Rot-Grün NRW: „Landesregierung weigert sich Sicherheitsstandards anzuheben“

robinwood_uranfabrig_gronauDie Anti-Atom-Initiativen in Nordrhein-Westfalen reagieren zunehmend empört auf die Untätigkeit der rot-grünen Landesregierung in Düsseldorf in Sachen Atomausstieg und Sicherheit von Atomanlagen. Dabei geht es aktuell um die zu kleinen oder sogar fehlenden Flugverbotszonen über den Atomanlagen in NRW. Bereits vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass an der Uranfabrik in Gronau Atommüll völlig unbefristet gelagert werden darf. Weil URENCO es als Wertstoff behandelt, verzichtet die Landesregierung ebenso wie die Bundesregierung auf den sonst fälligen Atommüll-Entsorgungsnachweis. Einen Nachweis, in welcher Weise URENCO das abgereicherte Uran verwertet, liegt nicht vor und wurde offenbar nicht einmal verlangt. Siehe dazu:  Statt Atommüllentsorgung – Oberirdische Lagerung für radioaktives Uran völlig unbefristet!

Mit einer Pressemitteilung haben die Initiativen gestern auf die Antworten der rot-grünen Landesregierung auf Anfragen von der Piraten-Partei reagiert:

„Landesregierung weigert sich Sicherheitsstandards anzuheben – Atomkraftgegner empört über Antwort zu Uran-Freilager –  keine klare Linie bei Flugverbotszonen an Atomanlagen

„Katastrophal, niederschmetternd und sachlich nicht nachvollziehbar“ – so schätzen der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) sowie Anti-Atomkraft-Initiaven zwei aktuelle Antworten der NRW-Landesregierung auf Kleine Anfragen der Piratenfraktion zur Uran-Freilagerung an der Urananreicherungsanlage Gronau (Landtags-Drucksache 16-2524) sowie zu Flugverbotszonen rund um Atomanlagen in NRW (Landtags-Drucksache 16-2525) ein.

„Freilagerung von Uranhexafluorid muss verboten werden“

Die Landesregierung erklärt die großflächige Lagerung von bis zu 50 000 Tonnen Uranhexafluorid unter freiem Himmel in Gronau auch im Angesicht der Terroranschläge vom 11. September 2001 und möglicher Flugzeugabstürze ausdrücklich für verantwortbar. „Das ist ein Skandal erster Güte, denn die Landesregierung verschanzt sich mit ihrer lapidaren Antwort hinter überholten Genehmigungsstandards aus den 1980er Jahren – die notwendige Anhebung der Sicherheitsstandards findet nicht statt. Wer im Jahre 2013 die Freilagerung von riesigen Mengen Uran für verantwortbar hält, pokert mit der Sicherheit der Bevölkerung. Die Freilagerung von Uran und anderen radioaktiven Stoffen muss grundsätzlich verboten werden,“ so Udo Buchholz vom Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz.

Flugzeugabstürze: „Landesregierung ignoriert alle Schwachstellen“

Auch beim Thema Flugzeugabstürze offenbart die Antwort der Landesregierung einen fehlenden Gesamtplan, der sich konsequent am Schutz der Bevölkerung orientieren würde. Während rund um die Urananreicherungsanlage Gronau eine Flugverbotszone von 1,5 km Abstand und ca. 600 Meter Flughöhe existiert (s. Landtags-Drucksache 16/1832 v. 10. Januar 2013), gibt die Landesregierung nun bekannt, dass rund um das Forschungszentrum Jülich ein „Flugbeschränkungsgebiet“ von 7,5 km Durchmesser und 700 Meter Flughöhe bestehe. Rund um das Zwischenlager Ahaus, die Atommüllkonditionierungsanlage Duisburg sowie die AKW-Ruinen Hamm und Würgassen gibt es jedoch gar keine Flugverbotszone.

Warum werden die Atomanlagen in NRW derart unterschiedlich behandelt? Warum ist das „Flugbeschränkungsgebiet“ rund um Jülich größer als in Gronau? Welche Flüge sind über Jülich trotz „Flugbeschränkung“ weiterhin erlaubt? Warum gibt es in Duisburg und Ahaus keine Flugverbotszone, wo doch gerade erst die Bundes-Entsorgungskommission bescheinigt hat, die Zwischenlagerhalle in Ahaus würde bei einem Flugzeugabsturz in sich zusammenfallen? „Eine  klare Linie in Sachen Flugverbotszonen ist nicht zu erkennen. Zudem werden alle Schwachstellen wie z. B. in Ahaus systematisch ignoriert. „Die Landesregierung macht ihre Hausaufgaben nicht, wenn sie den völlig unzureichenden „Status quo“ für ausreichend erklärt – die Gefahr von Flugzeugabstürzen muss endlich Ernst genommen werden und gleichmäßig für alle Atomanlagen zu Maßnahmen führen,“ forderte Falko Tetzlaff von der Initiative „Kein Castor nach Ahaus“.

Katastrophenschutz: „Ausweichende Antwort der Landesregierung ist zynisch“

Zum Thema Katastrophenschutz erklärt die Landesregierung lapidar, bei Verstößen gegen die Flugverbotszonen in Gronau und Jülich sei die Bundesregierung, die Deutsche Flugsicherung sowie die militärische Flusicherung zuständig. Deshalb spiele für die Landesregierung die mögliche Reaktionszeit im Katastrophenfall keine Rolle.

„Diese ausweichende Antwort ist geradezu zynisch – die Landesregierung weigert sich, die Verantwortung für die Sicherheit der von ihr selbst genehmigten Atomanlagen zu übernehmen. Es zeigt sich, dass die Atomanlagen in NRW auch zwölf Jahre nach dem 11. September in keiner Weise gegen Flugzeugabstürze geschützt sind und daran seitens der Landesregierung nicht einmal Interesse besteht. Wofür werden dann eigentlich „Stresstests“ und „Sicherheitsüberprüfungen“ durchgeführt, wenn sowieso nichts geändert werden soll? Die Atompolitik in NRW muss komplett neu auf strikte Sicherheitsstandards und Atomausstieg ausgerichtet werden,“ forderte Willi Hesters vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen.

PM vom 9. April, Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen, Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU), Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau, Initiative „Kein Castor nach Ahaus“, SOFA (Sofortiger Atomausstieg) Münster

Weitere Infos: www.sofa-ms.de, www.urantransport.de, www.kein-castor-nach-ahaus.de, www.bbu-online.de

Brokdorf-Akut: Erst AKWs abschalten – dann über Castor reden

AKW-Brokdorf-2012a-Dirk-SeifertDie Anti-Atom-Initiative Brokdorf-Akut hat am Samstag in einer Pressemitteilung zu möglichen Castortransporten aus Sellafield und La Hague in das AKW Brunsbüttel Stellung genommen. Dieser Atommüll war eigentlich für das Zwischenlager in Gorleben vorgesehen. Schleswig-Holsteins grüner Energieminister Robert Habeck hatte im Zuge der Parteiengespräche über einen Kompromiss zur Endlagersuche vorgeschlagen, dass dieser Atommüll als „Lastenausgleich“ in dem stillgelegten Atommeiler an der Elbe zwischengelagert werden könnte. So könnten weitere Castortransporte nach Gorleben vermieden werden. „Brokdorf-Akut: Erst AKWs abschalten – dann über Castor reden“ weiterlesen

Korrektur: Keine Castortransporte nach Gorleben: 26 Behälter mit strahlendem Atommüll suchen neue Heimat

atommüllfassKorrektur: Nicht 54 wie zuerst gemeldet, sondern offenbar doch „nur“ 26 Behälter mit strahlendem Atommüll suchen eine neue Heimat, wenn diese nicht wie bislang vorgesehen in das Zwischenlager Gorleben rollen sollen. Noch 2011 waren wie zunächst gemeldet, 22 Behälter für mittelradioaktive Abfälle aus La Hague für Gorleben vorgesehen (siehe unten). Nach aktuellen Angaben auf der Homepage des Bundesamt für Strahlenschutz sind diese jetzt jedoch verringert worden, so dass nur noch fünf solcher Behälter transportiert werden müssen. Hinzu kommen 21 Behälter aus Sellafield. Außerdem hatte ich irrtümlich 11 Castorbehälter aus Franreich mit gerechnet, die im Herbst 2011 bereits nach Gorleben transportiert worden sind. Ich bitte um Entschuldigung, für die falsche Meldung zuvor!!!

„Korrektur: Keine Castortransporte nach Gorleben: 26 Behälter mit strahlendem Atommüll suchen neue Heimat“ weiterlesen

Atommülll-Desaster: In Ahaus lagert Atommüll demnächst illegal

Schacht Konrad August 2012-15.jpgDie weiteren Verzögerungen beim unterirdischen Ausbau des für die Endlagerung von leich- und mittelradioaktiven Atommüll vorgesehenen Schacht Konrad in Salzgitter haben Konsequenzen auch für andere Atomanlagen. Vor 2021 wird der Schacht Konrad nach heutigem Stand nicht in Betrieb gehen. Aber nur bis 2020 hat z.B. der im „Zwischenlager“ Ahaus befindliche leicht- und mittelradioaktiver Atommüll eine Genehmigung. Darauf machen heute Anti-Atom-Initiativen aus NRW und die AG Schacht Konrad in einer Pressemitteilung aufmerksam:

„Probleme bei Schacht Konrad haben Auswirkung auf Ahaus: Verzögerung von geplantem Atommülllager bis mindestens 2021  – Atomkraftgegner: „Sofortiger Einlagerungsstopp in Ahaus“  – „Schacht Konrad als Atommülllager ungeeignet“

Die massiven Probleme beim geplanten Atommülllager Schacht Konrad haben direkte Auswirkungen auf die Lagerung von schwach- und mittelradioaktivem Atommüll in Ahaus:  Nach Medienberichten rechnet inzwischen selbst die DBE als Bauherrin mit einem weiteren Verzug des Endlagerprojekts Schacht Konrad bis mindestens ins Jahr 2021. Im letzten Jahr war sogar schon 2024 ins Gespräch gebracht worden. DBE gehört zu 75% der Ahaus-Betreiberin GNS. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) lässt nun durch einen Sachverständigen prüfen, wann frühestens mit der Inbetriebnahme zu rechnen ist. AtomkraftgegnerInnen weisen seit langem darauf hin, dass Schacht Konrad als Atommülllager völlig ungeeignet ist und fordern die komplette Aufgabe des Projekts.

Für das Zwischenlager Ahaus bedeuten die massiven Probleme beim Schacht Konrad, dass der in Ahaus lagernde schwach- und mittelradioaktive Abfall definitiv nicht mehr rechtzeitig bis zum Genehmigungsende 2020 ausgelagert werden kann. Anti-Atomkraft-Initiativen haben davor bereits mehrfach gewarnt. Nun fordern sie von der NRW-Landesregierung als Atomaufsicht ein sofortiges Transportmoratorium für den schwach- und mittelradioaktiven Abfall für Ahaus. „Wenn nicht geklärt ist, ob der radioaktive Müll noch rechtzeitig oder überhaupt jemals aus Ahaus wieder ausgelagert werden kann, darf erst recht kein weiterer Müll eingelagert werden,“ so Falko Tetzlaff von der Initiative „Kein Castor nach Ahaus“.

Auch eine temporäre Verlängerung der Einlagerungsgenehmigung für Ahaus ist keine Option. Die Einlagerungsgenehmigung der Bezirksregierung Münster von 2009 ist ganz klar auf zehn Jahre befristet. Wenn die Gesellschaft für Nuklearservice (GNS), die das Zwischenlager Ahaus betreibt und an der DBE beteiligt ist, ihre eigenen Entsorgungsprobleme nicht in den Griff bekommt, muss auch an der Zuverlässigkeit des Unternehmens gezweifelt werden.

Die rot-grüne Landesregierung als Atomaufsicht sowie die Bezirksregierung Münster als Genehmigungsbehörde müssen der GNS jetzt einen Riegel vorschieben. „Wir fühlen uns auf den Arm genommen. Die 10-Jahresfrist für die Atommüll-Einlagerung erweist sich als reine Farce, da die Endlagerungsprojekte in Deutschland komplett gescheitert sind. Auch beim Schacht Konrad wird dies nun scheibchenweise deutlich. Dass die NRW-Landesregierung trotzdem weitere Einlagerungen in Ahaus billigt, ist ein unverständliches Zugeständnis an die Atomindustrie – die Sicherheit der Bevölkerung bleibt außen vor,“ so Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen.

AtomkraftgegnerInnen kündigen zudem neue Proteste an: Am 7. April wird es um 14 Uhr an der Urananreicherungsanlage Gronau und am 21. April um 14 Uhr am Zwischenlager Ahaus Sonntagsspaziergänge geben. Für den 19.-27. Juli ist ein großes Anti-Atom-Sommercamp im westlichen Münsterland geplant.

Weitere Infos: www.kein-castor-nach-ahaus.de, www.urantransport.de, www.sofa-ms.de, www.ag-schacht-konrad.de

 

Der größte Teil der leicht- und mittelradioaktiven Atomabfälle soll im Schacht Konrad eingelagert werden. Immer wieder kommt es dort zu Verzögerungen bei dem laufenden Ausbau. Nun soll der Probebetrieb erst ab 2021 beginnen können. Vorgesehen ist, dass dieser vier bis fünf Jahre dauern soll, bevor dann im kommerziellen Maßstab mit der Atommülleinlagerung begonnen werden kann. Zur Rolle von Schacht Konrad bei der Atommüllentsorgung siehe auch hier: Atommüll und Ausstieg: Alles hängt an Konrad?

Diese Verzögerungen haben aber auch Auswirkungen z.B. für den Rückbau der stillgelegten Atommeiler. Vorgesehen war, dass die radioaktiven Bauabfälle möglichst direkt zum Schacht Konrad transportiert werden können. Nun dürften an den AKW Standorten auch Lagerhallen für dieses radioaktive Material unerlässlich sein.

Fraglich ist nun auch, was der AKW Betreiber Vattenfall in Sachen Stilllegung und Rückbau von Brunsbüttel machen wird. Vattenfall hatte seinen Stilllegungsantrag an die Bedingung gekoppelt, dass der Schacht Konrad ab 2018 zur Verfügung stehen müsse. Sonst würde man die Stilllegung bzw. den Rückbau nicht angehen. Siehe hier: Vattenfall-AKW Brunsbüttel – Der Stilllegungsantrag zum nachlesen und hier: Vattenfall stellt Bedingungen für den Rückbau des AKW Brunsbüttel – Sicherheitsprobleme im Schacht Konrad werden ignoriert

Das AKW Brokdorf muss vom Netz – Keine Castortransporte nach Schleswig-Holstein

AKW-Brokdorf-2012a-Dirk-SeifertRund um den Atommeiler Brokdorf laufen die Vorbereitungen für die Protest- und Kulturmeile am 21. April auf Hochtouren. Kurz vor dem 27. Jahrestag der Atomkatastrophe von Tschernobyl wollen die AtomkraftgegnerInnen in Schleswig-Holstein den Druck für die Abschaltung des AKW Brokdorf erhöhen. Auch in Bayern wird an diesem Tag demonstriert. Dort wird in Grafenrheinfeld der Atomausstieg gefordert (alle Infos auf www.anti-atom-demo.de) „Das AKW Brokdorf muss vom Netz – Keine Castortransporte nach Schleswig-Holstein“ weiterlesen

×