Das Bürgertum übt Stilkritik: Abendblatt über modische Abweichler im Bundestag

Laut Abendblatt: Stilblüte im Bundestag - Hubertus Zdebel
Laut Abendblatt: Stilblüte im Bundestag – Hubertus Zdebel

„Fällt auf: Hubertus Zdebel von den Linken“. So steht es unter einem Foto im Hamburger Abendblatt. Politik als Form und Abweichung von der Norm (nicht schlecht oder?). Das Hamburger Abendblatt weiß sich im Sommerloch zu beschäftigen. Jetzt sind es die „modischen Abweichler im Bundestag„. Vielleicht übt das Abendblatt sogar stille Kritik am Konformationszwang im Bundestag: „Parlamentarier scheinen sich auch optisch einem Fraktionszwang zu unterwerfen. Doch es gibt sie, die Politiker, die sich etwas trauen. Das kann allerdings auch gründlich schief gehen.“ Korrespondieren Form und Inhalt? Und darf man von Äußerlichkeiten auf innere Werte schließen, lieber „Totalreporter“ Frédéric Schwilden? Und ist hier wirklich ihr Foto bei Twitter? Wollen wir darüber reden? (*)

Hier zu sehen: Lange Haare und Zopf. Zdebel (Links - wo sonst) am AKW Brokdorf.
Hier zu sehen: Lange Haare und Zopf. Zdebel (Links – wo sonst) am AKW Brokdorf.

Weiß man nicht so genau. Was das Abendblatt aber offenbar in dösiger Sommerhitze völlig übersieht, ist die revolutionäre Aufhebung des Krawattenzwangs, bei dem dieser oben genannte Zdebel auch seinen Finger im Spiel hatte, um seinen Hals zu schützen. „Kleiderordnung: Bundestag schafft Krawattenzwang für Schriftführer ab„, titelte denn auch der Spiegel im Februar 2014 und berichtete: „Vor allem Linke und Grüne hatten zuletzt nur schwer Abgeordnete gefunden, die sich dem Krawattenzwang fügen wollten.“ Das ganze war perfide eingefädelt, wie n-tv schon im Dezember 2013 schrieb: Die Neulinge Alexander Neu und Hubertus Zdebel begrüßten ihre Fraktionskollegen nämlich mit einem ungewöhnlichen Brief. Sie freuen sich auf die Zusammenarbeit, schrieben die beiden. Und, dass sie im Bundestag keine Krawatten tragen wollen. Auch nicht, falls sie als Schriftführer eingeteilt werden sollten.“

(*) Der hier bloggende Schreiberling – das darf nicht unerwähnt bleiben – ist in seinem sonst sehr modisch geprägten zweiten Leben demnächst kurzhaariger wissenschaftlicher Mitarbeiter des langhaarigen und krawattenlosen Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdebel.

 

Uranbergbau in Tanzania und Bedrohung für Wildschutzgebiete und Menschen: Aktuelle Lage und Hintergründe

Uranbergbau bedroht eines der größten Wildschutzreservate in Tanzania.
Uranbergbau bedroht eines der größten Wildschutzreservate in Tanzania.

Uranabbau in Tanzania? Über die aktuelle Situation der Vorbereitungen für den geplanten Uranbergbau in dem ostafrikanischen Staat informiert das freie Radio Dreyeckland in einem Audio-Beitrag. Gesprächspartner ist Sigfried Schröder vom Büro der Rosa Luxemburg Stiftung in Dar es Salaam, der in dem 16 minütigen Interview ausführlich über die Interessen der Regierung berichtet, die sich durch den Uranbergbau steigende Steuereinnahmen erhofft. Fehlende staatliche Strukturen werden dort durch die Konzerne ergänzt oder ersetzt, so dass in vielen Fragen keine unabhängigen Informationen zugänglich sind oder Aufklärung über Probleme nicht geleistet wird. Besonders weit fortgeschritten ist ein Uran-Projekt im Selous Game Reserve im Südwesten des Landes, an einem der für die Wanderung der dort zahlreichen Elefanten wichtigen Pfad zu den angrenzenden Gebieten in Mozambique. Obwohl als Weltnaturerbe geschützt, erlaubte die UN – mit Auflagen – den künftigen Bergbau. Noch ist die Mkuju River Mine nicht in Betrieb…

Radio Dreyeckland bericht auf seiner Homepage: „Im September 2011 übergaben mehrere Nichtregierungsorganisationen, darunter das Uranium Network, der NABU und Rettet den Regenwald, der tansanischen Botschaft in Berlin 20.000 Unterschriften gegen den Abbau von Uran im ostafrikanischen Tansania.

Seither gingen die Probebohrungen in Tansania weiter, ein Urangebiet im Selous Game Reserve wurde von der UNESCO aus dem Status als Weltnaturerbe ausgenommen – auf Antrag der tansanischen Regierung. Die Schürfrechte zum Abbau der dortigen Uranvorkommen sind vergeben. Noch zögern die Minengesellschaften, unter anderem, weil der Preis für Uran gefallen ist.

In Bahi, einem Reisanbaugebiet in Tansania, wurden ebenfalls größere Uranvorkommen ausgemacht, die Probebohrungen sind bereits abgeschlossen. Indes gewinnt der Widerstand gegen den Abbau des Urans an Zeit und schaut auf die Gefahren.

Im Juni dieses Jahres legte das Regionalbüro der Rosa-Luxemburg-Stiftung eine 72-seitige Broschüre vor: „Uranium Mining – Impact on Health and Environment“. Der Broschüre ging eine Vernetzung tansanischer Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen, kritischer JournalistInnen und verschiedener Antiatomgruppen afrikanischer Länder voraus.

Wie die Chancen einer Abwendung des Uranabbaus aussehen und welche Stolpersteine den GegnerInnen in den Weg gelegt werden, darüber sprachen wir mit Siegfried Schröder, dem Leiter des Regionalbüros der Rosa Luxemburg Stiftung aus Daressalam.“

HINWEIS: Woche der Städtepartnerschaft zwischen Hamburg und Dar Es Salaam vom 19.9. bis 28.9.2014. Im Rahmen dieser Woche wird auch das Thema Tanzania und Uran auf dem Veranstaltungskalender stehen. U.a. wird in der Hauptkirche St. Petri eine Uranausstellung vom 22. – 27.9. gezeigt und am 22.9. mit einer gemeinsamen Veranstaltung von Rosa-Luxemburg-Stiftung, Robin Wood und der Kirche eröffnet

Hier ist der Link zur Info-Seite. Die Ausstellung über Uran in Tanzania und die Auswirkungen für Umwelt und Gesundheit ist hier auf umweltFAIRaendern zu sehen.

Vattenfall – Schon wieder wird Atomsparte neu geordnet

Vattenfall2014
Lustiges Hobby bei Vattenfall: Neu strukturieren – jetzt schon wieder die Atomsparte. Foto: Dirk Seifert

Es gibt wohl kaum ein Unternehmen, das sich derart oft neu strukturiert wie Vattenfall. Gefühlt – und das dürfte zumindest auch den KollegInnen in Deutschland so gehen – gibt es alle halbe Jahre eine neue Struktur-Erfindung aus dem Headquarter in Stockholm. Und das läuft schon seit vielen Jahren so. Höflich, aber innerlich bestenfalls kopfschüttelnd wird das bei den hiesigen Kollegen als „kulturelle Eigenart der Schweden“ zur Kenntnis genommen. Das leidende Stöhnen dazu wird besser unterdrückt. Nun wird erneut umstrukturiert, wieder einmal die Atomsparte. Das hat Vattenfall jetzt mitgeteilt.

Erst zum Jahreswechsel hat es eine große Revision gegeben: Der „kontinentale Teil samt Großbritannien“ wurde von der skandinavisch-schwedischen Mutter rechtlich abgetrennt und eigenständig als GmbH aufgestellt. Für viele ein Hinweis, dass der wirtschaftlich schwer angeschlagene Konzern seinen Ausstieg vom „Kontinent“ vorbereitet.

Außerdem hat Vattenfall damit seine Haftung für den Atombereich in Deutschland begrenzt. Sollte da beim Ausstieg oder einem Unfall was schiefgehen: Der Mutter-Konzern ist dann nicht mehr in der Haftung. Damit hat Vattenfall etwas rückgängig gemacht, was ein ehemaliger Frontmann und Merkel-Klima-Berater verbockt hatte. Der ehemalige Vattenfall-Chef Lars Göran Josefsson hatte nach der technischen und kommunikativen Katastrophe nach dem Trafobrand im AKW Krümmel im Sommer 2007 und dem parallelen Ausfall des AKW Brunsbüttel (bis zur endgültigen Stilllegung im Sommer 2011 nach Fukushima) nicht nur Millionenschäden zu verantworten. Seine danach einsetzenden Maßnahmen zur erneuten Neu-Strukturierung übersahen eine Kleinigkeit, die den schwedischen Eigentümer heftig nervten: Bei der Integration von Vattenfall Deutschland in die schwedische Konzern-Struktur übersah Josefsson, dass damit der Mutter-Konzern auch komplett in die Haftungspflichten für die Atommeiler eingebunden wurde. U.a. dieser „kleine“ Fehler trug dazu bei, dass Josefsson später seinen Hut nehmen musste. Mit der Umstrukturierung des Konzerns zum Jahreswechsel 2013 wurde auch dieses „Missverständnis“ korrigiert.

Na gut; ist Geschichte. Nun also wieder was Neues bei Vattenfall in der Atomsparte. Hier die PM des Konzerns:

„Vattenfall ordnet Kernkraftsparte neu

Vattenfall wird Kernkraftsparte an die Anforderungen der Stilllegungs- und Abbauprozesse im Bereich Kernkraft anpassen.

Vattenfall hat beschlossen, seine Kernkraftsparte in Deutschland neu zu strukturieren und so seine Organisation an die Anforderungen der Stilllegungs- und Abbauprozesse im Bereich Kernkraft anzupassen. Die bisherigen Nuklearaktivitäten in den Organisationseinheiten Nuclear und Projects werden zu einer Einheit, der Project Organisation Nuclear, zusammengefasst. Damit sollen sämtliche Aktivitäten besser verzahnt, Prozessabläufe vereinfacht und so die Effizienz gesteigert werden.

Neuer technischer Geschäftsführer der Vattenfall Europe Nuclear Energy GmbH (VE-NE) wird Dr. Ingo Neuhaus, bisher Leiter der Rückbauplanung bei Vattenfall. Der bisherige technische VE-NE-Geschäftsführer Ernst Michael Züfle wird für den Leiter der Regionaleinheit Kontinentaleuropa/Großbritannien beratende Aufgaben wahrnehmen. Die kaufmännische Geschäftsführung der VE-NE wird künftig Dr. Axel Cunow übernehmen, sein Vorgänger Rainer Weiß widmet sich seinen Aufgaben als Leiter der Finance Services der Regionaleinheit Kontinentaleuropa/Großbritannien. Pieter Wasmuth bleibt VE-NE Geschäftsführer für Kommunikation. Der Wechsel in der Geschäftsführung und die neue Organisationsstruktur gelten zum 01.08.2014.“

Link zur Pressemitteilung:

http://www.pressrelations.de/new/standard/dereferrer.cfm?r=571859

Otto Hahn – Vor der Kernspaltung das Giftgas

Otto Hahn (Nobel)
Otto Hahn (Nobel): Vor der Entdeckung der Kernspaltung in Nazi-Deutschland im Einsatz für deutsches Giftgas.

Eine überaus spannende Recherche über Otto Hahn, einen der Entdecker der Kernspaltung (gemeinsam mit Fritz Straßmann und Lise Meitner), findet sich heute in einem Artikel von Reimar Paul in der taz. Unter der Überschrift „Otto Hahn führte Giftgaskrieg“ heißt es: „Hundert Jahre nach Beginn des Ersten Weltkriegs hat das Göttinger „Bündnis Antikriegsforschung“ verlangt, dem Chemie-Nobelpreisträger Otto Hahn die Ehrenbürgerschaft der Stadt Göttingen abzuerkennen und das Otto-Hahn-Gymnasium sowie die Otto-Hahn-Straße umzubenennen. Hahn selbst gehöre als „Kriegsverbrecher“ gebrandmarkt. Ein knappes Dutzend Initiativen und Organisationen unterstützen diese Forderungen.

  • UPDATE 22/12/2014: Bereits vor einiger Zeit hatte mich Vera Keiser darauf aufmerksam gemacht, dass der Nachweis, dass Hahn selbst Giftgas entwickelt hätte, in der Darlegung von Martin Melchert (siehe unten) nicht erbracht wird. Belege dafür, so schreibt sie in einer Mail an mich, sind nicht bekannt. Otto Hahn hat über die Beteiligung an Giftgas-Einsätzen bereits in seinem Memoiren „Mein Leben“ selbst ausführlich berichtet hat. So schreibt Hahn auf Seite 118/9 im Kapitel „Erster Weltkrieg“ z.B.: „Um diese Zeit herum wurden die Vorbereitungen für den geplanten großen Angriff mit Chlorgas abgeschlossen. Gasalarm wurde mehrfach gegeben, der Angriff selbst mußte aber immer wieder aufgrund der Witterungsverhältnisse verschoben werden, denn stets schlug – nach der Festlegung des Angriffstermins, der etwa 24 Stunden vorher zu erfolgen hatte- der Wind um, so daß die aus den Bereitschaftsstellungen herangeführten Truppen wieder abrücken mußten. Mitte April entschloß sich die Heeresleitung, alle Chlorflaschen wieder ausbauen und an einen Frontabschnitt nordöstlich von Ypern verlegen zu lassen, wo die Windverhältnisse günstiger waren.“ Und: „Vom Erfolg des ersten großen Gasangriffs an der Ypernfront habe ich nur aus Berichten erfahren.“ Auf Wikipedia wird Walter Gerlach, einer der im Zweiten Weltkrieg an der Atomforschung beteiligten Wissenschaftler im Uranverein: „Hahn hatte zunächst Bedenken, da er glaubte, dass die Verwendung giftiger Gase im Krieg gegen die ‚Haager Konvention‚ verstieß. Aber er ließ sich von Haber überreden. Das seine persönliche wie die staatsbürgerliche Erziehung bestimmende Pflicht- und Pflichterfüllungsprinzip und dazu die so ‚humane‘ Begründung, Gas verkürze den Krieg, erhalte also Menschenleben – der unselige Satz, dass der Zweck die Mittel heiligt – hatte seine Wirkung getan. 30 Jahre später, als mit der gleichen Argumentation der Abwurf der Atombomben in Japan gerechtfertigt werden sollte, musste Otto Hahn schwerer als sonst irgend jemand darunter leiden.“

Otto Hahn gehörte zu den führenden Wissenschaftlern Deutschlands, auch in der Nazi-Zeit. Für die Entdeckung der Kernspaltung Ende der 30er Jahre bekam er noch 1945 (!) den Nobelpreis zugesprochen. In der jungen Bundesrepublik gehörte der Göttinger Chemiker zu den Kritikern einer atomaren Bewaffnung der Bundeswehr, wie sie von der Regierung Adenauer und Atomminister Strauß in den 50er Jahren angestrebt wurde.

Hahn war in Nazi-Deutschland führendes Mitglied im sogenannten Uran-Verein, der unter Hitler die Möglichkeiten der Kernspaltung auch für Waffenzwecke erforschte. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gehörte er zu der Forschergruppe, die im englischen Farm-Hall für ein knappes Jahr als „Gäste“ interniert waren. Dort wurden sie von den Briten über ihre Atom-Forschung für Hitler-Deutschland befragt und insgeheim abgehört.

Die Taz berichtet: „Recherchen des Göttinger Historikers Martin Melchert werfen ein Licht auf eine bislang weitgehend unbekannte Seite des Wissenschaftlers: Hahn war zwischen 1915 und 1918 die „rechte Hand“ des „Vaters des Gaskriegs“, Fritz Haber, bei der Entwicklung von Giftgasen wie Phosgen und Zyklon A. Er füllte eigenhändig hunderte Chlorgasgranaten und organisierte im Ersten Weltkrieg deutsche Giftgasangriffe. Melchert beschäftigt sich seit neun Jahren mit deutschen Forschungen zu Atombomben und anderen Massenvernichtungswaffen.“ 

Reimar Paul bringt einige konkrete Hinweise von Melchert über die Rolle, die Otto Hahn auch bei dem Einsatz von Giftgas spielte. „Der erste große Gasangriff begann am 22. April in Flandern. Auf einer Breite von 20 Kilometern schraubten deutsche Soldaten Tausende Gasflaschen zeitgleich auf. 170 Tonnen Chlorgas trieben als Wolke auf die feindlichen Schützengräben zu. Die kanadische Division und algerische Kolonialsoldaten wurden überrascht, das Gas verätzte ihre Atemwege, es entstand Panik. Hahn war als Mit-Organisator und „Frontbeobachter“ vor Ort. Seine Mitarbeiterin Lise Meitner gratulierte ihm zu dem „schönen Erfolg bei Ypern“.

Über diesen Einsatz berichtete auch die Welt vor einiger Zeit: „Bei Ypern brachen die Deutschen das Giftgas-Tabu„. Unter anderem heißt es in dem Artikel: „Der erste dokumentierte Großeinsatz von Kampfgas fand an der Westfront in Flandern statt. Verschiedentlich war schon vorher erfolglos versucht worden, mit chemischen Stoffe die feindlichen Soldaten aus den Schützengräben zu vertreiben und so die Eroberung Belgiens zu vollenden. Auch an der Ostfront hatten deutsche Kanoniere bereits Granaten mit Giftstoffen verschossen – ohne erkennbare Folgen.

Angesichts dieses „unbefriedigenden“ Ergebnisses hatte der Chemiker (und spätere Nobelpreisträger) Fritz Haber vorgeschlagen, bei passender Windrichtung Chlorgas abzusprühen. Mehr als 160 Tonnen dieses Abfallprodukts der chemischen Industrie kamen am 22. April 1915 bei Ypern zum Einsatz. Das Gas wurde aus fast 6000 Flaschen abgelassen und zog als sechs Kilometer breite und einen Kilometer lange Wolke über die gegnerischen Stellungen.

Genaue Verlustzahlen dieser Attacke gibt es nicht, sie waren aber hoch. In jedem Fall gelang der deutschen Armee an diesem „Tag von Ypern“ ein tiefer Einbruch in die Befestigungen der Franzosen und kanadischen Einheiten.“

Die Gitgaseinsätze deutscher Truppen gehörten sicherlich zu den grausamsten Verbrechen im Ersten Weltkrieg. Über Otto Hahn berichtet Paul außerdem: „Weitere Gasattacken in Flandern und an der Ostfront in Galizien folgten. Dort war Hahn „nicht nur beim Angriff persönlich anwesend, er trieb die zögerlichen Angreifer auch regelrecht voran“, schreibt Melchert. Hahn selbst erinnerte sich: „Der Angriff wurde ein voller Erfolg; die Front konnte auf sechs Kilometern Breite um mehrere Kilometer vorverlegt werden.““

Otto Hahn hat nach dem Zweiten Weltkrieg zahlreiche Anerkennungen erhalten. Nicht nur Schulen, Straßen und vieles mehr sind nach ihm benannt worden. In Berlin wurde das Hahn-Meitner-Institut für Kernforschung 1959 in Wannsee gegründet. „Kernstück des Forschungszentrums war der „Berliner Experimentier-Reaktor“, BER I. „Er ging am 24. Juli 1958 mit einer Leistung von 50 Kilowatt in Betrieb, also bereits ein Jahr vor Gründung des HMI. Der BER I diente noch der klassischen Kernchemie.“ Außerdem gehörte ein Teilchenbeschleunniger zum HMI. „Im April 1991 ging der Forschungsreaktor BER II nach jahrelangem Umbau und einer Leistungerhöhung auf 10 Megawatt erneut in Betrieb.“

Doch nicht nur in Berlin, wurde die Atomforschung unter dem Namen von Otto Hahn weiter getrieben. Nach der Gründung der Atomforschungsanlage in Geesthacht (GKSS), die offiziell die Verwendungsmöglichkeiten von Atomreaktoren in der zivilen Schifffahrt entwickeln sollte, wurde dort Anfang der 60er Jahre das erste atomgetriebene deutsche Handelsschiff konzipiert und – im Beisein des Wissenschaftlers – auf den Namen Otto Hahn getauft.

Die atomaren Hinterlassenschaften des Atomschiffs Otto Hahn – das im Hamburger Hafen damlas demontiert wurde – liegen als Atommüll heute an vielen Orten herum: Die bestrahlten hochradioaktiven Brennelemente sind in Lubmin bei Greifswald zwischengelagert. Und der Reaktordruckbehälter der Otto Hahn liegt immer noch in einem unterirdischen Betonsilo auf dem Gelände der inzwischen abgeschalteten Atomforschungsanlage, die heute vom Helmholtz Zentrum Geesthacht betrieben wird.

 

×