Vattenfall und Stadt Hamburg – noch mehr Spekulationen über den Klimaschutz

Hamburg will mit Vattenfall ein neues Kraftwerk bauen: Angeblich für die Energiewende. Foto: Dirk Seifert

Im Streit um den Neubau eines GuD-Kraftwerks von Vattenfall und der Stadt Hamburg im schleswig-holsteinischen Wedel hat die Umweltbehörde vor einigen Tagen nach eigener Darstellung ein „Gutachten“ zu den „CO2-Emissionsminderungen durch das geplante Innovationskraftwerk von Vattenfall“ (PDF) vorgelegt. Der Auftragnehmer, das arrhenius Institut für Energie- und Klimapolitik, bezeichnet dies jedoch nicht als Gutachten, sondern lediglich als „Hintergrundpapier“. Erstellt wurde es bereits im November 2011.

Dass es sich in der Tat bei dem nur sieben Seiten umfassenden Papier um kein Gutachten handelt, wird aus den zahlreichen Hinweisen über mangelnde Daten ersichtlich. An zahlreichen Stellen machen die Verfasser deutlich, dass ihnen viele Dinge, für eine tatsächliche Bewertung der jetzt konkret im Genehmigungsverfahren befindlichen GuD-Anlage, nicht vorgelegen haben. Das betrifft nicht nur die konkreten Leistungsdaten, sondern vor allem auch die Betriebsweise, von der letztlich die CO2-Emissionen abhängen.

Vor diesem Hintergrund stellen die Verfasser auch klar, dass es sich bei dem Papier über die CO2-Emissionen lediglich um eine „Abschätzung“ handelt. Aufgrund fehlender Angaben seitens Vattenfall/Stadt Hamburg werden immer wieder Rahmenbedingungen und Betriebsweise als „Annahmen“ unterstellt oder herangezogen.

Auf der Seite 2 des Papiers fassen die Autoren den Auftrag noch einmal zusammen: „Es soll abgeschätzt werden, welche CO2-Minderung sich ergibt, wenn statt des Anschlusses des Steinkohle-gefeuerten Heizkraftwerks Moorburg an das Fernwärmesystem in Hamburg ein Erdgas-gefeuertes GuD-Heizkraftwerk das bestehende Heizkraftwerk in Wedel ersetzen würde.“

Mit anderen Worten: Für die Fernwärmeversorgung der Hansestadt wird nicht nach der besten Möglichkeit gesucht, einen möglichst großen CO2-Einsparungseffekt bei der Fernwärmeversorgung zu erreichen. Es wird nur die neue Variante eines GuD-Kraftwerks in Wedel mit der bekanntermassen schlechten Variante einer kohlebefeuerten Fernwärme aus Moorburg (1.600 MW) betrachtet.

Schon hier wird klar, dass das Papier eben genau gar nichts mit dem von inzwischen zahlreichen Initiativen und Organisationen geforderten Alternativenvergleich zu tun hat.

Der würde nämlich nicht auf eine Fernwärmeleitung aus dem Steinkohlekraftwerk Moorburg schauen und von hier aus nach einer verbesserten CO2-Lösung suchen, sondern fragen: Wie kann die Versorgung der Fernwärme für Hamburg aussehen, um einen möglichst großen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten?

Im November 2010 haben die arrhenius-Autoren im Masterplan Klimaschutz folgendes als beste Möglichkeit in Sachen Fernwärme und CO2-Minimierung für Hamburg beschrieben:

„Die dritte und zweckmäßigste Möglichkeit ist, das Fernwärmenetz in Subnetze zu zerlegen. Dies hätte den Vorteil, dass der hydraulische Betrieb deutlich einfacher würde und bei geringeren Drücken erfolgen könnte. Zudem wären geringere Vorlauftemperaturen möglich. Dies würde die Einbindung erneuerbarer Energien und gegebenenfalls verfügbarer Abwärme aus Gewerbebetrieben erleichtern. Es könnte zudem ein Wettbewerb im Betrieb dieser Subnetze hergestellt werden, der innovative Lösungen befördern würde. Weiter könnte es Dritten ermöglicht werden, Wärme in die Netze einzuspeisen. Und es könnte für einzelne Teilnetze auch entschieden werden, diese nach der gründlichen Sanierung der Mehrzahl der Gebäude ggf. stillzulegen. Wenn das Kraftwerk Moorburg einmal mit dem Fernwärmenetz verbunden ist, werden viele
dieser Überlegungen hinfällig. Weder Vattenfall noch ein möglicher anderer Betreiber des
Netzes wird die dann im wahrsten Sinne des Wortes versenkten Kosten einfach abschreiben und die neugebaute Leitung außer Betrieb nehmen.“ (Basisgutachten zum Masterplan Klimaschutz für Hamburg, November 2010, S. 74)

Genau hier machen die – und in diesem Fall stimmt das Wort – Gutachter die Tür auf für eine wirkliche Alternativenprüfung, beschreiben die Möglichkeiten und Chancen, auch mit Blick darauf, wenn nicht nur Vattenfall als Anbieter auftritt, sondern auch andere eine Chance bekämen.

Allein dies ist ein entscheidender Grund dafür, dass das Fernwärmenetz nicht länger von Vattenfall betrieben werden sollte, sondern die Stadt Hamburg zu 100 Prozent diese Aufgabe übernimmt, wie es „Unser Hamburg Unser Netz“ mit einem Volksentscheid anstrebt. Denn dann wäre die Stadt Hamburg in der Lage, nicht mehr die wirtschaftlichen Interessen von Vattenfall zu bedienen, sondern in einem offenen (Anbieter)Verfahren die beste Lösung für den Klimaschutz zu suchen!

Doch das alles, was hier richtigerweise im Masterplan Klimaschutz beschrieben wird, wird durch das Kraftwerk in Wedel und die Fixierung auf Vattenfall vom Tisch gewischt und verhindert! Vor diesem Hintergrund ist das „Papier“, dass ahrrenius auf Bestellung der Umweltbehörde vorgelegt hat, eine gravierende Einengung einer vernünftigen Debatte über die Wärmeversorgung, den Klimaschutz und die Energiewende.

Was die Autoren dann im weiteren machen, ist im Grunde nichts als eine Spekulation, wie sie auch auf dieser Seite vor kurzem gemacht wurde. Natürlich können das die Fachleute besser als das unter dem angegebenen Link passiert ist.

Aber: Angesichts fehlender Datengrundlage, die Vattenfall und die Stadt Hamburg zu liefern hätten und das eben nicht tun – ziehen die Autoren immer wieder hilfsweise Annahmen und Vermutungen über den Betrieb zur Rate. Was sollen sie auch anderes tun? Wichtig ist eben, dass die Autoren von arrhenius eben nur eine „Abschätzung“ machen, ohne verläßliche Daten!

Die Autoren stellen dann fest: „Würde dagegen Wedel durch ein in der Größe auf die Wärmeerzeugung abgestimmtes GuD-HKW ersetzt, ließen sich – je nach angenommenem Fernwärmeabsatz, insgesamt und durch das Heizkraftwerk selbst – 170.000 – 270.000 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen im Vergleich zur heutigen Situation.“ (Seite 3)

Auf diese Weise entsteht die Aussage, dass sich gegenüber heute eine CO2-Reduzierung um rund 50 Prozent ergeben würde. Wohlgemerkt: Diese Aussage bezieht sich darauf, dass ein „in der Größe auf die Wärmeerzeugung abgestimmtes GuD“ als Ersatz für Wedel entsteht. Aber genau das ist gar nicht der Fall, denn in Wedel soll ein erheblich größeres Kraftwerk neu gebaut werden als das bisherige.

Wenn das neue Kraftwerk auf Gasbasis viel größer gebaut wird, als das jetzige Kohlekraftwerk, fressen sich die Vorteile beim Klimaschutz irgendwann auf: Mit einer Leistung bis zu 460 MW el  gegenüber jetzt 250 MWel ist das aber beim Neubau vorgesehen!

Die Frage, ob andere Varianten als Ersatz für das alte Heizkraftwerk nicht erheblich bessere Ergebnisse einer CO2-Reduzierung erbringen, bleibt außer Acht. Die Autoren schreiben zwar, dass ein GuD Wedel gegenüber einer „Lösung mit vielen kleinen KWK-Anlagen“ vorteilhafter sei. Das aber bezieht sich nicht auf die Fernwärme, sondern auf ganz andere Funktionen, die die Autoren in dem GuD sehen:  Einerseits wollen sie es – was mit der Fernwärme nichts zu tun hat – als Backup für den Fall geringer Stromerzeugung bei den Erneuerbaren Energien, andererseits wäre mit Blick auf die Stromerzeugung insgesamt ein höherer Wirkungsgrad möglich.

Wieso aber von vielen kleinen KWK-Anlagen die Rede ist, was genau darunter zu verstehen wäre, erklären die Autoren nicht. Natürlich sind gegenüber einer zentralen Großanlage für die Energiewende dezentrale und damit auch sehr flexible Anlagen sinnvoll. Allemal weil sie nicht über 20 oder mehr Jahre Energiestrukturen festschreiben, wie es das GuD-Wedel nämlich auch macht. Aber wie viele kleine Anlagen das dann wären, ob wirklich alle dann klein wären – darüber hat sich bislang niemand geäußert und genau das wäre ja Aufgabe einer Alternativenprüfung!

Nur so gefragt: Sind zwei, drei oder vier kleinere KWK-Anlagen, davon auch eins in Wedel, die „vielen kleinen KWK-Anlagen“ von denen die Autoren hier sprechen? Oder wären das 20 oder 30 Anlagen? Fachlich jedenfalls ist das, was die Autoren hier machen, nicht sonderlich solide!

In den weiteren Betrachtungen mit Blick auf den geplanten Wärmespeicher wird es – so die Autoren – in der Tat recht kompliziert. Aber auch in diesem Bereich sind zahlreiche Fallstricke, die äußerst relevant für eine tatsächliche Bewertung sind. Entscheidend ist nämlich, wie die Anlage von Vattenfall konkret gefahren wird und hier zeigen die Autoren auf, dass es eben sehr unterschiedliche Möglichkeiten gibt.

„Wesentlich komplexer ist die Rechnung für den zweiten Fall. Dabei wird der Speicher nicht direkt mit dem überschüssigen Strom aufgeheizt, sondern der Speicher wird bei Vorliegen einer entsprechenden Prognose für die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien vorher mit Hilfe von ausgekoppelter Wärme aus dem GuD-Kraftwerk aufgeladen. Wenn dann die Situation eintritt, dass mehr Strom aus erneuerbaren Energien verfügbar ist, als benötigt wird, muss die GuD-Anlage nicht zur Wärmeproduktion laufen. Sie wäre in dem Fall nämlich sonst eine sogenannte „Must run“-Anlage im Strommarkt, was dazu führen würde, dass mehr Wind- und PV-Anlagen abgeschaltet werden müssten als wenn die Anlage nicht betrieben wird.“ (Seite 6)

Die Befürchtung, dass Vattenfall genau an einer solchen Fahrweise ein erhebliches wirtschaftliches Interesse haben kann, ist nicht auszuschließen (eher anzunehmen).

Im weiteren verweisen die Autoren darauf, dass es wichtig wäre zu wissen, welche Kraftwerke durch die Stromerzeugung im neuen Werk Wedel jeweils unter Umständen verdrängt werden, also deren Stromerzeugung ersetzt wird. Das es passieren kann, dass Wind- und PV-Anlagen unter Umständen sogar durch das neue Kraftwerk häufiger abgeschaltet werden, wurde gesagt. Genau das mag zwar bei einem Vergleich der neuen Anlage mit einen Kohlekraftwerk Moorburg trotzdem in der Summe eine bessere CO2-Bilanz ergeben, ist aber absurd, weil so natürlich weitere CO2-Einsparungen verhindert werden, wenn Gas verfeuert wird und Windanlagen stattdessen abgeschaltet werden.

Und auch gegenüber anderen Anlagen stellt sich diese Frage (siehe Seite 7):  Wie ist das z.B. gegenüber Kohlekraftwerken oder anderen GuD-Anlagen? Dazu machen die Autoren einige Ausführungen, die zeigen, dass natürlich der CO2-Minderungseffekt größer wäre, wenn Kohle verdrängt würde.

Die Frage aber ist: Wird das der Fall sein? Vattenfall selbst wird im Jahr 2014 das neue Kohlekraftwerk in Moorburg mit 1.600 MW in Betrieb nehmen und daher jedes Interesse haben, dafür zu sorgen, dass es auf der jeweils maximal möglichen Höchstlast gefahren wird, solange damit wirtschaftliche Erträge verbunden sind.

Ein Hinweis noch zum Schluss: Verglichen wird das geplante neue Kraftwerk mit der vermeintlichen Alternative, dass die Fernwärme sonst vom noch im Bau befindlichen 1.600 MW Steinkohlekraftwerk Moorburg über die sogenannte „Fernwärme-Moorburgtrasse“ quer durch den Hafen und den Grüngürtel von Altona angeschlossen wird. Diese Planungen sind allerdings vor zwei Jahren nach massiven Protesten im ersten Anlauf gescheitert und vom Oberverwaltungsgericht gestoppt worden. (Auch hier war übrigens der Grund: Die Öffentlichkeitsbeteiligung bei der Planung war rechtswidrig von der Behörde eingeschränkt worden.) Inzwischen war immer wieder zu hören, dass Vattenfall im Grunde froh ist, diese Leitung nicht bauen zu müssen, weil sie kaum wirtschaftlich betreibbar gewesen wäre!

Nach Fukushima – Energiekämpfe um Märkte und Macht

Suchbild: Was stimmt hier nicht? Einer der größten Atomkonzerne der Welt, der französische Atomkonzerne ist mächtig im Geschäft mit der Offshore-Windenergie! Foto: Dirk Seifert

Die vier Atomkonzerne haben sich von ihrem schweren Schlag im letzten Jahr erholt. Acht der 17 Atomkraftwerke mussten nach Fukushima abgeschaltet werden. Jahrelang hatten die Konzerne RWE, E.on, Vattenfall und EnBW auf die Laufzeitverlängerung hingearbeitet, die die CDU/CSU und FDP-Regierung im Spätherbst 2011 endlich beschloss: Kapital im Überfluss für die Konzerne, ein schwerer Schlag für die zaghafte Energiewende.

Fukushima traf die Konzerne hart: Angesichts der Katastrophe und Bilder aus Japan hielten sie sich öffentlich weitgehend zurück, als Angela Merkel ein Moratorium verhängte, acht Meiler vom Netz nahm und schließlich per Stresstest und Ethikkommissionen für deren dauerhafte Stilllegung sorgte.

Alle schienen sich einig: Nun kommt die Wende, der Siegeszug der meist dezentralen und bürgergestützten Energiewende würde kommen, Solaranlagen, Windparks und mehr BHKWs würden – massiv unterstützt von der Politik – in einer gemeinsamen gesellschaftlichen Anstrengung auf den Weg gebracht. Europa und die Welt sollten erleben: Deutschland schafft das. Energiewende wurde zu einem weiteren deutschen Wort in der Welt, dass nicht mehr übersetzt zu werden braucht.

Die Atomkonzerne waren orientierungslos: Schon in der Finanzkrise hatten sie viel Geld verloren, ihre Expansionspläne in Europa brachten zahlreiche Fehlinvestitionen und nun musste auch noch ein relevanter Teil der Gelddruckmaschinen abgeschrieben werden. Lediglich der Ausbau von Kohlekraftwerken war auf dem Plan, mit Erneuerbaren Energien hatten sie im ernsthaften Geschäftssinn nichts am Hut. E.on und RWE torkelten, ein wenig. Als Ausweg, um Kosten zu senken, beschlossen beide Unternehmen massive Personaleinsparungen. E.on ist dabei, über 6.000 Arbeitsplätze in Deutschland abzubauen, RWE mindestens 5.000.

Während sich der Anteil von Atomstrom reduzierte, stieg der Anteil der Erneuerbaren Energie auf über 20 Prozent an. Im Herbst 2012 liegen sie mit der Braunkohle bei einem Anteil von 27  Prozent gleichauf,  noch vor der Steinkohle und weit vor dem Atomstrom!

Die Erwartungen an die Bundesregierung, dass es nun zu einer koordinierten und intensivierten Ausbauplanung für die Erneuerbaren kommen würde, wurden allesamt enttäuscht. Sie zögerte, wartete ab. Lediglich bei der gegenüber dem Landwind deutlich teureren Offshore-Windtechnik zeigte sie Flagge, drückte die erhöhte Förderung im EEG durch. Ein erster Hinweis, in welche Richtung die Regierung schaute: Die vier großen Konzerne, die sich vor allem in diesem äußerst kapitalintensiven Bereich engagieren, in dem es immer auch um große Anlagen bzw. Strommengen geht, hatten hier ihr neues Geschäftsfeld definiert.

Im Stillen hatte die Bundesregierung bei den Kosten der Energiewende für eine massive Umverteilung gesorgt. Große Unternehmen wurden in immer größerer Zahl von den Zahlungen zur Umlage am Erneuerbaren Energien Gesetz befreit. Ein wachsender Anteil der Kosten wurde auf einen immer kleiner werdenden Personenkreis von Privathaushalten und Gewerbetreibenden umgelegt. Auch beim Ausbau der Stromnetze sind die großen Betriebe von den Kosten ausgenommen. Und um die Offshore-Anlagen angesichts der Kosten für den Netzausbau stemmen zu können, wurde den Netzbetreibern erst vor wenigen Monaten erlaubt, auch diese Kosten auf die Netzgebühren anzurechnen. Auch das führt zu Mehrkosten für die kleinen Haushalte und Betriebe.

Es ist mehr als nur zynisch, wenn sich ausgerechnet FDP-Wirtschaftsminister Rösler mit Krokodilstränen in den Augen zum Beschützer der Schwachen angesichts immer stärker steigender Strompreise für die Privathaushalte aufspielt und Hartz IV-Empfänger immer häufiger die Stromrechnung nicht bezahlen können. Natürlich sekundieren die Atomkonzerne diese Politik, warnen vor um 30 Prozent erhöhte Strompreise bis 2020.

Unglaublich, wie unverfroren sie das tun: In ihren Geschäftsberichten feiern diese Konzerne einerseits, dass die Folgen von Fukushima für ihre Aktionäre überwunden sind und wieder gute Gewinne gemacht werden. Andererseits beklagen sie aber intern lautstark, dass die sinkenden Strompreise an der Börse ihre ansonsten wachsenden Gewinne belasten! Tatsächlich sind die Strompreise an der Börse nämlich gesunken und liegen teilweise sogar unter dem Niveau von vor Fukushima. Der Grund: Vor allem der billiger werdende Solarstrom ersetzt den bislang konventionellen und teuren Spitzenlaststrom! Die Industrie freut sich – die BürgerInnen werden ausgenommen!

Dieser Tage macht die Bundesregierung klar, wie es weiter gehen soll: Nach der Solarenergie soll nun der Ausbau der Windenergie an Land geregelt, sprich begrenzt, werden. Dafür müsse das sozialistische Plangesetz EEG komplett geändert werden. Die alten Mächte, die alten Energiebarone und ihre Steigbügelhalter sind wieder da! Mit aller Kraft sind sie dabei, der Energiewende die Luft abzudrehen, der dezentralen Energieerzeugung auf Basis von Bürgerparks und kommunalen Anlagen den Garaus zu machen. Diese Bremse verschafft den großen Vier nicht nur die Zeit, die sie brauchen, um im Offshore-Bereich und vielen anderen Geschäftsfeldern ins Trockene zu kommen. Sie sorgt auch dafür, dass deren Marktanteile und damit Gewinne nicht noch weiter einbrechen. Mit Klimaschutz hat das alles nichts zu tun!

Doch es gibt Widerstand: All überall, beim Ausbau von Wind- und Solaranlagen, gegen Plutoniumtransporte und immer noch unsichere AKWs, gegen vom Atomgesetz „vergessene“ Uranfabriken in Gronau und Lingen, gegen Grohnde und Brokdorf, gegen Kraftwerke von Vattenfall in Wedel, für die Rekommunalisierung der Energie in Berlin und Hamburg und vielen anderen Orten. Gegen die Klimakatstrophe und neue Kohlekraftwerke, von denen zahlreiche Projekte seit Fukushima storniert wurden oder vor Gericht scheiterten! Alle diese und noch mehr Energiekämpfe werden zunehmen, weil Bundestagswahlen anstehen und weil sich immer mehr BürgerInnen gegen diese Konzerne engagieren! Energiepolitik von oben und mit der Arroganz der großen Konzerne, kommt aus der Mode!

Vattenfall, Bürgerinteressen und der Klimaschutz – Dorf weg, Braunkohle her!

Mit einem Schuss Sarkasmus ließe sich mit Blick auf die Geschäftspolitik von Vattenfall in Sachen Bürgerfreundlichkeit und Klimaschutz ein Lied anstimmen. „Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern….“ – oder doch?

Was viele in Hamburg nur am Rande wahrnehmen, weil es weit im tiefen Osten der Republik stattfindet: In der Lausitz pflügt der Stromkonzerne noch immer die Erde um, um an die dortige Braunkohle zu kommen.

Vattenfall: 80 Prozent Braunkohlestrom – Mehr CO2 geht fast nicht mehr!

Das dieser Konzern wie kein zweiter in Deutschland seinen Strom aus der besonders klima- und umweltschädlichen ostdeutschen Braunkohle herstellt, wird in Hamburg nicht gern erwähnt. Während in Deutschland insgesamt jede vierte Kilowattstunde aus Braunkohle stammt, also 25 Prozent der Stromerzeugung, erzeugt Vattenfall über 80 Prozent seines Stroms aus Braunkohle! Der Rest kommt aus Steinkohle und dem Atomkraftwerk Brokdorf!

Die Braunkohle wird großflächig im Tagebau gefördert: Dafür werden nicht nur Landschaften zerstört, sondern auch immer wieder ganze Dörfer abgebaggert, Menschen gegen ihren Willen umgesiedelt und wertvolle Naturschutzgebiete für immer zerstört. Vattenfall hat viel Erfahrung und Routine, um Menschen für seine Interessen notfalls auch zu vertreiben!

Anike Peters von Greenpeace berichtet in diesem Text über die Vattenfallpolitik in der ostdeutschen Lausitz (PDF) und seine Folgen (nicht nur) für die Dörfer und die Menschen: „Als Folge würden die Ortschaften Atterwasch, Grabko, Kerkwitz (Tagebau  Jänschwalde-Nord) und Proschim (Tagebau Welzow-Süd II) sowie Teile weiterer  Orte zerstört. Gewachsene Strukturen und  alte Kultur, wie etwa die 1294 erbaute  Dorfkirche von Atterwasch, würden ausradiert. Weitere 3.500 Menschen würden  gegen ihren Willen umgesiedelt. “

Wenn sich dieser Konzern gesprächs- und dialogbereit zeigt, dann muss man wissen, wie das einzuschätzen ist: Es geht nicht darum, womöglich Einsicht zu zeigen, Renditeziele für den Klimaschutz vielleicht zu reduzieren und so zu anderen Konzepten für neue Anlagen zu kommen … Dialog heißt für Vattenfall am Ende, dass Bürger einfach nicht verstehen, wie gut es der Konzern meint und läßt Behörden und Gerichte entscheiden! Sofern sich die BürgerInnen die teuren und langwierigen Verfahren überhaupt leisten können.

Das weiß Vattenfall und darauf setzt das Unternehmen! Immer wieder bedeuten Klagen gegen Kohlekraftwerke und ähnliches selbst für die großen Umweltverbände ein enormes finanzielles Risiko, da die Kosten leicht in die hunderttausende Euro gehen. Für Vattenfall ist das die Portokasse, für Umweltorganisationen im Zweifelsfall das Ende!

Wenn Vattenfall für die Braunkohle ganze Dörfer abgräbt, dann ist das für den Konzern eine Sache von Entschädigungs-Verhandlungen, bei denen Vattenfall den Menschen für den Verlust von Heimat und Kultur möglichst wenig geben will. Und später rühmt sich Vattenfall dann auch noch, wenn sie zerstörte Naturschutzgebiete renaturieren und mit den Vorteilen für den Tourismus werben. (siehe auch hier: Lausitzer Braunkohle)

Und ohne jede Scham traut sich Vattenfall das dann auch noch als Teil der Energiewende zu verkaufen: Die Braunkohle, die drei mal so viel CO2 in die Umwelt pustet wie Erdgas, soll laut Vattenfall die Brücke für die Erneuerbaren Energien sein. Einfach ekelhaft, was sich die Werbeschwätzer bei Vattenfall ausdenken, um ihre wirtschaftlichen Interessen zu verkaufen.

Diese Braunkohle-Wirklichkeiten sind in Hamburg nur wenig bekannt. Aber es ist gut zu wissen, mit welcher Konsequenz und Härte das Unternehmen bereit ist, seine wirtschaftlichen Interessen gegen betroffene Menschen durchzusetzen: Die Menschen in der Lausitz wissen das!

Klima- und Umweltschutz wie Vattenfall das versteht: Tagebau bei Cottbus. Foto: Dirk Seifert

Dass sich Vattenfall als  freundlicher Partner für Hamburg anbiedert und dabei seit kurzem sogar noch vom SPD-Senat in Hamburg mit einer Minderheitsbeteiligung von 25,1 Prozent an den Strom- und Fernwärmenetzen unterstützt wird, ist vor diesem Hintergrund kaum zu glauben. Doch Lobbyarbeit und eine geschickte Personalpolitik gepaart mit viel Macht hilft, den Einfluss bei den „Entscheidern“ dort oben zu sichern! Da werden Transparenz und Beteiligung eher langweilig und anstrengend.

Dennoch: Die Zahl der Konflikte, die die wirtschaftlichen Interessen von Vattenfall hervorrufen, mehren sich.  Überall wo Vattenfall auftaucht gibt es in und um Hamburg Ärger.

In Wedel soll ein neues Mega-Kraftwerk direkt an einem Wohngebiet errichtet werden, ohne die Bürger einzubeziehen, ohne den Nutzen für den Klimaschutz nachzuweisen. Deshalb fordern nicht nur die Wedeler Initiative gegen das Kraftwerk, sondern immer mehr Umweltorganisationen ein Moratorium für den Bauantrag und eine umfassende Diskussion von Alternativen!

In der Umgebung des stillgelegten Pannenmeilers Krümmel in Geesthacht klagt Vattenfall vor dem Bundesverfassungsgericht auf Schadensersatz und verrät nicht, wie der Reaktor nun weiter stillgelegt werden soll.  Der Bau des 1.600 MW Klimakiller Kraftwerks in Moorburg hatte zahllose Konflikte und Demonstrationen zur Folge, die damit verbundene Moorburg-Fernwärmetrasse konnte nach heftigen Protesten schließlich gerichtlich gestoppt werden.

Nicht einmal mehr an den Lesetagen, mit denen sich Vattenfall mit einem ordentlichen Schuss Greenwashing zum Kulturagenten aufspielt, kann sich das Unternehmen erfreuen, weil es immer mehr Proteste auslöst: Im letzten Jahre gaben die Lesetage ohne Atomstrom mit so vielen Prominenten im Angebot Contra, dass die Vattenfall-Autoren in den Medien kaum noch auftauchten und selbst der NDR musste seine Medienpartnerschaft einstellen. Auch die „Lesetage selber machen„, die mit einer Vielzahl eher kleinerer Veranstaltungen grasswurzelartig dagegen halten sorgen dafür, dass Vattenfall immer schlechter dasteht.

Und schließlich könnte Vattenfall und der Atomkonzern E.on mit den nächsten Bundestagswahlen Hamburg gar ganz verlieren. Dann nämlich wird im Hamburg per Volksentscheid darüber abgestimmt, dass diese beiden Konzerne nicht länger für die Strom-, Fernwärme- und Gasnetze zuständig sind – sondern ein vollständig öffentliches Unternehmen. Das soll dann nicht Wirtschaftsinteressen und maximale Gewinne fördern, sondern Klimaschutz und Energiewende.

 

 

Vattenfall – Immer schön Kurs halten auf die Klimakatastrophe!

Bei Vattenfall ist alles Energiewende und Klimschutz: noch mehr Braunkohle hilft dabei! Foto: Dirk Seifert

Vattenfall ist weiter auf Kurs Klimakatastrophe. Heute ging ein neuer klimaschädlicher Block eines Braunkohlekraftwerk am ostdeutschen Standort in Boxberg offiziell in Betrieb. In die Anlage mit 675 Megawatt wurden rund eine Milliarde Euro investiert, wie der Energiekonzern Vattenfall am Donnerstag in Boxberg mitteilte.

Die Welt berichtet in ihrer Ausgabe: „Der neue Block R ist laut Vattenfall auf dem „besten derzeit möglichen technischen Stand“, was zum Klimaschutz beitrage. Mit einem Wirkungsgrad von mehr als 43 Prozent werde das neue Kraftwerk etwa 20 Prozent weniger CO2 ausstoßen als ältere Braunkohlekraftwerke, hieß es.“ Tolle Sache, Vattenfall. Nur, habt ihr auch irgendwelche älteren Braunkohlekraftwerke abgeschaltet? Nein? Ähem, ist weniger dann nicht eher mehr?

Die besonders klimaschädliche Braunkohle trägt bei euch zum Klimaschutz bei. Das schaffen wirklich nur wenige!

Und natürlich darf auch die Energiewende nicht fehlen: „Vattenfall selbst nennt den neuen Kraftwerksblock einen wichtigen Beitrag zur Energiewende. Mit dem Atomausstieg verbleibe in Deutschland allein die Braunkohle als günstige, zuverlässige Energiequelle, sagte Vattenfall-Chef Tuomo Hatakka.“

Offenbar ist überhaupt alles was Vattenfall macht gut für das Klima, für die Energiewende und für was nicht noch alles? Nur komisch, dass sich immer alle darüber aufregen, wie z.B. in Hamburg mit dem Bau eines unbedingt auch für die Energiewende und den Klimaschutz wichtigen neuen Mega-Kraftwerks. In diese Energiewende von Vattenfall passt auch das im Bau befindliche neue 1.600 Megawatt Kohlekraftwerk in Moorburg, dass 2014 voll für den Klimaschutz in Hamburg ans Netz gehen soll.

Das ist alles so toll bei Vattenfall, dass die über all das Tolle gar nicht reden mögen! Auch nicht darüber, was denn nun mit den abgeschalteten Atomkraftwerken weiter passiert oder dass Vattenfall mal netterweise die Bundesrepublik sowohl vor dem Bundesverfassungsgericht als auch dem Weltbankgericht in Washington auf kaum nennenswerten Schadensersatz für den Atomausstieg und die Energiewende verklagt hat. Naja, Energiewende ist für Vattenfall irgendwie auch, wenn der Konzern sich aus der Haftung für Atommeiler verabschiedet und außerdem ankündigt, sich für neue AKWs zu engagieren. Das muss man nur nicht so eng sehen! Böse, böse, wenn das Miesmacher meinen: Vattenfall – Kein Partner für Hamburg oder dem Unternehmen hinterhältig gar miese Lobby-Kampagnen unterstellen.

GuD Wedel – Spekulationen über den Klimaschutz

Klimaschutz bei Vattenfall! 80 Prozent der Stomerzeugung stammen aus der besonders klima- und umweltschädlichen Braunkohle. Klimaschutz kennt Vattenfall in Wirtschafts-Daten übersetzt nur als PR. Foto: Dirk Seifert

Am Standort Wedel soll ein altes kohlebefeuertes Heizkraftwerk durch ein neues gasbefeuertes GuD-Kraftwerk ersetzt werden. Antragsteller sind Vattenfall und die Stadt Hamburg. Doch mehr als 1.200 Einwendungen wurden erhoben. Von Menschen und Organisationen, die sagen: JA, zur Energiewende, aber nein zu den Planungen von Vattenfall und Hamburg. Das hat mit fehlender Beteiligung und fehlender Transparenz zu tun, aber auch mit Belastungen, die aus der besonderen Nähe des Kraftwerks zu einem Wohngebiet resultieren. Die aber auch damit zu tun haben, dass ein eher kleines altes Kraftwerk durch ein neues enorm großes Kraftwerk ersetzt werden soll.

Es gibt massive Zweifel, ob die Vattenfall-Planungen für das neue Kraftwerk tatsächlich was mit Energiewende und Klimaschutz zu tun haben. Denn auffällig ist: Zwar behaupten Vattenfall und Stadt Hamburg, dass das vermeintliche „Innovationskraftwerk“ einen mächtigen Schritt nach vorn bedeutet, aber konkret fehlt jede klare und belastbare Aussage, z.B. was die CO2-Emissionen betrifft.

Die Strategie von Vattenfall und Co ist offenkundig: Weil Gas und GuD-Kraftwerke als besonders ökologisch gelten, muss das neue Kraftwerk für die Energiewende und den Klimaschutz taugen! Immerhin wird ja ein Kohle-Heizkraftwerk ersetzt.

Aber konkrete und überprüfbare Daten und Zahlen gibt es nicht. Werbebroschüren von Vattenfall für die Öffentlichkeit haben mit dem, was konkret im Gehnehmigungsverfahren beantragt ist, nichts zu tun! In Wirklichkeit wird das neue Kraftwerk viel größer, als das alte! Und genau das könnte für den Klimaschutz sogar von Nachteil sein!

Für das Folgende gilt: Vattenfall und die Stadt Hamburg verweigern bis heute konkrete Daten, mit denen verlässliche Aussagen über die CO2-Belastungen durch das neue gegenüber dem alten Kraftwerk möglich sind. Daher können nur Spekulationen angestellt werden, um verständlich zu machen, warum das neue Kraftwerk gegenüber dem alten gar keine Verbesserung darstellen muss – auch wenn Gas durch Kohle ersetzt wird. Auf die Größe einerseits und die Betriebsweise andererseits kommt es an – über letzteres aber schweigt in bekannter Manier der Konzern Vattenfall und die Stadt Hamburg – Betriebsgeheimnis nennt man das!

Spekulationen über CO2-Emissionen und Klimaschutz des geplanten Kraftwerks

Allgemein gilt die Faustformel, dass Gas nur etwa die Hälfte der CO2-Emissionen gegenüber der Kohleverbrennung zur Folge hat. Auf dieser Faustformel beruht offenbar bei vielen derzeit die Annahme, dass das neue GuD-Wedel also in jedem Fall besser für den Klimaschutz ist als das bisherige Kraftwerk mit Kohlefeuerung. Aber: So richtig die Faustformel ist, so wenig hat das mit der konkreten Wirklichkeit zu tun.

Denn einerseits kommt es darauf an, wie die Leistungsdaten des neuen Kraftwerks sich gegenüber dem alten Kraftwerk verändern. Und genauso wichtig ist es andererseits, wie das neue Kraftwerk im Vergleich zum alten Kraftwerk konkret „gefahren“ wird! Erst wenn beides bekannt ist, können Aussagen über die tatsächlichen CO2-Emissionen gemacht werden. Richtig ist nur – auch eine Faustformel – es ist besser Kraftwerke mit Gasfeuerung zu bauen, als Kraftwerke mit Kohlefeuerung. Trotz dieser Faustformel ist aber auch richtig: Ein Kraftwerk mit 200 MW auf Gasbasis hat so in etwa die gleichen CO2-Emissionen wie ein Kohlekraftwerk mit 100 MW – für den Klimaschutz wäre das ein Nullsummenspiel!

Wie die Betriebsweise des neuen – größeren – GuD-Kraftwerks konkret sein wird, ist  also entscheidend, um beurteilen zu können, wie die CO2-Emissionen tatsächlich sein könnten.

Würden wir es uns so einfach machen wie Vattenfall und Mitbetreiber Stadt Hamburg, dann könnten wir nun einfach sagen: Da das alte kohlebefeuerte Kraftwerk Wedel durch ein bis zu doppelt so großes gasbetriebenes Kraftwerk ersetzt werden soll, gibt es gar keine CO2-Einsparungen bzw. das neue Kraftwerk könnte sogar noch mehr CO2-Emissionen zur Folge haben.

Richtig an dieser Betrachtung wäre: Je mehr das neue Kraftwerk in der Größe/Leistung gegenüber dem alten Kraftwerk nach oben abweicht, desto kleiner dürften die potentiell möglichen CO2-Einsparungen beim Wechsel von Kohle- auf Gasbefeuerung werden!

Doch Faustformeln helfen dem Klima nicht wirklich! Deshalb bleibt auch hier nur die Forderung an Vattenfall und den Senat: Die Fakten müssen auf den Tisch, Gutachten geöffnet werden! Ein Moratorium ist unerläßlich!

Vattenfall hat öffentlich gesagt, dass es mit dem neuen Kraftwerk „rund um die Uhr über das ganze Jahr“ Strom erzeugen will. Doch mit solchen Statements lässt sich über die CO2-Emissionen nichts aussagen.

Um das Problem zu veranschaulichen: Angenommen, das neue Kraftwerk mit seiner elektrischen Leistung von 470 MW (niedrige Angabe aus der Werbebroschüre Vattenfall) würde ein ganzes Jahr auf Volllast durchlaufen, also 8.600 Stunden im Jahr. Dann würde das neue Kraftwerk 3.440.000.000 kWh erzeugen. Das alte Kraftwerk würde bei einer elektrischen Leistung von 250 MW bei Volllast und 8600 Stunden 2.150.000.000 kWh Strom erzeugen. Würden wir nun die Kilowattstunden mit einem Faktor 0,5 für Gas und 1,0 für Kohle multiplizieren um die CO2-Einheiten (das ist nicht die Menge in Gramm oder Kilo sondern nun eine Verhältniszahl!!), dann käme dabei heraus: 1720 Einheiten bei Gasfeuerung zu 2150 Einheiten bei Kohlefeuerung!

Nun kommen aber entscheidende weitere Paramenter ins Spiel. Einerseits ist kaum anzunehmen, dass ein Kraftwerk eingebunden in einem komplexen Energiesystem mit einem steigenden Anteil Erneuerbarer Energie permanent auf Volllast betrieben werden kann. Und: Jedes Kraftwerk hat mit technischen Problemen zu tun und muss regelmäßig gewartet werden. Vor diesem Hintergrund wäre zu vermuten, dass vor allem mit Blick auf die Wartung das Kohlekraftwerk gegenüber dem GuD-Kraftwerk längere Wartungszeiten hat und daher für die Stromerzeugung weniger zur Verfügung steht.

Vattenfall nennt auf seiner Homepage für das alte Kraftwerk in Wedel (Kohle) folgende Zahl: „Durchschnittliche Jahresstromerzeugung: 1200 GWh.“

Mit Blick auf die eben genannte rein rechnernische Volllast/8600 Stunden ist das eine deutliche Differenz zu den 2150 GWh, die maximal möglich wären. Es handelt sich hier also um nur noch fast die Hälfte der Stromerzeugung, die real erbracht wird. Anders ausgedrückt: Bei einer installierten Leistung von 250 MW wird über das ganze Jahr gerechnet real nur eine Leistung von ca. 130 MW genutzt! Oder anders: Statt 8600 Stunden Vollast braucht es nur etwas mehr als 4.300 Stunden Volllast, um diese Menge Strom zu erzeugen. Damit würden sich analog zu dem obigen Beispiel auch die CO2-Emissionen (Verhältnis!) halbieren!

Würde sich die Betriebsweise für das neue Kraftwerk genau so wie bei dem alten Kraftwerk verhalten, würde das für die CO2-Emissionen mit Blick auf das obige theoretische Beispiel keine Veränderungen ergeben!

Sollte aber das neue GuD-Kraftwerk bei einer deutlich höheren elektrischen Leistung mehr Stunden im Jahr in Betrieb sein als das bisherige Kraftwerk (genau darauf könnte der oben genannte Hinweis von Vattenfall hindeuten), dann würden sich die CO2-Einsparungen gegenüber dem alten Kraftwerk schnell weiter reduzieren und unter bestimmten Bedingungen könnte es sogar dazu kommen, dass die Emissionen über den heutigen liegen würden! Genau hier aber liegt die „Zone“, in der sich entscheidet, ob das neue Kraftwerk tatsächlich auch zum Klimaschutz beiträgt.

These: Würde das neue Kraftwerk mit einer „Werbebroschüren-Leistung“ von 460 MW elektrisch bei zwei Monaten Wartung (sehr großer Zeitraum) durchgängig auf Volllast laufen, würde das bei dann 7160 Betriebsstunden eine Stromproduktion von 3.293.600.000 kWh bedeuten. Während nach Angaben von Vattenfall das alte Kraftwerk 1.200 GWh erzeugt und das neue Kraftwerk in dieser Annahme fast 3.300 GWh errreicht, würde das also den CO2-Einsparungseffekt des Umstiegs von Kohle auf Gas bei weitem überschreiten! Während im alten Kohle-Kraftwerk „nur“ 1.200 CO2-Einheiten erzeugt würden, würde das neue Gas-Kraftwerk 1.650 CO2-Einheiten erzeugen! Eine weitere Steigerung der Stomerzeugung in der neuen Anlage würde diese Werte noch mehr erhöhen!

Für ein vollständigeres Bild muss nun noch die thermische Leistung betrachtet werden: Thermisch sollen sich laut „Werbebroschüre“ die beiden Kraftwerke nur geringfügig unterscheiden, das neue etwas weniger Leistung haben als das alte Kraftwerk. Per Faustformel würde das für die CO2-Emissionen also bedeuten – wenn beide Kraftwerke in gleicher Weise für die Fernwärme genutzt werden, dass sich die Emissionen bezogen auf die thermische Leistung durch das neue Kraftwerk halbieren würden. Ein höherer Wirkungsgrad der neuen Anlage gegenüber der alten würde sogar noch etwas mehr CO2-Reduzierungen möglich machen. Ob das in der Summe wirklich so ist, ist unbekannt. Kann sein, muss aber nicht!

Fassen wir das mal zusammen, dann ergibt sich folgende Spekulation:

Während sich bei fast gleicher Wärmeleistung eine Reduzierung der CO2-Emissionen um die Hälfte ergibt, steigen die CO2-Emissionen bei der Stromproduktion im neuen Kraftwerk um rund 40 Prozent an. In der Summe ergibt das lediglich eine CO2-Einsparung von 10 Prozent.

Steigt die Stromerzeugung und sinkt die Wärmeversorgung, wäre gar keine CO2-Einsparung die Folge. Und das bei einem Einsatz von fast 500 Millionen Euro, die die Stadt Hamburg und Vattenfall in den Neubau in Wedel investieren!

NOCHMAL: All das sind Spekulationen, die nur deshalb hier gemacht werden, weil Vattenfall und die Stadt Hamburg zwar einen Beitrag des neuen Kraftwerks zum Klimaschutz behaupten, aber keinerlei Informationen auf den Tisch legen, um tatsächlich konkrete Aussagen treffen oder diese prüfen zu können!! Jede Information wird verweigert! Auch der SPD-Senat legt dazu nichts vor! Genau die aber haben die Verantwortung, diese Sachverhalte darzustellen – nicht sie zu verschleiern!

Die hier getätigten Spekulationen sollen zumindest den Versuch darzustellen, vor welchem MÖGLICHEN Hintergrund wir davon ausgehen, dass das neue GuD-Kraftwerk einfach keinen Sinn für die Energiewende und den Klimaschutz ergibt, sondern nur für die Geschäftsinteressen von Vattenfall!

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