ist: Die Zwischenlager sind nicht gegen den Absturz schwerer Verkehrsflugzeuge gesichert und auch mit Blick auf Hochwasser und anderen Risiken haben die Kläger erhebliche Zweifel vor Gericht vorgetragen.

Als dritter Standort ist das baden-württembergische Philippsburg im Gespräch. Dort stehen zwei Reaktoren, einer davon ist nach Fukushima stillgelegt worden. Das dortige Lager ist zwar abschließend genehmigt, aber die süddeutschen Standortlager haben z.b. deutlich geringere Betonabschirmungen als die Lager in Norddeutschland. Auch deshalb hat es immer wieder Kritik gegeben.

Die taz schreibt in Sachen Castoren in einem Kommentar: „Ohne Lager geht es nicht – „St. Florian an der Unterelbe“. Dass in Brunsbüttel Atommüll auch ohne den Schrott aus La Hague und Sellafield für mindestens 40 Jahre gelagert werden muss und es also gar kein St. Florian in Brunsbüttel geben kann, erwähnt der Autor nicht, ganz abgesehen von vielen anderen sehr konkreten Problemen wie Sicherheitsfragen oder ähnliches. Sven-Michael Veit findet, dass man mit dem strahlenden Schrott pragmatisch umgehen müsse. Na dann.

Zum Thema siehe auch:

Castortransporte zum AKW Brunsbüttel? Sonderparteitag der Grünen Schleswig-Holstein

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Aktuell: Castortransporte aus Sellafield in das AKW Brunsbüttel? Hier ein altes Foto von einem Abtransport aus Brunsbüttel nach La Hague. Foto: Dirk Seifert

Die Ankündigungen und Planungen, dass hochradioaktiver Atommüll aus Sellafield und möglicherweise auch Strahlenabfälle aus La Hague im Rahmen des Endlager-Deals zum AKW Brunsbüttel rollen sollen, führt jetzt zu einem Sonderparteitag der Grünen in Schleswig-Holstein. Am 23. April findet der in Neumünster statt. Am Sonntag, den 21. April wird am benachbarten AKW Brokdorf gegen Castor und für die Stilllegung demonstriert. Dazu mehr hier.

Hier die „Einladung“ der Grünen zum Parteitag von der Homepage des Landesverbands:

„Kleiner Parteitag am 23. April in Neumünster

Wir wollen die Debatte über das Endlagersuchgesetz und die damit verbundene Zwischenlagerung von Atommüll in Schleswig-Holstein klar, offen und breit innerhalb der Partei führen mit dem Ziel, dass unser politischer Weg davon bestimmt ist, Verantwortung zu übernehmen und Teil der Lösung dieses gigantischen Problems zu sein.

Deshalb laden wir herzlich ein zu einem KPT am:

DIENSTAG, DEN 23. APRIL 2013,18:30 UHR
„KIEK IN!“, SAAL, 3. STOCK GARTENSTR.32
24534 NEUMÜNSTER

Am Dienstag, dem 09.04.13 ist es zwischen Bund und Ländern zu einer Einigung gekommen, endlich ein Endlagersuchgesetz auf den Weg zu bringen. Diese Einigung ist auch damit verbunden, eine Lösung für die Atommüllzwischenlagerung zu finden, wodurch auch Schleswig-Holstein (Brunsbüttel) in den Focus gerät (siehe Newsletter von Robert Habeck)

Das Thema wird in der kommenden Sitzung des Landtages (25.-27.04.) eine wichtige Rolle spielen. Wir wollen unserer Landtagsfraktion ein starkes Votum mit auf den Weg in diese Sitzung geben.“

Weitere Artikel auf umweltFAIRaendern.de: Der Brief vom Bundesumweltminister an den Energiewendeminister: Brunsbüttel ist Top-Favorit für Atommüll

Brokdorf-Akut: Erst AKWs abschalten – dann über Castor reden

Alle mal Endlager suchen – Töpfer zeigt den Weg

Uranfabrik Gronau: Rot-Grüne Landesregierung sieht keinen akuten Handlungsbedarf

Radioaktiv-05.jpgDie rot-grüne Landesregierung in Nordrhein-Westfalen hat heute das Ergebnis einer Sicherheitsüberprüfung der Uranfabrik des URENCO-Konzerns in Gronau bekannt gegeben. Allerdings lediglich in Form einer Pressemitteilung. Darin teilt sie mit, dass sie keinen „akuten Handlungsbedarf“ sehe, allerdings seien „Maß­nahmen zur kontinuierlichen Verbesserung der Sicherheit der Anlage angezeigt“. Was das bedeuten soll, wird nicht näher erläutert. „Uranfabrik Gronau: Rot-Grüne Landesregierung sieht keinen akuten Handlungsbedarf“ weiterlesen

HEW-Lesetage gegen Vattenfall – Lesen und demonstrieren für die Energiewende

hew-plakatganz-kleinDie HEW sind zurück – zumindest als literarische Variante für den Hamburger Energie Wechsel. In der kommenden Woche vom 15. bis zum 20. April wird in Hamburg auf über 30 Veranstaltungen gegen das Greenwashing von Vattenfall gelesen und eine Alternative zu den Vattenfall-Lesetagen geboten. Die HEW-Lesetage werden organisiert von einem Initiativen-Netzwerk. ROBIN WOOD unterstützt das Lesefestival, das engagiert auftritt gegen die Ökonomisierung der Kultur durch Konzerne sowie – mit Blick auf den im September anstehenden Volksentscheid über den Rückkauf der Hamburger Energienetze – für eine demokratische Kontrolle von Netzen und Energieerzeugung.

Noch hat Vattenfall eine beherrschende Rolle im Energiemarkt – und ist der Energiewende im Weg. Über 80 Prozent seines Stromes erzeugt der Konzern mit der besonders klimaschädlichen Braunkohle. In Hamburg-Moorburg baut er ein überflüssiges, großes neues Kohlekraftwerk. Den Atomausstieg versucht er mit Klagen zu blockieren. (siehe hier: Kohlekraftwerk Moorburg: Vattenfall stellt sich weiterhin gegen Gewässerschutz)

„Lesetage von Vattenfall, damit wir Klimakatastrophe und Atommüll vergessen? Damit das nicht gelingt, unterstützt ROBIN WOOD die klimafreundlichen HEW-Lesetage und empfiehlt den Ökostromwechsel“, sagt ROBIN WOOD-Energiereferent Dirk Seifert.

Wer im Anschluss an die HEW-Lesetage aktiv für die Energiewende streiten will, kann dies in Norddeutschland am besten bei der Protest- und Kulturmeile, die am 21. April aus Anlass des Tschernobyl-Jahrestages rund um das Atomkraftwerk Brokdorf stattfinden wird. Die Anti-Atom-Initiativen machen dort Druck für die sofortige Stilllegung der Atomanlagen. Siehe hier: Das AKW Brokdorf muss vom Netz – Keine Castortransporte nach Schleswig-Holstein

Durch die Debatte um das Endlagersuchgesetz ist vielen noch mal stärker bewusst geworden, dass das Atommüll-Problem ungelöst ist. Diskutiert wird nun auch, CASTOR-Behälter aus der britischen Plutoniumfabrik Sellafield nach Brunsbüttel zu verfrachten.

„In Brokdorf und acht weiteren AKW-Blöcken wird hierzulande noch immer Atommüll erzeugt, in Brunsbüttel hat der Rückbau noch nicht mal begonnen. Kein Mensch kann heute sagen, wohin der Atommüll zur sicheren Lagerung für eine Million Jahre soll. Angesichts dieses Atommüll-Notstands müssen das AKW Brokdorf und alle weiteren Atomanlagen sofort vom Netz!“, fordert Seifert.

VERANSTALTUNGS-TIPP

ROBIN WOOD-Veranstaltung im Rahmen der HEW-Lesetage: Lesung, Diskussion und Musik. Hanna Poddig „Radikal mutig“, musikalisch unterstützt von CHEERUP am 19. April um 20.00 Uhr in der Jupibar, Gängeviertel, Valentinskamp 39 (U-Bahn Gänsemarkt), Eintritt Spende

Das Programm der HEW-Lesetage sowie Infos zum Tschernobyl-Jahrestag finden Sie hier: http://www.robinwood.de/energie

Für Rückfragen: Dirk Seifert, Energiereferent,

Siehe auch: Komm in die Gänge … Anti Vattenfall Lesetage

und: Noch mehr Lesen gegen Vattenfall – “Lesen ohne Atomstrom – Die Erneuerbaren Lesetage” 2013

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