Kein Atomausstieg: Uranfabriken in Deutschland unbefristet in Betrieb

Radioaktiver Uranzug auf dem Weg von Gronau nach Frankreich. Fotograf aaa-WestPubliXviewinG
Radioaktiver Uranzug auf dem Weg von Gronau nach Frankreich. Fotograf aaa-WestPubliXviewinG

Das ARD-Magazin Plusminus geht heute mit einem Beitrag über den „halben Atomausstieg“ auf Sendung. Vorab berichtet das Magazin: „Hamburg – In Deutschland werden auch nach Abschaltung des letzten Atomkraftwerks weiterhin Brennelemente für den Export hergestellt. Das deckt eine Recherche des Wirtschaftsmagazins “Plusminus” vom NDR im Ersten auf. Die Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau und die Brennelementefabrik im niedersächsischen Lingen erhielten unbefristete Betriebsgenehmigungen. Ein aktueller Antrag des Landes Nordrhein-Westfalens im Bundesrat, das Atomgesetz zu ändern, um die Urananreicherung in Deutschland zu beenden, wurde auf unbestimmte Zeit vertagt.“ Was die Recherche „aufdeckt“ ist für Insider zwar nichts Neues, aber in der Tat ist bis heute vielen Menschen unbekannt, dass die Uranfabriken in Lingen und Gronau vollständig vom Atomausstieg ausgeklammert sind – und bleiben sollen.

Mehr Informationen auch hier: 4ever Uranfabrik Gronau? Lets do Widerstand!

 

Atommüll-Konferenz: Absage an Endlager-Kommission – Initiativen kündigen Sorgenbericht über Atommüll-Desaster an

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Atommüll – Überall Probleme und Sicherheitsmängel

Nach Auffassung der TeilnehmerInnen der Atommüllkonferenz, die am Samstag, dem 31. August in Kassel stattfand, sollten die für Umweltverbände vorgesehenen Plätze in der Endlager-Kommission nicht besetzt werden. Der Konferenz lag eine 272seitige Bestandsaufnahme vor, wo und wie derzeit Atommüll an Stand­orte in ganz Deutschlands lagert. Der Bericht soll Mitte September veröffentlicht werden und dann Grundlage einer weiteren offensiven Auseinandersetzung über den zukünftigen Umgang mit Atommüll sein.

Ein weite­res Thema der Konferenz waren Rechtsstellung und Verfahrensanforderungen Betroffener in den Stillle­gungsverfahren von Atomkraftwerken. Zu den zweimal jährlich stattfindenden Atommüll-Konferenzen kommen Bürgerinitiativen von Atommüllstand­orten, unabhängige WissenschaftlerInnen und in diesem Bereich arbeitende Organisationen zusammen.

Siehe auch: Atommüllentsorgung – Erhöhte Schutzanforderungen, bestehende Sicherheitsmängel und erhebliche Machtkämpfe – OVG Schleswig legt schriftliches Urteil vor

Bereits vor einigen Tagen hatten die Umweltorganisationen Greenpeace, der BUND und ROBIN WOOD erklärt, dass sie an der Kommission nicht teilnehmen werden.

Die Erklärung von TeilnehmerInnen der Atommüll-Konferenz in Kassel im Wortlaut:

„Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 3. Atommüllkonferenz in Kassel am 31.08.13 erklären:

*             Das Standortauswahlgesetz, die in dem Gesetz fixierte Besetzung der „Kom­mission Lagerung hochradioaktiver Abfallstoffe“ und ihre mangelnde Kompetenz im wei­te­ren Prozess schließen es aus, dass die Bundesrepublik Deutschland über diesen Weg der Klärung des langfristigen Umgangs mit dem Atommüll näher kommt. Sie dient im Gegenteil dazu, den Standort Gorleben nachträglich zu legitimieren. Des­halb besteht unter den Teil­neh­merinnen und Teilnehmern Konsens, dass die beiden für die Umweltbe­we­gung vorgesehenen Plätze in der Kommission nicht besetzt werden sollen.

*             Eine Mehrheit der Teilnehmenden spricht sich dafür aus, auch dann keinen Sitz in der Kommission zu besetzen, wenn es zu einer Nominierung aus anderen Teilen der Umweltbewegung kommt.

*             Mit der umfangreichen „Bestandsaufnahme Atommüll“ zeigt die Konferenz das ganze Desaster im Umgang mit dem schwach-, mittel- und hoch-radioaktiven Atommüll. Ein wirklich offener, gesellschaftlicher Entscheidungsprozess muss alle Arten von Atommüll und alle Beteiligten und Betroffenen einbeziehen.“

www.atommuellkonferenz.de

„Der Rathausmarkt war voll, soviel Menschen waren da…“

Sound of UHUN
Sound of UHUN

(Ihr kennt den Song? Rauch Haus – Mariannenplatz (Youtube))…. Versucht den Text!

„und Mensch Meier musste heulen, Fukushima machte klar

so geht das doch nicht weiter, wir müssen raus aus dem Atom!

ist ja prima riefen alle, machen wirs mit Sonnenstrom!

Ist ja toll sagte Mensch Meier, holen wir uns auch noch das Netz.

Ökostrom ist angesagt, nicht 3000 sondern jetzt.

Und die Konzernchefs brüllten seit ihr denn bekloppt,

dass sind unsere Geschäfte, und die macht ihr jetzt zum Flopp ..

Und HAMBURG ruft es laut:

Wir schalten euch jetzt aus

DAS IST UNSER NETZ…. “

Nachher… der Sound für den Volksentscheid. Unser Hamburg – Unser Netz!

Volksentscheid Energienetze Hamburg: Die Mächtigen fühlen sich sehr bedroht.

P1020944Da fühlen sich welche in ihren Grundfesten bedroht! Der Volksentscheid über die Hamburger Energienetze, bei dem Vattenfall und E.on einen relevanten Teil ihrer Geschäftsfelder per Bürgervotum verlieren könnten und der ein großer Schritt für eine demokratische Energiewende darstellt, wird immer mehr zu einer Machtfrage.

Jetzt steigen gleich zahlreiche Kapitalverbände und wirtschaftliche Instressenvertretungen in den Ring und mobilisieren gegen den Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz„, gegen ein breites Bürgerbünis aus Umweltorganisationen, Kirchen, Verbraucherzentrale, Mietervereinen, Verbänden aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien und sozialen Einrichtungen.

Das Abendblatt berichtet heute über das Bündnis der Funktionäre: Vorne weg die Handelskammer und der Industrieverband Hamburg, außerdem „gehören der Norddeutsche Unternehmensverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistung (AGA), der Bund der Steuerzahler, der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen, der Grundeigentümerverband Hamburg, die Handwerkskammer, der Hanseatische Ingenieurs Club,  der Verband der Metall- und Elektroindustrie (Nordmetall), der Unternehmensverband Hafen Hamburg sowie die Vereinigung der Unternehmensverbände in Hamburg und Schleswig-Holstein (UV Nord)“ und sogar die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie zu dem Bündnis „Nein zum Netzkauf“. Am Freitag will dieser Club der Wirtschafts- und Finanzverbände mit einer Pressekonferenz klar machen: Das Bürgerbündnis für den Volksentscheid ist eine Gefahr für die Wirtschaft. Interessant wäre nur die Frage: Gehen auch die Lichter aus?

Sie alle stellen sich hinter Vattenfall und E.on und hinter Olaf Scholz (SPD). Spätestens dieses Bündnis der Wirtschafts(nahen)-Verbände und sorry – Pfeffersäcke – macht klar, dass es in der Auseinandersetzung um die Energiewende und den Volksentscheid für die Rekommunalisierung um erheblich mehr geht, als um Rohre und Kabel. Mit diesem Slogan versucht die SPD-Spitze um Bürgermeister Scholz und SPD-Fraktionschef Dressel seit Monaten das Bürger-Bündnis für den Volksentscheid lächerlich zu machen.

Und dafür muss man die geballte Wirtschaftselite der Hansestadt an den Start schicken? Die Angst sitzt offenbar tief: Wo kommen wir hin, wenn die BürgerInnen künftig Konzerne abwählen dürften?

Wie kaum eine andere Branche haben die Energiekonzerne mit ihrer beispiellosen Arroganz und Abzockerei den Zorn des Volkes auf sich gezogen. Allen voran Vattenfall. Zurecht sind die BürgerInnen sauer!

Mit kaum einer anderen Branche als den Energiekonzernen sind die politischen Spitzen im Land mehr verfilzt. Das spüren die Menschen und deshalb ist der Volksentscheid „Unser Hamburg – unser Netz“ auch von so einschneidender Bedeutung. Die Bosse der Verbände und die Spitzen der Parteien ahnen: Der Filz mit den Energiekonzernen und deren Arroganz könnte in Hamburg dazu führen, dass Vattenfall und E.on vom Volk die Rechnung präsentiert bekommen und abgewählt werden.

Was für ein absurdes Bündnis geht da für die SPD-Führung an den Start? Der größere Teil der Verbände hat sich selbst gegen die Minderheitsbeteiligung von 25,1 Prozent den Vattenfall- und E.on-Netzen ausgesprochen und die SPD dafür kritisiert. Nachdem die SPD nun in der Mega-Koalition mit CDU und FDP gegen das Bürger-Bündnis für den Volksentscheid gemeinsame Sache macht, holt sie sich nun auch noch die Elite der Wirtschafts- und Finanzverbände ins Boot. Verbände, die mit Bürgerbeteiligung, mit gerechten und fairen Löhnen, mit Umwelt- und Klimaschutz oder Verbraucherrechten absolut gar nichts zu tun haben.

In Zeiten, wo über mehr Bürgerbeteiligung, über Politikverdruss und sinkenden Wahlbeteiligungen lamentiert wird, über Stuttgart21, Elbphilarmonie und Berliner Flughafen debattiert wird, scheint sich die SPD zu entscheiden: Gegen mehr Demokratie und gegen Bürgerbeteiligung!

Was die SPD in Hamburg mobilisiert, ist die längst vergangen geglaubte Politik der 70er Jahre, der Zeiten, wo „die da Oben“ gegen „die da Unten“ aktiv waren: Gegen die aufkommende Anti-Atom- und die Bürgerbewegung setzten sie auf die Mobilisierung der alten Mächte: Industrie, Politik und Gewerkschaften mobilisierten 1977 Pro-Atom die Beschäftigten der Atomkonzerne zu einer Demonstration ins Fußballstadion von Dortmund. Die SPD „spaltete“ sich in bestimmter Weise, die Grünen entstanden! Der Atomkonflikt dauert mehr als 30 Jahre!

Viele Jahre später war die SPD mit ihrer Agenda21 erneut für eine tiefgreifende Spaltung der Gesellschaft zugunsten wirtschaftlicher Industrieinteressen verantwortlich. Der Abbau der sozialen Sicherungssysteme – besser bekannt als HartzIV – spaltete die SPD ein weiteres Mal die Gesellschaft: Die LINKE entstand.

Und nun? Nach Fukushima? Nach Stuttgart21? Nach Agenda 21 und HartzIV? Im Angesicht eines massiven Umbruchs, Energiewende genannt? Im Angesicht einer massiven globalen Wirtschafts- und Finanzkrise? Die SPD mobilisiert erneut gegen  Bürgerbewegungen, gegen Umweltverbände, Verbraucherinitiativen und Mietervereine und gegen Menschen, die mehr demokratische Mitbestimmung verlangen und die es satt haben, dass Großkonzerne weiter in Klimakatastrophe und Atomrisiken investieren und Gewinne privatisieren und die Lasten den Menschen und der Gesellschaft aufbürden.

Mag sein, dass man damit eine nächste Wahl gewinnt (sorry, ein Scherz!). Aber mit Volkspartei hat das nicht mehr viel zu tun. Und wie lange, will die SPD Basis dazu noch schweigen?

 

 

Atommüll im Ausnahmezustand – Politik muss handeln

Radioaktiv-05.jpgNach dem das OVG Schleswig gestern die Genehmigung für das Atommülllager Brunsbüttel aufgehoben hat, ist klar: Nahezu sämtliche Lagerstätten für hochradioaktive Abfälle sind unzureichend gegen Terrorangriffe wie Flugzeugabstürze (A380) und panzerbrechende Waffen gesichert. Die Bevölkerung könnte nach einem solchen Angriff extremen Strahlenwerten ausgesetzt sein. Kein Standort kann derzeit nach dem Atomrecht als sicher bezeichnet werden, denn alle Genehmigungen für die Standortlager an den Atomkraftwerken sind in etwa zur gleichen Zeit um das Jahr 2003 herum genehmigt worden. Faktisch ist mit dem jüngsten Urteil das gesamte Gerüst für die Atommüllentsorgung eingebrochen.

Wenn die so genannte Entsorgung aber nicht mehr als sicher angesehen werden kann, dann müssen in der Folge auch die Atommeiler umgehend vom Netz genommen werden. Es geht um den „Entsorgungsvorsorgenachweis“ lt. Atomgesetz Paragraph 9 (1a) (siehe unten).

Der schreibt vor,  dass die Betreiber für den anfallenden Atommüll „ausreichend Vorsorge“ zu dessen Aufbewahrung zu gewährleisten haben. „Ausreichend Vorsorge“ aber bedeutet eben auch: Sicherheit. Da diese nach dem Urteil von Schleswig als nicht mehr gegeben anzusehen ist, muss abgeschaltet werden – bis ein Nachweis möglich ist, wie denn die Sicherheit wieder hergestellt werden kann.

Von den Atomaufsichtsbehörden der Länder und deren Ministern ebenso wie von der Bundesregierung müssen jetzt Maßnahmen geprüft und angegangen werden, wie unter den gegenwärtigen Bedingungen das höchste Sicherheitsniveau erreicht werden kann.

1. Abschaltung aller Atomkraftwerke, um angesichts der nicht vorhandenen Sicherheit der Atommülllager nicht noch mehr Atommüll zu erzeugen.

2. Umgehende Prüfung von Alternativen an den Standorten der Atommülllager entlang der Frage: Wäre die Einlagerung der zur Zeit in den Standortlagern befindlichen Castorbehälter in den benachbarten Atomkraftwerken möglicherweise sicherer?

3. Umgehende Erarbeitung neuer Sicherheitskonzepte für die Atommülllager an den Standorten – im Konsens-Dialog mit der Bevölkerung! Dabei sind nicht nur die vom OVG Schleswig-Holstein genannten Mängel einzubeziehen (die sich auf das Jahr 2003 beziehen). Auch z.B. die Erkenntnisse aus Fukushima müssen jetzt endlich berücksichtigt werden.

4. Aufgrund der weitreichenden Fragestellungen, die sich aus dem Urteil von Schleswig ergeben, muss das Verfahren zum Endlager-Such-Gesetz jetzt endgültig abgebrochen werden.

5. Damit verbunden muss es jetzt endlich zu einem offenen gesellschaftlichen Dialog mit allen BürgerInnen und Verbänden über die Sicherheitsanforderungen und Kriterien für die Atommülllagerung kommen.

Weiteres zum Urteil des OVG Schleswig: siehe auch hier:

Atomgesetz Paragraph 9 (1a) schreibt vor: „Die Betreiber von Anlagen zur Spaltung von Kernbrennstoffen zur gewerblichen Erzeugung von Elektrizität haben nachzuweisen, dass sie zur Erfüllung ihrer Pflichten nach Absatz 1 für angefallene und in dem unter Berücksichtigung des § 7 Abs. 1a und 1b vorgesehenen Betriebszeitraum noch anfallende bestrahlte Kernbrennstoffe einschließlich der im Falle der Aufarbeitung bestrahlter Kernbrennstoffe zurückzunehmenden radioaktiven Abfälle ausreichende Vorsorge getroffen haben (Entsorgungsvorsorgenachweis). Der Nachweis ist jährlich zum 31. Dezember fortzuschreiben und bis spätestens 31. März des darauf folgenden Jahres vorzulegen. Eine erhebliche Veränderung der der Entsorgungsvorsorge zugrunde liegenden Voraussetzungen ist der zuständigen Behörde unverzüglich mitzuteilen.“

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