Mehr Ökostrom – ungerechtere Kostenverteilung. Foto: Zwiboe / pixelio.de
Die EEG-Umlage für den Ökostrom steigt auf rund 5,3 Cent pro Kilowattstunde. Damit würden durchschnittliche Privathaushalte künftig rund 60 Euro mehr im Jahr für ihre Stromkosten zahlen. Aber: An der Stromhandelsbörse spiegeln sich diese Kosten nicht wider: Dort sind die Preise eher gesunken als gestiegen. Grund: Z.B. der Solarstrom trägt zu sinkenden Preisen an der Strombörse bei, da der Spitzenlaststrom um die Mittagszeit deutlich preisgünstiger geworden ist. Zum Nutzen der Industrie. Wichtig auch: Die Stromkonzerne geben seit Jahren diese Preissenkungen nicht an die KundInnen weiter!! Ein Blick in die Bilanzen der großen vier Stromkonzerne macht das deutlich! (siehe z.B. hier für Vattenfall und hier für E.on)
Börse-Go zitiert online den Chef des Bundesverbands Erneuerbare Energien (BEE), der krisitisert, „dass der Ausbau der Erneuerbaren Energien nicht der wesentliche Treiber für steigende Strompreise ist. „Nicht einmal die Hälfte der Umlage für das kommende Jahr geht auf die reinen Förderkosten für 2013 zurück“, erklärt BEE-Präsident Dietmar Schütz. Der Rest der EEG-Umlage diene einer immer stärker ausgeweiteten Industrieförderung, der Kompensation sinkender Strompreise an der Börse sowie dem nachträglichen Ausgleich zu geringer Einnahmen im Jahr 2012. „Die EEG-Umlage steigt im kommenden Jahr stärker als nötig“, so Schütz. Die Politik habe die Umlage mit immer neuen Zusatzkosten aufgebläht. „Umgekehrt werden die preissenkenden Effekte der Erneuerbaren Energien bisher nicht an die Privatkunden weitergegeben“, kritisiert der BEE-Präsident.“
Der gute Teil der Nachricht lautet: Die Energiewende kommt voran, es werden flächendenkend neue Anlagen gebaut und zur Jahreswende werden die Erneuerbaren Energien vermutlich bei einem Anteil von 25 Prozent an der Stromerzeugung liegen, fast gleichauf mit der Braunkohle und noch vor der Steinkohle und der inzwischen abgeschlagenen Atomkraft.
Der schlechte Teil der Nachricht ist: Die Preise zeigen vor allem, dass die Politik der Bundesregierung gerade unter sozialen Gesichtspunkten skandalös ist. Denn die Kosten für die privaten Haushalte und das Gewerbe sind deshalb so stark angestiegen, weil Großverbraucher aus der Industrie von der Umlage ausgenommen sind!
Diese unsoziale Ausgestaltung ist keine Folge der Energiewende oder hat irgendwas mit sachlichen Gründen zu tun. Das sind politische Entscheidungen der Bundesregierung. Statt die wachsenden Lasten auf mehr Schultern zu verteilen, ist die Bundesregierung seit Jahren dabei, die Kosten auf die privaten Haushalte und das Gewerbe zu verteilen. Deshalb bekommen auch immer mehr Hartz IV-EmpfängerInnen Probleme mit den Stromrechnungen!
Berlin. Der Bundesverband WindEnergie e.V. (BWE) hat heute mit einem 44 Meter langen Rotorblatt einer Windenergieanlage seine Position zur EEG-Debatte klargemacht. Das Rotorblatt wurde mit Hilfe eines Schwerlasttransporters am Samstagvormittag auf die Berliner Heinrich-von-Gagern-Straße gestellt. Die Straße befindet sich im Regierungsviertel zwischen Bundeskanzleramt und Bundestagsgebäude. Bereitgestellt wurde das Rotorblatt vom Vestas-Werk in Lauchhammer, von wo aus es bereits am Freitagabend nach Berlin Spandau gebracht wurde. Von dort ging der Transport am Samstagmorgen in die Berliner Innenstadt.
Dem Verband ging es bei der Aktion darum zu verdeutlichen, dass die Erhöhung der EEG-Umlage nur zu einem Teil auf den Ausbau Erneuerbarer Energien zurückzuführen ist. Berechnungen des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE) haben ergeben, dass von der EEG-Umlage 2013 in Höhe von voraussichtlich 5,27 Cent die eigentlichen Förderkosten für Erneuerbare Energien gerade einmal 2,26 Cent ausmachen, darunter die Windenergie an Land sogar nur 0,21 Cent. Ein Viertel der EEG-Umlage 2013 ist auf die zunehmende Befreiung der energieintensiven Industrie zurückzuführen. Ein weiterer Faktor ist der sinkende Börsenstrompreis, von dem zwar auch die Industrie profitiert, der aber nicht an die Haushaltskunden weitergegeben wird. Im Gegenteil: Ein sinkender Börsenstrompreis, der maßgeblich durch die verstärkte Einspeisung Erneuerbaren Stroms entsteht und damit zu günstigen Preisen im Strommarkt führt, wird den Erneuerbaren nicht gut gerechnet, sondern der Umlage zugeschlagen.
Klar ist, dass auch die konventionellen Energien in den letzten Jahrzehnten umfangreich subventioniert wurden. Eine Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) belegt, dass Kohle, Atom und Gas zwischen 1970 und 2012 mit 611 Milliarden Euro subventioniert wurden. Würde man diese Kosten ähnlich der EEG-Umlage auf den Strompreis umlegen, würden die Verbraucher für diese „Konventionelle-Energien-Umlage“ im Jahr 2012 10,2 Cent/kWh bezahlen. Es ist erstaunlich, dass die Politik dem Verbraucher gegenüber diese Kosten verschweigt.
„Mit unserer Aktion wollen wir die Verbraucher über diese Tatsachen aufklären. Sie soll auch ein Signal an die Politik sein, von der wir uns erhoffen, dass sie die tatsächlichen Kosten der Erneuerbaren Energien besser erklärt. Dazu kommt, dass in der öffentlichen Debatte die positiven Effekte der Erneuerbaren im Allgemeinen und der Windenergie im Besonderen nahezu komplett ausgeblendet werden“, betonte BWE-Präsident Hermann Albers bei seiner Rede auf der Aktion.
So etwa haben Erneuerbare im Jahr 2011 die Emission von 130 Millionen Tonnen Treibhausgas und damit auch Umweltschäden in Höhe von 10 Milliarden Euro vermieden. Allein auf den Strombereich entfielen dabei 86 Millionen Tonnen. Darüber hinaus wurde durch Erneuerbare in demselben Jahr der Import fossiler Brennstoffe in Höhe von 7,1 Milliarden Euro vermieden. Erneuerbare Energien sorgen für Arbeit. So arbeiten etwa im Windbereich heute bereits über 100.000 Menschen, Tendenz steigend. Studien gehen davon aus, dass 2020 bereits bis zu 160.000 Menschen in der Branche arbeiten werden.
„Subventionen für die Großindustrie dürfen nicht als Förderung für die Erneuerbaren getarnt werden“, forderte auch der Vorsitzende des Bundes der Energieverbraucher, Dr. Aribert Peters, der ebenfalls auf der Veranstaltung sprach. „Wir brauchen die Erneuerbaren Energien, damit die Energiepreise langfristig bezahlbar bleiben“, so Peters weiter.
Thematisiert wurde auch, dass in dieser Woche vorgelegte Papier des Bundesumweltministers zum EEG. „Wir begrüßen, dass Peter Altmaier die Debatte wieder in einen geordneten Prozess und in einen Dialog zurückführen will. Daran werden wir uns beteiligen. Die vorgeschlagene Deckelung ist jedoch für die Windenergie ein völlig ungeeignetes Instrument, das der Realität bei Planung und Finanzierung von Windenergieprojekten nicht gerecht wird. Zwischen erster Planung und Umsetzung eines Projektes vergehen vier, fünf oder sogar mehr Jahre. Ein Unternehmen, das nicht weiß, ob bei Fertigstellung des Projektes überhaupt noch seine wirtschaftliche Grundlage gegeben ist, wird so ein Projekt nicht mehr entwickeln können“, erklärte BWE-Präsident Albers.
Erste Fotos der Aktion finden Sie in unserer Bildergalerie
Mit einem Schuss Sarkasmus ließe sich mit Blick auf die Geschäftspolitik von Vattenfall in Sachen Bürgerfreundlichkeit und Klimaschutz ein Lied anstimmen. „Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern….“ – oder doch?
Was viele in Hamburg nur am Rande wahrnehmen, weil es weit im tiefen Osten der Republik stattfindet: In der Lausitz pflügt der Stromkonzerne noch immer die Erde um, um an die dortige Braunkohle zu kommen.
Vattenfall: 80 Prozent Braunkohlestrom – Mehr CO2 geht fast nicht mehr!
Das dieser Konzern wie kein zweiter in Deutschland seinen Strom aus der besonders klima- und umweltschädlichen ostdeutschen Braunkohle herstellt, wird in Hamburg nicht gern erwähnt. Während in Deutschland insgesamt jede vierte Kilowattstunde aus Braunkohle stammt, also 25 Prozent der Stromerzeugung, erzeugt Vattenfall über 80 Prozent seines Stroms aus Braunkohle! Der Rest kommt aus Steinkohle und dem Atomkraftwerk Brokdorf!
Die Braunkohle wird großflächig im Tagebau gefördert: Dafür werden nicht nur Landschaften zerstört, sondern auch immer wieder ganze Dörfer abgebaggert, Menschen gegen ihren Willen umgesiedelt und wertvolle Naturschutzgebiete für immer zerstört. Vattenfall hat viel Erfahrung und Routine, um Menschen für seine Interessen notfalls auch zu vertreiben!
Anike Peters von Greenpeace berichtet in diesem Text über die Vattenfallpolitik in der ostdeutschen Lausitz (PDF) und seine Folgen (nicht nur) für die Dörfer und die Menschen: „Als Folge würden die Ortschaften Atterwasch, Grabko, Kerkwitz (Tagebau Jänschwalde-Nord) und Proschim (Tagebau Welzow-Süd II) sowie Teile weiterer Orte zerstört. Gewachsene Strukturen und alte Kultur, wie etwa die 1294 erbaute Dorfkirche von Atterwasch, würden ausradiert. Weitere 3.500 Menschen würden gegen ihren Willen umgesiedelt. “
Wenn sich dieser Konzern gesprächs- und dialogbereit zeigt, dann muss man wissen, wie das einzuschätzen ist: Es geht nicht darum, womöglich Einsicht zu zeigen, Renditeziele für den Klimaschutz vielleicht zu reduzieren und so zu anderen Konzepten für neue Anlagen zu kommen … Dialog heißt für Vattenfall am Ende, dass Bürger einfach nicht verstehen, wie gut es der Konzern meint und läßt Behörden und Gerichte entscheiden! Sofern sich die BürgerInnen die teuren und langwierigen Verfahren überhaupt leisten können.
Das weiß Vattenfall und darauf setzt das Unternehmen! Immer wieder bedeuten Klagen gegen Kohlekraftwerke und ähnliches selbst für die großen Umweltverbände ein enormes finanzielles Risiko, da die Kosten leicht in die hunderttausende Euro gehen. Für Vattenfall ist das die Portokasse, für Umweltorganisationen im Zweifelsfall das Ende!
Wenn Vattenfall für die Braunkohle ganze Dörfer abgräbt, dann ist das für den Konzern eine Sache von Entschädigungs-Verhandlungen, bei denen Vattenfall den Menschen für den Verlust von Heimat und Kultur möglichst wenig geben will. Und später rühmt sich Vattenfall dann auch noch, wenn sie zerstörte Naturschutzgebiete renaturieren und mit den Vorteilen für den Tourismus werben. (siehe auch hier: Lausitzer Braunkohle)
Und ohne jede Scham traut sich Vattenfall das dann auch noch als Teil der Energiewende zu verkaufen: Die Braunkohle, die drei mal so viel CO2 in die Umwelt pustet wie Erdgas, soll laut Vattenfall die Brücke für die Erneuerbaren Energien sein. Einfach ekelhaft, was sich die Werbeschwätzer bei Vattenfall ausdenken, um ihre wirtschaftlichen Interessen zu verkaufen.
Diese Braunkohle-Wirklichkeiten sind in Hamburg nur wenig bekannt. Aber es ist gut zu wissen, mit welcher Konsequenz und Härte das Unternehmen bereit ist, seine wirtschaftlichen Interessen gegen betroffene Menschen durchzusetzen: Die Menschen in der Lausitz wissen das!
Klima- und Umweltschutz wie Vattenfall das versteht: Tagebau bei Cottbus. Foto: Dirk Seifert
Dass sich Vattenfall als freundlicher Partner für Hamburg anbiedert und dabei seit kurzem sogar noch vom SPD-Senat in Hamburg mit einer Minderheitsbeteiligung von 25,1 Prozent an den Strom- und Fernwärmenetzen unterstützt wird, ist vor diesem Hintergrund kaum zu glauben. Doch Lobbyarbeit und eine geschickte Personalpolitik gepaart mit viel Macht hilft, den Einfluss bei den „Entscheidern“ dort oben zu sichern! Da werden Transparenz und Beteiligung eher langweilig und anstrengend.
Dennoch: Die Zahl der Konflikte, die die wirtschaftlichen Interessen von Vattenfall hervorrufen, mehren sich. Überall wo Vattenfall auftaucht gibt es in und um Hamburg Ärger.
In der Umgebung des stillgelegten Pannenmeilers Krümmel in Geesthacht klagt Vattenfall vor dem Bundesverfassungsgericht auf Schadensersatz und verrät nicht, wie der Reaktor nun weiter stillgelegt werden soll. Der Bau des 1.600 MW Klimakiller Kraftwerks in Moorburg hatte zahllose Konflikte und Demonstrationen zur Folge, die damit verbundene Moorburg-Fernwärmetrasse konnte nach heftigen Protesten schließlich gerichtlich gestoppt werden.
Nicht einmal mehr an den Lesetagen, mit denen sich Vattenfall mit einem ordentlichen Schuss Greenwashing zum Kulturagenten aufspielt, kann sich das Unternehmen erfreuen, weil es immer mehr Proteste auslöst: Im letzten Jahre gaben die Lesetage ohne Atomstrom mit so vielen Prominenten im Angebot Contra, dass die Vattenfall-Autoren in den Medien kaum noch auftauchten und selbst der NDR musste seine Medienpartnerschaft einstellen. Auch die „Lesetage selber machen„, die mit einer Vielzahl eher kleinerer Veranstaltungen grasswurzelartig dagegen halten sorgen dafür, dass Vattenfall immer schlechter dasteht.
Und schließlich könnte Vattenfall und der Atomkonzern E.on mit den nächsten Bundestagswahlen Hamburg gar ganz verlieren. Dann nämlich wird im Hamburg per Volksentscheid darüber abgestimmt, dass diese beiden Konzerne nicht länger für die Strom-, Fernwärme- und Gasnetze zuständig sind – sondern ein vollständig öffentliches Unternehmen. Das soll dann nicht Wirtschaftsinteressen und maximale Gewinne fördern, sondern Klimaschutz und Energiewende.
Klimaschutz bei Vattenfall! 80 Prozent der Stomerzeugung stammen aus der besonders klima- und umweltschädlichen Braunkohle. Klimaschutz kennt Vattenfall in Wirtschafts-Daten übersetzt nur als PR. Foto: Dirk Seifert
Am Standort Wedel soll ein altes kohlebefeuertes Heizkraftwerk durch ein neues gasbefeuertes GuD-Kraftwerk ersetzt werden. Antragsteller sind Vattenfall und die Stadt Hamburg. Doch mehr als 1.200 Einwendungen wurden erhoben. Von Menschen und Organisationen, die sagen: JA, zur Energiewende, aber nein zu den Planungen von Vattenfall und Hamburg. Das hat mit fehlender Beteiligung und fehlender Transparenz zu tun, aber auch mit Belastungen, die aus der besonderen Nähe des Kraftwerks zu einem Wohngebiet resultieren. Die aber auch damit zu tun haben, dass ein eher kleines altes Kraftwerk durch ein neues enorm großes Kraftwerk ersetzt werden soll.
Es gibt massive Zweifel, ob die Vattenfall-Planungen für das neue Kraftwerk tatsächlich was mit Energiewende und Klimaschutz zu tun haben. Denn auffällig ist: Zwar behaupten Vattenfall und Stadt Hamburg, dass das vermeintliche „Innovationskraftwerk“ einen mächtigen Schritt nach vorn bedeutet, aber konkret fehlt jede klare und belastbare Aussage, z.B. was die CO2-Emissionen betrifft.
Die Strategie von Vattenfall und Co ist offenkundig: Weil Gas und GuD-Kraftwerke als besonders ökologisch gelten, muss das neue Kraftwerk für die Energiewende und den Klimaschutz taugen! Immerhin wird ja ein Kohle-Heizkraftwerk ersetzt.
Für das Folgende gilt: Vattenfall und die Stadt Hamburg verweigern bis heute konkrete Daten, mit denen verlässliche Aussagen über die CO2-Belastungen durch das neue gegenüber dem alten Kraftwerk möglich sind. Daher können nur Spekulationen angestellt werden, um verständlich zu machen, warum das neue Kraftwerk gegenüber dem alten gar keine Verbesserung darstellen muss – auch wenn Gas durch Kohle ersetzt wird. Auf die Größe einerseits und die Betriebsweise andererseits kommt es an – über letzteres aber schweigt in bekannter Manier der Konzern Vattenfall und die Stadt Hamburg – Betriebsgeheimnis nennt man das!
Spekulationen über CO2-Emissionen und Klimaschutz des geplanten Kraftwerks
Allgemein gilt die Faustformel, dass Gas nur etwa die Hälfte der CO2-Emissionen gegenüber der Kohleverbrennung zur Folge hat. Auf dieser Faustformel beruht offenbar bei vielen derzeit die Annahme, dass das neue GuD-Wedel also in jedem Fall besser für den Klimaschutz ist als das bisherige Kraftwerk mit Kohlefeuerung. Aber: So richtig die Faustformel ist, so wenig hat das mit der konkreten Wirklichkeit zu tun.
Denn einerseits kommt es darauf an, wie die Leistungsdaten des neuen Kraftwerks sich gegenüber dem alten Kraftwerk verändern. Und genauso wichtig ist es andererseits, wie das neue Kraftwerk im Vergleich zum alten Kraftwerk konkret „gefahren“ wird! Erst wenn beides bekannt ist, können Aussagen über die tatsächlichen CO2-Emissionen gemacht werden. Richtig ist nur – auch eine Faustformel – es ist besser Kraftwerke mit Gasfeuerung zu bauen, als Kraftwerke mit Kohlefeuerung. Trotz dieser Faustformel ist aber auch richtig: Ein Kraftwerk mit 200 MW auf Gasbasis hat so in etwa die gleichen CO2-Emissionen wie ein Kohlekraftwerk mit 100 MW – für den Klimaschutz wäre das ein Nullsummenspiel!
Wie die Betriebsweise des neuen – größeren – GuD-Kraftwerks konkret sein wird, ist also entscheidend, um beurteilen zu können, wie die CO2-Emissionen tatsächlich sein könnten.
Würden wir es uns so einfach machen wie Vattenfall und Mitbetreiber Stadt Hamburg, dann könnten wir nun einfach sagen: Da das alte kohlebefeuerte Kraftwerk Wedel durch ein bis zu doppelt so großes gasbetriebenes Kraftwerk ersetzt werden soll, gibt es gar keine CO2-Einsparungen bzw. das neue Kraftwerk könnte sogar noch mehr CO2-Emissionen zur Folge haben.
Richtig an dieser Betrachtung wäre: Je mehr das neue Kraftwerk in der Größe/Leistung gegenüber dem alten Kraftwerk nach oben abweicht, desto kleiner dürften die potentiell möglichen CO2-Einsparungen beim Wechsel von Kohle- auf Gasbefeuerung werden!
Doch Faustformeln helfen dem Klima nicht wirklich! Deshalb bleibt auch hier nur die Forderung an Vattenfall und den Senat: Die Fakten müssen auf den Tisch, Gutachten geöffnet werden! Ein Moratorium ist unerläßlich!
Vattenfall hat öffentlich gesagt, dass es mit dem neuen Kraftwerk „rund um die Uhr über das ganze Jahr“ Strom erzeugen will. Doch mit solchen Statements lässt sich über die CO2-Emissionen nichts aussagen.
Um das Problem zu veranschaulichen: Angenommen, das neue Kraftwerk mit seiner elektrischen Leistung von 470 MW (niedrige Angabe aus der Werbebroschüre Vattenfall) würde ein ganzes Jahr auf Volllast durchlaufen, also 8.600 Stunden im Jahr. Dann würde das neue Kraftwerk 3.440.000.000 kWh erzeugen. Das alte Kraftwerk würde bei einer elektrischen Leistung von 250 MW bei Volllast und 8600 Stunden 2.150.000.000 kWh Strom erzeugen. Würden wir nun die Kilowattstunden mit einem Faktor 0,5 für Gas und 1,0 für Kohle multiplizieren um die CO2-Einheiten (das ist nicht die Menge in Gramm oder Kilo sondern nun eine Verhältniszahl!!), dann käme dabei heraus: 1720 Einheiten bei Gasfeuerung zu 2150 Einheiten bei Kohlefeuerung!
Nun kommen aber entscheidende weitere Paramenter ins Spiel. Einerseits ist kaum anzunehmen, dass ein Kraftwerk eingebunden in einem komplexen Energiesystem mit einem steigenden Anteil Erneuerbarer Energie permanent auf Volllast betrieben werden kann. Und: Jedes Kraftwerk hat mit technischen Problemen zu tun und muss regelmäßig gewartet werden. Vor diesem Hintergrund wäre zu vermuten, dass vor allem mit Blick auf die Wartung das Kohlekraftwerk gegenüber dem GuD-Kraftwerk längere Wartungszeiten hat und daher für die Stromerzeugung weniger zur Verfügung steht.
Vattenfall nennt auf seiner Homepage für das alte Kraftwerk in Wedel (Kohle) folgende Zahl: „Durchschnittliche Jahresstromerzeugung: 1200 GWh.“
Mit Blick auf die eben genannte rein rechnernische Volllast/8600 Stunden ist das eine deutliche Differenz zu den 2150 GWh, die maximal möglich wären. Es handelt sich hier also um nur noch fast die Hälfte der Stromerzeugung, die real erbracht wird. Anders ausgedrückt: Bei einer installierten Leistung von 250 MW wird über das ganze Jahr gerechnet real nur eine Leistung von ca. 130 MW genutzt! Oder anders: Statt 8600 Stunden Vollast braucht es nur etwas mehr als 4.300 Stunden Volllast, um diese Menge Strom zu erzeugen. Damit würden sich analog zu dem obigen Beispiel auch die CO2-Emissionen (Verhältnis!) halbieren!
Würde sich die Betriebsweise für das neue Kraftwerk genau so wie bei dem alten Kraftwerk verhalten, würde das für die CO2-Emissionen mit Blick auf das obige theoretische Beispiel keine Veränderungen ergeben!
Sollte aber das neue GuD-Kraftwerk bei einer deutlich höheren elektrischen Leistung mehr Stunden im Jahr in Betrieb sein als das bisherige Kraftwerk (genau darauf könnte der oben genannte Hinweis von Vattenfall hindeuten), dann würden sich die CO2-Einsparungen gegenüber dem alten Kraftwerk schnell weiter reduzieren und unter bestimmten Bedingungen könnte es sogar dazu kommen, dass die Emissionen über den heutigen liegen würden! Genau hier aber liegt die „Zone“, in der sich entscheidet, ob das neue Kraftwerk tatsächlich auch zum Klimaschutz beiträgt.
These: Würde das neue Kraftwerk mit einer „Werbebroschüren-Leistung“ von 460 MW elektrisch bei zwei Monaten Wartung (sehr großer Zeitraum) durchgängig auf Volllast laufen, würde das bei dann 7160 Betriebsstunden eine Stromproduktion von 3.293.600.000 kWh bedeuten. Während nach Angaben von Vattenfall das alte Kraftwerk 1.200 GWh erzeugt und das neue Kraftwerk in dieser Annahme fast 3.300 GWh errreicht, würde das also den CO2-Einsparungseffekt des Umstiegs von Kohle auf Gas bei weitem überschreiten! Während im alten Kohle-Kraftwerk „nur“ 1.200 CO2-Einheiten erzeugt würden, würde das neue Gas-Kraftwerk 1.650 CO2-Einheiten erzeugen! Eine weitere Steigerung der Stomerzeugung in der neuen Anlage würde diese Werte noch mehr erhöhen!
Für ein vollständigeres Bild muss nun noch die thermische Leistung betrachtet werden: Thermisch sollen sich laut „Werbebroschüre“ die beiden Kraftwerke nur geringfügig unterscheiden, das neue etwas weniger Leistung haben als das alte Kraftwerk. Per Faustformel würde das für die CO2-Emissionen also bedeuten – wenn beide Kraftwerke in gleicher Weise für die Fernwärme genutzt werden, dass sich die Emissionen bezogen auf die thermische Leistung durch das neue Kraftwerk halbieren würden. Ein höherer Wirkungsgrad der neuen Anlage gegenüber der alten würde sogar noch etwas mehr CO2-Reduzierungen möglich machen. Ob das in der Summe wirklich so ist, ist unbekannt. Kann sein, muss aber nicht!
Fassen wir das mal zusammen, dann ergibt sich folgende Spekulation:
Während sich bei fast gleicher Wärmeleistung eine Reduzierung der CO2-Emissionen um die Hälfte ergibt, steigen die CO2-Emissionen bei der Stromproduktion im neuen Kraftwerk um rund 40 Prozent an. In der Summe ergibt das lediglich eine CO2-Einsparung von 10 Prozent.
Steigt die Stromerzeugung und sinkt die Wärmeversorgung, wäre gar keine CO2-Einsparung die Folge. Und das bei einem Einsatz von fast 500 Millionen Euro, die die Stadt Hamburg und Vattenfall in den Neubau in Wedel investieren!
NOCHMAL: All das sind Spekulationen, die nur deshalb hier gemacht werden, weil Vattenfall und die Stadt Hamburg zwar einen Beitrag des neuen Kraftwerks zum Klimaschutz behaupten, aber keinerlei Informationen auf den Tisch legen, um tatsächlich konkrete Aussagen treffen oder diese prüfen zu können!! Jede Information wird verweigert! Auch der SPD-Senat legt dazu nichts vor! Genau die aber haben die Verantwortung, diese Sachverhalte darzustellen – nicht sie zu verschleiern!
Die hier getätigten Spekulationen sollen zumindest den Versuch darzustellen, vor welchem MÖGLICHEN Hintergrund wir davon ausgehen, dass das neue GuD-Kraftwerk einfach keinen Sinn für die Energiewende und den Klimaschutz ergibt, sondern nur für die Geschäftsinteressen von Vattenfall!
Soll durch ein viel größeres Kraftwerk ersetzt werden. Das kohlebefeuerte Heizkraftwerk Wedel. Foto: Dirk Seifert
Der Streit um den Neubau eines von Vattenfall und der Stadt Hamburg beantragten GuD-Kraftwerks in Wedel ist im vollen Gange. Mehr als 1.200 Einwendungen hat es zu diesem Projekt gegeben. Nicht nur das Hamburger Abendblatt wundert sich, dass auch zahlreiche Umweltorganisationen zu den Einwendern gehören. Gasgefeuerte GuD-Kraftwerke zählen doch im Streit mit den Atom- und Kohlekonzernen per se zu den Öko-Kraftwerken, von Umweltorganisationen als flexible Brücke für die Energiewende hin zu 100 Prozent Erneuerbaren Energie favorisiert.
Die (Vor)Urteile sind klar: Weil es ein auf gasbasis betriebenes Gas- und Dampfkraftwerk ist, muss es doch was gutes sein. Ein Kraftwerk auf gasbasis hat doch deutlich geringere CO2-Emissionen zur Folge. Deshalb ist es doch prima, wenn Vattenfall ein solches Kraftwerk baut und dafür ein Kohlekraftwerk ersetzt. Warum also die Proteste gegen das geplante GuD-Kraftwerk in Wedel?
Das können wir erklären!
Oft ist von Vorteil, wenn man die Dinge konkreter ansieht und differenziert miteinander vergleicht. Das ist in einer über Medien laufenden Kommunikation nicht immer ganz einfach, passt die Wirklichkeit doch häufig nicht in einfache „Schwarz-Weiß-Schlagzeilen“, sind Verlage von Anzeigenkunden abhängig, sind Tageszeitungen u.a. von sinkenden Verkaufseinnahmen betroffen und bekommen JournalistInnen Honorare und Zeilengelder, für die es wirklich keinen Spaß macht, gründlich zu recherchieren! Marketing, PR, Werbung und Journalismus verschwimmen immer mehr miteinander. Unternehmen stellen vermeintliche Tatsachen in die Welt und übersehen wird, dass sie damit ausschließlich ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen verfolgen. Eine „Übermacht“, der nicht nur JournalistInnen manchmal erliegen, sondern die auch dazu führt, das Umwelt-AktivistInnen Probleme, Widersprüche und eine immer komplexere Wirklichkeit in einfache Bilder zu pressen versuchen, um gehört zu werden. Dazu gäbe es noch mehr zu sagen…
Aber – nehmen wir uns die Zeit – und schauen genauer hin, was Unternehmen, die konkrete wirtschaftliche, – also in der bürgerlichen Gesellschaft – private Interessen, verfolgen, behaupten – und was tatsächlich passiert.
Warum also erzürnen sich Umweltorganisationen mit Blick auf die Energiewende und den Klimaschutz über die Planungen für ein von Vattenfall und seinem Minderheitsaktionär Hamburg geplantes neues GuD-Kraftwerk in Wedel? (zur Frage der Bürgerbeteiligung und der Transparenz siehe auch hier!)
Für das bisherige Heizkraftwerk in Wedel, das mit Kohle betrieben wird (zudem verfügt es über zwei Gasturbinen für die Spitzenlastproduktion.) gibt Vattenfall folgende Leistungsdaten an:
Auf Basis dieser Daten ist also erkennbar, das die Wärmeleistung des neuen Kraftwerks ein wenig geringer ausfällt, aber die elektrische Leistung deutlich größer sein soll, als bislang.
Während das derzeitige Heizkraftwerk eine gesamte Leistung von insgesamt 673 MW hat, soll das neue Kraftwerk laut „Werbebroschüre“ eine Leistung von 870 MW haben, also um 203 MW größer ausfallen.
Aber: Die Angaben in der für die „allgemeine“ Öffentlichkeit mit vielen bunten Bildern und wenig aussagekräftigen Daten und Zahlen gemachten Broschüre stimmen nicht mit denen überein, die Vattenfall im Genehmigungsantrag nennt. Die im Genehmigungsverfahren genannten Daten für das neue Kraftwerk liegen zum Teil deutlich über dem, was Vattenfall in der „Werbeboschüre“ schreibt!
Mehr Leistung beantragt, als öffentlich behauptet!
Im Genehmigungsantrag beantragt Vattenfall zwei Varianten. Als Grund dafür gibt Vattenfall lediglich an: „Dies ist erforderlich, um im Rahmen der Ausschreibung das wirtschaftliche Optimum zu erreichen.“ Dann listet Vattenfall folgendes auf:
Feuerungswärmeleistung
Var. 2-1
Var. 4-1
Gasturbine
2 x 465 MW
4 x 121 MWW
Zusatzfeuerung Abhitzekessel*
2 x 175 MW
4 x 81 MW
Heißwassererzeuger
1 x 135 MW
1 x 135 MW
Hilfsdampferzeuger (Bestand)
2 x 14 MW
2 x 14 MW
Gesamt
1.443 MW
971 MW
* Die Maximalleistung der Zusatzfeuerung wir nur abgerufen, wenn die zweite Linie nicht betriebsbereit ist, aber gleichzeitig Maximallastanforderungen aus dem Netz besteht. Im Normalbetriebsfall werden lediglich 2 x 25 MW als Zusatzfeuerung genutzt.
Als „voraussichtliche elektrische Leistung“ gibt Vattenfall an :
Variante 2-1: 470 MW el
Variante 4-1: 350 MW el
Der unterschied in der Gesamtleistung ist augenfällig: In Variante 1 entsteht in Wedel ein Kraftwerk mit einer Leistung von insgesamt 1.443 MW.In dieser Dimension ist das neue Kraftwerk gegenüber den bisherigen 674 MW also mehr als doppelt so groß als bislang!
Diese Daten weichen auch erheblich von denen in der Werbebroschüre von Vattenfall selbst angegebenen Daten ab! Während dort die Gesamtleistung mit 870 MW beziffert wird, sollen laut Genehmigungsantrag in Wirklichkeit bis zu 1.443 MW in Wedel gebaut werden. Vattenfall gibt öffentlich also rund ein Drittel weniger Leistung zu, als geplant? Warum?
Kein Wunder also, wenn die örtliche BI von einem MEGA-Kraftwerk spricht!
In der Variante 2 sind es 971 MW. Dies wäre auf Basis des Genehmigungsantrags also die minimale Gesamtleistung. Aber selbst diese ist mithin um rund 100 MW größer, als in der Werbebroschüre angegeben!
Nun könnte man denken, dass die Werbebroschüre möglicherweise einfach die Komponenten Heißwassererzeuger und Hilfsdampferzeugern „vergessen“ oder nicht nicht berücksichtig hat: Rechnet man die Leistung für den Heißwassererzeuger (in beiden Varianten 135 MW) und den Hilfsdampferzeuger (in beiden Varianten 28 MW) raus, also insgesamt je Variante 164 MW weniger, so entstehen in Variante 1 immer noch 1.279 MW und 807 MW in der Variante 2.
So richtig decken sich die Zahlen aus der Werbebroschüre nicht mit den Angaben, die Vattenfall im Genehmigungsantrag angibt.
Der Vollständigkeithalber wäre noch das Sternchen * in der Tabelle zu betrachten. Vattenfall macht im Genehmigungsantrag den Hinweis: „Die Maximalleistung der Zusatzfeuerung wir nur abgerufen, wenn die zweite Linie nicht betriebsbereit ist, aber gleichzeitig Maximallastanforderungen aus dem Netz besteht. Im Normalbetriebsfall werden lediglich 2 x 25 MW als Zusatzfeuerung genutzt.“
Soll also bedeuten: Obwohl Vattenfall in Variante 1 bei der Zusatzbefeuerung für den Abhitzekessel zwar 350 MW beantragt, sollen aber „im Normalbetriebsfall“ lediglich insgesamt 50 MW gefahren werden. In der Variante 2 statt 324 MW auch nur 50 MW.
Betrachten wir also nur den Abhitzekessel und die Gasturbine und den vermeintlichen Normalbetriebsfall, dann kommen wir auf folgende Daten:
FAZIT: Vattenfall behauptet in der Öffentlichkeit lediglich eine Leistung des neuen Kraftwerks in Wedel von 870 MW. Tatsächlich wird im Genehmigungsantrag eine Leistung bis zu 1.443 MW beantragt. Beide Leistungsdaten liegen – zum Teil gravierend – über denen des bisherigen Kraftwerks.
Welchen Wirkungsgrad hätten sie denn gern?
Interresant ist auch, dass die Angaben zum Wirkungsgrad der geplanten Anlage erheblich von den Daten im Genehmigungsantrag abweichen.
In der Werbebroschüre steht: „Gesamtwirkungsgrad: bis zu 88 Prozent im Kraft-Wärme-Kopplungsbetrieb“.
Im Genehmigungsantrag aber liegen die Werte unter den in dieser Broschüre genannten. Dort heißt es: „Es wird eine hocheffiziente GuD-Anlage … mit einem Gesamtwirkungsgrad von 75 % (KWK-Betrieb) bzw. elektrischen Gesamtwirkungsgrad von 55 % (Kombibetrieb) beantragt.“ Ein nicht geringer Unterschied.
Fazit: Der konkrete Vergleich, was Vattenfall und die Stadt Hamburg mit dem neuen Kraftwerk in Wedel als Ersatz für das alte Kraftwerk planen zeigt: Das neue Kraftwerk ist in seinen Dimensionen um ein vielfaches größer als das alte Kraftwerk! In den öffentlichen Darstellungen – siehe Werbebroschüre – wird über diese Dimension nichts ausgesagt. Diese Unterschiede haben auch erhebliche Auswirkungen für den Klimaschutz und die CO2-Emissionen des neuen Kraftwerks im Vergleich zum alten Krafwerk. Dazu lesen sie mehr in einem folgenden Text!