Die Atombombe kam aus Deutschland – Ein Bericht von RBB

Radioaktiv-07.jpgBereits vor 1945 forschten Physiker in Deutschland intensiv an der Atomenergienutzung. Die Entwicklung von Reaktor-Prototypen ebenso wie die militärische Nutzung spielten dabei eine Rolle. Im Zentrum dabei stand der Uran-Verein, der die deutschen Forscher zusammen fasste. Ausführlich berichtet Rainer Karlsch in seinem 2005 veröffentlichten Buch „Hitlers Bombe: Die geheime Geschichte der deutschen Kernwaffenversuche“ (siehe hier auf Wikipedia). Darin versucht Karlsch nachzuweisen, dass es möglicherweise im März 1945 im deutschen Faschismus zu einer Explosion mit Kernenergiefreisetzung kam. In der Folge der Veröffentlichung kam es zu einer heftigen Kontroverse.

Eines der Unternehmen, das im Rahmen dieser Forschungen und Entwicklung eine bedeutsame Rolle spielte, waren die Auer-Werke in Oranienburg, in der Nähe von Berlin. Für die Alliierten stellten die Auer-Werke ein herausragendes Ziel dar. Ein Beitrag des öffentlich-rechtlichen Senders RBB befasst sich mit dem faschistischen Atomprogramm. Der ist auf YouTube online anzusehen:

Atomforschungsanlage GKSS und Leukämieerkrankungen in der Elbmarsch – Dokumente und Stellungnahmen einer Anhörung 2007

Reaktorgebäude der Atomforschungsanlage GKSS bei Geesthacht. Foto: Dirk Seifert

Die Atomforschungsanlage der GKSS in Geesthacht soll zurück gebaut werden. Die Betreiber – heute das Helmholtz-Zentrum Geesthacht (HZG) – wollen dazu einen Dialog etablieren und eine Begleitgruppe einrichten. Rund um die GKSS und das benachbarte AKW Krümmel (Vattenfall) hat sich seit Anfang der 90er Jahre das weltweit größte Cluster an Leukämieerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen entwickelt. Bis heute sind die Ursachen nicht zweifelsfrei erforscht.

Die GKSS steht bis heute im Verdacht, im Rahmen geheim gehaltener Forschungen einen Unfall verursacht zu haben, der zur Freisetzung von Radioaktivität führte, die von einigen WissenschaftlerInnen als Ursache für die Leukämieerkrankungen angesehen werden. Hinweise, dass die GKSS an Forschungen über eine Atombombe beteiligt war, gibt es zahlreiche. Die Betreiber und die Landesregierung bestreiten, dass es konkrete Experimente und einen solchen Unfall gab und zweifeln die Forschungsergebnissse an. Hier als DOKUMTENTATION die Berichte und Stellungnahmen einer Anhörung im niedersächischen Landtag aus dem Mai 2007: IPPNW-Information vom 14. Mai 2007. Tagung im niedersächsischen Landtag, Elbmarschleukämien

Am 11. und 12. April 2007 tagte der Ausschuss für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit des niedersächsischen Landtages in Hannover zu den Hintergründen der Leukämiefälle in der Elbmarsch. Die  Sitzung fand in Form einer Anhörung statt. Neben dem weißrussischen Wissenschaftler Vladislav Mironov haben 16 weitere Fachleute ihre Forschungsergebnisse vorgestellt bzw. die bisher vorliegenden Daten bewertet. Der Ausschuss hatte sich entschlossen, die Anhörung in nichtöffentlicher Sitzung durchzufuhren.

Atomforschungsanlage GKSS – Forschung an der Atombombe?

Das Reaktorgebäude der GKSS. Gab es hier geheime Forschung an einer deutschen Atombombe? Foto: Dirk Seifert

Mit dem geplanten Rückbau der Atomforschungsreaktoren der GKSS in Geesthacht kommt vor Ort auch die Frage auf, ob möglicherweise „Spuren verwischt“ werden könnten, die eine Erklärung für das weltweit größte Leumämiecluster bei Kindern und Jugendlichen liefern könnten. Gab es geheime Forschungen, bei denen es 1986 zu einer Explosion kam, bei der Radioaktivität freigesetzt wurde und die später zu den zahlreichen Erkrankungen geführt haben? Experimente, die möglicherweise für Atomwaffen von Bedeutung gewesen sein könnten? Offiziell wird das bis heute bestritten, aber der Verdacht ist immer noch in der Welt.

Broschüre von 1989: GKSS – Schleichwege zur Atombombe?  

Im September 1989 wurde eine Broschüre unter dem Titel „Atomforschung in  Geesthacht – Schleichwege zur Atombombe?“ veröffentlicht. Die Autoren stammten auf dem Umfeld einer Kampagne, die sich dafür einsetzte, dass der Verzicht auf eine deutsche Atombombe in das Grundgesetz der Bundesrepublik kommen sollte. Die Broschüre untersuchte konkret, ob in der Atomforschungsanlage GKSS (Gesellschaft für Kernenergieverwertung in Schiffbau und Schiffahrt mbH) bei Geesthacht, östlich von Hamburg gelegen, das Know-How für eine deutsche Atombombe erforscht wurde. Die Broschüre steht hier zum download bereit (PDF)

Sorgen um einen deutschen Griff zur Bombe 

Die beiden Atomforschungsreaktoren der ehemaligen GKSS sind inzwischen abgeschaltet und der heutige Betreiber, das Helmholtz -Zentrum Geesthacht (HZG) will in den nächsten Monaten den Rückbau beginnen. Es mutet daher möglicherweise kurios an, heute über die Frage zu spekulieren, was vor vielen Jahrzehnten bei der GKSS getrieben wurde.

Aber die Sorge um einen „deutschen Griff zur Bombe“ war in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts noch von großer Bedeutung. 1956, mit dem CSU-Politiker Franz Josef Strauß hatte die junge Bundesrepublik ihren ersten Atomminister, machte man sich in den USA (und nicht nur dort) massive Sorgen. So schrieb der Spiegel damals: „Noch vor wenigen Wochen forderte der amerikanische McKinney-Ausschuß – ein Gremium von Politikern, Wirtschaftlern und Wissenschaftlern, das sich laufend mit Atomfragen beschäftigt – die Regierung in Washington zu verschärfter Wachsamkeit gegenüber den deutschen Atombestrebungen auf. Das Problem, wie man die deutsche Entwicklung auf dem Gebiet der Atomenergie in die „rechte Bahn“ lenken könne – so hieß es in einem Expertenbericht – gehöre zu den wichtigsten internationalen Atomproblemen überhaupt.“

Zu dieser Zeit wurde in Geesthacht bereits gebaut: 1958 ging der Reaktor Geesthacht-1 (FRG-1) mit einer Nennleistung von fünf Megawatt (MW) in Betrieb. 1963 folgte der FRG-2 mit einer Leistung von 15 MW. Als dritter Reaktor kam 1964 die Anlage für Nullleistungsexperimente hinzu, in der Brennstabanordnungen getestet wurden. (Quelle)

In der GKSS wurde vor allem an einem Atomenergieantrieb für das Forschungsschiff Otto Hahn gearbeitet: Am 13. Juni 1964 lief dieser atombetriebene Frachter vom Stapel und absoliverte am 11. Oktober 1968 seine erste Probefahrt. Noch heute lagert der radioaktive Reaktordruckbehälter der Otto Hahn auf dem Gelände der GKSS/HZG in Geesthacht.

Geheime Atomforschung und die Leukämieerkrankungen in der Elbmarsch? 

Wichtig ist das nicht nur mit Blick darauf, ob die Bundesrepublik im geheimen Knowhow für eine Atombombe entwickelte. Wichtig ist das möglicherweise auch im Zusammenhang mit dem weltweit größten Cluster von Leukämieerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen in der Elbmarsch, der direkten Umgebung der GKSS und des von Vattenfall betriebenen Atomkraftwerk Krümmel. Dieses Cluster entstand ab Anfang der 90er Jahre und löste eine Vielzahl von Untersuchungen über die möglichen Ursachen aus. (Siehe auch hier)

Eine These, wodurch diese zahlreichen Leukämieerkrankungen ausgelöst worden sein könnten, ist (zitiert nach Wikipedia):  „Am 12. September 1986 soll bei einem Brand auf dem Gelände des GKSS-Forschungszentrums, der von mehreren Augenzeugen beobachtet wurde, radioaktive Strahlung freigesetzt worden sein. Die genaueren Umstände des Brandes sind unbekannt. Die Einsatzprotokolle der örtlichen Feuerwehr, die genauere Informationen über einen Brandvorfall enthalten hätten können, wurden durch ein Feuer im September 1991 in deren Archiv zerstört.[9]

Eine aus neun Wissenschaftlern bestehende Kommission, die im Auftrag der schleswig-holsteinischen Landesregierung zwischen 1992 und 2004 die Leukämiefälle untersuchte, fand in der Umgebung der beiden kerntechnischen Anlagen millimetergroße Keramikkügelchen, die Uran, Plutonium, Americium und Curium enthielten (sogenannte Pac-Kügelchen). Solche Kügelchen wurden unter anderem als Kugelbrennelemente im Kernkraftwerk THTR-300 in Hamm-Uentrop als Neutronenquellen verwendet. Es wurde vermutet, dass die Pac-Kügelchen bei dem Brand 1986 freigesetzt wurden, was aber vom GKSS-Forschungszentrum und der Landesregierung umgehend bestritten wurde.[10] Bislang fehlen Belege, dass die Pac-Kügelchen aus einer der beiden Anlagen stammen, beziehungsweise dass es sich überhaupt um Kernbrennstoffpartikel handelt.[11]

Der atompolitische Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen des niedersächsischen Landtags Andreas Meihsies und der Physiker Wolfgang Neumann nahmen im September 2007 Einblick in das Archiv des GKSS-Forschungszentrums. Dabei konnten sie keinen Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen einem angeblichen Störfall bei der GKSS und den Leukämiefällen feststellen.[12]“

Die Experten, die die PACs gefunden haben, halten bis heute an ihren Forschungsergebnissen fest und vermuten bis heute geheim gehaltenen Forschungen in der GKSS als Ursache der Explosion.

URANFABRIK GRONAU – Risiko Urananreicherung

Atomwaffe oder Brennstoff? In Gaszentrifugen wird Uran angereichert. Foto: Internet

International ist das Atomprogramm des Iran höchst umstritten. Während der Iran die “friedlichen” Absichten betont, verdächtigen andere Staaten das Land, heimlich an einer Atombombe zu bauen.

Im Zentrum dieser Auseinandersetzung steht vor allem die Fähigkeit, Uran anzureichern. Der Iran verfügt über diese Technik. Sie basiert auf Gaszentrifugen, wie sie die Firmengruppe der URENCO maßgeblich entwickelt hat. Die URENCO betreibt Urananreicherungsanlagen in Gronau (D), Almelo (NL), Capenhurst (UK) und neuerdings auch in Eunice (New Mexiko, USA). Durch Spionage bei der URENCO sind wichtige Kenntnisse über diese Technik nach Pakistan und von dort auch an den Iran gelangt. Deutschland fördert im Rahmen des Vertrags von Almelo – bis heute – die Urananreicherung und den Vertrieb dieser riskanten Technologie!

Um Uran-Brennstoff für Atomkraftwerke herzustellen – wie es der Iran vorhat – muss das natürliche Uran in jedem Fall angereichert werden. Für den Brennstoff von Atomkraftwerken wird eine Anreicherung von ca. fünf Prozent mit dem spaltbaren Uran 235 benötigt. Aber: Mit einer ausreichenden Zahl von Zentrifungen können auch höhrere Anreicherungen erzielt werden. Damit bedeutet die Verfügung über die Urananreicherungstechnologie grundsätzlich auch die Möglichkeit, waffenfähiges Uran (deutlich über 20 Prozent angereichert) herstellen zu können.

Der Film “Die Bombe um jeden Preis” zeigt die Entwicklung des iranischen Atomprogramms und die Unterstützung der USA und europäischer Staaten. Auch die Rolle der URENCO wird darin nachgezeichnet. Die WDR-Dokumentation gibt es hier auf Youtube. 

 

Plutonium-Brennelemente – Keine Abnehmer in den USA

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Kein Bedarf für Plutonium-Brennelemente (MOX) bei US-AKW-Betreibern. Foto: moxproject.com

Obwohl in den USA mit tatkräftiger Hilfe des französischen Atomkonzerns AREVA seit Jahren an einer Fabrik zur Herstellung von plutoniumhaltigen MOX-Brennelementen gearbeitet wird, haben sich noch keine Kunden gefunden, die diese Brennelemente auch abnehmen wollen. In der Nähe von Aiken in South Carolina entsteht diese neue Fabrik, die insgesamt 43 34 Tonnen waffenfähiges Plutonium zu MOX-Brennstäben verarbeiten soll. Ehemals mit Kosten von ca. einer Milliarde geplant, belaufen sich die Kosten heute auf fast fünf Milliarden US-Dollar. Frühestens 2016 soll die neue Anlage in Betrieb gehen.

Das Plutonium stammt aus dem Atomwaffenprogamm der USA. Anfang der 2000er Jahre haben die Atomsupermächte USA und Russland vereinbart, ihre Atomwaffenarsenale zu reduzieren. Mit der MOX-Fabrik soll ein Teil dieses „frei gewordenen“ Plutoniums nun zur Energiegewinnung eingesetzt werden.

Das jedenfalls will das Department of Energy (DOE). Doch bis heute hat sich in den USA kein Atombetreiber gefunden, der die MOX-Brennelemente auch einsetzen will. Für eine Testreihe hatte sich 2005 Duke Energy bereit erklärt. Die New York Times berichtet: „Duke Energy agreed to use French-made mox. The government paid $26 million to prepare a reactor, according to the Energy Department. But a test in 2005 was aborted after the fuel began behaving strangely. Though the problem was ultimately traced to a different material in the fuel assemblies, Duke subsequently said it had no further plans to test or use the mox.“

(Für diesen Test wurde Waffen-Plutonium extra nach Frankreich transportiert, zu MOX verarbeitet und wieder zurück verschifft!)

Nach der Katastrophe in Fukushima – wo MOX in geringer Menge ebenfalls eingesetzt war –  reagierte auch das staatliche (!) Unternehmen Tennessee Valley Authority eher kritisch: „But the T.V.A. now says it will delay any decision until officials can see how the mox performed at Fukushima Daiichi, including how hot the fuel became and how badly it was damaged. “We are studying the ongoing events in Japan very closely,” said Ray Golden, a spokesman for the utility.“ Frühestens ab 2018 wäre ein MOX-Einsatz überhaupt erst möglich, teilte ein Sprecher außerdem mit.

Kritiker des Einsatzes von Plutonium-Brennelementen (NIRS) bekommen ausgerechnet vom deutschen Atomkonzern E.on Unterstützung. Auf einem Meeting im September 2011 hielt auch Wolfgang Faber, Leiter  für Brennelementeinsatz und Entsorgung bei E.on Kernkraft einen Vortrag, in dem er zu einer negativen Bewertung für den MOX-Einsatz kommt.  Wolfgang Faber: „So, my conclusions are MOX are more expensive, at
least for us; more difficult to fabricate; more complicated to handle on site; more closely supervised by IAEA. My fuel management people, they appreciate MOX very much, and we need  longer post-operating storage time; and the higher inner pressure could cause some trouble in longer intermediate storage times.“ S.489f, Protokoll UNITED STATES NUCLEAR WASTE TECHNICAL REVIEW BOARD, FALL 2011, BOARD MEETING, Wednesday, September 14, 2011. (PDF)

Alternativen zum MOX-Einsatz sind laut New York Times bereits 2002 eingestellt worden: “A cheaper alternative, encasing it in glass, was canceled in 2002 by President George W. Bush’s administration. The energy secretary at the time, Spencer Abraham, is now the non-executive chairman of the American arm of Areva, a French company that is the world’s largest mox producer and is primarily responsible for building the South Carolina plant.”

 

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